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>291 Zweites Blatt

Ms der Provinzialhauptstadt.

Weihnachtsbäume.

Lie Kleinen denken Tag und Nacht an das : hr! stfest, an den Tannenbaum, an die Geschenke, 'äsend Fragen stellen sie, hundert Wünsche brim m|jte vor. Der Bruder vom Weihnachtsbaum, der Iduntskranz hängt im Zimmer. Schon zwei Ker- er sind abgebrannt. Nur noch zwei und bann

tun stehen die Tannenbäume in den Höfen, auf rein Plätzen und an Straßenecken. Denken wir <xj! ihrem Anblick nicht an die frohen Sommer- ig die wir im Schatten des Waldes verlebten? 5h t nicht eine Lichtung mit den vielen kleinen :<i,nenbäumchen vor unferm Auge, und sehen -oil nicht das zierliche Reh, das eben mit leichten, tbrnben Sprüngen darüber hinwegsetzt?Das ^chi'ülles Weihnachtsbäume!" sagten unsere Kinder. Jini nun ist es wahr geworden. In der Schule und t ii rjaufe singen die KinderO Tannenbaum, u1 Snnnenbaum, wie grün sind deine Blätter ..." i.nl,Der schönste Baum, den wir auf Erden ken- tze«...."

tz. umweht uns ein unendlicher Zauber, wenn i düiDor den Berkaufsständen mit den Weihnachts- «amen stehen bleiben. Die grüne Hoffnungsfarbe lesideutfchen Waldes grüßt uns. Die Bäumchen uririern uns an den Waid, an blühende Sträu- flBci und rauschende Bäume. Aber die Weihnachts- tiune bedeuten uns noch mehr. Glückliche Jugend- tagi steigen beim Anblick der grünen Zweige her- >cus Liebe Freunde und Menschen, die schon lange 5^rr!letzten Ruhe gingen, erscheinen wieder. Wir f iter sind noch Kinder und können nicht stille- s ehni unter dem Weihnachtsbaum. Wir laufen i »n Großvater zur Großmutter, zu den Eltern, fl i >en Geschwistern, um ihnen alle die Herrlich- f titn zu zeigen. Und dann erst die schönen Spiel- s idjn! Wie bescheiden waren wir damals. Ein pao Bleisoldaten, ein Baukasten, das war alles. S16r als sie da unter dem leuchtenden Weihnachts- Eiaim lagen, bedeuteten sie für uns eine neue herr­sch Welt ...

E - zaubern diese Tannenbäume noch gar rnan- oie-i Erlebnis aus der Vergangenheit herauf. Wir Maschen sind wie verwandelt. Ein Weihnachtsfest c^r Tannenbaum können wir uns kaum vorstel- n

Ub doch gibt es noch Volksgenossen, die keinen schmücken können. Wollen wir ihnen nicht hrlin und dafür sorgen, daß auch sie das schönste (lief unterm leuchtenden Baume feiern können? TZemachtsbäume gab uns der deutsche Wald in f.pl und Fülle. Sorgen wir dafür, daß auch dort die -eschmückten Bäumchen stehen, wo seither nur ?9!i)l'jun6 Sorgen einkehrten! Vor allem müssen in alle Häusern, in denen Kinder sind, die Christ- ttLuichen leuchten.

ÜI *nn wir dazu mithelfen, wird das unsere schönte Weihnachtsfreude sein! Kl.

Wechnockisz^it - Karpsen^eit'

Pkfferkuchen, Christstollen und Weihnachtskarp- fkH^as find die drei Dinge, die voneinander un- trkrfoar sind. Ob der Karpfen nun blau gekocht oller in Biertunke zubereitet wird, ist nach Sitte u Brauch des Landes verschieden. In großen Teilm unseres Vaterlandes spielt sogar der Sil- o tjicltarpfen eine größere Rolle als der Weih- nrch-ssisch. Selbst in solchen Familien, wo sonst Fi in, Fische gegessen werden, macht man für diese be-iöT Tage wohl eine Ausnahme, gelangt doch bih "nausfrau damit zugleich in den Besitz der blan- Ein Karpfenschuppen, die ja eine besondere Bedeu- tfiiiu haben. Wer in der Silvesternacht dreimal b ^iRarpfenschuppen in seine Gelbbörse steckt, wird d wzganze Jahr hindurch reichliche Füllung des Gclweutels haben. Aber abgesehen von diesem SMj.glauben hat die deutsche Hausfrau den DTuisch, zum Festtage etwas ganz Besonderes auf oiien Tisch zu bringen, und daß man hierzu den Tarifen wählt, geschieht mit Recht, denn die Kivofenzucht ist die Spitzenleistung eines Zweiges u insinr Tierzucht. In großen, künstlich angelegten

Kechnachttiche Vorgefühle

bnn ^elix Riemtasten, GOS

Uli ine Tochter ist neun Jahre alt, und ein eige- ms Kinkommen hat sie nicht. Bei ihr kommt nur b, 01 ü in, was bei mir und Mutti wegkommt. Dar- hilii lauert sie mit scharfem Blick und scharfer Älliu,, aber hin langt es nie, und am Ende bin ich irrnT derjenige, der den letzten Seufzer zu tun Bei mir leiht sie sich Geld, um Mütti etwas ftjpmaen zu können, und bei Mütti leiht sie sich Äl<d um mir etwas schenken zu können. Zurückge- 30IM wird es am Sankt Nimmerleinstage. Aber Mts loarf man nicht sagen, sie würde sich sonst em« pllItT.

kii ist wie die Zigeuner. Wochenlang vor dem F eil öestiehlt sie mich auf eine gelinde, liebediene- ri iqe! Weise. Bis an eine gewisse Grenze heran, die alle mod) nicht gekommen ist, stelle ich mich so bilnr und weich, daß es ihr Helle Freude macht. Alii mber macht es dafür eine inwendige, dumpfe, se hi Darm anzufühlende Freude, und so hebt sich bitecuf, eins mit dem anderen.

kch gehe nun öfter mit Mariannchen aus. Wir gnid/- bann in die Läden und überlegen uns, was Verrinne ihrer Mütti am besten schenken könnte. JiUü kleine frühere Seufzer von Mütti ist hier w>vjl worgemerkt und angeschrieben und kehrt nun alls Erschlag für Geschenke wieder. Zwei Mark siiiüchr aber nur bewilligt, und zwei Mark sind biU Gahin. Und Müttis Wünsche oh weh fr 'n: mit zwei Mark nicht immer voll zu erfüllen. Elsi auch nicht einfach mit Marianne jetzt spazie- ren .in gehen. An jedem Schaufenster reißt sie mir b-tr jlrm halb aus dem Rupf und sieht hinein in di ieAuslagen und sieht dann wieder auf mich, und ickhv;eder mache mir den Spaß, ein gräßlich mich- teilt? Mensch zu sein, der immerfort Zahlen nennt, laue: Zahlen, die meist über zwei Mark noch hin- aiiurigen. Für Marianne aber lebt Mütti in einer betrugen golden schimmernden Vorstellung, daß ad-i micht hinlangt, um für Mütti genug und gut geint zu sein, und neulich sagte sie mir'mit wah- reut Empörung, daß es unerhört sei, für eine ein« fanä Vchale aus Porzellan acht Mark zu verlan­gen und zweie find nur da. Acht Mark?!

glicht haben wir etwas ganz geradezu Einziges getfaiien, aber es kostete zwei Mark und fünfzig Pjti'riig außerdem undging" also nicht. Marianne faniGi es aber trotzdem. Und das muß man gesehen baiLn wie sie das Zweimarkstück herausnahm, als sei i ie nichts, und wie es hinschepperte über den glifi'mn Ladentisch, und wie dann die Kinderfin- flejfcpii (es ist jetzt immer etwas Tinte daran,

(Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen) Donnerstag, 13. Dezember 1934

UnterWt die winterliche Arbeitsbeschaffung!

Die Industrie- und Handelskammer Gießen weist nochmals auf die zahlreichen Vergünftigungen hin, die im Winter 1934/35 allen Volksgenossen, Haus- desitzern und Mietern im Rahmen der Gas-, Elektro- und Baufront gewährt werden. Der Gas-, Elektro- und Baumaterialienhandel, Einzelhandel sowohl wie Großhandel, das Handwerk und die Elektrizi- täts« und Gaswerke tragen gemeinsam zum ge­lingen des winterlichen Arbeitsbeschaffungspro­gramms bei.

Jeder einzelne hat die pflicht, auch seinerseits durch sofortige Auftragserteilung diese Maß­nahmen aus das tatkräftigste zu unterstützen, zumal die verschiedenen Vergünstigungen eine wirk­lich beachtenswerte Höhe erreichen.

Zur Auskunft stehen Fachhandel und alle be­teiligten Stellen jedem gern zur Verfügung, lieber das Verfahren unterrichten folgende zwei Beispiele:

1. Ein elektrischer Herd wird für 100 Mark im Teilzahlungsverfahren gekauft. Der Händler kann infolge der mit dem E.-Werk getroffenen Verein­barung dem Kunden sofort 5 0. H. von der Rech­nungssumme absetzen. Der dem Käufer ausge« händigte Rechnungsdurchschlag wird sodann bei dem E.-Werk eingereicht, das dem Käufer 20prozentige Zuschüsse in Form von Strom-Gutschriften auf den Mehrverbrauch eines Jahres monatlich anrechnet.

2. Wird der Auftrag an einen Handwerker ver­geben, so erhält dieser für die erforderlichen Mate­

rialien usw. vom Händler den Rabatt. Der Hand­werker selbst gewährt für seine Arbeiten ebenfalls einen Nachlaß und stellt dem Kunden bei Neu­installationen den gesamten Betrag mit einem Nach­laß von etwa 8 v. H. in Rechnung. Auf Grund einer entsprechenden Bescheinigung erhält der Kunde bei dem betreffenden E.- oder Gaswerk 20prozentige Strom- bzw. Gasgutschriften wie vor.

Ausgabe der Händlerkarten.

Alle Gas- und Elektrofachhandelsgefchäfte, sowie alle einschlägigen Geschäfte des Baumaterialien­handels, die an den durch die Arbeitsbeschaffunas- aktion vermehrten Umsätzen teilhaben wollen, müssen im Besitz einer von der Industrie» und Handels­kammer ausgefertigten Händlerkarte fein. Die Fach­geschäfte der Gas- und Elektrobranche müssen außerdem den Gas- bzw. Elektrogemeinschaften an- geschlossen sein. Die Handwerker erhalten ent­sprechende Handwerker - Arbeitsbeschaffungs - Aus­weise; nur der Besitz einer solchen Karte berechtigt zur Entgegennahme der vom Handel dem Hand­werk gewährten Vergünstigungen. Der Handel ist verpflichtet, in jedem Falle zu prüfen, ob die be­treffende Handwerkerkarte oorliegt.

Die Ausgabe der Händlerkarten erfolgt bei der Industrie- und Handelskammer vom 14. bis 20. dieses Monats zwischen 9 und 12 Uhr gegen Zah­lung der vorgeschriebenen Gebühr in Höhe von 1 einer Mark.

und ablösbaren Teichen werden die Karpfey drei Jahre lang gehegt und gepflegt, umgefetzt und ge­füttert. Die Naturnahrung, die aus Insektenlarven, kleinen Krebstierchen besteht, wird durch Düngung und Reinhaltung der Teiche vermehrt. Eine Un­summe von Arbeit und Futter wird aufgewendet, bis der Weihnachtskarpfen das gewünschte Gewicht von zwei bis drei Pfund erreicht hat. Die deutsche Erzeugung, für die etwa 60 000 Hektar Teichfläche zur Verfügung stehen, erreicht in guten Jahren 150 000 Zentner und beträgt in mittleren Jahren 100 000 bis 120 000 Zentner. Da die künstlich an­gelegten Teiche vielfach auf ganz minderwertigen Böden liegen, bedeutet die Teichwirtschaft eine vor­teilhafte Ausnutzung solcher sonst als Oedländereien ungenutzt liegenden Flächen zur Gewinnung menschlicher Nahrungsmittel. Die Derbrauchszeit ist vorwiegend der Herbst und Winter, und wenn die Abnahmezeit der Karpfen herankommt, dann herrscht reges Leben an den herbstlichen Teichen, deren Wasser bis auf kleine Reste abgelassen ist. Bis an die Hüften stehen die mit Gummistiefeln bekleideten Teicharbeiter im Wasser und heben mit Käschern die zappelnde Beute heraus. Bis zum Weihnachtsfest bleiben die Karpfen noch in den ..Haltern", aus denen sie kurz vor dem Fest von den Händlern abgeholt werden. Wenn dann die Familie am Weihnachtsabend freudestrahlend den lecker angerichteten Karpfen ißt, bann denke sie auch ein klein wenig an den Teichwirt, der mit Aufwendung von viel Arbeit und Geld dieses Fest­gericht des Herbstes und Winters geschaffen ^hat.

NS-LB

Fachschaft für neuere Sprachen.

Die nächste Sitzung der Arbeitsgemeinschaft fin­det am Freitag, 14. Dezember, 16 Uhr, in der Oberrealschule statt.

Krauß, Fachschaftsleiter.

Achtung'

Eaorabstimniungsberechtigte!

Wie festgestellt wurde, haben sich eine große An­zahl Abstimmungsberechtigter die Pässe für die A b ft i m m u n g noch nicht besorgt. Das muß s 0 fort geschehen. Ohne Paß kann niemand a b ft i m m e n !

Die Polizeibehörden stellen die Pässe unentgeltlich aus. Die Saarobleute erteilen bereitwilligst jede Aus­kunft. Wo der zuständige Saarobmann nicht bekannt ist, wende man sich an Postamtmann Huao A n - schütz, Frankfurt a. M., Telegraphenamt, Zeil 106, Fernsprecher 20 026, Nebenstelle 372.

15000 KM. Fehlbetrag in der Gemeindekaffe Trais-Horloff. Wie das Kreisamt Gießen mitteilt, wurde vor einiger Zeit eine Revision der Gemeindekasse Trais-Horloff durchgeführt. Hierbei ergab sich ein Fehlbetraa von etwa 15 000 R M., über dessen Verbleib der Gemeinderechner Hub- l i tz, der schon seit 1919 dieses Amt versieht, keinen Nachweis führen konnte. Die Angelegenheit wurde hierauf der Staatsanwaltschaft Gießen unterbreitet, die den Gemeinderechner H u b l itz dieser Tage verhaften ließ.

Oie Zwölferkarte-' des Stadttheaters als Weihnachtsgeschenk.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Um allen Volksgenossen die Möglichkeit verbilligten Theaterbesuchs zu geben, ohne die Bindung eines Abonnements eingehen zu müssen, hat die Inten­danz des Stadttheaters auch in diesem Jahre wieder dieZwölferkarte" eingeführt. Die Zwölferkarte enthält 12 Gutscheine für acht Schauspiele und vier Operetten; diese Gutscheine werden an der Theater­kasse gegen Eintrittskarten umgetauscht. Die Zwölfer­karte ist übertragbar, weder an einen bestimmten Platz, noch an einen bestimmten Tag gebunden und für jede Abendvorstellung gültig. Die einzelnen Vorstellungen können vom Inhaber selbst ausge- wählt werden; auch können an einem Abend gleich­zeitig mehrere Gutscheine derselben Zwölferkarte zum Besuch für eine Vorstellung eingelöst werden. Der Preis dieser Zwölferkarte kann für alle Vor­stellungen im voraus oder in vier Raten bezahlt werden. Gerade jetzt, in den letzten Tagen vor Weihnachten, dürfte dieZwölferkarte" als Ge­schenkzweck einen beliebten und freudig begrüßten Geschenkartikel darstellen, der sowohl Dame wie Herrn der sorgenvollen Frage:Was soll ich schenken?" enthebt. Jeder Nichtabonnement bekennt sich zu seinem Theater durch Erwerb derZwölfer­karte". Siehe heutige Anzeige.

preisgekrönt« oberhessische Kaninchen­züchter.

Der Reichsnährstand veranstaltete in der Fest- halle zu Frankfurt die 2. Reichsschau für Kleintier­zucht. (Die Kleintierzucht ist bekanntlich dem Reichs­nährstand angegliedert.) Mit der Reichsschau war gleichzeitig eine Gauschau für Hessen» Nassau angegliedert. Die in diesem Rahmen von der Kreisgruppe Oberhessen der Ka­ninchenzüchtervereine beteiligten Züchter konnten für ihre Tiere beachtliche Preise erzielen. Die Konkurrenz war sehr stark, um so erfreulicher sind die Erfolge der Züchter der Kreisgruppe Ober­hessen. Nachstehend seien die erfolgreichen Züchter unserer engeren Heimat genannt:

Belgische Riesen: W. Rühl (Homberg) 1. Preis; Gg. Schellhaas (Gießen) 3. Preis; W. Nies (Vilbel) zwei 3. Preise.

Weiße Riesen: Fr. Häffner (Vilbel) zwei Ehren- und 1. Preis, zwei 2. Preise; Gg. Schell­haas (Gießen) zwei 2. Preise.

D. R. Schecken: A. Bopp (Gritzdel) 2. Preis; E. Vogel (Nordeck) zwei 3. Preise.

Deutsche Widder: I. Rinninger (Friedberg) zwei 1. und 3. Preis; W. Schulteis (Lollar) Ehren-, 2. und 3. Preis.

Blaue Wiener: I. Michel (Friedberg) Ehren- und 3. Preis; W. Wenzel (Griedel) 3. Preis.

Weiße Wiener: H. Becker (Griedel) 1. und 3. Preis; Ehr. Büchle (Vilbel) 3. Preis; H. Junker (Nidda) zwei 3. Preise; H. Mehrling (Ostheim) 2. Preis.

Rh. Schecken: W. Ullrich (Gießen) zwei 2. und 3. Preis.

Hasenkaninchen: W. Ruhl (Homberg) 3. Preis; Fr. Groh (Nidda) 3. Preis.

Havanna: H. Rinninger (Friedberg) zwei 2. Preise; M. Dumbs (Friedberg) 2. Preis.

Luxkaninchen: O. Steih (Gießen) Ehren-, 2. und 3. Preis.

Klein-Chinchilla: H. Dietrich (Klein- Karben) 1. und zwei 3. Prelle.

Eng. Schecken: L. Kreiling (Gießen) drei 3. Preife.

Klein-Silber: Fr. Groh (Nidda) 1., 2. und 3. Preis; K. Renkel (Nidda) 2. Preis; H. Weinrich (Vilbel) zwei 3. Preise; H. Walther (Daubringen) 2. Preis.

Holländerkaninchen: W. Magel (Stein­bach) 3. Preis.

Russenkaninchen: Fr. Oechler (Lauterbach) Ehrenpreis.

Hermelinkaninchen: Justus 93oh (Heu­chelheim) zwei 1. Preise; Fr. Hans (Friedberg) 1., zwei 2., zwei 3. Preise.

Angorakaninchen: A. Hofmeier (Fried­berg) 3. Preis.

Gießener Wochenmarktpreife.

* Gießen, 13. Dez. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10 Pf., Eier, frische 14, (inländische Kühlhauseier) 10 bis 13, (ausländische) 10 bis 13, Wirsing, das Pfund 8 bis 10, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 8 bis 12, Gelbe Rüben 8 bis 10, Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 12, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat 70 bis 80, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 30 bis 50, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 4 Pf., der Zentner 3,20 bis 3,40 Mark, Aepfel, das Pfund 7 bis 12 Pf., Birnen 6 bis 10, Nüsse 40 bis 50, Honig 45 bis 50, junge Hähne 85 bis 90, Sup­penhühner 70 bis 75, Gänse 70 bis 80, Enten 80 bis 90, Tauben, das Stück 50 bis 60, Blumenkohl 20 bis 60, Endivien 10 bis 15, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30 Pf.

Vornotizen.

Tageskalender für Donnerstag. Berufsgemeinfchaft der Büro- und Behördenangestell- ten: 20 Uhr, Lonystraße 18, Monats-Zufammenkunst mit Vortrag von Referendar Reitz überDie ge­schichtliche Entwicklung der öffentlichen Verwaltung".

denn Marianne lebt in der Welt der Wissenschaften), wie dann die Kinderfinger herumklaubten in der Tiefe des Geldbeutels, und wie die fehlenden fünf­zig Pfennig beinahe pfennigweise zum Vorschein kamen.

Die hab' ich mir doch gespart", sagte sie mir, die hab' ich mir doch zurückgelegt!"

Denn sie legt gern zurück. Sie schnappt, wo sie schnappen kann, aber aus gibt sie nur im Som­mer. Da bekommt es der unwiderstehliche Eismann; im Winter legt sie aber alles zurück. Es erwies sich, daß sie schon seit Oktober daran gedacht hatte, daß im Dezember Weihnachten käme. Aber viel hat sie nun nicht mehr an Zurückgelegtem. Nur noch vier­zehn Pfennig. Die sollen für Mütti auch noch drauf- gehen

Für zehn Pfennig gibt es nämlich kleine Blumen- töpschen mit einer künstlichen Blume darin, und damit will sie das große Geschenk ausschmücken. Und das tut sie.

Ich sage:Gib mal her!" Und sehe hinein in die kleine Geldbörse und tue drei Groschen hinein, ohne daß sie es ahnt.

Siehst du," sage ich,nun bist du dein Geld los!"

Ja," sagt sie,aber dafür war es doch auch. Es ist bloß immer gleich alles so teuer."

Wir gehen weiter von Laden zu Laden, und andauernd redet sie davon, wie schön das schöne Geschenk doch ausgefallen sei, aber ganz echt ist ihre Munterkeit nicht mehr. Die zwei Mark können ja hin sein, aber die fünfzig Pfennig, das war hart. Und der Groschen außerdem. Aber vier Pfen­nig sind noch da.

Für vier Pfennig kaufe ich Garn, wenn du mir dann vielleicht einen Pfennig dazugibst."

Das wären dann für fünf Pfennig Wollgarn, und daraus kann man allerlei häkeln, und das Gehäkelte, besonders wenn es bunt ist, sieht pracht­voll aus und wird Mütti sicher sehr erfreuen. Am besten ist es, man häkelt einen blauen Grund, denn blau ist die Treue, und mitten daraus legt man bas heiße, kleine, rote Herzchen, damit es erzählt von der vielen Liebe, die da ist und fo gerne schen­ken, schenken und nochmals schenken will.

Und Vati? Kriegt Dati denn gar nichts?"

Aber ich weiß schon: für mich arbeitet sie in jeder freien Stunde an einem Ding, das ich be- nützen soll, um meine Stahlklammern hineinzu­legen. Das kann sie mir nun unmöglich sagen. Darum sagt sie gar nichts und sieht mich nur furcht­bar schlau an, denn ich bin dumm.

Und so kommen wir wieder beim, aber zu Hause ist Mütti nicht da, und so gehen wir überhaupt

andauernd umeinander herum, jeder für sich, und jeder macht seine Geheimnisse zurecht, und dazu ist gerade jetzt die Zeit, in der Bratäpfel brutzeln und öfter einmal allerlei Knuspriges durch die Wohnung riecht, und so oft es läutet, und es steht jemand da und möchte mit bittendem Blick etwas sagen, so oft durchsticht es jedem von uns das Herz, und wenn es eine Trübung gibt in diesen Tagen, dann ist es die, nicht alles geben zu können. Dies aber ist ein Gefühl, das heutzutage viele haben. Es ist von allen Gefühlen das schönste. Von Weihnach­ten geht es aus, aber es ist von einer ahnenden Freude durchzittert, daß es Deutschland meint und alle, die dazugehören, denn so reich und rein war uns Weihnachten noch nie nahegekommen.

Imst Woronzeff."

Diesen Film hat die Ufa nach einem gleich­namigen Roman von Margot von Simpson gedreht. Man merkt ihm die Vorlage insofern an, als es trotz manchen für die Kamera brauch­baren Motiven nicht überall gelang, die durch­aus romanhaften und nicht etwa unkomplizierten Vorgänge schlackenlos in die neue Form zu über­setzen und ins Bild aufzulösen. (Regie: Artur R 0 - bis 0 n, der zusammen mit Walter Supper auch das Drehbuch geschrieben hat.) Es überschnei­den sich hier eine Reihe von Motiven, die den Film als eine Mischung aus Gesellschaftsstück und abenteuerlicher Phantasie erscheinen lassen: ein Erb- schafts- und Jdentitätsstreit, verbunden mit dem ebenso beliebten wie gefährlichen Doppelgänger- motiv und einer Liebesgeschichte übers Kreuz, die mit einer sensationell aufgemachten Pointe ein ro­mantisches und nicht völlig glaubhaftes happy end findet. Der Spielführung gelangen am besten die reinen Gesellschaftsszenen und pointierten Dialog­partien; außerdem ist das Ganze in einem für die Produktion der Ufa typischen großen Rahmen ge­macht und streckenweise vor einen landschaftlich be­stechenden Hintergrund an der Riviera aestellt. Nicht ganz zu vermeiden waren gewisse Längen und Undeutlichkeiten, die erst im Programmheft geklärt werden. In der Titelrolle lernt man einen vor der Kamera neuen Darsteller kennen: Albrecht S ch 0 e n h a l s , der, wenn wir recht unterrichtet sind, von der Oper herkommt und, ohne störende Anklänge an diese Tätigkeit, ein ruhiges, sicheres und gepflegtes Spiel vorführt. Brigitte Helm da­gegen hat schon weit stärkere Rollen gehabt; hier wirkt sie allzu glatt, kühl und routiniert als Diane Morell, eine jener etwas rätselhaftengroßen Da­men", die man auf der Leinwand weit häufiger antrifft als in der rauhen Wirklichkeit. Als ihren'

Gegentyp sieht man Hansi Kn 0 teck , junges Fräulein von angenehmer und schlichter Natürlich­keit. Aus dem Ensemble nennen wir noch Willy Birgel, Kurt Fuß und Edwin Jürgensen.

*

Das Beiprogramm bereichern auf der Bühne dis zwei Maningos; sie bringen eine equilibristische Nummer und arbeiten so ausgezeichnet, technisch sauber, elegant und mit diskretem Humor, daß es ein Vergnügen ist, ihnen zuzuschauen. Außer­dem eine reichhaltige neue Wochenschau.

Gottfried Keller findet sein Kinder­häubchen und fällt von der Leiter.

Gottfried Keller war wie auch viele andere Sterbliche kein Freund von Wohnungswechsel und Aufräumungsarbeiten. Als er im Oktober 1882 um­zog, äußerte er sich darüber in bewegten Worten in einem Brief an Theodor Strom wie folgt:End­lich fließt mein durch allerlei Trubel gestörtes Wäs­serlein wieder so ruhig, daß auch die leichten Brief- blätter darauf schwimmen können wie üblich. Mein Wohnungswechsel verlief widerwärtig und mühevoll. Das Gerümpel eines feit 1817 bestehenden Haus­haltes mit noch dreißig Jahre älteren Nichtswürdig­keiten, die sich immer mitschleppen, war wie ver­hext und von Bosheit besessen. Beim Deffnen einer alten Schachtel fand ich unser ehemaliges Tauf­häubchen von rotem Sammet, worin vermutlich die sechsgehabten" Kinder der Mutter getauft worden sind. Eine dabei liegende dicke seidene Fallmütze in Form einer Kaiserkrone war mir bekannt, und ich wußte, daß ich sie selbst getragen hatte. Nun gut, eine Stunde später purzelte ich von der Bücherleiter mit einem Arm voll Bücher hinunter und schlug den Schädel beinahe zu schänden; man mußte mir die Schramme zunähen. Es war Sonntags am 1. Ok­tober. nachdem ich, wie gesagt, vorher meine Kinder- sallmütze in der Hand gehabt von anno 1820 oder 21. In diese Ironie des Schicksals mischte sich noch ein Tropfen Selbstverachtung; denn die Schuld des Sturmes lag in einer meiner Charakterschwächen. Ich war in den Laden eines Schusters gegangen, um ein Paar warme Pantoffel für den Winter zu kau­fen; da er keine paffenden von der verlangten Art hatte, ließ ich mir mit offenen Augen ein Paar aufschwatzen, das für meinen Fuß IV2 Zoll zu lang war, eben weil ich nie den Mut habe, aus einem Laden wegzugehen, ohne zu kaufen. In diesen Pan­toffeln blieb, wenn ich darin stand, vorn vor den Zehen ein leerer Raum, und auf diesen trat ich, als ich, von der Leiter heruntersteigend, die untere Stufe juchte."