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scheiden und beabsichtige, sich der Dersicherungs- brauche zu widmen. Der Vorsitzende lieh sich dann berichten, wo er sich im Oktober, November und Anfang Dezember 1932 ausgehalteu hat und was er in dieser Zeit tat. Der Zeuge gab genaue Daten an. Zur Zeit des ersten Einbruches am 15./16. Okto­ber sei er in Berlin gewesen. Als Zeugen hierfür nannte er den Grafen Leopold von Götz. Das letztemal sei er, der Zeuge, im Juni 1932 in Wol­tershausen gewesen. Am 1. Dezember 1932 gegen 10 Uhr habe er ein Depesche erhalten:Großes Unglück im Schloß, sofort komme n".

Vorsitzender:Sind Sie auch nicht beteiligt?" Zeuge:Nein! Das Telegramm war unterzeich» net von einem Baron Witte r."

Vorsitzender: Ist das derselbe Witter, bei dem dann Frau Werther krank gelegen hat?"

Zeuge:Ja. Ich bin dann mit dem Mittags- schnellzua nach Weimar und dann mit dem Auto weitergefahren, habe aber schon vorher telephonisch mit Dr. Welte, dem Hausarzt des Schlosses, ge­sprochen.

Da erfuhr ich, daß der Hauptmann er­schossen und meine Mutter schwer verwundet fei und sie Karl Liebig als Täter bezeichnet. Ich habe dann mit meiner Mutter gesprochen, etwa eine Viertel­stunde lang. Sie hat ruhig alles erzählt, über Schmerzen geklagt und gesagt, sie sei durch einen Schuh aufgewacht und durch einen Schrei. Dann habe sie den Liebig ins Zimmer kommen sehen, er habe auf sie geschossen. Dem Liebig habe sie zugerufen, er folle nicht schiehen. Die­ser aber hätte erklärt:Erst recht, gnä­dige J r a u! Liebig habe auch eine Lade­hemmung gehabt, noch einen letzten Schuh abgegeben und sei dann verschwunden. Meine Mutter erzählte weiter, dah sie dann aufge- standen und zu ihrem Mann hinausgelaufen sei. Dort habe sie einen furchtbaren An­blick gehabt. Sie habe ihren Revolver aus dem Toilettentisch geholt, das Fenster einge­schlagen und drei Schüsse zum Fenster hinaus abgegeben und um Hilfe gerufen. Dann habe sie die Tür zur Kofferkammer ver­schlossen, versucht, die Blutungen des Stief­vaters mit nassen Tüchern abzuwaschen, sich auf einen Stuhl zwischen Bett und Tür gesetzt und bis morgens Uhr gesessen. Die Mutter sagte mir auch, dah sie Liebig in der Frühe gesehen habe, und da habe sie ihm gleich zu­gerufen: Nachts haben Sie geschos­sen, jetzt schieße ich! Sie hat alles in ganz ruhigem Tone gesprochen. Später habe ich sie noch nach Einzelheiten gefragt.

Vorsitzender: Was war Ihr persönlicher Eindruck von der Erzählung Ihrer Mutter? Haben Sie ge­dacht, daß sie richtig ist?

Zeuge: Natürlich!

Der Zeuge gab dann bekannt, oenau so wie es bisher Frau Werther getan hat, an welchen besonderen Merkmalen sie den Täter er­kannt haben will. Er führt an, daß sie ihn am Gesicht, an seiner Figur und an seinem typischen und auffallenden schnellen Schritt erkannt habe.

Der Vorsitzende fragt im weiteren Verlaufe der Vernehmung den Zeugen über seinen Aufenthalt in Woltershausen nach dem Morde. Baron Wol­tershausen gab an, daß er durch alle Räume gegangen sei, ausgenommen die Mordzimmer, die er nicht betreten durfte. Er sei auch niemals ohne Begleitung in das Schloß gegangen. Er habe feyie Spuren verwischt und auch nichts verändert.

Vorsitzender: Es sind aber doch Fingerab­drücke von Ihnen gefunden worden, z. B. am Gewehrschrank.

Zeuge: Ja, so oft ich in Woltershausen war, bin ich an den Gewehrschrank gegangen und habe ein Gewehr herausgenommen und damit geschossen.

Baron Dallershausen teilte auf Be­fragen weiter mit, daß seine Mutter ihm von dem er st en Einbruch geschrieben habe. Bei dieser Gelegenheit äußerte er zum ersten Male eine eigene Ansicht. Ls sei, so sagte er, sehr merkwürdig gewesen, dah man damals nichts gesunden habe. Das müsse ein raf­finierter Bursche ausgeführt haben, und zwar müsse es derselbe gewesen sein, der seinen Stiefvater ermordet und auch den zwei­ten Einbruch begangen habe.

Bei einer Erörterung der Verhältnisse auf dem Schloß erklärte Baron Waltershausen, sein Stief­vater sei ein großer Optimist gewesen, und es sei ausgeschlossen, daß seine Eltern aus Ver­mögensschwierigkeiten Selbstmord hätten ver­üben wollen. Der Gedanke fei ihm nie gekommen. Weiter wurde auch erörtert, ob die Möglichkeit bestanden hat, das Schloß zu erhalten und es dem Sohn zu übergeben. Baron Waltershausen erklärte, es wäre vielleicht möglich gewesen, daß seine Schwiegermutter eine größere Summe frei be­kommen hätte, aber auch dann wäre die Lage in Waltershausen sehr schwierig gewesen und er hätte sich nurunter größtemWiderstrebenzu einer Uebernahme bereitgefunden. Das Gut sei offenbar nicht mehr zu halten gewesen. Don dem zweiten Einbruch habe er am 7. Januar 1933 erfahren, und zwar seien Kriminalbeamte in seine Wohnung gekommen. .

Vorsitzender: Sie haben doch damals geäußert, d a s i st a b e r f e i n, daß das geschehen ist.

Zeuge: Jawohl das habe ich gesagt, ich meinte der Einbruch hänge mit dem Mord zu­sammen, es komme nun vielleicht doch eine Klä- ^Tiie Verhandlung wurde dann vertagt. Am Mon­tag wird Baron von Walter Haufen vom Verteidiger befragt werden.

Ein BergwerkSdirektor in Schutzhast.

Düsseldorf, 14. April. (DNB.) Die Regie­rungspressestelle teilt mit: Die Staatspollzelstelle Düsseldorf hat heute den Generaldirektor der Zeche Rhein-Preußen in Homberg, Kreis Moers, Berg- asiesior a. D. Heinrich Kost, und die Direktwns- fekretäre H o e f e r und Huehner wegen schwe­rer Gefährdung des Wirtschaftsfriedens m Sch u tz - haft genommen und in das Polizergefangnis Düsseldorf übergeführt. Den genannten Personen wird vorgeworfen, anläßlich der Wahl der Ver­trauensräte ein anonymes Flugblatt gegen den Führer der Vorschlagsliste verfaßt und verbrei­tet zu haben, obwohl diese Liste gemeinsam von der Werksleitung und dem Betriebszellenobmann aufgestellt worden war. Dieses Verhalten kennzeich­net sich als eine besonders gröbliche Verletzung der

durch die Vetriebsgemeinschaft begründeten Pflich­ten und erforderte zur Wahrung der sozialen Ord­nung ein nachdrückliches staatliches Eingreifen.

Trotzki heimlich in Frankreich.

Sein Aufenthalt durch einen Zufall entdeckt.

Paris, 16. April. (DNB.) Durch einen Zufall ist, demOeuvre" zufolge die französische Polizei einer aufsehenerregenden Sache auf die Spur ge­kommen. Sie hat festgestellt, daß der frühere S o w j e t k o m m i s f a r Trotzki sich in einer Villa bei Barbizon in der Nähe von Fon­tainebleau aufhält. Mit ihm wohnen dort feine Frau und drei seiner Anhänger, die seine Leibwache darstellen.

Die Entdeckung der Behörden, daß Trotzky eine scharf bewachte Villa in Barbizon, im Walde von Fontainebleau bewohnt, hat in der fran­zösischen Öffentlichkeit großes Erstaunen hervor­gerufen.

Trotzki besaß im Dezember 1933 eine Aufent­haltserlaubnis des französischen Innenministeriums für das Departement Seine et Marne, war also berechtigt, in dem in die­

sem Departement liegenden Barbizon, Wohnung zu nehmen. In der französischen Presse wird die Frage laut, von welchem Innenminister Trotzki diese Aufenthaltserlaubnis bewilligt wurde. Im Dezember 1933 war Chautemps Innenmini­ster. Chautemps gibt die Aufenthaltserlaub­nis zu und erklärt imMatin", Trotzki habe aus Gesundheitsrücksichten um den Aufenthalt in Inner­frankreich nachgesucht, da ihm das Klima auf Korsika nicht zusagte. Diese Genehmigung sei ihm auf sein eigenes Risiko hin erteilt worden, was keineswegs außergewöhnlich sei. Das Verhalten Trotzkis habe bisher zu keinen Beanstandungen Anlaß gegeben.

DerMatin" und dasEcho de Paris" verlan­gen die Ausweisung Trotzkis. DerMatin" weist darauf hin, daß sogar Franzosen, die irgend etwas begangen haben, der Aufenthalt in den Pa­ris benachbarten Departements vorn Gericht unter­sogt zu werden pflsege, während der landfremde Trotzki skandalöserweise im Departement Seine et Marne wohnen dürfe. DasEcho de Paris" hat von allen in Frankreich lebendenErni- granten genug und befürchtet, daß der bolsche­wistische Agitator Trotzki, der eine vierte Inter­nationale vorbereite, eines Tages bei einer Mai­kundgebung in Paris an der Spitze der Kommuni­sten auf die Straße gehen könnte.

Aus aller Well.

Künste Partie im Echachweltmeister- schastskampf unentschieden.

Dte abgebrochene fünfte Wettkampfpartie um die Schachweltmeisterschaft wurde am Sams­tag in Villingen fortgesetzt und endete unent­schieden. Dr Aljechin konnte, nachdem Bo- a o l j u b o f f die ganze Partie über vorzüglich ge­standen hatte, durch feine Manöver einen leichten Vorteil sicherstellen. Die Abbruchstellung dem­nach für Bogoljuboff sehr schwer; denn es er­wies sich, daß der Weltmeister unter Umständen die Partie noch hätte gewinnen können. In dreieinhalb Stunden wurden nur zehn Züge absolviert, und Bogoljuboff konnte froh sein, daß er aus seiner peinlichen Lage noch mit einem Unentschieden ent­schlüpfen konnte. Der Stand ist jetzt somit: Aljechin mit zwei Gewinnen und drei Unentschieden 3,5 Punkte, Bogoljuboff 1,5* Punkte. Die erste Phase des Weltmeisterschaftskampfes ist beendet. Es ist festeste llen, daß der deutsche Meister Bogoljuboff sich gut geschlagen hat. In drei Partien hätte er mit ein wenig mehr Glück drei Zähler buchen können. Jedenfalls ist eine ganz erhebliche Formverbesserung gegenüber dem früheren Welt­meisterschaftswettkampf mit dem gleichen Gegner nicht zu verkennen. Als Abschluß des Wettkampf­abschnittes Villingen fand am Sonntag noch eine Aufführung mit lebendigen Schachfiguren in Schwarzwälder Originaltrachten statt. Der Kampf selbst wird am Mittwoch in Freiburg im Breisgau fortgeführt werden.

Stapellauf des DampfersDeutschland" in Bremen.

Auf den Atlas-Werken in Bremen fand der S t a p e l l a u f des von der Reederei Otto Schrei- 6 e r in Auftrag gegebenen DampfersDeutsch- la n d" statt, der im Unterweser-Verkehr Verwen­dung finden soll. Die Taufrede hielt Kreisleiter Wegener. Um fcen Gedanken der Volksverbun­denheit im nationalsozialistischen Deutschland einen symbolischen Ausdruck zu geben, wolle man die Taufe durch einen Arbeiter, der an dem Bau des Schiffes mitgewirkt habe, vornehmen lassen. Da trat der Arbeiter Behren s vor und zerschellte die Flasche an dem Bug des Schiffes mit den Wor­tenIch taufe Dich Deutschland! Unter den Klän­gen des Deutschlandsliedes setzte sich der Schiffskör­per in Bewegung und glitt immer schneller, von lautem Hurra begleitet, in die Wellen.

Zwei Oberscharführer tödlich verunglückt.

In den frühen Morgenstunden des Sonntag er­eignete sich in Guben ein folgenschwerer 23er- kehrsunfall, dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen. Ein von dem SA.-Oberscharführer Lerche gesteuertes Motorrad fuhr aus bisher un­bekannter Ursache in höchster Geschwindigkeit gegen einen Baum. Der Anprall war so heftig, daß der Oberscharführer Lerche auf der Stelle getötet wurde. Sein Mitfahrer, der SS.-Oberscharführer H i n ß, wurde so schwer verletzt, daß er kurz nach der Überführung in das Gubener Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlag.

Hinrichtung zweier Mörder in kiel.

Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mit­teilt, sind in Kiel die Mörder des Siedlers Wilhelm Müller, Ernst Rommel und Joh. Degen, >h ingerichtet worden. Die beiden waren am 21. Juli 1933 von dem Schwurgericht in Kiel wegen des im November 1932 zu Warendorf an Müller begangenen Mordes zum Tode verurteilt wor­den. Der Preußische Ministerpräsident Göring hat von dem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch gemacht, weil es sich um einen planmäßig vorberei­teten und mit ungewöhnlicher Brutalität und gro­ßer Heimtücke ausgeführten Mord handelt, bei dem die Verurteilten eigennütziges Interesse verfolgten.

Ein Kind bei einem Scheunenbrand ums Leben gekommen.

In Obervorschück (Kreis Fritzlar) brach in der Scheune des Landwirts Leonhard Jahn Feuer aus, das an den dort lagernden Strohvorräten reiche Nahrung fand und innerhalb kurzer Zeit das ganze ©ebäube ergriffen hatte. Die Scheune brannte vollständig nieder. Vom Wohnhaus wurde ein Teil des Dachstuhls zerstört. Durch das tatkräftige Ein­greifen der Feuerwehr konnte eine weitere Aus­dehnung des Brandes verhindert werden. Bei den Löscharbeiten fand ein Feuerwehrmann in der Scheune die bis zur Unkenntlichkeit verkohlte Leiche des sechsjährigen Töchterchens Anneliese des Besitzers, das anscheinend in der Scheune ge­spielt hat und sich nicht mehr hat retten können. Die Branduvsache konnte noch nicht festgestellt werden. Vernfeld wegen Betruges zu Gefängnis verurteilt.

Die 4. Strafkammer in Berlin verurteilte den früheren Herausgeber desMagazins der Wirt­schaft", Raphael B e r n f e l d, wegen fortgesetzten Betruges und Vergehens gegen das GmbH- Gesetz zu zwei Jahren einem Monat Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe, an deren Stelle bei Nichtbeitreibuna weitere 10 Tage Gefängnis treten. Außerdem wurde Reichsverweisung für zulässig er­klärt.

Ein neuer rätselhafter Hlorb in Dresden.

In Dresden wurde in feiner Wohnung der 67- jährige Karl Fritzsche erschossen aufgefun­den. Fritzsche wohnte seit über 30 Jahren in Dres­den und tätigte Börsengeschäfte. Die Schußwaffe ist bisher nicht gefunden worden. Er ist einem Ver­brechen zum Opfer gefallen. Das ist die zweite

Mordtat innerhalb kurzer Zeit in Dresden. Am 3. Dfterfeiertag war, wie erinnerlich, erst das Händ­lerehepaar N i tz s ch k e in feiner Wohnung ermor­det aufgefunden worden.

Reiche Funde in einem germanischen Frauengrab.

Bei Rodungsarbeiten in der Gladbacher Feld­mark wurde, einer Meldung aus Neuwied zufolge, das Grab einer germanischen Frau ge­funden, ferner eine mit vertikalen Graphitstrichen und Horizontalbändern verzierte Urne, die die Aschenreste der Toten zusammen mit drei leichtver- goldeten Nadeln samt den brozenen Besatzstücken eines Gürtels, ein Messerchen, einen Spinnwirtel und einen Tonring enthielt. Den aus der Zeit des Kaisers Augustus stammenden Fund hat das Kreismuseum Neuwied von Künstlerhänden soweit Herstellen lassen, daß es zu einem seltenen Mu­seumsstück geworden ist, das in rheinischen Gauen kaum ein ebenbürtiges Gegenstück finden dürfte.

Dreister Raubüberfall auf einen Kassenboten.

In Düren-Friedenau wurde ein dreister Raub- überfall auf den Kassenboten einer Papier- farbik verübt, der sich in Begleitung eines Ange­stellten der Dürener Bank befand. Auf dem kurzen Weg zwischen der Haltestelle der Straßenbahn Düren-Friedenau und der Papierfabrik kam den beiden ein Auto entgegen, das plötzlich anhielt. Einer der drei Insassen sprang mit erhobenem Re­volver auf den Kassenboten zu, gab einen Schreck­schuß ab und entriß dem erschrockenen Boten die Aktentasche mit 3000 Mark Lohngeldern. Der Räuber sprang sofort wieder ins Auto, das in schnellster Fahrt davonfuhr.

Eine neue Tropfsteinhöhle entdeckt.

Im Velden st einer Forst in Nordbayern hat der fränkische Karstforscher Helmuth Cramer eine neue ausgedehnte Höhle entdeckt. Der enge und niedere Eingang, der sich in der Nähe der Ortschaft Heroldsreuth befindet, führt in ein lang­gestrecktes vielverzweigtes Gangsystem, das in der Hauptrichtung bereits mehrere Hundert Meter er­reicht. Die Höhle ist durch hallenartige Erweiterun­gen ausgezeichnet und enthält zahlreiche Tropfstein­gebilde. Die Säulen, Vorhänge und Zapfen be­stehen aus reinem weißem Kalkspat. Um die auch geologisch interessante Höhle vor Zerstörung durch Unberufene zu bewahren, soll sie unter staatlichen Schutz gestellt werden. Ihre eingehende Erforschung und Vermessung wird in der nächsten Zeit durch­geführt.

Entführung eines Hypnotisierten? Merkwürdiges Abenteuer eines ungarischen Mediums.

Ein höchst eigenartiger Fall beschäftigt augen­blicklich die Budapester Polizei. Vor acht Wochen hatte eine Frau angezeigt, daß ihr Mann, der Tischlermeister Ludwig Pap, spurlos v e r - s ch w u n d e n sei. Pap war in Budapester Spiri­tistenkreisen ein sehr bekanntes Medium, dessen man sich häufig bei spiritistischen Sitzungen be­diente. Bei einer solchen Sitzung war auch eine Frau Relsberg anwesend gewesen, die sich als schwedische Schriftstellerin ausgab. Die Schwedin hatte den Tischlermeister zu überreden versucht, nach Schweden zu kommen, da er dort auf Grund seiner medialen Veranlagungen zu großem Wohlstand gelangen könne. Ludwig Pap, der verheiratet und Vater von zwei Kindern war, hatte jedoch dieses Anerbieten abgelehnt. Eines Tages war er aber aus seiner Wohnung verschwunden. Nun, nach acht Wochen, erhielt seine Frau einen Brief von ihm, in dem er ihr mitteilte, daß die Schwedin ihn hypnotisiert und auf diese Weise ge­zwungen habe, mit ihr nach Schweden zu kommen. Er lebe jetzt in Göteborg, wo Frau Helsberg ihn in einer Villa gefangen halte. Er stünde immer wieder unter dem hypnotischen Einfluß der Frau, die ihn an der Rückkehr nach Budapest hindere. Zum Schluß bittet er feine Frau, bei der Polizei etwas zu unternehmen, damit er aus feinem merk­würdigen Gefängnis befreit würde. Die Buda­pester Polizei leitete sofort Schritte ein, zumal sich im vorigen Jahr zwei ähnliche Entführungen im hypnotischen Zustand ereignet haben. Dagegen läßt sichBerlinske Tidende" aus Göteborg melden, daß die Angelegenheit kaum so romantisch sein dürfte. Nach Informationen des Blattes trafen Frau Helsberg und Pap vor über einer Woche in Göteborg ein, wo sie in einer Privatvilla mehrere spiritistische Sitzungen veranstalteten. Nachdem eine große Sitzung vor einigen Tagen zu einem Fiasko wurde, trennten sich die beiden. Frau Helsberg reifte nach England und Pap nach Buda­pest, wo er nach Mitteilung an seine Bekannten in Göteborg inzwischen bereits eingetroffen fein soll. Der schwere Felssturz bei Grondona. Elf Tote.

Zu dem kürzlich erfolgten schweren Felssturz in Grondona (Italien) werden noch folgende Einzel­heiten berichtet: Grondona, das auf einem Hügel liegt, wird mit feinen wenigen Häusern von einer hochgelegenen, auf einem Felsplateau erbauten Schloßruine mit zwei um 1500 erbauten Türmen beherrscht. Zwischen diesen Türmen hat sich im Laufe der Jahrhunderte ein tiefer Felsspalt ge­bildet. An dieser Stelle ist der Fels bann ausein­andergebrochen. Die zufamm/nbrechenden Turm­ruinen stürzten zusammen mit ungeheuren Fels­massen in die Tiefe und begruben die unten liegen­den Hauser unter sich. Die Zahl der Toten be­trägt elf. Einige Verletzte befinden sich in be­denklichem Zustande noch im Hospital. In den

letzten Tagen sind weitere Sieinmaffen hiebet« gegangen, die indessen feinen nennenswerten Scha- den mehr anrichteten. Die Behörden beabsichtigen, den noch überyängenden Teil des Felsens mti Dynamit zu sprengen, um weitere Gefahren zu be­seitigen. Die Bevölkerung der gefährdeten Zone hat sämtliche Häuser geräumt, lieber 200 Personen sind in Baracken untergebracht.

Die Karakorum-Expedition nach Bombay aufgebrochen.

Die internationale wissenschaftliche und alpine Expedition, die unter Leitung des schweizerischen Professors Dyhrenfurth -Zürich steht, hat sich auf dem(Tonte Verdi" nach Bombay eingeschifft. Die Expedition wird am 25. April in Bombay ein­treffen und von dort aus über Strinagar in die Karakorum- Zone Vordringen. Die Reisegesell­schaft setzt sich aus schweizerischen und italienischen Wissenschaftlern, Bergsteigern, Schriftstellern und Kinooperateuren zusammen. Auch die Gattin von Professor Dyhrenfurth nimmt an der Expedition teil.

Hochsommertemperaluren in London und Paris.

Am gestrigen Sonntag herrschte in London und im Süden des Landes bei fast wolkenlosem Himmel die Temperatur eines Hochsom­me r t a g e s. In London zeigte das Thermometer 23,8 Grad Celsius im Schatten, was feit 40 Jahren im April nicht vorgekommen ist. Aus den Bädern an der Meeresküste sind alle Berichte gleichlautend: Wahre Heerlager von Männern, Frauen und Kin­dern am Strand entlang und die See voll von Schwärmen badender und schwimmender Menschen. Die einzigen, denen, das prächtige Wetter unwill­kommen ist, sinh die für die Wasserversorgung der Städte und Dörfer verantwortlichen Behörden. Die Periode der Trockenheit scheint nicht enden zu wollen, während das Land doch nichts so dringend braucht wie reichliche Regenfälle.

In Paris herrschte am Sonntag eine hoch­sommerliche Temperatur. Das Thermometer stieg auf 2 9 Grad, ein Ereignis, das seit 60 Jahren nicht mehr beobachtet wurde. Im Jahre 1874 war das Thermometer im April auf 28 Grad gestiegen. Man nimmt in meteorologischen Kreisen an, daß der Sommer 1934 ebenso heiß und trocken werden wird, wie die Sommer 1911 und 1921.

portugiesischer Fischdampfer gekentert. Zehn Mann ertrunken.

Außerhalb des Hafens von Leixoes bei Opodo wurde, einem Funkspruch aus Lissabon zufolge, ein Fischdampfer von einer riesigen Welle zum Ken­tern gebracht. Nur zwei Mann der Besatzung konnten sich retten, die anderen 10 ertranken.

Tfcheljufkin"-Mannfchafl nach Kap Vellen unterwegs.

Der Weitertransport der gerettetenTschel­l' u s k i n"°Mannschaft von Wankarem nach Kap Wellen mit Schlitten und Flugzeugen macht wei­ter gute Fortschritte. Gegenwärtig befinden sich in Wankarem nur noch 32Dscheljuskin"-Leute.

Die Fliegertragüdie im südamerikanischen Urwald.> Die Leiche des Flugkapitäns Geck aufgefunden.

In Ergänzung des Berichtes über die Flieger- trag 6die im südamerikanischen Urwald erfährt DNB. durch den Vertreter desBergsträßer An- zeigenblattes" in Bensheim auf Grund der letzten eingegangenen Kabel an den in Auerbach a. d. B. lebenden 23ater des verunglückten Flugkapitäns Geck, daß die bei den Suchaktionen beteiligten In­dianer Gecks Leiche vier Tagesreisen von dem inzwischen aufgefundenen Flugzeug fanden. Kapitän Geck schlug sich bekanntlich zusammen mit dem Bord- fünfer Jahnke durch den Urwald, um Hilfe für den einzig überlebenden aber verletzten Passagier, den Amerikaner Marshall, zu holen. Geck hatte bei der Notlandung eine Verletzung davongelragen und muß infolge Erschöpfung schließlich zusammen­gebrochen sein. Von dem Schicksal Jahnkes ist noch nichts bekannt. Der Tod des Flugkapitäns Geck ist uijifo tragischer, als es sich um seinen letzten Flug vor der Einschiffung nach der Heimat gehandelt hat, wo ihn bereits Frau und Kind erwarteten.

Die Baby-Garage.

In London haben zwei Aerzte eine Baby- Garage eröffnet. Da sich die Frauen des Mittel­standes keine Kinderwärterin halten können, müssen sie abends zu Hause bleiben, wenn der Mann seinen Vergnügungen nachgeht. Diesem Uebelstand wird dadurch abgeholfen, daß ein großer Laden i n viele kleine Einzelboxen eingeteilt wird, in denen Wiegen stehen und Kinderstühlchen. Für sechs Pence pro Stunde können Ehepaare ihre Babys hier zur Aufbewahrung abgeben. Geprüfte Kindergärtnerinnen betreuen die Kinder, und jedes Kind bekommt auf den Arm ein plom­biertes Nummernetikett, das mit der Nummer der Garderobenmarke übereinstimmt. Auf diese Weise sollen Verwechslungen der Kinder verhindert werden.

3nfuö zur Aburteilung nach USA. unterwegs.

Der amerikanische Großbetrüger Samuel I n full wurde am Freitag an Bord des Dampfers Exilona" gebracht, der ihn zur Aburteilung nach Amerika bringen wird. Sofort nach feiner An­kunft auf dem Dampfer las ihm der amerikanische Vizekonsul in Smyrna, Berry, den von Präsident Roosevelt unterzeichneten Haftbefehl vor. Sa­muel Jmsull wird während der Ueberfahrt Tag und Nacht streng bewacht werden.

Wettervoraussage.

Da sich der hohe Druck über dem Kontinent er­halten hat, bleibt auch das überwiegend warme und freundliche Frühlingswetter bestehen. Die Nordweststörung schreitet allerdings nach Skandina­vien zu fort und wird durch ihre Südseite ozeani­sche Luft vorschieben. Diese wird zeitweise Bewöl­kung aufkommen lassen, wobei auch Neigung zu Gewitterstörungen besteht.

Aussichten für Dienstag: Noch auf­heiternd, zeitweise auch bewölkt mit Gewitter­neigung, warm.

Aussichten für Mittwoch: Weiterhin warmes Wetter.

Lufttemperaturen am 15. April: mittags 25,4 Grad Celsius, abends 16,1 Grad; am 16. April: morgens 10,2 Grad. Maximum 26,7 Grad, Mini­mum 7,7 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 15. April: abends 15,2 Grad; am 16. April: morgens 11 Grad Celsius.- Sonnenscheindauer 7% Stunden.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter: Ernst Blumschein. Verantwortlich ür Politik: i. 23.: Ernst Blumschein, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwort­lich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. HL 34: 11 550. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, KG., sämtlich in Gießen,