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184. Jahrgang

Gies;ener Anzeiger

nr. 217 «t«es Blatt 184. Zahrgang Montag, 17. September 1934

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MZM General-Anzeiger für Oberhessen Z^W

Lranlsurt am Main 11636 Druck und Verlag: vrühl'sche Universitatrvuch- und Zteindruckerei R. Lange in Gießen. 5chriftlertung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7 Mengenabsch^üsE^

Faschistischer Imperialismus.

Äon unserem Es.-Äerichieistatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Rom, September 1934.

In seiner Rede, die Mussolini nach Abschluß der großen Manöver in Anwesenheit zahlreicher aus- länoycyer Militärattaches vor 3000 Generalstäblern uno Ossizieren, Ministern und hohen Würdenträgern der Partei hielt, hat der Luce nicht nur den Smeg als staatspolmsch wertvollsten und fast unentbehr­lichen Fattor der Völkererziehung bezeichnet, sondern aus die drohende Gefahr eines erneuten Zu­sammenpralls der europäischen 91 a = t i onen hingewiesen. Ohne diese pathetische Phi­lippika und den Anlaß, aus dem sie entstanden ist, überschätzen zu wollen, bedeutet diese Ansprache doch eine (tiefte, an der das Ausland um so weniger vor­übergehen kann, als gerade in letzter Zeit die ver­schiedenen politischen Spannungen eine Lage her-« oorgerufen haben, die durch solche suggestiv-düsteren Prophezeiungen unheilvoll beeinträchtigt werden muß.

Ganz abgesehen von dieser höchst unerfreulichen Nebenwirkung aber schärft sie den Llick des unvor­eingenommenen Beobachters für die Mentalität, aus der heraus ein solches gefährliches Spiel mit Wor­ten über den Krieg überhaupt möglich ist. Dies um jo mehr, als die Aeußerungen aus dem Munde eines Mannes kommen, mit dessen Namen untrennbar eine Bewegung verknüpft ist, die allzu laut und überschwenglich Anspruch darauf erhebt, der neuzeit­lichen Wandlung der Auffassung vom Staat und s einen Funktionen am instinktsichersten Rechnung zu tragen.

Der italienische Faschismus hat im Laufe der Zeit, eitdem die Idee auf der Appenin-Halbinfel sich durchgesetzt hat, die verschiedensten Wandlungen erfahren. Der revolutionäre Ueberschwang der Gründer- und Anfangsjahre ist langsam einer evolu- : ionären Anpassung an die realen Verhältnisse ge­wichen; nicht zu verwirklichende Dogmen wurden jiallen gelassen. Auch an innerpolitischen Kompro­missen hat es nicht gefehlt. Seinen i m p e r i a l i st i- chen Grundcharakter jedoch hat der Fa­schismus nie verleugnen können, obschon man ieraöe diesen Hauptwefenszug aus außenpolitischen 'Rücksichten heraus meistens bestritt oder zum rninde- jtcn nicht zu stark in Erscheinung treten ließ.

Bei der Eroberung der Macht spielte indessen vor . Wem die Betonung des imperialistischen Gedankens : ie Hauptrolle. Mussolini hatte als genauer Kenner er Psychologie seines Volkes die werbende Kraft gerade dieser Idee klar erkannt. In [len seinen Reden bildet der Begriff des Impe­rialismus gewissermaßen die Basis, auf der das olze Gebäude des faschistischen Reiches nach seinem Willen sich aufbauen soll. Der Anhängerschar wurde jsden Tag aufs neue eingehämmert, daß sie die i Er b e n des großen römischen Jrnpe- i i u m s seien und als solche an die beste Tradition ; her Vorfahren anzuknüpfen hätten. Als Propheten tiefer heiligen Mission durchzogen die Schwarzhem- hen das Land von Bozen bis Palermo, um jenen i Weckruf weiterzutragen. An der Leuchtkraft der ge­schichtlichen Vergangenheit entzündete sich nicht zu- !> tzt die Begeisterung für den Duce. In i»m sahen die breiten Massen den Wiedererwecker j nes Roms, das seine Legionen bis in die fernsten l.ande entsandte, um sie dem eigenen Reich anzu- (Ziebern.

Diese Parallele, möchte sie auch noch so gewollt imb künst'ich fein unb in krassestem Wiberspruch zu ter wirklichen Bebeutung des heutigen Italien sshen, hat zu einem Vergangenheitskult erfuhrt, ber oft bie Grenzen ber Heiterkeit erreichte, liie gewaltigen Ruinen bes Colosseums bilbefen unb bllben ben Rahmen, in bem sich bie enblosen Kund- g-bungen abspielen, unb bas Forum mit seinen ülarmortrümmern als ewigen steinernen Zeugen o. rfunEener Cäsarenherrlichkeit wirb an nationalen uib Volksfesten mit bengalischem Licht in ben Far- b n ber italienischen Trikolore kitschig überstrahlt. Tiie Jahrhunderte politischer Ohnmacht unb innerer Zerrissenheit werben in phantastischem Schwung enfach übersprungen. Der Faschismus, ber für sich ehe neue Zeitrechnung schuf unb als sichtbaren Ausdruck bafür mit bemJahr 1" feine Macht be- g nn, knüpft birett an bie Antike an. Die jZwischenzeit ist ihm nur vom künstlerischen Stand- p. nkt aus wertvoll. Dante, Raffael unb Michel- ] ar.gelo werben zwar auch als Kronzeugen ber geisti- gim Vollenbung unb Reife ins Feld geführt, aber feü politische Schöpferkraft soll ber Nation aus ben T-öberfelbern von Pompeji, Herkulaneum unb PUstum erwachsen.

Wesentlich schwerer als diese gedankliche Wieder- tTroertung der Vergangenheit war es allerdings, bie paktische Politik auch entsprechenb abzustellen.

Rolle, bie Italien im Weltkrieg gespielt hat, vir zubem nicht gerabe geeignet, das angeblich er­röte Heroentum glaubhaft erscheinen zu lassen. Jn- fogebeffen mußte biefe Zeit einen neuen Stempel iroaüen. Aus bem Eintritt Italiens in ben fiiejtfrieg, ber mit ber Breisgabe eines lang­te rigen Bünbnisses mit ben Mittelmächten unrühm- !ici erkauft worben war, würbe bank einer inten- teen unb geschickten Propaganda ber Schick- oll s t a g ber Entscheidung. Nach biefer ^llkürlichen Deutung hat bie Entente Italien

Mein ben Sieg zu verbauten.

Äanigsam begann Mussolini bann, mit diploma- schen Mitteln zunächst bie Einflußsphäre (ies Lanbes zu erweitern. Der Begriff besmare trum würbe zur Stützung bes angeblichen An- uchs auf bie Vormachtstellung im Mit­meer bem römischen Wortschatz entnommen, ie allerdings dabei auf übertriebene Gegenliebe' ».smbers bei Frankreich, zu stoßen, bas dem neuen ^rialistischen Expansionsdrang des ftüheren Bun-

Sieht England vor einer Umbildung des Kabinetts?

Die Forderung nach konstruktiver Arbeitslosenpolitik durch Straßenbau wird nun auch in England laut. Die Ultrakonservativen fordern Schutzzölle und erhöhte Mehrausgaben.

Mcdonald in der Zwickmühle.

London, 17. Sepl. (DRV. - Funkspruch.) Der politische Mitarbeiter desDaily Herold" schreibt: In der nächsten Woche wird eine Sonder­sitzung bes Kabinetts abgehalten werden, auf der die Frage der Arbeitslosigkeit unb besonders die Berichte der Sonderkommissare für bie notleidenden Gebiete geprüft werden sollen. Am Donnerstag wird Baldwin aus Aix les Vains in London eintreffen und als stellvertretender Mini­sterpräsident die vorliegenden Berichte zur Kenntnis nehmen. Rach der Rückkehr TNocdonalds Ende des Monats wird auch die Frage einer mög­lichen Umbildung der Regierung wieder in den Vordergrund rücken.

Macdonald hat zwei einander entgegen­gesetzte Strömungen vor sich. Dienatio­nalen Unterhausmitglieder aus den industriellen Wahlkreisen und die Vertreter der notleidenden Be­zirke verlangen eine großzügige Politik nationaler Entwicklung und Ausdeh­nung. Dieser Richtung gehören nicht nur persön­liche Anhänger Macdonalds an, wie Kenneth £ i n b- s a y und £ord de la Warr, der Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, sondern auch viele jüngere Konservative, die eine Katastrophe voraussehen, wenn es keine konstruktive A r - beitslosenpolitik gibt. Sie werden auch von dem Verkehrsminister höre - Belisha, dem wirklichen Führer der sogenamiten Liberalen unter­stützt, der sich bereits für die Anlage und den Ausbau von Straßen und Wegen eingesetzt hat. Macdonald ist in einer besonders schwierigen Lage, da er sich wiederholt gegen umfangreiche öffentliche Arbeiten ausgesprochen hat. Allerdings könnte er sich im Rotfalle auf verän­derte Umstände berufen, um eine Aenderung seiner eigenen Politik zu begründen.

Der erwähnten Richtung etwas entgegengesetzt ist der Teil der Konservativen, der für den Aus­bau des Schuhzolltarifsystems, für eine große Vermehrung der Wehrausgaben und für soziale Reformen auf den übrigen Gebieten ist. Der Führer dieser Gruppe ist der Kriegsminister Lord h a i l s h a m. Bedeutung wird die Haltung des Schahkanzlers Reville Cham­berlain haben, der sich noch nicht f e st g e - legt hat, aber wahrscheinlich in seiner Eigenschaft als Schahkanzler der Politik, die eine Erhöhung der Ausgaben mit sich bringen würde, ent­gegentreten wird. Baldwin wird m i t Macdonald zusammen stehen oder f a l - l e n. Vielleicht wird Macdonald schließlich doch genötigt sein, die bisherige Politik fortzusehen. 3n diesem Falle könnten die Aenderungen dieser Zu­sammensetzung des Kabinetts nur von geringerer Bedeutung fein.

Deu fch-engbfche

Wir fthastsverhandkungen.

London, 15. Sept. (DNB.) Amtlich wird ge­meldet: Die britische und die deutsche Regierung haben vereinbart, daß eine Abordnung, die von Frederick Sir Leith-Roß, bem Hauptwirtschafts­berater ber englischen Regierung, geführt wirb, so­fort nach Berlin abreist, um Verhanblungen über bie wirtschaftlichen unb finan­ziellen Beziehungen ber beiben Länber Zu beginnen, bie burch bie neuen beutschen Maß­nahmen ber Einfuhrkontrolle unb der Verfügung über Auslandsdevisen berührt werden.

*

Das DNB. erfährt hierzu, daß die Verhandlungen voraussichtlich am nächsten Mittwoch in Berlin

beginnen werden. An der obigen englischen Mel­dung ist im übrigen ein Punkt richtigzustellen. Es ist dort von einer neuen Politik der Einfuhr­kontrolle die Rede. Die neuen deutschen Maßnahmen haben mit Einfuhrkontrolle nichts zu tun. Die Einfuhr bleibt an sich unberührt. Durch die neuen deutschen Maßnahmen wird nur das jetzige System der nachträglichen Devisenrepartierung durch ein System

der vorherigen Devisenzuteilung ersetzt. Die Jmpor« teure werden dadurch in die Lage gesetzt, vor der Einfuhr zu wissen, ob sie auf Devisenzutei« lung rechnen können oder nicht. Durch diese Neuregelung soll gerade den Beschwerden des Aus» landes, besonders Englands, vorgebeugt werden, daß Deutschland Waren einführe, die aber infolge Devisenmangels nicht bezahlt werden könnten.

Barchous Nomreise wird vorbereitet.

Die französisch-italienischen Kolonialfragen. Das Schicksal der Abrüstungs­konferenz.

Paris, 17. Sept. (DNB. Funkspruch.) Das Echo de Paris" behandelt die Aussichten für die Romreise, die Barthou in der zweiten Oktoberhälfte beabsichtigt. Die Reise, so sagt das Blatt, werde schon durch Verhandlungen zwischen dem italieni­schen Unterstaatssekretär Suvich und dem fran­zösischen Botschafter in Rom vorbereitet, lieber die Grenzziehung in Lybien wünsche Italien nicht nur eine Grenzberichtigung, sondern einen Weg zum Tschadsee, also bis zum Herzen des französischen Kolonialreiches in West- und Aequato- rialafrika. Außerdem wünsche Italien den N a t io* nalitätenschutz für die in Tunis ansässigen rund 100 000 Italiener. In Frankreich erfolge die Eingliederung der Zuwanderer mit der dritten Generation. In Tunis dürften die Einwan­derer aus Malta ihre Staatszugehörigkeit bis in die vierte Generation behalten. Aber selbst eine solche Vergünstigung für bie Italiener in Tunis würde Rom nicht genügen.

News Chronicle" schreibt u. a.: Barthou werde

bei einem Besuche in Rom weniger bereit fein, auf Mussolinis Argumente zugunsten der R ü- sl u n g s g l e i ch h e i t zu hören als vielmehr auf die Notwendigkeit Hinweisen, ein 2Iu f r üfte n Deutschlands durch energische Maßnahmen zu verhindern. Bei seiner Rückkehr aus Rom nach Paris werde Barthou mit Henderson die Zu­kunft der Abrüstungskonferenz bespre­chen. Wahrscheinlich werde bei den obwaltenden Umständen eine Einberufung des Büros im November kaum einen Zweck haben. Die Franzosen verhehlten nicht ihren Wunsch, sich des Präsidenten der Abrüstungskonferenz zu ent­ledigen, der mit solcher Entschiedenheit eine wirkliche Abrüstungsverminderung durchsetzen will. Höchstwahrscheinlich werde die fran­zösische Abordnung dafür eintreten, die ganze Ab­rüstungskonferenz z u beenden und die weitere Behandlung der Sache dem Völkerbundsrat zu überlassen, dem Henderson nicht angehört.

DleEinladunganSowjeirußtanö

Oie notwendige Zweidrittelmehrheit nur knapp erreicht.

Genf, 15. Sept. (DNB.) Ueber eine geheime Tagung des Völkerbundsrats am Stamstagabend wird folgende Verlautbarung ausgegeben:

Der Völkerbundsrats ist heute abend in Gegen­wart des Präsidenten der Versammlung Sand­le r zu einer geheimen Sitzung zusammengetreten. Sandler hat dem Ratspräsidenten B e n e s ch den Text von zwei Schriftstücken übergeben.

1. Eine Einladung, die von einer gewissen Zahl von Abordnungen der Versammlung unter­zeichnet ist, und in der Sowjetrußland ge­beten wird, in den Völkerbund einzu­treten. v

2. Die Antwort der sowjetrussischen Regierung auf diese Einladung, in der der Wunsch dieser Regierung ausgedrückt wird, Mit­glied des Völkerbundes zu werden.

Der Völkerbundsrat hat darauf einstimmig, aber mit drei Enthaltungen (Argentinien, Panama und Portugal), die folgende E n t s ch l i e - ßung angenommen: Nachdem der Rat die Mit­teilung von dem Brief erhalten hat, der durch Sowjetrußland an den Präsidenten der Vollver­sammlung gerichtet worden ist, und der den Ein­tritt dieses Staates in den Völkerbund betrifft, be­zeichnet er in Ausübung der Vollmachten, die er durch Artikel 4 des Völkerbundes besitzt, Sow­jetrußland als ständiges Mitglied des Völkerbundsrates von dem Augenblick an, an dem feine Aufnahme in den Völker­bund durch die Vollversammlung ausgesprochen ist. Gleichzeitig empfiehlt er der Versammlung die Zustimmung zu diesem Entschluß.

Ueber die Einladung an Sowjetrußland wird be­kannt, daß 30 Staaten die gemeinsame Einladung unterzeichnet und vier Staaten, nämlich die skandinavischen Länder

und Finnland, eine Sondereinladung an Rußland geschickt haben. Mit 34 von 51 Staaten ist nur eine knappe Zweidrittelmehrheit erreicht worden. An der Einladung an Sowjetruß­land haben sich von den europäischen Staaten nicht beteiligt: Die Schweiz, Belgien, Portu­gal, Holland und Luxemburg. Von den mittel« und südamerikanischen Staaten haben nur Mexiko, Haiti, Uruguay und Chile die Einladung unterzeich« net. Alle anderen südamerikanischen Staaten haben sich dazu nicht entschließen können. Am Montag um 16 Uhr wird eine Vollversammlung des Völker­bundes stattfinden, in der die Ueberweisung der An­gelegenheit an den 6. Ausschuß beschlossen werden soll.

Moskau bricht das Schweigen. Anch die Nüssen erfahren den Beitritt ihrer Regierung zum Völkerbund.

Moskau, 17. Sept. (DNB.-Funkspruch.) Erst am Sonntag erfuhr die Bevölkerung der Sow­jetunion aus der Presse die Nachricht über den Bei­tritt der Regierung der Sowjetunion zum Völker­bund. Die gesamte sowjetrussische Presse veröffent­licht nämlich eine Mitteilung, die die vom 9. bis 15. September geführten Verhandlungen über den Beitritt Sowjetrußlands zum Völkerbund schilderte. Es wird darin erklärt, daß der Beitritt zum Völkerbund nur durch den Wunsch der 30 Mächte veranlaßt worden sei, die Sowjet­union bei der gemeinsamen Förderung des Frie­dens als Partner zu haben. Zum Schluß wird betont, der Eintritt in den Völkerbund fei beson­ders in dem Augenblick zu begrüßen, wo der Briand-Kelloggpakt zur Sprache kommen werde, in dem ja der Krieg für ungesetzlich erklärt wird.

desgenossen sofort nach Kriegsende klar und bestimmt entgegentrat. An dem Widerstand von Paris sind bisher alle Versuche Roms gescheitert, sich geo­graphisch weiter zu tasten und z. B. die Frage der Neuregelung der Deutschland entrissenen Mandats­gebiete erfolgreich aufzuwerfen oder überhaupt in großem Stil das Kolonialproblem aufzurollen.

Ungeachtet aller Rückschläge der Politik des Pa­lazzo Venezia aber, die in der Hauptsache darin be­steht, sich zwischen die politischen Fronten zu schie­ben, die Gegensätze der Kabinette im eigensten In­teresse zu nutzen, hält Mussolini an feinen imperia­listischen Plänen fest. Mit zäher Rücksichtslosigkeit wird jede sich nur bietende Gelegenheit benutzt, um an Boden zu gewinnen. Die inneren Wirren in Oesterreich sind ein willkommener Anlaß, sofort eine ganze Grenzdioifion in feldmarschmäßiger Aus­rüstung in Bewegung zu setzen, um den angeblich gefährdeten Frieden Europas zu schützen, der durch olche überflüssige Demonstrationen sicherlich nicht gefestigt wird. Der von Italien besonders leiden- chaftlich vertretene Grundsatz, daß kein Staat das Hecht habe, sich in die inneren Angelegenheiten eines remden Landes einzumischen, verliert in dem Augenblick für Rom feine Gültigkeit, in bem es

' lohnend erscheint, in der Beschützerrolle auf­zutreten und dabei der Verwirklichung des imperia­listischen Traumes auch nur einen Deut näherzu­kommen. Die Rechte der Minderheiten, für die Italien in Tunis fanatisch kämpft, werden in S ü d t i r o l verlacht und mit Füßen getreten, wenn es sich darum handelt, das deutschsprachige Element methodisch auszumerzen. Man führt den Frieden im Munde, aber man verherrlicht den Krieg als physischen und seelischen Jungbronnen. Man verdächtigt den Nationalsozialismus martialischer Gelüste, aber das eigene Tun und Handeln wird diktiert vom imperialistischen Trieb, der als sacro egoismo die Unruhe in Europa nur noch steigert.

Französische Drohungen.

500000 polnische Arbeiter sollen aus­gewiesen werden.

Paris, 17. Sept. (DRV. Funkspruch). Die Republigue veröffenllichl eine scharfe Warnung an Polen und droht mit Sanktionen, falls Warschau nicht seinen neuesten Kurs wechsle. Das Blatt nennt als erste Sanktion, die Frankreich

gegen Polen ergreifen könnte, die Rücksendung der 5 0 0 0 0 0 in Frankreich beschäftigten po l n i sch e n Arbeiter, die der französischen Wirtschaft ohnehin nichts nützten, da sie a 11 e i h r c Ersparnisse nach Hause schickten. Ms weiteres Druckmittel führt das Vlatt die Kündi­gung des f r a n z ö si f ch - p o l n i s ch e n han^ delsvertrages an. Frankreich benötige keines­wegs polnische Kohle.

Britische Sorgen.

Die bolschewistische Propaganda in Indien.

London, 17. Sept. (DNB.-Funkspruch.) Di- Londoner Blätter halten es für sicher, daß Sowjet­rußland späte st ens am Mittwoch Mit­glied des Völkerbundes fein wird. Di- rechtskonfervativeCorning P o ft" kritisiert in einem Leitauffatz mit Bitterkeit die Haltung ber Mächte und sagt, es fei bekannt, daß die Sowjet? macht hinter dem Terror in Indien unb in der indischen Nordwestprovinz stecke, und daß es in Moskau sogar Schulen gebe, in denen britische Untertanen ausgebildet wür-