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Aus -er Provinzialhauptstadt

eigene Note, war in

der anders, in ihrem

Kameradschastsabend des Lustschutz-Lehrtrupps.

Als Vertreter der Behörden sprach Bürgermeister Dr. Hamm. Alle in Betracht kommenden Dienst­stellen seien sich vollkommen klar über die Bedeutung des Luftschutzes, und er könne versprechen, daß von ihrer Seite alles nur irgend Mögliche geschehen werde, um den Luftschutzgedanken zu unterstützen. Wer, wie die Teilnehmer des Lehrganges, im Reichsluft­schutzbund mitarbeite, tue dies ja keineswegs aus Privatvergnügen, sondern für das große Ziel, im Ernstfall für Volk und Reich und Staat seine Kräfte in zweckentsprechendet Weise einsetzen zu können. In diesem Ernstfall wird es, wie der Ortsgruppen­führer Dr. W a l b r a ch bei dem Eröffnungsabend des Lehrganges schon ausgeführt hat, keine ge­trennten Front-, Etappen- und Heimatgebiete mehr geben, sondern das ganze Land wird Kriegsgebiet

Diele Festwagen, mit denkbar größter Sorgfalt und Liebe hergerichtet und geschmückt, boten im Verein mit den Trachten ein großartiges Bild. Die Gruppe von Ober-Ofleiden, Dannenrod (alte Ger­manen), Appenrod, Haarhausen, Gontershausen, Deckenbach und Homberg stellten Wagen, durch die vielfach sehr fein die Arbeit des Bauern dargestellt war. Liebliche Bilder boten jene Wagen, auf denen sich Mädchen richtige Spinnstuben eingerichtet hat­ten und durch Sinnsprüche ihr Bekenntnis zum Volkstum zum Ausdruck brachten. Das Homberger Handwerk (Bäcker, Metzger, Töpfer und Schmied) trug auch fein Teil bei und stellte einige Wagen.

Der bunte Festzug bewegte sich nur durch die hauptsächlichsten Straßen der Stadt und kehrte dann zum Festplatz zurück.

Wohl niemand versäumte es, sich den Fesizug auf seinem Weg zweimal anzusehen, und mit heller Freude sah jedermann das feine deutsche Kulturgut, das hier getragen wurde, und nicht wie irgend etwas Fremdes getragen wurde, sondern so sicher, wie eben nur in Kleidern, die von Generationen her vertraut sind, ge­gangen werden kann.

Als der Festzug den herrlich im Tal gelegenen Festplatz erreicht hatte, kam die große Menge der Einwohner und auswärtigen Gäste nach, um noch

Die Arbeit des Luftschuh-Lehrtrupps 7 in unserer Stadt ist beendet. Eine Woche, von morgens bis

in die die hundert Schüler und Schülerinnen aufge- tcilt waren, und die bald ebenso viele Familien bil­deten, gelehrt worden; und daß auch etwas gelernt worden ist, hat schon die Besichtigung am Freitag- vormittag, über die wir am Samstag berichtet haben, gezeigt. Wie der Trupp am Montag zur Pflege der Kameradschaft einen Kamerad­schaftsabend durchgeführt hat, so lud er Teil­nehmer und Behörden am Samstag zu einem A b - schlußabend ein, der um es vorwegzuneh­men glänzend verlief.

Der Führer, Obertruppführer Hafner, eröffnete diesen zweiten Kameradschaftsabend, den manche der jüngeren Teilnehmer sicher lieber acht Tage später gefeiert hätten, mit einer kurzen Ansprache. Was die OrganisationKraft durch Freude" im großen erreichen will ein Ebenmaß von Arbeit und Freude das bezweckten diese Kameradschafts­abende im kleinen Kreis des Luftschutzes. Wenn man von Dank an den Lehrtrupp spreche, so müsse er dazu sagen:Das ist nicht nötig, wir haben nur unsere Pflicht für Deutschland getan, worum es bei all unserer Arbeit geht." Wollten aber die hundert Frauen und Männer, Mädels und Jungen sich doch dankbar erweisen, so könne dies am besten dadurch geschehen, daß sie das Gelernte recht bald und gründlich in die Tat umsetzten, um an ihrem Teil die Bestrebungen des Reichsluftschutzbundes nach Kräften zu fördern. Zum Schluß sprach der Redner herzlichen Dank an die BurschenschaftGermania" aus, für die freundliche Ueberlassung der Räume.

An alle Hausbesitzer und Haushaltungsvorstände.

Die Polizeidirektion Gießen teilt uns mit: Mit Beginn der Feuerschutzwoche, und zwar ab 17. Sep­tember, werden durch die Hessische Polizeidirektion und den Reichsluftschutzbund an alle Hausbesitzer und Haushaltungsvorstände Fragebogen zugestellt, um deren gewissenhafte und sorgfältige Ausfüllung gebeten wird. Ab 10. Oktober werden diese Frage­bogen wieder abgeholt.

Vortrag vor der SA.

Am Mittwoch, 26. September, 20.15 Uhr, hält Bürgermeister SA.-Sturmmann Dr. Hamm vor SA.-Kameraden einen Vortrag im Caf6 Leib über das Thema:Bodenrecht und Boden- unreif) t". An dem Vortragsabend nehmen teil: H/116, 20/116, VI/116, Pi. 23/116, Motor-SA. (Standort Gießen), Marinesturm (Standort Gießen), M. Z.-S. Z./116, Reitersturm (Standort Gießen).

Starkenburger Kerienkinder kommen nach Gießen und Umgegend.

Auf Veranlassung ter NSV. haben unsere Stadt und einige Orte im Kreise Gießen am Samstag wiederum für vier Wochen den Besuch von erho- lungsbedürftigen Kindern erhalten. Als freudig aufgenommene Gäste erschienen diesmal 79 Buben und Mädels aus dem Kreise Groß-Gerau, die am Samstag um 15.04 Uhr auf dem hiesigen Bahnhof eintrafen, wo sie von Herren der NSV. auf dem Bahnsteig und dann vor dem Bahnhofsgebäude von ihren Ferien-Pflsgeeltern in Empfang genom- men wurden. Mit frohem Lachen kamen die Kei­nen hier an, die helle Freude über das wunderbare Ferienerlebnis strahlte ihnen aus den Augen. Ein Teil der Kinder Derb lieb in Gießen, er wurde vor tem Bahnhofsgebäude den freundlichen Gastgebern zugeführt. Dabei gab es auf beiten Seiten freu­diges Entgegenkommen, reiche Liebe wurde von den Pflegeeltern den Kleinen zum Ausdruck ge­bracht und von diesen mit hingebungsvollem, kind­lichem Vertrauen erroitert. Wer Zeuge einer der­artigen Begegnung ist, wird immer wieder mit Freute und Genugtuung feststellen können, welch' reicher Segen sowohl für die Ferienkinder, wie auch für die Pflegeeltern und für die deutsche Volk;«

die bunten Trachten der Mädchen und Burschen in ihrem ganzen Glanze und in ihrer nicht zu über­bietenden Schönheit lebendig werden.

Um die Mittagsstunde mußten die Veranstalter zur Aufstellung des Festzuges mahnen. Aus den Häusern kamen sie nun heraus, in denen die Aus­wärtigen zu Gast waren, und strebten in geschlosse­nen Gruppen dem Platz der Aufstellung unten im Tal zwischen Homberg und Neuhaus zu. Willig ordneten sich alle ein, die Festwagen standen fahrbereit, und bald erklang auch das Signal zum

Inzwischen waren aus der weiten Umgebung viele Besucher erschienen. Nach Hunderten zählten die Trachtenfestbesucher allein aus unserer Pro­vinzialhauptstadt Gießen. In dichten Massen säumten Tausende von erwartungsvollen Zuschauern des Festzuges die Straßen. Und freudige Bewegung ging durch die Reihen der Wartenden, als aus dem Tal herauf die Marschklänge der Kapelle des Ar­beitsdienstes, die die Spitze des Festzuges bildete, Zu hören waren. Unzweifelhaft hat Homberg einen solchen Festzug noch nie erlebt.

Der Trachlenfestzug war eine einzige große Freude für das Auge.

Es wäre sehr schwer, jede einzelne Trachtengruppe einer an sich verdienten Würdigung zu unterziehen. Das ist aber auch kaum nötig, denn die eine bot sich so prächtig dar wie die andere.

Aber wenn man auf die Trachten als solche ein­gehen will, dann muß man wohl bei den Schwül- mern beginnen. Während bei den meisten Grup­pen die Mädchen fast ausschließlich die Trägerin­nen der Tracht waren, traten die Schwcilmer mit

sein; das ist das unbedingt Grundlegende für den nächsten Krieg. Wenn ein französischer General es als die Hauptaufgabe der Fliegerangriffe bezeichnet hat, die moralische Widerstandskraft des Gegners zu brechen, fo ergibt sich aus diesem Wort zugleich die Hauptaufgabe des Reichsluftfchutzbundes: die moralische Widerstandskraft der Bevölkerung zu stärken. Um das zu erreichen, genügt es nicht, daß hier und da jemand eine Ahnung von Brandbomben und ihrer Bekämpfung hat, sondern das ganze Volk muß zum Wehrwillen erzogen werden. Der Ein­zelne muß dahin gebracht werden, daß er uner­schrocken mit der Sandschaufel dem Brandherd nahe­rückt und damit sich selber schützt und feine Ange­hörigen und Mithausbewohner. Aber darüber hin­aus sagen wir nicht bloß: Luftschutz ist Selbstschutz, sondern: Luftschutz ist Volksschutz. Denn uns geht es nicht um die Erhaltung eines Menschen, einer Familie, eines Hauses, son­dern all unsere Arbeit im Reichsluftschutzbund dreht sich um unser Volk, da wir erkannt haben, daß allein das Volk ewig und unsterblich ist.

Für tee Stadtverwaltung versprach Dr. Hamm, daß sie alles tun werde, was in ihren Kräften stehe, um am Ausbau des Luftschutzes mitzuhelfen. Das­selbe gelte für tee Polizei, die aus begreiflichen Grünten großes Interesse am Luftschutz habe. Auch die S A., so versicherte er für den Standartenführer Cutter, stehe hinter den Bestrebungen des Reichs­lustschutzbuntes und werde sich für ihn ein setzen. Als Bezirksgruppenführer von Oberheffen dankte er dem Trupp für feine Arbeit, tee auch Bedeutung für die ganze Provinz habe, vor allem aber im Namen der Ortsgruppe Gießen.

In dem nun beginnenden gemütlichen Teil des Abends wurden zunächst riesige Kaffeekannen, die freilich später durch Biergläser ersetzt wurden, und gewaltige Mengen von Kuchen aller Art, die aus den Küchen der Teilnehmerinnen stammten, herum- gereicht. Nach dem gemeinsamen Gesang eines Lie­des von Hermann Löns, ter vor nunmehr 20 Iah- ren in Frankreich gefallen ist, kam der schon am Montag angekündigte .Sängerwettstreit zwischen DdM., HI. und dem Trupp zum Austrag. Gegen den glänzend eingeübten Chor des Trupps kannten trotz allen anerkennenswerten Bemühungen die an­deren Chöre nicht aufkommen. Die Abstimmung unter den Zuhörern fiel denn auch überwältigend zu Gunsten des Trupps aus.

In einer kurzen launigen Ansprache versicherte sich ter Schulungsleiter von Bezirk und Orts­gruppe, Herr S ch u ch a rd, daß alle hundert Teil- nehmer und Teilnehmerinnen bereit seien, in Zu-

einige Stunden mit den Gästen in der bunten Tracht zu verbringen. So entwickelte sich auf dem Platze ein reges Leben. Als die einzelnen Trachten­gruppen dann zu ihren Tänzen auftraten, waren die beiden Tanzpodien von einer schier undurch­dringlichen Menschenmenge umlagert. Da flogen die bunten Röcke bei Polka und Mazurka, beim Rheinländer und beim alten Schottisch, daß die älteren Damen und Herren schier aus dem Häus­chen gerieten.

Auf dem Festplatz fand auch eine Kundgebung

statt, bei der zunächst der Kreisobmann des Reichs­bundes Volkstum und Heimat, Lehrer Kraus- Ruhlkirchen, sprach. In weiteren Verlaufe des Nach­mittags traf dann auch der Landesobmann der Landesbauernschaft Hessen-Nassau Pg. Seipel ein und hielt ebenfalls eine Ansprache. Auf beide Reden werden wir noch kurz zurückkommen.

Das Fest in seiner Gesamtheit erst zu später Stunde wurde es auf dem Festplatze still nahm einen schönen Verlauf. Die Stadt Homberg hat ge­zeigt, daß sie imstande ist, große Veranstaltungen durchzuführen. Das einzigartige Trachtenfest wird sich für die Stadt Homberg als eine Werbung er­weisen, wie sie glücklicher nicht gedacht werden kann. Jedermann war des Lobes voll und tief befriedigt machte man sich auf den Heimweg.

farbig schimmerten und blitzten. Die Cappeler Mädchen waren sehr zahlreich erschienen, und hell leuchteten die vielen roten Röcke in den Tag. Ein Teil der Gruppe trug schöne bändergeschmückte Musikinstrumente. Die Mädchen aus Schweins­berg fielen besonders durch ihre elfenbeinfarbenen, merkwürdig geformten Bänderhauben auf. Hinter­länder Mädchen kamen in ihren strengen, in der Farbe zurückgehaltenen Kleidern.

Schöne Trachtengruppen kamen aus Ruhlkirchen, Erksdorf, Ebsdorf, Holzhausen, Erfurtshaufen, Rü­digheim, Moischt, Groß-Seelheim, Langenstein und aus dem Hinterland. Und jede dieser Tracyten trug

Farbe und Form immer wie- Wesen geprägt von den Men­schen, die sie trugen und vorher getragen hatten. Man sah manches feingeschnittene Gesicht.

funft eifrig mitzuarbeiten und für die Bestrebungen des Luftschutzes zu werben.

Auch eine Anzahl Kursteilnehmer beteiligten sich neben den Angehörigen des Trupps an ter Aus- gestaltung des Abends. Herr Nord trua ein Ge- dicht vor, das er alsRückschau auf den Lehrgang" verfaßt hat, einige Jüngere sangen Schnadahüpfel, bei denen kaum einer verschont bliebt; bann folgte eine Pantomime, die aus dem Wandervogelkreis stammt:Der Haarkünstlei:", der Obertruppführer führte allein eine Unterhaltung zwischen Vater und Sohn durch, der Trupv sang sein Truppliod und dann folgten, dem Recht der Jugend entsprechend, einige Tänze.

Im ganzen betrachtet ist dieser Kameradschafts­abend glänzend verlaufen. Ob jung, ob all, ob Stu­dienrat oder Eisenbahner: alle, bie im Saale faßen, hatten die Empfindung, zu einer großen Familie zu gehören. Deshalb kann man sagen, daß die Ar- bell des Lehrtrupps nicht bloß auf den Dachböden und in den Kellern erfolgreich war, sondern auch auf dem Gebiet der Pflege ter Volksgemeinschaft, des letzten Zieles im neuen Reich.

Drei Verlaufssonntage vor Weihnachten in Hessen.

In einer Mitteilung des Hessischen Staatsmini­steriums an den Rhein-Main-Handelstag ist ange­ordnet worden, daß in diesem Jahre der 9., 16. und 23. Dezember gemäß den Bestimmungen der Reichsgewerbeordnuna als Verkaufssonntage frei- gegeben sind. Eine Ausdehnung der Verkaufszeit bis 19 Uhr ist nicht möglich, da nach zwingendem Reichsrecht eine Beschäftigung von Gehilfen, Lehr­lingen und Arbeitern über 18 Uhr nicht stattfinden darf.

Spange, waren bekleidet mit dem bestickten schwar­zen Mieder und hatten das zierliche rote Häubchen, an breiten Bändern befestigt, auf dem Kopf. Allge­mein sind sicherlich auch die schönen weißen Woll­strümpfe aufgefallen, die mit einem vielfältigen Muster gestrickt sind. Prächtige Bandeliers an die­sen Strümpfen baumelten bei jedem Schritt. Und die Burschen, prächtige, hvchgewachsene Kerle, neben denen sich die Mädchen fast klein ausnahmen (die Mädchen wurden von den Burschen auch in einer eigenartigen losen Haltung der Hand geführt) tru­gen die langen blauen, ebenfalls vielfach verzierten Blusen, die runde Pelzmütze und die schönen hohen Schuhe, Das Auftreten der Schwälmer wurde viel beachtet.

Nicht weniger schön waren die vielen anderen Trachten. Da sah man vor allem die H erb­st e i n e r Mädchen und Frauen mit ihren in un­endlich viele Falten gelegten Röcken, ihren drei­eckigen spitzen Häubchen und den lang über den Rücken fallenden Bändern. Die Mädchen aus Ohmes führten eine Braut mit sich, die mit vielen bunten Bändern geschmückt war und eine mit vielen Blumen und Perlen bestickte Braut- fronc trug. Stets ernst schritt sie durch die Straßen, sich der Würde ihres Schmuckes sichtlich bewußt. Fast so prächtig wie die Braut waren auch die kleinen Brautjungfern gekleidet. Häufig sah man die runden Flitterkronen, die in der Sonne viel-

7 Burschen und Mädchen auf. In ihrer Tracht äußerte sich wohl eine am höchsten entwickelte Kultur und eine von stärkster Eigenart getragene Form. Die Mädchen trugen viele ihrer roten kurzen ( ^>iuui qi uccuuei. xduuju, uun muigens vis Röcke übereinander, die gedrungenen schweren abends, ist in den vier Abteilungen des Lehrganges, Schuhe mit breiter Lederschleife und silberner i * 1*:- K: v "

Brief aus England.

Von unserem Londoner chr.-Berichterstatter.

London, im September.

Das Hupenkonzert.

Zu Beginn der vorigen Woche erschien hier ein neues Gesetz; es verbietet für die Zeit zwischen 23 und 7 Uhr jegliches Hupengeräusch, Trambahngeklingel und überhaupt jedes laute Ge­räusch imUmkreise von fünf englischen Meilen, als deren Mittelpunkt die hohe Versammlung die Statue S. M. des Königs Charles II. bestimmt hat." Das Zentrum desGeräuschlosigkeitskreiles" liegt also dicht beim Strand, Londons ältester Haupt­straße. Man hat den Wagenlenkern eine Schutzfrist oon vier Wochen eingeräumt aber doch hat sich dies Gesetz bereits weitgehend bemerkbar gemacht. Glich London schon vorher nach 24 Uhr einer mit­telgroßen deutschen Provinzstadt, so darf man sich jetzt, wenn man kurz nach 23 Uhr die Straße be= tritt, ruhig auf den aüertleinften Marktflecken Den Jefet denken. Gespenstisch geräuschlos eilen Auto- Omnibusse, Autodroschken, verspätete Geschäfts­wagen und, in den äußeren Bezirken, die gefähr- Uch schmalen und ebenso gefährlich hohen Straßen­bahnwagen vorbei. Kaum aber war das Gesetz in Kraft getreten, da wurden die Lokalredakteure der Zeitungen fast zur Verzweiflung getrieben: sie be­kamen ganze Wagenladungen vonEinsendungen"

und wenn sehr viele solcher Einsendungen kom­men weih der Redakteur, daß es Beschwerden sind

Und worüber beschwerten sich die Sender? Sie klagten darüber, keine Nacht mehr schlafen zu kön­nen, weil die Autofahrer und auch die Radfahrer die oft riesige Autohupen an der Lenkstange be­festigt haben, kaum, daß sie die durch Schilder ge­kennzeichneteBannstrecke" hinter sich gelassen haben, wie die Besessenen zu hupen beginnen. Die schlaflosen Briefschreiber erzählten, wie sie es zu mehr als tausend Fällen beobachtet hätten, daß der Autofahrer dicht hinter der Grenze anhält, seine Scheinwerfer auf den neben dem Warnungs- schild stehendenBobby" richtet und nun ein grauenvolles Hupenkonzert beginnt um dem hilflosen Polizisten zu beweisen, daß er sich einer- seits wohl an ein Gesetz zu halten wisse, anderer­seits jedoch auch ebensogut ein freier Mann sei. Gesetz ist Gesetz in England, und nicht minder als der Inhalt wird auch die Grenze beobachtet jedenfalls ist der Polizist hilflos und die Brief- fchreiber auch.

Prinzenhochzeit.

Selbstverständlich von der bald bevorstehenden Hochzeit zwischen dem (jüngsten) englischen Prin­zen Georg und der Prinzessin Marina von

Endlich weiß man nun in London, weshalb die schöne Prinzessin Marina, die jetzt 27 Jahre zählt, mit ihren beiden Schwellern zu jeder Saison nach London kam und sich durch ihren Detter, König Georg von Griechenland, dem Prinzen Georg vor­stellen ließ. Prinz Georg ist der vergötterte' Lieb­ling der meisten Engländer weil auch er alle typischen Kennzeichen eines Briten aufweist und sich in hundert und mehr Fällen, in denen erunbe­kannt" reifte, durchzusetzen wußte.

Gold und Silber.

Es wurde mir auch noch erlaubt, die Silbervor- röte der Bank von England zu sehen. Ich erfuhr von den neuen Silbergewinnungsfabriken in Lon-

3n breiten Nischen, die in die Wände eines hohen Raumes gehauen waren, lagen Goldbarren aus aller Herren Ländern. Der Stempel, den jeder Bar­den trägt, gab das Herkunftsland an: Da fanden sich Barren aus Indien mehr als dreihundert Jahre alt, aus den Vereinigten Staaten, Süd­afrika, Australien und da lagen die Goldbarren mit dem Stempel des alten deutschen Reichsadlers Kriegstribute ...In den Ecken lagen hochauf­geschichtet Säcke voll Goldstaub. Ein Raum reihte sich an den andern sechzig solcher Gewölbe be­finden sich dort unten. Hier also liegt das Herz Londons!

Während der Besichtigung hörte ich, daß diese Gewölbe absolut bombensicher und gegen Giftgase geschützt seien. Die gesamte Anlage kann innerhalb einer Viertelstunde vollständig unter Wasser gesetzt werden.

wnuytinuiiu, UU9 UKl XDlU UlC OtUlIUT schenkte" und Berichte über Nationalkleider und Nationalgerichte, und plötzlich sieht man wieder Togenkleider, griechische Haarfrisuren, und die griechischen Restaurants in Westend und Cheapside haben schleunigst ihre Preise verdoppelt. Mit un­glaublicher Anteilnahme werden die Biographien des Brautpaares in allen Clubs diskutiert, und der griechische Wein (macke in South-Africa) gestaltet die Debatte meist recht witzig. Schließlich ist jedoch Kiese Anteilnahme nicht verwunderlich. Der Prince of Wales gedenkt noch immer nicht zu heiraten (die unmöglichsten Gerüchte werden als Grund ange­geben), und so hat man denn in dieser Hochzeit einen Ersatz gefunden. Die Feierlichkeiten werden mit seit altersher gewohntem Gepräge begangen werden.

Den Gewölben der Bank von England don, in denen wöchentlich mehr als 30000 Zentner einen Besuch abstatten zu wollen ist fast so schwie-1 Silber auf elektrolytischem Wege gewonnen werden rig rote ein Einbruch. Es hatte Wochen gedauert,Fann- Silber ist von großer Bedeutung für die ehe sich hie Direktorenprinzipiell" mit meinem Be- Filmindustrie, die erhebliche Mengen dieses Me- such einverstanden erklärten, und fast ebenso lange: ialls gebraucht. Jährlich werden auf der ganzen Zeit gebrauchte ich, bis ich einenbekannten Na-! Erde rund 665 000 Kilometer Film hergestellt. Nur men" fand, dessen Träger die Gewähr für meine eine der vielen amerikanischen Filmfabriken kauft Unschuld übernahm. Dann endlich durfte ich das 1 jährlich rund 200 Tonnen Silber.

Herz von London sehen. i

am Tannenbergdenkmal gesprochen hat. An Hand authentischen Materials gibt Oberarchivrat Oberst a. D. Kißling einen vorzüglichen Ueberblick über die Entwicklung der österreichisch-ungarischen Wehr­macht seit 1908. Die beiden folgenden AufsätzeZur Geschichte des russisch-französischen Bündnisses" von V. A. Wroblewski undDie Bemühungen Frank- reicf)3 zur Festigung der Entente cordiale 1911/12" oon Richard Dietrich zeigen die Vorgänge, wie Frankreich schon zu Beginn der 90er Jahre, ebenso

Gnecherlland. Die Zeitungen bringen lange Artikel I wurde jeder von uns auf einer Wage gewogen. Ich ,, cr./,?rict^en2an!)' . ba9._ ter Welt die Kultur glaube nicht, daß jemals genauer gewogen wurde. iMan verhindert durch diese Kontrolle, daß ein Be­sucher der Goldgewölbe von England auch nur ein einziges Korn stehlen kann. Jeder muß sich diesem Vorgang unterwerfen; selbst König Georg V. machte keine Ausnahme, als er die Schatzkammern besichtigen wollte.

Der Weg ging durch einen langen unterirdischen

Gang und einer ganzen Reihe von Sälen, in denen i ^eMMNsteN

mirh" nm _____ v r mltsam Die23 e r l i n e r -Di onatshefte" (heraus-

mpiL n<>nrh»it;l7DnUf01ZlmsUIlfl Schatzhauses gegeben oon Dr. Alfred v. Wegerer) bringen in ihrem ? y "Ä^mdert passiere ich mit rnei-, Septemberheft (Quaderverlag, Berlin W 15, Preis Ei y 6 achtzehn Mann starke Wachmann- des Heftes 1,50 Mk., vierteljährlich 3,50 Mk.) an sShnf.n h^kt661011?,5, -us^wahlten schottischen erster Stelle di- unvergeßlichen Worte, di- der ver. kum sLnLgenW°°ch°°zu^It-n'E-I^unt-r" ' R°ich-pr°sident 1927 zur Kn-g-schuldsrog- irdische Wanderung endete vor einer Stahlwand mit einer kreisrunden Tür. Mir gelang es übrigens nidjt, aud) nur die kleinste Fuge in der Wand aus Stahl, die vor uns schimmerte, zu entdecken. Drei Direktoren der Bank, von denen jeder einen Schlüs­sel und den Teil eines täglich wechselnden Kenn­wortes besitzt, erwarteten uns. Nur wenn alle drei zugleich an der Tür hantieren, öffnet sich der Tre- sor. Bevor wir aber den Raum betreten durften,

wie unmittelbar vor dem Weltkrieg immer die treibende Kraft gewesen ist, im Hinblick auf die bevorstehende Auseinandersetzung mit Deutschland England und Rußland stärker an sich zu fetten. Be­sondere Beachtung verdient derMonatsbericht zur Kriegsschuldfrage", der eine Zusammenstellung der wichtigsten Aufsätze enthält, die anläßlich der 20jährigen Wiederkehr des Kriegsausbruches er­schienen sind. Es überrascht wiederum, daß sowjet- russische Historiker, die bisher eine durchaus fachliche Haltung in der Kriegsfchuldfrage eingenommen haben, neuerdings in die Front der Anhänger der Versailler Schuldthese einschwenken. Es kann wohl keinem Zweifel unterliegen, daß dieser Umschwung auf die Annäherungsbestrebungen zwifchen Frank­reich und der Sowjetunion zurückzuführen ist.

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rieben.

-Busse, -'dichte digen

Die Septembernummer von We st ckr manns Monatsheften eröffnet den 79. Jahrgang die­ser ältesten deutschen illustrierten Monatsschrift. Staatssekretär Gottfried Feder schreibt Grundsätz­liches zu dem ihm anoertrauten Teil des nhirtschaft- lichen Aufbaues der Nation in dem Beiti ag über Das deutsche Siedlungswerk". Die Führ erin der deutschen Frauen, Gertrud Scholtz-Klink, /gibt Ge­stalt und Ziel desDeutschen Frauen Arbeits- dienftes" bekannt. FürDas geistige Deutschland und seine Kunst" legt der Dichter HermanLn Stehr Bekenntnis ab, während Dr. E. Äünther > Gründel die zwingende Forderung nach geistiger MÜhrer- auslese, nach derHerrschaft der Besten" o erhebt. Es finden sich weiterhin Betrachtungen des bbekann- ten Rekordläufers Dr. Otto Peltzer über die: Olym­pischen Spiele 1936 in Berlin und eine Darstellung der Marneschlacht von dem Direktor am Reichs' archiv, Oberstleutnant a. D. Wolfgang F^erster. Das Schaffen des Malerromantikers Karl 'ßeipoß

wird in einem mit farbigen Wiedergaben»! seiner Gemälde geschmückten Aufsatz gewürdigt. D'^er un­terhaltende Teil bringt den ersten Roman bet'/r kürz* lich mit ihrem NovellenbandUnter den /-'Eichen bekannt gewordenen Margarete Schiestl-l8'->entlage Das blaue Moor". Zwei heitere Erzählungen m» lustigen Zeichnungen haben der Präsident der Reichsschrifttumskammer Hans Friedrich BlunT ck un­ter rheinische Dichter Heinz Steguweit gesch/ Eine weitere Novelle von Hermann Eris \ künstlerisch wertvolle Bildwiedergaben, G> und viele andere kleine Beiträge veroollstär den Reichtum des wertvollen Heftes.

6orf>fd)ulnadirid)ten. \

Der o. Professor Dr. Karl M. S w o b o b a l oo" der Universität Wien ist auf den Lehrstuhl I fit Kunstgeschichte an der Deutschen Universität PrN ofl berufen worden. I