Zreitag,1b.Mrz1y34
Gletzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Ur. 64 Zweiter Blatt
Präses als das leitende geistliche Amt der Provin- ualkirche herayszustellen und es seinerseits mit den Aufgaben des Bischofs (Landespfarrers) zu verbinden, so bedeutet auch für diese Gebiete die Neuordnung keine Durchbrechung ihrer Tradition, sondern im Gegenteil die klarere Herausarbeitung ihrer ursprünglichen Verfassungsformen.
Herbert Obscherningkat preffereferent des Reichssportführers.
Die Presse st elle des Reichssportführers teilt mit: „Der Reichssportführer hat den Sportschriftleiter des „Angriff", Herbert Obscherningkat, zu seinem Presserejerenten berufen. Im Einvernehmen mit dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda wird er gleichzeitig die ständige Verbindung mit diesem Ministerium ■ aufrecht erhalten."
gez. Breitmeyer.
Tieusel will Weltmeister werden.
Der Bochumer Schwergewichtsboxer Walter Neu- sel, der durch seinen Punktsieg über King Levinsky mit einem Schlage in die erste Klasse der Schwergewichtler der Welt aufgerückt ist, kehrt vorläufig nicht nach Deutschland zurück. Er hofft demnächst
Jahreshauptversammlung desTurnveremsMö
Zusammenschluß der beiden hiesigen Turnvereine?
Die jetzigen Maßnahmen des Reichsbischofs und des Geistlichen Ministeriums auf dem Gebiet des Verfassungslebens bedeuten ohne Frage noch nicht das letzte Wort; aber sie sind bereits ein entschiedener Schritt zu neuen Formen und neuen Zielen.
mit Primo Carnera um den Weltmeistertitel boxen zu können und will außerdem die amerikanische Staatsbürgerschaft erwerben und sich für dauernd in den Vereinigten Staaten niederlassen.
Auszeichnung für Or. Baumens.
Der bekannte deutsche Schiedsrichter Dr. Bäumens- Köln, der seit Jahren an der Wiederaufnahme und Befestigung der sportlichen Beziehungen mit unseren westlichen Nachbarn erfolgreich mit- gewirkt hat, ist von der Luxemburgischen Regierung mit dem hohen Orden eines „Ritter vom Eichenlaub" ausgezeichnet worden. Da Dr. Bauwens am Sonntag verhindert war, dem Länderkampf in Luxemburg beizuwohnen, weil er das Spiel Holland-Belgien leiten mußte, wird die Ueberrei- chung des Ordens gelegentlich des Länderspiels Luxemburg — Frankreich erfolgen.
Oie Neuordnung derEvangelischenMrche
Von Konsistorialrat Or. Benn.
In der letzten Woche des Monats Februar hat der Reichsbischof das Geistliche Ministe- rium neugebildet. Er hat zu Mitgliedern Männer berufen, die nicht in der vordersten Lime des kirchenpolitischen Kampfes gestanden, sondern sich durch sachliche Arbeit in der Gemeinde oder auf kirchlich-charitatioem Gebiet ausgezeichnet haben. Ueberwindung der kirchenpolitischen Auseinandersetzungen d u 'r ch s a ch l i ch e A r b e l t ist dasZiel, das den Reichsbischof mit dem neuen Geistlichen Ministerium verbindet. Diesem Ziele dienen bereits die ersten gesetzlichen Maßnahmen des Mim- teriums. Sie betreffen einmal eine Neuordnung res kirchlichen Dienstes an der Jugend und beziehen ich ferner auf wichtigste Fragen des kirchlichen üerfassungslebens.
Die kirchliche Jugendarbeit lief bisher auf zwei verschiedenen Gleisen. Sie lag einerseits in der Hand des einzelnen Pfarrers, der im Rahmen seiner Gemeinde die Jugendlichen sammelte und in besonderer Weise betreute. Sie lag aber andererseits auch in der Hand der evangelischen Jugendverbände, von der Kirche im wesentlichen unabhängiger Organisationen, die die Jugend unter Leitung eigener geistlicher oder Laienkräfte in Verbänden oder Bünden zusammenfaßte. Auf beiden Wegen ist viel fruchtbare Arbeit geleistet worden. Aber bei allem ehrlichen Willen zur Zusammenarbeit waren Ueber- schneidungen und Reibungen unvermeidlich. Schon durch die Eingliederung des Evangelischen Jugendwerkes in die Hitler-Jugend war die Möglichkeit einer Aufrechterhaltung der bisherigen Arbeitsform in Frage gestellt. Das Geistliche Ministerium hat jetzt durch Gesetz bestimmt, daß künftig die Deutsche Evangelische Kirche die gesamte evangelische Jugendarbeit als ihr „Jugendwerk" zusammenfaßt und durchführt. Alle im Jugendwerk tätigen Kräfte sollen im Auftrag und Dienst der Kirche arbeiten und zwar an der gesamten evangelischen Jugend, innerhalb deren Sondermitgliedschaften nicht mehr bestehen sollen. Damit ist die Beseitigung der Zweigleisigkeit und die Zusammenfassung der gesamten evangelischen Jugendarbeit in der Hand der Kirche als Ausgangspunkt der künftigen Entwicklung festgelegt, die zum Ziel zu führen die Aufgabe des vom Reichsbischof berufenen Reichsjugendpfarrers sein wird.
Auf dem Gebiet des kirchlichen Derfafsungslebens ist eine Frage zur Lösung gebracht Horden, die im Rahmen des Problems einer „k i r ch l i ch e n Reichsreform" gesehen werden muh. Dieses Problem hat ein doppeltes Gesicht. Es ist einmal territorialer Natur; es stellt die Frage, wie die Vielzahl der großen und kleinen Landeskirchen — es sind noch heute 24 — in organische und lebensfähige Gebilde umgewandelt werden kann; eine endgültige Bereinigung dieser Frage wird nicht ohne Rücksichtnahme auf die Ergebnisse einer staatlichen Reichsreform möglich sein. Die kirchliche Reichsreform hat aber weiterhin auch eine bedeutsame verfassungsrechtliche Seite. Die Deutsche Evangelische Kirche ist auf Grund ihrer Verfassung vom 11. Juli vorigen Jahres in wesentlichen Stücken noch ähnlich 'wie vorher der Kirchenbund, eine Dachorganisation, die zwar den Landeskirchen allgemeine Richtlinien und Ratschläge geben kann, das Ob und Wie der Durchführung jedoch den Landeskirchen überlassen muß. Für die Einheitlichkeit und Geschlossenheit des gesamt-kirchlichen Handelns ist es aber von ausschlaggebender Bedeutung, ob die Hoheit der Gesamtkirche gegenüber den Landeskirchen, ohne dabei deren landschaftlichen oder gar bekenntnismäßigen Eigenarten Gewalt anzutun, doch in allen wesentlichen Punkten gewährleistet ist. Verfassungsrechtlich liegt also für die Neichskirche eine ähnliche Frage vor, wie sie auf staatlichem Gebiet durch die Uebertragung der Hoheitsrechte der Länder auf das Reich im Reichsgesetz vom 30. Januar dieses Jahres bereits gelöst ist.
Im Rahmen dieser Frage spielt naturgemäß das Verhältnis der Gesamtkirche zur größten Landeskirche eine besondere Rolle: das Verhältnis zur Evangelischen Kirche der a l t p r e u h i s ch e n Union. Sie umfaßt etwa die Hälfte des Gebiets der Reichskirche, und es liegt auf der Hand, daß etwaige Konflikte zwischen der Reichs- und der Landeskirchenleitung sich hier geradezu zu einer Gefahr für den Bestand der Gesamtkirche auswirken können. Die eigene Verfassungsentwicklung der altpreußischen Landeskirche in den letzten Monaten hat es der Leitung der Reichskirche ermöglicht, diese Gefahr ein für allemal zu beheben. Die gesetzgebende und vollziehende Gewalt in der altpreuhi- schen Union war bereits durch verschiedene Akte der neueren Gesetzgebung in vollem Umfang auf den altpreußischen Landesbischof übertragen worden. Nun hat dieser den entscheidenden Schritt getan, daß er seinerseits alle ihm zustehenden Befugnisse auf die Deutsche Evangelische Kirche übertragen und deren Leitung damit in die Lage versetzt hat, die größte Landeskirche u n - mittelbar in ihre Obhut zu nehmen. Dies ist durch das Kirchengesetz vom 2. März dieses Jahres geschehen. Im einzelnen ist die neue Regelung folgende:
Die leitenden Organe der Reichskirche sind künftig gleichzeitig die leitenden Organe für die altpreußische Union. Der Reichsbischof ist also gleichzeitig Landesbischof. Das Geistliche Ministerium erläßt auch die landeskirchlichen Gesetze, unter Umständen unter Hinzuziehung einer besonderen Landessynode, die aus den gewählten Vertretern der altpreußischen Kirche in der Deutschen Evangelischen National- snnode besteht. Die Verwaltung der altpreuhischen Union führt die Deutsche Evangelische Kirchenkanzlei, also die oberste Verwaltungsstelle der Reichskirche.
Das Wesentliche dieser Neuordnung liegt darin, daß zwar die Landeskirche der altpreußischen Union als solche noch fortbesteht, daß aber zwischen ihrer Leitung und der der Reichskirche eine nahezu vollständige Identität herbeigeführt worden ist. Das Nebeneinander der reichskirchlichen und der altpreußischen Organe ist beseitigt worden. Eine Fülle von Doppelarbeit, vor allem auf dem Gebiet der Verwaltung, wird künftig vermieden werden. Und mit der Doppelarbeit vor allem auch die Gefahr des Gegeneinanderarbeitens. Es ist von nun ab die unbedingte Gewähr gegeben, daß der Wille der Reichskirchenleitung im Bereiche der größten Landeskirche unmittelbar zu dem einzelnen Pfarrer und der einzelnen Gemeinde durchdringt.
Endlich hat das Geistliche Ministerium mit der allgemeinen Neuordnung der Verfassungsverhält- nisse in Altpreußen auch eine Verfassungsreform in den altpreußischen Kirchenprovinzen verbunden. Es hat hier die großen Povinzsynoden, die 100 bis 200 Mitglieder umfaßten, beseitigt und sie durch kleine arbeitsfähige Synoden ersetzt, die nur noch aus 20 Mitgliedern bestehen, nämlich aus dem Bischof als Präses, 12 Mitgliedern, die von der bisherigen Synode gewählt, 6 Mitgliedern, die vom Bischof berufen werden, und einem Vertreter der theolo- aischen Fakultät. Gleichzeitig ist die Arbeitsform der Synoden geändert worden. Sie sollen nicht mehr — und dies gilt auch für die Landessynode — Mehrheitsbeschlüsse fassen, sondern ihre Willensmeinung „in brüderlicher Aussprache" finden. Kommt keine Einigung zustande, so soll die kirchliche Behörde, die zur Entscheidung berufen, ist, die Stimmen nicht zählen, sondern wägen. Das ist eine Form synodaler Arbeit, die gerade die ä l t e st e n Synoden gepflogen haben und die erste in den letzten 100 Jahren durch das System der Mehrheitsbeschlüsse verdrängt worden ist. Neu und eigenartig ist auch die Verbindung zwischen dem Amt des Bischofs und dem des Präses der Synode. Die Gebiete mit lebendiger reformierter Ueberlieferung, vor allem also die Provinzen Rheinland und Westfalen, empfinden das Amt des Bischofs (Landespfarrers) teilweise noch heute als etwas Fremdes. Geht jedoch die Entwicklung dahin, und das ist offenbar die Absicht der gesetzgebenden Instanzen, künftig das Amt des Synoden-
Die dieser Tage im „Postkeller" abgehaltene Hauptversammlung des Turnvereins 1846 war, wie man uns berichtet, gut besucht. Mit einem Turnerlied und einer kurzen Begrüßung durch den Vereinsführer A. Reinina wurden die Beratungen eröffnet, denen folgende Tagesordnung zugrunde lag: 1. Bericht des Vereinsführers; 2. des Oberturn- warts und der Fachwarte; 3. Rechnungsablage; 4. Bericht der Rechnungsprüfer; 5. Entlastung des Rechners; 6. Feststellung des Voranschlages für 1934; 7. Wahl der Rechnungsprüfer; 8. Zusammenschluß mit dem MTV.; 9. Verschiedenes.
Der Dereinsführer gedachte zunächst der Toten des letzten Jahres, von denen besonders genannt seien: Ludwig K a t t r e i n , der über 75 Jahre dem Verein angehörte, H. Pieper, langjähriger zweiter Sprecher und die so tragisch ums Leben gekommene Schülerin Bruno t t e. Er gab dann bekannt, dag mit der Gleichschaltung auch die alten Satzungen außer Kraft traten. Bis zur Herausgabe der neuen Mustersatzungen der DT. muß sich aber im wesentlichen noch nach den alten Satzungen gerichtet werden. Heute gelten aber schon folgende Bestimmungen, die einen Bestandteil der neuen Satzungen bilden werden. 1. Für die Leitung des Vereins gilt das Führerprinzip; 2. Mitglied des Vereins können nur Deutsche arischer Abstammung sein; 3. der Austritt eines Mitgliedes ist nur noch zum Schluß des Jahres zulässig und muß bis zum 30. 9. erklärt sein.
In seinem ausführlichen Bericht wies der Vereinsführer hin auf die große Wandlung im deutschen Volk, wie sie die Welt größer und erhabener noch nicht gesehen hat, auf die Erfolge der nationalen Regierung in ihrem Bestreben nach Einigung des deutschen Volkes, Beseitigung der Arbeitslosigkeit und Linderung der Not unter den Aermsten unserer Volksgenossen. Auch die Turner, im Jahn- schen Geist erzogen, traten freudig ein für die neuen Ziele und Ausgaben, die in vielem mit Jahnschem Gedankengut übereinstimmen.
In 16 Turnratssitzungen hat der in der außerordentlichen Hauptversammlung am 20. Mai 1933 vom Vereinsführer berufene Turnrat in bestem Einvernehmen und mit Geschick die Belange des Vereins gewahrt. Alle Veranstaltungen in Kreis, Bezirk, Gau und der Höhepunkt des vergangenen Jahres, das unvergleichlich schöne und große
Deutsche Turnfest in Stuttgart wurden besucht und brachten dem Verein viele Erfolge und Ehren. Hoffentlich wird es bald möglich sein, auch in Gießen den herrlichen Film vom Deutschen Turnfest „Treu unferm Volke" zu zeigen.
Den Bericht des Oberturnwarts erstattete in dessen Vertretung Männerturnwart K. Müller, der mit Stolz darauf Hinweisen und mit Zahlen belegen konnte, daß das turnerische Leben im Verein und in seinen einzelnen Abteilungen immer lebhaft pulsierte und daß trotz der Schwierigkeiten, die zeitweise den Uebungsbetrieb stark beeinflußten, zahlreiche und schöne Erfolge erzielt werden konnten.
Für einen mittleren Herein ist die Zahl von acht guten Siegen beim Deutschen Turnfest eine ganz achtbare Leistung. Sie war nur zu erzielen durch die treue und aufopfernde Hingabe aller Beteiligten an unsere schöne deutsche
Turnerei,
für die unser Volkskanzler in seiner Stuttgarter Rede den anerkennenden Satz prägte: „Nur wer die Gewalt des Ideals an sich nicht versteht oder leugnet, kann die Bedeutung einer Betätigung verkennen, die Millionen Menschen aus freiem Willen zu mühevollen Leistungen führt, denen jeder persönliche materielle Gewinn versagt ist." Diese Anerkennung war schönster Dank für alle Turner, Vorturner, Turn- und Fachwarte; sie ist ein Ansporn zu gleicher Weiter- und Mitarbeit auch im neuen, Dritten Reich.
Rechnungsablage, Bericht der Rechnungsprüfer und Entlastung des Rechners ergaben zwar eine angespannte Kassensage, aber auch den Beweis, daß der Turnrat sparsam gewirtschaftet und der Rechner L. S ch n e i d e r seiüe Kassengeschäfte einwandfrei geführt hat, so daß ihm einstimmig Entlastung erteilt werden konnte.
Der Voranschlag für 1934 konnte noch nicht festgestellt werden, weil die Grundlagen, auf denen er sich aufbaut, noch wesentliche Aenderungen erfahren werden. Die Rechnungsprüfer von 1933 wurden auch für 1934 wiedergewö^t.
Alsdann verbreitete sich der Dereinsführer über den Stand der Zusammenschlußverhandlungen mit dem TNännerturnverein Gießen. Die Versammlung gab ihre Zustimmung zu diesen Ver-
Herr Ruscheweit soll Fisch essen
Äon Hans ORiebou
Herr Ruscheweit ist ein Mann von Charakter sowohl als von Grundsätzen. Herr Ruscheweit ist nicht umsonst unter dem Sternbild des Stiers geboren. Seine Haupteigenschaften sind: Männlichkeit, Energie und Konsequenz. Aber wo viel Licht ist, gibt es auch Schatten. Allzuviel menschliche Vollkommenheit artet nicht selten in Uebertreibungen aus und wird so, unter diesem falschen Vorzeichen, zur Unvollkommenheit. Auch bei Herrn Ruscheweit ist es ähnlich, und es gibt, leider, leider, allzuviel Dinge, die auf ihn, den Stiermenschen, wirken wie das bekannte rote Tuch.
Aber es ist wohl am besten, wir fangen gleich an zu erzählen, wie Herr Ruscheweit zum Arzt ging: Herr Ruscheweit also fühlt sich nickt gut. Er weih selbst nicht recht, was es ist. Der Arzt beklopft ihn, behorcht ihn, fragt und fragt, und schließlich kommt er zu dem Resultat: „Es ist die Ernährung, Herr Ruscheweit. Sie müssen mehr Abwechslung in Ihren Speisezettel bringen. Sie müssen mehr Obst und Gemüse essen und auch mehr Fisch. Nicht nur einmal in der Woche, sondern zweimal, und dann abends hin und wieder einen geräucherten Hering."
Herr Ruscheweit räuspert sich. „Ich esse keinen Fisch" sagt er und kneift die Lippen zusammen.
Ich weiß", lächelt der Arzt, „eben deshalb sind Sie krank, und um gesund zu werden, essen Sie von nun an Fisch!"
Damit mir eine Grate im Hals stecken bleibt , knurrt Herr Ruscheweit, „wie dem Bruder meiner Frau, der um ein Haar daran gestorben ist.
„Aber ich bitte Sie", ruft der Arzt, „dann nehmen Sie eben Fisch ohne ® r ä t e n !"
Herr Ruscheweit starrt den Arzt an. „Fisch ohne Gräten?" flüstert er, „ist das Ihr Ernst?
„Aber natürlich", nickt der Mrat.
„Das ist denn aber doch allerhand! schnauft Herr Ruscheweit, „Sie als Arzt sollten doch wissen, daß es Fische ohne Gräten nicht gibt. Wie sollte wohl so ein Tier, das nicht einmal ein Rückgrat hat, im Wasser schwimmen, und wie —"
Der Arzt fährt sich mit dem Taschentuch über die Stirn. „Sie haben mich mißverstanden", sagt er dann. ^Jch meine natürlich Filets."
Herrn Ruscheweits Augen quellen ein wenig aus den Höblen. „Sehr gut", sagt er, „Filets esse ich gern, jeden Tag, mittags und abends; aber Filets, Herr Doktor — das sollten Sie eigentlich auch wissen — stammen nicht vom Fisch, fonhprn vom Ochsen
Der Arzt fühlt, wie seine Nerven anfangen zu vibrieren. Aber er nimmt sich zusammen. „Ich meine selbstverständlich Fischfilets", sagt er, „filierten Fisch, das ist Fisch, dem man die Gräten heraus- genommen hat, damit sie Ihnen, Herr Ruscheweit, nicht im Halse stecken bleiben."
„Oh", schüttelt Herr Ruscheweit den Kopf, „was mich betrifft: Ich esse überhaupt keinen Fisch."
Einen Augenblick ist es ganz still im Zimmer. Der Arzt starrt Herrn Ruscheweit an, und Herr Ruscheweit starrt den Arzt an. Schließlich gibt sich der Arzt einen Ruck und fährt fort: „Also kurz und gut: Ich verordne Ihnen reichlich Gemüse- und Fischkost. Fisch enthält Vitamine —"
„Pfui!" ruft Herr Ruscheweit, „Vitamine esse ich schon gar nicht!"
und Fisch enthält Jod!"
„Hat mir gerade noch gefehlt", lacht Herr Ruscheweit, „wo meine Schwägerin erst vor einem halben Jahr an Jodvergiftung gestorben ist."
Die 2lugen des Arztes flimmern. Aber er geht nun auf nichts mehr ein. „Wollen Sie meine Verordnung befolgen?" fragt er.
„Ich denke gar nicht daran", schreit Herr Ruscheweit und hat einen knallroten Kopf, „sehe ich aus wie ein Selbstmörder?"
Dann nimmt er seinen Hut, verläßt das Zimmer und haut die Tür hinter sich zu.
„Donnerwetter", denkt der Arzt, „so ein Kerl! Wenn der noch einmal in meine Sprechstunde kommen sollte —"
Er ist zum Fenster getreten, blickt aus die Straße, und mit einem Male stockt ihm der Atem. Herr Ruscheweit nämlich geht, immer noch mit rotem Kopf und mit wütenden Schritten, quer über die Straße und verschwindet — wo? Im Fischrestau- rant von Korrmüller.
Der Arzt muß sich auf einen Stuhl setzen, so erschüttert ist er. Zwanzig Minuten später aber entschließt er sich — schon aus psychologischen und medizinischen Gründen — der Sache auf den Grund zu gehen. Er nimmt also auch seinerseits den Hut, begibt sich in das Fischreltaurant von Korrmüller, winkt dem Kellner und fragt ihn, was denn der Herr Ruscheweit hier gewollt habe.
„Oh", grinst der Kellner, „das war eine komische Sache. Drei Portionen Bratfisch hat er bestellt, aber es durften keine Filets fein. Die Vitamine, sagte er, sollten wir vorher herausnehmen, und ob wir auch die Garantie dafür übernähmen, daß kein Jod in dem Fisch wäre?!"
,.Ja, und —?" fragte der Arzt.
„Dann hat er die drei Portionen gegessen", fährt der Kellner fort, „und dann hat er ein Abonnement genommen und gesagt, Fisch wäre das Gesündeste, was es gibt, und er wollte jetzt jeden Mittag hier essen."
Der Arzt aber ging hin und schrieb für die medizinische Wochenschrift einen acht Seiten langen Artikel „über die psychologisch richtige Behandlung von Patienten, die unter dem Sternbild des Stiers geboren sind."
Abenteuerliche Schicksale eines Diamanten.
Wenn einer der beiden Riefen-Diamänten, die vor nicht langer Zeit bei Elandsfontein aufgefunden wurden, sich als die fehlende Hälfte des „Cullinan"- Steines, jenes berühmten größten Diamanten der Erde, erweisen sollte, so wird damit ein Geheimnis, das die Schatzgräber Afrikas seit 25 Jahren im Bann hielt, sein Ende finden. Den Cullinandiaman- ten — so genannt nach bem Eigentümer des Feldes, auf dem er gefunden wurde, entdeckte im Jahre 1908 ein Aufseher der Premier-Minen in Transvaal. Ein Aufblitzen am Boden weckte das Interesse des Mannes, mit seinem Taschenmesser grub er das glitzernde Etwas aus dem Boden und hielt in seiner Hand den größten Diamanten der Welt. Der Stein wog 622 Gramm und war zehn Zentimeter lang. Was jedoch bei aller Bewunderung für die Größe und Schönheit des Steines die größte Aufregung heroorrief, war die Feststellung der Sachverständigen, daß der „Cullinan" nur die abgebrochene Hälfte eines großen Steines fei! Gräberkolonnen, finanziert durch reiche Unternehmer, haben vergebens nach der fehlenden Hälfte des Diamanten gesucht. Das Gerücht tauchte auf und wollte nicht zum Schweigen kommen, daß sie von einem (Eingeborenen versteckt gehalten würde. Einmal so- aar begab sich der Chef der Diamanten-Detektiv- Abteilung von Jvhannisburg mit einem großen Geldbetrag in den Busch, um die „fehlende Hälfte" des Cullinan-Diamanten zu kaufen. Unverrichteter Dinge kehrte er wieder zurück. Jahre hindurch flüsterten sich die Sträflinge von ftapftabt seltsame Geschichten über den geheimnisvollen Stein zu, um bie Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, benn wem es gelang, die allgemeine Neugierbe zu erregen, der wurde gut behandelt, in der Hoffnung, daß er frü» her ober später einmal fein Geheimnis preisaeben würde. Endlich, nachdem sie Tausende von Mark für di« nutzlose Suche ausgegeben hatte, erklärte die
Polizei von Transvaal, daß die Geschichte von der „fehlenden Hälfte" ein frei erfundenes Märchen fei. Im Jahre 1907 verkündete die Regierung von Transvaal, daß sie die Absicht habe, den Cullinan- Diamanten König Eduard VII. zu feinem 66. Geburtstag zu schenken. Kurze Zeit bevor der Stein Afrika verlassen sollte, vertraute ein langjähriger Sträfling aus Kapstadt dem Gefängnisbirektor an, daß er einem Komplott auf bie Spur gekommen sei: Der kostbare Stein sollte noch vor feiner Absenbung aus Afrika entwendet werben, im Fall des Mißlingens des Anschlages aber auf feiner Reife nach England. Scharfe Bewachung würbe eingesetzt und man konnte bie Diebe bei einem Versuch, >ben Diamanten aus einer Bank in Johannisburg zu stehlen, rechtzeitig ergreifen. Dann fertigte man zwei gleiche Kistchen von berselben Größe an, deren eine ben Diamanten während feiner Reise nach London beherbergen sollte. Die Polizei machte bekannt, daß der Diamant als Wertpaket abgehe. Das Wertpaket wurde gestohlen — aber der Cullinan-Dia- mant erreichte feinen Bestimmungsort wohlbehalten in einem gewöhnlichen Postpaket.
Zeitschriften.
— Hitler-Jugend-Jllustrierte „Die Fanfar e". Erscheint monatlich einmal, Umfang 24 Seiten. Preis 20 Pf. Reichs-Jugend Illustrierte Verlagsgesellschaft m. b. H., Berlin W 35, Lützow- straße 66. — Während die Februar-Nummer ganz unter dem Eindruck der großen Bannerweihe in Potsdam stand, berichtet die März-Nummer über den erhebenden Tag der Führervereidigungen, der die HI. durch den von Hunderttausenden ihrer Oührer geleisteten Eid erneut auf ihren obersten ührer verpflichtete. In Nord und Süd, in Ost und West sehen wir sie hier noch einmal aufmarschieren, die unübersehbaren Scharen dieser Jugend, die einst der Träger des Staates fein wird und auf deren Schultern in wenig Jahren die deutsche Zukunft liegen soll. Aus dem weiteren Inhalt des vielseitigen und lebendigen Heftes ist besonders der wegweisende Aufsatz von Staatsrat Wilhelm Meinberg: „Bauern und Hitler-Jugend, Lebensquell unsere» Volkes" mit dem Vorspruch von Reichsernährungs- minister R. Walther Darrö, und ferner der Artikel „Landjugend in der HI." von Ministerialrat Herbert August Meyer hervorzuheben. Reportagen über die Arbeit von Presse und Rundfunk in HI. und DDM. berichten über bie Aufgaben und Leistungen der Marine- und der Flieger-HI. und Bildartikel aus dem Leben des BDM. vervollständigen die Nummer.


