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Oer Staatsstreich in Estland.

Das kleine Estland mit seinen wenig über eine Million Einwohnern hat sich nun auch eine große staatspolitische Sensation geleistet, die Regierung hat plötzlich den Kriegszustand gleich auf sechs Mo­nate verkündet, die ganze Exekutive also in die Hände des Militärs gelegt und die Führer der Freiheitsbewegung verhaften lassen. Der Durch­schnittseuropäer ist über die innerpolitischen Vor­gänge Estlands nicht so weit unterrichtet, daß er sich darunter überhaupt etwas vorstellen kann. Immerhin, von solchen Putschen läßt sich wohl der Anfang, aber nie das Ende bestimmt erkennen, und deshalb ist es notwendig, daß man sich etwas eingehender mit der Vorgeschichte befaßt.

Die Freiheitskämpfer waren ursprünglich ein Verein der aktiven Teilnehmer an dem Unab­hängigkeitskriege gegen Sowjetrußland, der von 1918 bis 1920 dauerte. Sie haben in den letzten Jahren aus den Kreisen der jüngeren Generation starken Zuzug bekommen, so daß sie heute etwa als eine e st nische jungnationale Bewe­gung mit starkem faschistischen Ein­schlag zu bezeichnen sind. Sie haben sich in den politischen Wahlkampf gestürzt und dabei im ver­gangenen Jahr taktisch und sachlich beachtliche Er­folge erzielt. Ihr Programm geht auf eine erheb­liche Machterweiterung der Exekutive.

Die alten Parteien wollten ihnen den Wind aus den Segeln nehmen, indem sie von sich aus eine Verfassungsreform durch Verstär­kung der Rechte des Präsidenten vorsahen. Die Freiheitsbewegung aber bekämpfte dieses Gesetz und brachte es auch mit Hilfe der Sozialdemokraten zu Fall, um dann unmittelbar darauf ihr eige­nes sehr viel weitgehenderes Volksbegehren durch­zusetzen. Gleichzeitig hat sie bei den Stadtverord­netenwahlen mit gutem Erfolg gearbeitet und in den drei größeren Städten Reval, Dorpat und Narwa die Mehrheit erobert. Für den kommenden Monat ist die Wahl des Parlaments und die Wahl des Staatspräsidenten in Aussicht genommen. Die Freiheitskämpfer glaubten, daß ihnen auch hier der Erfolg treu bleiben würde.

Wenn jetzt die staatlichen Machtmittel gegen sie eingesetzt werden, so liegt zunächst die Vermutung nahe, daß die Parteien, die nach wie vor auf den Parlamentarismus schwören, sich dieses unbeque­men Konkurrenten durch eine solche Operation ent­ledigen wollen. Es ist auch nicht recht glaubhaft, daß eine Partei, die mit ziemlicher Wahrschein­lichkeit auf den Sieg rechnete, sich kurz vorher ihre Aussichten durch einen gewaltsamen Putsch zu- nicht macht. Ausgeschlossen allerdings nicht, denn die Kraftzentren der Freiheitsbewegung lagen hauptsächlich in den Städten. Es wäre immerhin denkbar, daß aus dieser Erkenntnis heraus die

Führung mit dem Plan umgegangen ist, durch einen Gewaltstreich auch ohne die Wahlen oder vor den Wahlen sich die Macht zu sichern.

Was daran richtig ist, kann sich erst zeigen, wenn die estnische Regierung ihre Beweise vorlegt. Einst­weilen ist jedenfalls durch die Verhaftung aller Führer die Freiheitspartei in Verwirrung gebracht. Fragt sich nur, ob sie sich mit diesem Schicksal ab­findet oder nachträglich doch den Versuch macht, sich der Staatsautorität zu widersetzen, trotz der an sich nur geringen Aussichten. Der ganze Vorgang ist aber Zeichen dafür, wie stark der Widerstand gegen das überlebte parlamentarische System sich überall geltend macht, und er ist außenpolitisch be­achtlich, eben weil Estland unter dem Schatten Rußlands lebt und irgendwo Anschluß suchen muß, wenn es auf die Dauer seine Selbständigkeit retten will.

Oer Llebergang zur Oiktatur.

Bor der Auflösung des Parlaments.

Reval, 13. März. (DNB.) Die Haussuchungen bei i>en estnischen Freiheitskämpfern wurden auch am Dienstag fortgesetzt. Lis jetzt sollen etwa 300 Verhaftungen erfolgt sein. Der Aeltestenrat des Parlaments beschloß, dasPar^amentam Frei­tag nach Annahme des Staatshaushalts, die in einer Sitzung in drei Lesungen erfolgen soll, a u f z u l ö - s e n. Da kaum anzunehmen ist, daß die für den April angesetzten Präsidenten- und Par­ia m e n t s w a h l e n bei der gegenwärtigen Lage stattfinden, ist mit einer längeren parlamentslosen Zeit zu rechnen. In dieser Zeit wird der jetzige Staatsälteste P ä t s mit den Vollmachten eines Staatspräsidenten die Regierung führen. Den verhafteten Führern der Freiheitskämpferver­bände wird Vorbereitung eines bewaff­neten Aufstands vorgeworfen. Man nimmt an, daß sich die Untersuchung sehr in die Länge ziehen wird, so daß mit dem Prozeß gegen die Freiheitskämpfer erst in einigen Monaten zu rech­nen ist. Es sind im übrigen nicht nur die Organi­sationen der Freiheitskämpferbewegung geschlossen worden, sondern auch sämtlichen politischen Parteien ist jede Tätigkeit verboten worden. Insbesondere dürfen keinerlei politische Versammlungen stattfinden. Einstweilen ist es nir­gends zu Ruhestörungen gekommen. Die Regierung, die diktatorische Gewalt ausübt, fühlt sich vollkom­men als Herrin der Lage. Sie beabsichtigt, das estländische Militär von allen Anhängern der Frei­heitskämpferbewegung zu reinigen. Die von der Garnison angeforderten Militärposten sind wieder zurückgezogen worden.

es gewesen, der durch sgine Entdeckung des Diphtherie-Heilserums nicht nur zahllose Kinder vor dem sicheren Tode bewahrte, sondern auch durch seine geniale Tat das Fundament für eine ganz neue Heilmethode legte. In der Bergmann- schen Klinik in Berlin wurden Weihnachten 1891 die ersten Kinder vom sicheren Tode gerettet. Im gleichen Jahre fand Behring, zusammen mit dem Japaner K i t a s a t o , das Tetanus- Serum, das im Weltkriege seine Feuerprobe glänzend bestehen sollte, indem es Hunderttausende von verwundeten Soldaten vor dem qualvollen Tode an Wundstarrkrampf bewahrte.

Bund deutscher Kunstvereine.

Der im Jahre 1909' gegründete Verband deutscher Kunstvereine ist als selbständige Fachschaft unter der Bezeichnung Bund deutscherKun st vereine in die Reichskammer der bildenden Künste einge- gliedert worden. Zum Bundesvorsitzenden wurde gewählt und bestätigt der Oberbürgermeister von Halle (Saale) Dr. Weide mann, geschäftsfüh­rendes Vorstandsmitglied ist Hofrvt Erwin Pixis (München). Außerdem gehören dem Vorstand an: der Syndikus des Deutschen Städtetages Stadtver- ortmeter Dr. Otto Benecke (Berlin), Fabrikant A. W. Fahren holz (Magdeburg) und der Di­rektor der Städtischen Sammlungen, Stadtrat E. Stahl (Nürnberg).

Tagung des fachwissenschaftlichen Ausschusses des Reichsverbandes Deutscher Dentisten in München.

Der Reichsführer der deutschen Dentisten Schaef­fer, Schwandorf, eröffnete die Tagung des fach- wissenschaftlichen Ausschusses des Reichsverbandes Deutscher Dentisten, der die Ausbildung des Den­tisten in den ständischen Aufbau des nationalsozia­listischen Staates einzugliedern und dafür zu sorgen hat, daß die Aus- und Fortbildung der Dentisten dem Staate etwas Wertvolles bringt. Neben der Fürsorge für das Ausbildungswesen dient der fach- wissenschaftliche Ausschuß dem Kamps gegen die Zahnverderbnis durch Kariesforschung und prophy­laktische Kariesbekämpfung. Dieser festeren wird auch das Ausstellungswesen des Reichsverbandes dienstbar gemacht werden. Aufklärungsfilme und Aufklärungsschriften werden im Kampf gegen die Zahnverderbnis eingesetzt werden und auch den Ernährunasfragen wird der fachwiffenfchaftliche Ausschuß seine Aufmerksamkeit schenken, wie er auch das Rasseproblem in sein Blickfeld rücken wird. Die Fragen Paradentose-Paradentitis und Fokalinfek­tion werden behandelt werden. Die Heranbildung eines Stabes von Vortragenden, die Erstattung von Gutachten, die Prüfung von Neuerungen, von Er­findungen und Behandlungsmethoden werden dem fachwissenschaftlichen Ausschuß obliegen.

Osler-Schachturnier in Bad Ems.

Am Gründonnerstag beginnen die alljährlich statt­findenden O st er-Schacht urniere in Bad Ems, während dessen der Landesleiter die über den gan­zen Landesverband Mittelrhein sich erstreckende Neuorganisation verkünden wird. Mitglie­der des Landesverbandes Mittelrhein und alle deutschen Schachfreunde treffen sich an Ostern in Bad Ems.

Aus aller Welt.

Tlv. 197 054 gewinnt das große Los.

Das große Los ist am Mittwoch früh gezogen worden und traf auf die Nummer 197 054. In der ersten Abteilung entfällt die Glücksnummer als Achtellos nach Berlin, in der zweiten Abtei­lung als Einachtellos nach Sachsen.

Blutiges Llebesdrama in Nierstein.

In Nierstein a. Rh. ereignete sich eine blutige Liebestragödie, der zwei Menschenleben zum Opfer fielen. Der 21 Jahre alte Georg Jtzstein, der seit einiger Zeit mit der 19jährigen Schneiderin Lustenberger ein Liebesverhältnis unterhielt, das von den Eltern des Mädchens nicht gebilligt wurde, erschien am Dienstagmorgen in der Wohnung sei­ner Geliebten, angeblich um eine Aussprache herbeizu­führen; als die Mutter des Mädchens von der Frühmesse nach Hause kam, schoß der junge Mann ohne weiteres die 52 Jahre alte Frau nieder. Dar­auf feuerte er auf das Mädchen und brachte sich schließlich selbst einen Schuß in den Kopf bei. Das Mädchen war sofort tot. Die Mutter und der junge Mann wurden in das Krankenhaus nach Mainz ge­bracht, wo die Frau im Operationssaal starb. Ob der Täter mit dem Leben davonkommen wird, ist noch ungewiß. Jtzstein scheint sich schon lange mit der Absicht getragen zu haben, dem Verhältnis

Vom Lustwiderstan­der Kraftwagen.

Bemerkungen zur Berliner Krastwagenauöstellung. rZon Max Fischer.

Nachdruck verboten!

Wie die Eisenbahn so haben auch die Kraftwagen­bauer die Erfahrung gemacht, daß bei den heuti­gen hohen Geschwindigkeiten der Luftwider­stand eine erhebliche Rolle spielt; oder mit ande­ren Worten, daß man mit derselben Betriebsstoff­menge bei windschnittigen Wagen eine größere Ge­schwindigkeit erzielen oder bei derselben Geschwin­digkeit mit weniger Betriebsstoff auskommen kann. Diese Erkenntnis wird man wie schon auf der vorigen Ausstellung in diesem Jahre in erhöh­tem Maße in die Tat umgesetzt sehen.

Um einen Begriff zu geben, wie sehr die Form eines bewegten Gegenstandes den Luftwiderstand beeinflußt, wollen wir eine runde Platte senkrecht zu ihrer Fläche mit 100 Kilometer Geschwindigkeit durch die Luft bewegen, deren Größe dem Quer­schnitt eines Kraftwagens entspricht. Nehmen wir an, sie habe den Widerstand 100: Dann hat ein ge­wöhnlicher Kraftwagen etwa die Hälfte, ein strom­linienförmiger Körper aber nur den Widerstand 6,3, ein dem Luftwiderstand in seiner Form ange­paßter Kraftwagen etwa den Widerstand 28. Man sieht also, daß durch die Anpassung der Form aller­hand Betriebsstoffersparnisse erzielbar sind.

Nun wird zwar immer gesagt, die Strom­linienform werde erst bei einer Geschwindigkeit von 80 Kilometer in der Stunde vorteilhaft, weil ja der Luftwiderstand dreimal schneller wächst als die Geschwindigkeit. Er ist also bei Geschwindigkeiten unter 80 Kilometer noch verhältnismäßig gering. Dabei ist aber zu bedenken, daß ja zur Geschwin­digkeit des Wagens bei Gegenwind auch die Wind­geschwindigkeit hinzuzuzählen ist. Beträgt diese z. B. 5 Meter in der Sekunde, das ist durchaus noch kein sehr schlimmer Wind so kommen fast 20 Kilometer dazu. Ein mit 60 Kilometer Geschwin­digkeit fahrender Wagen hat also dann in bezug

durch eine Gewalttat ein Ende zu machen. Bereits seit mehreren Tagen fiel es den Nachbarn auf, daß sich Jtzstein morgens in verdächtiger Weise um die Wohnung des Mädchens herumtrieb. Als am Diens­tag der Vater des Mädchens nach seiner Arbeits­stätte gegangen war, drang Jtzstein, mit zwei Re- Doloern bewaffnet, in das Anwesen ein. Das Mäd­chen flüchtete, wurde aber von dem Mörder im Hofe eingeholt, wo er es durch einen Herzschuß so­fort tötete. Darauf begab sich Jtzstein in das Haus und suchte die Mutter, die er in der Küche fand. Nachdem er auch die Frau niedergeschossen hatte, brachte er sich einen Schuß in den Kopf bei. Der Arzt Dr. Zimmer und ein Polizeiwachtmeister fanden die Mutter und Jtzstein in hoffnungslosem Zu­stand auf.

Sturm und Hochwasser an der ligurischen Küste.

An der gesamten ligurrschen Küste herrschte in den letzten Tagen, wie aus Mailand gemeldet wird, orkanartiger Sturm und Hochwasser. Die Schiffe in den Häfen muhten besondere Sicherheits- vorkebrungen treffen und die Ankerketten verstär­ken. In Savona riß sich ein Motorschiff los und zerschellte an der Mole. Verschiedenen auf hoher See befindlichen Schiffen mußte vom Hafen aus unter größten Schwierigkeiten Hilfe gebracht werden. Die elektrische Zentrale bei Ventimiglia, die die Eisenbahnlinie VentimigliaGenua mit Strom versorgt, fing aus unbekannten Gründen Feuer. Die Eisenbahnzüge auf den elektrisch betriebenen Bahnen haben riesige Verspätungen, weil durch den Sturm die elektrischen Leitungen an vielen Stellen beschädigt worden sind. Man hat bis zur Behebung der Schäden aushilfsweise Dampflokomotiven ein-

auf die Luft schon 80 Kilometer Geschwindigkeit. Man wird also zweckmäßig die Stromlinienform auch schon bei geringeren Geschwindigkeiten an­wenden.

Zuerst setzte man den Luftwiderstand nur dadurch herab, daß man die Windschutzscheibe nach hinten neigte. Wirkungsvoller war natürlich das Tiefer­legen des ganzen Wagenkastens, weil sich dadurch der dem Wind entgegenstehende Quer­schnitt des Wagens erheblich vermindert. Weniger wirksam ist das Schrägstellen des Kühlers und der Schlitze in der Motorhaube, besonders wichtig aber ist ein spitzes Wagenende, damit die Lust hinter dem Wagen wieder ohne Bildung eines Unterdrucks und von störenden Wirbeln zusammengeführt wird. Die Vermeidung aller vorstehenden Teile vermin­dert den Luftwiderstand beträchtlich. Man wird des­halb zu B. die Winker nicht außen am Wagen an­bringen dürfen, sondern sie in eingeklapptem Zu­stand in Winkertaschen verschwinden lassen; ebenso müssen die Laternen eingebaut werden. Quer zur Fahrtrichtung stehende Nummernschilder er­höhen den Luftwiderstand beträchtlich. Die Bestim­mungen hierüber müssen geändert werden.

Die tiefe Lage des Wagenaufbaues hat natürlich auch beträchtliche Schattenseiten. Die Wagen­kasten liegen zum Teil heutzutage so tief, daß man mit den Wagen auf schlechten Wegen nicht mehr fahren kann, über Gräben überhaupt nicht. Bei Straßenausbesserungen und den damit verbunde­nen Umleitungen wird dies vielfach unangenehm fühlbar. Es kommt z. B. vor, daß Oel enthaltende Teile beschädigt werden, so daß das Oel ausläuft und man mit dem Wagen feftfitzt. Das ist natürlich sehr unangenehm, ganz abgesehen von den in sol­chen Fällen gewöhnlich sehr hohen Instandsetzungs­kosten.

Besonders störend ist es, daß man bei Hinterrad­antrieb die Antriebswelle bei der tiefen Lage des Wagenaufbaues nicht mehr unter dem Wagen ent­langführen kann. Das zwingt dann entweder dazu, daß man die Welle in einem Wellentunnel durch den Wagenkasten hindurchführen muß, was für die Insassen sehr unbequem ist, oder daß man die Vor­derräder antreiben oder den Motor in das Heck verlegen muß.

Der Heckmotor hat den großen Nachteil, daß man ihn beim Fahren nicht so gut mit den Ohren

gestellt. An der neuen Küstenftraße SavonaAl- bissola ist eine große Lawine niedergegangen, die den Verkehr völlig stillegte. In Finale wurde ein Mann, der am Ufer stand und die Wellen be­trachtete, von der Gewalt des Windes in das Meer geschleudert, wo er ertrank. Auch in Genua ist das Meer stellenweise weit über die Straßen bis an die Eisenbahndämme herangetreten.

Stürmische lleberfahrt derVerengaria". Rückreise nach USA. mit Gold, Silber und Schnaps.

Der DampferBerengaria" traf am Dienstag­abend nach einer stürmischen Ueberfahrt mit starker Verspätung aus Neuyork in Southamp­ton ein. Am Sonntag wurde das große Schiff von riesigen Wellen dermaßen hin- und hergeworsen, daß zwei im Kassenraum eingebaute Stahlschränke von drei Meter Höhe und einem Gewicht von je zwei Tonnen losgerissen und umgestürzt wurden. Zahlreiche Möbelstücke und viel Geschirr wurde zer­brochen. Zehn Fahrgäste und ein Mann der Be­satzung erlitten leichte Verletzungen. Heute Vormittag mußte das Schiff bereits wieder die Fahrt nach Neuyork antreten. Es nimmt 150 Kisten Gold im Werte von 1,50 Millionen Pfund Ster­ling, 2000 Barren Silber und 6000 Kisten Likör mit.

Ein füdfranzöfifches Dorf von einem Erdrutsch bedroht.

Das füdfranzöfifche Dorf Roquebillere i n d e n Seealpen, das erst im Jahre 1926 durch einen Erdrutsch teilweise zerstört worden war, steht e r - neut vor der ernften Gefahr, durch einen Erdrutsch verschüttet zu werden. Im Anschluß an die letzten schweren Regenfälle

überwachen kann wie den vorn fitzenden Motor. Aber auch der Vorderradantrieb hat erhebliche Nach­teile. Die Uebertragung auf die zum Steuern dienenden Vorderräder erfordern eine ziemlich verwickelte Bauart. Es feht daher nicht an Stimmen, die in dieser Richtung vor lieber» treibungen warnen, und der Ansicht Ausdruck geben, man solle die ganzen durch einen gesteiger­ten Wettbewerb in den letzten Jahren entstandenen verwickelten Bauweisen über Bord werfen und einmal wieder einen ganz einfachen und dadurch billigen Kraftwagen auf den Markt bringen. Viel­leicht haben diese Stimmen gar nicht so unrecht, denn wenn man so manche Bauweisen ansieht, so ist die Anschauung nicht ganz von der Hand zu weisen, daß wir den Kraftwagen vielleicht doch schon in mancher Richtung überzüchtet haben.

Medizinisches Weltbild vor 2003 ahren

Wie unendlich fern von der heutigen Auffassung der Naturvorgänge vor zwei Jahrhunderten auch die Hochschulgebildeten waren, geht aus vielen Aus­zeichnungen jener Zeit deutlich hervor. Als bezeich­nendes Beispiel dafür führt Dr. Vorwahl in derDeutschen Medizinischen Wochen- schrift" die Chronik des Marienburger Bürger­meisters Samuel W i l h e l m i an, der von 1660 bis 1730 lebte. Wilhelmi hatte sich mit der ganzen Bildung seiner Epoche vertraut gemacht und zeigt die mannigfachsten Interessen, so auch für die Me­dizin. Dem modernen Leser fällt besonders auf, wie eifrig er Nachrichten von sonderbaren Himmels­erscheinungen registriert. Das hat seinen Grund in dem Glauben an die Astrologie, der man noch immer huldigte. Man nahm die Einwirkung der Himmelskörper auf alle irdischen Vorgänge an und richtete danach nicht nur Ackerbau und Gartenbe­stellung, sondern auch die Behandlung menschlicher Krankheiten ein. Jedem der zwölf Tierkreisbilder schrieb man einen Einfluß auf bestimmte Glieder zu: der Widder beherrschte das Haupt, der Stier den Hals, die Zwillinge Schultern und Arme, der Krebs die Brust, der Löwe Herz und Lenden, wäh­rend die Fische mit den Füßen in Zusammenhang gebracht wurden. So hieß es z. B., daß sich im Februar, wenn die Sonne in das Zeichen der Fische tritt, im Menschen der Schleim erneuert.

wurden an den Bergen, die das Dorf umgeben, mehrere tiefe Risse festgestellt. Ein erster Erdrutsch richtete noch keinen Schaden an. Die Behörden haben sich aus Sicherheitsgründen ge­nötigt gesehen, d i e Räumung des Dorfes anzuordnen.

Kältewelle über Mexiko.

Große Teile des mexikanischen Bundesgebiets wurden von einer Kältewelle heimgefucht, die schweren Schaden anrichtete. Allein in den Staaten Queretaro und Guanajuato beträgt der Ernte­schaden mehrere Millionen Pesos.

13 Ueberlebende und 17 Tote vomlomoffuru geborgen.

Am Mittwochfrüh betrug die Zahl der geretteten Ueberlebenben des gekenterten japanischen ZerstörersTomotsuru" 13. 17 Leichen sind ge­borgen worden. Man hat jetzt mit Schneidbrennern den Schiffsrumpf aufgeschweißt. Der verun­glückte Zerstörer war ein ganz neuer Typ, auf den man große Hoffnungen setzte. Es sollten noch 16 Fahrzeuge gleicher Art demnächst auf Stapel gelegt werden.

Drei Retter vonKarsten-Zentrum" zu SS.-Scharführern befördert.

Die SS.-Männer Alexander Müller, Jakob R u f f e f und Johann Opielka , sämtlich aus Bebrek-Karf, die dem SS.-Sturm 4/III/23 Beuthen- Land angehören, sind zu SS.-Scharführern ernannt worden. Die drei Ausgezeichneten waren art den Bergungsarbeiten für die bei dem Unglück auf Karsten-Zentrum" eingeschlossenen Bergleute hervorragend beteiligt.

Schwierige Rettungsaktion für dieTfcheljuskin"-Vesahung.

Die Regierungskommifsion für die Rettung der Tscheljuskin"- Besatzung teilt mit, daß die Flugzeugbasis nunmehr von Kap Wellen nach Kap Wankarem verlegt worden ist, wo bessere meteoro­logische Verhältnisse herrschen. Der Flieger Ljapi­dewski hat am 10., 11. und 12. März drei Flüge unternommen, um Professor Schmidts Lager zu erreichen. Er mußte jedoch immer wegen Versagen des Motors umkehren. Heute will Ljapidewski von Kap Wankarem aus seine Flüge zum Schmidt- lager wieder aufnehmen. Der DampferStalin­grad" ist in Oltjutorskoje an der Ostküste Kam­tschatkas eingetroffen, wo er Flugzeuge und Brenn­stoffe löschte. Im Lager ist alles wohlbehalten. Die Eisorift hat fast aufgehört. Die geographische Lage war am 12. März 68,24,9 Grad nördlicher Breite und 137,17,3 Grad westlicher Länge.

Ein rNuttermörder zum Tode verurteilt.

Das Schwurgericht in Stettin verurteilte den 27 Jahre alten Autoschlosser Bernhard Rothen­burg aus Stettin wegen Mordes in zwei Fäl­len und Unterschlagung zweimal zym Tode und zu drei Jahren Gefängnis. Der Verurteilte hatte am 24. Dezember v. I. seine Mutter und seine Tante ermordet, um sich die Barmittel seiner Mutter an­zueignen.

Wettervoraussage.

Mit dem Herannahen eines neuen kräftigen Tiefs werden die Winde nach Süden zurückdrehen. Dabei kommt es vorübergehend noch zur Auf­heiterung, und die Temperaturen werden zum An­steigen gebracht. Die zufließende milde Luft wird aber dann wieder zum Aufzug von Bewölkung führen und später auch Niederschlagstätigkeit ein­leiten.

Aussichten für Donnerstag: Dunstig und bewölkt mit Aufheiterung, mild, aufkommende Niederschläge.

Aussichten für Freitag: Im ganzen mildes und zeitweise regnerisches Wetter.

Lufttemperaturen am 13. März: mittags 8,8 Grad Celsius, abends 3,7 Grad; am 14. März: morgens 3,4 Grad. Maximum 9,2 Grad, Minimum 0,6 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 13. März: abends 5 Grad; am 14. März: morgens 2,7 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 1% Stunden.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich sür Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der An­zeigen: Theodor Kümmel. DA. II. 34: 11 600. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K. G., sämtlich in Gießen.

Deshalb soll man in dieser Zeit feuchte Speisen vermeiden. Wer Gänse und Enten ißt, kann leicht Fieber bekommen, und wichtig ist es, in diesem Zeichen durch einen Aderlaß eine Blutreinigung vorzunehmen. Der Chronist schenkt den fabelhaf­testen Wundergeschichten vollen Glauben und läßt auch den Satan leibhaftig auftreten. Da das na­turwissenschaftliche Denken noch fehlte, so wird allen ungewöhnlichen Erscheinungen eine magische Bedeutung beigelegt, so auch den Monstrositäten. Die Berichte von Mißgeburten finden größtes Inter­esse. Da yören wir von Kindern mit zwei Köpfen, mit vier Armen und Beinen, von Mädchen, die mit der Stirn zusammengewachsen sind. Die Geburt von Siebenlingen und Achtlingen scheint dem Ver­fasser ebenso natürlich wie ein Lebensalter von 180 Jahren. Wenn eine Husumerin mit 64 Jahren noch einmal Milchzähne bekommen kann, so steht dem ersten Kindbett einer 86jährigen auch nichts im Wege. Der Kinderreichtum, der damals herrschte, wird öfters erwähnt, fo z. B. bei einem Prediger, der 14 Kinder, 40 Kinderskinder und 80 Kindes­kindeskinder fein eigen nannte, oder bei einer 93- jährigen, die 16 eigene Kinder, 114 Enkel und 228 Großenkel befaß. Ein 12jähriger Knabe wird im Bauch eines Walfisches entdeckt, und wir erfahren von zwei Wunderkindern, die mit 2 und 3V2 Jah­ren in den Wissenschaften schonerheblich progres- siert" waren. Sonderbare Heilmittel werden emp­fohlen, so z. B. gegen Pest und Schlafsucht der Branntwein:Denn er hilft, daß das Hirn und die Leber in Gesundheit verbleibet. Sonderlich sol­len ihn diejenigen brauchen, so einen flüssigen und festen Leib haben. Denn also verzehret sich die überflüssige Feuchtigkeit und der Leib wird von der schlafenden Sucht, Lethargus genannt, item vom Schlage und anderer kalter Krankheit preser- vieret." Gegen die Trunkenheit wird dasMagi- sterium" und der Adlerstein empfohlen:Wenn man dessen ein wenig trinket, so man trunken ist, so schlägt die Vapores, die sonst hinauf in den Kopf steigen, alle unter sich und wehret der Trun­kenheit." Das Magisterium war einMeisterstück" der Alchemie, das aus zerriebenen Perlen herge­stellt wurde; der Adlerstein ist ein Toneisenstein, der von arabischen Meistern verordnet wurde und sei­nen Namen dem Glauben verdankt, daß er in Adlernestern entstehe.