Ur. 87 Erstes Blatt
184. Jahtgang
Samstag, 14. April 1934
Erfcheim taglid), außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gienener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle
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General-Anzeiger für Oberhessen
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g a r a n t i e n mache, erkünstelt. Frankreich müsse die Gewißheit haben, daß im Augenblick eines Angriffs die englische Armee an FrankreichsSeite trete. Da überdies die englische Armee durch zehnjährige Ideologien stark angefressen sei, könne die nationale Verteidigung Frankreichs u n - möglich abgebaut oder irgendwie bedingt werden. Von einer Beseitigung der Offensivwaffen, die der Angreifer, der den Ort und die Stunde des Angriffs wähle, auf jeden Fall besitzen werde, sei keine Rede. Man müsse sogar volle Freiheit haben, diese Angriffswaffen zu ersehen und zu verbessern. Die
nirgends eine Beschränkung seiner militärischen Ausgaben auf. Deutschland kann so gut wie die anderen. Länder seine Mittel nach eigenem Gutdünken verwenden. Dabei lehrt die internationale Finanzstatistik sehr eindrucksvoll und ganz einwandfrei, daß Deutschland mit seinen Ausgaben für Heer und Flotte weit hinter den Mächten zurückbleibt, deren Presse und Abgeordnete in heuchlerischer Entrüstung über den wiederentstandenen deutschen „Militarismus" sich nicht genug tun können.
So betrugen die Heeresausgaben tm Haushaltsjahr 1933/34 in Deutschland 11 Prozent des gesamten Staatshaushalts, dagegen in England (ohne Besitzungen) 15,4 Prozent, in den Bereinigten Staaten 18,5 Prozent, in Italien 22 Prozent, in der Tschechoslowakei 26,8 Prozent, in Frankreich 34 Prozent und in Polen 40,8 Prozent des gesamten Staatshaushalts. Rechnet man die Rüstungsausgaben aufdenKopfderBevölkerungum, so ergeben sich für Deutschland 10,50, für England 30, für Frankreich rund 70 Reichsmark. Wahrend also der deutsche Staatsbürger jährlich nur 10,50 Reichsmark für Verteidigungszwecke aufbrm- gen muß, fordert die französische Rüstung von jedem Franzosen einen fast siebenmal größeren jährlichen Zuschuß. Dabei sind sowohl in Frankreich, wie auch in England, das in letzter Zeit sich so gerne auf eine Vernachlässigung seiner Rüstungen herausfpielen möchte, die Heeresausgaben von Jahr zu Jahr gestiegen: in Frankreich von 1,57 Milliarden Reichsmark im Jahre 1927 auf 2,75 Milliarden im Jahre 1933, in England allein die Marineausgaben in der gleichen Zeit von 51 auf 56,5 Millionen Pfund. Gerade die Rüstungen für See find lehrreich für das Ausmaß des Wettrüstens, in dem die Welt sich schon trotz aller Abrüstungsverhandlungen mitten drin befindet. Während die Zahl der im Bau befindlichen Kriegsschiffe in England 61, in den Vereinigten Staaten 54, in Frankreich 47, in Italien 33'und in Japan 18 beträgt, hat Deutschland dem nur zwei im Bau befindliche Kriegsschiffe gegenüberzustellen.
Diese Statistik ließe sich unschwer auf das gesamte Kriegsmaterial ausdehnen. Doch genug der Zahlen. Sie find wahrhaftig eindrucksvoll genug, um voreilige Kritiker in England und Frankreich eines Besseren zu belehren und böswilligen Schreiern den Mund zu stopfen. Sie nehmen ihnen jedes Recht, von einer deutschen „Ausrüstung" zu fabeln, die einen allgemeinen Rüstungswettlauf eröffnen werbe. Warum alteriert man sich in England über die wirklich bescheidene unt> wohlbegründete Erhöhung des deutschen Heereshaushalts, statt das Kind beim rechten Namen zu nennen und der bri-
franzöfifche Regierung müsse ferner die Möglichkeit erhalten, nötigenfalls die Militär- dien st zeit zu erhöhen, damit die Truppen, in deren Schuh die Mobilmachung vor sich zu gehen habe, verstärkt würden.
Schließlich müsse das Abkommen ausdrücklich bestimmen, daß jeder Unterzeichner volle Handlungsfreiheit wieder erlange, wenn er — ganz abgesehen von einer internationalen Investigation — von sich aus feststelle, daß das gegebene Wort nicht allgemein gehalten werde. Aber roefent- lich sei vor allem das Versprechen, Hilfe zu leisten, das England über die „zweideutigen" Versicherungen des Locarnovertrages hinaus geben müsse.
Eine Politik -er Einigkeit und Wohlfahrt in Frieden und Gleichberechtigung.
Reichspropagandaminister Or. Goebbels spricht im Rundfunk.
Niemand ist zum Bezug einer bestrmmtenZeitung verpflichtet Jeder Druck und jede Kontrolle verboten.
Der stellvertretende Veamtenführer, Stabsleiter Reufd), hat, wie der preußische Pressedienst der NSDAP mitteilt, folgendes Rundschreiben an die Gliederungen des Reichsbun- des der deutschen Beamten gerichtet:
Rach einer Zuschrift der Reichsleitung der NSDAP., Reichsleiter für die presse, wird stellen- weise von Amtswaltern des Reichsbundes der deutschen Beamten auf die Veamtenfchaft ein starker Druck z u m Bezug bestimmter Tageszeitungen ausgeübt. Ein derartiges Vorgehen ist durch die Anordnung des Präsidenten der Reichs presse kämm er vom 13. Dezember 1933 und durch die Verfügungen des Stellvertreters des Führers vom gleichen Tag und vom 10. Januar 1934 verboten und wird m i t A u s- fchlutz aus der Partei bedroht.
In der Anordnung des Präsidenten der Reichspressekammer heißt es u. a.: „Line Verpflichtung zum Bezug b e - stimmter Zeitungen ist nicht zulässig, besonders nicht durch Anordnungen oder Befehle, ebensowenig darf eine kon- trolleüber den Bezug bestimmter Zeitungen ausgeübt werden."
In der zu dieser Anordnung ergangenen Verfügung des Stellvertreters des Führers heißt es u. a.: „Alle Parteigenossen, gleichgültig, ln welchen politisch oder wie immer gearteten Organisationen sie tätig sind, sind ver- pslichtet, diesen über Fragen des Pressewesens ergangenen Anordnungen innerhalb ihres Arbeitsbereichs nachzukommen. Ich ersuche daher, jede Tätigkeit in der vorstehend angegebenen Richtung unbedingt zu unterlassen."
mens gilt.
Die Garantien, die Frankreich zu fordern gedenkt, sollen genau umschrieben werden. Mit allgemeinen Loyalitätsversicherungen will man sich nicht begütigen. „Ganz bestimmte Verpflichtungen sind notwendig, schreibt der „Petit Parisien", nicht eine einfache Beratung kommt in Frage, durch die kostbare Zeit verstreichen würde, sondern eine sofortige automatische Anwendung von Sanktionen, die entsprechend der Schwere des durch die Kontrolle festgestellten Verstoßes zu betneffen sind. Diplomatische Sanktionen, finanzielle Sanktionen, wirtschaftliche Sanktionen und militärische Sanktionen, das ist die Staffelung der allgemeinen Garantien, die das Abkommen enthalten muh." — Nach Ansicht des „Echo de Paris" sind alle Unterscheidungen, die England zwischen A u s f ü h - rungsgarantien und Sicherheit--
finbe ihren zweckmäßigsten Ausdruck in einer durch nichts gerechtfertigten Lohnherabsetzung, ergänzt durch eine noch weniger gerechtfertigte Preis- und Dividendenerhöhung. Diese Kreise feien noch einmal darauf aufmerksam gemacht, daß es nicht weiter geduldet werden kann, die sozialen Errungenschaften unserer Zeit zu sabotieren.
Die nationalsozialistische Bewegung leitet den Staat nach großen weltanschaulichen Grundsätzen und läßt sich in der Durchführung ihrer, auf weite Sicht gesehenen Prinzipien durch nichts und nie- manden beirren. Es gibt im Lande nur wenige und kleine Konventikel, die das bis heute noch nicht ein- gesehen haben. Wenn beispielsweise Zeitungen meinen, sie könnten die deutsche Volksgemeinschaft durch Wiederbelebung konfessioneller Gegensätze stören, so beweisen sie damit nur, daß sie vom Geiste der neuen Zeit keinen Hauch verspürt haben, unterschätzen aber anderseits offenbar die Entschlossenheit, mit der wir gewillt sind, solche frevlerische Versuche zurückzuschlagen. Es gibt in Deutschland weder eine Arbeiter- noch eine Bürger-, weder eine protestantische, noch eine katholische, sondern nur noch eine deutsche Presse. Die Konfessionen in ihrer Betätigungsfreiheit zu beschützen, ist Sache der Regierung. Sie wird diesen Schutz wahrscheinlich Wirksamer ausüben als Zeitungen und Parteien. Ihre Hintermänner haben auch am allerwenigsten ein Recht dazu, der Regierung und dem Nationalsozialismus, die allein die Kirchen vor dem Ansturm des Bolschewismus gerettet haben, deshalb Neuheidentum vorzuwerfen, weil sie auf dem Gebiet des Politifchen
Kleine Entente, wieder fester in die Hand zu bekommen. Barthou war schon in Brüssel, um den schlechten Eindruck der Brocquevittefchen Äb- rüftungsertlärung zu verwischen, eine Rundreise durch die osteuropäischen Hauptstädte ist angekündigt. Die Genfer Bürositzung hatte, so wenig sie auch ein allgemein wertvolles Ergebnis gezeitigt hatte, doch Frankreich die eifrig genützte Gelegenheit geboten, feine alten Freunde wieder um sich -u versammeln und für die französische These Stimmung zu machen. Wie sehr dies ein Gebot der Stunde ist, haben ja die bekannten Vorgänge in Brüssel und die sich neuerdings von Paris deutlich absetzende Politik Polens gelehrt. Und in Belgrad und Bukarest haben die Franzosenfreunde einen nicht minder schweren Stand. Herrn Barthous Reife entspricht also durchaus der Notwendigkeit, die Zügel wieder anzuziehen, die die Aera Paul- Boncour hatte schleifen lassen.
Eine in diesem Umfange kaum erwartete Ent- laftunasoffenfive können die Franzosen überraschenderweise in England buchen. Denn wenn auch vermutlich alles andere als Sorge um die Sicherheit Frankreichs im britischen Unterhaus die A n - fragen nach der Erhöhungdes deutschen Mehrhaushalts verarlaßt haben werden, so kämmt in diesem Augenblick doch eine solche Debatte imm S-kund-nt-ndienst für das jeder eigenen Ab- rllstunq feindliche Frankreich gleich. Wenn der neue k>e itfche Reichshausdaltsvaranfchlaq eine Erhöhung
Medretats um 225 Millionen Reichsmark auf. weift® ci insqefamt knapp 900 Millionen Reichsmark für Verteidigung-Mecke. fo entfpncht diese Mehrausgabe einmal der Notwendigkeit, unser über- u ärhiffsmaterial zu erneuern, zum andern hör sKHitS tor bie uns von der Genfer Abrüstungs- 'aufaebrängte Ummanblung ber Reichs- i J pine kurzfristig bienende Truppe rechtzeitig
J" J treffen und schließlich der Ueberlegung, *S?i.H*lanb inmitten einer in Waffen ftarrem d°K nm ?en[05 roeiter rüstenden Welt alle Mög- den und paus , öic bie Verträge ihm bie-
ten um^sein^esgene Verteidigung auf den Stand zu ste^Wenn "di^ fmnMsch! Press/über °eine Ver- eigenen' ßan&Tdn"‘'1XÄ und
eine für eigene Rüstungsoerstarkungen günstige Stimmung im britischen Volk zu schaffen, so ist die- kr -7nw°i- auf den Berfailler Vertrag gänzlich abwegig - denn er bestimmt zwar Ausmaß und Art der Bewaffnung Deutschlands, legt ihm aber
Zwischenspiel.
Das Wort „Vertagung" ist in der Sprache der Genfer Diplomatie noch immer eines der gebräuchlichsten. Niemand hätte im Ernst erwarten können, daß das von feinem Präsidenten für den 10. April einberufene Büro der Abrüstungskonfe- r e n z, in dem mit Ausnahme Deutschlands, bas ja im vergangenen Herbst der Abrüstungskonferenz den Rücken gekehrt hat, alle Großmächte und eine Reihe kleinerer Staaten vertreten find, zu irgendwelchen Beschlüssen ober richtungweisenden Feststellungen kommen konnte. Bei bem gegenwärtigen Stand der diplomatischen Fühlungnahme der an der Abrüstungsfrage vor allen Dingen interessierten vier europäischen Großmächte konnte die Genfer Bürositzung nur ein bedeutungsloses Zwischenspiel sein, das nach oft erprobtem Genfer Rezept mit einer Vertagung schließen mußte. Dabei hat man mit schöner Geste dem Optimismus gehuldigt und den Wiederzufammentritt des Büros bereits auf den 30. April anberaumt. Sogar den Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz will man am 23. Mai bemühen in der reichlich vagen Hoffnung, bis dahin den schon recht antiquierten Mac- donaldplan dem neuesten Stand der diplomatischen Verhandlungen anzupassen und so auf neu frisiert dem Ausschuß vorlegen zu können. Ein solcher Optimismus ist durch den nun schon viele Monate hindurch spielenden Notenwechsel nach keiner Richtung hin begründet. Aber darauf kommt es ja auch gar nicht an. Die Hauptsache für Henderson und die Genfer Konferenzlöwen ist, sich von Zeit zu Zeit in Erinnerung zu bringen und damit die Fiktion aufrechtzuerhalten, als ob die Abrüstungskonferenz noch immer unverändert alle Fäden selbst in der Hand halte und nun alle direkten Verhandlungen der Mächte untereinander nur in ihrem Auftrag erfolgten. Im übrigen wird wieder einmal Zeit gewonnen. Irgend ein Impuls oder nur ein neuer Gesichtspunkt für das Vcrantreiben der Abrüstungsfrage wird von Genf schon lange nicht mehr erwartet.
Die Großmächte sind also für die kommenden Wochen wieder auf sich allein angewiesen. Nach wie vor liegt die Entscheidung darüber, ob überhaupt ein für alle Beteiligten tragbares Abkommen, wenigstens für eine Begrenzung der Rüstungen, zu- standekommt, einzig und allein bei Frankr eich. Die Pariser Regierung hat bisher alle Vorschläge der anderen Mächte zurückgewiesen, aber Barthou hat ebenso wenig wie seine Vorgänger sich der Aufgabe unterzogen, einen eigenen Dor schlag zu machen. Man hat sich in Paris daraus beschrankt, die Entwürfe der anderen zu zerpflücken und m Grund und Boden zu kritisieren, Vorbehalte zu machen und Forderungen zu stellen, aber man scheut sich, die eigene Politik auf irgendwelche genau umriffene Formeln festzulegen. England hatte um dem französischen Sicherheitskomplex S.u Leibe 3U qehen die Frage der Durchfuhrungsburgschaf- ten X'worfen mit dem do- künftige Rüstung-, abkommen auszustatten s-u Aber Frankreich weicht aus. Barthou fragt wieder nach dem mater»elttn Inhalt des Abkommens, nach dem Ausmaß der deutschen Rüstungsangleichung, und °°rir°st°t En-, land auf eine zweite Note, in der die Franzoien ihre Garantieforderungen stellen würden. Auf diese Note wartet man in London noch heute. Inzwischen scheint die französische Diplomatie den Versuch zu machen, die alten Verbündeten, Belgien und die
tischen Oeffentlichkeit frank und frei zu sagen, daß es die gewaltigen französischen Rüstungen sind, die auch die britische Regierung zu einer Rüstungsver- mehrung zwingen^ Ist die der englischen gewaltig überlegene französische Luftflotte, von der ein großer Teil längs der Kanalküfte stationiert ist, viel- leicht keine todbringende Bedrohung des britischen Jnselreichs? Sind die zahlreichen Uboot-Einheiten der französischen Kriegsmarine mit dem größten Uboot der Welt an der Spitze zum Schutz gegen eine deutsche Invasion bereit? Soll der im Kanal- Hafen Calais — 30 Kilometer vom englischen Dover entfernt — geplante Uboot - Stützpunkt vielleicht Expeditionen gegen die deutschen Küsten dienen? Nein, das werden britische Parlamentarier nicht weismachen können und noch so spitze und argwöhnische Bemerkungen und Anfragen über angebliche deutsche Rüstungen werden barüber hinwegzutäuschen vermögen, daß man zwar den Sack schlägt, aber den Esel meint. Der Esel ift 5 r a n f • reich, dessen starre Politik England zum Wettrüsten zwingt. Aber Deutschland soll vor aller Welt zum Sündenbock gestempelt werden, wenn die Verhandlungen über ein Abrüstungsabkommen schließlich im Sande verlaufen
Vorerst hält die britische Regierung unbegreiflicherweise noch an dem Gedanken fest, sie werde Frankreich wenigstens zu dem Schein einer Abrüstung bewegen können. Aber davon ist in Paris schon gar keine Rede mehr. Lieber eine denkbar geringfügige und kontrollierte deutsche „Aufrüstung" in Kauf nehmen, als auch nur die geringste Herabsetzung des eigenen Rüstungsstandes. Aber diese Hinneigung zum Plan Mussolinis umzäunt man in Paris mit so viel Vorbehalten und Koutelen, daß die Grundlagen für ein Kompromiß im Sinne des italienischen Vorschlags noch ganz unsicher sind, Frankreich möchte sich eben auf nichts festlegen, wenn ihm auch für Deutschland die Bindungen gar nicht eng genug fein können. Es möchte für sich selber immer eine Hintertür offen lassen, wenn ihm auch die Strafandrohungen für einen Vertragsbruch — den es in Gedanken natürlich heute schon Deutschland unterstellt — gar nicht schwer genug fein können. Die französische Geistesverfassung ist eben auch heute noch von einer innerlich begründeten Anerkennung des gleichen Rechts für alle Völker weit entfernt. Die französische Note, die nun schon seit Tagen in London mit Spannung erwartet wird, wird klarstellen, ob sich hierin inzwischen etwas geändert haben sollte. Die Stimmungsmache der Pariser Presse läßt allerdings wenig Hoffnung.
Berlin, 13. April. (DNB.) Reichsminister Dr. Goebbels hielt Freitagabend über alle deutschen Sender eine Rundsunkansprache, in der er u. a. folgendes ausführte:
Man muß sich im Geiste um zwei Jahre zurückversetzen, um die Größe der Vorgänge, die sich in Deutschland in den vergangenen 14 Monaten abgespielt haben und noch abspielen, voll abmessen zu können. Sonst wird man leicht ungerecht gegen die Zeit und ihre nicht mehr abstreitbaren gewaltigen Erfolge auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens. Heute wird wieder gewagt, geplant und geschaffen. Heute werden schon überall wieder gelernte und geschulte Arbeiter gesucht. Die Regierung hat Hand angelegt, und das Volk hat ihr dabei geholfen. Dadurch nur werde es möglich, i n etwas über Jahresfrist d i e Hälfte des Weges zurückzulegen, für den der Führer sich am 1. Mai vier Jqhre ausbedungen hatte: die Wirtschaft ist wieder aufgelebt und die deutsche Arbeitslosigkeit um die Hälfte gesunken.
Niemand weiß besser als wir, daß dafür vom ganzen Volk große Opfer gebracht worden find. Der Arbeiter hat sich in diesen Monaten der Wiederingangsetzung unserer Produktion zum großen Teil mit Löhnen begnügen müssen, die nicht dazu ausreichten, ein dem hohen Kulturstand unseres Volkes entsprechendes Lebensniveau zu halten. Er hat sich dieser Ausgabe mit einem Heroismus ohnegleichen unterzogen. Er hat manchmal mehr Vernunft bewiesen, als jene Kreise der Wirtschaft, die da glauben, die von der Regierung durchgeführte Beruhigung des Produktionslebens
Stanfreid) verlangt handgreifliche Garantien.
„Oie engtifdje Armee muß im Augenblick eines Angriffs an die Seite Frankreichs treten."
Was die stanzösische Note bringen wird.
Paris, 14. April (DNB.-Funkfpruch) Nach Blättermeldungen soll die französische Note über die Garantieforderungen zwischen dem 18. und 20. April, also kurz vor der Abreise Barthous nach Warschau, in London überreicht werden. Sie wird von dem sogenannten „Kleinen Abrüstungsausschuß" unter Leitung der beiden Staatsminister H e r r i o t und Tardieu einer eingehenden Prüfung unterzogen werden, bevor sie dem Ministerrat zur endgültigen Billigung unterbreitet wird. Man darf heute bereits feftftellen, daß die Garantieforderungen Frankreichs darauf hinauslaufen, England in einem Streitfall u n - bedingt an Frankreich zu binden. Nur unter dieser Voraussetzung will Frankreich sich auf die Unterzeichnung eines Abkommens emlaffen, das aber, wohlgemerkt, nur eine Rüstungsbeschränkung vorsehen darf. Denn, „weder die französische Regierung noch das Parlament, noch die öffentliche Meinung Frankreichs werden sich jemals zur Ausarbeitung eines Abkommens bereiterklären, in dem d i e Aufrüstung Deutschlands durch eine Herabsetzung der französischen 93erteibigungsmittel verschärft würde. Wenn man diese Aufrüstung legalisieren will, dann bleibt nur der Ausweg: ein Rüstungsbeschränkungsabkommen." — Dieser vom „Petit Parisien" in den Vordergrund gerückte Leitsatz dürfte auch richtunggebend sein für d i e Warschauer und Prager Reise Barthous, der als Anhänger eines solchen Abkom-


