It. 291 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für GberheHen)
Donnersiag/7 "ezeii.^N <
Wie sich Vas Kind die Welt erobert.
Gedanken vor einem Epielzeugladen.
Von Or. Jürgen Schäfer.
I Wer in diesen Wochen, vom zauberhaften Glanz b. Auslage verlockt, vor das Schaufenster eines Sp i e l z e u g l a d e n s tritt, wird mit Bewunde- r lig der Künstler- und Handwerkerhände gedenken, t all die hier aufgestellten kleinen Kunstwerke c/chaffen haben. Wieviel Anschauung und Nach- cnnung, wieviel Geduld und Mühe bedurfte es, j jr.en Reigen der Puppen in zierlichen Trachten, jise wackere Truppe in schmucken Uniformen, jene 2irgen und Häuser, jene Wagen, Bahnen und Coiffe zu verfertigen, die hier eine Welt für sich bestellen gleich jenem märchenhaften Liliput, nach tim Gulliver einst verschlagen wurde. Mit |enen Augen sehen wir Erwachsenen diesen schönen Tmd, der nicht still und starr in reich geschmückten , «Wachteln aufgestellt ist, sondern der sich bewegt iro von kleinen Automaten getrieben, täuschend liier Tun und Treiben nachahmt. Da fahren die ^thnen blitzschnell auf ihren Schienenwegen, an ^erleuchteten Bahnhöfen vorbei; Schranken schliefe i sich, Signale blitzen auf und Klingelzeichen er- imn. Dort dreht sich behäbig ein Bagger, eine Timpfmaschine zischt und die seltsamsten ^urenspiele werden durch ihre Kraft bewegt.
ISippen sind bei diesen zierlichen Maschinen als Mrgäste und Handlanger tätig, von allen Seiten nigen sie sich über die geheimnisvolle Guckkasten- trit. Wie wunderbar ist es, daß der Mensch, der ,!|o Großes ersann, was das Angesicht der Welt vWandelt hat, der seinen Ehrgeiz und seine Kraft | tman setzte, Werke zu schaffen, die den hartnäckigen Sfcmpf um seine Herrschaft über diese Welt zum eiligen Siege führen sollten, sich niederbückte und ; arl) diese kleinen Spielwerke schuf, ein Abbild 1 fei.es großen Tuns, nur um auf dem Antlitz eines Kides ein Lächeln hervorzuzaubern und seinen 13'.oelruf zu vernehmen!
über was bedeutet denn unsere ganze Kunst, gwmiber dem Wunder, das diese kleinen Menschen aii bem Spielzeug vollbringen. Bewegung konnten t^i die Spielzeugschöpfer verleihen, und sie konnten er-.auch so geschickt bemalen, das es der „Wirklich- k<" täuschend gleicht. Aber wenig ist das im Ver- giad) zu der ungeheuren Verzauberung, die pri Kind mit jener künstlichen Kleinwelt gelingt, tr m es ihr Leben einhaucht. Der Blick schon, der di Spielzeug trifft, die Hand, die nach ihm greift, di?Worte, mit denen es freudig als Kamerad emp- fa;gen wird, sie verwandeln das Kunstwerk, das di« Großen so mühsam erdachten, um es menschen- Wich und den Menschendingen gleich zu machen, inDebewesen und Wirklichkeiten, die jene der Er- mHsenenwelt noch übertreffen, über sie hinaus- rmchsen und sie in den Schatten stellen. Aus den Plnpen werden Kinder und aus den Bleisoldaten mi Hellem Lied und flatternden Fahnen daher- psenbe Truppen; Tiere traben hierbei und Flug- erheben sich in schwindelnde Höhen, die noch ei' Stratosphärenflieger je erreichte — bis in den jinmel! Die Bilder- und Märchenbücher »ifi’n sich und Schutzbedürftige und Helfer steigen Ma; ihnen heraus; mit pochendem Herzen nimmt Das Kind an ihren Schicksalen teil, liebt und tadelt ßirund versucht ihre Wege zum Guten zu lenken. 91 das Spielzeug, das dieses Schaufenster birgt, ' epO in den Händen eines Kindes noch viel wunder- 6a ?r als es je ein Künstler ersann, es wird in ßtjut gehalten, und Fürsorge und Liebe gelten ihr im Wachen und Traum.
'm Demut müssen wir bekennen, daß in jedem
ZIS Mims M W.
Vornan von Hainer Leihen
Loeberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.)
IIDorNetzung Rachdruck verboten!
Llle erhoben sich, und der Detektiv fragte mit firn Verbeugung gegen Eva Borgloh:
.Würden Sie mich für einen Augenblick entschul- bn, gnädige Frau? Ich würde auch gern mit h*r Direktor des Tropen-Instituts ein paar Worte iridjen. Ich stehe in Briefwechsel mit ihm und lochte ihm eine wissenschaftliche Mitteilung lochen."
(iva nickte:
,?Zehen Sie nur, Mister Wirton. Wir nehmen !t<r Kaffee dann in meinem Salon. Sie kommen co 1 beide dann bald zurück?"
friebrich hatte etwas erstaunt ausgesehen, als 9i • Lean feine Bekanntschaft mit dem Direktor dis! Tropen-Instituts erwähnte. Er hatte mit ihm j Fniiser noch gar nicht davon gesprochen. Sie waren hi aus dem Zimmer und hatten die Tür hinter '^geschlossen.
In sagte Mac Lean leise:
„Achten Sie darauf, daß niemand jetzt durchs Farmer hierherkommt, solange ich hier draußen bn Gehen Sie ruhig telephonieren."
[ Diedrich wollte etwas fragen. Aber Mac Lean tat die Finger auf die Lippen. Da ging Friedrich rs Nebenzimmer, wo ein Telephon stand. Von da i frettonnte er genau beobachten, ob einer der Haus- pigilftettten sich dem Speisezimmer näherte. Er sah btdtie noch, wie der Detektiv sich an die Tür stellte reiben Kopf zum Schlüsselloch herabbeugte
I T:ac Lean ftanb still in gebeugter Haltung. Er Mite durch das Schlüsselloch Er sah, wie die wn Parkins mit Eva zusammenstanden und er= Wi miteinander flüsterten. Er hörte nur ein paar “oute dieser abgebrochenen Unterhaltung. Aber er hörte, war wichtig für ihn Fetzt richtete er n:anf, nickte zu Borgloh hinein, der noch im c’-"rn Zimmer auf feine Verbindung wartete, als C!l>te er ihm sagen, es sei alles in Ordnung. Dann cip'te er kurz an die Tür und öffnete diese darauf prl schnell.
trinnen fuhren die drei Menschen auseinander, 10! öfie so unerwartet ihren Gast hereinkommen : IM
MNh, Verzeihung!" sagte Mac Lean harmlos. LlDre ich? Habe das Telephongespräch doch aufge- Es ist keine Verbindung zu bekommen." ,<$te stören durchaus nicht", sagte Eva liebens- 1 üiriitg. Aber etwas wie Schreck ftanb in ihren !U:a-n.
F war gegen brei Uhr, als sich Mac Lean von M ' Familie Borgloh-Parkins verabschiedete. Es war DpPi-rich nicht mehr möglich gewesen, den Detektiv 4i Lin zu sprechen. Keinerlei Anzeichen sagten ihm.
Kind ein Künstler steckt, den wir mit unserer Kunst nicht erreichen können. Ja, gerade was dem Erwachsenen vielleicht besonders gelungen und lebensähnlich dünkt, wird von dem Kinde verworfen, und anderes, was mangelhaft zu fein scheint, wird liebevoll aus seiner Unschcinbarkeit erhoben, mit der Phantasie schöner bekleidet, als je ein Puppenkünstler es getan, und mit Eigenschaften ausgestattet, vor denen die armselige Pose, die dem Spielzeug zugelegt ward, verblaßt. Das Dürftige scheint zuweilen sogar das Gelungene zu übertreffen und aus dem vollen Herzen des Kindes mehr Zuneigung hervorzulocken; die kleine häßliche Puppe erhält so den Vorrang vor der eleganten Puppendame, und ein zerbrochener Zinnsoldat, ein bescheidenes Wägelchen und ein dummgesichtiger Bär werden reicher mit Liebe beschenkt, als es den wirklichkeitsgetreuen Spielzeugen geschieht. Es ist, als brauche die kindliche Phantasie einen Spielraum, um sich völlig zu entfalten, als fordere sie nicht bas enb= gültig Abgeschlossene unb Abgerunbete, sonbern jenes Spielzeug, bas erst noch vollenbet werben muß, bem bas Kind selbst erst jenen Zauber verleiht, der ihm bann für Jahre innewohnt. Der Kinb- Künstler will selber schaffen unb braucht nur ben Stoff unb nur bie Umrisse um jenes lebenbige Spielzeug erstehen zu lassen, nach bem es Verlangen trägt. Damit werben bie Spielzeugkunstwerke nicht abfällig beurteilt, sonbern bamit soll nur der Weg zum Verständnis jener seltsamen Vorliebe für unscheinbares Spielzeug aufgedeckt werden, der uns tief in die Seele des Kindes führt. Will es selbst gestalten, will es über seine Schöpfung herrschen, erobert es sich mit seinen Spielzeugen ein Reich, in dem es selber König ist? Vergilt es dort, ohne sich dessen bewußt zu sein, was sich an ihm selbst an Fürsorge und Liebe von feiten der Erwachsenen erweist, und trägt es dorthin jenen unermeßlichen Schatz an Empfindungen, den auch die nächste Umgebung des Kindes kaum entdeckt?
Eine seltsame Uebereinftimmung besteht in diesem innersten Verhältnis des Kindes zu seinem Spielzeug durch die ganze Menschengeschichte hindurch. An gleiche Grundformen des Spielzeuges heftet sich immer wieder die Liebe unb Freunbschaft ber Kleinen, unb wenn aus unbeholfen geschnitzten Figürchen unb unscheinbar nachgeahmten Geräten ber Großen sich auch im Wanbel ber Zeiten Puppen mit menschenähnlicher Gestalt unb elektrischen Apparaten entwickelten, so verrät boch bie Art, wie bas Kinb mit biefen Dingen spielt, baß eine ewige Beziehung es mit der von ihm erst belebten Scheinwelt verbindet. Das Kind lernt im Spiel und spielt im Lernen unb wächst unmerklich in bie wirkliche Welt ber Erwachsenen hinein, aus ber es sich bann mit anberem Bewußtsein roieber zu ben Spielzeugen hinabneigt, als Gleichnissen seines Lebens unb Erinnerungen an seine Kinbertage. Solange es aber ein Kinb ist, weiß es nichts von Lehre unb Gleichnis, sonbern nur von einem sich nie erschöpfenben Tatentraum unb aHumfangepber Liebe. ~ '
Mit biefen beiben Gewalten erobert sich bas Kinb bie Welt, unb bie Spielzeuge sind dabei seine Kameraden, seine Waffen und seine Fahnen. In ihren Anblick versunken baut sich vor bem Kind die Welt auf, in ihrer greifbaren Nähe ist seine Einsamkeit aufgehoben, ist ihm Gewähr gegeben, daß es Wesen gibt, die ihm Glauben schenken. Das Kind erkennt sich selbst im Spiegel seines Spielzeugs unb errät
baß Mac Lean irgenb etwas in Erfahrung gebracht, was für bie Aufklärung wichtig war. Er mußte sich gebulben, bis er am Nachmittag von einem sicheren Orte aus Mac Lean anrufen konnte. Eva war nach dem Besuche Wirtons, wie sie ihn nannte, in strahlender Stimmung geblieben.
„Dein Freund, Friedrich, ist wirklich ein reizender Mensch. Schade, daß er mit der Zeit so knapp war. Bitte ihn boch, sehr halb unb bann auf länger zu uns zu kommen. Er kann ja einmal bei uns wohnen."
Friebrich fühlte einen unheimlichen Schauer. Wenn Eva ahnte, was es mit biefem Doktor Wirton in Wahrheit für eine Bewandtnis hatte! Jetzt, ba er feine Frau so sah, heiter, lebhaft, mit biefem fröhlichen, kindlichen Lächeln auf den Lippen, konnte er es wieder nicht fassen, daß dies alles nur Maske sein sollte. Daß hinter diesen kindlichen Zügen, hinter diesen reinen blauen Augen Lüge unb Schlechtigkeit wohnen sollten. Nein, nein — Mac Lean mußte sich irren. Das Zusammentreffen zwischen Eva unb bem unbekannten Manne war ja nicht fortzuleugnen Aber wer sagte Mac Lean mit Sicherheit, baß biefer junge Mann mit ben Verbrechern ibentisch war? Mac Lean hatte ja selbst erwähnt, baß ber Unbekannte, ber ihm ben Lasso um ben Hals geworfen, eine Maske vor bem Gesicht getraaen hatte Er brauchte affn keineswegs mit bem Begleiter Evas übereinzustimmen. Unb selbst angenommen, bas wäre ber Fall, bann mußte Eva ja noch immer nicht wissen, baß ber junge Mann ein Verbrecher war. Sie konnte ihn irgenb- wo kennengelernt haben; er mochte sich ihr unter ber Maske eines jungen Mannes aus ber Gesell- ffhatt genähert haben. Derartige Dinae kamen ja heutzutage überall vor. Sie hatte, leichtsinnig unb unerfahren, ihm vielleicht eine Zusammenkunft gewährt. Gerabe biese auffälligen Vorbereitungen, bas Zigarettensignal vor dem Hause, Evas Verhalten vor dem Lederwarengeschäft, waren nichts als Beweise, wie unsicher sie sich noch fühlte. Andere leichtsinnige Frauen mit mehr Erfahrung in heimlichen Dingen würden gar nicht solcher Dinge bedürfen. Daß zwischen Eva und bem jungen Manne nichts weiter war, bewies boch eigentlich, daß sich die beiden in einem öffentlichen Teerestau- rant getroffen. Dort konnte man sie beide doch durchaus beobachten.
Nach Beziehungen, die schon weitergediehen waren, sah das doch nicht aus. Sonst hätte Eva die Abwesenheit des Ehemannes sicher benutzt, um an anderer Stelle mit ihrem Verehrer zusammenzutreffen. Nein, nein — bas alles waren Folgerungen, bie unwiberleglich waren, unb benen sich auch Mac Lean nicht mürbe verschließen können. Warum war er auch burch biese Entbeckung bei .bem Juwelier so kopflos geworben, baß er allen Verbächtigungsn kritiklos geglaubt?
Mac Lean war fein Vorwurf baraus zu machen. Gs gehörte wohl zum Beruf bes Detektivs, in allen Dingen unb Menschen immer das Schlechteste unb Schwärzeste zu sehen. Ihm aber war bas auf ein
mal roieber ganz unmöglich. Wenn Eva, wie jetzt, zärtlich, verträglich unb liebevoll war, vergaß er alles. Dann sah er nur ihren Liebreiz unb gelobte sich, alles zu tun, um sein Zusammenleben mit ihr harmonisch zu gestalten.
So erroiberte er benn auf Evas Frage, ob er heute abenb mit ihr ins Varietö unb hinterher zum Tanz in „Carlton" gehen wolle, ganz gegen feine Gewohnheit zuftimmenb:
„Ja, wir können gehen. Aber erst möchte ich einen kleinen Spaziergang machen unb bann noch arbeiten. Würdest du mich vielleicht begleiten wollen, Eva?"
„Ach, wenn wir abends ausgehen, will ich mich lieber jetzt eine Stunde ausruhen, Friedrich."
Ganz gegen ihre sonstige Gewohnheit küßte Eva ihren Mann und ging, ihm zunickend, in ihr Zimmer.
Borgloh ließ sich vom Diener ben Hut bringen unb schlenberte scheinbar ganz gemächlich aus bem Hause. Kaurn aber war er außer Sichtweite, ba beschleunigte er seinen Schritt unb roanbte sich der inneren Stadt zu. In einem Restaurant, dessen Telephonzellen, wie er wußte, schallsicher waren, ließ er sich bann mit Mac Lean verbinben. Er wollte ihm ungesäumt sagen, wie er nun nach ruhigerer Ucberlegung bie Dinge ansähe. Aber als er bie Verbinbung erhalten hatte, melbete sich nicht Mac Lean, sonbern sein alter Diener.
„Mac Lean ist nicht hier,-Mister Borgloh. Er ist in einer bringenben Angelegenheit unterwegs unb vielleicht ein bis zwei Tage von Lonbon abroefenb. Er läßt Sie bitten, ruhig zu warten unb nichts in ber bewußten Angelegenheit zu unternehmen."
Friebrich Borgloh hängte erleichtert ab. Nun, wenn Mac Lean außerhalb irgendwelche Berufsgeschäfte hatte, so ließ er bie Angelegenheit mit Eva wohl im Augenblick ruhen. Vielleicht sah er selbst ein, baß er auf falscher Fährte war.
Aber Friedrich Borgloh täuschte sich. Mac Lean hatte die Fährte keineswegs aufgegeben. Im Gegenteil: fein Besuch im Hause Borglohs unb sein Zusammentreffen mit ben Parkins waren ihm wertvoller geworben, als Friebrich Borgloh ahnen konnte. Was er hinter ber Tür gehört hatte, gab ben ersten Lichtblick in bem bunklen Gewebe um Eva Borgloh.
Eine Stunbe bereits nach feiner Verabfchiebung von Borglohs unb Parkins machte Mac Lean bem Hauptstostamt einen Besuch. Er ließ sich bei bem Hauptpostbirektor von Lonbon melben.
Der saß an feinem Schreibtisch unb sah ihm freunblich entgegen:
„Nun, lieber Mac Lean, wie geht's^ Wieber einmal auf ber Jagb? Denn sonst habe ich boch kaum bas Vergnügen, Sie zu sehen. Im Klub ftnb Sie bie letzte Zeit auch nicht mehr gewesen."
„Ja, allerbings, Direktor — ich komme geschäftlich."
Mac Lean nahm ben ihm angebotenen Platz unb bebiente sich aus bem Zigarettenetui, bas ber Direktor ihm reichte.
im Beleben, Lenken unb Behüten, ber toten Dinge sein eigenes Wollen unb Tun. Unb wenn ein Kinb sich im Spiel mit anberen verbinbet, so wirb bas Spielzeug zum Mittler zum Sinnen unb Wollen anberer, benen es gerecht werben muß, mit benen es sich vereinigen muß, wenn bas Spielzeug nicht barüber zerbrechen soll. Ein Wahrzeichen kleinster Gemeinschaft kann so bas Spielzeug werben, in bes einen Besitz, unb bem anberen im gemeinsamen Spielen überlassen, um aus vielen Traumwelten
eine einzige zu schaffen, bie wirklicher unb bar um boch nicht begrenzter, bie härter aber boch nicht ohne Liebe ist.
Durch bas Schaufenster eines Spielzeugladens haben wir so einen Blick in die Welt des Kindes getan, die auch unseres Daseins Grund ist unb aus ber immer roieber ein neues Geschlecht emporsteigt und sich mit unscheinbarem Spielzeug die große Welt erobert.
S.jl-tfporf
Oer Reichssportführer Leiter der OB.
Obergruppenführer L i tz m a n n hat ben Reichs- minifter für Ernährung unb Lanbroirtschaft, R. Walther D a r r ö, gebeten, ihn wegen seiner starken Inanspruchnahme innerhalb der SA. von feinem Posten als Leiter der Obersten Behörde für Doll- blutzucht und Rennen, der O. B. für Traberzucht und -rennen sowie der O. B. für bie Prüfungen ber Warm- unb Kaltblutpferbe zu entbinden. Seinem Wunsche wurde entsprochen und der Reichssport- führer von Tschammer und Osten vom Reichsernährungsminister beauftragt, diese drei Behörden aufzulösen und die neu zu bildende Organisation im deutschen Pferdesport im Einvernehmen mit Ober» landstallmeister Dr. S e i; f f e r t aufzubauen und zu leiten. Der Reichsspvrtführer hat diese Berufung angenommen und damit ist Zugleich eine enge Zusammenarbeit mit dem übrigen deutschen Sport gewährleistet.
Auszeichnung für den Gauschwinnn- wari Sauer-Gießen.
Dem hiesigen Gauschwimmwart Sauer, einem in weiten Kreisen bekannten Turner unb Schwimmer, würbe gestern eine befonbere Auszeichnung zuteil. Er, ber nicht mehr ben Jüngsten zuzuzählen ist, hat vor kurzem bie Bebingungen für bas Reichssportabzeichen erfüllt unb nunmehr bas golbene Abzeichen zugesanbt erhalten. Er ist bereits im Besitze bes bronzenen unb bes silbernen Reichssportabzeichens. Außerbem ist ihm bereits vor geraumer Zeit bas golbene Abzeichen für ben Lehrschein der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft zuteil geworden.
HeichsschwimmSehrer Braecktein in Gießen.
Schwimmlehrgang in Gießen vom 9. bis 11. Dez.
Die Eröffnung bes Lehrganges erfolgte mit herzlichen Worten ber Begrüßung durch Gauschwimmwart Sauer und" Kreisführer D a u p e r t. Schwimmlehrer B r a e ck l e i n erläuterte kurz den Zweck des Lehrganges, der darin besteht, die Schwimmfertigkeit zu heben und den Vereinsschwimmwarten das Rüstzeug zu geben, in ihren Vereinen gute Arbeit zu leisten. Ziel ist Erfassen der Masse, aus der bann bie Spitzenkönner herauswachsen. Dann ging es im stäbtischen Schwimmbab an bie praktische Arbeit. Etwa 54 Schwimmer unb Schwimmerinnen waren erschienen. In brei zwei- stünbigen Lehrgängen am Sonntag, Montag unb Dienstag mürben die heute betriebenen Schwimmarten unb ihre Lehrweise, Wasserspringen unb Sportschwimmen praktisch geübt, auf die vorhandenen Fehler hingewiesen, in anschließenden Aussprachen das gesamte Uebungsgebiet ausführlich behandelt und Richtlinien für den Vereinsschwimmbetrieb gegeben. Reichsschwimmlehrer Braecklein verstand es, den Stoff so anschaulich zu bieten, daß ber Zweck bes Lehrganges voll erreicht worben ist.
Montagnachmittag würbe in einer Ucbungsftunbe für Lehrer, bie an ben Gießener Schulen Schwimmunterricht erteilen, als erfolgreichste 2Infangs- schwimmart bas Brustschwimmen in seinem metho- bischen Aufbau erläutert unb geübt. Am Dienstag fanb noch ein praktischer Unterricht in Lebensrettung statt, ber sehr viel Anregung brachte.
In echter volkstümlicher Weise, bei fröhlichen Volksliebern, würbe ber Lehrgang mit einem Händebruck für bie weitere gebeihliche Arbeit für unser Volk unb Vaterlanb von Gauschwimmwart Sauer geschlossen.
Handball im Männerturnverein (NT.)
2Tllo. Jugend — Tv. Wetzlar-Niedergirmes Jugend 6:4 (2:4).
Die Jugend bes Männerturnvereins Gießen entschied ihr erstes Entscheidungsspiel um bie Meisterschaft der Jugendklasse mit 6:4 zu ihren Gunsten. Die Gäste aus Wetzlar-Niedergirmes leisteten energischen Wiiderstand und lagen sogar in ber ersten Halbzeit in Führung. Erst nach der Pause fand sich der Mtv. besser und Angriff auf Angriff rollte vors Gästetor. Mit drei unhaltbaren Schüssen sicherten sich die körperlich schwächeren aber technisch besseren Gießener Jugendspieler einen verdienten Sieg. Das Spiel ftanb auf beachtlicher Stufe.
7Nlv. II. — Tv. Hausen I 6:6.
Nach diesem Spiel sicherte sich die zweite Mannschaft des Männerturnvereins Gießen in einem spannenden Kampf gegen Tv. Hausen I durch ein Unentschieden 6:6 den zur Gruppenmeisterschaft noch fehlenden Punkt. Da die Mtver stark ersatzgeschwächt antreten mußten, zeigten sie sich in diesem Kampf nicht in ihrer gewohnten Form. Zunächst führte ber Mtv. 2:0, bann holten die flinken Gäste auf unb übernahmen selbst die Führung, aber nur für kurze Zeit. Nach der Pause mußte ber gute Tormann ber Mtver verletzt ausscheiden. Die Gäste kamen nun noch zu zwei Erfolgen, aber bis zum Schluß stellten die Männerturner bas Unentschieden 6:6 her. Der Kampf war stets spannenb und fair.
2H(o. I — DsD. Kurhessen Marburg 7:16.
Den Abschluß der Spiele bildete das Treffen VfB. Kurhessen Marburg gegen bie Erste bes Mtv. Beide Mannschaften boten ein ausgezeichnetes Spiel. Die Gäste, die sich bis auf ben Tormann aus Re ich s- wehrlcuten rekrutierten, bie zum Teil schon in der Mannschaft des deutschen Heeresmeisters geftanben hatten, würben auch in ber Gauliga eine fuhrenbe Rolle spielen. Die Mtver zeigten sich in ber ersten Halbzeit in einer selten guten Form unb lieferten dem Gegner ein ebenbürtiges Spiel. Bis zur Pause lag ber Mtv. sogar mit 5:3 in Führung. Der Sturm verstand bie sich bietenden Torgelegenheiten geschickt auszunutzen, die Läuferreihe erledigte ein ungeheures Arbeitspensum unb die Verteidigung stand, vereint mit dem Tormann, wie ein Bollwerk gegen die Angriffe bes Marburger Sturmes.
„Und nun, lieber Mac Lean, womit kann ich Ihnen bienen?".
„Sagen Sie, Mister Surboum, kann man bie Liste aller Telegramme, bie in Lonbon am Fünften bes Monats abgegangen finb, ermitteln? Unb wie?"
„Durch unsere Telegrammliften. Natürlich kann man bas, ist aber eine ziemliche Arbeit. Können Sie mir ungefähr sagen, um was für ein Telegramm es sich hanbelt?"
„Das kann ich. Das Telegramm wirb, vermute ich, in West Central aufgegeben fein, unb zwar ging es nach Lominghtvn."
„Dann ist bie Sache schon einfacher. Einen Augenblick!"
Surboum brückte auf einen Knopf ber Klingeltastatur rechts neben sich auf bem Schreibtisch. Nach wenigen Minuten erschien ein junger Postbeamter.
„Lieber Burton", sagte Surboum, „wollen Sie sich bitte möglichst schnell telephonisch alle Abressen der Telegramme geben lassen, die am Fünften von West Central nach Lominghton gegangen finb. Die Sache eilt sehr."
„Es wirb immerhin einige Stunben bauern, Herr Direktor", erroiberte ber junge Bamte bescheiben, „bis ich bie gesamten Telegrammämter verständigt unb von ihnen ihrerseits bie Liste erhalten habe. Es mürbe sich vielleicht boch empfehlen, biese Liste schnell schriftlich festzulegen, bamit keine Irrtümer entstehen."
„Wie lange glauben Sie, baß wir bazu brauchen werben?"
„In vier Stunben benfe ich Ihnen bas Resultat vorlegen zu können."
Surboum nickte. Der junge Beamte ging mit höflichem Gruß.
„Wollen Sie hier warten, lieber Mac Lean? Ober haben Sie noch etwas vor?"
Mac Lean ftanb auf:
„Danke, Herr Direktor. Ich habe noch einiges zu erlebigen. Ich finbe mich in vier Stunben roieber ein. Wo werde ich bie Liste ausgehänbigt bekommen?"
„Wenn Sie sich bann roieber zu mir bemühen wollen. Ich möchte bie Liste bireft zu mir haben. Es ist ja nicht nötig, baß unsere Nachfrage irgenb- wie auffällt — nicht wahr?"
Mac Lean ging nach herzlicher Verabschiebung. Es war boch gut, baß er seine Freunbe so überall hatte. Das ersparte viel Zeit. Und Zeit war nicht nur Gelb — Zeit war in vielen Fällen bie Rettung. Denn baß ber Fall Eva Borgloh-Parkins allerlei Gefahren für verschiedene Menschen in sich barg, bas war ihm sofort klar geworben. Und er hatte es ja auch am eigenen Leibe gespürt.
„Bin nur neugierig", dachte er bei sich selber, „wann wieder irgend jemand sich die Mühe machen wird, mir nachzustellen? Aber vielleicht komme ich zum Ziel, ohne daß man weiß, daß ich schon mitten im Spiel drin bin."
(Fortsetzung folgt!)


