m.164 Erstes Blatt
184. Zahrgang
Dienstag, 17.M 1934
Wie sieht Italien zu einem Ostlocarno?
In den Kußstapfen Englands
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Die Manöver der französischen Presse Italien bisher geflissentlich übersehen Aber würde es nicht gerade im Interesse
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Italiener erkennen, daß sie sich die Prüfung des Ostlocarnos doch allzu leicht gemacht haben. Sie werden solche Leichtfertigkeit auch nicht damit entschuldigen können, daß Italien an diesem Pakte selbst nicht unmittelbar beteiligt sei und daß es deshalb solchen Problemen ferner stehe, denn, wie wir hören, gehört zu dem französischen Sicherheitssystem auch ein Mittelmeerpakt und ein Balkanpakt, deren eigentliches Wesen ebenfalls in der Einkreisung einiger Länder besteht. Diese Pakte sind zweifelsohne auf Italien und Bulgarien gemünzt, und wir treffen nur eine sachliche Feststellung, wenn wir uns daran erinnern, daß sie von der italienischen Oeffentlichkeit bisher in den schärfsten Ausdrücken a b g e l e h n t wurden. Wir meinen aber: Was dem einen recht ist, sollte dem andern billig sein!
die Musiker st r e i k e n. Der Streikausschuß hat 19 Lokale bezeichnet, in denen sich die Streikenden und ihre Familien b e k ö st i g e n dürfen. Die wenigen noch geöffneten Restaurants werden von zahllosen Gästen überlaufen. Die Lebensmittelpreise sind im Steigen begriffen, obwohl von behördlicher Seite erklärt wird, daß die Großhandlungen noch über Lebensmittel im Werte von 10 Millionen Dollar in Speicherhäusern verfügen. Der Streikausschuß hat den Ge- müsöhändlern erlaubt, ihren Bedarf an Obst und Gemüse am Dienstag aus dem Markt von Oakland zu decken.
Die Streikleitung hat zwar eine eigene Streikpolizei geschaffen, die Gewaltakte verhindern soll, doch setzt sich meistens der Einfluß der Radikalen durch. Im Laufe des Montag ist es bereits zu ziemlich schweren Ausschreitungen ge- kommen. Eine Menge von etwa 1500 Menschen stürmte und plünderte die Lebensmittelläden in verschiedenen Teilen der Stadt. Etwa 50 Personen drangen in das angebliche kommunistische Hauptquartier in Haytward ein, schleppten das Mobilar hinaus und verbrannten es.
Um Ausschreitungen gleich im Keime zu ersticken, sind weitere starke Kontingente der Nationalgarde nach San Franzisko zusammengezogen worden. Ein Infanterieregiment in Los Angeles erhielt den Befehl, sofort nach dem Streikgebiet aufzubrechen. Eine Abteilung Feldartillerie aus Las Linas mit 7,5-Zen- timeter-Gefchützen ist unterwegs nach San Franzisko, ferner mehrere Tanks mit Maschinengewehren. Bis zum Montagabend dürfte die Stärke der in San Franzisko stehenden Nationalgarde etwa 6000 Mann betragen. Die Nationalgarde ist damit beschäftigt, auf den Dächern der Lagerhäuser Maschinengewehrnester einzurichten. Das Gefchäftsoiertel wird von Patrouillen der
London, 17. Juli. (DJIB. Funkspruch.) „Daily Mail" greift das geplante Paktfystem in einem Leitartikel mit großer Schärfe an und erklärt, es würde ern fte Gefahren für England mit sich bringen. Es fei nicht klar, warum die englische Regierung diesen Vorschlägen ihre Unter st ühung leihe. 3n vielen Kreisen erhebe man starke Einwendungen dagegen, daß England unnötigeVerantwortlich- feiten in Osteuropa übernehme und damit von seiner historischen Politik der Nichteinmischung in Osteuropa abweicht. Das unvermeidliche Ergebnis der neuen Pakte sei, daß gewisse Länder diese diplomatische Waffe als gegen sich gerich- t e t betrachten. Sie würden sehr darüber aufgebracht fein, daß sie dadurch von Gegnern umringt werden. Das Blatt ist der Ansicht, daß die neuen französisch-russischen Vorschläge wie viele ihrer Vorgänger in den diplomatischen Papierkorb gehörten.
Der diplomatische Mitarbeiter der französischen Kreisen nahestehenden „M o r n i n g p o st" meint, daß Deutschland den Ostlocarnopakt nicht a b- lehnen werde. Deutschland werde aber ohne Zweifel versuchen, als Gegenleistung für feine Annahme genau festgelegte Versprechungen in der Frage der R ü st u n g s g l e i ch h e i t zu erhal- fen.
| Oie Aufrüstung schreitet fort
England sucht Kriegsvorräte sicherzustellen.
London, 17. Juli. (DNB.-Funkspruch.) . Die mit Spannung erwartete Regierungserklärung über die Aufrüstungsmaßnahmen für die englischen L u f t st r e i t k r ä f t e wird aller Voraussicht nach am kommenden Donnerstag vom stellvertretenden Premierminister Baldwin im Unterhaus abgegeben werden. Das englische Kabinett wird in seiner allwöchentlichen Sitzung am Mittwoch den Inhalt der Erklärung vorbereiten. Eine Unterhausaussprache über die neuen Vorschläge wird dann voraussichtlich im
Laufe der nächsten Woche statkfinden, wenn die Haushaltsvoranschläge des englischen Luftfahrtministeriums erneut zur Erörterung kommen.
Wie,, Daily Heralb" meldet, soll die Belieferungs- ab^cllung im englischen Kriegsministerium, die sich mit der Vorbereitung von Plänen für die Beschleunigung und Erhöhung der Lieferung von Kriegsoorräten im Falle der Mobilisierung befaßt, zur Zeit mit Hochdruck arbeiten. Sechs Sachverständige, nämlich drei Chemiker und drei Ingenieure, seien neifr eingestellt. Die Kosten der Belieferungsabteilung seien in diesem Jahre annähernd auf das Dreifache des Vorjahres, nämlich 22200 Pfund, erhöht worden. Diese Verstärkung der Abteilung sei auf einen Beschluß des englischen Armeerates zurückzuführen. Man wünsche „festzustellen, wel- che Fabrikenim Kriegsfälle von ihrer normalen Tätigkeit umgeschaltet werden können".
Drohungen gegen Simon.
London, 17. Juli. (DNB. Funkspruch.) Der englische Außenminister Sir John Simon ist, wie „Daily Telegraph" meldet, in letzter Zeit mehrfach telephonisch mit dem Tode bedroht worden. Infolgedessen wurde eine besondere Polizeiwache am Hause des Außenministers aufgestellt. Erst kürzlich wurde Lady Simon von einem Unbekannten angeläutet, der erklärte: „Sir John Simon führt England dem Krieg entgegen. Es ist ein gezeichneter Mann. Ich werde ihn vernichten."
Russische Fühlungnahme in London, Pans und jfiom.
Reval, 16. Juli. (DNB.) Wie aus Moskau gemeldet wird, hat Außenkommissar Litwinow die russischen Botschafter in Rom, London und Paris aufgefordert, mit den Außenmini st e- rien der betreffenden Länder in Fühlung zu treten über die Frage der Verwirklichung des Ostlocarno-Planes auf Grund des Meinungsaustausches zwischen Moskau, Paris, Rom und London.
„Zn den diplomatischen papiettorb!" Wachsende Bedenken in der öffentlichen Meinung Englands gegen Barthous Paktsystem.
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Deutschland zu werden, die Rüstungsgleichheit herbeiführt." Der Chor der höchst wachen „Träumer" hat sich inzwischen erheblich verstärkt, obgleich eine englische Zeitung wahrheitsgemäß die Mitteilung machen konnte, der Berliner englische Botschafter sei nicht in der Lage gewesen, bei seiner Unterredung mit dem deutschen Reichsaußenminister diesem die Erfüllung der Mindestforderungen in der Rüstungsfrage als Gegenlei-
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
zu prüfen (!). Verhandlungen können eine Folge der Verwirklichung dieser Pakte beginnen, aber als Vorbe- für die Pakte können sie nickt ein- g e l e~i t e werden." Mit anderen Worten: Die französische Regierung denkt nicht daran, die italienischen'Hoffnungen auf eine Gleichheit der Rechte unter den Völkern Europas zu verwirklichen, sie denkt nicht daran, das Ziel einer Polizeiherrschaft über diesen Erdteil aufzugeben, sie denkt nicht daran, den Völkern den ersehnten inneren und äußeren Frieden zu gewährleisten. Warum sollte auch Bar- thou die „Politik der Allianzen", die er noch vor einigen Tagen offen und brutal als sein Ideal erklärte, in dem Augenblick aufgeben, in dem sie ihm den ersten größeren Erfolg versprach?
Das Spiel mit scheinbaren Zugeständnissen und groben Hintergedanken, mit pathetischen Friedens- roorten und nüchternen Kriegsoorbereitungen geht unentwegt weiter. Puris mischt wieder die Karten, und seine Trümpfe sollen die Partner bis zur Unterwürfigkeit einschüchtern. Es bauerte nicht vier- uiidzwanzig Stunden, uls schon in der französischen Rüstungs- und Regierungspresse die Opposition gegen die Rede des englischen Außenministers Simon im Unterhaus laut wurde. Noch einen Tag vorher hatte man den Erfolg der Barthouschen Reise nach London in allen Tonarten gepriesen, aber nun hieß es: „Man glaubt zu träumen, wenn man an Hand der Ausführungen des englischen Außenministers feststellt, daß das Ostlocarno a n st a t t e i n S ch utz gegen
Mit der Frage der Streiks ist unmittelbar verknüpft auch der Kampf um die politische Macht. Die Marxisten haben daher eigentlich jeden Streik nicht unter dem ökonomischen, sondern unter dem politischen Gesichtswinkel betrachtet. Sie unterschieden sich nur gradweise, aber nicht prinzipiell von jenem Anarcho-Syndikalismus, der vor allem in Frankreich, hauptsächlich in den Jahren 1903 bis 1910, politische Streiks inszenierte, genau wie bei uns der Marxismus. Diese Streiks wurden anqesetzt, um dadurch der herrschenden Gesellschaft den Atem zu rauben. Durch revolritionare Streikaktionen, die im einzelnen, wie die Theoretiker z B Sorell und in Deutschland Rosa Luxemburg und Liebknecht zugaben, mit dem Elend der Streikenden bezahlt wurden, sollte aus einzelnen Scheiterhäufchen ein großer Reoolutions- brand und aus dem Elend und der Verbitterung der Beteiligten ein radikaler Revolutionswille erstehen. Dieses den Organismus zerstörende Fieber wird also auch in Amerika künstlich erzeugt.
Verschärfung in San Franzisko.
Umfangreiche Maßnahmen zur Vorbeugung von Ausschreitungen.
San Franzisko, 16. Juli. (DNB.) Der Generalstreik ist am Montag punkt 8 Uhr in Kraft getreten. Von diesem Zeitpunkt stockte jeglicher Verkehr auf der Straße. Gas und Elektrizität sind noch in Betrieb. Auch die Zeitungsstände, Milch lad en und die Bäckereien sind noch offen. Ferner funktioniert noch die Müllabfuhr. Fleisch und Gemüse gibt es nicht mehr. Theater und Kinos sind geschlossen. Darbietungen im Rundfunk gibt es nur in beschränktem Ausmaße, ba auch
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lienischen Politik liegen, sich eingehend mit diesen Manövern zu beschäftigen? Würde man aus ihnen nicht sehr gute Lehren für die eigene Zukunft ziehen können? Außerdem würden die
Die italienische Presse hat sich gegen die deutsche Auffassung gewehrt, als ob die Zustim - m u ng Mussolini szum Ostlocarnopakt einen plötzlichen und radikalen Frontwechsel der römischen Politik bedeutete. Die große Veränderung sei nicht in Rom, sondern in London eingetreten, wo die englische Auffassung über die französische Auffassung gesiegt hätte und wo aus einem deutsch-feindlichen Plan ein völlig neuer Vorschlag in Gestalt des Ost-Locarnopaktes entstanden sei, der durch gegenseitige Garantie der Grenzen das französische Sicherheitsbedürfnis ausreichend befriedige und der deshalb die völlige Gleichberechtigung Deutschlands in sich schließe. Dieser sehr optimistischen italienischen Auffassung konnte sich Deutschland von vornherein nicht anschließen, da von deutscher Gleichberechtigung nur in sehr unbestimmten allgemeinen Wendungen die Rede war, während der Einkreisung s ch a r a k t e r der neuen Vorschläge überaus deutlich aus dem gleichzeitig vom englischen Botschafter in Berlin überreichten r us sif ch - fr a n- zösischen Bündnisvertrag hervorging. Von einer „Gegenseitigkeit" durch das Ostlocarno konnte um so weniger gesprochen werden, als im Ernstfälle die in der Mitte des Systems liegenden Länder, also Polen und besonders das von modernen Waffen entblößte Deutschland, zu Durch- zugsgebieten oder Kriegsschauplätzen fremder Heere werden müßten, während die am Rande des Systems befindlichen hochgerüsteten Staaten von solchen Gefahren verschont bleiben würden.
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Generalflmkfieber in WA.
Streiks, also eine mehr oder minder organisierte Arbeitseinteilung und ihr Gegenpol, die Aussperrung sind nur dort möglich, wo der Staat nicht den Ausdruck der Volksgemeinschaft ist und die machtmäßige Austragung von Lohnstreitigkeiten möglich bleibt, weil eine ungeregelte Produktion unter einem liberalistischen Wirtschaftsprinzip zu Spannungen führt, die ter Staat nicht beseitigen will. Im neuen Deutschland, das mit dem Klassenkampf auch die Klassenspannungen beseitigte, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer als Faktoren eines Machtkampfes nicht mehr betrachtet, sondern die Betriebsgemeinschast zur Grundlage hat, sind daher Streiks ein Ding der Unmöglichkeit. Sie widersprechen dem nationalsozialistischen Wirtschaftsprinzip ebenso wie es Aussperrungen tun würden; in einem gesunden Organismus gibt es keinen Kampf ter Glieder um die Vormachtstellung.
Die in San Francisco ausgegebene Generalstreikparole ter amerikanischen Arbeiterschaft ist nur eine Folgeerscheinung der großen Wirtschafts- und Sanierungskrise, die nach dem Absinken der Prosperity-Periode das klassische Land des Wirt- schaftsindividualismus zerfrißt. Die amerikanische Wirtschastsentwicklung, aus der allein die jetzige soziale Revolutionswelle verständlich wird, ist vielfach der europäischen abseitig gewesen. Das Koalitionsrecht der Arbeiterschaft, das eine rechtliche Folge ter Anerkennung von Arbeitnehmerkoalitionen fein müßte, ist in den USA. bisher nur a u f dem Papi er vorhanden gewesen. Daher trugen die Arbeitskämpfe wesentlich einen anarchischen Charakter, sie waren vermengt mit politischen Bestrebungen, aber sie scheiterten durchweg daran, daß in einem rein kapitalistischen Staat ganz naturgemäß die Staatsgewalt in den USA. gegen die Arbeiterschaft eingesetzt wurde. Die Sher'fs mit ihren Milizen waren in den einzelnen Bundesstaaten zumeist von den Unternehmern besoldet und daher trugen auch in früheren Jahr^ zehnten dort die sozialen Kämpfe einen ausgesprochen blutigen Charakter.
Erst Roosevelt versuchte im Niraprogramm das Koalitionsrecht der Arbeiterschaft, also die G l e i ch - berechtigung der Gewerkschaften mit den mächtigen Unternehmer- und Trustverbänden herbeizuführen. Aber ein großer Teil der Unter» nehmerverbände weigerte sich, mit Gewerkschaftsvertretern über Lohnfragen zu verhandeln und versuchte, Betriebsgewerkschaften, was früher bei uns gelbe Verbände hieß, aufzuziehen, die natürlich schon aus rein materiellen Zwangsläufigkeiten nichts anderes gewesen wären als eine verkappte Unternehmerschutztruppe. Da in den USA. der Klassengegensatz außerordentlich groß ist, vermengen sich heute, wo infolge der Inflation d Kaufkraft der Löhne hinter den Preisen herhinkt, politische und wirtschaftliche Ideologien auf der Gewerkschaftsseite und natürlich benutzt der Korn« m u n i s m u s die Sage, um in Kalifornien so etwas wie einen Herd der Revolutionierung zu schaffen.
Es ist übrigens falsch, wenn behauptet wird, abgesehen vom Pullman-Streik, seien die USA. von großen Streikbewegungen verschont geblieben. Schon 1886 sahen die Vereinigten Staaten den größten Streik, der eine halbe Million Arbeiter umfaßte. Dort, wo wirtschaftliche Verbände im Staate um die Macht und um die Beherrschung des Staates ringen, find die Streiks an der Tagesordnung. Wir können es uns heute kaum noch vorstellen, daß allein 1919 und 1920 rund zehn Millionen Arbeiter nicht weniger als 5307 Streiks anzettelten, die fast 80 000 Betriebe betrafen und die nicht etwa den Zweck einer Lohnerhöhung hatten, sondern rein politische Streiks waren, daß allein in den Jahren 1924 bis 1928, vom Ende der Inflation bis zum Einsetzen der Wirtschaftskrise, fast 71 Millionen Arbeitstage durch Streiks und Aussperrungen verloren gingen, und daß in Deutschland jährlich im Durchschnitt 1 bis IV2 Milliarden Mark Volksoermögen durch Streiks und Aussperrungen verloren wurden. Gemeinhin standen die durch Streiks und Aussperrungen erzielten Ergebnisse in gar keinem Verhältnis zu dem Verlust der Beteiligten und dem Gesamtverlust an Dolksvermögen.
Diese politischen Streiks sind fast durchweg ein Ausfluß der rein marxistischen Betrachtungsweise. In einem Staate, dessen Formgebung das Gegenteil eines nationalsozialistischen ist, tritt der Kampf der Jnteressentengruppen rein machtpolitisch fo tn die Erscheinung, daß durchweg der Staat se bst nicht führt, sondern n u r a l s O r d n u n g s p 0 l i - z i st auftritt und sich nicht darum kümmert, welche Einbuße und Vergeudung mit ben Wirtschaftskräften vorgenommen wird. Wahrend die Unternehmerschaft in einer solchen Armrchle sich zu- sammenschließt, tritt in der Arbeiterschaft das 23e= streben zutage, als reine Lohnempfangermasse auch politisch Macht zu gewinnen Das Land der großen Streikbewegungen ist eigentlich England gewesen, seit vor 110 Jahren, 1824, das Koalitions- ?echt auch der Arbeiterschaft gewährt werten mußte. Unmittelbar darauf setzten die großen Streiks wahrend der Chartistenbewegung em, sie flauten ab, als England in den fünfziger und sechziger W™ fast ein Industrie- und Handelsmonopol hatte, sie etzten nach 1870 derart em, daß bis 1880 England nicht weniger als 2352 große Stre.kbewegun- gen zählte, darunter 1879 den ersten Generalstreik mit 300 000 Streikenden, der an Umfang nur durch den obenerwähnten General reik m USA mit 500 000 Beteiligten übertroffen wurde, ©egen Streiks und Aussperrungen gibt es m einem nicht- nationalsozialistischen Staat kemerle, H°'lmtttest sie sind in parlamentarisch regierten Staaten -'N Aus- stutz des sinnlosen Klassenkampfes und des Kamp- fes der einzelnen Wirtfchastsgruppen um die Macht im Staate selbst.
«chatte WM 1:0) w
Nationalgarde durchstreift. Im Hafen warten 170 Dampfer a u f ihre Abfertigung. Als Folge des langen Hafenarbeiterstreiks ist die Proviantversorgung Alaskas, wo die Sommerzeit nur sehr kurz ist gefährdet. Auch die Materialversorgung Hawaiis ist bedroht.
Auch in anderen Städten der pazifistischen Küste macht die Streikbewegung Fortschritte. In Dani e l s o n (Connecticut) traten 500 Wollspinner in den Streik, weil die Leitung der Werke eine 25pro- zentige Lohnerhöhung ablehnte. In Birmingham (Alabama) traten 22 000 Textilarbeiter am Dienstag in den Streik. Die Hafenarbeiter von Vancouver weigerten sich, amerikanische Schiffe zu löschen, weil diese mit Streikbrechern als Besatzung fuhren. Die Streikleitung hat angeordnet, daß in den Städten Oakland, Alameda und Portland umgehend Streikabstimmungen durchgeführt werden. Man rechnet damit, daß diese Städte sich dem Generalstreik anschließen werden. Der Leiter der NRA., L o h n s o h n, ist in einem Armeebombenflugzeug nach San Franzisko unterwegs. Senator Wägner ist dabei, Neuyork im Flugzeug zu verlassen, um zu versuchen, den Generalstreik beizulegen.
Gpürbare Ernüchterung.
Wie lange hält die gute Laune des Publikums an?
San F r a n z i s k o, 17. Juli (DNB. Funkspruch). Das starke Truppenaufgebot, das nach dem Eintreffen weiterer Verstärkungen jetzt 7000 Mann beträgt, sowie die demonstrative Aufstellung von Geschützen, Maschinengewehren und Tanks scheinen zusammen mit der Unsicherheit hinsichtlich der Haltung der Bevölkerung einen ernüchternden Einfluß auf bie Streikleitung aus-
Wie berechtigt unsere Kritik an ber italienischen Haltung war, bas zeigt nunmehr mit schonungsloser Offenheit bie sonntägliche Festessen-Rebe bes französischen Außenministers B a r t h o u , bie in bem Satz gipfelte: „Man kann noch nicht sagen, ob nach Verwirklichung jener regionalen Pakte (Ostlocarno) Zeitalter beginnt, bas bie Möglichkeit Auswirkung biefer Pakte auf bie A d -


