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Ur. 136 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Donnerstag, 14. Zuni 1934

Oeuffchlandflua 1934

Aus der Provinzialhauptstadt

es uns bei muß unser

gekennzeich- des neuen

Blumen- und Gemüsegarten umgeben. Hinblick auf die F r e i z e i t g e st a l werktätigen Menschen ist die Kleingar- Gartensiedlungsbewegung von hoher

'S

den Fliegern, Glück der deutschen Sportfliegerei, die diesmal weniger das zu zeigen hat, was der ein­zelne vermag, sondern was die Gemeinschaft leistet. Denn gruppenweise müssen die Strecken zu­rückgelegt werden, gruppenweise müssen die Flieger landen. Die fliegerische Disziplin, das Hand-in- Handarbeiten, das Gleichbleiben der Leistung und die Gemeinsamkeit des Willens und Handelns unserer Sportflieger werden sich auf dem Deutsch­landflug vom 21. bis zum 24. Juni herauskristal­lisieren und zum Quell neuer Kraftentwicklung

zum Bewußtsein.

Doch damit sind die Aufgaben schon net, die der Erfüllung am Eingang Deutschlands harren.

Nicht auf materiellen Gewinn soll unserer Arbeit ankommen. Vielmehr

platz neben der Arbeitswelt neben der Wohnung im Mietshaus, Tausende und aber Tausende fol­gen diesem Beispiel. Wenn man diese Bewegung in ihrer Entwicklung zurückverfolgt, so entdeckt man, daß sie in diesem Jahr ein siebzigstes Geburtstags­fest feiern kann. Zwar werden manchmal die Är- mengärten, die schon zu Beginn des 19. Jahrhun­derts in einigen Städten des deutschen Nordens wie Flensburg, Kiel, Königsberg von den Fürsorge­behörden eingerichtet wurden, als Vorläufer ge­nannt. Damit scheint uns aber eine völlig falsche Richtung bei der Suche nach dem Ursprung der Kleingartenbewegung unserer Tage eingeschlagen worden zu fein; denn es handelte sich um behörd­liche Maßnahmen im Rahmen der von den Städten damals mit viel Widerwillen zwangsmäßig über­nommenen Fürsorgeverpflichtungen für die Armen. Der deutsche Kleingarten ist aber aus einem ganz anderen Geiste erwachsen, wobei allerdings die große soziale Bedeutung dieser Bewegung heute mit Recht städtischen und staatlichen Schutz genießt. Die eigentliche deutsche Kleingartenbewegung setzte erst später ein, als zum ersten Male ein Gegen­gewicht gegen die im Zeitalter der Industrialisie­rung sich entwickelnde Verstädterung gesucht wurde.

Als der Arzt Moritz S ch r e b e r mit Hilfe des

psychologischer und sozialer Bedeutung; sie findet deshalb in der sozialen Volksgemeinschaft mit Recht eifrige Förderung.

Das neue Geschlecht, vor allem in den ersten Kindheitsjahren, dort in der Familiengemeinschaft und zugleich im engen Zusammenleben in den kleinen Gartengemeinden aufwachsen zu lassen, ist die Zielsetzung der heutigen Kleingartenbewegung. Der Gedanke, der Schreber zur Einrichtung der ersten Gärten für Kinder führte, findet also in einem neuen tieferen Sinne seine Erfüllung. Nicht nur Freude und Gesundheit werden dem kleinen Kindervolk dort zuteil, es wird auch bereichert durch ein inniges Verhältnis zur Natur, zu Bäumen, Blumen und Tieren, die in der Pflege und Obhut der Menschen dort draußen gedeihen. Aus dieser Liebe zur engsten naturhaften Umwelt erwächst dann die Liebe zur weiteren Heimat, die in ihrer einfachsten Gestalt als fruchtbares, von Menschen­hand gehegtes Land unter dem Himmel ruU.

Diese kleinen Gärten und Häuschen bewährten sich in Zeiten wirtschaftlicher Sorge als Hilfe bei der Lebensmittelversorgung und wurden vor allem in der Kriegszeit zu einem ernfthafen Faktor der Ernährung der breiten Massen der Großstädte. In den nachfolgenden Jahren der Wohnungsnot muß­ten diese Lauben oft als ständige Wohnungen die­nen; erst in den letzten Jahren haben an manchen Orten diese dauern bewohnten Laubenkolonien den planmäßigen Stadtrandsiedlungen Platz gemacht. Auch der große Siedlungsgedanke steht mit der Kleingartenbewegung in engstem Zusam­menhang. Es ist, als würde der arbeitende Mensch, der sich vor der Stadt ein kleines Stück Erde -unter dem Himmel für sich und die Seinen von dem Reichtum der Natur zurückgewann, mit geheimnis­vollen Kräften von diesem' Fleck angezogen. Aber es ist nicht Stadtflucht, sondern er steht in einem guten geordneten Verhältnis zur Stadt. In ihr vollbringt er sein Tagewerk, seine Freizeit aber ge­hört dem kleinen Stück Erde, wo sein eigenes Haus

Lange liegt das kleine Stück Land tot vor der neuen Häuserreihe, ein Bauplatz, für den noch nicht die Zeit gekommen ist, auf dem sich Abfall und Scherben ansammeln und der zum Schuttabladeplatz der Anwohner geworden ist. Und eines Tages betritt am späten Nachmittag, von der Arbeit kommend, ein Mann mit Frau und Kindern dieses Land. Er zeigt über den Platz und ergreift mit dieser Gebärde von ihm Besitz. Seiner kleinen Gefolgschaft erklärt er, wo der Zaun verlaufen soll und der breite Mittelweg, an dem die Beete liegen werden, und da in der Ecke die Wassertonne und der Misthaufen. Hier soll die Laube stehen, an der sich Geißblatt emporranken wird und dort ein Sandhaufen eingerichtet werden und eine Schaukel. Von Tag zu Tag erfüllt sich dieser Plan. Die kleine Gebärde erweckt den Boden; unter Mühe und Schweiß, ungezähltem Umgraben und Wasser­tragen entsteht das erste grüne Beet und dann ein zweites. Schließlich ist ein Garten da und mitten­drin, Stück für Stück herbeigetragen, das Häus­chen, das Herz dieses Kleingartens. An diesen Gar­ten reihen sich andere, ein ganzes Vorland vor der Stadt ist erobert für feierabendliches Ausruhen und langes Genießen an den Sonntagen.

Nicht nur ein einzelner schafft sich so einen Lebens-

heit wie an Tugenden. Ein Land, wo der Hand­schlag gilt. In Italien gilt nicht einmal ein Vertrag, wenn er nicht amtlich registriert ist.

Und endlich das Schönste am deutschen Sommer: manchmal regnet es. Nein, das könnt ihr natürlich nicht wissen, was das heißt. Jeder Deutsche sollte eigentlich einmal den berühmtenewigblauen Himmel" des Südens bis zur Lähmung aus­kosten . . .

Deutsches Land begnadetes Land!

Ehrgeiz darin liegen, daß die Leistung zu entscheiden hat, welche der Gesamtheit in irgendeiner Form zum Nutzen gereicht, daß die Gesinnung bewertet wird, aus der heraus eine Tat geschieht! Der alte Kantsche Grundsatz gelangt endlich wieder zu Ehren:Handle stets so, daß die Prinzipien deiner Handlungsweise Prinzipien einer allgemeinen Gesetzgebung sein könnten."

Und so sicher wir ein Recht daraus besitzen, auf unsere Leistung stolz zu sein, der Schlosser am Schraubstock, der Bauer am Pflug, der Arzt am Operationstisch, der Gelehrte auf dem Katheder, so wenig soll andererseits uns doch die Art der Arbeit zur Anmaßung und zur Überheblichkeit ver­führen. Die freiwillige bescheidene Eingliederung aller in die große gemeinsame Arbeitsfront der Na­tion ist eine wesentliche Forderung der Erziehung zum neuen Staat.

Um dies Ziel aber zu erreichen, muß Disziplin geübt werden! Keine Disziplin, die aus dem Ka­davergehorsam erwachsen ist. Sondern eine, die auf der Selbstzucht beruht und auf dem Geist der Kameradschaftlichkeit! Das sind Tugenden und Eigenschaften, deren sich unser Volksheer im Welt­kriege rühmen durfte, solange wenigstens, wie volksfremde und volksverderbliche Einflüsse von ihm ferngehalten werden konnten.

Im übrigen muß die Sache unseres Vaterlandes uns eine Herzensangelegenheit fein! Wer das nicht begreift, hat noch keinen Hauch der neuen Zeit ver­spürt! Nutznießer der neuen Zeit, Konjunkturhelden und Postenjäger werden entlarvt werden und mit

Schuldirektors H a u s s ch i l d in Leipzig 1864 Kinderspielplätze schuf, auf denen er zur Unterhal­tung und zur Erziehung der Kinder zum Verständ­nis für die Natur zum ersten Mal Blumenbeete einrichten ließ, ahnte er allerdings noch nicht, daß aus diesem pädagogischen Gedanken eine gewaltige Bewegung erwachsen sollte, die später den Millio­nen der Großstädte die notwendige Erholung ver­mittelte und ihnen die Freude an der Natur wieder schenkte, die sie in den Mietskasernen eingebüßt hatten. Er gab ihnen eigentlich erst den Sonntag wieder, der in der Großstadt verloren zu gehen drohte. Der große Zuspruch, den diese Kindergärten, in des Wortes buchstäblicher Bedeutung, fanden, ermutigte Schreber, auch kleine Gartenstücke für die Erwachsenen mit diesen Kinderspielplätzen zu verbinden, Gemüse- und Blumengärten, die nut dem Namen Schreber für immer verbunden blei­ben sollten. Von Jahr zu Jahr stieg die Zahl die­ser Schrebergärten. Wo immer ein Stück Land un­genutzt lag, als Bauplatz oderNiemandsland", es wurde sofort von fleißigen Händen in einen blühenden Garten verwandelt.

Wenn die wachsenden Städte über die klemen sorgsam behüteten Gärten schließlich hiywegschrit- ten, so wurde unverdrossen im weiteren Städtgür- tel ein Vielfaches des verlorenen Bodens für die kleinen Gärten aufgeschlossen. Es war, als befänden sich die Riesenbauten Der kleinen Städte und die blühenden Gartenflächen in einem Wettstreit um das Herz der Stadtbewoh­ner. In den Laubenkolonien entwickelte die Liebe zum Garten neue Formen, nachdem die Garten­laube der Hausgärten zum Spottbild für eine längst dahingeschwundene Bürgerlichkeit geworden wär. Wenn dort eine kleine Hausgemeinschaft in behäbi­gem Wohlstand ihre Mußestunden verbrachte, so war es hier eine aus vielen Familien entstandene kleine Gemeinde, die sich zusammengehörig fühlte und gemeinsame Arbeiten bewältigte, ob es sich nun um die Anlage einer Wasserleitung oder um die Herrichtung einer gemeinsamen Zugangsstraße handelte. Wenn sich dann die viele Mühe lohnte und auf diesen kleinen Flächen geerntet wurde, dann zeigte sich die nachbarliche Gemeinschaft in gemeinsamen Festen mit Kinderjubel, Umzug, Mu­sik und Tanz.

'Zeitschriften.

Im Juniheft derDeutschen Zeit- s ch r i f t", (Verlag Callwey, München) ist es vor allem ein Aussatz Heinrich Weinstocks unter der UeberschriftNeue Begegnung mit den Griechen", der dem Hefte aktuelle Wirkung sichert. Unter nä­herer Betrachtung dreier Selbstzeugnisse griechischen politischen Denkens: ber von Thukybides überliefer­ten Rede des großen Perikles auf die Gefallenen des Jahres 431 v. Ehr., derAntigone" des So­phokles und eines politischen Briefes Platons über das ThemaGeist und Macht" untersucht Weinstock, der als überzeugende Belege feiner Darlegungen die Rede des Perikles und den Platonbrief in eige­ner Ueberfetzung beifügt, inwieweit die griechisch antike Auffassung des Politischen für die Verwirk­lichung der völkischen politischen Idee im neuen deutschen Volksstaat lebendig und fruchtbar gemacht werden kann. Nicht weniger bedeutsam scheint die ausgezeichnete Akademierede Heinrich Wölfflins aus dem Jahre 1914 überDie Architektur der deutschen Renaissance", womit der Meister klassischer Kunst­betrachtung es unternimmt, das Verhältnis zwischen deutscher und italienischer Renaissance auf die ent­scheidenden Begriffe zu bringen. Jrn literarischen Teil des Heftes werden wir mit dem irischen Dichter William Butler Peats durch Aufsätze H. Brauns und B. v. Heiselers sowie Proben seines lyrischen, epischen und dramatischen Werkes näher bekannt gemacht. Film- und Buchberichte machen den Be­schluß des wertvollen Heftes, das einige Abbildun­gen deutscher Renaissancebauten schmücken.

Gärten vor der Stadt. 3um 70. Geburtstag der Schrebergartenbewegung Von Or. Jürgen Schäfer.

Sochscbulnnrbnc^teri

Wie das Personalamt mitteilt, wurde der Privat­dozent Dr.-Ina. Karl Lieser zu Darmstadt mit sofortiger Wirkung zum Führer der Do­zenten schäft an der Technischen Hochschule er­nannt.

Der nichtplanmäßige ao. Professor Dr. C. Wag­ner an der Universität Jena hat einen Ruf als ao. Professor für physikalische Chemie an die Tech­nische Hochschule in Darmstadt angenommen.

Aufgaben.

Von W. G. Eckewart.

Was nicht im Blute liegt, hält nicht vor!" Fr. Hebbel.

Immer wieder muß es unserem Volke tief ins Herz hineingehämmert werden, daß wir nicht am Ende, sondern erst am Anfang der großen deut­schen Erhebung stehen. Immer wieder müssen wir uns der Aufgaben bewußt bleiben, die zu lösen sind, damit das gigantische Werk unseres oolklichen Er­wachens der Vollendung entgegenzureifen vermag. Und immer selbstverständlicher noch müssen alle Schichten unseres Volkes zu der Einsicht und Er­kenntnis gelangen, daß der Umwandlungsvorgang bei jedem Einzelnen nur von innen heraus erfol­gen kann. Es wird oft und laut von der Volks­gemeinschaft gesprochen, am lautesten meist von Denen, in welchen Der Wille zur Volksgemeinschaft nur schwach entwickelt ist und die vom Wege zu wahrer Volksgemeinschaft noch am weitesten ent­fernt find. Aber wie unsäglich schwer es ist, Volks­gemeinschaft wahrhaft zu verwirklichen, wieviel Kampfeswille und Glaubenskraft, wieviel Begeiste­rungsfähigkeit und nie erlahmender Opfersinn dq- zu gehören, das kommt vielen vorläufig noch nicht

Das alles ist euch selbstverständlich? Na ja, dann dürft ihrs den Ausländsdeutschen nicht verdenken, wenn sie gleich beim Einfahren in die Heimat ein Gefühl der Rührung befällt.

Und wir schauen aus dem Fenster: Deutschland begnadetes Land! Was hast du eigentlich nicht, was fehlt dir? Meer und Berge find dein, Seen und Wälder, Moore und Heiden. Ein Königreich für einen deutschen Froschtümpel!

Man dreht den Hahnen auf und Wasser kommt heraus, als ob es eine Selbstverständlichkeit wäre. In Rom sickert es haarfein in Blechbehälter, die auf dem flachen Dach in der (Sonnenglut stehen, und davon zehrt dann das ganze Haus. Selbst im rei­chen Amerika ist es oft nicht viel anders. Ihr aber würdet verwundert fein, wenn ihr nicht auch an einem kleinen Ort frisches, kühles Trinkwasser nach Belieben hättet. Selbst in den Bergen um Rom herum, wo das Wasser herkommt, muß der Haus­besitzer sich absorgen, ob und wie er in sein Heim hineinbringt. Er muß es nach Zwanzigsteln kau­fen, dem zwanzigsten Teil einer Unze, die 20 000 Liter beträgt, und dieses tägliche Minimum von tausend Litern kostet jährlich 60 Mark! Die Unze 1400 Mark. In einem Dörfchen am Bodensee zahlen sie dafür nur 7 Mark, sieben Mark! Und doch haben die Römer allen Grund, zufrieden zu sein, gibt es doch noch manche Gegenden in Italien, wo das Wasser teurer ist als der Wein.

Gewiß, man soll nicht zu viel vergleichen, jedes Land hat schließlich seine Vvrzüae, und in Deutsch­land vermisse ich zum Beispiel den Espresso sehr. Auch kriegt man dort keinen Liter Frascati für 40 Pfennige, und winters ist oft alles wochenlang grau in grau. Aber habt ihr nicht auch einen Wun­derfrühling gehabt, wie ihn nun und nimmer der Süden zustande bringt? Wir denken an die Blüten­pracht des Odenwalds, an die schneeweißen Damp­fer und die blonden singenden Mädel wie hell das alles ist, wie licht und rein! Deutschland das schönste Land. Fahrt an der Saale entlang und dann an des Ebros Strand! Konstanz ist eine Kleinstadt, aber sie ist an Anlage nicht minder groß­zügig als Zürich, die Sauberkeit ihrer Außenquar- tiere findet im Süden nicht ihresgleichen. Schaut die deutschen Dome an und dann die südlichen Barockfassaden mit ihren kahlen, häßlichen Seiten­wänden, vom Rücken ganz zu schweigen. In deut­schen Kleinstädten gibt es alles, was man in Se­villa mit der Laterne suchen und doch nicht finden würde.

Die deutsche Wohnkultur! Diese Kcmfläben! Diese Kurorte! Alles strahlend vor Sauberkeit, blitzblank, geordnet, ansprchend. Ach, wo anfangen, wo auf­hören, wie reich ist das deutsche Land, an Schön­

steht, vom Gerade im t u n g des ten- und

Begnadetes deutsches Land.

Von Gustav W. Eberlein.

Wenn der Deutsche aus dem sonnigen Süden in die Heimat zurückkehrt und von der ersten Schnake gestochen wird, dann lächelt er. Schimpft nicht, haut nicht, ärgert sich nicht. Er schaut zu, wie es dem Kerl schmeckt, er lächelt dabei und ist glücklich. Denn mit einem Stich und einem Schlag geht ihm jedes Jahr wieder die beseligende Erkenntnis von der Gnade aus, die über dem Land des Nor­dens liegt und sich schon in einer derart banalen Angelegenheit äußert. Welch ein Unterschied zum gepriesenen Süden, gleichviel, ob einer nun Italien oder Mazedonien ober- Nordafrika meint. Wenn die Schnaken jenseits der Alpen stechen, dann gibt es einen kleinen Schmerz, eine sanfte Beule, und dann ist die Sache erledigt.

Im goldenen Süden aber kriegt man die Ma­laria. Wenn eine Stechmücke nur um einen herum­sirrt, dann sieht sie ängstlich aufgerissene Augen, er­lebt ein wütendes Herumschlagen und hört den Rus des Sommers:Chinin! Um Gotteswillen Chinin!" Sie braucht sich gar nicht erst darüber auszuweisen, daß sie ein authentischer Anopheles ist, man glaubt ihrs auf den ersten Blick. Wer am Abend eine Reifenpanne hat, greift zuerst zu den rot verzuckerten Staatspillen, dann erst zum Wagen­heber. Niemand zeltet ungestraft unter Palmen, die in Wirklichkeit halbverdorrte Steineichen sind. Der blauen Küste entlang schauen quittengelbe Ge­sichter aus verrosteten Drahtnetzen heraus; keine Eisenbahnstation, die nicht solchermaßen gesichert wäre.

Droben in der Heimat können wir uns abends niederlassen, wo es uns gefällt, an einem Frosch- Tümpel sogar, mitten im Wald können emschlasen ohne Gefahr. Wißt ihr, was das heißt?

Stell/ euch Deutschland ohne Wald vor, ohne Wie­sengrund, ohne lauschige Spazierwege, legt eine blaue Glasglocke über dieses Land und hangt eine meifcalübenbe Lampe, nein, eine fengenbe Feuer- queUe hinein bann habt ihr ben sommerlichen Lüben? Walb! Was das ist, das kann nur erfas­sen, wer ihn entbehren muß. Unb hat schon ein­mal einer in Italien ein Eichhörnchen gesehen oder ?ar ein Reh? Wäre ein Elchendorff hier denkbar? Schön sind die Zypressen, monumental und feier­nd) aber leblos. Wären sie aus Stein, sie sahen gerade so aus. In meiner italienischen Gramma­tik, das heißt, in der Schulgrammatik, die bet Beut sche hernimmt, wenn er den kühnen Entschluß ge

faßt hat, sich in die Sprache Petrarcas zu stürzen, steht der wunderbare Satz: O wenn doch die ganze Welt wie die Toskana wäre! Nun, dann gäbe es vor Langweile schon längst kein Bevölkerungs­problem mehr. Die toskanische Landschaft ist in ihrer Art eine Herrlichkeit ohnegleichen, und im Frühling, wenn man die Sonne noch sucht, kann man sich in sie verlieben. Aber wie könnte sie sich ernstlich mit dem deutschen Sommer messen! Wir haben in den letzten Wochen viel vonbeutfdjen Pfingsten" gelesen und dieses Wort ist wahr wie nur je eines. Italienische, spanische Pfingsten in diesem Sinne gibt es nicht, wie es überhaupt keinen Pfingstmontag hier gibt. Zu Dutzenden zogen an diesem Blütenfest faschistische Studenten nach Deutschland und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Es gibt große und prachtvoll gebettete Seen auch um Rom herum, auch im tiefen Süden. Aber dort kann man kein Ruderboot mieten, kein Segel belebt sie, es gibt feine Ausflugswirtschaften, es gibt das überhaupt nicht, was wir einen Ausflug nennen. Es ist nicht einmal das Gefühl, das Empfinden, das Verlangen dafür Und danach vorhanden. Seit Jah­ren bemühen sich Sportfreunde, die Deutschland kennengelernt haben, das Paddeln in Italien ein­zuführen. Umsonst. Wie wäre es auch denkbar, wo der Sinn für Wandern fehlt, wie die Wege dafür. Radfahren um des Fahrens willen? Wer sollte das verstehen? Sv etwas tut nur, wer muß, ober werrennen" will.

Wenn in Deutschlanb bie Wolken auseinanber- gehen, bann reißt ber Autofahrer sofort bas Ver­beck herunter, er will sehen, Lanbschaft genießen. Im Süben find bieoffenen" Wagen beinahe aus­gestorben, niemanb will sie haben. Autos werben als Beförberungsmittel betrachtet, unb bamit basta. Daher bie vorzüglichen Straßen in Spanien, bas boch sonst ein bißchenzurück" ist, weit mehr noch als Italien, was ben freien Umgang der Geschlechter betrifft. Parken im Grünen, übernachten in einem Wochenenbhaus zuweilen hört ber Süblänber solche Mär aus fernem Lanb, aber er glaubt nicht daran unb will es keinesfalls selber ausproben.

Das erste, was man nach bem Überschreiten ber Grenze im Eisenbahnzug sieht, ist bie Rein­machefrau. Sie hat einen Putzlappen, ber sauber ist. In ber stillen fahrenben Klause gibt es, sogar 3 Klasse, Seife unb Hanbtücher. Dann, kaum sitzt man mieber in feinem Abteil, kommt ein weißgeklei­deter Mensch herein unb fragt, was gefällig sei, Kaffee, Kuchen, bitte sehr. Nach einer Stunbe kommt er roieber unb bietet Suppe an. Man kann zu jeder Zeit in ben Speisewagen hinüber unb nach ber Karte essen.

große Schleifen finb in vier Tagen von unseren Sportfliegern abzufliegen. Nach allen Richtungen gehen sie, wie ein großes vierblättriges Kleeblatt liegt bie Strecke auf ber beutfchen Lanb- farte. Die eine nach bem Osten abgefteckte Strecke umfaßt Ostpreußen unb Pommern, bie <5üboft = schleife berft fick) mit ben Ränbern Schlesiens, im Norbwesten werben Schleswig, Dlbcnburg, Hannover unb Braunschweig umrunbet, unb im Süben ist ein langgezogenes Oval, bas bis Rei­chenhall reicht, abzufliegen. Den Blättern des Glücks- ullu ÖUlll wucu

klees gleichen bie großenSchleifen. Glück wünschen wir unseres Flugsports werben.

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