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Dr.

OerWaliershaufenerMordprozeß

Noch immer keine Klarheit.Dem Angeklagten kommt die Sache komisch vor. Wolfgang von Waltershausen sagt aus.

Dollfuß-Terror in Wöllersdorf

Pressevertreter dürfen endlich das Konzentrationslager besichtigen.

270 Häftlinge werden von 690 Mann bewacht.

Berührung.

Dollfuß in Graz.

Rundfunkübertragung gestört.

Wien, 15. April. (DNB.) Bundeskanzler

klärt habe, er suche eine hühneraugen­feile. Der Staatsanwalt stellte fest, daß die­ser Vorgang nicht so gewesen sein konnte. Ls sei lediglich dem Vertreter der Erben einmal gestattet worden, in Begleitung eines Gen­darmen das Zimmer zu betreten, wenn noch eine andere Person dabei gewesen sei, so habe davon die Staatsanwaltschaft nichts gewußt, das gehe auf Verantwortung des Gendarmen.

Der Sachverständige Heß wurde vereidigt.

Es folgte die Vernehmung der Frau Ida Nen­nt n g e r, und zwar zunächst über ihre und ihres Mannes Wahrnehmungen in der Nacht. Gegen 1.30 Uhr habe sie schreckliche Schreie und? auch drei Schüsse vernommen. Es sind zwei Schüsse hintereinander gefallen, eine Minute später ein dritter Schuß. Mit diesen Aussagen deckten sich auch die des Ehemannes.

Wolfgang von Waltershausen als Zeuge.

Hierauf wurde unter großer Spannung in die Vernehmung des Zeugen Wolfgang Frei­herrn von Waltershausen eingetreten. Er gab an, daß er auf Schloß Waltershausen bis zu seinem 10. Lebensjahr erzogen wurde, das Gymna­sium in Weimar besuchte, sich dann als Fahnen­junker bei den Gardejägern in Potsdam meldete, ganz kurze Zeit noch im Felde war, dann das Not­abitur machte und sich später beim Kapp-Putsch beteiligte. Auch war er Zeitfreiwilliger bei den Kämpfen in Oberschlesien. Er hat dann noch studiert in Karlsruhe und Clausthal, mußte in der In­flation sein Studium aufgeben, trat in die kauf­männische Lehre in Mellen und kam zurück nach Waltershausen, wo er eine Zeitlang die Kalkbren­nereien und Steinbrüche leitete. 1925 kam er nach Berlin und war dort in verschiedenen Stellungen. 1930 hat er sich mit einer geborenen Freiin von Below in Weimar verlobt. Dann sei er in die NSDAP, eingetreten, sei Mitglied der SA. in Stuttgart geworden und später auch Mitglied der SS. Nach seiner Rückkehr nach Waltershausen sei er im Arbeitsdienst eingestellt worden, bei dem er noch heute sei. Er werde aber am 1. Mi cus»

Das Recht Deutschlands aus Kolonien

Lord Rothermere fordert Rückgabe der Kolonien an Deutschland.

Die Rückgabe der Kolonien an Deutschland würde die größte Ungerechtigkeit, die durch die Friedensverträge begangen wurde, wieder gut machen. Die Behauptung des Versailler Frie­densvertrages, Deutschland sej nicht fähig, Kolo­nien zu verwalten, stelle eine völlige Unwahr­heit dar.

Der Umstand, daß man mit der Fortnahme der Ko­lonien Deutschland seiner wichtigsten Rohstoffquel­len beraubte, sei eine der größten Ungerechtigkeiten. Dadurch habe man Deutschland auch die Möglich­keit genommen, seinen Volksüberschuß unterzubrin­gen. Ein lebenskräftiges Volk wie das deutsche habe berechtigten Anspruch auf Freiheit und Raum, wo es seinen Ueberschuß an Arbeitskraft und vor allem die Ju­gend unterbringen könne. Verschließe man einem solchen Volke dies natürliche Ventil, so könnten dar­aus nur Spannungen entstehen, die früher oder später den Frieden gefährden müßten. Es würde nichts weiter als rein nüchterne Erwägungen er­fordern, wenn England sich entschlösse, die ihm zugesprochenen ehemaligen deutschen Ko­lo n i e n , die für England sowieso keine Bedeutung hätten und nur eine Belastung bedeuteten, a n Deutschland zurückzugeben. Don welcher Seite man immer dieses Problem untersuche, nie­mand könne das Recht Deutschlands auf Kolonien in Abrede stellen. Der heutige Zustand sei unhaltbar.

Dollfuß histt am Sonntag in Graz auf einer Festversammlung der ch r i st l i ch e n st e i e r i s ch e n Bauern eine Rede. Er erklärte u. a., die Wirt- chaftslage habe bedeutende Fortschritte gemacht und das Ankurbelungsprogramm werde ohne Inflation und ohne Währungsexperimente fortgesetzt werden. Großes Aufsehen erregte, daß die Uebertragung der Rede des Bundeskanzlers über den Rundfunk sa­botiert worden war. Alle Telephonlettun - gen Wien-Graz waren durchschnitten worden. Die Rede konnte erst nach einer halben Stunde nach erfolgter Umleitung übertragen werden. Große Gegendemonstrationen.Zahlreiche

Verhaftungen.

Graz, 16. April. (DNB.) Bei dem Festzug am Sonntag der christlich-sozialen Bauern und vor und während der Rede des Bundeskanzlers Dollfuß gab es große Gegendemonstrationen. Schon vor Beginn des Festzuges explodierten Dutzende von Pa'pierböllern in der gan- zen Stadt. Die Straßen der inneren Stadt waren mit Hakenkreuzen übersät. Die Sozial­demokraten ihrerseits demonstrierten am Bahnhof und hatten auf dem Bahnhofsplatz zahlreiche mar­xistische Propagandaschriften ausgestreut. Bei Be­ginn der Rede des Bundeskanzlers explodierte in der Nähe des Festplatzes eine Bombe und beschä-

London, 14. April (DNB.) Dem Londoner Berichterstatter desBudapesti Hirlap" gewährte Lord Rothermere eine Unterredung, in der er ich über die Frage der A b r ü st u n g, über das englisch-französische Verhältnis und über die Rückgabe der Kolonien an Deutschland äußerte.

Zur Abrüstungsfrage erklärte Rochermere, daß die gegenwärtigen Verhandlungen zu keinem Erfolg führen werden, da es heute kein einziges Land gebe, das ernsthaft an eine Abrüstung denke. Es könne höchstens von platonischen Beschlüssen die Rede sein.

Heute fei jeder Staat verständlicherweife be­strebt, seine eigene Sicherheit auszubauen.

Ein Gleichgewichtszustand könne in Europa lediglich durch einen englisch - französischen Bund gesichert werden, der aber keinesfalls gegen Deutsch­land gerichtet sein dürfe. Auch Deutschland müßte diesen Bund begrüßen, da durch ihn die Sicherheit Frankreichs gewährleistet sei und Frankreich dann keine weiteren Argumente aufbringen könne, die gerechtfertigten Gleichberechtigungs­wünsche Deutschlands nicht anzuerkennen. Durch einen englisch-französischen Bund würde das gegenwärtig herrschende Gefühl der Furcht vor einer neuen Kriegskatastrophe verschwinden.

Zur Frage der Rückgabe der ehemaligen deutschen Kolonien betonte Rothermere, daß England sich bedingungslos auf den Standpunkt der Gerechtigkeit stellen müsse.

gezogen

Berlin, 14. April (DNB.) Der Reichsbischof hat, wie derEvangelische Pressedienst" mitteilt, folgende Botschaft zum kirchlichen Frie- d e n erlassen: , ., . m ,

Die wiederhergestellte Einheit in V olk und Staat verlangt nach geordneter Einheit im äußeren Leben der evangelischen Kirche. Beten n t- n i s st a n d und Glaubensgut unserer Kirche, die uns wichtigste Verantwortung gibt, werden wir um so besser und treuer pflegen können, wenn organisatorisch in der Kirche Ordnung gehalten wird.

Nachdem auf der Grundlage der Neuregelung des Verhältnisses von Staat und evangelischen Kirchen die Bahn zu weiteraufbauernder Arbeit freigemacht ist, soll unter Trennendes tn der Vergangenheit ein Strich gezogen werden.

Es werden daher die schwebenden Verfahren, die aus kirchenpolitischen Gründen anhängig gemacht worden sind, eingestellt werden, mit Ausnahme jedoch derjenigen Verfahren, die staatspolitischen Einschlag haben. Ls wird auch in eine lleberprüfung bereits abgeschlossener Verfahren eingelrelen, sobald Ruhe und Frie­den in der Kirche eingekehrt sind.

Wer ungeachtet des hierdurch bezeugten Willens zum Frieden dennoch in Auflehnung gegen die not- wendige äußere Ordnung den Frieden stört, wird die volle Strafe des Gesetzes zu tragen haben.

Ich erwarte von den Amtsbrüdern und Beamten der Kirche volle Einfühlung in die Ge­meinschaft des Dienstes und ihre Vereini­gung in berufsmäßiger Kameradschaft. Alle willigen Kräfte rufe ich zur Mitarbeit auf." DasKirchengefetz zurVesnedung

des kirchlichen Lebens.

Berlin, 14. April. (DNB.) Das geistliche Mi­nisterium der Deutschen Evangelischen Kirche hat, wie der Evangelische Pressedienst mitteilt, folgendes Ki rch e n g e s e tz beschlossen:

§ 1. Die Verordnung des Reichsbischofs betreffend die Wiederherstellung geordneter Zustände in der Deutschen Evangelischen Kirche vom 4. Januar 1934 wird außer Kraft gesetzt.

§2. Maßnahmen, die gegen kirchliche Amtsträger wegen ihres kirchenpolitischen Verhaltens eingeleitet sind, sind nichtdurch zuführen. Ausgenommen bleiben Verfahren mit staatspolitischem Einschlag.

Eine Botschaft des Reichsbischofs zum kirchlichen Frieden.

Amnestie-Erlaß. - Unter Trennendes in der Vergangenheit soll ein Strich werden.

Ob ein solches Verfahren vorliegt, entscheidet das rechtskundige Mitglied des geistlichen Ministeriums.

§3 . Abgeschlossene Maßnahmen unterliegen der Nachprüfung des R e i ch s b i s ch o f s. Er be­stimmt den Zeitpunkt der Nachprüfung und trifft die erforderlichen Durchführungsbestimmungen.

§4 . Die im § 4 der Verordnung des Reichsbischofs betreffend die Wiederherstellung geordneter Zu­stände in der Deutschen Evangelischen Kirche vom 4. Januar 1934 aufgeführten Gesetze, nämlich das Gesetz betreffend die Rechtsverhältnisse der Gelst- lichen und Beamten der Landeskirchen vom 16. No­vember 1933 und das vorläufige Kirchengesetz be­treffend die Rechtsverhältnisse der Geistlichen und Beamten der Landeskirchen vom 8. Dezember 1933, sowie das Kirchengesetz betreffend Beilegung kirchen- politischer Streitfälle vom 8. Dezember 1933 bleiben mit Wirkung vom 4. Januar 1934 außer Kraft aesetzt

§5 .'Das Gesetz tritt mit dem Tage der Verkün­dung in Kraft.

Wiederherstellung des Kirchenfriedens in Württemberg.

Stuttgart, 15.April. (DNB.) Don zustän­diger Seite wird mitgeteilt: Reichsbijchof Ludwig Müller i st heute um 14 Uhr in Stuttgart eingetroffen, um den Ki r ch e nn otst a nd in Württemberg zu beheben.

Der Synodalausschuß hatte dieser Tage dem Landesbischof Wurm den gesamten Kirchen­etat abgelehnt und ihm dadurch sein Ver­trauen entzogen.

Der Reichsbischos ermahnte die Beteiligten, alle Streit- und Personalfragen zurückzustellen, bis der äußere Aufbau einer mächtigen evangelischen Reichskirche durchgeführt fei. Er ermahnte den Lan­desbischof zur Nachgiebigkeit in verschiedenen For­derungen der neuen Zeit. Ministerialrat Iäger- Berlin sprach über den klaren Kurs der Reichs­kirchenführung, worauf der Synodalausschuß den umstrittenen Etat genehmigte. Damit hat der Reichsbischof die Ruhe und Ordnung im württem- bergischen Kirchengebiet wieder hergestellt.

Der Reichsbischos stattete anschließend dem R e i ch s st a t t h a l t e r für Württemberg-Hohen- zollern und dem w ür tte mb er gif ch en M i- nisterpräfidenten Besuche ab und fuhr dann nach Berlin zurück. Bei der Abfahrt wurde der Reichsbischos von der Bevölkerung lebhaft begrüßt und beglückwünscht.

ling je Tag entrichten, doch kann der Betrag in den meisten Fällen nicht eingebracht werden. Die Häft­linge haben die Möglichkeit, bis zu 14 Tagen Ur­laub zu nehmen gegen Abgabe der Loyalitätsver­pflichtung und ehrenwörtlichen Zusicherung, zuruck- zukehren. Der Urlaub wird bei Krankheit, Todes- ällen und geschäftlichen Notwendigkeiten gegeben. Bisher haben alle bis auf zwei Beurlaubte die 23er- pflichtung zur Rückkehr eingehalten. Die fünf So­zialdemokraten befinden sich in einer Sonderbaracke und kommen mit den Nationalsozialisten in keine

Berlin, 14. April. (DNB.) Nachdem sich die österreichische Regierung Dollfuß lange gewei­gert hatte, ausländischen Pressevertreter, u. a. auch Vertretern der reichsdeutschen Presse, die Besichti­gung des Wallersdorfer Konzentra­tionslagers zu gestatten, hat sie diese Besichti- aung nun endlich genehmigt. Sie fand am gestrigen Freitag statt. Die Regierung hat Zeit genug gehabt, in der Zwischenzeit die gröbsten Ueoelstände, die die öffentliche Weltmeinung in so hohem Maße er­regen mußten, zu beseitigen. Auch der berüchtigte Lagerkommandant ist, wie berichtet, inzwischen ab- qelöst worden. Der neue Lagerkommandant hat (einen Posten am 12. April angetreten. Ebenso ist der Kantinenwirt Kirchner, dessen üble Wirt­schaft so große Empörung ausgelöst hatte, durch einen anderen Wirt ersetzt worden.

Heber die Eindrücke, die die österreichische Regie­rung den Vertretern der Weltpresse am gestrigen Freitag in Wöllersdorf gestattete, liegen folgende Berichte vor:

Wien, 14. April.

An der Besichtigung nahmen auf Grund der Be­stimmungen des Sicherheitsministeriums je zwei Mitglieder vier verschiedener Verbände der Aus- landspresse teil, von deutscher Seite der Vorsitzende des Verbandes der reichsdeutschen Presse Dr. Har V- meyer und der Wiener Vertreter des DNB. Die Besichtigung dauerte zweieinhalb Stun­den und fand unter Führung höherer Beamten der Staatspolizei, des Bundespressedienstes, des Lagerkommandanten Graael und des Spitalarztes statt. Das Konzentrationslager, eine frühere Muni­tionsfabrik, ist mit doppeltem Drahtver­hau umzogen. Die Bewachung im Lager selbst wird von der Gendarmerie (9 0 Gendörmen) ausgeübt, während die He im wehr (600 Mann) für die äußere Bewachung des Lagers verwandt wird. Im Lager befinden sich nach Angaben des Kommandanten 27 0 Häftlinge, davon 265 Nationalsozialisten und 5 Sozialdemokraten, sämt­lich österreichische Staatsangehörige. Unter den Häftlingen sind Professoren, Akademiker, Studen- den, Handwerker und Arbeiter.

3m Lager sind den Angaben nach 47 Fälle von Ruhrerkrankungen vorgekommen: sämtliche Er­krankten wurden inzwischen nach Wien ins Spital gebracht. 20 von ihnen sollen wieder entlassen worden sein. Die bekannten national- fozialislischen Führer Schattenfroh und die drei Brüder Frauenfeld befanden sich während der Besichtigung im wiener Franz- Joseph-Spital und sollen in den nächsten Ta­gen nach wöllersdorf wieder zucückgebrachl werden. Die Häftlinge sind in Linzelbaracken untergebracht zu vier bis fünf in einem Zim­mer. Der Bezug von Büchern, Schachspielen und Zeitungen selbstverständlich nur die unbe­dingt regierungstreue Presse ist gestattet, die Korrespondenz ist täglich für jeden Häftling im Ausmaß von einem Brief und zwei Karten erlaubt. Die ein- und ausgehende Korrespon­denz der Häftlinge wird vom Lagerkomman­danten zensiert. Die Zusendung von Lebens- mlttelpaketen, die bis Anfang Januar zuläs­sig war, ist seht eingestellt worden. Rur zu Ostern war die Zusendung in geringem 11m- |ange gestattet. Dagegen ist die Zusendung von

Zigaretten erlaubt

bigte die Hausfront des Platzes schwer. Zahl­reiche Anhänger der nationalsozialistischen und der sozialdemokratischen Partei wurden verhaftet.

Eingliederung der Heimwehr in die Vaterländische Front.

Wien, 15. April. (DNB.) In später Nachtstunde wird amtlich bekanntgegeben:

Eine eingehende Aussprache zwischen Bundes» kanzler Dr. D o l l f u ß und dem Bundesfuhrer der Heimwehren, S t a r l) e m b e r g, hat die Grundlage für die Vereinigung und Verschmelzung aller vaterländischen Gruppen im RahmenderVaterlänbischenFronter- geben. Das wird auch in den nächsten Orgamsations- maßnahmen, die schon im einzelnen festgelegt sind,- zum Ausdruck kommen." ..

Dieses Kommunique bestätigt die schon längst er­wartete Unterstellung der Heimwehren unter die Vaterländische Front Dr. Dollfuß'. Das aber bedeutet bas Ende der Heimwehr als eines selbständigen Faktors. In Regie- rungskreisen wird dem Abkommen die größte Be­deutung beigemessen, was aus folgenden Aeuße- rungen hervorgeht, die der Bundesleiter der Vater­ländischen Front, Dr. Stephan, einem Vertreter derPolitischen Korrespondenz" gegenüber getan hat: Das Abkommen ist nicht nur für die künftige Entwicklung der Vaterländischen Front und den Er- neuerungsgedanken in Oesterreich von grundlegen­der Bedeutung, es ist vielmehr die Basis und die Voraussetzung für die S ch a f f u n g d e s a u t o r i- tär geführten Staates, wie er angestrebt wird. Hinter dem Bundesführer Dollfuß und feinem Führer Starhernberg wird in Zukunft die große, geschlossene Front all derjenigen stehen, die sich in unbedingter Gefolgschaft zu Dollfuß und dem von ihm aufgebauten christlichenStände- ft a a t bekennen. Am Schluß heißt es: Die Vater­ländische Front wird sich nach Eingliederung der Wehrfront in drei Gruppen gliedern: Die Wehr­front, die berufsständische Organisation und die Gebietsorganisation.

Während der Besichtigung fand sich Gelegenheit, mit den Häftlingen ins Gespräch zu kommen, je­doch nur unter der unmittelbaren strengen Kontrolle der zahlreichen, die Besichtigung be­gleitenden Beamten. Hierbei wurde zunächst grund- sätzlich mitgeteilt, daß Fragen politischen Charakters verboten seien. Im Laufe der Unterredung wurde von den Bkamten mehrfach die Weiterführung des Gespräches wegen angeblich politischer Fragen unterbunden, bei Fortfüh­rung sogar sofortige Beendigung der Besichtigung in Aussicht gestellt.

Zu den verbotenen Fragen politischen Charakters gehörte auch die Frage nach der Ursache der Verhaftung, jedoch wurde in den Gesprächen regelmäßig von den Häftlingen gerade diese Frage ausgenommen. Aus sämtlichen Unterhaltungen er­gab sich der übereinstimmende Eindruck, daß die Häftlinge über die Ursache ihrer Verhaftung auch nicht die geringste Ahnung hatten.

Immer wieder betonten sie, baß ihre Verhaf­tung nur wegen ihrer Gesinnung erfolgt sein könne und baß ihnen irgendeine Straftat nicht zum Vorwurf gemacht werden könne. In ein­zelnen Fällen sind die Häftlinge wegen des Singens des Horst-Deffel-Liebes ober wegen Anklebens von Hakenkreuzen bereits feit Mo­naten im Konzentrationslager.

Die Ueberjeugung von ber Aussichtslosigkeit, in absehbarer Zeit freigelaffen zu werden, und das Fehlen jeder Mitteilung über das Ende ihrer Haft bewirkt unter den Häftlingen im allgemeinen eine sehr gedrückte Stimmung. Besondere Erregung herrscht anscheinend über die Unklarheiten, die sich aus der Verfügung ergeben, wonach die Häftlinge durch eineL o y a 1 i t ä t s e r k l ä r u n g" ihre Haft beenden könnten. Zeitungsartikeln hatten die Häftlinge entnommen, daß die Unterzeichnung der Loyalitätserklärung die sofortige Freilassung zur Folge haben werde. Diese Vermutung hat sich nach Darstellung ber Beamten als einIrrtum erwiesen Die Unterzeichnung ber Loyalitätserklärung ist nur eine ber verschiedenen Bedingungen der Freilassung, zu denen auch nochgute Führung", sowie die Klä­rung der allgemeinpolitischen Verhältnisse gehören. Uebereinftimmenb wurde von den Häftlingen aus» gefagt, daß zwischen ihnen und der Gendarmerie ein gutes Einvernehmen herrscht. Dagegen äußerten sie sich teils erregt, teils haßerfüllt gegenüber den J e im mehren, die nach ihren Mitteilungen häufig eine provozierende Haltung ein­nehmen, unmittelbar vor den Häftlingen Schimpf- lieber über Deutschland und d e n Na- tionalsozialismus fingen und die Gendar- merie gegen die Häftlinge zu verhetzen und sie von ihrer korrekten Haltung abzubringen suchen. Der Lagertommanbant teilte mit, baß bisher kein einziger Häftling entflohen unb es zu retnen Revolten gekommen fei. Dagegen wirb zugegeben, baß in ber Zeit um Weihnachten ein jungeqtreil von einigen Tagen ausgebrochen war.

rn ,!n Etn oer ßagerorbnung vorgesehenen Diszi- plmarftrafen bie bis zur Dunkelhaft gehen, sei bis­her kein Gebrauch gemacht worben. Die Frage ber Verpflegung scheint bisher erhebliche Z $ m 1 e r.19 k e.i t e n bereitet zu haben. Nach ben Aussagen der Häftlinge mar die Verpflegung durch den kürzlich entlassenen Kantinenwirt Kirchner völ- llg ungenügend unb schlecht. Die Gefangenen er­klärten, heute zum ersten Male einen genießbaren Äaffee erhallen zu haben. Sie müßten sechs Schil-

DNB. Schweinfurt, 14. April. Am neunten Derhandlungstage wurde in einer Ausein­andersetzung zwischen dem Verteidiger und dem Schleßsachverständigen, Dr. Heß, die Möglich­keit erörtert, ob ein Gewehr, bas von oben herunter­geworfen wirb, nur 5 cm in ben Boben einbringt, wie bas seinerzeit bei bem ersten Einbruch der Fall gewesen fein soll. Der Sachverständige ver­neinte diese Möglichkeit, da die Wucht viel größer sei.

Der Staatsanwalt fragte bann ben Sachver­ständigen:Bleiben Sie bei Ihrem Gutachten, baß aus der übersandten Pistole die Tatortspatronen und Hülsen mit absoluter Sicherheit verschossen worben finb?" Der Sachverstänbige ant­wortet mit ja.

Der Angeklagte Liebig teilte mit, baß ihm seinerzeit sein früherer Verteibiger gesagt habe, bie betreffenbe Pistole sei auf Veranlassung des Rechts­anwalts Sack, bes Beistanbes ber Frau Wer­th e r, nach Stuttgart geschickt worben. Dem roiber» sprach ber Staatsanwalt mit bem Hinweis, baß, nachdem der Sachverständige, Hauptmann Fischer, seinerzeit ausgesagt hatte, daß bie Tatvrtmunitivn n i ch t aus biefer Pistole abgeschossen sein könnte, fieberhaft nach ber in Betracht fommenben Waffe gesucht worden fei.

Der Vorsitzende wandte sich bann an Liebig: Sie haben nun gehört, bas Gutachten ist sehr gravierend. Was faaen Sie dazu?"

Liebig:Ich rann mir bie Sache nicht erklären. Ich habe auch schon barüoer nach- gedacht. Kann das nicht etwa Zufall fein?"

Vorsitzender:Haben Sie die Pistole nachts bei sich gehabt? Konnte es nicht etwa so sein, daß sie heimlich gestohlen unb Ihnen bann wieder zugestellt wurde?"

Liebig:Ja, mir i ft bie Sache komisch. Ich habe am Abenb bie Pistole noch ausgezogen und geölt unb ftanb am anberen Abenb an Der Schublabe, als sie ber Wachtmeister herausnahm. Auch am anberen Morgen war sie ausgezogen unb meine Tür war verschlossen."

Vorsitzenber:Hatten Sie irgendwelche besonderen Reinigungsgeräte für Ihre Pistole?"

Liebig:Nein."

Der Verteidiger stellte dann eine interefsante Zwischenfrage: Ich habe eine Mitteilung be­kommen, daß ein Reffe der Frau W e r t h e r sich im Turmzimmer umhergetrie­ben und auf die Frage, was er dort tue, er-