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Ur. 266 Zweites Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Dienstag, l3. November 195^

Geheimrat Prof. Dr. His t-

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Geheimrat Professor Dr. Wilhelm His, der lang- jährige Leiter der ersten Medizinischen Klinik an der Berliner Charite, ist, wie bereits gemeldet, in Brombach in Baden g e st o r b e n.

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bracht waren. Von den 175 000 Arbeitsdienstwilli- Durch diese Arbeiten an den aen des Januar war rund die Hälfte in der Form Frischen Haff und Kunschen a. .. r. . ____ ______ Cf......... 1 K (TDifUnMrtti finffnr VQ<

DeuWandbegingdenlis.GebuMagSchiilers

Wie schnell der Aufbau des Arbeitsdienstes nach der Machtübernahme vonftatten gehen konnte, er­sehen wir allein aus der Tatsache, daß in der Zeit vom Januar bis Juli 1933 die Zahl der Arbeits­dienstfreiwilligen von 175 000 auf 263 000 gesteigert werden konnte. Dabei ist aber zu berücksichtigen, daß die 263 000 Arbeitsdienstwilligen des Juli fast restlos in geschlossenen Lagern unterge-

arbeiten tätig.

Es würde Bände benötigen, wenn man alle Ar­beiten des Arbeitsdienstes aufzählen wollte. Be­zeichnend für die Leistung des Arbeitsdienstes ist die Tatsache, daß ihm in fast der ganzen Welt wärmste Anerkennung zuteil geworden ist. Aus allen Teilen der Welt sind Beauftragte von Staaten und Verbänden nach Deutschland gekom­men, um den Aufbau des Arbeitsdienstes zu stu­

dieren. Und in Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland, Polen, Großbritannien und in den Ver­einigten Staaten ist man daran gegangen, einen Arbeitsdienst nach deutschem Muster aufzu- bauen. So groß die volkswirtschaftliche Bedeutung des Arbeitsdienstes auch ist, größer und entscheiden­der ist seine Aufgabe, der Heranwachsenden Gene­ration eine Schule der Kameradschaft, des Gehorsamsund der Unterordnung zu sein. Erst wer im Arbeitsdienst gelernt hat zu gehorchen, wird später fähig sein, im deutschen Staat an verantwortlicher Stelle seine Aufgaben zu erfüllen.

leutnant, daß ich mit dem ersten Eindecker, der mir hier auf dem Flugplatz über den Weg gerät, star­ten darf?" Der ältere Offizier lacht:Das haben Sie, Kleiner."

Jetzt wendet sich Leutnant de Cartena mit vor Erregung glühendem Gesicht zu den umsitzenden Kameraden:Sie haben es alle gehört, meine Her­ren!" Seine Stimme überstürzt sich vor Eifer.Herr Oberstleutnant, ich darf wohl bitten, morgen den Eindecker im Einzelschuppen für mich startbereit machen zu lassen."

Die anderen Offiziere springen auf vor lieber- raschung. Puterrot vor Zorn läuft das Gesicht des Staffelchefs an. Dann haut er mit der Faust auf den Tisch:Sind Sie des Teufels, Cartena! Den Silbervogel vom Grand Chaco wollen ausgerechnet Sie fliegen! Sie Baby meinen Silbervogel! Sie machen schlechte Witze, Leutnant!"

Auch der junge Offizier ist jetzt aufgesprungen. Furchtlos pariert er den zornigen Blick des Vor­gesetzten:Ich habe Ihr Wort, Herr Oberstleutnant! Der Silbervogel ist der erste Einsitzer, der mir hier über den Weg gekommen ist, und den will ich flie­gen!"

Gut, Leutnant de Cartena. Wort ist Wort! Sie fliegen morgen nachmittag mit dem Silbervogel nach

keit ist es zu danken, daß die Bildung und Organi­sierung des Arbeitsdienstes in die Tat umgesetzt werden konnte.

Not.

Trotzdem bedeutet aber der Arbeitsdienst, auch von der volkswirtschaftlichen Seite her gesehen, einen ungeheuren Nutzen für un­ser Volk. Bei 29 Millionen Hektar landwirtschaft­licher Nutzfläche gibt es immer noch 8,5 Millionen Hektar Nutzfläche, die zu wasserhaltig ist, als daß sie in der für die deutsche Nahrungsfreiheit notwen­digen Weise bearbeitet werden kann. Wenn es ge­lingt, dieses eine Drittel unserer landwirtschaftlichen Nutzfläche zu entwässern, kann der Ernteertrag des deutschen Bodens so wesentlich gesteigert wer­den, daß unsere Abhängigkeit vom Ausland in man-

Der Silbervogel von Grand Chaco

6in Abenteuer aus dem Chaco-Krieg.

Don Jürgen Hahn-Butry.

Weit zurück hinter den feuchten, fiebergeschwän­gerten Wäldern des Grand Chaco liegt auf felsi­gem Hochplateau der Flugplatz der Fliegerstaffel der 4. bolivianischen Divison. Tag für Tag und manche Nacht geht es von dort hoch über den Ur­wald in das paraguaynische Hinterland.

Der junge Leutnant Raul de Cartena ist erst seit ein paar Wochen an der Front und darf vor­erst nur als Begleiter mitfliegen. Seine ganze Sehnsucht gilt dem Eindecker, der etwas abseits von den großen Wellblechhallen in einem kleinen Schuppen für sich steht. Silbergrau sind seine Trag­flächen. lieber 300 Stundenkilometer soll er schaf­fen. Doch nur der Staffelchef selbst fliegt den Ein­sitzer, wenn es eine wichtige Erkundigung gilt.

Rauls 18. Geburtstag ist herangekommen. Mit Mordshallo, mit Zuckerrohrschnaps und Wisky wird er festlich begangen. Abends bei der Tafel winkt sich Oberstleutnant Sarpiento, der Kommandeur, seinen jüngsten Offizier zu sich:Kann mir schon denken, Kleiner, was Sie sich von mir zum Ge­burtstag wünschen! Wollen sicher endlich mal allein fliegen! So wie die angeforderten Einsitzer eintru­deln, kriegen Sie so 'ne Kiste."

Dem Jungen ist der viele Alkohol in den Kopf gestiegen:Geben Sie mir Ihr Wort, Herr Oberft-

chen Dingen beendet werden kann. Die Entwässe­rungsarbeiten der freien Wirtschaft zuzuführen, wäre schlechterdings unmöglich, da die Kosten von der Landwirtschaft nicht aufzubringen wären. Hier be­ginnt darum die große, entscheidende Aufgabe des Arbeitsdienstes. Die Kultivierung dieser Landesteile wird den Weg zur Sicherung der deutschen Nah­rungsfreiheit ein gewaltiges Stück vorwärts treiben.

Darüber hinaus aber hat sich die Regierung ent­schlossen, den Nahrungsboden auch durch Neu­landgewinnung erheblich zu vergrößern.

' ~ * t friesischen Inseln, am

. Haff sollen insgesamt

etwa 1,5 Millionen Hektar Neuland erobert werden. Insgesamt ist damit zu rechnen, daß durch Oedland- und Moorkultivierung und Neulandgewinnung 200 000 leistungsfähige Bauernhöfe neu aufgebaut werden, das würde der A n - fieMung von rund 1,5 Millionen Volksgenossen gleichkommen.

Dabei wird von der Leistung des Arbeitsdienstes streng darauf gesehen, daß vom Arbeitsdienst nicht solche Arbeiten durchgesührt werden, die ebenso gut von der freien Wirtschaft erledigt werden können. Spiel- und Sportplätze, Derschönerungsanlagen und ähnliche Dinge, insbesondere auch die technischen Arbeiten beim Straßenbau werden nicht mehr vom Arbeitsdienst durchgeführt, damit an diesen Stellen Facharbeiter wieder vollbeschäftigt werden können. Während im Jahre 1932 noch 32 v. H. aller Ar­beitsfreiwilligen mit solchen Arbeiten beschäftigt waren, die nicht eigentliche Aufgabe des Arbeits- i dienftes sein sollten, sind im Jahre 1933 allein 85 I ü. fj. aller Arbeitsfreiwilligen in reinen Lan - 'deskulturarbeiten beschäftigt gewesen. 44 v. H. der Arbeitsdienstwilligen waren an Ar­beiten zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Nutz- . fläche, 23 v. H., an solchen Arbeiten beschäftigt, die der Aufschließung des Geländes, meist zu Sied­lungszwecken dienten (Wegebau, Verkehrsverbesse­rungen usw.). Außerdem waren 10 v. H. in der Forstwirtschaft und 8 v. H. in reinen Siedlungs-

Arbeitsdienst - Iotksdienst.

Don Karlheinz Bornhagen.

Arbeitsdienst ist Angriff auf ein entsetzliches Vorurteil, nämlich, daß Handarbeit minderwertig sei. Dieses Vor­urteil wollen wir ausrotten in Deutsch­land!" Adolf Hitler.

Man mag über die frühere Zerrissenheit und in­nere Zerspaltung der deutschen Jugend urteilen wie man will eins wird man ihr aber imfner zubilligen müssen: daß sie na d) neu en We g e n g e sucht bat und auch bereit gewesen ist, sich emzusetzen. Die Tatsache dieser Sehnsucht der deutschen Jugend nach neuen Zielen und Idealen ist schließlich der st ä r k st e Antrieb der nationalsozialistischen Be­wegung geworden. Als die Jugend erkannt hatte, daß sie im Interesse einseitiger Klassen-, Standes- und Konfessionspolitik ausgenutzt wurde, hat sie aus innerster Ueberzeugung den Weg zum Natio­nalsozialismus gefunden. Ueber dem Kampf der deutschen Jugend in den Nachkriegs­jahren stand einzig und allein der Wille zur sozialistischen Volksgemeinschaft. Alle Arbeit und aller Einsatz dienten schließlich nur dazu, Wege zur praktischen Ausgestaltung dieser sozialisti­schen Gemeinschaft zu formen.

So tauchte denn seit Jahren immer wieder die Idee des freiwilligen Einsatzes zur A r - beitsdienstleistung für den Staat und das Volk auf. Solange aber keine einheitliche Staatsführung den Aufbau des Freiwilligen Ar­beitsdienstes in die Hand nahm, mußten zwangs­

eingesetzt, daß sie tagsüber zwar in geschlossenen Formationen Arbeit leisteten, außerhalb der Ar­beitszeit aber tun und lassen konnten, was sie wollten. Es ist selbstverständlich, daß die Zusammen­fassung in geschlossenen Lagern weitaus größere Organisationsarbeiten erforderte. Der National­sozialismus konnte es aber selbstverständlich mit der nur arbeitszeitmäßigen Erfassung der Dienstwilligen nicht bewenden lassen. Arbeitsdienst ist für ihn nicht nur eine Frage der Wirtschaftlichkeit und Prdukti- oität, in noch stärkerem Maße vielmehr eine staatspolitische Erziehungsaufgabe. Das Erlebnis der Kameradschaft im Lager, das Mit­einanderarbeiten der Kameraden aus allen Berufen und Schichten des Volkes ist eine der wesentlichsten Grundlagen und Voraussetzungen zur Ueberwin- dung der inneren Zerrissenheit und völkischen

läufig alle Pläne zuschanden werden. Es bestand sogar die große Gefahr, daß auch beim Freiwilligen. Arbeitsdienst interessengebundene Mächte den Jdea- lismus der Jugend ausnutzten. Der Nationalsozia-, Wischen Deutschen Arbeiterpartei war es schon vor I der Machtübernahme gelungen, die Organisation eines Arbeitsdienstes wenigstens in seinen Grund­zügen aufzubauen. Dieser vorausschauenden Tätig-1

Der Führer im Nationaltheater in Weimar, wo der Staatsakt der Reichsregierung und der thüringischen Landesregierung ftattfand. Links neben Adolf Hitler Reichsminifter Dr. Goebbels und der thü­ringische Ministerpräsident Marschler ; recyts Reichsstatthalter S a u ck e l und Minister W ä ch t l e r.

König und Mensch.

Friedrich der Große in neuer Beleuchtung.

VonOr. h. c. Friedrich v. Oppeln-Bronikowski.

Der jüngere Bruder des damaligen Kurfürsten Wilhelm I. von Heffen-Kaffel, Landgraf Karl, der in jungen Jahren zum dänischen Feldmarschall und Gouverneur von Schleswig aufgestiegen war und als solcher dem alternden Abenteurer Graf Saint- Germain die letzte Freistatt in Eckernförde bei Schleswig gewährt hatte, hat 1816/17 wenig be­kannte, aber vielseitig fesselnde Denkwürdigkeiten diktiert, die erst 1866 in deutscher Uebersetzung von Dr Beruh ar di in Kassel erschienen sind.

Wohl das Fesselndste daraus sind seine Erleb­nisse im Bayerischen Erbfolgekrieg von 1778/79, den er mit seinem Bruder, dem späteren Kurfürsten, im Gefolge Friedrichs des Großen mitgemacht hat, und feine Unterredung mit diesem. Durch sein frei­mütiges, aber liebenswürdiges Wesen und sein un­abhängiges Urteil gewann er bald das Herz des greisen Helden, der in einsamer Größe dastand und in seiner Familie wie in seiner aussterbenden Ta­felrunde kaum noch Personen fand, denen er sich voll anvertraute. z , ,P£ .

Die Tafelrunde bes Königs , heißt es m den Berichten,war für mich fehr interessant, aber alle anderen Gäste fürchteten sie und waren trostlos über ihre Dauer ... Wenn es eine Diskussion ober ein Wortgefecht gab, was er sehr liebte, so ver­längerte sich die Tafelzeit ins Unendliche. Ich horte zu Anfang zwar, daß der König oft sagte:Meine Tafel ist eine Republik, jeder kann dabei reden, was er will." Ich suchte ihn daher bei jeder Gelegen­heit zum Sprechen zu bringen, über sein Leben wie über seine politischen und militärischen An­sichten, und ich darf wohl sagen, daß ihm das viel Vergnügen machte.

Nach dem Abmarsch der Truppen in die Win­terquartiere begab sich der König nach Breslau. Unterwegs, in Landshut, als er bei Tafel faß, mel­dete man ihm eine Abordnung der reichsten Kauf­leute und Fabrikanten der Stadt.Sie werden mich auslachen, aber ich muß mit diesen Leuten über ihren Handel und ihr Geschäft sprechen." Sie setzten sich zu Viert dem König gegenüber, und er fraqte sie sehr eingehend aus. Ihre Antworten waren sehr freimütig und genau. Als wir in die Vorstadt von Jägerndorf tarnen, fragte der König, wo sein Hauptquartier sei.In der Stadt" ent­gegnete man ihm. Er sah einen grckßen Hof und befahl, sofort alles aus der Stadt dorthin zu brin­

gen. Er setzte sich vor die Haustür auf eine Holz­bank und rief mich herbei, mich neben ihn zu etzen. Es währte ziemlich lange, dis das Gepäck kam. Derweil unterhielt sich der König über aller­lei, wobei er sich über den Hof, den er ausgesucht hatte, lustig machte. Er war voller Rauch und Schmutz und gehörte, wie wir erfuhren, einem Fürsten Liechtenstein. Tags darauf, als ich zur Tafel des Königs kam, sagte er zu mir:Ich habe die Ehre, im Schweinestall Sr. Hoheit des Fürsten von Liechtenstein zu wohnen .."

Eines Tages fragte er mich in Gegenwart meh­rerer Generale, nachdem er viel vom Siebenjährigen Krieg gesprochen hatte:Sagen Sie mir, lieber Prinz, aber recht aufrichtig, wo habe ich mich in jenem Krieg nach Ihrer Meinung am besten ge­halten?" Ich entgegnete:Damals, als Sie nach der Schlacht bei Hochkirch die Armee, die nach dem nächtlichen Uebersall in Verwirrung sein mußte, auf dem Höhenzuge nahe beim Schlachtfelde wieder ordneten, dadurch einem siegreichen Feinde Halt ge­boten, dann nach Neiße marschierten, das im Be­griff war, sich zu ergeben, und dort die Oesterreicher zur Aufhebung der Belagerung zwangen. So tru­gen S. M. die Ehre und den Gewinn des Feldzuges davon."

Meine Antwort schien dem König Vergnügen zu machen, obwohl ich an den Gesichtern der anderen das Entsetzen über meine Kühnheit merkte, daß ich von einer verlorenen Schlacht sprach.

In Breslau bestand die Tafel aus 12 bis 14 Per­sonen. Der König saß an einer Ecke und ich links von ihm. Man speiste sehr gut auf dem schönsten Berliner Porzellan. Neben den König setzte man einen Stuhl für feine Lieblingshündin. Alle feine Hunde, fünf bis sechs, kamen mir mit großer Zu­traulichkeit entgegen.

Einmal hatte ich mit dem König eine sehr leb­hafte Unterhaltung über Religion. Wenn er bei Tafel auf dieses Thema kam, mischte ich mich nicht in das Gespräch, sondern schlug die Augen nieder und schwieg. Der König merkte es wohl. Endlich wandte er sich lebhaft an mich und fragte: Sagen Sie, lieber Prinz, glauben Sie an diese Dinge?" Ich antwortete in sehr festem Ton:Ich bin nicht sicherer, Sie zu sehen, als daß Christus gelebt hat und als unser Heiland am Kreuz ge­storben ist." ,

Der König blieb einen Augenblick in .Gedanken versunken, dann ergriff er plötzlich meine rechte Hand und drückte sie kräftig. , m

Jm Frühjahr 1779 begab ich mich über Braun­schweig nach Berlin, wo ich sogleich eme Ein­ladung des Königs nach Sanssouci erhielt. Wie

man mir sagte, hatte er nach seiner Rückkehr nach Berlin einen sehr lebhaften Wortwechsel mit seinem Küchenchef Noel gehabt, da er ihm erklärt hatte, jetzt, nachdem er den Krieg habe führen müssen, könne er ihm nur noch die Hälfte, nämlich vier Taler, für jedes der acht Gerichte zahlen. Noel ver­sicherte, dann werde keines gut und nach seinem Geschmack sein. Um es kurz zu machen, wollte der König nur noch vier Gerichte zu vier Talern haben, doch am Tage meiner Ankunft befahl er, die acht Schüsseln wieder aufzutragen. Soviel Gäste ge­laden waren, soviel Leibhusaren und Lakaien traten jeder mit einer zugedeckten Porzellanschüssel ein, die mit allen möglichen ausgezeichneten Speisen angefüllt waren.

Wie schon gesagt, liebte der König bei Tafel das Disputieren, ward aber leicht ärgerlich über Wider­spruch, an den er nicht gewöhnt war. Dennoch be­nutzte ich jede Gelegenheit, wo ich ihn schlecht unter­richtet fand, um ihm die Wahrheit zu sagen. Ein­mal wurde er ernstlich böse auf mich wegen des Fürsten von Weilburg, der ein sehr würdiger Mann und mein vertrauter Freund war. Der Kö­nig sagte, er habe ihn vor Jahren gesehen und nannte ihn einen Dummkopf. Ich widersprach und nahm ihn gebührend in Schutz. Da legte der König die Serviette hin, und man stand nach einer ziem­lich kurzen Tafel auf, während er sich ohne ein Wort in fein Zimmer zurückzog.

Alle machten mir lange Gesichter; Finkenstein und Schulenburg traten auf mich zu und sagten: Mein Gott, Sie haben den König erzürnt."

,Das sollte mir leid tun", entgegnete ich,ich habe ihm nur die Wahrheit gesagt/

Aber warum ihn ärgern?"

Ich ärgerte mich nun selbst, erwiderte jedoch: Ich hätte mein Schweigen für Feigheit gehalten. Ich sage Gott täglich die Wahrheit; ich werde sie auch dem König sagen. Wenn er sich auch einen Augenblick ärgert, wird er doch am nächsten Tage finden, daß ich recht hatte."

Hochschulnachrichten.

Profefsor Dr. Schüßler, Ordinarius an der Universität Rostock, hat einen Ruf auf den ordentlichen Lehrstuhl für mittlere und neuere Ge­schichte an der Universität Würzburg erhalten.

Der erst am 1. April d.J. als Nachfolger von Professor Dr. Klapp auf den Lehrstuhl für land­wirtschaftlichen Pflanzenbau und Pflanzenerzeugung an der Universität Jena berufene Professor Dr Konrad Meyer hat bereits einen neuen Ruf nach Berlin erhalten.

Wer ist der unbekannte Kriegs­gefangene?

Mit derBremen" ist Alfred Kampf, der Sohn des berühmten deutschen Malers Professor Arthur Kampf, der vor kurzem seinen 70. Geburtstag beging, in Southampton eingetroffen, der ein von feinem Vater gemaltes Bild eines englischen Kriegs­gefangenen an den unbekannten Dargestellten über­mitteln will. Die englische Presse berichtet ausführ­lich über bas Bild und seine Geschichte und bringt eine Reproduktion, die einen britischen Soldaten in der Uniform der Royal Börse Guards zeigt. Es ist ein großer hagerer Mann mit den verschlossenen Gesichtszügen eines Gefangenen. Seine kakhifarbene Uniform ist nur durch ein kleines blaues Taschen­tuch belebt, bas er in der linken Brusttasche trägt Wer ist dieser schlichte Soldat, und wie kam Profes­sor Kapipf dazu, gerade ihn zu porträtieren? Al­fred Kampf berichtet, daß sein Vater während des Krieges vom Kaiser den Auftrag erhielt. Gefangene aller Nationalitäten zu malen, um sie in einem großen Gemälde zu vereinigen. Zu diesem Gemälde habe sein Vater nun viele Einzelstudien gemacht; die von ihm ausgewählten Gefangenen, die er als besonders charakteristische Vertreter ihrer Nation angesehen habe, wurden in militärischer Bewachung aus dem Gefangenenlager in Döberitz in fein Ate­lier in der Hochschule für die bildende Kunst gebracht Unter diesen Gefangenen befand sich auch der porträtierte Engländer, der dem Mannschaftsstande angehörte.Mein Vater unterhielt sich während einer Sitzung sehr freundschaftlich mit ihm", er­zählte Alfred Kampf.Sie tranken miteinander Tee, rauchten Zigaretten und führten lange Ge­spräche. Der Soldat bat meinen Vater dann, ihn nach dem Kriege in England zu besuchen. Aber un- glücklicherweise verlegte mein Vater die Adresse und erinnerte sich nur noch des Regiments des Darge­stellten und seiner Bemerkung, daß er im Zivil­beruf Ingenieur fei. Bei einem Wechsel des Ate­liers hat mein Vater nunmehr wenigstens das Bei­desRoyal Korse Guards" wiedergefunden. Er gab mit den Auftrag, den Soldaten ausfindig zu machen und ihm das Porträt als Ausdruck der Freund­schaft für ihn persönlich und darüber hinaus für bas englische Volk zu überreichen." Das große Ge­mälde, für das dieses Einzelbild nur als Skizze dienen sollte, ist durch den Ausgang des Krieges nicht zur Vollendung gekommen. Nur dies Porträt blieb übrig und wartet auf den Dargeftellten, des­sen Schicksal noch völlig im Dunkeln liegt.