Ausgabe 
16.2.1934
 
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den bisher vorliegenden Angaben wird daher auf Grund rein privater Schätzungen für den Schutz­bund mit einer Gesamtzahl von ungefähr 1000 To­ten in Wien und 500 Toten in den Ländern ge­rechnet.

Das dritte Todesurteil nicht vollstreckt.

Wien, 15. Febr' (DNB.) Das Standgericht hat heute das dritte Todesurteil gefällt und zwar ge­gen den Schutzbündler K a l a b. Der zum Tode Verurteilte wurde jedoch zu zehn Jahren schweren Kerkers begnadigt. In Regie- runaskreifen wird die Auffassung vertreten, daß Todesurteile nur für die Führer des Schutzbundes, nicht aber für die von den Füh­rern zur Teilnahme am Aufstand gezwungenen Ar­beiter in Frage kommen können. Die Hinrichtuia des Schutzbundsührers Munnichreiter durch die Wiener Exekutivbehörde hat die Erbitte­rung der Bevölkerung ins unermeßliche ge­steigert. Munnichreiter, der durch mehrere Schüsse schwer verletzt war, wurde danach auf einer Tragbahre zum Standgericht, ebenfalls auf einer Tragbahre zum Galgen ge> schafft, von der Bahre aus unter den Galgen gesetzt und obwohl fast bewußtlos erhängt. Auch zahlreiche Ausländer haben ihrer Empö­rung über die Hinrichtung eines Schwerverletzten Ausdruck gegeben.

Die Entdeckung des marxistischen Aufstandsplanes.

Wien, 16. Febr. (DNB.-Funkspruch), DasNeue Wiener Tagblatt" veröffentlicht einen Bericht über die Aufdeckung des Aufstandsplanes, in dem es heißt: Die verbrecherischen Pläne wurden durch die eigentlich unscheinbare Wahrnehmung eines Wachtbeamten ausgedeckt, dem an einem Abend auf dem Ring ein Mann mit einem umfangreichen Paket auffiel. Der Polizist glaubte, es handele sich um Papierböller und fragte, was der Inhalt des Paketes sei. Er erhielt die Ant­wort, es seien Zündsteine, die er auf der Straße von einem Unbekannten gekauft habe. Der Ver­dächtige, ein sozialdemokratischer Ge­mein d e r a t aus Schwächat, wurde der Polizei übergeben und bei Oeffnung des Paketes fand man darin Sprengpatronen. Bei den umfang­reichen Haussuchungen, die sich daran schlossen, fand man nicht nur reiches Waffen-, Munitions- und Sprengmaterial, sondern auch eine umfang­reiche Korrespondenz, aus der klar hervor- ging, daß verschiedene Führer der Sozialdemokra­tischen Partei mit den radikalen Führern der aufgelösten Kommuni st ischen Par- t e i Vereinbarungen getroffen hatten, um ge­meinsam gegen die Regierungsgewalt vorzugshen. Haussuchungen bei kommunistischen Führern förderten schwerwiegendes Material zu­tage. Die Vereinbarungen reichen auf die Zeit zu­rück, in der der Nationalrat ausgeschaltet worden war.

Unterirdische Gänge in Linz aufgefunden.

W i e n, 16. Febr. (DNB.-Funkspruch.) DasNeue Wiener Journal" berichtet, in Linz sei es gelun­gen, ein Geheimnis zu lüften, das in den ersten Tagen des Aufstandes den Leitern der Abwehr- mahnahmen große Schwierigkeiten bereitet habe. Die Diesterwegschule und der D a m e tz h o f in Linz feien erstürmt und nach Waffen durch­sucht worden. Trotz des negativen Ergebnisses seien bald darauf die Regierunqkontingente wieder von dort aus beschossen worden. Nunmehr habe die Gendarmerie unterirdische Gänge Zwischen diesen beiden Gebäuden und dem nahege­legenen Krankenhaus aufgespürt. In dem Augenblick des Sturmes hätten sich die Aufständischen durch die Gänge auf ungefährdetes Gebiet zurück­gezogen, um wieder aufzutauchen, wenn die Truppen glaubten, jede Gefahr beseitigt zu haben. Woher kommtd»e Bewaffnung der Marxisten?

Wien, 15. Febr. (DNB.) Die bereits in der ge­samten ausländischen Presse lebhaft erörterte Frage der Herkunft der vielen Waffen- und Munitionslager des Schutzbundes ist, wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, gegen­wärtig bereits Gegenstand einer Untersuchung der Staatspolizei. Vor dem Abschluß dieser Unter­suchung werde jede Auskunft über diese Frage ver­weigert. Man beabsichtigt in diesem Zusammenhang, de» gesamten Komplex der Verantwortung für den sozialistisch-kommunistischen Aufstand von Grund auf aufzurollen und hierbei die Zusammen­hänge des Organisationsnetzes festzu- tellen, durch das die Schutzbündler in den Besitz >er Waffen gelangt sind. Aus den bisherigen Fest- tellungen hat sich ergeben, daß ein Teil der Waffen österreichischer Herkunft war und aus dem Weltkrieg stammt, ein ande­rer Teil jedoch ohne Zweifel tschechoslo­wakischer Herkunft war und aus der allerletzten Zeit herrührt.

Das Interesse in Prag.

Im Auhenausschuß des Abgeordnetenhauses er­klärte Minister Dr. Krofta zu den Ereignissen in Oesterreich: Wenn irgendein Staat die Grenze überschreiten oder in die österreichischen Verhältnisse eingreifen würde, würden wir nicht schweigen. Das . bedeutet allerdings nicht, daß wir selbst in Oester­reich einfallen würden. Wir müßten nur d i e ent­sprechende Stelle anrufen. So würde es auch in dem Falle sein, wenn die österreichische Regierung irgend jemanden zu Hilfe riefe. Soviel kann man vielleicht schon sagen, daß sich die Ber- hältnisse in Oesterreich, ohne daß berufene aus­ländische Faktoren eingreifen, kaum beruhi- gen werden, da die ständige Gefahr besteht, daß es zu etwas kommt, was die Unabhängig­keit Oesterreichs bedrohen könnte. Oesterreich ist nach dem Genfer Protokoll vom Jahre 1922, das auch die Tschechoslowakei unterzeichnet hat, gehalten, seine Unabhängigkeit zu wahren. Wenn von irgendeiner Seite der Versuch unternom­men würde, diese Unabhängigkeit zu verletzen, dann hätten alle, die dieses Protokoll unterzeichnet haben, die Möglichkeit einzuschreiten. Ich zweifle nicht, daß dies durch Vermittlung des Völkerbun­des oder wenigstens durch ein Einvernehmen aller Signatare des Genfer Protokolls erfolgen würde. Die zweite Möglichkeit wäre, wenn Oesterreich diese Staaten anrufen würde. In diesem Falle könnte es aber nur das Einschreiten aller (Staa­ten anrufen, die seine Unabhängigkeit garan­tieren und nicht den Schutz eines von ihnen.

Frankreichs Antwort auf die deutsche Abrüstungsnote

Paris macht Ausflüchte, wo bestimmte Antworten verlangt wurden.

Paris, 15. Febr. (DNB.) Die französische Antwortnote auf die deutsche Abrüstungsdenk­schrift vom 19. Januar wird nunmehr veröffentlicht. Die französische Regierung nimmt darin einleitend den Geist der Loyalität und Aufrichtigkeit für sich in Anspruch, in dem sie ein mit der Genfer Kon­ferenz im Einklang stehendes Programm aufgestellt habe. Gleichwohl glaube die deutsche Regierung von neuem behaupten zu können, daßdie hauptsächlich in Betracht kommenden h o ch g e r ü st eten Mächte (unter denen zweifellos Frankreich einbegriffen wer­den müsse) zu einer wirklich einschneiden­den Abrüstung nicht bereit seien." Die französische Note bemängelt dann mit Ausdrücken des Bedauerns und der Verwunderung, daß die deutsche Regierung ihre Vorschläge nicht abmildern zu sol­len glaubte und deren Tragweite nicht präzisiert habe, daß die französische Regierung in der deutschen Denkschrift auch keine genügende Aufklärung über die deutsche Stellungnahme zu der Kontrollfrage gefunden habe. Die Note fährt fort:

Es ist der deutschen Regierung sicherlich nicht entgangen, daß die in dem Aide m&noire vom 1. Januar gemachten Vorschläge in zwei Punkten nach Ansicht der französischen Regierung grundsätz-. lichen Charakter hatten.

Der Vergleich der französischenund deutschenTruppenbestände kann nur als vergleichbare Personalbestände angewendel werden, d. h. auf diejenigen, die zur Derlei- digung des Mutterlandes bestimmt find, und ist nur denkbar, wenn alle Streitkräfte, die in irgendeinem Grade militärischen Cha­rakter besitzen, unter die festzule­genden Beschränkungen fallen. Die Gleichstellung auf dem Gebiete des Mate­rials, d. h. die Zuweisung desjenigen Mate­rials an Deutschland, das die anderen Nationen behalten, das aber Deutschland augenblicklich verboten ist, kann erst auf die Umbil­dung des deutschen Heeres und die Aufsaugung der vor- und außermilitärischen Organisationen durch die regulären, von der Konvention begrenzten Personalbestände er­folgen.

Indem die deutsche Regierung in diesen beiden entscheidenden Fragen die Vorschläge beiseiteschiebt, die ihr gemacht worden waren und deren Absicht und Tragweite sie nicht mißverstehen konnte, hat sie das gesamte in dem Aide m&noire vom 1. Januar skizzierte Programm a b g e l e h n t."

Unter diesen Umständen sieht die französische Re­gierung nicht, welchen Nutzen der umfangreiche, der letzten deutschen Denkschrift beigesügte Frage-! bogen haben könnte. Die französische Regierung 1 kommt hier wiederum auf ihre alte Forderung, diese Fragen nur unter Beteiligung aller! interessierten Staaten zu Ende zu brin-, gen, zurück. Eine vorbereitende deutsch-französische Erörterung hierüber könnte nur dann von Nutzen sein, wenn bereits Einigkeit über be-i stimmte Grundsätze herrsche. Leider sei dies nicht im entfernte st en der Fall, wie dies d irch nur zu offenkundige Tatsachen bewiesen werde. Es ergebe sich z. B. aus veröffentlichten Dokumen­ten, daß das deutsche Heer bezüglich des Materials bereits jetzt Hilfsquellen besitze, die zu den Vertragsbestimmungen in keinem Verhält­nis stünden und für spätere Vergleiche zur Grund­lage genommen werden müßten. Ehe die Zukunft in Betracht gezogen werde, müßte, besonders auch zu ihrer Aufklärung, die Gegenwart in Be­tracht gezogen werden.

Die franzMche Regierung glaubt dannzwei wesentliche Mißverständnisse aufklären zu sollen. Bei der Forderung einer sofort wirksamen Kon­trolle mit dem Inkrafttreten der Konvention handle es sich um nichts, was die Ehre der deut­schen Regierung verletzen könnte.

Die deutsche Regierung bezweifle offenbar den Willen der französischen Regierung, eine Be­grenzung ihrer überseeischen Per­sonalbestände ins Auge zu fassen. Nichts sei unrichtiger als das.Ebenso wenig sollen die überseeischen Streitkräfte von der Beschränkung ausgenommen werden, deren mobiler Charak­ter erfordert, daß sie jederzeit im INul - terlande verfügbar sind, (?) um in kurzer Zeit nach denjenigen Punkten des Kolo­nialreiches gebracht zu werden, wo ihre An­wesenheit für nützlich gehalten wird." Die fran­zösische Regierung denke nicht daran, in einem ihr passenden Augenblick die in der Kon­vention festgesetzte Herabsetzung ihrer Heimat-Streitkräfte durch Heber- see-Brigaden auszugleichen, da die Konvention die Personalbestände genau begren­zen würde, diein Friedensze i t e n" im

Wutterlande stationiert werden könnten.

Doch diese besonderen Fragen dürften trotz ihrer Wichtigkeit, nicht dazu führen, daß man das wesent­liche Problem aus den Augen verliere.Die fran­zösische Regierung ist stets der Ansicht gewesen, daß die festzusetzenden H ö ch st z a h l e n sich auf die Ge­

samtheit der Kräfte beziehen müssen, die mili­tärischen Charakter tragen, und sie hat es als fest­stehend betrachtet, daß die Formationen der SA. und SS. diesen Charakter haben." Die fran­zösische Regierung hält ihre früheren Angaben hier­über voll und ganz aufrecht und erklärt, ihre Un­terschrift unter keine Konvention setzen zu können, die erst der Zukunft die Entscheidung darüber über­ließe, ob die Formationen der SA. und SS. einen militärischen Wert hätten. Eine auf diesem Grund­satz beruhende Konvention wäre auf einer falschen Grundlage aufgebaut.

Zum Schluß versichert die französische Regie­rung ihre Ansicht, daß eine vollständige und loyale Einigung mit Deutschland sowohl die Bedingung als

Berlin, 16. Febr. (DNB.) Zu der französischen Antwortnote schreibt derVölkische Beobach­ter" u. a.: Frankreich macht weiter Schwierigkeiten dort, wo keine vorhanden sind. So werden in der Frage des von uns ehrlich angebotenen Nicht­angriffspaktes einfach unverständliche Vor- würfe erhoben. Das deutsch-polnische Abkommen ist der beste und einwandfreie st e Beweis dafür, wie ernst wir diese Sache ansehen. Man kann nur betonen, daß Frankreich jede Chance, zu einer wirksamen Abrüstung zu kommen, verfaßt hat. Wo wird denn überhaupt von der französischen Abrü­stung gesprochen? In der neuen Note steht davon kein Wort. Das, was als Abrüstung von Frank­reich bezeichnet worden ist, ist absolut unzu­länglich. Dazu kommt noch, daß die damalige fran­zösische Denkschrift, die in der neuen Note angezogen worden ist, die unzulänglichen Vorschläge noch m i t Verklausulierungen und Bedingun­gen versah, die die bestehende Unklarheit noch vermehrt hat. Auch der Vorwurf, die Reichs­wehr habe die Bestimmungen des Versailler Ver­trages nicht eingehalten, kann niemanden in der Welt mehr überzeugen. Seit 15 Jahren pflegt Frank­reich mit derartigen Behauptungen zu kommen, die, wenn man ihnen nachgeht, nicht zu beweisen sind.

DieKr e u z z e i t u n g" stellt fest, daß das französische Dokument für jeden eine Enttäuschung bedeutet, der gehofft hatte, daß der realistische Geist der italienischen Stellungnahme zum Abrüstungs­problem nunmehr auch auf die französische Haltung Einfluß gewinnen würde. Die neue französische Stellunanahme sei dahin zu kennzeichnen, daß die französische Regierung wieder einmal ihren man» aelnben Abrüstungswillen durch Aus­flüchte zu verdecken suche. DieDeut- f cf) e Zeitung" bezeichnet die Note als ein zweck­loses Dokument, das offenbar keinen anderen Zweck verfolge als den, der Beantwortung der 13 Fragen der Reichsregierung an die französische Regierung auszuweichen. DerLokalanzeiger" betont, daß die Methode Frankreichs, den schlechten Willen Frankreichs zu verstecken, überholt sei und auch in den anderen Hauptstädten keinen guten Eindruck machen werde. Bei aller Geschliffen­heit diplomatischer Ausdrucksweise, so erklärt die Deutsche Allgemeine Zeitun g", sei die französische Note in einer Form abgefaßt, die schul­meisterlich wirke und die deutsche Regierung mit unberechtigten Vorwürfen überhäufe. Nach An­sicht derBerliner Börsenzeitung" sei der Gesamteindruck des Schriftstückes ft a r f rück­schrittlich. Es bleibe bedauerlich, daß man in Paris wiederum nur die im Laufe vieler Jahre

London, 16. Febr. (DNB.-Funkspruch.) Die französische Antwortnote auf die letzte deutsche Denkschrift und die heute bevorstehende Abreise des Lordgeheimsiegelbewahrers Eden zu seinen Be­suchen in Paris, Berlin und Rom haben die Auf­merksamkeit der Londoner Presse wieder auf die Abrüstungsfrage gelenkt. Man meint: Bei seinen Besuchen in den drei Hauptstädten wird Eden d i e britische Abrüstungsdenkschrift erörtern und sestzustellen suchen, wie weit sie eine Grund­lage für Deutschlands Rückkehr zur Abrüstungskonferenz und zum Völker­bund und schließlich für eine Abrüstungs- konvention bilden könnte. Die Denkschrift ist nicht das letzte Wort. Aber die britischen Minister glauben, daß sie Möglichkeiten für eine Regelung gibt. Eden hofft, Doumergue und Barthou am Samstag zu sprechen. Er wird am Mon­tag nach Berlin weiterreisen. In Rom wird Eden am 26. Februar mit Mussolini Zusam­mentreffen. England werde vielleicht in der Si­cherheitsfrage unter gewissen Voraussetzungen ein Angebot machen, das über das der letzten Denkschrift yinausgeht.

Im Kabinettsausschuß für die Abrüstungsfrage wurde die französische Note geprüft. Es herrscht die Auffassung, daß sie eine entschiedene Ver­steifung Der französischen Haltung

auch die Garantie für die Besserung Der Lage wäre. Aber andererseits wäre nichts gefährlicher als eine Unklarheit. Es liege bei der deutschen Regierung, diese Unklarheit aufzuklären; die französische Regie­rung habe die Pflicht, die von ihr begrün­dete Auffassung aufrechtzuerhalten, die dem in ihrem Aide m&noire vom 1. Januar festgelegten Programm zugrundeliege.Ohne die Gegenseitigkeit und Aufrichtigkeit der gleichen Ab­sichten der deutschen Regierung in Frage zu stellen, ist sie der Ueberzeugung, daß eine Verhandlung nicht dabei verliert, wenn die Meinungsverschie­denheiten, die einer endgültigen Einigung im Wege gestanden haben, erkannt, einander angenä- hert und sogar einander gegenübergestellt worden.

schon zu Bergen angeschwollenen Abrüstungsakten um ein weiteres unfruchtbares Dokument bereichert habe. Auf die Art und Weife, wie die neue fran­zösische Regierung die Kardinalfrage des europä­ischen Friedens anzufassen versuche, komme weder Europa, noch Deutschland, noch Frankreich weiter.

Oie pariser preffe zolli Barthou Beifall.

Paris, 12. Febr. (DNB. Funkspruch.)Petit Parisien" weist Darauf hin, daß zwar die Tür für einen Meinungsaustausch offengelassen sei, daß Frankreich aber seine Verteidigungsstreitkräfte nicht verringern könne, ohne daß eine Regelung inter­nationaler Solidarität, gegenseitigen Beistandes und angemessener Kontrolle hergestellt sei. Die Der- ständigungsaussichten seien also recht gering geworden.

Echo de Paris" begrüßt es, daß durch die Note Deutschland über den wirklichen Stand seiner Streit­kräfte befragt werde. Die Stunde fei gekommen, hie Debatte wieder nach Genf zu leiten und sie dort zum Abschluß zu bringen. Das Blatt hofft, man werde französischerseits dem englischen Abgesandten Eden am Samstag' in Paris klar- machen, daß Frankreich angesichts des militärischen Erstarkens Deutschlands und des offenkundigen Niederganges der internationalen Organisation nicht auf d i e Freiheit seiner Vor be­reitungsmaßnah men verzichten könnte.

Besonders fcharf nimmt derFigaro" Stellung. Barthou müsse gelobt werden, daß er sich m i t aller wünschenswerten Klarheit aus­gedrückt habe. Da es wenig wahrscheinlich sei, daß Hitler seine Ansprüche herunterschraube, bleibe Frankreich nur noch Die Möglichkeit, die Mächte auf die Verletzungen aufmerksam zu machen, Die Deutschland sich in seinen militäri­schen Vorbereitungen habe zuschulden kommen las­sen. Jetzt habe Deutschland das Wort; Deutschland müsse mit Ja oder Nein sagen, ob es das Wett­rüsten walle und ob es bereit sei, auch die Verant­wortung dafür zu übernehmen. Aber Deutschland müsse wissen, daß Frankreich nicht mehr warten werde, um zu handeln.Le Jour" schreibt, die Franzosen würden den Text der französischen Note mit Erleichterung lesen. Die Energie und Entschlossenheit, mit der alle Zweideutigkeiten zu­rückgewiesen und der würdige Ton der Antwort seien Eigenschaften, die die früheren französischen Außenminister in Vergessenheit hatten geraten lassen.

zeigt. Eden wird sich keine Illusionen über die Schwierigkeiten seiner Mission machen.Times" sagt: In Paris wird Eden die Gründe zu erklären haben, Die Die britische Regierung mit Bebauern zu Dem Schluß habe führen müssen, daß es jetzt unmöglich sei, eine Vereinbarung zu erwarten, Die nicht Das Recht Deutschlands auf den Besitz gewisser Waffen anerkennt, die ihm gegenwärtig versagt sind. Die neueste französische Note sckeint dieses Recht nicht anerkennen zu wollen, obwohl es unmißverständlich in dem Konventionsentwurf her britischen Regierung ein- geschlossen ist. Auf jeben Fall muß es als bas unveräußerliche Recht jebes souve­ränen Staates betrachtet werben, bie Mit« telzu seiner Selbstverteibigung zu be­sitzen. Defensive Waffen finb in hem Konventions- entrourf bezeichnet. Französische amtliche Kreise haben wissen lassen, baß sie glauben, Deutschland) rüste militärisch auf. Aber es liegen keine A n - Zeichen vor, baß irgenb jemand Deutschlanb in Verbacht hat, schwere Angriffswaffen her­zustellen.Daily Chronicle" meint, wenn Eben bei seiner Rückkehr einen leiblich hoffnungsvollen Bericht erstatten kann, bann besteht Aussicht, baß bie britische Regierung vorschlagen werbe, eine Konferenz von acht ober neun Staaten nach einem anberen Ort als Genf einzuberufen.

Das Echo her Berliner preffe.

Edens Mission auf der Europareise

Die Times erkennt das Recht Deutschlands auf Verteidigungswaffen an.

Warnungen aus London Beobachtungen britischer Korrespondenten in Wien.

Eonbon, 16.Febr. (DNB.-Funkspruch.)News Chronicle" wird aus Dien berichtet: Die Erwar­tung, bah die österreichische Arbeiterschaft in ihrer Verzweiflung zu den Nationalsozialisten übergehen werde, hat sich bereits bestätigt. Eieber Hitler als Dollfuß" und ähnliche IDorte konnte ich gestern bei einem Besuch in einem Arbeiterviertel hören, das schwer unter der Be­schießung gelitten hat. Die Zeitungen fahren auf Weisung von oben her fort, irreführende Darstellungen über die Ursachen und den Verlauf der Unruhen zu veröffentlichen. Um dem Publikum die volle Kenntnis der Tatsachen vorzu­enthalten, hat die h e i m w e h r am Donnerstag d i e Geschäfts st ellen der größten Zei­tung s-vertriebsgesellschaften über­nommen, um die ausländischen Blätter einer Zensur zu unterwerfen, bevor sie an Zei­tungshändler gehen.

3n der presse wird die Hoffnung ausgesprochen, daß es nicht zu der von den Sozialisten voraus­gesagtenHinrichtungsorgie" kommen werde.Daily Telegraph" erfährt, die britische Regierung habe in der diskretesten und freundschaftlichsten Weise dem Bundeskanzler und der österreichi- schen Regierung gegenüber der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß diese Wilde zeigen werde. Die neue französische Regierung habe, wie es heißt, in Wien ähnliche Rat­schläge gegeben. Großbritanniens Rat fei im verlaufe diplomatischer Erörterungen gegeben wor­den und habe keinen formellen Schritt bedeutet.

Gtarhemberg fordert die völlige Diktatur.

London, 16. Febr. (DNB. Funkspruch.) Ver- chiedene Blätter melden aus Linz Interviews mit »em Heimwehrführer Fürst Starhemberg. Er oll erklärt Haden, baß jetzt in Oesterreich eine völ­lige Diktatur bie halbe Diktatur von Dr. Dollfuß ersetzen müsse; es werbe unver­meidlich sein, dieser Tage einige sozialistische Füh­

rer zu hängen, allerdings sei er mehr für Erschießen als für Erhängen, denn sie hätten tapfer gekämpft. Es wäre denkbar, daß man ein Kompromiß mit den österreichischen National- s o z i a l i st e n zustande brächte. Gegenwärtig aller- bings könne er keine Grundlage für Verhandlungen entdecken. Die Nationalsozialisten würden vielleicht sich im Kabinett mit dem Posten des Innenministers und Des Ministers für öffentliche Arbeiten begnü­gen, aber dies könnte sich als basdünne Ende eines Keiles" Herausstellen.

Die tschechische Währungsreform

Herabsetzung des Goldgehaltes der tschechischen Krone um ein Sechstel. Prag, 15. Febr. (DNB.) Die Regierung unter­breitete dem Abgeordnetenhaus einen Gesetzentwurf, durch den der Goldgehalthertschechischen Krone um ein Sechstel, von 44,58 auf 37,15 Milligramm herabgesetzt wird. Die National- bank wird verpflichtet, eine Golddeckung von m i n b e stens 2 5 v. H. bes gesamten Banknoten- Umlaufs aufrecht zu erhalten. Der Zuwachs an ®°lbmert, her aus her Umrechnung entsteht, wird auf die Staatsnotenschuld verrechnet werden. Mb