/'•er:
W
- U:
t WH
M-
-. Mtz —
** -
BMFK 5<i (Mife ^ ■/. D~<v'» * '»•'
’-<. . v':
uüttwod), H. Zebruar 1934
184. Jahrgang
Nr. Z8 Erstes Blatt
Fortdauer des Bürgerkriegs in Oesterreich
diese unerhörten Spannungen kommen, die jetzt zur gewaltsamen Entladung drängten.
Nur einige Beispiele von vielen: Im September 1933, also vor kaum fünf Monaten, versprach die Regierung dem notleidenden Hotelgewerbe eine Regierungsunterstützung im Ausmaß von 10 Millionen Schillingen. Bis heute hat keiner der Hoteliers auch nur einen roten Heller davon zu sehen bekommen. Was Wunder, daß im Laufe des letzten halben Jahres viele Hunderte von Hotels und Gasthöfen zwangsweise den Besitzer wechseln mußten, weil die Hoteliers gar nicht mehr imstande waren, auch nur einen Bruchteil der Schuldzinsen zu erwirtschaften. Auch in der Landwirtschaft ist die Verschuldung auf ein Höchstmaß gestiegen. Hinzu kommen ungewöhnliche Währungsschwierigkeiten, die die Regierung zu verzweifelten Auswegen getrieben haben. So hört man beispielsweise, daß die Regierung unter der Hand Butter zu teuren Preisen aufkaufen ließ, um sie auf den Londoner Markt zu billigen Preisen zu verschleudern, ausschließlich zu dem Zweck, die Valuta zu stützen. Auch Korruptionsfälle haben sich in der letzten Zeit mehr als erwünscht gehäuft. Einer der amtierenden Minister ist beispielsweise im Nebenberuf der Fleischlieferant für die Konzentrationslager und von Herrn Fey wird glaubhaft versichert, daß er kürzlich den Besitzer einer Wiener Bar verhaften ließ, bei dem er eine außerordentlich hohe Zechschuld — gesprochen wird von 30 000 bis 40 000 Schillingen — hatte.
Solche Tatsachen, die sich zu Hunderten weiter anführen-ließen, sind der psychologische Hintergrund für die Aufruhrstimmung in Oesterreich. Dies Land verträgt es einfach nicht, daß es auf die Dauer der Spielball der Interessen volksfremder Einflüsse sein soll, und die Bevölkerung will es nicht ertragen, daß die Regierung sich weigert, ihre wahre Meinung zu hören. Die österreichischen Nationalsozialisten haben sich in diesen Tagen bewunderungswürdig ruhig verhalten, obwohl ja vielleicht nichts näher gelegen hätte, als daß sie ihrerseits einem morschen Regime bei dessen Auseinandersetzung mit dem Marxismus den Gnadenstoß gegeben hätten.
Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8%Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 60 Rpf.,Platzvorschrift oder schwieriger Satz 25% mehr Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Vereins- u. Tageskalender im Textteil 12 Rpf. je mm
zrann«« awmain Ilkse Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitätsvuch- und Steindruckerei R.Lange in Stehen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe r
Ein Hauptschauplatz des Bürgerkriegs ist der Karl-Marx-Hof in dem Wiener Arbeiterviertel Heiligenstadt, in dem sich größere Abteilungen des sozialdemokratischen Schutzbundes festgesetzt hatten, so daß die Polizei und das Militär mit Geschützen gegen sie vorgehen mußten.
Brennendes Oesterreich
Von unserem ^.-Berichterstatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Wien, 13. Februar 1934.
Aufruhr rast durch Oesterreich. Das, was sich in den letzten 24 Stunden in Linz und Wien, in Steyr, in Bruck, in Kapfenberg und Judenburg abgespielt hat, das ist der rote Auf st and, vor dem Herr Dollfuß seit vielen Monaten von allen Wohlmeinenden ebenso eindringlich wie vergeblich gewarnt wurde. 33 Tote und 163 Schwerverletzte wurden heute allein für Wien als die erste traurige Bilanz von amtlicher Seite zugegeben; die Gesamtzahl der Opfer wird in Wahrheit sehr viel höher
Lastkraftwagen mit feldmarschmäßig ausgerüsteten Soldaten des Bundesheeres durchfahren den Ring in Wien.
B e friedung des Landes herbei- dagegen sprechen alle geschichtlichen ' Auch die amtierende österreichisc'
Nuhige Nacht.
Heute morgen teilweise wieder Aufnahme des Verkehrs.
Wien, 14. Febr. (DNB. Funkspruch.) Im ganzen Stadtgebiet ist die Nacht ruhig verlaufen. Auch im Florisdorfer Gebiet, wo sich bekanntlich die Gegner noch gegenüberstehen, kam es w ä h - rend der Nacht zu keinen Kämpfen. Auch früh morgens hörte man nur ganz vereinzelt das Explodieren einer schweren Mine. Erft g ege n 8 Uhr nahm das Artillerie- und Minenfeuer wieder zu. Straßenbahn und Stadtbahn verkehren wieder. Am Ring allerdings ruht noch der Verkehr, um die dort besonders in der Umgebung des Polizeipräsidiums getroffenen Absperrungsmaßregeln aufrecht erhalten zu können.
Im österreichischen Rundfunk sprach Dienstag abend der Leiter des Sicherheitswesens Vizekanzler Fey. Er behauptete, daß der Widerstand bis auf wenige kleine Nester niedergeworfen fei. Als neu erwähnte der Vizekanzler, daß in Wien im 21. Bezirk das Polizeikommissariat aus der gegenüberliegenden Städtischen Feuerwehr beschossen worden sei. Es habe festgestellt werden können, daß die Stä tische Feuerwehr in vielen Fällen mit den Marxisten gemeinsame Sache gemacht habe. So seien im Schlingerhof im 21. Bezirk, wo nach dessen Einnahme 400 Schutzbündler verhaftet worden seien, Handgranaten aus dem Besitz der Städtischen Feuerwehr gefunden worden. Von den verhafteten Schutzbündlern werde ein beträchtlicher Teil vor das Standgericht kommen. Fast alle marxistischen Führer seien i m Gewahrsam der Behörden. Zum Schluß gedachte der Vizekanzler der „großen Zahl gefallener Angehörigen der staatlichen Exekutive". Er richtete an die Arbeiter eine Mahnung zur Einkehr und Besinnung.
Oie Zahl der Todesopfer.
Wien, 14. Febr. (DNB.) Noch immer ist durchaus keine Klarheit darüber zu erlangen, was das Blutbad in Wien an Opfern bisher gekostet hat. Es läuft zwar die Zahl von 384 Todesopfern um; jedoch wird behauptet, daß diese Zahl aus linksgerichteten Kreisen stammt, und daß sie als reine Kombination anzusehen sei. Die einzige sichere Angabe, die zur Verfügung steht, ist die über die Hahl der Personen, die schwer verwundet in dasAllgemeine Krankenhaus eingeliefert worden sind und dort ihren Verletzungen erlegen sind. Diese belief sich bisher auf 12 3 Personen. Ferner sollen in den Nachmittagsstunden des Dienstag 100 Leichen bei der Prosektur des Anatomischen Instituts eingeliefert worden sein. Die Rettungsgesellschaft gibt an, daß sie am Montag 136 Personen, am Dienstag 148 Personen behandelt hat. Dazu kommen noch 13 Fälle, in denen sie lediglich den (Eintritt des Todes feststellen konnte. Bei all diesen Angaben kann es sich selbstverständlich nur um Teilziffern handeln. Nach Informationen des Wiener Reuter-Vertreters dürfte d i e Zahl der Todesopfer in ganz Oesterreich nicht unter 500 anzusetzen sein.
rctes, Dr. Renner, und der Präsident des Bun- desrates, Koerner, verhaftet, ebenso der frühere ast allmächtige Finanzreferent des Wiener Gemeinderates Breitner und der Landesrat P e tz- n e k, der Gatte der sog. „roten Prinzessin", der Fürstin Windisch-Grätz, einer Enkelin des Kaisers Franz Joseph. Der Bürgermeister von Wien, Seitz, hat nach Angabe des behandelnden Arztes einen Schwächeanfall, aber keinen Schlaganfall erlitten. Seitz befand sich bis Dienstag nachmittag Im Rathaus. Darauf wurde er ins Polizeigefängnis gebracht
Erbitterte Kämpfe um Floridsdorf und Ottakring.
Wien, 14. Febr. (DNB.) In Floridsdorf haben Bundestruppen und Polizei auch in den Abendstunden des Dienstag den Widerstand der Marxisten noch nicht niederzuringen Derrn o d) t. Der innere Teil des Bezirks rund um das Polizeikommifsariat wird von Polizei, 700 Mann Bundesmilitär und fünf Feldgeschützen verteidigt. Zwischen diesem Kreise und der äußeren Front der Regierungstruppen dehnt sich ein breiter W i e - f e n ft reifen, der sich noch völlig imMacht- bereich der Schutzbündler befindet. Die Marxisten haben hier zwar keine festen Stellungen bezogen, jedoch liegt dieser Strich an den wichtigsten Verkehrslinien unter dem Maschinengewehrfeuer der Schutzbündler, die auch die Brücke besetzt halten. Von Niederösterreich sind Truppenreserven eingetroffen, die jedoch das Gelände noch nicht kennen. Bei Eintritt der Nacht sind Teile des Bundesheeres sowohl hier wie aus der Stadtseite aus der Aufmarschlinie zurückgezogen worden. Dies wird damit begründet, daß die Soldaten Gelegenheit zum Ausruhen haben müssen, um am Morgen in voller Frische eingesetzt werden zu können.
Ein neuer Kampf ist auch um das Arbeiterheim in Ottakring ausgebrochen. Wie es heißt, sollen die Sozialdemokraten, die durch unterirdische Gänge in die Nachbarhäuser geflüchtet waren, nachdem sie von dort aus das Arbeiterheim unter Mafchinengewehrfeuer genommen hatten, die schwache Polizeibesatzuna wieder hinausge- drängt u ii b das Heim erneut besetzt haben. Polizei geht nun erneut gegen das Arbeiter- Heim vor.
angegeben.
Die Wiener Bundesregierung mußte sich seit Tagen darüber im klaren sein, daß die Spannungen unerträglich zu werden drohten und daß es nur eines leisen Anstoßes bedurfte, um die gewaltsame Explosion auszulösen. Der Anlaß war dann sehr schnell gegeben, alsdieHeimwehren während der Reise des Herrn Dollfuß nach Budapest die Gelegenheit ausnutzten, um sich selbst gegen jedes Recht und jede Verfassung in den Besitz der staatlichen Machtmittel im Lande zu setzen. Die Söldner des Fürsten Starhemberg, denen Dollfuß vor Monaten den kleinen Finger gereicht hatte, ergriffen die ganze Hand und schufen eine Lage, in der es notwendigerweise zu schweren Blutopfern kommen mußte. Und zwar ausschließlich deshalb, weil die volksfremde Regierung Dollfuß, die sich seit vielen Monaten vor dem offenen Wahlgang scheut, es zugelassen hatte, daß die verhetzte und irregeführte Arbeiterschaft der Wiener Außenbezirke und^der Industriestädte im Lande sich auf das Kommando hinreichend bekannter austromarxistischer Agitatoren bewaffnete und verbarrikadierte.
Das Bild, das sich am Dienstagvvrmittag in den Elendsbezirken der österreichischen Hauptstadt bot, war grauenerregend. Allein in Floriedsdorf forderte eine sogenannte Säuberungsaktion, die durch die Polizei durchgeführt wurde, auf der Seite der Regierungskräfte 11 Tote. In anderen Quartieren, so in Ottakring und Favoriten mußte A r ti l l e r i e eingesetzt werden, um die großen modernen Wohnanlagen, die sozusagen die ewigen Zwingburgen des Austromarxismus sein sollten, nieder- zulegen, da sich in ihnen der Schutzbund verbarrikadiert hatte. In Steyr wurde von den Marxisten der Leiter eines großen Industrieunternehmens erschossen, an deren Stellen wurden Geiseln verhaftet. Auch in Nieder-Oe st erreich, auf dessen angebliche Treue Herr Dollfuß erst jüngst gelegentlich seines Staatsbesuches in Budapest pochen zu können glaubte, sind zahlreiche Unruheherde zu verzeichnen, und wenn in Tirol Ruhe herrscht, soweit man den hier vorliegenden amtlichen Meldungen glauben darf, so ist es doch nur ein Kirchhofs- ftiede, herbeigeführt durch das Terrorregiment einer wildgewordenen Heimwehrsoldateska. Das alles hat Herr Dollfuß mit feinem zwischen Schwäche und wildem Terror schwankendem Regime zuwege gebracht! Oesterreich, dieses arme gequälte Land, brennt heute an allen Ecken und Enden. Daß es nicht zur Ruhe kommen darf, hat es nur feinem Bundeskanzler zu verdanken, der eine schwere moralische Blutschuld zu verantworten hat
Wir zweifeln nicht daran, daß es den Kanonen unb Maschinengewehren des sogenannten Sicherheitskommissars Fey, dessen Gefangener Herr Dollfuß eigentlich ist, gelingen wird, äußerlich mit der roten Revolte fertig zu werden. Daß man aber mit solchen Methoden eine wirkliche Beruhigung und Befrieden- vx^;.
führen könnte, *7*“ - . y.r; -
Erfahrungen. Auch die amtierende österreichische Bundesregierung kann auf die Dauer nicht auf den Bajonettspitzen der Heimwehren sitzen, die sie aeqenden erklärten Willender Volksmehrheit rief, nur um sich selbst im Sattel zu halten. Denn eins ist doch sicher: der rote Aufruhr hätte sich niemals zu rühren gewagt, wenn man nicht im Lager des Austromarxismus sehr genau gewußt hätte, daß die politische Basis dieser Regie- runa soschmalwienurdenkbar geworden mar Die Drahtzieher des Sozialismus sind schlau genug, sich sehr genau die Erfolgsaussichten eines Rutsches ober einer Revolte auszurechnen. Unb als Herr Dollfuß ohne praktisch greifbares Ergebnis aus Bubapest zurückkehrte unb sich bei Nacht und Nebel heimlich wieder in die Hauptstadt schlich, glaubten wohl die Renner, Seitz und Deutsch, daß es Zeit fei, ihre Anhänger gegen die Heimwehren und gegen Dollfuß zu mobilisieren, Zumal sie sich auch klar darüber fein mußten, daß die schützende Hand, die bis dahin der französische Gesandte in Wien über den Austromarxismus gehalten hatte, seit dem Kabinettswechsel in Paris weggezogen war.
Und ist es nun nicht eine tragikomische (Srotesfe, daß der gleiche Herr Dollfuß, der die Blutopfer dieses Aufruhrs zu verantworten hat, es wagen will, demnächst den Völkerbund gegen Das Reich zu mobilisieren? Man muß sich schon fragen, woher denn dieser Mann, der sein Land mit tödlicher Konsequenz in die Wirren eines Bürgerkrieges hineinsteuerte, die moralische Rechtfertigung zu einem solchen Schritt nehmen will. Die österreichischen Bundesregierung hätte alle Ursache, zunächst vor der eigenen Tür zu kehren, ehe sie offizielle Beschwerden gegen das Reich in Gens anhängig machen zu können glaubt. Sie hätte alle Ursache, sich beispielsweise zu fragen, woher denn
Erscheint läglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte ©icßencr Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle
Monats Bezugspreis:
Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Oüuftrierte „ 1.80 Zustellgebühr. „ -.25
Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt
Zernsprechanschlüffe
unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehrn
Für das, was sich im Februar 1934 in Oesterreich ereignet hat, wird allein Herr Dollfuß mit seinen Mitarbeitern vor der Geschichte verantwortlich zeichnen.
Oer letzte amtliche Berich»
Wien, 13. Febr. (DNB.) Die Lage in Wien und den Bundesländern am Dienstagabend wird amt- l i ch folgendermaßen geschildert: In Wien ist der Vorort Florisdorf in einem Umkreis von 12 Kilometern in den heutigen Abendstunden vollständig gesäubert worden. Darüber hinaus sind einzelne kommunistische Widerstandsherde besetzt worden. Gegen im weiteren Umkreis gelegene kommunistische Nester soll am Mittwochfrüh vorgegangen werden, da man den Einsatz von Artillerie, die jetzt überall sofort verwendet wird, in den Nachtstunden infolge der damit verbundenen Gefährdung von Privatpersonen vermeiden will. In dem Wiener Bezirk Favoriten sind in den heutigen Abendstunden vier Maschinengewehre, 100 Gewehre, zahlreiche Munition und Stahlhelme von der Polizei erbeutet worden. Im übrigen herrscht in den Bezirken Favoriten und Simmering vollständige Ruhe. In den Bundesländern ist in Linz die Regierung Herr der Lage, jedoch sollen in einzelnen Straßenzügen Feuergefechte in den Abendstunden im Gange sein. In Steyr ist nach schweren und langwierigen Kämpfen die Ordnung heute abend wiederbergestellt worden. In K u f st e i n konnte ein heute ausgebrochener Aufstand sofort militärisch unterdrückt werden. In den übrigen Teilen des österreichischen Gebietes herrscht, so schließt die offiziöse Darstellung, vollständige Ruhe.
Verhaftete Marxistenführer.
Wien, 13. Febr. (DNB.) Wie amtlich mitgeteilt wird, hat am Dienstagvormittag der Minister Schmitz seine Tätigkeit als Bundeskommissar für Wien im Rathaus aufgenommen. Wie bestimmt verlautet, wurden auch der Präsident des National-
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesien


