Nr. 269 Erstes Blatt
184. Jahrgang
greitag, 16. November 1934
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Weiter im Kampf gegen Hunger und Kalte!
Oie Winterhilfe und Oeutschlands Ringen um wirtschaftliche Selbständigkeit.
Von Or. Wilhelm Frick, Reichsminister des Innern.
Oie Balkanentente.
Von unserem W.-E.-B.-Berichterstaiier.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Istanbul, November 1934.
Nach der Beisetzung des jugoslawischen Königs hatten sich die Außenminister der Staaten des Balkan Pakts, wie erinnerlich, in Belgrad zu einer außerordentlichen Tagung versammelt, um jenes aufsehenerregende Kommunique zu verfassen, aus dem man schließen zu können glaubte, Kleine Entente und Balkanpakt seinen nun zwei „gleichgeschaltete" Einheiten geworden. Mit einiger Spannung wurde daher der Tagung von Ankara entgegengesehen, die bereits bei der Verkündigung ber Balkanentente in Aussicht genommen worden war. Daß sie mit dem höchsten türkischen Staatsfeiertag, dem Republikfest, zusammenfiel, war «ine besondere Ehrung für die Türkei, die ja von Anfang an durch ihren Außenminister T e w f i k R ü s ch t ü Bey die treibende Kraft beim Werden Les Balkanpaktes war. Die ehrende Geste wird sich, Diesmal an Rumänien gerichtet, am 10. Mai 1935, dem rumänischen Nationalfest, wiederholen. Das ist der Termin der nächsten Zusammenkunft Der Balkanaußenminister.
Ein zehntägiges Erscheinungsverbot für wier der wichtigsten türkischen Zeitungen mußte ,als interessantes Vorspiel zu der Konferenz von Ankara betrachtet werden. Bald nach der Rückkehr 'Rüschtü Beys aus Belgrad fand nämlich eine nicht- iöffentliche Sitzung des türkischen Parlaments statt, rin der über außenpolitische Dinge verhandelt wurde. Die Zeitungen hatten sich in ungeschickten Andeutungen über den Inhalt der Geheimsitzung ergangen runb wurden dafür gemaßregelt. Immerhin steigerte stich durch diese Vorgänge — Geheimsitzung und Leitungsverbot — die Spannung. Man erwartete -geradezu, daß der schon in Belgrad betretene ge- nneinsame Weg der Kleinen und der Balkanentente zu Ende gegangen und durch bindende Ab- »nachungen gefestigt würde.
So weit ist es nicht gekommen. Die Kleine Entente wurde überhaupt nicht erwähnt. Griechenland hat ja allzu deutlich seine A b l e h - m u n g bekundet, bei einer außerbalkanischen Er- »veiterung des Balkanpaktes mitzumachen. Und daß inan auch in Griechenland bei aller Befürwortung des Balkanpaktes noch eine „Privatmeinung" hin- ßichtlch der interbalkanischen Beziehungen hat, ist Rängst bekannt. Es war auch gar nicht nötig, den Lusammenschluh der Kleinen Entente mit der Walkanentente zu verkünden. Zwei Staaten: Ru- nnänien und Jugoslawien, gehören beiden Verbänden an, und in diplomatischen Kreisen »glaubt man wohl zu Recht, daß auf der Brücke über Diese beiden Staaten auch die Türkei einen yrnar unausgesprochenen, aber doch bestehenden Anschluß an die Kleine Entente gefun- lden hat.
Die kommenden Monate werden zeigen, in welscher Form die „Beziehungen der Freundschaft und lder Allianz" gedacht sind, die nunmehr wechselseitig rund sich überschneidend von Prag bis Ankara be- sstehen. Die Arbeitsleistung der Tagung kam in .einer langen offiziellen Verlautbarung zum Aus- Druck, in der das Statut der „Balkanentente" und nhr organischer Aufbau festgelegt wurden.
Die Leitung der Balkanentente — der Ausdruck Balkanpakt" ist fallen gelassen worden und durch Das, stärkere Bindungen anzeigende Wort „E n - tt e n t e" ersetzt worden — liegt in den Händen der wier Außenminister, die den „S t ä n d i g en Ra t" gbilden, dessen Entscheidungen über die gemeinsame «Politik einstimmig zu fassen sind. Dieser Rat muß zweimal im Jahre zusammentreten. Ein ständiges Generalsekretariat, das, wie das Präsi- foium, alljährlich in einer anderen Ententehauptstadt Reinen Sitz bat, besorgt die Geschäftsführung. Die Organisation der Balkanentente trägt also genau Die gleichen Züge wie die Kleine En- Rente!
Besonderes Gewicht wurde auf den Ausbau Der Wirtschaftsbeziehungen gelegt, wofür ein st ä n d i g e r W i r t f ch a f t s r a t eingesetzt -wird. Zu seinen nächsten Aufgaben wird die Schaf- ffunq einer B a l k a n b a n k gehören, deren Grün- Dunq schon vor Ankara beschlossene Sache war. Be- geichnend ist, daß in Wiederholung einer programmatischen Tischrede T i t u l e s c u s , die Schaffung neuer Handelswege von der Donau über das Schwarze Meer nach Asien angekundigt wurde um ven Warenaustausch zwischen Mitteleuropa, dem Balkan und Asien zu verstärken. Wie dieser plotz- !ich entdeckte „Drang nach Osten" der Klemen En- liente zu verwirklichen sein wird, muß die Zukunft .ehren. Vorläufig kann man diese neuartige wirtschaftliche Wegrichtung wohl eher als Bestätigung Dafür ansehen, daß weder die Kleine Entente, noch Oie Balkanentente, noch beide Verbände zusammen in der Lage sind, sich wirtschaftlich zu ergänzen. Vorläufig ist die Wirklichkeit noch immer die, daß Rumänien, Jugoslawien, Griechenland und die Türkei in großem Maße vom deutschen Abnehmer ihrer landwirtschaftlichen E r- Zeugnisse abhängig sind.
Die politische Aussprache in Ankara stand unter dem Eindruck des Marseiller Alten- : a t 5, Titulescu bestand darauf, daß der tote Kö- iig von Jugoslawien nicht nur ein Anrecht auf die Fortsetzung seiner Politik habe, sondern auch auf Licht und Sühne". Licht ist noch nicht geworden; He Untersuchung läuft weiter, und je nach ihren Ergebnissen wird es sich zeigen, wie weit, dem jugoslawisch-rumänischen Wunsch entsprechend, der Londoner Pakt über die Bestimmung (es Angreifers herangezogen werden kann. Oavon wird schließlich auch abhängen, w e r zu fihncn hat und wie die Sühne aussehen wird. Im 1 Zusammenhang mit dem Attentat von Marseille
Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler hat das deutsche Herz und das deutsche Gewissen zum Winterhilfswerk aufgerufen. „Kein Deutscher soll hungern und frieren" wird auch heuer die Losung im Kampf gegen die Not sein, die der Winter den breiten Massen des Volkes bringt. Der Kampfruf des Führers findet uns diesmal besser g e r ü ft e t als im vorigen Jahre. Denn es ist kein Zweifel darüber, daß die deutsche Wirtschaft sich feit der Machtübernahme durch die Regierung Adolf Hitlers auf allen Gebieten des Binnenmarktes so sehr erholt hat, wie es selbst manchem Optimisten vor zwei Jahren unmöglich schien. Man vergesse nicht, welch trauriges Erbe die Regierung Adolf Hitlers übernahm: mehr als 6 Millionen Erwerbslose, die in hoffnungsloser Not dahinlebten, ein durch andauernde Krisen zerrütetes System, das nicht im entferntesten an einen systematischen Kampf gegen die zermürbende Zeitkrankheit der Erwerbslosigkeit dachte, das Reich nahezu am Rande eines offenen Bürgerkrieges, eines Kampfes aller gegen alle!
Was Millionen noch zu Beginn des Jahres 1933 nicht zu hoffen wagten, ist geschehen. Der felsenfeste Glaube an den Sieg des Willens und des Geistes über die Materie hat das Wunder des Wiederaufstiegs der deutschen Nation vollbracht. Der Nationalsozialismus hat den breiten Massen die Lehre in die Herzen und Hirne gesenkt, daß der Staat kein Wirtschaftsbetrieb und keine Zusammenfassung von Unternehmungen zur Erfüllung bestimmter wirtschaftlicher Aufgaben ist. Er verkündete vielmehr, daß der wahre Staat eine viel höhere ethische Einrichtung der Menschheit, eine Gemeinschaft gleich- und ähnlich gearteter Lebewesen zur Vervollkommnung ihrer Art und zum Schutze ihrer Sprache, Kultur unb Rasse ist. Die Wirtschaft barf nur eines der vielen Mittel sein, die zur Erreichung des Staatszweckes nötig find. Der Nationalsozialismus hat d e n Pri - mat der Politik über d i e Wirtschaft wieder hergestellt. Im Deutschen Reich Adolf Hitlers herrscht nicht mehr die Wirtschaft über den Staat, sondern sie dient ihm.
Damit ist der Staat den Händen der Jnterefsenten- haufen entwunden und kann wieder seinen hohen Zielen dienen. Kein wirtschaftlicher Druck kann die Staatsführung mehr zwingen, ihre Pläne und Ziele aufzugeben ober zu ändern. Der Staat ist im Innern unangreifbar geworden, und deshalb versuchen die ihm feindlich gesinnten Kräfte, die De- ftrutteure, die vor der Machtergreifung das Reich beherrschten, ihm von außen her Schwierigkeiten zu bereiten. Mit den Mitteln des Boykotts deutscher Waren versucht man vom Ausland her dem Reich zu schaden. Aber unsere Widersacher irren sich, wenn sie glauben, uns dadurch von unserem Ziele abzubringen. Die Boykotthetze und ihre Wirkungen zwingen uns zu A b - wehrmaßnahmen. Die verschärfen gegen unseren Willen die Wirtschaftskrise der Welt und erschweren die Beziehungen der Völker untereinander. Aber sie werden uns zu keinerlei Zugeständnissen veranlassen. Die Reichsregierung ist fest entschlossen, alle Auswirkungen der Boykottbewegung zu beseitigen, und sie weiß, daß sie das ganze deutsche Volk, gegen das ja der teuflische Plan der Boykottbewegung gerichtet ist, hinter sich hat. Sie hat aber auch durch die Machtmittel des Staates die materiellen Voraussetzungen geschaffen, um das deutsche Volk durch alle Schwierigkeiten hindurchzusteuern.
Wir wollen gerade in diesem Winter der ganzen Welt ein Beispiel der inneren Geschlossenheit, der brüderlichen Hilfsbereitschaft und der nationalen Solidarität geben. Zum zweiten Male organisiert das Reich nach dem Befehl des Führers und Reichskanzlers das größte soziale Hilfswerk der Welt. Im vergangenen Jahre hatten wir mehr als vier Millionen Erwerbslose und deren Angehörige, die vom Winterhilfswerk betreut werden mußten. Im heurigen Jahr werden es um viele Hunderttausende, ja Millionen weniger sein, denn die Maß
steht auch der Beschluß, in Zukunft im Rahmen der Balkanentente eine ftänöige Zusammenarbeit der Sicherheit organe stattfinden zu lassen. Daß es sich dabei um gemeinsame Abwehr und Unschädlichmachung der zahlreichen auf dem Balkan bestehenden Derschwörerorga- n i s a t i o n e n und irredentistischen Verbände unzufriedener Minderheiten handeln wird, steht ganz außer Zweifel.
Dennoch hat man — vielleicht zum letzten Mal — dem Beitritt Bulgariens die Tür offen gelassen. Daß der türkische Außenminister bei der Reise nach Belgrad den ersten Ankündigungen zuwider, aber nach Fühlungnahme mit den jugoslawischen Staatsmännern, den Rückweg nach der Türkei über Sofia genommen hat, daß Titulescu bei der Fahrt nach Ankara einen Umweg über Bulgarien nahm und im Anschluß an Ankara zu einem kurzen Besuch nach Sofia reifte, läßt darauf schließen, wieviel den Gründern der Balkanentente daran liegt, die durch Bulgariens bisheriges Fernbleiben vorhandene Lücke auszufüllen. Da diesmal der antirevifionistifche Ton fehlte, der sonst die Tagungen dieser Ententen auszeichnete, hofft man wohl, Bulgarien den Beitritt zur fBalfanentente schmackhaft gemacht
nahmen der Reichsregierung zur Bekämpfung der Erwerbslosigkeit entlasten das Reich und die Wirtschaft in deutlich fühlbarer Weise. Noch immer aber werden es Millionen sein, die der Betreuung bedürfen, und von denen nach dem Wort des Führers keiner hungern und keiner frieren soll. Riesengroß ist das Werk, das es auch dies Jahr zu vollbringen gilt. Darum geht der Ruf eindringlicher als je an alle Volksgenossen: Opfert für die Winterhilfe!
Ein Opfer fall jeder Mensch, der ein Einkommen aus Lohn ober Erwerb hat, für jene Volksgenossen bringen, die auch heuer noch der Notzeit grauen Herbstes und eines entbehrungsreichen Winters entgegengehen. Wer in warmer Stube fitzt und fein Einkommen hat, muß der Brüder in Not, die noch immer das harte Los der Erwerbslosigkeit tragen, gedenken und einen Teil feines Einkommens für sie gern und freudig opfern!
Das warmfiihlende Herz, die hilfreichen Hände sollen alle Notleidende im ganzen Reichsgebiet
zu haben. Man wollte wohl auch die zweiseitige bulgarisch-jugoslawische Verständigung nicht stören.
Im übrigen hat im Namen des türkischen Volkes der Führer Gast Mustafa Kemal in einer Rede zur Parlamentseröffnung, in Anwesenheit der Vertreter der Ententestaaten, Den großen Wert der Entente für bie Wahrung ber nationalen Grenzen gekennzeichnet. Allerbings: Die Türkei ist ber Staat innerhalb ber Bünbnisregion von Prag bis Ankara, bem bie Aufrechterhaltung feiner nationalen Grenzen bie wenigsten Beschwerden verursacht. Die Türkei kann mit beneibens- roerter Ruhe, innerlich unb äußerlich befestigt, ber politischen Entwicklung entgegensehen unb kann sich auf ein Minbestmaß von weitgehenben Binbunaen beschränken. Unbehagen verursacht höchstens Die auflebenbe thrakische Jrrebenta, bie Verfolgung ber türkischen Minberheit in Bulgarien. Solange Bulgarien nicht ber Balkanentente am gehört, muß "sich bie Türkei zur Wahrung ihrer Grenzsicherheit auf ber europäischen Seite mit bem türkisch-griechischen Sonberbünbnis begnügen. Darüber hinaus pflegt sie angelegentlich ben Ausbau ihrer Beziehungen zu Jugoslawien unb Rumänien, im Rahmen des Balkanpakies, der erst dann ver
spüren unb bas herrliche Wort bes Führers und Reichskanzlers Abolf Hitler von ber nationalen Solibarität aller Deutschen verbürgen. Der beutsche Arbeiter, ber in biesen Tagen eine Lehre von ber „Hilfe ber Internationale" erhält, ber am eigenen Leibe bie Folgen ber Boykottbewegung gegen bie beutschen Waren, b. h. bie Wirkungen ber internationalen Hetzer gegen bie beutschen Arbeiter selbst zu fühlen bekommt, ber soll empfinben, baß an bie Stelle bes Hasses unb Betruges ber Internationale bie werktätige Liebe unb Hilfe ber nationalen Solibarität getreten finb.
Wir alle wollen ben Notleibenben unb Erwerbslosen keine Gnabengeschenke geben, sonbern wie Brüber unb Schwestern einanber helfen. Wir wollen bem beutschen Volksgenossen im Arbeitskleid in selbverstänblicher Gemeinbürgschaft beistehen im Kampf gegen Hunger unb Kälte.
Der Führer rief zum Kampf! Gebt freubig und viel! Es ist für das höchste Gut: Für unser deutsches Volk!
wirklicht werden konnte, als die vor zwei Jahren betriebene Politik eines Dreierpaktes Türkei-Griechenland-Bulgarien durch den Widerstand Bulgariens vereitelt wurde.
WillBelgraddenKönigemord vor den Völkerbund bringen?
Belgrad, 15. Nov. (DNB.) Man glaubt, daß die südslawische Regierung den Königsmord vor den Völkerbund bringen werde, um dort feine Anklagen vor allem gegen Ungarn zu erneuern. „Vreme" stellt sechs Fragen an den ungarischen Ministerpräsident G ö m b ö s. Sie behandeln das A s y l r e ch t und wiederholen die Behauptung von der Ausbildung kroatischer Terrorristen in einem eigens errichteten ungarischen Lager. Als charakteristisch für den Ton sei bie letzte dieser Fragen im Wortlaut wiedergegeben: „Antworten Sie, Herr Görnbös, ob bie Finanzierung von Verbrechern, bie frembe Staatsoberhäupter erworben, auch zu bem berühmten Asylrecht gehört, auf bas Sie sich so verzweifelt berufen?!"
„E ch o b e Paris" glaubt, mit Bebauern fefh stellen zu müssen, daß die römische Regierung sich
Erziehung zur Gemeinschaft ist -er Weg zu einer neuen Volkseinheit.
Reichserziehungsminister Rust über die Grundlagen und Ziele nationalsozialistischer Erziehung.
Berlin, 15. Nov. (DNB.) Der Leiter bes Außenpolitischen Amtes ber NSDAP., Reichsleiter Alfreb Rosenberg, hatte bie biplomatischen Vertreter, führenbe Persönlichkeiten ber Partei unb bes Staates unb bie Presse zu einem Dortrags- abenb geloben, auf bem ber Reichsminister für Erziehung, Wissenschaft unb Volksbilbung, R u ft, über „Die Grunblagen ber nationalsozialistischen Erziehung" sprach. Er schilberte zunächst bie Lage in Deutschlanb nach bem Zusammenbruch von 1918, als Abolf Hitler sich entschloß, ben politischen Kampf für ein neues Deutschlanb aufzunehmen. Dieser Kampf habe eine einzigartige Auslese bebeutet. Es sei eine Charakterprüfung gewesen, wie sie in frieblichen Zeiten nicht möglich sei, so habe sich allmählich z. B. in ber SA. eine ganz neue Truppe gebilbet, bie bie Sammlung ber einfachsten aber unentbehrlichsten Tugenben gebracht hätte, bie ein Volk brauche, wenn es überhaupt bestehen wolle. Es seien auch bie Grunbzüge ber neuen Erziehung zunächst zwangsläufig, bann auch bewußt in ber Partei entwickelt worben. Immer roieber betonte ber Minister, baß alle Kämpfer freiwillig zu ben Fahnen geeilt seien — er betonte bas auch gegenüber bem Gerebe von einer angeblichen Diktatur — unb baß bie Männer ber Kampfjahre sich selbst freiwillig gebunben hätten. So habe sich erst bie SA., bie SS., bann bie Hitlerjugenb, ber Ar- beitsbienft unb neuerbings ber Gebaute bes Kamerabschaftshaufes entwickelt, ben ber Jugenb ebensowenig jemanb aufgezwungen habe wie z. B. ben Arbeitsbienst.
Der Minister betonte bie Notwendigkeit einer echten Gemeinschaftserziehung für eine neue politische Führerschicht und streifte die Frage, ob für das studentische Kameradschaftshaus unter den heutigen Umständen die geeigneten Leiter ausreichend vorhanden feien, ob nicht auch die Gefahr bestände, daß das Kameradfchaftshaus zu einer Abkapselung der Studentenschaft gegenüber anbeten Volksschichten führen könnte.
Grundsätzlich sei es ihm immer bewußt gewesen, daß sofort nach der Machtergreifung die Umstellung der gesamten Erziehung auf den Gemeinschaftsgedanken erfolgen mußte. In der Gemeinschaft mußte durch körperlichen Einsatz bis zum äußersten der neue Vollmensch gebildet werden, und das gelte besonders, wenn man eine Führerschicht schaffen wolle, sonst bekäme man eine Intelligenz, die dann
fortliefe, wie 1918, wenn die größten Aufgaben zu leisten seien.
Im weiteren Verlauf feiner Rede ging Minister Rust dann u. a. auf die Lehrererziehung ein. Früher fei der in der Großstadt erzogene Lehrer aufs Land gegangen und habe dort die Sehnsucht nach der Großstadt geweckt. Er wolle aber ganz bewußt den umgekehrten Weg gehen, daß der Lehrer das Leben dort kennen lerne, wo es sich noch unzerstört biete: auf dem Lande. In diesem Zusammenhänge sprach der Minister über das Landjahr, dessen Idee von ihm stamme.
22 000 Kinder aus den Großstädten, die feinen jugendlichen Frohsinn kannten, von denen viele nie eine Kuh gesehen hatten, arme verwahrloste Geschöpfe, habe man auf das Land gebracht. Wenn er heute die Landjahrkinder einmal besuche, so kämen ihm glückliche Menschen entgegen, die nicht mehr in die Stadt zurückwoltten. hier lernten sie die Grundlagen jeder menschlichen Ordnung kennen.
Es sei auch unmöglich gewesen, die Landjahrkinder nach Konfession getrennt unterzubringen, denn es gelte endlich einmal, die Erziehung zum Bewußtsein als Deutsche allem voranzustellen. Wir wollen Protestanten und Katholiken nicht mehr als Substantiv haben, sondern nur katholische und protestantische Deut- s ch e. Grundgedanke der Erziehung müsse sein, baß bie wirkliche Einheit bes Volkes gewonnen werbe.
Zum Schluß feiner Ausführungen wandle sich der Minister gegen solche Ausdeutungen feiner Schulpolitik, nach denen die humanistische Schule verschwinden solle. Er sei selber Altphilologe und werde das Gymnasium im ech - ten griechischen Sinne in dem auf die körperliche Erziehung der allergrößte Wert gelegt werde, wiederher st eilen. Der blaffe mit philologischen Kenntnissen überlastete Schülertyp solle verschwinden, um einem vollwertigen Menschen Platz zu machen.
Abschließend wendete sich der Minister gegen die im Auslande manchmal vorkommende Umdeutung der neuen Erziehung als einer Erziehung zum Kriege. Die Jugend hänge am Wort des Führer und der Führer wolle nichts anderes als den Frieden in Ehren — aber nicht den Krieg.


