3ur Folge, mit allen Wellenm gen, die sich daraus ergeben.
Man bedenke, was es heißt, wenn beispielsweise in einer Stadt wie Halle an der Saale 24,4 bis 61 o. H. der Knaben und 25 bis 63 v. H. der Mädchen je nach der Wohngegend kein eigenes Bett hatten, wenn in der Reichshauptstadt rund 40 d. S). mit Geschwistern ober den Eltern ober gar Fremben sich in ein Bett teilen mußten, wenn dieser Grundsatz selbst für das ganze Land Preußen Gültigkeit hat. Wie sollen sich unter solchen Umständen Scham und Achtung in gesunder Weise entwickeln, wie soll dabei auch nur die rein körperliche Gesundheit gewahrt bleiben? Die Bedeutung ist nicht nur für die alltäglichen Krankheiten offensichtlich, sondern mehr noch für die Geschlechtskrankheiten unb bie Tuberkulose. Das Zusammenschlafen ist immer mieber bie Ursache für solche Ansteckungen, bie um so trauriger sinb, wenn sie burch Frembe (Schlafburschen) eingeschleppt werben. Für bie Ge- funbung unseres Nachwuchses läßt sich barum bie Aufgabe in ben Satz zusammenfassen: jebem Kinb sein eigenes Bett!
.Das hat nun natürlich zur Voraussetzung, daß nicht nur genügend Wohnungen geschaf - f e n werden, sondern daß sie auch den Mindestanforderungen an Größe und hygienischer Ausstattung entsprechen. Hier verbindet sich das bevölkerungspolitische Werk der Reichsregierung auf das engste mit dem Arbeitsbeschaffungsprogramm durch den Bau von Wohn-Hei m statten, wie sie der nationalsozialistische Staat für seine Volksgenossen fordern muß. Man konnte auf den Gedanken kommen, daß durch die Auswirkungen der sinkenden Geburtenziffern ein erheblicher Wohnungsneubau nicht in Frage kommt. Aber das ist ein Irrtum,
denn in den vergangenen zwanzig Jahren ist eben unverhältnismäßig zu wenig gebaut worden. Hinzu kommt der Ersatz von überalterten Häusern und vor allen Dingen die Notwendigkeit, Wohnungen zu schaffen,die der kinderreichen Familie die Heimstatt gewährt, die ihr gebührt. Unter dem Druck der Wirtschaftskrise ist in der Vergangenheit gerade hinsichtlich der Raummenge ein erheblicher Fehlbau getrieben worden, der nun in Zukunft ausgeglichen werden muß.
Dazu aber müssen wir bedenken, daß wir sicher bis 1960 — die folgende Zeit können wir heute noch nicht genügend übersehen — mit einem Zuwachs an Eheschließungen zu rechnen haben, damit also ein größerer Bedarf an Wohnungen nötig wird. Diese Vermehrung wirb auf über brei Millionen geschätzt. Davon wirb gewiß ein Teil burch Sieblung auf Bauern- oberKleinsiebler- stellen untergebracht werben. Die Ueberzahl ber Wohnungen wirb aber trotzbem in ben Stabten zu schaffen sein, wo bie Zahl ber Haushaltungen, die ohne eigene Wohnung sind, heute noch etwa eine Million zählt. Wenn wir dann noch bedenken, daß eine gesundheitliche Aufgabe ber nahen Zukunft ist, die Wohndichte in den Städten aufzulockern, die Wohnkasernen zum Verschwinden zu bringen, niedrigere Häuser, die mit mehr Freiflächen umgeben sind als bisher, zu schaffen, dann wird offensichtlich, welche großen Ausgaben noch, und zwar baldigst, zu lösen sind. Allein aus diesem sozialen Programm ergibt sich eine solche Fülle von Arbeit, daß mindestens ^ür die nächsten zehn Jahre eine mehr als hinreichende Beschäftigung der Bauwirtschaft in allen ihren Zweigen gesichert erscheint.
Deutsches Volk—Deutsche Arbeit.
Die Zahresschau der nationalen Arbeit.
Äon Hans Oechsner, Berlin.
Ein Jahr liegt hinter uns. Es ist ein Jahr zäher Arbeit gewesen. Mit unvergleichlichem Aufbauwillen sind alle Teile der deutschen Wirtschaft an bie Lösung ihrer Aufgaben herangegangen. Sie alle haben das gemeinsame Ziel, unser Volk von der Geißel der Arbeitslosigkeit zu befreien. In diesem Ringen um die wirtschaftliche Freiheit unseres Volkes ist es notwendig, gelegentlich Rückschau über das Geleistete zu halten, und durch diese Schau gleichzeitig neue Kräfte für das kommende Leben in sich aufzuspeichern.
Am 21. April beginnt auf dem Messegelände am Kaiserdamm in Berlin d i e erste große Iah - resschau der nationalen Arbeit, die unter dem eindringlichen Kenntwort steht: Deutsches Volk — Deutsche Arbeit. Sie will eine Schau des schaffenden deutschen Menschen sein. Sie will uns allen, die wir werktätig an unserem Teil Mitarbeiten an dem Aufbau des Dritten Reiches, eindringlich zum Bewußtsein bringen, daß wir alle — wo auch immer wir stehen mögen — Zusammenhängen wie die Glieder einer Kette, daß alle Wirtschaftszweige auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden sind und daß der einzelne nicht mehr und nicht weniger darstellt als ein kleines, unscheinbares, aber dennoch sehr notwendiges Rädchen am großen Uhrwerk des wirtschaftlichen und volklichen Gefüges. Sie will jedem Beschauer Achtung vor der Arbeit ber anberen Stänbe vermitteln. Der Bauer soll die Arbeit des Technikers ebenso schätzen lernen, wie der Handwerker Ehrfurcht bekommen soll vor ber Arbeit schwieliger Bauernfäuste. Und alle sollen sich darüber klar werden, daß ihre Arbeit nur Sinn und Zweck hat, wenn sie ausgerichtet ist auf das eine Ziel: Deutschland.
Dieser hohen Zielsetzung entspricht die Gliederung der riesigen Ausstellung: Deutsches Volk — Deutsche Arbeit. Die Eingangshalle zeigt das geschichtliche Werden des deutschen Volkes. Wir erhalten einen tiefen Einblick in das kulturschöpfe- rische Wirken unserer Vorfahren in grauer Urzeit, wir lernen die Gründe kennen, die die seßhaften Urbauern der Stein- und Bronzezeit zu ihren ge
waltigen Wanderungen veranlaßten, wir erkennen anaesichts der bodenständigen bäuerlichen Kultur unserer Ahnen die Haltlosigkeit der Behauptung, daß unsere Altvorderen kulturlose Nomaden gewesen wären. Wir werden auf jene gewaltige West- Ostsiedlung hingewiesen, die im Mittelalter deutschen Lebensraum für das deutsche Blut sicherte. Wir erfahren aber auch, wie durch den Einfluß des spätrömischen Reiches und seiner Sendboten in Germanien das altgermanische Rechtsempfinden, das insbesondere im Boden die unveräußerliche und unteilbare Grundlage der bäuerlichen Familie sah, langsam aber sicher durch das in keiner Weise mehr gemeinschaftsbezogene „Römische Recht" zurückgedrängt wurde.
Wir werden weiter eingeführt in die rassischen Grundlagen unseres deutschen Volkes, und wir erkennen, daß es das ausbaufähige und | wehrhafte b ä u e r l i ch e B l u t ist, das der deutsche Mensch als Erbe seiner Väter in die Zukunft trägt. Dieses kulturschöpferische Blut gilt es vor Ent- ' ortung zu bewahren und durch besondere gesetzliche Maßnahmen zur gesteigerten Entfaltung zu bringen, denn die Leistungen unseres Volkes auf geistigem und wirtschaftlichem Gebiet sind in aller Zukunft abhängig von der Kraft, die aus dem arteigenen Erbgut unseres Volkes quillt. Dieses Erbgut ist am reinsten in unserem Bauerntum erhalten. Und jetzt verstehen wir auch den tiefen Sinn des nationalsozialistischen Agrargesetzgebungswerkes, das die Erhaltung unseres deutschen Bauerntums zum Ziel hat. Wenn der Führer zudem den Bauern nicht nur als die Wurzel des nationalen und völkischen, sondern auch des wirtschaftlichen Lebens bezeichnet, so tut er dies in dem Bewußtsein, daß durch eine tatkräftige Förderung der Landwirtschaft auch anderen Erzeugungsgruppen unserer deutschen Wirtschaft erheblicher Austrieb gegeben wird.
Aus diesen Wechselbeziehungen entwickelt sich ein gesunder und leistungsfähiger Binnenmarkt, der für Deutschland eine Lebensnotwendigkeit bedeutet. Wir sind weit davon entfernt, uns gegen das Ausland abzuschließen, im Gegenteil, wir legen großen Wert auf Handelsverkehr mit anderen
Ländern, soweit sich dieser unter Wahrung der Unabhängigkeit unserer Ernährung organisch entwickelt.
Die große Schau der deutschen Arbeit wird ein Zeugnis ablegen von den gewaltigen Anstrengungen, die auf dem Gebiete der Arbeitsbeschaffung gemacht werden. Wir bekommen einen Einblick in den Umfang, die Ursachen und die Wirkungen der Arbeitslosigkeit, dazu aber auch in die Maßnahmen zur Verminderung dieser tückischen Volkskrankheit, die in der Industrie und in der Landwirtschaft — im Reich sowohl wie in den Ländern — durchgeführt werden. Straßenbau, Instandsetzung von Gebäuden, Tiefbauarbeiten, vorstädtische und landwirtschaftliche Siedlung, Ueber- führung weiblicher Kräfte in die Hauswirtschaft, Forderung der Eheschließungen sind wichtige Marksteine auf diesem Wege.
Einen breiten Raum in der Darstellung der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen nimmt die A r b e i t s- tz i e n st p f l i ch t ein. Sie ist wohl das wirksamste Mittel, unserer Heranwachsenden Jugend praktische Volksgemeinschaft zu lehren und ihr die lieber»
zeugung beizubrrnaen, daß Handarbeit nicht schändet, sondern ehrt. Als praktisches Ziel des Arbeitsdienstes wird uns die Schaffung volkswirtschaftlicher Werte durch Deichbau, Entwässerungen, Urbarmachung von Oedländereien u. a. m. aufgezeigt.
Die deutsche Volkswirtschaft in ihren vielgestaltigen Zweigen gibt einen überwältigenden Anschauungsunterricht von dem Aufbauwillen des deutschen Menschen. Die Landwirtschaft mit ihrem Bestreben, die Unabhängigkeit der Nahrungsversorgung durch Bereitstellung hochwertiger Lebensmittel sicherzustellen, nimmt unser Interesse ebenso in Anspruch wie die Leistungen des Handwerks, das uns in seiner Schau Spitzenleistungen der Handwerkskunst und des Hausgewerbefleißes vorführt und uns dadurch seine Bedeutung veranschaulicht.
Wir sehen weiter die riesigen Leistungen der deutschen Industrie in allen ihren Zweigen — der Elektrizitäts-, Gas-, Wasser- und Derkehrs- wirtschast — sowie des deutschen Geisteslebens und verstehen den tiefen Sinn der Worte des Führers: „Ehret die Arbeit, achtet den Arbeiter"^
Geschichten ans aller Welt.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.
Napoleons Hans wird renoviert.
(d) Genua.
Als wieder einmal einige junge und alte Historiker von einem Besuch der Insel Elba und jener historischen Stätte, wo 1814 Napoleon I. weilte, zurückkehrten, mußten sie mit Betrübnis mitteilen, daß der Zahn der Zeit stärker sei, als das Interesse der Welt und der Geschichte für Elba. Denn das Haus Napoleons befinde sich in einem trostlosen Zu st and, der von Tag zu Tag schlimmer werde.
Es mußte etwas geschehen. Aber ehe eine Sammlung organisiert und bewilligt wurde, war es vielleicht zu spät. Deshalb wählte man den kürzeren und sicheren Weg: Man wandte sich an Mussolini. In zehn Minuten war, als man dem Duce den Zustand des Hauses des Korsen geschildert hatte, die Summe von 30 000 Lire bewilligt.
Schon ziehen die Maurer nach San Matino (Portofettaio), um mit den Renovierungsarbeiten zu beginnen. In einem Nebenhaus befindet sich ein Napoleon-Museum, das Prinz Demidoff einrichtete. Auch dieses Gebäude wird hergerichtet. Eine „Elba-Kommission" hat ihre Arbeit ausgenommen, und in einigen Wochen hat man, so hoffen die Historiker, den Zahn der Zeit vorläufig wieder einmal „plombiert".
Der Zirnmergenosse.
.(k) Santiago de Chile.
Ein gefährliches Abenteuer erlebte kürzlich der hier ansässige deutsche Kaufmann Wolfgang Schmidt, der die Vertretung einer großen europäischen Automobilfirma übernommen hat, bereift in jedem Jahre einmal die wichtigsten Ortschaften des gefamten südlichen Kontinents. Seit langem ist er bekannt dafür, mit besonderer Leidenschaft die wenig ausgeschlossenen Gebiete dieser Länder zu durchstreifen. Schon mehrmals hatte man ihn gewarnt und auf die Gefahren aufmerksam gemacht, denen er sich freiwillig aussetzte — aber ohne Erfolg. Trotz der überall umlaufenden Berichte von den Untaten eines berüchtigten Raubmörders unternahm Schmidt auch während feiner letzten Reife einen Abstecher in das reizvolle, aber sehr entlegene Küstengebiet. Er hatte Pech, erlitt eine Panne und blieb auf halber Strecke mit seinem Wagen liegen.
Es gelang ihm schließlich, in einem kleinen Gasthof Unterkommen zu finden — der einzigen menschlichen Ansiedlung in einem Umkreis von mehr als siebzig Kilometern. Der Gasthof war überfüllt, und Schmidt mußte wohl oder übel sein Schlafgemach mit einem fremden Reisenden teilen. Bald kamen die beiben ins Gespräch, tranken einander zu, und obwohl keiner von dem anderen wußte, verstand man sich bereits nach wenigen Stunden ausgezeich- net. Bevor man sich zum Schlafen legte, kam man
auch auf die Unsicherheit der Verhältnisse im Land zu sprechen. ,^Jch glaube an den ganzen Schwindel nicht", sagte Schmidt, „mir geschieht doch nichts. Meine gesamten Barmittel befinden sich in diesem kleinen Brustbeutel — den soll erst mal einer finden! — Sie werden mich ja nicht gerade ausrau- ben?!", lachte er bann. Der andere schmunzelte^ und über den guten Witz schliefen sie beide ein.
Am nächsten Morgen trennte man sich in aller Freundschaft. Schmidt bat um die Adresse des Fremden, an dem er Gefallen gefunden hatte. „Lassen wir das", lenkte dieser ab, „Sie konnten vielleicht einmal Schwierigkeiten haben, wenn Sie meinen Namen wüßten." „Komischer Kauz!", dachte Schmidt und verabschiedete sich. Am Ziel seiner Reise angelangt, erstand er sofort die bereits schmerzlich vermißte Tageszeitung. „Neue Bluttat des Raubmörders 2E", las er als Schlagzeile auf der ersten Seite, darunter „Das Bild des Untäters endlich gefunden", das lebenswahre Porträt — feines unbekannten Zimmergenossen! Welche Gefühle ben Kaufmann Wolfgang Schmidt in diesem Augenblick bewegten, ob er es bedauert, bie ausgesetzte hohe Belohnung nicht verdient zu haben, das ist leider nicht -bekannt geworden.
Wanzenkrieg.
(er) Kopenhagen.
Daß die Gerichte in ber heutigen Zeit sich mit Streitigkeiten aller Art, möglichen und unmöglichen, kleinen unb großen, zu beschäftigen haben, ist nichts neues. Man ist in dieser Beziehung an vieles gewöhnt. Einen Prozeß aber, in bem Wanzen eine Rolle spielten, bürste es so bald nicht wieder geben. Das Vergnügen, sich damit zu beschäftigen, hatte ein Kopenhagener Friedensrichter, vor dem sich ein Hauswirt und ein Teil feiner Mieter wegen jener kleinen Plagegeister gegenüberstanden. Schauplatz des Streits war ein vierstöckiges Haus in dem sog. Nyboderviertel. Dor zwei Jahren wechselte das Haus, dessen Besitzerin mit ihren Mietern in einem geradezu patriarchalischen Verhältnis lebte, den Besitzer. Der neue Hausherr wollte das Haus modernisieren, wozu die Mieter entsprechende Beiträge leisten sollten. Dies hatte zur Folge, daß sich der Mieter eine kühle, teilweise geradezu feindselige Stimmung gegenüber dem Wirt bemächtigte. Während aber ein Teil ber Mieter, die Bewohner der rechten Hälfte des Hauses, mehr oder weniger neutral blieben, eröffneten die Bewohner der linken Hälfte des Hauses gegen ben Hausherrn den Krieg.
Kompiliert wurde die Lage dadurch, daß der neue ' Hausherr auch den Wanzen zuleibe gehen wollte, die in dem Haus feit jeher gehaust hatten. Er bestellte dazu einen Kammerjäger, ber aber sehr üble Erfahrungen machte. Während er auf der rechten Seite des Hauses sein Vernichtungswerk mit Schwefel usw. durchführen konnte, stieß er bei den „Linken" auf Widerstand. Auch das Eingreifen des Wirtes blieb erfolglos. Ja, man warf ihm sogar „Ein-
Wie Amerika entdeckt wurde.
(Fine Hamburger Döntje, erzählt von Erwin Magnus.
Es war mal 'n Mann, der hieß Klumbumbus, und der wollt ja nu gern mal Amerika entdecken. Aber er hatte man so wenig Geld, und ba ging er denn zum König von S—panien und sagte zu ihm-
„Majestät! Ick bün ja kein reicher Mann nich, aber ich will Amerika entdecken, und denn sollen Sie mal sehen, wieviel Gold und Edels—teine und andere schone Sachen Sie denn von mir kriegen.
müssen Sie mir nu man düschen unter bie Arme greifen, noch! Und ba mochf ich Sie nämlich gebeten haben, mir’n paar Schiffe zu geben — sie brauchen nicht ganz neu zu sein, und Sie sollen sie^auch ganz des—timmt wiederhaben."
^gte der König von S—panien, „das rscha nu mal so'n Sach, noch! Erstens hab' ich auch kein (Selb, und zweitens brauch' ich es zum Krieq- fubren und drittens überhaupt mal so."
Aber Klumbumbus war ja nu kein Döspattel (Trottel) nich.
„Und Mächens glbt’s da, Majestät, Dunnerkiel! Da können Sie sich alle zehn Finger nach lecken!" sagte er, und das half ihm nu bannig (mächtig) benn der König war kein Kostverächter. Klumbumbus mußte also versprechen, ihm eine schöne Kollektion mitzubringen, und benn kriegte er feine Schiffe. '
Und nu fuhr er ja los, ümmer grabaus nach Westen. Und jeden Tag kletterte er oben auf’n Mast rauf, setzte sich auf’n Topp — was man ja nu nich mißverstehen darß denn beim Schiff is der Topp die S—pitze vom Mast — und hielt Ausguck nach Amerika.
Aber eines Tages, als er grab bei Tisch saß unb Hamborger Aalsuppe — so richtig mit S—peck unb Pflaumen und Klößen in — aß, ba wahrschaute der Matrose Piepenbrink, was natürlich n Hamborger Jung war, ber unterdessen für Klumbumbus auf’m Topp saß, mit einem Male:
„Land, Land!"
Na, das war nu woll das erstemal, daß eine Hamborger Aalsuppe kalt geworden ist. Klumbumbus kletterte hoch, holte seinen Kicker raus und sah nu auch ba vorn so'n fmatten (schwarzen) Strich mit’n paar S—taub wedeln drüber, was aber Palmen waren.
Nu gab bas ein mächtiges Hallo, alle kriegten zunächst mal ’n s—teifen Grog, unb Hein Piepenbrink kriegte ein' extra.
Es währte auch gar nich Ian<L so waren sie da. Sie ließen ja nu bas Boot zu Wasser unb pullten
(ruderten) hin. Da s—tanben nu am S—trand lauter braune Menschenkinder, bas waren die Jn- bijaners, und die fragte nu Klumbumbus:
„Entschuldigen Sie mal, is dies woll Amerika?" Und da sagte der Häuptling von die Vlahagonis — wonach ja auch bas Holz heißen tut:
„Dja, und 'bann sünd Sie woll der Herr Klumbumbus?"
„Der^bün ick all", sagte Klumbumbus.
„Dja", meinte der Häuptling, „bann Helpt bat nix, bann sünd roi entdeckt."
Meiner Bilderbogen des April
Äon Peter Bauer.
Baumblüte.
lieber die Landschaft, die täglich einem braun» grünen Schachbrett ähnlicher sieht, werfen die Bäume nicht mehr die Schatten schwarzer sperriger Skelette. Sie sind ihrer Starrheit und erdtiefen Schwere mit einemmal entfliegen und tragen wie auf Fingerspitzen hochgereckter Hände große weiße und rosafarbene Wolken aus duftendem Flaum. Schlank emporgestrafft und wie in tänzerischer Verzückung auf die Fußspitzen gestemmt können sie nicht hoch genug ihre herrliche Zier in die Sonne halten. Je ferner sie nach dem Horizont zu stehen, dessen goldene Bläue fast das Auge blendet, um so mehr scheinen die Blütenwolken über ihnen zu schweben und sie mit. Der weithin gewitterte zarte Duft hat alle Bienenstöcke im Umkreis alarmiert. Sie sind einzeln und in Kolonnen und Geschwadern angerückt und stürzen sich immer wieder summend in die weißen und rosanen Blütenbrände. Aber das ist kein zerstörerisches Feuer, das Leben vernichtet, sondern das sind lebensweckende Flämmchen, die tausendfältig aus den Zweigen züngeln. Wie leise tonende Glocken schwingen die Schwärme der kleinen Blütenstaubträger und Honigsammler über den prangenden Baumkronen. Eine zarte Hochzeitsmusik, die auch andere Gäste zur festlichen Tafel lockt. Sperlinge und Finken flattern herbei und picken sich von den süßen Blütenblättern nach Herzenslust. Ihnen scheint wie uns Menschen das erste Frühlingsgemüse am beften zu munden. Viele der weißen und rosafar- benen Flocken sind schon auf die Erde gerieselt. Aber die Bäume leuchten immer schneeiger, immer stärker lodert die Farbe der nachknospenden Blüten, die das Geäst bis an den Stamm einspinnen in Duft und Bienensang. Die Natur ist überschwenglich.
Zwei Falter.
r^^o^gelb wie eine fortaewehte Blute des gertenschlanken Forsythiastrauches segelt ein Zitronenfalter durch den warmen Himmelsglanz. Er will
Bewegung und Sonne, will suhlen, daß er noch Flügel hat, um auf ihnen in Luft und Bläue zu schweben. Lange genug hat er sie in bem kalten und rauhen Winterasyl einer Mauerspalte zusammenknittern müssen. Nun spürt er die atemwarmen Ströme über das zarte Geäder seiner Schwingen fluten, und neue Spannkraft gibt ihnen die letzte Straffheit. Mögen die Primeln, Gänseblümchen und Anemonen locken, er hat kein Verlangen nach Nektar. Er hat einen Sommer lang in süßen Seimen reichlich geschwelgt. Der schmächtige Leib braucht nicht viel. Nur Sonne. Auf einem Stein, der im Prall der Strahlen funkelt, läßt er sich nieder und trinkt, wohlig die Flügel hebend und senkend, mit allen Poren die himmlische Wärme.
Ein einsamer Weißling, dessen steilgestellte Schwingen auf der unteren Seite grün marmoriert schillern, hat sich eine weniger trockene Sitzgelegenheit gesucht. Er schaukelt mit einer im leisesten Lufthauch zitternden Schaumkraublüte, die blaß- bläulich wie ihre Schwestern auf schwankem Stengel das Gras überragt, und saugt gierig aus der winzigen Honigquelle. Die orangefarbenen Ecken der Dorderflügel verraten den Äurorafalter, der als Raupe von diesem Wiesenkraut lebte und nun aus seiner dunklen Puppengruft als richtiger Frühlingsschmetterling auferstanden ist. Nicht wie der Zitronenfalter, dem diese Frühlingssonne nur den Lebensabend verschönt. Der Äurorafalter ist Jugend voll Sehnsucht und Wagemut. Vor ihm liegt die weite Welt, locken Sonnenfahrten, Blütenwiesen und Liebesfeste.
Zwei Käfer.
Ein winzig zinnoberroter Siebenpunkt, als Marien» unb Herrgottskäfer, Gotteskühchen unb Son» nenfchemchen bekannt, fitzt an einem Halm geklammert, baß es aussieht, als sei eine Perle barangesteckt. Unsere Vorfahren glaubten, ber kleine Frühlingsbote fliege zum Himmel, vor Freias Son- nenstuhl unb erbitte von ber Göttin bie weckenben, roärmenben Strahlen für bie Menschen. Aber ber schläfrige Käfer ist noch gar nicht zum Fliegen aufgelegt. Die Blattlausherben, in benen er wie ber Wolf unter ben Schafen wütet, roeiben noch nicht Bei ber geringsten Gefahr läßt er sich fallen unb stellt sich, auf bem Rücken mit angezogenen Beinen liegenb, scheintot.
Da ist ber Goldschmieb, ber ben Erbenstaub seines Verstecks bereits im Grase abgescheuert hat, baß bie grüngolbene Rüstung in ber Sonne funkelt, schon viel lebenbiger. Er lauert wie ein Raubritter in kleinen Lichtungen unb überfällt alles, was kriecht unb krabbelt bis zum Regenwurm unb Maikäfer. Denen stößt er feine Freßzangen in ben Leib unb schleppt sie trotz verzweifelter Gegenwehr in einen gesicherten Winkel. Nur vor stärkeren Geg-I
nern ergreift er bie Flucht, benn er kann sich auf seine Beine verlassen. Er rennt über Stock unb Stein, bringt sich, wenn er gestürzt ist unb rücklings fällt, rasch roieber mit ben roilb rubernben Beinen hoch, unb stürmt weiter, bis er sich irgenbwo hin verschlupfen kann.
Nestbau.
Ueberall begegnen einem jetzt Vogel, deren Ge» schäftigkeit unb Eile, einem bestimmten Ziele zu, auffällt. Oft tragen sie Halme, Reiser ober Laub im Schnabel: sie bauen. Auf einer Kiesinsel des seichten Baches ist eine zierliche Bachstelze gelandet. Unaufhörlich wippt unb wackelt ber lange Schwanz, nickt ber kleine Kopf, als ob bas Tierchen von einer Feber aufgezogen wäre. Husch, ist es in fünfen auf» unb abflatternden Flugbogen bavon. Unb wieder hat sich eine Bachstelze auf ben Kieselsteinen niebergelaffen. Sie schleppt einen Schnabel voll Würzelchen unb Moos, trippelt einige Schritte unruhig unb fliegt in ben alten Weibenbaum am jenseitigen Ufer. Sie scheint die Höhle als Vogelwiege auszupolstern. Da ist auch schon der zweite Vogel auf ber Bachinsel mit Laub unb Federn im Schnabel und huscht ebenfalls zur Weide. Es bauert eine Weile, bann flitzen beide Vögel ohne Zwischenlandung im Bach in hastigen Wellenlinien davon. Aber sie kommen wieder auf die vorige Weise: einzeln und von der Kiesbank aus bie Baustätte beäugenb. Ab und zu ist ein froh zwitscherndes „Ziwieh" zu hören. Damit sagen sie sich einander alles. Unb um so munterer unb emsiger halten sie sich bei der Arbeit, als wollten sie sich eher übertreffen, als einander nachstehen.
Als ich viel später wieder porüberfomme, sind sie noch immer am Fliegen unb Bauen.
Zeitschriften.
Das Aprilheft ber „ Kunst " (RM. 2,50; vierteljährlich 3 Hefte NM. 7,00), Verlag F. Bruckmann AG., München, enthält einen überaus interessanten Aufsatz „Der Bolschewismus in ber bilbenben Kunst" von Dr. Bruno Kroll. Das Heft bringt auch sonst noch eine Reihe zeitgemäßer Aufsätze, so u. a. über ben Bilbhauer Paul Wynanb unb ben Maler unb Graphiker Abolf Jutz. Voller Erwartung, auch für das eigene Heim Anregung zu erhalten, wirb man immer auch „lieber bie Anorbnung ber Einrichtungs- stücke in ber Wohnung nach praktischen unb nicht allein ästethischen Gesichtspunkten" lesen unb sich als Garteninhaber gern unterrichten lasten, wie man einen Springbrunnen nicht nur praktisch, fonbern vor allem auch reizvoll anlegt. Man legt „Die Kunst" nie ohne Befriebigung an der Fülle ber prächtigen Bilbbeigaben ans ber Hand,


