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Allgenzeugenbenchie von Flüchtlingen.

Auch zahlreiche Nichtmarxisten unter den Opfern der Kämpfe um die marxistischen Hochburgen.

Preß bürg, 13. Febr. (DNB.) Von Teil- nehrnern der Kämpfe der beiden letzten Tage in Oesterreich bzw. von Augenzeugen erhält man hier Berichte, die in einer ganzen Reihe von Fällen mit den amtlichen Verlautbarungen der Wiener Regierung nicht in Einklang stehen. Recht heftig tobten danach die Kämpfe um die gedehnten Wohnbauanlagen derGemeindeWien, der Wohnhausanlage von Sandleithen, die sich vom Wiener Gemeindebezirk Hernals nach jenem von Ottakrina hinzieht. Diese Wohnhausanlagen beher- berger Jehntausende von Mietern, meist Arbeiter, wohl aber auch Angestellte. Mehr als die Hälfte die­ser Mieter kann den Marxisten zugezählt werden, der Rest den Nationalsozialisten, die sich am Kampfe nicht beteiligten, trotzdem aber die Gebäude nicht verlassen konnten, weil sie teils durch die schwer­bewaffneten sozialdemokratischen Schutzbündler, teils durch die Belagerung von Polizei und Militär dar­an gehindert wurden. Unter den Hunderten von Toten und Verwundeten, die in diesem riesigen Ge- bäudekomplex eingeschlossen sind, befinden s i ch auch zahlreiche unschuldige, an den Kämpfen überhaupt nicht beteiligte Opfer, die selbst Antimarxisten waren. Nachdem eines der vielen Häuser aus diesem Komplex am frühen Dienstagnachmittag von Polizei und Militär besetzt worden war, erwies es sich daß es bereits vollkommen zusammengeschossen und sämtliche Insassen entweder tot oder schwer verwundet worden waren. Erst dann gelang es der Exekutive, dieses zur Ruine geschossene Gebäude

zu besetzen. Unausgesetzt fahren Sanitätsautos und Leichenwagen vor, um die Opfer fortzuschaffen.

Besonders heftig tobten d i e Kämpfe um das Arbeiterheim in Ottakring, das gleichfalls als Festung ausgebaut erschien. Es verlautet gerücht­weise, daß die Explosion des im Bezirk Ottakring gelegenen Gasometers von Artillerie der Re­gierung durch einen Fehltreffer erfolgte. Nicht min­der heftig waren die Kämpfe um die größte Ge- meindewohnbauanlage von Wien in Heiligen- st a d t und um den Bahnhof dieses Vorortes. Die Polizei stürmte mehrmals den Bahnhof, der im Laufe des Tages mehrmals den Besitzer wechselte. Auf beiden Seiten müssen Dutzende von Toten und Verwundeten geblieben fein.

Der Karl-Marx-Hof. dieser einer mächti­gen natürlichen Festung gleichende Wohnbaukomplex wurde Dienstag in den Nachmittagsstunden unter Artilleriefeuer genommen. Die Marxisten erwiderten das Feuer heftig. Einige Gebäudeteile wurden vom Artilleriefeuer umgelegt. Was alles . unter den Trümmern liegt, läßt sich gar nicht fest- j stellen. Auch hier wohnen zahlreiche Nicht- m a r £ i ft e n, die die Opfer der Kämpfe wurden. 1 In den Vormittagsstunden fuhr in gedeckten Stel- i langen eine Batterie Feldhaubitzen auf, die den S ch l i n g e r h o f unter Feuer nahm. Bis zur Mittagsstunde tobte der Kampf auf beiden Seiten. Aufforderungen, sich zu ergeben, schlugen die Aufständischen rundweg ab. Auch waren die Nichtmarxisten eingeschlossen und die unbeteiligten

I Opfer.

Auch im Lande noch schwere Kämpfe.

Preßburg, 13. Febr. (DNB.) In Linz waren nach den hierher gelangten Meldungen noch am Dienstagvormittag die Kämpfe bei der Werft Clirnax" sowie bei dem Linz beherrschenden Frei­berg besonders heftig. Am Freiberg liegt das Jesu­itenkloster, am Südwestabhang stehen die Pulverma­gazine, die es den Aufständigen besonders ange­tan haben sollen. Die Kämpfe um das sozialdemokra­tische Parteiheim waren grauenvoll. Man spricht in Linz im Gegegensatz zu den amtlich 24 als tot ge­meldeten Personen von mehr als 60 Toten und über 100 zum großen Teil schwer Verletzten. Die Kämpfe um die Südbahn waren besonders schwer, aber auch die in der Nähe des Kran­kenhauses. Die erst kürzlich erbaute Disterberg-Schule wurde von Artillerie beschossen. In den äußeren Stadtteilen von Linz tobte der Kampf zwischen 15 und 16 Uhr noch unentschieden hin und her.

Recht übel für die Regierung liegen die Dinge offenbar in Steiermark. Eine Telephonver­bindung besteht von dort nach den übrigen Ländern nur aus dem Ennstal. Darüber hinaus nach dem Süden hin ist man auf Nachrichten angewiesen, die von Motorradfahrern weitergebracht werden. Den erfolgreichsten Kämpfer gegen den Marxismus, den bekannten Gendarmerieoberstleut­nant Meisner, hatte die Regierung Dollfuß vor 14 Tagen gleich einer Reihe anderer nationalsozia­listischer Führer grundlos verhaftet und ins

Konzentrationslager gebracht. Darum herrscht noch jetzt in der Steiermark die größte Aufregung und Empörung, weiß man doch, daß zur Zeit, als man die Nationalsozialisten massenhaft verhaftete und ein­kerkerte, förmlich vor den Augen der Regierung die Aufrüstung der Sozialdemokraten erfolgte. Dies erklärt auch die große Anzahl von Toten.

In B r u cf an der Mur waren die Marxisten noch Dienstagmittag vollständig Herr der Lage. Die Exe­kutive, durch Ueberanstrengung und zahlreiche Ver­luste geschwächt, erwies sich als völlig ohn­mächtig. In Steyr war der Kampf äußerst hart. Der Schutzbund ist mit modernen Kara­binern, Maschinenpistolen und Handgranaten und mit guten Uniformen ausgerüstet. Seine Stärke schätzt man auf rund 2000 Mann. Die Stellung des Schutzbundes lag unter schwerem Haubitzenfeuer, durch das auch vier Häuser zerstört wurden. Dann wurde diese Stellung mit Unterstützung von Ma­schinengewehren gegen 16 Uhr durch Truppen des Bundesheeres aufgerollt. Ein Drittel der Schutz­bundabteilungen soll sich ergeben haben, der Rest zog sich zurück. Unter den Verhafteten befand sich auch der Bürgermeister S i ch e l r e d e r, der hier I bas Kommando geführt hatte. Auch außerhalb der Stadt dauert der Kampf noch an mehreren Stellen an.

Was wird in Oesterreich?

Oer Nationalsozialismus fordert das Selbstbestimmungsrecht für das österreichische Volk.

Berlin, 14. Febr. (DNB.) Unter obiger Heber» fchrifi heißt es in einem Artikel der Nationalsozia­listischen Parteikorrespondenz u. a.:

Die blutigen Ereignisse in Oesterreich haben mit einem Schlage die unhaltbaren politi­schen Zustände in diesem Lande aller Welt offenbar gemacht. Diejenigen, die den National­sozialismus als Träger des Bürgerkrieges und als Gefahr für den Bestand des Staates vor der Welt denunzierten, haben sich nun selbst als die Schuldigen an der Kata­strophe erwiesen. Es gibt nur eine Möglich­keit, dem Chaos in Oesterreich unmittelbar ein Ende zu setzen und damit diesen Brandherd in Mittel­europa auszutreten. Sie besteht darin, unverzüglich einen Schlußstrich unter das Willkür- regiment Dollfuß - Fey zu ziehen und dem österreichischen Volk selbst das Bestimmungsrecht über sein Schicksal in die Hand zu geben. Zu einer wirklichen Befriedung und Gesundung des öster­reichischen Staates bedarf es keiner höchst zweifel­haften internationalen Hilfsstellung durch den Völ­kerbund, sondern das österreichische Volk ift allein

in der Lage, seine Verhältnisse zu ordnen, wenn sich ohne Zögern diejenigen Kräfte zusammenfinden, die das Recht haben, das Volk in Oesterreich zu Der treten und eine Regierung zu bilden, die alle diejenigen Elemente ümfaßt, die willens sind, einer solchen grundlegenden Neuordnung der politischen Verhältnisse in Oesterrdich ihre Unter­stützung zu geben, und die über die Kräfte verfügen, sie gegen jeden Angriff zu verteidigen. Die Legi­timation einer solchen Regierung konnte nur in einem sofortigen Appell an das öster­reichische Volk liegen. Damit würden endlich die legalen Kräfte an die Stelle von ille­galen Abenteurern treten, die Oesterreich heute zum Schauplatz chaotischen Bruderkrieges zum Schaden des Volkes machen. Die Nationalsozialisten Oester­reichs, deren Kraft und Stärke im deutschen Volke Oesterreichs unangreifbar verwurzelt ist, wissen mit der gleichen Sicherheit, daß ihre Stunde kom­men wird, wie sie wissen, daß Dollfuß' Stunde geschlagen hat. Je eher und schneller sie kommt, um so besser für das schwergeprüfte österreichische! Volk.

Das Echo im Ausland.

London übt scharfe Kritik an Dollfuß

London, 14. Febr. (DNB.-Funkspruch.) Die Ereignisse in Oesterreich nehmen das Hauptinteresse der Blätter in Anspruch. Es wird zwar nicht be­zweifelt, daß die Regierung Dollfuß doch schließlich Herr der Lage werde, aber man hebt hervor, daß sie sich sehr schweren Problemen gegenübersehen Dürfte. ImNews Chronicle" wird von Gerüchten berichtet, nach denen das DiplomatifcheKorps in Wien an Dollfuß heranzutreten beabsichtige, um das Ende der Feindseligkeiten herbeizuführen, die in einigen Bezirken zur Abschlachtung Un­bewaffneter, barunterjyrauen, geführt hätten. Der konservativeDaily Telegraph" schreibt, die Gegner der Sozialisten hätten nicht geschickt operiert. Sie hätten ihre Absicht, die sozialistische Organisation zu unterdrücken, schon lange vorher deutlich gemacht und ihnen doch die Möglich­keit zum Widerstand gelassen. Infolge­dessen sei eine solche Menge Blut vergossen worden, wie bei keinem Handstreich dieser Art in Europa. Morning Post" glaubt, daß Dollfuß, wenn er feinem eigenen Willen hätte folgen können, irgend­eine Art der Verständigung mit den Sozialisten gesucht hätte. Er habe aber durch den politischen Druck der Nationalsozialisten die Handlungsfreiheit verloren und sich in die Arme der Heim­wehr geworfen. Sie habe jetzt den Preis für ihre Unterstützung gefordert. Dies sei die Erklärung der jetzigen Ereignisse.

Manchester Guardian" schreibt, der Bundeskanz­

lermit feinen halbverdauten Formeln von einem christlichen Ständestaat" habe sich einer g e - waltsarnen Organisation verkauft in der Hoffnung, daß sie allein Oesterreich vor den Nationalsozialisten retten könne. Die Heimwehr werde sich sicherlich über ihrenSieg" über den Austromarxismus freuen, aber sie habe, obwohl sie sich dessen vielleicht nicht bewußt sei, einen großen Schlag für den Nationalsozia­lismus getan. Das Rothermere-BlaltE v e- n i n g News" schreibt: Die Berichte über die Kämpfe in Oesterreich werden selbst die eingeschwo­rensten Feinde Hitlers davon überzeugen, daß diese Angelegenheiten in Deutschland besser ge­regelt werden. Die schweren Verluste waren viel größer als bei irgendeinem Zusammenstoß zwischen Hitlers Braunhemden und seinen roten Wider­sachern. Kein Land in Europa könne sich die kost­spielige Zwecklosigkeit der Sozialdemokratie oder die mit ihr verbundene Zeitverschwendung und das teure parlamentarische System so wenig leisten wie Oesterreich. Wiederum verlasse ein Land bas par­lamentarische System und wende sich mit neuer Hoff­nung dem Faschismus zu.Die Zeit schreitet vor­wärts."

Die Arbeiterpartei und der Gewerk­schaftskongreß gaben eine gemeinsame Er­klärung heraus, in der es u. a. heißt:Die öster­reichische Arbeiterbewegung leistet dem Angriff einer erbarmungslosen Diktatur Widerstand. Die öster­reichische Regierung kann nicht einmal auf dieUnterftützung von mehr als einem kleinen Teil des Volkes Anspruch er­heben. Die Verfassung ist an die Seite gesetzt

worden, das Parlament ist für beinahe ein Jahr nicht einberufen worden. Schlag auf Schlag ist gegen die grundlegenden bürgerlichen und politischen Freiheiten des österreichischen Volkes geführt wor­den. Die österreichische Arbeiterbewegung hat ihr Aeußerstes getan, um den Bürgerkrieg zu vermei­den. Die österreichische Regierung hat darauf be­standen, diesen heroorzurufen." Zum Schluß wird die Solidarität mit den österreichischen Arbei­tern und ihren Führern im Kampf um die demo­kratischen Einrichtungen ausgesprochen und mora­lische und finanzielle Hilfe der englischen Arbeiter­bewegung angeboten.

Auch Paris ist unzufrieden

Paris, 14. Febr. (DNB.-Funkspruch.) Die Er­eignisse in Oesterreich finden in Paris große Be­achtung. Interessant ist eine Enthüllung desEcho de Paris". Seit langem, so -schreibt das Blatt, sei Dollfuß entschlossen gewesen, mit dem Marxismus aufzuräumen. Der Einspruch der französi­schen Regierung habe die Durchführung dieser Absicht bisher verhindert. Bar- thou habe, als er das Außenministerium übernahm, diesen Einspruch Paul-Boncvurs b e ft ä t i g t. Als am letzten Montag beunruhigende Nachrichten aus Wien eintrafen, hätte aber der Quai d'Orsay leider mit seinem Wiener Vertreter keine Verbin­dung bekommen können. *

Oesterreich kann, so schreibtJournal des D ö b a t 5 , nur durch eine klar blickende, energische Politik gerettet werden, von der aber leider nichts z u merken ist. Während Polen dem Dritten Reich freie Hand läßt, verfolgt Italien sein Sonderspiel, das in erster Linie durch seine Feindschaft gegen die Kleine Entente bestimmt wird. England folgt dem Beispiel des Pontius Pilatus. Frankreich ermuntert wohl in seiner am Mon­

tag überreichten Note Oesterreich, sich an den Völker­bund zu wenden, aber es sagt nicht, ob es die feste Haltung einnehmen will, die allein die Lage retten kann.Das ist schlimmer als Sadova (Königgrätz)!" schließt das Blatt seinen Kassandraruf. Die Dollfußsche Völkerbunds­aktion

London, 14. Febr. (DNB. Funksvruch.) Viel­fach wird in der Presse der Ansicht Ausdruck ge­geben, daß die Österreichische Regierung von dem angekündigten Völkerbundsschritt vorläufig Ab­stand nehmen dürfte.Daily Telegraph" schreibt zum Beispiel, die französische Regierung ermutige wohl Wien, den Schritt zu unter­nehmen, aber in britischen Kreisen glaube man nicht, daß er tatsächlich erfolgen werde. Dollfuß bemühe sich zwar um Italien, Rom habe aber schon die ganze Zeit abgeraten, sich an den Völkerbund zu wenden. Die österreichische Regie­rung sei jetzt ferner beschäftigt, alle sozialistischen und kommunistischen Organisationen, wie das par­lamentarische Regime zu unterdrücken. Sie könne sich daher nicht länger auf b a s o b I« wollengewisserMüchtemit sozial! st i- schen oder halbsozialistischen Regie­rungen verlassen. Schließlich wünsche der Vorsitzende des Dölkerbundsrates, der polnische Außenminister Beck, ebenso wenig wie Musso­lini, daß der österreichisch-deutsche Streit in Genf zur Sprache gebracht werde. Seit Abschluß des pol­nisch-deutschen Paktes sei Warschau bemüht ge­wesen, zu vermeiden, sich in irgendeinen Streit zwischen Deutschland und einer dritten Macht hin- einziehen zu lassen ober dabei Partei ergreifen zu müssen.

Frankreichs Antwort auf die deutsche Abrüstungsnote.

Keine Antwort auf die gestellten Fragen. Barthou lenkt wieder in das alte Fahrwasser ein.

Andeutungen derpariferpreffe

Paris, 14. Febr. (DNB.-Funkspruch.) Die Presse befaßt sich mit dem Inhalt der französischen Abrüstungsnote.M a t i n" schreibt unter anderem, der neue französische Außenminister Barthou habe dem aus der Zeit Paul-Boncours von den Dienststellen des Quai d'Orsay vorbereiteten Ant­wortentwurf vollkommen umgearbei- t e t. Der Wortlaut der Note werde veröffentlicht werden, sobald die Wilhelmstraße davon habe Kenntnis nehmen tonnen. Der neue Text sei höf - lich aber entschieden und laufe darauf hin­aus, daß die französische Regierung von den deut­schen Ausführungen Kenntnis nehme und erkläre, ohne auf di e gestellten Fragen z u ant­worten, daß es Frankreich nicht möglich fei, irgendeine Maßnahme ins Auge zu fassen, die eine Rüstungsangleichung Deutschlands zum Ziele habe. Die von Barthou ausgearbeitete Antwort sei im letzten Kabinettsrat einmütig g e - billigt worden.

Petit Parisien" erklärt, jede Aussprache über die deutscherseits gestellten einzelnen Fragen fei solange überflüssig, solange nicht eine Verständigung über die Grundsätze erzielt sei. Das Blatt nimmt in diesem Zusammen­hänge ebenfalls auf eine eventuelle Rüstungsanglei­chung Bezug.Echo de Paris" glaubt darauf Hin­weisen zu können, daß die sranzösische Regierung jetzt lediglick) geneigt sei, an einer all­gemeinen Avrüstungsaussprache teil­zunehmen, d. h. daß die Verhandlungen in Genf weitergeführt werden müßten. Oeuvre" will wissen, daß die französische Antwort Ziemlich trocken gehalten sei und sich darauf be­schränke, die deutsche Einstellung zum Abrüstungs­problem a b z u l e h n e n. Die französische Antwort werde einige Sätze enthalten, denen zu entnehmen sei, daß Frankreich in seiner letzten Note und in seinem letzten Abkommensentwurf die äußerste Grenze seiner Zugeständnisse angegeben habe.

DasJournal des D6bäts" glaubt die Auffassung gut unterrichteter politischer Kreise wiederzugeben, wenn es behauptet, man sei sich in französischen Regierungskreisen darüber klar,daß die Forderungen des Reiches alle nützlichen Ver­handlungen unmöglich machten und daß die Verantwortung an einem Scheitern der Abrüstungskonferenz einzig und allein Deutschland zufalle, das feine Rüstungs­forderungen aufrechterhalte, ohne überhaupt d i e Garantiefrage anzuschneiden, die für die Festigung der Sicherheit notwendig sei." (!) London stellt Verfiel ung fest.

Geringe Aussichten für den englischen Abrüstungsplan.

London, 14. Febr. (DNB.-Funkspruch.) Zur Abrüstungslage schreibt derDaily Telegraph": Hen­derson und seine Kollegen hätten am Dienstag wi­derwillig zugeben müssen, daß mit dem Amts­antritt der neuen französischen Regie- r u n g eine entscheidende Aenderung in der Abrüstungsfrage eingetreten sei. Dies scheine in der französischen Abrüstungsdenkschrift, die Henderson am Montag erhalten habe, klar ge­macht worden zu sein und dürfte noch deutlicher aus der französischen Antwort auf die letzte deutsche Denkschrift hervorgehen. Das Kabinett Doumergue werde es a b l e h n e n, einer baldigen Aufrüstung Deutschlands ober einer Abrüstung Frankreichs zu­zustimmen. In weiten Kreisen glaube man, daß diese französische Politik die Aussichten des britischen Abrüstungsplanes gefährde. Es werde vielleicht sogar schwer fein, sie mit den weniger weitgehenden Bestimmungen des italieni­schen Planes zu versöhnen.

Der Pariser Korrespondent derTimes" meint, daß die französische Antwort auf die deutsche Denk- schnst zwar die Tür für weitere direkte Verhandlungen nicht schließe, aber den deutschen Standpunkt in allen wichtigen Fragen u n« annehmbar finde. Es bestehe reichlich Grund zu der Annahme, daß die französische Regierung in dieser Beziehung eine etwas ft eifere Hal- t u n g einnehmen werde als ihre Vorgängerin. Aber sei es nicht überraschend, zu hören (wenn auch noch keine amtliche Bestätigung oorliege), daß die fran­zösische Regierung auf den unbedingten Sicherheitsgarantien beharre und jedes weitere Abrüsten Frankreichs ablehne, falls es von irgendwelchem deutschen Aufrüsten begleitet fei?

Man glaube auch, daß die französische Regierung daraus bestehen werde, die deutschen Ver­bände bei jeder Berechnung der Mannschaftsstärke mitzuzählen. Endlich nehme man an, die französische Regierung habe zu verstehen gegeben, daß die jetzige Lage nicht unbegrenzte Zeit fortbauern könne unb baß eine entscheibenbe Lösung in ber nahen Zukunft gefunben werben müsse.

Edens Sn-ornwtionörcife.

Genf, 13. Febr. (DNB.) Das Dölkerbundssekre- tariat teilt mit, baß bas Büro her Abrüstungskon­ferenz in Lonbon beschlossen habe, bas Präsidium der Abrüstungskonferenz zum 10. April ein» zuberufen. Man sei der Ansicht gewesen, daß es bet dem gegenwärtigen Stand der Abrüftungs- frage unmöglich sei, Entscheidungen zu treffen, da diese die vorgesehenen Verhandlungen des englischen Lordsiegelbewahrers Eden in den Hauptstädten ungünstig beeinflussen könnten. Falls eine an den Verhandlungen beteiligte Macht es wünschen sollte, könnte die Tagung des Präsidiums auch bereits vor dem 10. April stattfinden. Wie Reuter meldet, wird Eden am 16. Februar nach Paris abreisen. Er beabsichtigt, sich am 19. Februar nach Berlin und am 21. Februar nach Rom zu be­geben.

Wieder Nutze in Paris.

Das Kabinett Doumergue stellt sich der Kammer vor.

Paris, 14. Febr. (DNB. Funkspruch.) In den Wandelgängen ber französischen Kammer herrschte am Dienstag trotz ber bevorstehenden Vorstellung ber Regierung Doumeraues nur wenig Leben und Treiben. Gruppen von Abgeorbneten besprachen die allgemeine Lage, man war sich im allgemeinen dar­über einig, daß die Partei st reitigkeiten nun endlich einer nutzbringenden Arbeit Platz machen müßten. Es wurde sogar in Er­wägung gezogen, den früheren Ministerpräsidenten D a l a b i e r zu bitten, in ber Donnerstagsitzung ber Kammer nicht zu erscheinen, da seine An­wesenheit möglicherweise zu ernsten Zusammen­stößen zwischen ber Rechten unb ber Linken führen könnte. Außerbem will man im Interesse ber Wie» berherstellung ber Ruhe an ben Abgeorbneten H e n- r i o t herantreten unb ihn bitten, seinen Jnterpella- tionsantrag auf gerichtliche Verfolgung Dalabiers unb seiner verantwortlichen Minister wegen ber Un­ruhen fallen z u lassen-. In gut unterrichteten parlamentarischen Kreisen rechnet man bamit, daß die Regierung Doumergue am Donnerstag eine Mehrheit von etwa 450 Stimmen auf sich vereinigen werde.

Hessens Finanzlage Ende Dezember 1933.

LPD. D a r m ft a b t, 13. Febr. Nach dem amt­lichen Ausweis stellt sich bie Finanzlage des Lan­des Hessen Enbe Dezember 1933 im laufenben Rech­nungsjahr wie folgt: Im orbentlichen Haus­halt finb 54,1 Mill. Mark Einnahmen ver­zeichnet unb zwar aus 23,894 Mill. Mark Reichs­steuern unb 28,633 Mill. Mark ßanbesfteuern, von benen 11,176 Mill. Mark an die Gemeinden über» wiesen werben, aus Überschüssen ber Betriebe 0,884 Mill. Mark, aus ber Rechtspflege 1,784 Mill. Mark, aus Schule, Wissenschaft, Kunst unb Kirche 0,194 Mill. Mark unb aus ber übrigen Canbes- oerroaltung 9,882 Mill. Mark.

Die Gesamtausgaben Ultimo Dezember betragen 58,587 Mill. Mark unb zwar für allge­meine Verwaltung einschl. Polizei 8,724 Mill. Mark für Rechtspflege 5,381 Mill. Mark, für Verkehrs­wesen 0,154 Mill. Mark, für Schule, Wissenschaft, Kunst unb Kirche 17,899 Mill. Mark, für soziale Maßnahmen unb Gesundheitswesen 3,942 Mill. Mark, für bas Wohnungswesen 0,001 Mill. Mark für Schulbendienst 3,052 Mill. Mark, für Ruhe­gehälter 12,171 unb für sonstige Ausgaben 7,263 Mill. Mark.

5m außerordentlichen Haushalt stehen 0,907 Mill. Mark Einnahmen 1,963 Mill Mark Ausgaben (darunter 1,240 Mill. Mark für Woh- nungsroefen) gegenüber.

Der Monatsausweiv stellt, wie bas Staats- preffeamt bazu mitteilt, bas Ergebnis eines Monats bar, in bem keine Lanbessteuern fällia waren. Das Zurückbleiben der Einnahmen um