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Kr.164 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Dienstag, fl.Zuli 1934

manchen mit ihrem bleichen Licht aufs Feld hinaus, denn in der nächtlichen Kühle schwingt sich die Sense rascher durchs Korn.

Um wieviel gescheiter fühlt sich der Stadtjunge von damals heute geworden und weiß oft vor lauter Lernen und Wissen nicht mehr, der studierte Herr, wo er mit all seiner Gescheitheit hin soll. Wie hat er vieles bezweifeln gelernt, was andere noch glauben mögen. Aber daß er als Junge das Uebernatürliche in Gestalt eines feurigen Reiters mit eigenen Augen gesehen hat, daran wird er nie zweifeln.

Apollo.

bon Hermann Hesse

Der Wandrer lag allein, abseits des Weges, in der warmen Sonne. Sein Blick ging dem Spiel des Lichtes auf den gelben Felsen nach, sein Ohr ruhte im Geräusch des rückwärtigen Sturzbaches aus, welches aus der Ferne noch eben heranreichte, leis und stetig. Seine Seele, im leichten Halbtraum, ruhte wie ein Vogel mit ausgebreiteten Flügeln über dem lichten Land seiner Kindheit. Ein brauner Falter flügelte langsam über der Straßenmauer und durchschnitt mit der unruhigen Linie seines Fluges die Umrisse der schmalen Seefläche, die dem Liegenden ins Auge leuchtete. Auf dem dunkel­grünen glänzenden Grund spielte die matte Farbe der Falterflügel heller und reicher, die zarten Flügelränder zitterten wechselnd in einem weiß­lichen Lichtstreif, als ob der bewegte scharfe Umriß das Licht anzöge.

Im Gedächtnis des Ruhenden stiegen die leiden­schaftlichen Wonnen der Knabentage auf, die er­regte Lust der sommerlichen Schmetterlingsjagd auf großblumigen Gartenbeeten und auf wind­stillen, duftenden Matten, über denen die heiße Luft in glänzenden Wellen zitterte.

Dem Träumer glitten unvermerkt die schwerge­wordenen Lider über den ermüdeten Blick. Sein Traum lief in atemloser Luft salterjagenü über heimatliche Matten und Hänge, und aus der ent­schleierten Tiefe ferner Erinnerungen überkam den Schläfer eine langvergessene Sehnsucht aus Kinder­zeiten einen Apollo zu sehen. Das Ziel be­gieriger Knabenwünsche, schneeweiß mit roten Flecken, hing das Bild des schönen Falterkönigs vor ihm im Blauen. Vertraut und leise anklingend traten andre jeltsame liebe Melodien aus vergange­nen Jahren yeran. Heber den Schlafgedanken des Wanderers wölbte sich wundervoll und zart dkk

Himmel seiner Kindheit in sehnlicher Bläue empor.

Ein leichter Wind flog kühl vom jenseitigen Ge­birge her und traf die gesenkte Stirn des Schlafen­den. Lächelnd und langsam schlug er die Augen auf, von der Klarheit der reinen Seeluft und von den fröhlich leuchtenden Farben der Landschaft er­quickt. Er richtete sich wohlig auf.

Da glitt ein weißer Schein an ihm vorüber. Er hielt inne, er blickte leuchtend auf. Unhörbar und ruhig senkte sich ein heller Schmetterling in elegan­tem Bogen aus der Luft herab, flog am Boden hin, flatterte, Umschau haltend und blieb an der ab­schüssigen, sonnenbeglänzten Fläche eines Felsens hängen. Er schien zu lauschen, er bewegte die feinen Fühlhörner, und dann breitete er alle vier Flügel weit und ruhig im warmen Licht aus. Apollo! Auf den seidenen, weißen Flügeln traten dunkle Adern in garten Linien mit metallischem Glanz hervor, und mitten auf dem weißen seidenen Grund glänzten hellblutrot die prachtvollen Augen.

Der Apollo schlug die Flügel zusammen, daß ihre vornehm längliche Form mit der untadeligen Run­dung der Oberflugel deutlich sichtbar ward, breitete sich noch einmal wohlig, wie atemholend, in voller Dehnung aus und flog auf. Er flog vom Felsen auf die Spitze einer hohen violetten Distel, von da gegen den See in die dunklere Tiefe. Dann erhob er sich wieder, schwebte einen Augenblick unschlüssig, tat plötzlich eine Reihe jauchzender Flügelschläge und verschwand nach oben in den tiefen, leuchtenden Himmel.

Meine Kinder, deine Kinder und unsere Kinder.

Eugen ü'Albert, der berühmte Klaviervirtuose und Komponist, war schon mehrfach verheiratet gewesen, als er sich mit der amerikanischen Pianistin Teresa Carreno vermählte, die damit ebenfalls schon ihre dritte Ehe einging. So brachte jeder von ihnen aus früheren Ehen schon Kinder mit und da sie selbst auch Kinder bekamen, so tummelte sich bald eine große Kinderschar in ihrem Haus, wobei es äußerst schwierig war, die Verwan-dtschaftsoerhältnisse der Kinder zu einander richtig zu benennen. Wenn es nun zwischen den Kindern hin und wieder zu einem Streit kam, flüchtete d'Albert und überließ das Frie­denstiften seiner tatkräftigen Frau. So kam er eine« Tages von dem Kampfplatz in sein Musikzimmer gelaufen und rief ganz verzweifelt:Teresa, meine Kinder und deine Müder hauen unsere Kinder!"

Aufgaben der Erbhofbauern.

Abstammungsnachweis und Besihnachweis.

Nach dem Reichserbhosgesetz ist der Erb­hofbauer verpflichtet, seine arische Abstam- mung bis zum Jahre 18 0 0 nachzuweisen. Dieser Nachweis ist schwieriger als bie. Nachweise, die im Hinblick auf das Beamtengesetz und ähnliche Gesetze gefordert werden. Immerhin ist der Nach­weis durchaus zu erbringen, ohne daß Schwierig­keiten außergewöhnlicher Art auftreten. Ja, es stellt sich sogar heraus, daß diejenigen, die ihre Vorfahren bis 1800 festgestellt haben, auf Grund dieser Ar­beiten dann auch in der Lage sind, noch sehr viel weiter zurückzugehen, und so sind die Fälle nicht selten, wo 300jährige Besitznachweise erbracht werden können. Dieser 300jährige Nachweis ist deshalb von Bedeutung, weil bei einem solchen Nachweis die Erbhöfe in das Buch der alten Erb­höfe eingetragen werden. Im neuesten Heft des Ar­chivs für Beoölkerungswiffenschaft behandelt Erich Kittel dieses Problem in besonderer Bezugnahme auf die Mark Brandenburg. Aber was er für die Mark Brandenburg sagt, gilt auch für große Teile außerhalb der Mark.

Bei der Feststellung der Besitznachweisung sind nicht nur bevölkerungsgeschichtliche Kenntnisse er­forderlich, um die Faktoren zu beurteilen, die auf die Seßhaftigkeit bäuerlicher Bevölkerung über­haupt fördernd ober ftörenb einwirken, fonbern es müssen, um bie gesetzlich vorgeschriebenen Bebingun- gen zu erfüllen, historische Forschungen in konkreten Einzelfällen getrieben werben. Unb mit einem Schlage entsteht ein ganzer Zweig historischer For­schung, ben es bislang eigentlich kaum gegeben hat: neben bie Dorf- unb Familiengeschichte tritt bie Hofgeschichte!Blut" unbBoben" werben eben nicht mehr isoliert betrachtet, fonbern gerabe in ihrer Verknüpfung. Die Ergebnisse bieser neuen historischen Forschungen werben in Beziehung ge­setzt werben müssen zu ben getroffenen Maßnahmen.

Wir haben zunächst einen Gang zu tun zu alten Folianten unb Akten, vergraben in verstaubten Re- aiftraturen unb in den riesigen Beständen der Archivmagazine. Denn was wir an historischen Quellen brauchen, ist in den seltensten Fällen im Druck zugänglich. Drei Gruppen lassen sich unter­scheiden: 1. gerichtliche Aufzeichnungen, 2. Aufzeich­nungen aus der allgemeinen Landesverwaltung und 3. Aufzeichnungen der Grundherrschaften.

Wenn ein Bauer seine unmittelbaren Vorbesitzer sucht, so wird er von selbst den richtigen Weg ein­schlagen: zum Grundbuch seines Dorfes beim zuständigen Amtsgericht. Das Amtsgericht oder, wie es vor 1877 hieß, das Kreisgericht, führt dörfliche Grundbücher seit 1848.

Die Grundbücher, bie bei ben Amtsgerichten liegen, werden in der Regel nicht über das 19. Jahr­hundert hinausführen. Die älteren geschlossenen Bände sind in den letzten Jahren, um sie vor Ver­lust zu schützen, in das Preußische Geheime Staats­archiv übergeführt worden, das für die Zentral­behörden des preußischen Staates und zugleich für die Provinz Brandenburg unb Grenzmark Pofen- Westpreußen Sammelstelle aller abgelegten, wegen ihrer Wichtigkeit aber dauernd aufzubewahrenden staatlichen Akten ist. Preußische Hypothekenordnun­gen sind 1783 und, erstmalig, 1722 erlassen worden. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts reichen im Ge­heimen Staatsarchiv etwa die erhaltenen dörflichen Grund- und Hypothekenbücher zurück. Kaum zwei- hundertjährigen Besitz vermögen wir auf diesem Wege nachzuweisen, und wohlgemerkt längst nicht für alle Dörfer sind solche Bücher erhalten. Wollen wir weiter zurück, müssen wir nach anderen Quellen suchen.

Als solche bieten sich uns in manchen Fällen dörfliche Schöffenbücher. Das sind Bücher mit Eintragungen von Akten freiwilliger Gerichts-

Einweihung der osisriesischen Ianernsiedlung Nen-Westeel

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In Anwesenheit des Reichsbauernführers Waller -l .irre wurde die Siedlung Neu-Westeei als erste nationalsozialistische geschlossene Bauernsiedlung Ostfrieslands eingeweiht. Sie entstand auf dem Boden, der im Jahre 1373 einer gewaltigen Sturmflut zum Opfer fiel und durch den zähen Aufbauwillen des neuen Deutschlands berti Meere wieder abgerungen wurde. 45 Bauern- und Arbeiterfamilien werden auf Höfen mit 20 bis 90 Morgen Land eine neue Heimat finden. Unser Bild zeigt links die Ehrenpforte am Eingang zur neuen Siedlung; rechts Reichsdauern- führer Darre bei feiner Festrede. _________________

barfeit, vor allem von Auflassungen, vor dem alten Dorfgericht, dem Schulzen mit seinen Schöffen oder Aeltesten.

Damit verlassen wir die Auszeichnungen, die an den Gerichten über bäuerlichen Besitz entstanden ind, und wenden uns zur allgemeinen Lanbesoer- waltung, um feftguftellen, ob einschlägige Statistiken oorliegen. Wir finden sie vor allem bei der Steuer­verwaltung. Die Steuer des platten Landes war im alten Brandenburg und Preußen die Kontribution ober ber Schoß, ber von jeber Hufe Lanb bezahlt werben mußte. Befreit waren Geistlichkeit unb Abel. Der Staat mußte, um feine Einnahmen berechnen zu können, wissen, wieviel steuerbare Hufen vor- hanben waren. Dieser Steuerberechnung bienten bie sogenannten Schoßkataster, eben Aufzeich­nungen, wieviel zu befteuernbe Hufen jeber Ort hatte. Freilich werben hier bie einzelnen Wirte in ber Regel nicht aufgeführt, fonbern nur bie Ge­samthufenzahl bes Dorfes.

Von größtem Wert finb für unsere Zwecke da­gegen bie Protokolle berHufenklassifikation" von 1717/19. Zur Abstellung von Mißstänben im Be- steuerungswesen und in den bäuerlichen Verhält­nissen überhaupt ließ Friedrich Wilhelm I. feststellen,

wie viele steuerbare Hufen denn nun tatsächlich noch in bäuerlichem Besitz waren.

Jeder Bauer hatte vor der Bauernbefreiung ber preußischen Reformzeit zu Beginn bes vorigen Jahrhunberts über sich eine Grunbherrschaft. Aus biefem Verhältnis entstammen verschiebenartige Bauernverzeichnisse. Am besten ist es ganz allgemein bestellt um die Amtsdörfer, d. h. die­jenigen Ortschaften, die zum Verband eines staat­lichen Domänenamts gehört haben. Hier war der Staat Grundherr, und von ihm werden wir am ehesten Aufzeichnungen zur Verwaltung der Güter erwarten dürfen. Das Wichtigste sind da die sog. (Erbregifter, auch Erb- ober Hausbücher, bie für ein bestimmtes Jahr ben ganzen Umfang einer Domäne mit allen einzeln aufgeführten Hintersassen unb ihren Leistungen und Abgaben festhalten. Eine stattliche Anzahl stammt noch aus dem 16. Jahr­hundert. Und zu diesen Registern kommen bann noch die ganzen Akten der Domänenverwaltung. Wessen Vorfahren Domänenbauern waren, hat am ehesten Aussicht, die Kette der Vorbesitzer zurück­verfolgen zu können.

Daß schließlich für die Geschichte der einzelnen Höfe auch die örtlichen Kirchenbücher heran­zuziehen find, fei hier nur festgestellt.

DerTag der deutschen Rose" in Berlin.

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Der Wagen derM i n n e b u r g" vor dem Brandenburger Tor ein Bild aus dem Festzug, der am Tag der deutschen Rose in der Reichshauptstadt veranstaltet wurde.

Oer Kampf gegen das Ertrinken.

Neue Wege zur Errettung Tausender.

Der Hochsommer, die beliebteste Jahreszeit für Schwimmen und Baden, fordert leider auch immer eine Menge von Opfern durch Ertrinken. Wie be­trächtlich die Zahl derer ist, die dieser Todesart anheimfallen, geht aus der Statistik hervor. Von den 805 962 Toten des Jahres 1929 starben 3648 in­folge Ertrinkens, im folgenden Jahr gingen von den 710 850 Toten des Deutschen Reiches 3499 auf diese Weise zugrunde und 1931 von 725 816 Toten 3224.

Daraus ergibt sich, daß die Zahl der auf Er­trinken zurückzuführenden Todesfälle ziemlich gleich« bleibt und immer noch xk Prozent aller

Todesfälle ausmacht.

Bedenkt man, daß es sich bei diesen Toten meist um junge kräftige Menschen handelt, so muß man sagen, daß der Tod im Wasser dem deutschen Volke Verluste bringt, die sehr beträchtlich sind. Der Kampf gegen den Ertrinkungstod ist daher eine hochbedeutende Aufgabe, und die neuen Wege, die dabei eingeschlagen werden, müßten unser ganzes Interesse erwecken, lieber solche neuen Erkenntnisse berichtet Dr. E. Sehrt in derDeutschen Medizi­nischen Wochenschrift", lieber die Ursachen des Ertrinkungstodes ist man sich immer noch nicht ganz klar geworden. Erfolgt der Tod im-Was­ser nach einem vorherigen Ankämpfen gegen die Gefahr, so geht ihm Bewußtlosigkeit voraus. Diese

Oer Feuerreüer

von Kart Ludwia Este

Ich will von einer seltsamen Erscheinung erzäh­len, die mir vom schicksalsvollen Iulimonat des Jahres 1914 noch heute deutlich vor dem Auge der Erinnerung lebt. Ich war damals ein junger Gymnasiast, ein bleicher Stadtjunge, ben bie Eltern einem schon lange geübten Brauch zu­folge rorkrenb der Sommerferien wieder zu Ver­wandter aufs Land schickten. O, war das eine Freude für den Jungen, wenn er wochenlang nichts um sich sah als Aecker und Wiesen und Wald, und kuhwarme Milch trank oder aus irdenen Häfen die kühlen Molken der Dickmilch schöpfte, wenn er Eier austrinken konnte, die man eben noch dem Huhn unterm Schwanz wegnahm und von den mühlsteingroßen Brotlaiben aus kernigem Mehl ringsherum Stücke bekam, die ihm die Großmutter dick mit frischer Butter schmierte.

Eines Tages sprachen sie im Dors vom feurigen Reiter, und ich war aufgeregt wie die Dorsjugend, als mich der Großvater am Spätnachmittag ein­mal fragte, ob ich mit ihm aufs Hochfeld wolle, wo man vielleicht den feurigen Reiter sehen werde. Und ob ich wollte. Als wir den steilen, steinigen Kirchenpfad hinaufschritten und der Saum des Hochfeldes immer näherrückte, klopfte des Jungen Herz mächtig unterm Kittel des Matrosenanzugs, und es war ihm lieb, baß ihn ber Großvater auf einmal an ber Hanb faßte

Droben wogte bas reife Korn wie ein Meer, unb Großvater sprach mit einem Bauern, man werbe die Frucht bald schneiden können. Dann gingen mir weiter zum Wald hinüber, der aus dem Tal heraufwuchs. Dort hatte Großvater einen Rüben­acker unb wollte nachsehen, ob man bie Runkeln halb wieber hacken muß. Mir würbe noch ängst­licher zumute, je näher wir bem Wald kamen, benn ich bilbete mir ein, ber feurige Reiter werbe plötz­lich aus bem Walbesbuster hervorgeritten kommen. ..Dummer Bub", lächelte ber Großvater, als er m-ch fo bänglich neben sich zittern sah.Du wirst dich doch nicht gleich fürchten? Der feurige Reiter ♦u» dir nichts Der reitet fern von ben Menschen unb reitet so rasch, daß bu scharf Hinblicken mußt, dm ihn zu erkennen."

Gtrnhoater ließ mich nun allein auf bem sanbi- ii. n 1 tg stehen, währenb er selbst ein paar Schritte in n F?ld ging. Wie mein Herz klopfte, je ro iti. sich ber Großvater von mir entfernte. Die Sonne ftanb schon sehr tief überm Wald. Das

meiste Felb bis hin zu ben Aehren lag im Schat­ten, unb bie Sonne zeichnete bie Wipfellinie bes Walbsaums klar in bie offene Lanbschaft. Jenseits bes Schattenrisses sah ber Junge noch einen gol- benen Glanz auf bem Aehrenfelb schwimmen, unb bann öffnete sich ber Horizont weit unb weiter bis hin, wo gerabe eine kleine Wolke ber Erde zu­steuerte.

Ja, dort mußt bu Hinblicken, wenn bu etwas sehen willst", rief nun ber Großvater zum Enkel herüber unb bückte sich wieber seinen Runkeln zu. Ich hab bamals wohl recht zaahaft geantwortet: Komm boch zurück, Großvater.' Da geschah es, was ich fürchtete unb erwartete, weswegen ich mit bem Großvater aus bem Tal zum Hochfelb herauf- ftieg unb woran ich boch nur mit Bangen bachte: ich sah ben feurigen Reiter, sah ihn plötzlich bort, wo bie kleine Wolke bie Erbe berührte, sah ihn gleichsam aus ber Wolke sich lösen unb mächtig emporwachsen

Mar es em Schattenspiel bes sinkenben Ab'enbs?" frag ich mich heute. Deutlich unter­schieb ber Junge Roß unb Reiter, unb am Roß so­gar ben fliegenben Schweif unb bas stete Auf unb Ab bes Reitenben, ber sich manchmal im Sattel vorüberneigte beim Reiten. Unb es war alles wie beim Anblick eines gewöhnlichen Rittes, nur baß bas Pferb viel höher ausholte mit ben Hufen, benn es war ja kein gewöhnliches Pferb, unb auch ber Reiter selbst hatte übermenschliche Größe. Was mir aber bis heute unvergeßlich geblieben ist, bas ist der Feuerkreis um bie Erscheinung und Die flam­mende Röte unter den Hufen des Rosses.

Es gibt Krieg." Das wurde das Gespräch aller Leute im Dorf. Vor einigen Wochen schon hatte man vom Mord in Serajewo gehört, und nun, da der Anzeiger von Verwicklungen zu melden wußte, die sich daran knüpften, loste sich die Spannung der Veteranen des Siebziger Krieges unb ber älte­ren Leute bie ben feuerroten Reiter zu ihrer Zeit auch gesehen haben wollten. Nun bachte man sich ben kommenben Krieg weit entfernt noch im Bal­kon, dachte, baß bas eigene Lanb wohl bavon ver­schont bleibe.

Was barf auch ein Bauer im Sommer viel an Krieg unb Kriegsgeschrei benfen, wenn es gilt, schon früh vorm ersten Hahnenschrei mit ber Sense aus- -usahren unb bis zum spaten Abenb braußen auf bem Felb zu stehen unb ber Glühhitze bes Mittags nicht zu achten, wenn es gilt, an biefen Sommer« fonnentagen Garbe um Garbe ber golbschweren Frucht umzulegen und einzufahren in die weitge- I öffnete Scheuer?, Selbst öle Mondnächte locken