Nr. 88 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)Montag, (6. April 1954
Saus der Wer-Zugend in Bad-Rauhem llebernahme und Einweihung.
Bad-Nauheim, 15. April. Durch die stillen Straßen der Stadt Bad-Nauheim klang gestern nachmittag Trommel- und Fanfarenklang der Hitler-Jugend und des Jungvolks, das aus der näheren und weiteren Umgebung, insbesondere aber auch aus Gießen gekommen war, um an der llebernahme des Hauses der oberhessischen Hitlerjugend und der damit verbundenen großen öffentlichen Kundgebung teilzunehmen. Nach einem großen Marsch durch die Straßen fanden sich die Jungens um 15 Uhr vor dem Haus der Hitler-Jugend in der Moltkestraße ein, nahmen Aufstellung und harrten der Anordnungen ihrer Führer.
An der Veranstaltung nahmen zahlreiche Vertreter der Gliederungen der Partei teil. Als Vertreter des Gauleiters war dessen persönlicher Adjutant, Bannführer Stöhr (Frankfurt a. M.), erschienen, für die Standarte 254 nahm Standartenführer Schäfer (Butzbach) teil, ferner war Sturmbannführer Walter (Bad-Nauheim) anwesend. Auch der BDM. hatte Vertretung entsandt. Für die Städte Bad-Nauheim und Friedberg waren die Bürgermeister erschienen. Ein Fanfarenmarsch und ein Lied von der Jugend gesungen, leiteten die Feier, die unmittelbar vor dem Hause stattfand, ein.
Oberbannführer Alumenröder
hielt eine kurze Begrüßungsansprache. Wir stünden hier, so führte er u. a. aus, um wieder ein Haus 3U weihen, das der Arbeit der Jugend und der Arbeit an der Jugend gewidmet fein solle. Dank gebühre besonders der Stadt Bad-Nauheim, die mit der Zurverfügungstellung dieses Hauses ihr besonderes Verständnis für die Jugend bewiesen habe.
An der Jugend Iieg(f es nun, sich das haus zu erarbeiten, es zu einem Stützpunkt zu machen in Oberhessen, damit dem Führer ein Teil geholfen werde bei seiner Arbeit um die Erneuerung des deutschen Volkes. Wir müßten unsere pflicht und Schuldigkeit tun, kämpfen, und wenn is sein müsse, leiden, damit das Deutschland des anzen deutschen Volkes erstehe.
Bürgermeister Ahl-Bad-Nauheim ührte u. a. aus, daß die Hitler-Jugend ein Haus vauche, von dem aus die Führung wirken könne. HR Stadt stelle dieses Haus gerne zur Verfügung.
Daß sie es tue, sei eine Selbstverständlichkeit für jeden, der mit dem neuen Deutschland lebe, der Liebe zum Vaterland zeigen wolle und mitarbeite am Aufbau unseres Vaterlandes. Bad-Nauheim wolle gleichzeitig damit zum Ausdruck bringen, daß es stolz auf die deutsche Jugend sei. Man wisse, daß die Jugend die Kämpfer für Deutschlands Zukunft seien. Damit die Jugend ihre Aufgabe erfüllen könne, müsse man ihr treu zur Seite stehen.
Man befinde sich in Bad-Nauheim nicht im engen Bezirk gleichgesinnter Volksgenossen, nicht nur im Bezirk von Männern und Frauen von ganz Deutschland, sondern vor den Augen einer ganzen Welt. Die Badegäste, die in der Stadt Einzug hielten, sich wochen- und monatelang hier aufhielten, nähmen Eindrücke von deutschem Leben mit fort, die für die ^Beurteilung des neuen Deutschlands im Ausland nicht gleichgültig seien. Es genüge nicht, daß Bad-Nauheim in Sauberkeit und schönen Straßen glänze, vielmehr müsse auch der deutsche Mensch dabei sein. Die Hitler-Jugend aber stehe mit im Kampf um den deutschen Menschen, mit im Kampf um die deutsche Weltgeltung. Der politische Kampf unseres Volkes müsse sich mit der Weltmeinung auseinandersetzen. Deshalb habe die Hitler-Jugend in unserer Stadt eine Aufgabe, die klar vorgezeichnet sei. Sie müsse die deutsche Jugend vor der Welt repräsentieren. In diesem Sinne übergab er dem Führer des Oberbannes IV Oberhessen das Haus in treue Obhut. Sodann hielt
der Vertreter des Gauleiters, Bannführer Stöhr
eine kurze Ansprache. Er übermittelte im Auftrage des Gauleiters der HI. die herzlichsten Glückwünsche zum Einzug in das neue Heim; der Stadt Bad- Nauheim aber sprach er den herzlichsten Dank der Gauleitung für ihr Entgegenkommen aus. In seinen weiteren Ausführungen beschäftigte sich der Redner in kritischer Gegenüberstellung mit der Jugend aus den Jahren nach 1918 und der Jugend der Gegenwart. Die Hitler-Jugend habe sich, so führte er aus, von der Unfreiheit zur Freiheit, zur freiwilligen Unterordnung, zu Zucht und Disziplin durchgerungen. Diese gleiche Jugend habe dem Führer versprochen, seinem Werke mit allen Kräften zu
Jungvolk marschiert durch Bad-Nauheim.
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Das Haus des Oberbannes der HI. in der Moltke- straße zu Bad-Nauheim.
helfen, mitzuarbeiten, damit das Vaterland wieder frei werde und die Ordnung wieder Einzug halte. In diesem Sinne werde die oberhessische Hitler- Jugend in diesem Hause an ihr Werk gehen.
Gebietsführer Kramer
sprach sodann in markigen Worten zu den Gefolgschaften: Der heutige Tag bedeute einen Markstein für die oberhessische Hitler-Jugend. Die Jugend werde der Verpflichtung des Besitzes eines solchen Hauses stets eingedenk sein. Angesichts dieses Hauses solle auch nie vergessen werden, wie die Anfänge des Kampfes der HI. gelagert gewesen seien; es solle nicht vergessen werden, wie sich die Jugend einstmals in Kellern, in dumpfen Hütten, oder in Privatwohnungen, die ein Gleichgesinnter zur Verfügung stellte, versammelte. Dieser harte Weg fei aber notwendig gewesen. Aus der Primitivität heraus habe sich Die Erfüllung der Aufgaben der HI. ergeben müssen, denn nicht von heute auf morgen lasse sich etwas schaffen, sondern nur durch stetige selbstlose Hingabe an eine Sache. Das Recht, ein solches Heim zu besitzen, müsse erobert sein. Der Geist der Einheit solle in diesem Hause walten, so wie er einst unter primitivsten Verhältnissen waltete. Das Wesen der HI. dürfe sich nicht ändern. Der Einzug in gute Räume dürfe nicht die Geisteshaltung beeinflussen. Die HI. müsse revolutionäre Jugend sein und bleiben. Einfachheit, Geradheit müsse die jungen Garanten des Führers auszeichnen. Die Tätigkeit im Lande habe bereits ihre Früchte gezeitigt; von diesem Hause aus würden alle weiteren Aufgaben ihrer Erfüllung zugeführt.
Die Reaktion sei vernichtend geschlagen worden. Nur noch wenig trenne uns davon, daß die ganze oberhessische Jugend erfaßt sei. Allen reaktionären Bestrebungen werde ein Bollwerk entgegengesetzt, auf das sich der Führer verlassen könne, so wie man sich auf den Oberhessen überhaupt verlassen könne. Die jungen Kameraden würden sich stets ihrer Verpflichtungen bewußt sein. Don dieser Stelle aus würden immer neue Impulse hinausgetrieben. Propaganda, Körper- und Geistesschulung würden von hier ihren Ausgang nehmen. Mit einem Aufruf, mitzuwirken an der Arbeit für Deutschland und an der Vollendung des großen Werkes der deutschen Einigung beschloß Gebietsführer Kramer
Gießener Giadttheaier.
Aetzler und Kollo: „Die Frau ohne Kutz."
Freundliche Erinnerung: es sind jetzt rund zehn Jahre her, da haben wir im Berliner Schiller- sh-ater die Feuertaufe dieser hübschen Operette mit- erebt. Mädy Christians und Paul Heidemann spalten damals die Hauptrollen. Im Zwischenakt virde der Text des Hauptschlagers auf den Vor- hcng projiziert, das Orchester intonierte, das Publi- lum begann in höchst angeregter Stimmung mit» zusingen, und der „Frühling von Berlin" wurde er biefem Abend zum ersten Schlager der Reichs- hmptstadt — für viele Wochen.
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Der stürmische Erfolg des Merkchens war durch- ors verdient und ist ihm, wie wir gestern feststellen tonnten, über ein rundes Jahrzehnt hinweg treu fliehen. „Die Frau ohne Kuß" stellt eine nicht (b.n häufige Spezialgattung der Operette dar und rennt sich nicht mit Unrecht im Untertitel: musika- li-hes Lustspiel (in drei Akten) von Richard Keßler; Gesangstexte von Willi Kollo; Musik von Witter Kollo.
Damit hat es folgende Bewandtnis: In diesem M ist auf die Ausgestaltung des Librettos ein tncnifl mehr Sorgfalt verwendet und Wert gelegt werden, als das gemeinhin bei Operetten zu ge- f-h hen pflegt. Es ist eine richtige kleine Lustspiel- fatel daraus geworden. , v rr
Sin junger lediger Frauenarzt, dessen Praxis burcf) einige glückliche Umstände in Mode gekommen ist und sich regen Zulaufs erfreut, erhalt eine ebenso ehrenvolle wie gewinnversprechende Bern ung oi den Hof des Königs von Persiey — für sechs Wochen. Die Sache hat aber einen Haken: der 2lr»t soll aus gewissen Gründen verheiratet sein vit» seine Frau mitbringen. _
Da trifft es sich gut, daß feine Sekretärin die Mr heftig, aber aussichtslos in ihren liefet ist, sich erbietet, mit einem glanzenden Einfall beut ratlosen Junggesellen aus der Klemme zu beiten: sie wird ihn als rechtmäßige Gattin begleiten und so den kostbaren Auftrag retten.
Es geschieht also sozusagen eine oorbatierte Not- itaiunq mit Kontrakt, aber ohne den obligaten die wöchigen Aushang des aufgebotenen Paares ttl Kasten des Standesamtes. Und als nach oer giffehr der inzwischen zum Geheimrat avancierte jjjltor standhaft auf der Wiederherstellung des
früheren Zustandes besteht, da gelingt es der „Frau" — ohne Kuß — durch Erregung heftiger Eifersucht die drohende Scheidung zu hintertreiben und eine wirkliche und rechtmäßige und glückliche Ehefrau zu werden. Und die Vordatierung, deret- roegen es auch beinahe noch im letzten Augenblick die ärgerlichsten Scherereien gegeben hätte, wird durch ordnungsmäßigen dreiwöchigen Aushang ins Reine gebracht.
Der Nachdruck liegt also diesmal auf dem Textbuch und auf einer richtigen Handlung, die sonst oft peinlich vermißt wird ober nur anbeutungs- roeife vorhanben ist. Gesungen wirb nur, wenn wirklich was zu fingen ist; unb baß etwas zu fingen ba ist, bafür hat Walter Kollo gesorgt. Die Hauptstücke ber kleinen Partitur finb reizenb, mit Rhythmus unb Melobie instrumentiert; unb hier ist allerbings bie Musik wichtiger als bie Texte von Willi Kollo, bie nirgenbs über ben üblichen Operettenburchschnitt hinausreichen.
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Die Aufführung unter ber Regie von Hub brachte bie heitere unb liebenswürdige Fabel bes Stückes flüssig unb anregenb zur Geltung. Daß stellenweise ber Souffleurkasten etwas beutlich mitspielte, lag vermutlich an einigen schnell notwendig geworbenen Umbesetzungen. Franz K e r z i s n i k am Dirigentenpult hatte Orchester unb Solostimmen jeberzeit straff unb sicher in ber Hanb. Theo Bäulke hatte ein paar schmissige Tanzeinlagen besorgt. Die Herren Löffler unb Keim schufen bie bezente unb stimmungsvolle Jnnenbekoration.
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Die Sekretärin Lotte Lenz, bie als Frau ohne Kuß auf bie Reise nach Persien geht unb zuletzt unter vielen Küssen in Berlin bleibt, würbe von Erna Renz mit einer glücklichen Mischung von Naivität unb Ironie, von Verliebtheit unb Trotz gegeben; auch gesanglich unb tänzerisch war sie erfreulich in Form unb schnell mit bem Parkett in Kontakt. Heinz-Albrecht Marcks spielte ben Frauenarzt Dr. Hartwig mit seinem trockenen Humor sehr nett unb beweglich, bewältigte auch ben musikalischen Teil ber Partie, ber an sich kaum von ihm verlangt werben kann, mit anerkennenswertem Geschick in sichtlich guter Laune.
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Den Prinzen Hussein gab Herr Hub, ber für Herrn Fierment eingefprungen war, mit wahrhaft orientalischem Temperament unb fang mit viel Gefühl bie schmelzende Hulbigung an bie „persische Rose". Die Herren Kühne unb Schorn widme
ten sich mit Hingabe ben beiben allerbings ebenfalls erfolglosen Freiern mitteleuropäischen Geblüts.
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Vom Erfolg war schon bie Rebe. Es gab, obwohl bas Theater nur schwach besetzt war, viel Beifall unb mehrere Wieberholungen. hth.
Der große König ordnet einen Markt.
Vor fast 200 Jahren, im September 1744, griff Friebrich ber Große ein, um die Unorbnung auf ben ostfriesischen Jahrmärkten zu befeitigen. Vor genau 200 Jahren, 1734, war ber letzte ostfriesische Fürst, Karl Ebzarb aus ber Sippe ber Cirksena, gestorben, unb seit seinem Tobe waren verworrene Zustänbe in Dftfrieslanb eingerissen. Besonbers bie Jahrmärkte, wie ber in Marienhafen, zeichneten sich burch „Gezänk und anderes liederliches Unwesen" aus. Daher erließ Friedrich der Große eine strenge marktpolizeiliche Anordnung, die jährlich acht Tage vor dem Marktbeginn im September zu Marienhafen von der Kanzel verlesen und angeschlagen werden mußte. Beginn des Marktes, die Anordnung der Stände, Tische und Buden, die Befugnisse der Behörden, die für die Ordnung und Sicherheit einzustehen hatten, sowie die Strafen für „Zuwiderhand" wurden festgelegt. In rauhem, aber herzlichen Tone wurde z. B. verboten, daß Dreh- und andere Spielbretter zugelassen werden. Ferner „soll keiner einen Flegel-Klopp oder andere Prügel unter bem Rock tragen bei Strafe 2 Golb- aülben, wer aber jemand damit oder mit einer Kanne auf oder vor den Kopf schlägt, 5 Goldgülden und dem Beleidigten 3 Goldgülden nebst denen Kosten verwirket haben". Ferner heißt es darin: „Wenn einer auf jemand ein Messer zücket ober ziehet, so soll berfelbe in 4 (Bolbgülben, wenn er aber einen bamit ins Angesicht schneibet in 10 Golb- gülben unb bem Beleibigten ebensoviel, unb wo die Verletzung an einem anderen ©liebe bes Leibes geschieht unb bie Wunbe nicht gefährlich ist, in. 8 (Bolbgülben unb bem Verletzten in 4 (Bolbgülben verfallen sein, alle Wege auch bie Kosten erstatten. Sollte aber bie Wunbe am Haupte ober Leibe gefährlich sein, soll ber Täter zur gehörigen Strafe anhero verwahrlich eingeliefert werben. Wer jemanb mit ber Faust ins Angesicht ober sonsten an ben Kopf schlägt, baß ber Beleibigte bavon blutet ober ein blaues Auge bekommt, soll 5 (Bolbgülben unb bem Verletzten 3 (Bolbgülben nebst benen Kosten verwirket haben." Alle übrigen Verbrechen aber sollen genau untersucht unb bie Akten zur Regierung nach Aurich eingefanbt werben. „Damit aber über biefe Unsere zur Erhaltung guter Polizei
feine mit begeistertem Beifall aufgenommenen Ausführungen.
Oberbannführer Blumenröber beschloß mit einem breifachen „Sieg-Heil!" auf ben Führer Abolf Hitler die eindrucksvolle Kundgebung.
Vor der llebernahme besichtigten oie zur Feier eingeladenen Gäste das Haus. Es enthält schlicht eingerichtete Arbeitsräume, eine Gedenkhalle, ein Sitzungszimmer und in den oberen Stockwerken Unterkunftsräume für Kameraden, die sich vorübergehend in Bad-Nauheim aufhalten. Das Haus, das von oben bis unten sauber hergerichtet worden war, ist in allen seinen Teilen sehr schlicht und in seinen Einrichtungen nur mit dem Notwendigsten ausgestattet.
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Oberbannführer Blumenröder (links) während seiner Ansprache. — Im Vordergrund des Bildes Gebietsführer Kramer. — (Sämtliche Aufnahmen: Photo-Pfaff.)
Diakonie ein notwendiger Dienst an der Volksgemeinschaft.
Darmstadt, 14. April. (EPH.) Der Hessische Diakonieverein hielt dieser Tage seine diesjährige Mitgliederversammlung im Heimathaus, Freiligrath- straße 8, ab, unter Leitung seines Vorsitzenden, Oberkirchenrat Dr. H o r r e und in Anwesenheit zahlreicher Mitglieder und prominenter Gäste. Pfarrer Guyot, der Führer der Schwesternschaft und des Vereins, sprach bei dieser Gelegenheit über die Aufgaben des Hessischen Diakonieoereins in Ver- aangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft. Ausgehend von den Idealen, die die Gründer des Hessischen Diakonievereins vor 28 Jahren beseelten, zeigte er, wie notwendig die Arbeit des Diakome- vereins für unser Volk und unsere Kirche ist. Heute noch oder besser, heute erst recht, hat der Diakonieverein wichtige Aufgaben im Dienste der Volksgemeinschaft zu erfüllen. Seine Nationalsozialistische Frauenschule für Volkspflege in Verbindung mit der Pfarrgehilfinnen- schule ist die richtige Ausbildungsstätte für junge Mädchen, die einen echten Frauenberuf suchen. Pfarrer Guyot wies auch darauf hin, daß der Diakonieverein jetzt auch eine Haushaltungsschule in seinem Helmathaus eröffne, um junge Mädchen für den Beruf der Hausfrau und Mutter zu erziehen. Die Schwesternschaft selbst, die mit freudiger Bejahung der großen Ziele unseres Führers Adolf Hitler auf dem Boden des Dritten Reiches steht, zeigt eine erfreuliche Aufwärtsentwicklung. Allerdings sollen die schweren Nöte, die vor allem aus der starken Verminderung der Einnahmen kommen, nicht verschwiegen werden. Der Diakonieverein betreut eine Reihe notleidender armer Gemeinden des Landes durch seine Schwesternarbeit. Die Samm-
(Ordnung) und Zucht gemachte Verordnung gehalten werden möge, so sind unsere Beamten zu Aurich befehliget, daß sie sich, oder einer von ihnen, allemal dorthin gegen den jedesmaligen Markttag begeben, über diese. Unsere Markt-Ordnung zu halten, die gewöhnlichen Rottierungen (Zusammenrottungen), die bishero auf solchem Jahrmarkt vorgegangen sind, zu stören, die Verbrecher einziehen zu lassen und nach dieser Ordnung entweder mit der daraufgesetzten Geldstrafe, oder die Verbrecher so die Brüche (festgesetzten Summen) für genügsame Bürgschaft zu stellen nicht vermögen, insonderheit auch die ertappten Spitz-Buben nach Befinden mit Ausziehung und Wegnehmung der Kleider, auch einer abaequaten (angemessenen) Züchtigung bes Leibes und Wegjagung zu belegen ober gefänglich anhero zu schicken, mithin all diese und andere auch in Handel und Wandel vorkommende Streitfälle sogleich, als Parteien, mündlich und nötigenfalls auch Zeugen darüber vernommen worden de simplici et plano (einfach und ohne Umstände) abzutun. Wir befehlen auch männiglich, bei Leib- unb Lebensstrafe, Unfern Beamten ... usw.... wie auch ben zur Wache bestellten Leuten roeber mit Worten ober Werken einiges Leib zuzufügen." Hinter diesen Worten ftanb ein Mann. Um jene Zeit verstummten die Klagen über bas tolle Markttreiben.
Zeitschriften.
— Die Leipziger „Illustrierte Zeitung" (Verlag I. I. Weber) bringt in ihrer neuesten Nummer 4648 einen hochinteressanten Beitrag aus ber Frühzeit der Momentphotographie. Bilder unb Text werben allen photographierenden Leuten etwas zu sagen haben. Sehr aufschlußreich ist auch der Artikel „Eine Lawine ging nieder", der an Hand eines ausgezeichneten Photomaterials die Errettung von Verschütteten eingehend schildert. Ein mehrseitiger Beitrag über den Suezkanal, der jetzt ein Jubiläum feiern kann, unb eine zeichnerische Reportage aus Prag schließen sich an. Außerdem beginnt in diesem Heft der neue Roman „Saskia", ein Rembrandt-Roman von Dr. Dalerian Tornius, dem laufend Beispiele aus Rembrandts Schaffen beigegeben werden.
Sochschulnachrichten.
Professor Dr. jur. Dr. phil. h. c. F. Genzmer, Ordinarius an der Marburger Universität, hat einen Ruf auf den Lehrstuhl für öffentliches Recht an ber Universität Tübingen erhalten.


