Einzelbild herunterladen

ltt. 2'7 Drittes Blatt

Gtehener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)

Montag, 17. September 1934

Trachten- und Heimatfest in Homberg.

Die schöne Draut aus Ohmes.

M

W

Für ein Trachtenfest war Homberg, das herr­lich gelegene ländliche Städtchen an der Ohm, der rechte Ort. Die schönen Fachwerk- und die schindel- verkleideten Häuser waren der sinngemäße Hinter­grund für die bunten hessischen Trachten, die am samstag, besonders aber oon Sonntaa. das Stra-

geleitet. Die Kapelle verstärkte SA.-Kapelle (Dirigent M a g e I) spielte den Badenweiler Marsch und der Silcherchor (Dirigent Lehrer Vieh- mann) sang das LiedWach auf, deutsches Land!"

Die Trachtengruppe Cappel, die einen großen Teil des Abends bestritt, sang zunächst zwei Lieder, Frl. Käthe Strauch (Homberg) lobte die Schön­heit Hombergs in einem lustigen Gedicht in ober­hessischer Mundart, von zwei Mädchen der Cappe­ler Gruppe wurde ein lustiges Duett vorgetraaen und schließlich wurde von der gleichen Gruppe der feine nordische TanzGodenwind" gezeigt. Die Gruppe aus dem Ebsdorfer Grund sang zur Violine, zur Gitarre und Laute, spielte und tanzte und fand durch ihr lebendiges Auftreten viel Bei­fall.

Nachdem inzwischen der Landschaftsführer des Reichsbundes Volkstum und Heimat Ministerialrat R i n g s h a u s e n und der Gauinspekteur und Kreisleiter Klo st ermann eingetroffen waren, hielt

Bürgermeister Schweicker

eine kurze Ansprache, in der er alle Volksgenossen, insbesondere aber die beiden genannten Gäste herz­lich willkommen hieß, den Sinn der Veranstaltung umriß und allen Dank sagte, die zum Gelingen bei­trugen. Er wies darauf hin, daß es das erste Trachtenfest sei, das in Homberg abgehalten werde. Die Bewegung zur Wiederbelebung oon Tracht und alter Sitte habe unter der neuen Regierung starkes Echo gefunden. Möge ihr aller Erfolg beschieden sein!

Nachdem von der Cappeler Trachtengruppe noch ein schöner bunter Rheinländer getanzt war, ge= langte oon der gleichen Gruppe ein Theaterstück Das Kucheblech" zur Aufführung, das in jedem Wort dem Leben abgelauscht war und mit sehr viel Natürlichkeit wiedergegeben wurde. Es gab stür­mischen Beifall nach jedem Akt.

Dann sprach der Landschaftsführer des Reichs­bundes Volkstum und Heimat,

Schwärmer Burschen und Mädchen beim Tanz.

Benbild belebten. Das Fest war für alle ein schönes Erlebnis. Homberg stand ganz im Zeichen des Be­wußtseins vom Wert eigener völkischer Art.

Die Stadtverwaltung, der Reichsbund Volkstum und Heimat, die NSG.Kraft durch Freude" und } je Ortsbauerchchaft hatten das Fest mit aller Sorg- (nlt vorbereitet, die Einwohnerschaft half, soweit sie tonnte, sie nahm die Burschen und Mädchen gastlich c uf und schmückte die Häuser und Straßen.

Das Fest fand seinen Auftakt am Sams­tag Am Nachmittag war die ehemals in Homberg stationierte Kapelle des Arbeitsdienstes aus Als- Xld eingetroffen. Die Kapelle unter der Leitung gres MZ.-Führers Rheinländer gab zunächst -iin Platzkonzert auf dem Marktplatz. Dem Konzert ging ein kurzer Marsch durch die Stadt voraus, an dem sich auch die bereits eingetroffenen Orachtengruppen beteiligten. Eine stattliche Men­schenmenge hatte sich zum Platzkonzert eingefunden inb spendete der Kapelle begeisterten Beifall.

Ein Heimatabend in der Stadthalle ver- linigte einen großen Teil der Hornberger Bevölke­rung und wurde durch ein launiges Wort des Kreisringführers des Reichsbundes Volkstum und Heimat und des Kreisvolkstumswarts der N^G. Mast durch Freude" Krause (Ruhlkirchens em-

Ministerialrat Ainashansen:

Wenn man an einem Heimatabend teilnehme, dann schlage einem die Welle deutschen Volkslebens leben­dig entgegen. Es werde einem auch der Gegensatz zwischen heute und früher bewußt. Das deutsche Volk habe durch Jahrhunderte hindurch ein uner­fülltes Sehnen in sich getragen und sei immer mehr in Verhältnisse hineingestoßen worden, die ihm nicht zusagen konnten. Immer mehr habe sich das Volk im Laufe der vergangenen Jahrhunderte von seiner ihm gemäßen Art entfernt; die Volksgenossen seien sich gegenseitig fremd geroorben. In ISjähri- gem Kampf sei der überfällige Staat beseitigt worden. Das sei aber nur möglich gewesen, weil sich das Volk in Feindschaft dem Staate gegenüber befand. Der vergangene Staat habe das Volk von seinem Wesen fortgeführt.

Nun gelte es, das deutsche Volk im neuen Staate zu verwurzeln. Es sei noch lange nicht erreicht, daß der deutsche Wenfch zu Grund und Boden zurückgeführt fei. Das werde eine Arbeit von Generationen sein.

Es seien auch sehr viele noch lange nicht National­sozialisten. Es gehe darum, den deutschen

Kleiner Bummel durch das festlich geschmückte Homberg.

5-

r

u

Braut und Brautjungfern im reichen Schmuck der Hochzeitstracht.

Menschen zu erobern, die deutsche Seele und den Geist zur Entfaltung und zur Wirkung zu bringen. Das fei eine Arbeit, die wir zu leisten hätten. Verheerend habe das vergangene Jahrhun­dert mit seiner öden Gleichmacherei gewirkt. Ver­heerendes Ausmaß habe die Verdunkelung der deut­schen Seele angenommen. Es machte sich ein Zeit­geist breit, der die Lebensgrundlagen unseres Vol­kes immer mehr vernichtet habe. Es sei ein Kamps des Besitzes und der Materie gegen alles Lebendige gewesen; die materielle Weltanschauung habe in grimmiger Feindschaft der Auswirkung der deut­schen Seele gegenübergestanden. Zugleich sollten die Wurzeln der deutschen Kraft in der Vergangenheit abgeschnitten werden.

Unsere Aufgabe sei es, alles das, was durch fremden Geist zerrissen wurde, wieder herzu- siellen. Das Band und die Jäben der Ver­gangenheit zur Gegenwart müßten wieder neu und fest geknüpft werden.

Was an deutschem Brauchtum und an Sitte ge­schaffen worden fei, sei aus der Kraft der deutschen Seele erstanden, sei verwurzelt im Blut des deut­

Oer Trachienfestzug am Sonntaa.

Im Städtchen herrschte bald nach Sonnenaufgang schon reges Leben. Der Musikzug des Arbeitsdienstes spielte zum Wecken. Der Gottesdienst begann eine Stunde früher als sonst. Gegen 10 Uhr trafen aus näherer und weiterer Umgebung, zum Teil in Om­nibussen, zum Teil auf prächtig geschmückten Wagen, die Trachtengruppen in der Stadt ein. Die von Ohmes und aus der Schwalm brachten eine Braut in der leuchtenden Schönheit ihrer Hochzeits­tracht mit, die von Herbstein ebenfalls. Auch verschiedene andere Gruppen hatten einzelne Mäd­chen bei sich in bräutlichem Schmuck. Oftmals waren die begleitenden Brautjungfern nicht weniger präch­tig gekleidet. Bald war das ganze Städtchen erfüllt von buntestem, festlichem Leben. Es war ein stän­diges Kommen und Gehen.

Auf dem Marktplatz hatte die Musikkapelle des Arbeitsdienstes nochmals Aufstellung genommen und schmetterte ihre flotten Märsche in den hellen Tag. Auf dem Rande und auf den Stufen des

i1

- * W

.

n

I

* ....

' 1

Mädchen aus Cappel winden sich eine Blumengirlande für den Festzug.

schen Menschen. Wir müßten wieder mehr den eige­nen Wert erkennen. Was die Väter schufen, müsse wieder zur Geltung kommen. Was wir an Trach­ten heute sähen, solle nichtMuseum" sein, es solle, ebenso wie Gesang und Tanz, wieder lebendig wer­den. Trachten seien das Werk von Jahrhunderten. Die Trachten würden heute und morgen gezeigt werden, damit davon Anregungen ausgingen zu ihrer Weiterentwicklung.

Der Nationalsozialismus werde dieses Gut aus der Vergangenheit heraus lebendig machen und werde in diesem Wollen unerbittlich fein.

Wir haben gesiegt im Kamps um die Macht im Staate, wir würden auch Sieger sein in diesem Kampf Deutschland müsse wieder deutsch werden. Auf unsere deutsche Kleidung und unsere deutschen Tänze wollten wir wieder stolz werden. Wir wollen zurück zur deutschen Scholle und zurück in das deutsche Haus. Wir wollen so schloß der Redner wandern auf der großen Straße, dieDeutsch­land" heißt und dabei dankbar unseres Führers gedenken, der uns auf diese Straße führte und Deutschland rettete.

Begeistert wurde das dreifacheSieg-Heil!" auf den Führer ausgenommen und erwidert.

Den Beschluß des Abends

bildete, nachdem noch verschiedene Tanzvorführun­gen und gesangliche Darbietungen prächtig unter­hielten, ein Hans-Sachs-Spiel der Trachten­gruppe RuhlkirchenDas Kälberbrüten". Das Spiel, ein literarischer Holzschnitt, wurde ganz her­vorragend aufgeführt.

Bürgermeister S ch w e i ck e r hielt noch eine kurze Schlußansprache, in der er dem Dank an alle Mit- wirkenden Ausdruck gab. Im dreifachenSieg- Heil!" auf den Führer und mit den ersten Versen des Deutschland- und des Horst-Wessel-Liedes klang die Veranstaltung aus.

Auf dem Festplatz gab dann die Kapelle zu mitter­nächtlicher Stunde und beim Scheine der Fackeln den Zapfenstreich und schloß damit den ereignis­reichen ersten Tag des Trachtenfestes in Homberg.

Brunnens vor dem Rathaus hatten sich Mädchen und Burschen niedergelassen und lauschten den Klängen der Kapelle. Die Alten schauten wohl­wollend auf diese Jugend, die sichtlich im Begriff ist, all dem wieder zu Ehren zu verhelfen, was den Alten ehrwürdig ~ar. Von allen Häusern flatterten Fahnen. Die Sonne schien in die Gassen und ließ

Mädchen aus Herbstein.