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Nr. 62 Zweites Blatt

Gtetzener Anzeiger (General-Anzeiger für Overheffen) Mittwoch, R.Marz M^

Die dananenfthale und die Klapperschlange.

Zufall und Unfall. ,/Glückspilze^ und ,/pechvögel^.

Von Dr. W. Helberg.

Glückspilze und Pechvögel: fast jeder von uns kennt Vertreter der einen oder anderen Gattung, und derHans im Glück" oder derSchlemihl" sind Begriffe, die uns schon in den Schullesebüchern begegnen. Seit eini­ger Zeit hat sich die Wissenschaft auch dieser Frage angenommen und versucht mit ihren Mitteln, dieses früher nur mystischen Spe­kulationen überlassene Gebiet zu klären. Der nachstehende Artikel berichtet über einige neuere Ergebnisse dieser Forschungen.

Auf der Straße liegt eine Bananenschale. Hun­derte von Passanten gehen vorbei, aber keiner von ihnen tritt darauf da kommt einPechvogel", und ihm wird das kleine Hindernis zum Verhäng­nis: er rutscht aus und bricht sich bei dem Fall ein Bein. Warum gerade er? EinGlückspilz" wäre vermutlich nicht auf die Schale getreten oder er hätte sich jedenfalls auch bei einem Sturz keinen Schaden getan. Gibt es vielleicht einGesetz des Unheils", dem nur ein ganz bestimmter Teil der Menschen, eben diePechvögel", unterworfen sind, oder handelt es sich um bloßen Zufall? Zwei Fragen sehen wir zu, ob die Wissenschaft hier weiter helfen kann. In gewissen Grenzen ist sie dazu wohl in der Lage, denn dieses Problem hat

sich umGlückspilze" oderPechvögel", deren Schicksal ganz oder teilweise durch aktive eigene Handlungen wesentlich beeinflußt wird. Hätte in unserem Beispiel der Flugzeugführer am Morgen den Führersitz genau abgesucht wie es in diesem Falle eigentlich notwendig erschien dann wäre ihm dasPech" des Abenteuers mit der Schlange niemals zugestoßen. Dieses aktive Verhalten des Menschen den ihn betreffenden Zufällen gegenüber ist sehr eingehend von der Psychologie erforscht worden, und dabei haben sich auch Resultate er­geben, die für die Praxis von größter Bedeutung sind.

Ein sehr wichtiges Ergebnis dieser Art besteht z. B. in der Feststellung, daß in sehr vielen Fällen gesetzmäßige Beziehungen zwischen den etwa in einem Verkehrsbetriebe entstehenden Un­fällen und ihren Verursachern bestehen. Es zeigte sich nämlich, daß manchePechvögel" geradezu regelmäßig an den Unfällen beteiligt sind so regelmäßig, daß man aus derUnfallhäufigkeit" etwa eines Chauffeurs in einem bestimmten Zeit­abschnitt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die ent­sprechende Zahl der Unfälle für einen zukünftigen Zeitabschnitt vorausberechnen kann. DiesesM a r -

besche Regel" benannte Gesetz drückt also einen von äußeren Zufällen unabhängigen Persönlich­keitsfaktor aus, dieUnfallsbereitschaft" sozusagen, und es ist einleuchtend, daß derartige Berechnun­gen für die Praxis außerordentlich bedeutsam sind. Es gibt ja beispielsweise kaum einen Eisenbahn­unfall, bei dem nicht das Verschulden eines Men­schen eine wesentliche oder entscheidende Rolle spielte; durch ein raffiniertes System von Prüfun­gen und Laboratoriumsversuchen ist man nun mit Hilfe der sog. Eignungsprüfungen wenig­stens in gewissen Grenzen in der Lage, diePech­vögel" von den für sie und die Allgemeinheit allzu gefährlichen Berufen auszuschließen.

Wir konnten an dieser Stelle nur einige beson­ders wichtige Einzelheiten aus der außerordentlich umfangreichen Arbeit der modernen Psychologie über die mit unserem Thema zusammenhängenden Probleme geben. Aber ein wesentliches Resultat ergibt sich bereits aus diesem kleinen Ausschnitt: es ist die Feststellung, daß es keineswegs nur vom blinden Zufall abhängt, ob ein Mensch alsGlücks­pilz" oderPechvogel" durchs Leben geht. Die Entscheidung darüber liegt zu einem großen Teil im Wesen jedes einzelnen er selbst schafft sich dasGesetz des Unheils", dem er dann unterliegt. Kein Aberglaube anGlückszahlen" undUnglücks­tage", keine mystischen Spekulationen können uns darüber hinwegtäuschen, daß wir selbst mit unse­ren persönlichen Anlagen und unserem Willen weit mehr aufGlück" undPech" einwirken, als un­beeinflußbare Zufälle.

Aus der provinzialhaupistadi.

namentlich die Psychologen schon seit langem beschäftigt, und in neuerer Zeit sind auch sehr we­sentliche Ergebnisse erzielt worden, die wenigstens einen Teil der zahllosen Fragen auf diesem Ge­biet zu erforschen vermochten, während sich andere der wissenschaftlichen Klärung fast völlig entziehen.

Fast selbstverständlich ist dies zunächst bei jenen im Alltag außerordentlich zahlreichen Fällen, in denen überGlück" oderPech" wirklich nur der simple Zufall entscheidet. Wenn, wie kürzlich in einer Straße Rewyorks, einem Spaziergänger ein Hammer auf den Kopf fällt den auf dem Dache eines Wolkenkratzers ein Arbeiter seinem Kollegen zuwerfen wollte dann kann das nur alsunglücklicher Zufall" bezeichnet werden, den keine Wissenschaft erforschen kann. Anders, seltsamer vielleicht, liegt dagegen schon ein anderer Fall, der wegen seiner sonderbaren Begleitumstände nicht nur das Wirken einesZufalls" zu verraten scheint. Wir meinen den tragischen Tod des Schrift­stellers Dr. Kühnelt, der im Oktober 1930 bei dem folgenschweren Flugzeugunglück in der Nähe des Dresdner Flughafens getötet wurde. Das Un­glück ereignete sich an einem Montag. Dr. Kühnelt hatte aber bereits einen Flugschein für den Diens­tag gelöst und tauschte diesen am Montag erst ganz kurz vor dem Start des Flugzeuges um. Analoge Fälle ereignen sich keineswegs selten: fast bei jedem größeren Eisenbahnunglück wird berichtet, daß einGlückspilz" im letzten Augenblick die be­reits gekaufte Fahrkarte zurückgab, oder einPech­vogel" entgegen seinen ursprünglichen Dispositionen im letzten Moment den Unglückszug benutzte. Warum? Hier versagt naturgemäß die Wissenschaft vollkommen. Zufall oder Bestimmung diese Frage wird in all solchen Fällen wohl für immer offen bleiben.

Ein anderes Beispiel. Ein amerikanischer Flug­zeugführer kann den Rekord für sich in Anspruch nehmen, ein bisher noch nie dagewesenesPech" erlitten zu haben: er wurde nämlich in 15 0 0 Meter Höhe fliegend von einer Klapper­schlange gebissen. Dieses unwahrscheinliche Ereignis war dadurch ermöglicht worden, daß der Pilot sein Flugzeug über Nacht auf einem Felde stehen gelassen hatte; dort war die Schlange in den Führersitz gekrochen und kam erst während des Fluges zum Vorschein. Der Fall ging übrigens noch gut aus, denn der Pilot konnte sofort landen und wurde durch ärztliche Hilfe gerettet.

Dieser Fall führt uns nun in jenes Teilgebiet unseres Problems, auf dem allein die Wissenschaft bisher wirkliche Erfolge erzielen konnte; es handelt

Das häßliche Entlein wird ein Schwan.

Winterliche Unbilden und auch die naßkalte Ueber- gangszeit ohne ein wärmendes wollenes Kleidungs­stück sind unangenehm dieser Tatsache verdankt die Familie der Sweater und Pullover, für die es anscheinend keine deutschen Namen etwa Woll­jacke, Leibchen gibt, ihre große Verbreitung. Nur schade, daß sie fast stets aus australischer Wolle gefertigt sind. Ja, warum eigentlich? Weil wir alle miteinander uns von der allmächtigen Herrscherin Mode einreden ließen, wollene Stoffe, wie sie aus einheimischer Wolle hergestellt werden könnten, seien doch eigentlich nichtsBesonderes", und wir uns von der deutschen Wolle abwandten, genau so wie wir zugunsten der ausländischen Baumwolle dem deutschen Leinen untreu wurden, so daß in Deutsch­land weder die Haltung der Wollschafe, noch der Anbau von Lein mehr recht lohnen wollte.

Wer entsinnt sich heute noch desguten Schwarz­seidenen"? Es gehörte ehemals, vor vielen, vielen Jahren zur Ausstattung jeder deutschen Frau, wie der Bratenrock zum ehrbaren Bürger und die Extrauniform zum Soldaten. Welche Großmutter hat ihrer Enkelin nicht erzählt, daß das erste sei­dene Kleid für sie ein Ereignis war und daß man zu ihrer Zeit noch kerne seidenen Kinderkleidchen gekannt habe. Man habe hübsch und ehrbar Wolle getragen. Sage nichts gegen den Mehrverbrauch an Seide, liebe, gute Großmama aus deutscher Kie­fer gewinnen wir heute die herrlichste Seide, und viele deutsche Arbeiter finden dabei.ihr Brot. Wenn wir nur dabei wieder nicht so weit gegangen wären, die ehrbaren wollenen Kleider zu verachten. Es sei denn, der Stoff sei aus echt englischer Wolle ge­wesen, das war denn schon etwas anderes. Aber einfache deutsche Schafwolle. O, wie gewöhnlich, davon konnte man doch nichts Gutes arbeiten deutsche Wolle die war beinahe sounmöglich" wie das grobe deutsche Leinen, und das alles war ja auch f o o o unmodern! So sind wir dahin ge­kommen, daß von unserem Inlandsbedarf an Wolle nur noch 9 v. H., noch nicht einmal der zehnte Teil, im Inland erzeugt wurde.

Da kam das Wunder des Nationalsozialismus: das deutsche Volk fand heim zu seiner eigenen Art was ehemals als plump, bäuerisch und ge­wöhnlich verachtet wurde, das ist heute geadelt, weil es aus deutschem Boden kommt, durch deutschen

Fleiß seinen Wert bekam. Die Deutschen wollen sich von deutscher Frucht ernähren, mit deutschen Stoffen kleiden. Dies ist nicht zuletzt dadurch mög­lich geworden, daß die deutsche Bäuerin das Kleid der Heimat, die Tracht der Urahne wieder als Ehrenkleid empfindet. Daß dieses Empfinden kein irgendwie künstlich gewolltes, sondern durchaus or­ganisch gewachsen ist, drückt sich vielleicht am besten darin aus, daß man nicht nur gedankenlos die alten Trachten aus der Lade nimmt und heute so trägt, wie sie die Vorfahren vor 100 und mehr Jahren zur Zeit eines völlig anderen Arbeitstaktes .getragen haben. Man trägt wohl wieder die Hei­mattracht, aber man wandelt sie nach den Bedürf­nissen unserer Zeit.

So wollen wir uns freuen, daß von den deutschen Landfrauen der Wille zur Schaffung einer eigen- ständischen Tracht ausgeht, freuen vor allem deshalb, weil diese Bestrebungen sich einreihen in das große Aufbauwerk des Reichsbauernführers. Die eigen- ftändifche Tracht verlangt deutschen Stoff: deutsche Wolle und deutsches Leinen können hier unter keinen Umständen entbehrt werden. Auch das Spinnrad und der Webstuhl können dabei im Bauernhaus wieder ihre Auferstehung feiern, ohne daß unsere Spinnereien und Webereien hier eine gefährliche Gegnerschaft fürchten müssen. Auch die große Mode verlangt ja heute nach deutscher Wolle, zur Befriedigung ihres gewaltigen Appetits aber brauchen wir Maschinen, da wird es der Handweb- stuhl nicht allein schaffen können, sondern beide müssen sich ergänzen, genau wie die vom deutschen Willen bestimmte Mode und der Wille zur deutschen Heimattracht gemeinsam die deutschen Stoffe wieder zu Ehren gebracht haben. E. H.

Abschiedsfeier für Oberbürgermeister Dr. Keller.

Die Stadtratsfraktion der NSDAP, veranstaltet am nächsten Montag, 18 Uhr beginnend, im Stadt­haus Bergstraße (Sitzungssaal) eine Abschiedsfeier für den in den Ruhestand tretenden Oberbürger­meister Dr. Keller. Die Feier wird öffentlich fein, so daß jeder Volksgenosse die Möglichkeit hat, dieser Ehrung für unseren scheidenden Oberbürger­meister beizuwohnen.

Gießener Siadiiheater.

Hans Müller-Schlösser:

Schneider Wibbel".

Dieses rheinische Volksstück, das über zahllose deutsche Bühnen gegangen ist, wurde im vorigen Winter grade zwanzig Jahre alt, hat sich aber er­staunlich frisch gehalten. Müller-Schlösser erzähll im Programmheftpro domo", wie er auf einem Düsseldorfer Atelierfest im Jahre 1912 zu sei­nem Stoff gekommen ist, und man erfährt bei die­ser Gelegenheit mit Staunen, daß die Fabel, die doch auf der Bühne einen so bodenständigen Ein­druck macht, ursprünglich gar nicht am Rhein, son­dern in Berlin beheimatet ist.

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Ick wer Ihnen mal wat erzählen", sagte einer von den Malern zum Autor,wo Sie eenen Schwank oder so wat von machen können." Und stiftete ihm die Geschichte von dem betrunkenen Bäckermeister, der wegen einer Messerstecherei ins Gefängnis soll und an seiner Stelle den Gesellen hinschickt. Die Sache wäre auch nicht aufgekommen, wenn der Geselle in der Zelle nicht gestorben wäre. Uebrigens wurde der Meister begnadigt.

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Ein Lustspielstosf, ohne Zweifel. Und Müller- Schlösser hat die in den Grundzügen festgelegte Eplsoide mit Geschick und eigenen Einfällen so in feine angestammte Landschaft und in die rheinische Franzosenzeit verpflanzt, daß der Berliner Ur- Wibbel am Ende nicht mehr zu erkennen war. Er macht aus dem Bäcker einen Schneider. Der haut in der Wirtschaft, nachdem er, wie es in den Lokal­notizen heißt, dem Alkohol reichlich zugesprochen hat, einem ein Bierglas auf den Kopf. Und weil außerdem noch Majestätsbeleidigung dabei war, kostet ihn der Spaß vier Wochen.

Da aber die vier Wochen für das Schneider­geschäft sehr teuer werden würden, kommt Wib- bels gewitztes Eheweib auf die großartige Idee, statt ihres Mannes den Gesellen die Strafe absitzen zu lassen, der sich gegen eine entsprechende Grati­fikation auch dazu bereit findet. Da Wibbel natür­lich für vier Wochen aus der Welt geschafft werden muß, wird er verweile insKabäuschen" gesteckt, eine finstere Rumpelkammer neben der Werkstatt. Noch könnte alles gut gehen, da kommt aus dem

Gefängnis die Schreckenskunde, daß der Häftling plötzlich verstorben fei. (Der Geselle hatte es schon lange auf der Brust.) Und Wibbel sieht sich zu sei­ner Bestürzung der amtlich beglaubigten Tatsache gegenüber, daß er nicht mehr unter den Lebenden weilt. Das hat er nicht gewollt.

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Es ist nun sehr luftig mitanzusehen, wie Müller- Schlösser sich das ausgemalt und mit allen mög­lichen Konsequenzen immer weiter ausgesponnen hat bis zum Schluß. Er ist babei natürlich in die Nähe des Situationsschwankes geraten, wie er seit Boc­caccio unzählige Male erfunden und wiederholt worden ist, aber er hat sich nicht festgefahren, ist immer wieder auf die Füße gefallen und Hot noch einen Ausweg gewußt. Selbst im letzten Akt, der ein bißchen unsicher wird und in die Länge gerät, bis der wieberauferftanbene unb zwiefach verwan- belte Wibbel die Fin wieder in die Arme schließt, um feine zweite Ehe mit ihr zu beginnen. Der Höhepunkt ist aber da schon überschritten: im vier­ten Akt nämlich erfährt ber Schwindel die phan­tastische und groteske Steigerung, daß Wibbel hin­ter ber Gardine seinem eigenen Leichenzug zu­schaut und Tränen ber Rührung darüber vergießt, wie sehr er geehrt wird, unb daß er das noch er­leben durfte.

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Unter der Regie von Anton Neuhaus erlebte das alte Stück gleich seinem Helden eine fröhliche Auferstehung; Neuhaus hat mit demkrähenden Hahn" von Hinrichs bewiesen, wie ihm derartige Aufgaben liegen, und er hat sich mit breitem Be­hagen über den rheinischen Spaß hergemacht. Der stürmische Auftakt imSchwarzen Anker" erfuhr in der verhagelten Schneiderwerkstatt und erst recht in der mit umflortem Pomp in Szene gesetzten Trauerversammlung eine verblüffend drastische Kon- trastierung. Löffler und Keim hatten sich mit liebevoller Ausführlichkeit die Schauplätze ausge- dacht; besonders die Werkstatt mit dem Kabäuschen unter der Treppe war vortrefflich geraten.

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Den Wibbel spielte Herr Nieren; da er Rhein­länder ist, war er von vornherein der gegebene Mann dafür und von Anfang in seinem Element. Ihm machte die Sache sichtlich selber Spaß; er hat sich mit viel Laune in die verschiedenen Stadien des Abenteuers hineinversetzt und brachte die unter­schiedlichenBonmötchen" unb Pointen im Dialekt gut gezielt an ben Mann, befonbers im ersten Akt, wo sich der Wibbel mit dem explosiven Tempe­

rament eines wildgewordenen Schwabroneurs bie ganze Suppe einbrockt. Doch war er auch den fol­genden Schicksalsschlägen, in stummer Verstörung unb in tränenber Rührung über sein jähes Enbe, vollauf gewachsen.

Elisabeth W i e l a n b e r aus Wien hatte es von Haus aus in der rheinischen Umgebung wesentlich schwerer, doch gab sie die Fin als eine rotbäckige, resolute unb mutterwitzige Person, bie sich nicht unterkriegen läßt unb richtig zuletzt obenauf ist unb das Spielchen gewinnt. Recht lustig machten Löser und Schorn die beiden Schneidergesellen; zumal Schorn als Mölses, auch im Dialekt über­raschend sicher, bewies ausgesprochene Begabung für derart volkstümliche Figuren. Nom zahlreichen Ensemble seien ferner Kühne als Hausierer Fläsch, V o l ck als Knipperling, dick und kitzlig in geblüm­ter Weste, Frau Schubert-Jüngling als Hopp-Majänn, Intendant König als Heubes, Michel als Pangdich und Geiger als Krönkel genannt.

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Es gab viel Beifall und ungetrübte Heiterkeit, hth.

Warum werden wir müde?

Für den allgemeinen und ganz natürlichen Vor­gang der Ermüdung, besonders nach einer uns viel­leicht ungewohnten Arbeit, gibt die Wissenschaft mit Hilfe der in chemischen Untersuchungen gefunde­nen Ergebnisse die Erklärung, daß die Muskeln bzw. das Blut des ermüdeten Menschen mit Milch­säure übersetzt sind, während hiervon nach aus­reichendem Schlaf nur kleine Spuren anzutreffen sind. Die immer vorhandenen Ermüdungsstoffe, be­sonders die Milchsäure, können bei großen An­strengungen bis zum Zehnfachen des normalen Be­trages anwachfen, in das Blut übertreten und sich dann über den ganzen Körper verteilen. Damit geht, wie Dr. H. Schütte inReclams Universum" mitteilt, ein Rückgang der alkalischen, der Milch­säurebildung entgegenarbeitenden Substanzen Hand in Hand, der um so langsamer vor sich geht, je geübter und leistungsfähiger der Mensch ist. Es handelt sich hier keineswegs um einen rein körper­lichen Vorgang. Daß in diesen chemischen Prozeß seelische Kräfte hineinspielen, beweist die Tatsache, daß eine mit Lust und Eifer ausgeführte Arbeit weniger ermüdet als eine widerwillig ertragene. Nun gibt es Menschen, die sich immer ermüdet fühlen und schnell ermattet sind. Der Neurastheniker

Zeitschriften.

Ein aufschlußreiches Bilderdokument über den fortschreitenden Verfall einer erbkranken Familie durch vier Generationen finden wir in dem neuesten Heft der MonatsschriftNeues V o l k", heraus-- gegeben vom Aufklärungsamt für Bevölkerungs­politik und Raffenpflege. Dieses Dokument müßte jedem klarmachen, daß unserem Volke nur durch staatliche Fürsorge für die noch nicht Geborenen geholfen werden kann. Nicht weniger interessant und bedeutungsvoll ist eine Darstellung der Ver­städterung Deutschlands seit 1870, ein reichbebilder­ter Bericht über die Feierabendorganisation in Ita­lien usw. Weit über 50 hervorragende Bilder be­gleiten den Textteil, und bester Ünterhaltungsstoff macht das Heft lebendig und volkstümlich. Die Zeit­schrift ist durch Buchhandlungen, Postanstalten oder vom VerlagNeues Volk", Berlin SW 19 Sinden-- ftrafK 42, zu beziehen. Der Vierteljahresbezugspreis

Gaupreffechef Woweries spricht in Gießen.

Gaupresseamtsleiter Pg. W o w e r i e s wird am heutigen Mittwoch in einer öffentlichen Kundgebung der Partei im Cafe Leib sprechen. Die Kundgebung beginnt pünktlich um 20 Uhr.

Zwei Rundfunkvorträge über den GemeinschastSempfang am 21. März.

Die Pressestelle des Südwestfunks teilt mit: Am Tage der Eröffnung der Arbeitsschlacht, am 21. März, wird wieder ein Gemein­schaft s e rn p f a n g für alle Arbeiter und Ange­stellten in ganz Deutschland durchgeführt, ähnlich wie das im letzten Jahr am 10. November von den Siemens-Werken aus geschehen ist. Die Durch­führung der Aufgabe, jedem schaffenden Deutschen über den Lautsprecher die Führerrede zu Gehör zu bringen, wird technisch von den Funkwarten der NSDAP, übernommen. In zwei kurzen Vor­trägen, am 15. und 16. März, werden die Herren Oberpostrat Dr. W r a tz k e und Dr. Jng. Nestel die technischen Maßnahmen besprechen, die zur Durchführung notwendig find. Die Vorträge werden zu verschiedenen Zeiten von sämtlichen deutschen Sendern wiedergegeben. Für alle an der Durchführung dieses Gemeinschaftsempfangs Betei­ligten ist es deshalb wichtig, sich diese Vorträge anzuhören. Außerdem verweisen wir darauf, daß die Richtlinien für die Durchführung als Sonder­druck des Deutschen Funktechnischen Verbandes Berlin zu beziehen sind.

Die komm. Jägermeister in Hessen-Nassau.

VomHubertus", Verein weidgerecht terJäger, SitzGießen, wird uns mitgeteilt:

Der kommissarische Provinzjägermeister für Hes­sen-Nassau (Regierungsbezirk Wiesbaden) hat fol­gende kommissarische Jägermeister in den an Ober­hessen angrenzenden Kreisen ernannt: KreisBie­denkopf: Hauptmann a. D. Theis (Gladen­bach); Kreis Frankfurt a. M.: Kaufmann Haas - Gottschneider (Frankfurt a. M.); Kreis Ufingen: Dr. med. Schmieder (Rod a. d. Weil); Kreis Obertaunus: Dr. Fritz Reinhardt (Frankfurt a. M.); Kreis Wetz­lar: Fabrikant Dr. Karl Hensoldt (Wetzlar). Da am 1. April sämtliche noch gültigen preußischen Jagdpässe ungültig werden, muß ihre Erneuerung alsbald bei dem zuständigen Kreisjägermeister (nicht Landrst, wie seither!)* schriftlich beantragt werden. Anzufügen sind Paßbild, Angabe der Nummer und des Löfungsortes des letzten Jahresjagdscheines, Ausweis über genügende Jagdhaftpflichtoersiche­rung (150 000 bzw. 15 000 Mark) und Nachweis der Mitgliedschaft im Landesverband preußischer Jäger. Da mit starkem Andrang bei den neuen Jagdbehörden in den nächsten Wochen zu rechnen ist, empfiehlt es sich, die Anträge baldigst einzurei­chen, damit im Paßbesitz keine Unterbrechung ein­tritt.

Vorsicht mit Gistweizen.

In verschiedenen Teilen Deutschlands sind in den letzten Wochen erhebliche Verluste an Fasanen und Rebhühnern durch Aufnahme von Giftweizen ein­getreten. Gewisse Beobachtungen deuten darauf hin, daß auch in unserer Gegend ähnliche Ein­gänge zu verzeichnen sind. Die gesetzlichen Vor­schriften besagen, daß Giftweizen unter die Erde gebracht werden muß und nicht sichtbar fein darf. Leider wird aus Bequemlichkeit dem vielfach ent­gegengehandelt. Wer leichtfertig beim Auslegen handelt, läuft Gefahr, schadenersatzpflichtig gemacht zu werden. Der betreffende Bauer handelt aber auch gegen sich selbst. Denn das Rebhuhn vertilgt derartige Mengen von Unkrautsamen und Kerb­tieren, daß der Bauer es schützen sollte, wo unb wie er nur kann. Ebenso ist der Fasan ein her­vorragender Schneckenvertilger, der dazu noch eine Unmenge von schädlichen Insekten und Larven vernichtet. Im Kropfe eines einzigen bei Wieseck geschossenen Fasanenhahnes befanden sich zwei Wei- bebürfte zur Verarbeitung der Ermüdungsstoffe vor allem eines gefunden Schlafes. Nervöse Menschen verbrauchen ihren Vorrat an Alkali-Reserven sehr rasch, eine Entwicklung, die nicht von der Größö der Arbeit abhängt. Natürlich können auch bie verschiedenartigsten organischen Erkrankungen bie Ursache von Müdigkeitserscheinungen sein, wie z. B. bie krankhafte Herzschwäche, bie ganz plötzliche Er­mattungserscheinungen hervorruft, weil bei ihr schon burch verhältnismäßig geringe Arbeitsleistun­gen große Mengen Milchsäure entstehen. Auch Nierenschwäche hat häufig Schlafsucht zur Folge, weil sich bie schäblichen Stoffe in Blut unb Ge­weben anhäufen, anstatt ausgeschieben zu werben. Em nicht genau bestimmbares Müdigkeitsgefühl tritt bes öfteren vor Infektionskrankheiten auf unb äußert fick als einebleierne Schwere", bie sich auf alle Glieder erstreckt. Die allgemeine Mattigkeit bei tuberkulösen Erkrankungen ist ebenso bekannt wie das Müdigkeitsgefühl des Krebskranken. Diese Vorgänge bedürfen zwar noch der letzten Auf­hellung, man glaubt aber annehmen zu dürfen, daß die ins Blut kommenden Bakteriengifte als Er- mudungsstoffe auftreten, wie bei Krebskranken Zellverfallsprodukte diese Rolle übernehmen. Wäh­rend die gesunde Müdigkeit immer wieder durch Schlaf und Ruhe ausgeglichen werden kann, wenn man die Grenze der körperlichen Leistungsfähigkeit überschreitet, ist das bei der krankhaften Müdigkeit nicht der Fall, sondern sie ist ein ernstes Warnungssianal, das der Mensch im Interesse seiner Gesundheit beachten sollte.