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-Anzeiger für Gberheffen) Zreitag, 16. November 1934
Treue um Treue!
Saarland und Deutschland unlöslich verbunden!
Gestern abend fand im Cafe Leib, veranstaltet von der Ortsgruppe Gießen des Bundes der Saarvereine, eine Kundgebung statt, die allen, die daran teilnahmen, die Verbundenheit des Mutterlandes mit dem Saarland auf das Stärkste zum Bewußtsein kommen ließ. Die Kundgebung war sehr gut besucht. Der Musikzug der Standarte 116 unter der Leitung des Musikzugführers Herrmann wartete mit erstklassigen Darbietungen auf. Der Vorsitzende der Ortsgruppe Gießen des Bundes der Saarvereine,
Herr Tbum,
hieß besonders die Brüder und Schwestern aus dem Saargebiet, die gegenwärtig für eine Ferienwoche in Gießen weilen, herzlich willkommen, begrüßte ferner den Landesgruppenleiter, Postamtmann A n - schütz, den Kreispropagandaleiter der NSDAP. Gießen, Pg. Schmelz, die Kameraden der SA. und SS., sowie des Arbeitsdienstes. In seinen kurzen einleitenden Ausführungen betonte der Redner, daß die Saar gegenwärtig im härtesten Kampf um die Rückgliederung in das Reich stehe. Kommunisten und Separatisten versuchten mit allen Mitteln, unsere Heimat an Frankreich zu verschachern. 90 v. H. der Bevölkerung im Saargebiet habe mit jenen und mit ihren Führern nichts zu tun. Das Saarvolk wolle zum Reich und möchte heute lieber denn morgen jene Daterlandsverräter aus dem Lande jagen. Aber noch gelte es Disziplin zu halten. Sodann hielt
Postamtmann Anschütz Frankfurt a. M. einen Lichtbildervortrag über das Saargebiet. Seit Jahrhunderten bemühe sich Frankreich, so führte der Redner u. a. aus, um das Saargebiet. Bereits Ludwig X IV., später Napoleon und in unserer Zeit Clemenceau, versuchten das Saargebiet an Frankreich zu bringen. Nach dem Weltkrieg sei in einer Note an Wilson von deutscher Seite eindeutig erklärt worden, daß das Saarvolk mit dem französischen Volke nichts gemein habe und auch im Unglück bei Deutschland bleiben wolle. Die deutschen Bemühungen um das Saargebiet seien leider nicht von vollem Erfolg gekrönt gewesen.
Das Saargebid sei zum ersten Völkerbundsland geworden, das regiert werde von Leuten, die kaum wüßten, wo es liege. Die Gruben des Saarlandes feien an Frankreich gefallen und in ungeheurem Raubbau würden sie noch heute rücksichtslos ausgebeutet.
Zur Abstimmung am 13. Januar stünden drei Fragen zur Beantwortung: „für Deutschlands, „für Status quo“, „für Frankreich". Für uns sei kein Zweifel an dem Ausgang der Abstimmung. Frankreich sei mit allen Kräften bemüht, den bisherigen Zustand im Saargebiet aufrechtzuerhalten, denn in Frankreich wisse man genau, daß die Abstimmung „für Frankreich" sehr negativ ausgehen werde. Das Saarvolk strebe mit allen Fasern zu Deutschland. Den Brüdern und Schwestern von der Saar, die in diesen Wochen und Monaten in Deutschland weilen durften, sei unser Vaterland der Disziplin und Ordnung zum stärksten Eindruck geworden, so daß sie in ihrem Willen nur noch bestärkt worden seien.
In seinen weiteren Ausführungen, die er durch Lichtbilder unterützte, uvandte sich der Redner dem Saargebiet als einer deutschen Landschaft zu. Er kennzeichnete die Landschaft in ihrer Schönheit, sprach von den Kirchen und den in ihnen vereinigten deutschen Kulturwerten, von den Städten in diesem Lande (von Saarbrücken, Saarlouis, Merzig, St. Ingbert, St. Wendel, Mettlach usw.),
von den Denkmälern, in denen sich die deutsche Geschichte spiegele; er erinnerte an die Kämpfe an der Grenze im Kriege 1870/71 und 1914/18, schilderte aber auch das Saargebiet als das Land einer intensiven Industrie mit vielen Gruben und Eisenhütten.
Das Saargebiet fei ein Industriegebiet, dessen wirtschaftliche Bedeutung für unser Vaterland klar werde, wenn man wisse, daß das Saargebiet allein 25 v. h. der deutschen Eisen- (und Thomasmehl-) Produktion hervorbringe. Die Bevölkerung des Industriegebietes fei dabei eine durchaus seßhafte Bevölkerung. Der Bergmann, der heule in den Gruben arbeite, stehe an dem gleichen Platze, an dem schon Vater und Großvater standen.
Der Bergmann sei der unbekannte Soldat des Saargebietes. Er müsse unter französischer Trikolore arbeiten, von ihm werde verlangt, daß er seine Kinder in die französische Schule schicke, er sei ständig in der Gefahr, von Haus und Hof verjagt zu werden, und doch sei er der treuste Sohn des Vaterlandes. Der Bergmann brenne darauf, sich endlich mit dem Stimmzettel in der Hand zu Deutschland bekennen zu dürfen, so wie er es bisher durch seine Haltung getan habe. Noch klängen allen Saardeutschen die Worte des Führers vom Niederwalddenkmal und von Koblenz in den Ohren. So, wie das Lied von der Wacht am Rhein in unserem Volke immer wieder aufklinge, so könne auch das Geistesgut in diesem Liede auf das Saarland und seine Bevölkerung bezogen werden. Mit dem Liedvers:
Sie sollen sie nicht haben, Die alte, deutsche Saar, Solang noch Deutsche kämpfen, Für das, was recht und wahr, Solang noch Deutsche reichen, Sich einig ihre Hand, Solang noch Männer kämpfen Fürs deutsche Vaterland
beschloß der Redner seinen mit starkem Beifall aufgenommenen Vortrag. Gemeinsam wurden sodann zwei Verse des Saarliedes gesungen.
Nach einer kurzen Pause sprach bann der
Kreisprovagandaleiter Pa. Schmelz
Seinen Ausführungen fei folgendes entnommen: In feinem Buche sage der Führer Adolf Hitler auf der ersten Seite: „Volk will zu Volk, Blut zu Blut. Gemeinsames Blut hat das Recht, in einem Reiche zusammenzuleben!" Nach dem Weltkriege sei dem entrechteten Deutschland nur ein Recht geblieben: das Recht, leben zu dürfen im Vaterland. Dieses Recht sei es auch gewesen, von dem die Deutsche Revolution ihren Ausgang genommen habe. Seit Richelieu ziehe sich durch die französische Politik wie ein roter Faden der Wunsch, dem deutschen Menschen dieses Recht auf Vaterland und Heimat zu bestreiten. Diesem Wunsche könnten wir nur immer wieder ein entschiedenes „Nein!" entgegensetzen. Die gegenwärtige Zeit sei entscheidendes Stadium im Kampfe um unser Lebensrecht. Die Entscheidung falle am 13. Januar. Hinter dem Saarvolk stehe das ganze deutsche Volk.
3m Saargebid gebe es keine andere Entschei- bung als für oder gegen Deutschland. Ein Kompromiß sei unmöglich. Der Kampf gehe nicht ] allein um das Land oder um die Kohle, fon- \ dern um den deutschen Menschen an der Saar.
Nr. 269 Dritter Blaff
Gießener Anzeiger (General
Das Winterhilfswerk rüst!
Am nächsten Sonntag wird zum zweiten Male. Mahl dem großen Werk der Winternothilfe zuzu- diesem Winterhalbjahr das Eintopfgericht! führen. Mit den Eintopfsonntagen allein ist es aber
Der Ndchswehnrompeter bläst zum Sammeln. (Aufnahme: Photo-Pfaff.)
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nicht möglich, unseren hilfsbedürftigen Volksgenossen auch in diesem Winter wieder in der erforderlichen Weise beizustehen. Notwendig ist vielmehr a n - dauernde Opferbereitschaft und uneingeschränkte Gebefreudigkeit derjenigen Volksgenossen, deren wirtschaftliche Lage die Hilfe für den notleidenden Nächsten ermöglicht. Dabei handelt es sich nicht etwa nur um ein G e b e n , sondern die Hilfe bekommt erst dann ihren tieferen Sinn, wenn sie für den Spender wirklich ein Opfer bedeutet.
Am gestrigen Donnerstag wukde es im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Nord erneut sichtbar durch die in jenem Stadtbezirk oorgenommine Lebensmittelsammlung. Wie schon in den letzten Jahren, hat sich auch diesmal wieder unsere Gießener Reichswehr in anerkennenswerter Weise mit der Bereitstellung von Fahrzeugen und Mannschaften in den Dienst des Winterhilfswerkes gestellt. Daneben machen es sich die Mitarbeiter und Helfer der NSV. zur dringlichsten Pflicht, alle ihre Kräfte für das Sammelwerk einzusetzen. In gleicher Weise tatbereit ist auch unsere Gießener Bevölkerung, die bisher mit der Spende von Lebensmittel, Kleidungsstücken und Geld immer zur Stelle war und dadurch den hilfsbedürftigen Volksgenossen den Kampf ums Dasein wirksam erleichtert hat. Da wandern bei den Lebensmittelsammlungen vielerlei Pfundpakete aus den Haushaltungen zu den Sammlungen der Reichswehr, die ihre volle Lagung zu den Ausgabestellen der NSV. bringen, von wo aus dann in wirksamster Weise der Kampf gegen Hunger ausgenommen wird.
Der vortreffliche Gemeinschaftsgeist, den man in allen Kreisen unserer Gießener Bevölkerung feststellen kann, wird auch weiterhin in besonderer Weise dem Winterhilfswerk zugute kommen, um durch das Werk der Nächstenliebe zugunsten unserer hilfsbedürftigen Brüder und Schwestern wirksam mitzuarbeiten an der Erfüllung der großen Aufgabe des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler.
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in diesem Winterhalbjahr --- . ...
bei allen deutschen Volksgenossen die Parole des Tages sein, um die Ersparnis von diesem
Die Pfundpäckchen werden herbetgedrächt. — (Aufnahme: Photo-Pfaff.)
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MU UW Meist?
Roman von Klothilde v. Stegmann.
117. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Die Fahrt neben Robby Herman war für Edelgard wie ein Traum. Der Wagen war ein rassiger L-portzweisitzer, schlank gebaut und von neuester Konstruktion. Er flog förmlich, wie von aller Erden- ichwere befreit, über die nächtliche Chaussee. Rechts unb links flogen die Häuser vorbei, entlaubte Bäume Landen wie seltsame Zeichnungen, wenn bas Licht L>es Scheinwerfers sie traf.
Edelgard faß sehr still da, sah wie traumverloren o.uf das Profil des Mannes neben ihr. Er schaute t ufmerksam aufs Steuer, feine Hände in den hellen Lederhandschuhen hielten das Lenkrad mit Kraft t nd doch mit Leichtigkeit.
Wunderbar geborgen fühlte sie sich, so geborgen Die nie mehr, seitdem Vater und Bruder heimge- ciangen. Von diesem Tage an war die Verantwortung für die Mutter und sie doch eigentlich auf ihre Schultern gelegt. Oft war es ihr schwer gewesen, zu schwer. Aber sie kannte es ja nicht mehr anders.
Heute, hier in dem warmen dahinsausenden Geführt, den Augen und den Händen des heimlich gell ebten Mannes anoertraut, dachte sie: Wie mußte (s gut fein, einmal nicht selbst für sich alles allein wissen und können — einmal in der Obhut eines lichtvollen Herzens sein ...
„Sie sind ja so still, Fräulein von Dönitz?! Was luchten Sie denn eben?"
Er hatte si unvermutet zu ihr gewandt.
, „Ich — ich bin wohl doch sehr müde", stotterte sie. Sie konnte ihm doch nicht sagen, was für törichte träume sie soeben gehabt.
„Sie Arme, es tut mir wirklich leid, daß ich Sie riicht direkt heimfahren kann."
„Oh, das macht ja nichts!" wehrte Edelgard schnell Äb. Sie war ja in Wahrheit nicht müde; für sie lütte diese Fahrt neben dem geliebten Manne stun- knlang dauern können.
Und bann schwiegen sie beide wieder. Eine süße, schwere Stille legte sich zwischen sie, Unausgesproche- TT5 schwang im Raum — aber keiner der beiden Menschen wagte dem andern etwas von seinen wirk- kchen Gedanken und Empfindungen zu zeigen.
Nun belebten sich die Straßen. Lichter von Re- fhurants, Kinos tauchten auf, aus den Untergrund vihnen kamen plaudernde Menschen. Geschäfte, die and) nachts ihre Auslagen lockend zeigen wollten, st-ahlten in tageshellem Licht. Nun ein großer Platz. Üvbby umfuhr ihn in einem eleganten Bogen und tzxlt gleich darauf in der Ecke.
„Hier ist dos Restaurant, Fräulein von Dönitz! kittet"
Edelgard stieg zögernd aus, am liebsten wäre sie ja im Wagen geblieben und hätte gewartet. So im Bürokleid in dies elegante Lokal zu gehen ... Aber sie mochte nichts mehr sagen. Direktor Herman war so unberechenbar. Sie war glücklich, daß er im Augenblick so warm und gütig war. Mechanisch strich sie über bas weiche Haar, bas unter dem kleinen schwarzen Hütchen hervorkam, zog den Mantel glatt. Hätte sie doch wenigstens den Pelzmantel angehabt, den sie noch aus den guten Zeiten des Reichtums besaß. Ader sie mußte diese Kleidungsstücke sehr, sehr schonen; sie würde sich kaum jemals wieder etwas Derartiges anschaffen können. So trug sie für das Büro nur ihren braunen Ulster.
Robby schien zu fühlen, was in ihr vorging.
„Sie brauchen sich nicht die geringste Sorge zu machen, Fräulein von Dönitz — Sie können mit den andern Gästen des Lokals wohl konkurrieren.
Von dem Portier mit einer ehrerbietigen Verneigung begrüßt gingen die beiden nun durch das; Portal in das Restaurant. Kein Mensch hätte Edelgard jetzt irgendeine Verlegenheit anmerken können. Sie ging, ganz große Dame, sicher und mit einem etwas hochmütigen Gesicht dahin. Sie übersah die bewundernden Blicke, die ihr folgten.
Aber wenn sie auch nichts zu bemerken schien, Robby Herman spürte die versteckte Bewunderung sehr wohl. Und plötzlich verglich er Edelgard mit Margaret. Wenn Edelgard einmal Kleider tragen würde, wie einst Margaret — es würde nicht viele Frauen geben, die mit ihr bann würden wetteifern können. Sie war ja schöner, viel schöner noch — alles edler, durch lange Kultur und durch Generationen von Geschlechtern geformt und verfeinert Es war dach etwas um diese alten Geschlechter. Wenn er es auch Studczynski gegenüber geleugnet hatte. Freilich, es mußte sich mit dem wahren Adel des Geistes und der Seele verbinden.
Und auf einmal machte er nicht mehr glauben, was Studczynski ihm von Edelgard gesagt. Vielleicht hatte er etwas falsch verstanden — jedenfalls, er wollte nun erst einmal selber sehen und selber prüfen.
Sie durchschritten einige Zimmer, in denen schön gedeckte Tische vor roten" Seidentapeten standen. Es duftete nach Blumen, Zigaretten, Mokka. Viele Plätze waren, der späten Stunde entsprechend, schon leer. Jetzt kam der Oberkellner auf Robby zu.
„Verzeihung, mein Herr!" sagte er. „Die Herren • von Ihrem Tisch sind schon fortgegangen. Einer von ihnen hat mir eine Karte für Sie hinterlassen."
„Oh", sagte Edelgard halblaut und erschrocken, „daran bin sicher wieder ich schuld: meinetwegen haben Sie sich zu lange im Büro aufgehalten."
Aber Robby, der zuerst ein etwas ärgerliches Gesicht gemacht, hatte den Brief schon überflogen. Und nun sah er geradezu vergnügt aus.
„Steuwen schreibt mir, baß es ihn heimgezogen hätte, bie deutschen Rheinweine hätten es doch in sich. Er wollte aus diesGn Grunde auch morgen erst am Mittag abreisen und würde noch zu mir kommen. Also haben wir nichts verloren, Fräulein von Dönitz."
„Dann können wir wohl gehen." Edelgard wandte sich wieder der Ausgangstür zu.
„Wo wollen Sie denn hin?"
„Ich dachte, wir fahren jetzt nach Wannsee?!"
„Ohne zu essen? Ausgeschlossen! Nein, Fräulein von Dönitz! Ich finde es, offen gestanden, sehr, sehr nett von meinem guten Steuwen, daß er uns hier eine private Abendstunde läßt. — Herr Ober, einen netten Tisch — aber bitte nicht hier; hier ist es für eine Dame zu rauchig."
Es war Edelgard unmöglich, zu widersprechen. Der Oberkellner eilte ihnen schon voran. Ohne Aufsehen zu erregen, konnte sie nicht ablehnen. Außer- i dem, sie fühlte jetzt wirklich eine Schwäche in Kopf und Füßen — so ein eigentümlich schwindliges Gefühl; bas war sicher der Hunger und die lieber- anftrengung. Wie die Lichter der Kronleuchter flimmerten — und die kleinen Tischlampen auf den weißgedeckten Tischen begannen zu tanzen. Unwillkürlich griff Edelgard wie haltsuchend um sich — hätte Robby Herman sich nicht schnell zu ihr gewandt, sie wäre gestrauchelt.
Er sprach kein Wort; er schob einfach seinen Arm unter den ihren und führte sie schweigend zu dem; Tisch, den der Oberkellner eben erreicht hatte. Es | war ein Platz in einer kleinen Nische, etwas abgetrennt von dem allgemeinen Lokal. Schon schob man Edelgard einen bequemen Sessel zurecht.
„Zweimal Kraftbrühe — aber schnell!" befahl! Robby dem Kellner. „Wir bestellen bann weiter. — | Verzeihen Sie", wandte er sich bann an bas Mäd- ; eben, das blaß und noch etwas taumlig in dem ■ kleinen Seidensessel lehnte, „daß ich Sie nicht zu- ; nächst um Ihre Wünsche gefragt habe! Aber mir schien es wichtiger, daß Sie zunächst einmal etwas in den Magen bekommen. Das Weitere bestimmen Sie, bitte!"
Edelgard lächelte Robby dankbar an — und wieder rührte ihn dies scheue und kindliche Lächeln bis in die Tiefe der Seele hinein.
Nein — nein, Studczynski hatte falsch gesehen: dies war ein feines, vornehmes Menschenkind, un- ! fähig aller unschönen Regungen. Wo hatte er nur , feine Augen und seine Menschenkenntnis gehabt? 1 Daß sie ihm damals bei ihrem ersten Zusammen- j treffen so schroff entgegengetreten, vielleicht war es, nur Schreck, Verlegenheit. Und vielleicht war es ihre Art, dann hochmütig und abweisend zu erscheinen? I
Er hatte es heute abend wohl bemerkt, wie sie ihre Verlegenheit beim Hereinkommen in das Lokal i unter dieser hochmütigen Miene verborgen. Außer-1
dem, er war ihr ja schließlich bei der ersten Begegnung in seinem Hause auch nicht gerade liebenswürdig entgegengetreten. Wenn sie wieder einmal fein Haus betreten würde — sie — sein Haus ... Eine heiße Welle ging durch ihn hin — er durfte sich nicht weiter in diese süßen Gedanken verlieren. Noch war alles dunkel verhüllt, was die Zukunft vielleicht einmal bringen mochte. Jetzt war Gegenwart und das Wichtigste, daß Edelgard sich erholte.
Der Kellner brachte bie Suppe. Edelgard nahm hastig ein paar Löffel voll. Sogleich färbte ein zartes Rat ihre blassen Züge.
„Das tut gut", sagte sie unwillkürlich.
„Und wer hat behauptet, daß er gar nicht hungrig wäre? Nun, bitte, suchen Sie weiter aus, Fräulein von Dönitz, ehe uns der Küchenchef die Küche vor der Nase zumacht. Was essen Sie gern? Fisch, eine Vorspeise, dann Geflügel?"
„Aber um Himmels willen, Herr Direktor!" protestierte Edelgard. „Das sollte doch nur ein bescheidenes Abendessen sein, kein Festmahl."
Da sah Robby Herman Edelgard mit einem zwingenden Blick an.
„Vielleicht ist es heute ein festlicher Abend für mich, Fräulein von Dönitz ..."
Edelgard verstand nicht. Was meinte er damit? Hatte Direktor Herman heute vielleicht Geburtstag? Aber dann würde er doch nicht abends so spät noch Geschäftsbesprechungen abhalten. Und vor allem nicht mit ihr zusammen den Rest des Tages verleben. Nein, das konnte es nicht sein. Aber was bedeutete es dann?
Die ratlose Nachdenklichkeit prägte sich so deutlich auf ihrem lebendigen Gesicht aus, daß Robby Herman lachen mußte.
„Raten Sie nicht, Fräulein von Dönitz. Ich wette. Sie bekommen es doch nicht heraus. Aber ich will nett sein und es Ihnen gutwillig sagen. Es ist zwar nicht mein Geburtstag — aber hoffentlich ein anderer."
„Hoffentlich ein anderer?"
Edelgard verstand immer weniger. Machte sich Direktor Herman luftig über sie?
„Herr Direktor, em Geburtstag kann doch nicht choffentlickf fein ... Der i st entweder — oder er ist nicht!"
„Meinen Sie?" Er fragte es übermütig. „Wenn ich Ihnen nun aber beweise, daß ich recht habe mit meinem ,hoffentlich'^ Also auf Ihr Wohl, Fräulein von Dönitz! Hoffentlich ist dieser heutige Abend der Geburtstag eines besseren Verstehens zwischen Ihnen und mir!"
„Ach, so meinen Sie bas!"
„Ja, so meine ich das, Fräulein von Dönitz. Darauf müssen Sie aber Ihr Glas bis zur Neige leerens Dann erst geht der Wunsch in Erfüllung."
(Fortsetzung folgt!)


