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Ser Vatikan

und das neue Deutschland.

Budapest, 12. Noo. (DNB.) Der Berichter­statter großer katholischer Blätter Msar. Enrico Pucci, der gute Beziehungen zum Vatikan unterhält, äußerte sich in einer Unterredung mit dem Vertreter des nationalenUj Magyarsag" eingehend über die gegenwärtige Stellung des Vatikans zum nationalsozialistischen Deutschland. Er erklärte u. a.: Der Vatikan macht niemals Politik im gewöhnlichen Sinne des Wortes. Seine Aufgabe ist nicht die Politik, son­dern die Religion. Der Vatikan befaßt sich mit politischen Fragen nur, wenn diese die religiöse Berufung des Vatikans berühren. Der Vatikan ist weder für noch gegen den Nationalsozialismus in gleicher Weise, wie er niemals zu den politischen Bewegungen anderer Länder Stellung nimmt.

Der Vatikan billigt den entschlossenen Kampf des Nationalsozialismus gegen den Atheismus und die Unmoral,

während andere Punkte des nationalsozialistischen Programms, wie die Stellung zur Rassenfrage und zur Sterilisation, nach der Erklärung des Papstes nicht gebilligt werden können. Jedoch hat diese Stellungnahme des Vatikans keineswegs den Ab­schluß eines Konkordats mit dem heutigen Deutschland verhindert. In dem Konkordat sind in gleicher Weise der Standpunkt des Vatikans, wie auch die berechtigten Belange des deutschen Staates berücksichtigt worden. Leider sind jedoch in Deutsch­land nicht alle Vereinbarungen des Konkordats durchgeführt worden. Auf einigen Gebieten wurden sogar Bestimmungen erlassen, die im Gegensatz zum Konkordat stehen. Jetzt aber hat sich die Lage ge­bessert.

Es bestehl jetzt die Aussicht auf eine Einigung in vielen Fragen, in denen noch vor wenigen Monaten eine Einigung unmöglich erschien.

Zwischen dem Nationalsozialismus und dem Fa­schismus besteht in vielen Punkten weitgehende Uebereinstimmung. Sowohl in Deutschland, als auch in Italien mußten die früheren katholischen politischen Parteien verschwinden.

Man kann selbstverständlich nicht von Deutsch­land, in dem nur ein Viertel der Bevölkerung katholisch ist, eine katholisch orientierte Politik er­warten. Die Lage hat sich in der letzten Zeit wesent­lich gebessert, und es besteht jetzt durchaus die Aussicht auf eine Einigung zwischen dem Vatikan und der nationalsozialistischen deutschen Regierung. Wenn die Kirche und die Rechte der Katholiken von den Regierungen anerkannt werden, so werden die Katholiken sich immer als treue Bürger des Staates erweisen und gewissenhaft aus ihrer christlichen Ge­sinnung heraus die Gesetze des Staates einhalten.

Mit aller Kraft vorwärts!

Deutschlands Rohstofflage in schwedischer Betrachtung.

Stockholm, 12. Nov. (DNB.)Aftonbladet" beschäftigt sich in einem längeren Artikel mit der deutschen Rohstoff-Frage und kommt hier­bei zu folgendem Ergebnis: Der Welthandel befinde sich in einem Schmelztiegel. Auch der deutsche Han­del sei von dieser Umgruppierung erfaßt worden. Trotzdem müßte die Meinung, in Deutschland be­stehe Mangel an Rohstoffen, als unrichtig bezeich­net werden.

Deutschland habe int Gegensatz zu der Zeit wäh­rend des Weltkrieges eine teilweise und frei­willige Selbstversorgung unternommen. Indes bürge der bisherige ungeheure Fortschritt der Technik, gepaart mit der Energie des ganzett Landes, dafür, daß die wirtschaftliche Versor­gung in Deutschland mit aller Kraft vorwärts gehen dürfte.

Darum sei die Befürchtung nicht berechtigt, Deutsch­land könne in dieselbe verzweifelte Lage geraten, wie im Jahre 1918.

Anwerbungen für die Gaarpolizei in England

London, 12. Noo. (DNB.) Im Unterhaus wurde an die Regierung die Anfrage gerichtet, ob zur Zeit ehemalige britische Offiziere mit Genehmigung der englischen Regierung für die Polizei im Saargebiet angeworben wür­den. Ministerpräsident Macdonald erklärte da­zu: Von ehemaligen englischen Offizieren ist eine Anzahl von Gesuchen eingegangen. Sie wurden der Regierungskommission der Saar übermittelt, nachdem vorher gewisse Punkte nachgeprüft worden waren, so z. B. die Frage, ob der Betreffende be­reits über Erfahrungen im Polizeidienst verfügt, und ob er in der Lage sei, die deutsche und fran­zösische Sprache zu gebrauchen. Der Sinn der Nach­prüfung war, zwecklose Gesuche von vornherein auszuscheiden.

Von der Opposition wurden in dieser Sache noch weitere Anfragen an die Regierung gerichtet. In ihrer Beantwortung stellte Ministerpräsident Mac­donald noch fest, daß von etwa 20 bisher rekru­tierten vormaligen Offizieren nur zwei britischer Staatsangehörigkeit seien. Die Lage sei die, daß der Generalsekretär des Völkerbun­des auf Grund einer Entschließung des Dölker- bundsrates vom 4. Juni den Mitgliedsstaaten emp­fohlen habe, die Aufgabe der Regierungskommis­sion des Saargebietesbei der Beschaffung von P o l i z e i h i l f s k r ä f t e n außerhalb des Saargebietes" zu erleichtern. In Er­widerung dieser Empfehlung habe die Regierung gehandelt. Auf eine Frage Länsburys, ob die britische Regierung irgend eine Verantwor­tung in der Angelegenheit übernommen habe, antwortete Macdonald:Wir haben keinerlei Verantwortlichkeit. Wenn diesen Männern etwas zustöht, so ist es nicht unsere Verantwor­tung. Wir erleichtern lediglich als Mitglied des Völkerbundes die Fühlungnahme zwischen den Be­werbern um eine Einstellung und denen, die um Einstellungsanträge ersuchen.

Vesprechungen bei Gördeler.

Berlin, 12. Nov. (DNB.) Der Reichskommis­sar für Preisüberwachung, Dr. Gördeler, hatte am Montag mit Vertretern der Länderregierungen, der obersten Landesbehörden, der Ober- und Regie­rungspräsidenten in Preußen, der Kreisregierungen in Bayern und der Kreishauptmannschaften in Sachsen eine längere Besprechung über Fragen der Preisüberwachung, der sich am Nachmittag eine weitere Besprechung mit den Wirtschaftsrefe­renten der Gauleitungen anschloß.

Das PanzerschiffAdmiral Scheer" im Dienst.

Oer Führer erwartet:Oes Skagerrak-Geistes alle Zeit würdig".

Wilhelmshaven, 12. Nov. (DNB.) Auf der Marinewerft wurde am Montagmittag das zweite neue deutsche PanzerschiffAdmiral S ch e e r" i n D i e n st g e st e l l t. Gleichzeitig nahm die Besatzung, die dieses Schiff übernimmt, Abschied von dem alten LinienschiffHessen", das nun außer Dienst gestellt wird. Die beiden Schiffe lagen im Ausrüstungshafen der Werft Heck an Heck. An Bord derHessen" befand sich noch die alte Be­satzung, aber schon mit den neuen Mützenbändern desAdmiral Scheer".

Der Kommandant, Kapitän z. S. Marschall, hielt eine Ansprache an die Besatzung der alten Hesse n", die ein Rückblick war auf die dreißig­jährige Tätigkeit dieses Schiffes. Der Kommandant brachte drei Hurras auf das alte treue Schiff aus; dann wurden unter präsentiertem Gewehr die Flaggen und Wimpel niedergeholt und die Besatzung trat auf das PanzerschiffAdmi­ral Scheer" über.

Dann richtete der Kommandant eine Ansprache an seine Besatzung, in der er u. a. sagte:Als der erste Kommandant gebe ich dem Schiff einen Wahl­spruch, der dem Seemanns- und Soldatengeist seines Namensträgers Admiral Scheer ent­spricht; der ganze Charakter des Siegers vom Skagerrak, sein ganzes Mannes- und Soldatentum, lassen sich in vier harte Worte fassen: ,P a k t zu! Haltet f e st! Wo immer wir stehen, wir wollen allzeit aus den Worten die Tat machen!

Flagge und Wimpel unseres neuen Schiffes sollen niemals ohne Ehre niedergeholt werden! Mit Stolz sehen wir auf das Hoheitsabzeichen am Heck unseres Schiffes. Wir danken es unse­rem Führer Adolf Hitler und der von ihm geschaffenen nationalsozialistischen Bewegung.

Unser aller Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, dem wir in Treue zugetan: Hurra, Hurra, Hurra!" Der Führer und Reichskanzler

an den Kommandanten.

Berlin, 12. Nov. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler richtete anläßlich der I n - dienststellung des PanzerschiffesAd­miral Scheer" folgendes Telegramm an den Kommandanten:

Der Name Admiral Scheer ist mit der See­schlacht vor dem Skagerrak, dem größten Ehrentag der Marine im Weltkrieg, unlösbar verbunden. Ich erwarte, daß die Besatzung des PanzerschiffesAd­miral Scheer" sich des Skagerrak-Gei st es alle Zeit würdigerweist, und wünsche dem Schiffe, sowie seiner Besatzung stets glückliche Fahrt zur Ehre Deutschlands.

gez. Adolf Hitler."

Rerchswehrminister und MarineLeitung an die Besatzung.

Der Reichswehrminister Generaloberst v. B l o m- b e r g richtete an das Kommando des Panzerschiffes Admiral Scheer" folgendes Telegramm:

In dem NamenAdmiral Scheer" ehrt die Rcichsmarine alle Männer, Führer und Geführte, die am Tage von Skagerrak ihr Höch ft es einsetzten für Deutschlands Bestand. Ich bin sicher, daß die Besatzung des PanzerschiffesAdmi­

ral Scheer" sich allezeit der hieraus entspringenden Verpflichtung wert zeigen wird. Heil Hitler!

Reichswehrminister Generaloberst v. Blomberg."

Der Chef der Marineleitung, Admiral Dr. h. c. Raeder, sandte an Kommandant und Besatzung des neuen Schiffes folgendes Telegramm:

Admiral Scheer, der Führer der deutschen Hoch­seeflotte vor dem Skagerrak, ist für die Reichs­marine, insbesondere für die Besatzung des Schif­fes, das seinen Namen trägt, leuchtendes Vor­bild kühner Entschlußfähigkeit, wagemutiger Tat­kraft und hingebender Liebe zu Deutschland. Ihm nackzueifern, sei unser aller Streben. Ich wünsche dem Schiff und seiner Besatzung allezeit gute Fahrt und sende Ihnen kameradschaftliche Grüße. Heil Hitler!"

Abschied von derHessen". Briefwechsel zwischen Staatsminister Jung und dem Kommandanten derHessen".

LPD. D a r m st a d t, 12. Nov. Heute ist das LinienschiffHessen" nach dreißigjähriger Dienstzeit in der Kaiserlichen Marine und in der Reichsmarine außer Dien st gestellt worden. Aus diesem Anlaß wurden die folgenden Briefe zwischen dem hessischen Staatsminister Jung und dem Kommandanten des LinienschiffesHessen", Kapitän zur See Marschall, gewechselt:

Aus Anlaß der bevorstehenden Außerdienst- stelluna des LinienschiffesHessen" spricht Ihnen, Herr Kommandant, den Herren Offizieren und der Mannschaft das gesamte hessische Volk und die hessische Landesregierung den herzlichsten Dank für die ehrenvolle Führung des Schiffes aus, mit der der Name des Landes Hessen in die Geschichte der deutschen Reichs- marifre eingeführt wurde und darin seine bleibende Erinnerung behalten wird. Wir sehen nicht wehmütig der Niederholung von Flagge und Wimpel ent­gegen, denn wir fühlen und wissen es, daß das Werk deutscher Seegestaltung, das auf der scheiden­denHessen" mitbegonnen ward, nicht umsonst war und im Nachfolgeschiff seine ebenso ruhmvolle Fort­setzung erfahren wird.

Jung."

Sehr geehrter Herr Staatsminister! Dem hessi­schen Volk und seiner Landesregierung, wie Ihnen selbst als dem hessischen Staatsminister, sage ich den h e r z l i ch st e n Dank für die aufrechten Worte des Gedenkens zur Außerdienststellung des Schiffes. Wenn am 12. November 1934 nach dreißig­jähriger Dienstzeit Flagge und Wimpel niedergehen, scheidet ein Linienschiff aus der Front, das als i n Krieg und Frieden bewährte Einheit der deutschen Flotte stets mit Stolz seinen ehrenvollen NamenHessen" führte. Der alte Hessen-Gei st wird weiterleben auf dem neuen PanzerschiffAdmiral Scheer", des großen Admirals, der als Flotten­chef auch das LinienschiffHessen" am Skagerrak in die Schlacht und zum Siege führte. Kommandant, Offiziere und Besatzung werden das Patenland nicht vergessen. Heil dem Hessenoolk und Hessenland! Heil unserem Führer Adolf Hitler!

Gez.: Marschall, Kapitän zur See

und Kommandant des LinienschiffesHessen".

Der Wettlauf der Seemächte.

Amerika hilft Rußland?

Bor einer russisch-amerikanischen Schuldenregelung?

London. 13. Nov. (DNV. Funkspruch). Der Times"- Vertreter in Washington spricht in einer Meldung die Ansicht aus, daß Präsident Roosevelt angesichts seiner Machtstellung im Innern während der nächsten zwei Jahre einen größeren Einfluß auf die amerika- nifche Außenpolitik ausüben werde, als dies bei irgendeinem anderen amerikanischen Präsi­denten der Fall gewesen sei. Ferner heißt es in der Meldung. Berichte aus Moskau besagten, daß eine Regelung der russisch-amerika­nischen Schuldenfrage in Sicht fei. und daß diegrößte Abordnung amerikanischer Groß­industrieller. die jemals Rußland besucht hat", gegenwärtig in Moskau weite. Der Berichterstatter bemerkt, manche Leute glaubten, daß die Be­schleunigung der industriellen Ent­wicklung Sowjelrußlands mit ameri­kanischer Hilfe eine beträchtliche Wirkung auf das Mächtegleichgewicht im Fernen O st e n haben werde. Ls würde keine große Ueber- raschung sein, wenn Erwägungen allgemeiner stra­tegischer Art den Präsidenten Roosevelt und die Sowjetregierung davon überzeugen würden, daß eine baldige Schuldenverein­barung wünschenswert sei.

Amerikanische Pläne zum Ausbau der Luftflotte.

Washington, 13.Nov. (DNB. Funkspruch.) Der demokratische Abgeordnete V i n s o n, der Ver­fasser der gleichnamigen Flottenvorlage und Vor­sitzende des Flottenausschusses des Repräsentanten­hauses, machte in einer Sitzung des Flottenaus­schusses Vorschläge für den weiteren Ausbau der amerikanischen Luftflotte. So be­fürwortete er unter anderen den Ersatz der Luftschiffe 21fron" undLos Angeles" durch zwei neue Großluftschiffe, ferner den Neubau eines Flugzeugmutterschiffes von 15000 Tonnen, sowie den Neubau eines Versuchs- kreuzers - Flugdecks. Man nimmt an, daß Vinfon diese Vorschläge im Einverständnis mit dem Weihen Hause und der Flottenleitung unterbreitet hat.

Staatssekretär S w a n s o n nahm in derselben Sitzung zur Frage des L u f t s ch i f f b a u e s Stel­lung. Er vertrat die Meinung, daß die Luftfahr­zeugeleichter als Luft" noch in der Entwicklung begriffen und daß ihre Verwendbarkeit für Seever- teidiaungszwecke noch zweifelhaft sei. Trotzdem habe das Marineministerium verschiedenllich feine Bereit­

willigkeit erklärt, gemeinsam mit dem Handelsmini­sterium an der Erbauung von Handelsluftschiffen und der Ausbildung des erforderlichen Zivilperfo- nals mitzuarb eiten.

Englische Dementis.

Keine Geheimverhandlungen mit Japan.

London, 13. Nov. (DNB.) In Amerika war verbreitet worden, parallel mit den Londoner Flot­tenbesprechungen finde eine eifrige geheime Tätigkeit zwischen E n g l ä n d e r n und Ja- p a n e r n wegen wirtschaftlicher und poli­tischer Fragen statt. Außerdem hätten die Ja­paner dem Vereinigten Königreich ein geheimes Angebot von Zugeständnissen m bezug auf die Lage in Mandschukuo, sowie in der Frage des ja­panischen Petroleums gemacht. Diese Ge­rüchte sind heute von Premierminister Macdo­nald nachdrücklich in Abrede gestellt worden. Macdonald unterstrich, daß die amerikanischen Ver­treter darüber unterrichtet worden seien, was zwi­schen den japanischen Vertretern und den Englän­dern während dieser Vesprechungen vorgehe, ebenso wie den japanischen Vertretern mitgeteilt worden sei, was zwischen den Amerikanern und Engländern gesprochen worden sei.

In Kreisen der amerikanischen Flottendelegation ist das Dementi des britischen Premierministers b e g r ü ß t und als sehr förderlich bezeichnet wor- den. Ein amerikanischer Vertreter bemerkte, die Mit­teilungen Macdonalds säuberten die Luft von zahl­reichen Gerüchten.

Kein Luftabkommen mit Frankreich und Belgien.

London, 12. Nov. (DNB.) In britischen amt­lichen Kreisen wird erklärt, daß den Meldungen der französischen Presse entgegen kein Abkommen zwischen Großbritannien, Frankreich und Belgien über eine gemeinsame Verteidigung in der Luft im Kriegsfall besteht oder besprochen worden ist.

Lloy-GeorgeglaubtnichlanKrieg

Paris, 12. Nov. (DNB.) DieInformation" veröffentlicht zum Waffenstillstandstag einen Copy- right-Artikel von Lloyd George über die Lage in Europa. Der ehemalige englische Ministerpräsi­dent beschäftigt sich eingehend mit allen aktuellen Fragen, besonders mit dem Stand der Rüstun­gen. Er hält den überall festzustellenden R ü - stungswettlauf nicht für ungefährlich, kommt aber nichtsdestoweniger zu folgenden Schlußfolge­rungen:In keinem Teil der Erde ist eine gewal­tige Gruppierung von Militärmächten festzustellen. Die gegenwärtig bestehenden Ententen zwischen den Völkern sind im wesentlichen beschränkter Art und dem Wechsel unterworfen. Wir haben noch Zeit, die erregten Nationen zu beschwichti­gen und sie dahin zu bringen, ihre Meinungsver- jchiedenheiten in vernünftiger Weife zu regeln.

Oesterreichs Bundeskanzler besucht Mussolini.

Eine amtliche italienische Ankündigung.

Rom, 12. Nov. (DNB.) Amtlich wird be> kanntgegeben: Gegen Ende dieser Woche werden der österreichische Bundeskanzler Dr. Schuf ch. nigg und der österreichische Außenminister von Berger-Waldenegg nach Rom kommen. Der Besuch Dr. Schuschniggs, der schon ein, mal Gelegenheit hatte, sich mit dem Chef der Re­gierung in Florenz im August während der großen Manöver zu treffen, erhält diesmal wegen seines amtlichen Charakters besondere Bedeutung. Der Aufenthalt wird voraussichtlich zwei bis vier Tage dauern. Es werden in dieser Zeit Besprechun­gen im Rahmen des italienisch-österreichischen Ab­kommens vom 6. Februar 1930 und der italienisch, österreichisch-ungarischen Protokolle vom März statt- finden.

Der Ltnabhängigkeitstag in Polen.

Warschau, 12. Nov. (DNB.) Der gestrige Feiertag der nationalen Unabhängig, feit sah neben den großen amtlichen Feiern, den Gottesdiensten und der militärischen Parade vor dem Marschall P i l s u d s k i auch zahlreiche Einzel­feiern.

Eine Abordnung des Verbandes der pol- nischen Reservisten meldete dem Marschall Pilsudsfi, daß der Reservistenverband das ehe- malige Pilsudskische Familiengut Zulow angefauft habe und daß er es bis zum nächsten 11. November in der Form wieder aufbauen werde, in der es der Marschall aus seiner Jugend in Erinnerung habe.

Im Schloß des Staatspräsidenten fand am Nach, mittag eine besondere Feier für den Außenminister Oberst Beck statt, um ihm das Großfreuz des Or­dens Polonia Restituta zu überreichen. Der Staats­präsident überreichte dem Minister Beck die Abzei­chen des Ordens mit einer furzen Ansprache, in der er hervorhob, er schmücke den Außenminister be- sonders gern mit dem hohen Orden, da seine Arbeit außerordentlich zur Stärkung der Macht und des Ansehens Polens beigetragen habe.

Italienisches Kulturinstitut in Warschau.

Warschau, 13. Nov. (DNB. Funkspruch.) In Warschau wurde am Montag ein italienisches K u l t u r i n st i t u t in Anwesenheit des Unter­staatssekretärs des italienischen Kultusministeriums, Solmi, eröffnet. An der Festsitzung nahmen der polnische Ministerpräsident, der Minister des Aus­wärtigen und der Kultusminister teil, ferner bie italienische Kolonie mit dem Botschafter an der Spitze, Mitglieder des Diplomatischen Korps und Vertreter von Kunst und Wissenschaft. Der italieni­sche Botschafter sagte in einer Ansprache, das neue Institut solle im Geiste der Verständigung und Freundschaft der Zusammenarbeit der Völker dienen. Der polnische Kultusminister antwortete in einer Ansprache, das Institut sei ein Zeugnis für die kulturelle Zusammenarbeit, die beide Nationen feit Jahrhunderten verbinde.

Ungarn unddasAttentatvonMarseille

Budapest, 12. Nov. (DNB.) Das Ungarische Telegraphen - Korrespondenz - Büro meldet amtlich: Die ungarischen Polizeibehörden haben die Untersuchung im Zusammenhang mit dem Marseiller Anschlag, falls nicht andere, bis­her noch unbekannte Tatsachen auftauchen, geschlos- fen. Die Budapester Oberstadthauptmannschaft der Königlich-Ungarischen Staatspolizei veröffentlicht hierzu folgende Mitteilung:An den Tagen, die unmittelbar auf den Marseiller Anschlag folgten, haben die ungarischen Polizeibehörden die wettest, gehende Untersuchung eingeleitet. Außerdem haben sie auf das dringendste alle Untersuchungen in Gang gebracht, um deren Durchführung, sei es von feiten der Pariser Polizei, sei es über das Ministerium des Aeußeren von feiten der Buda­pester südslawischen Gesandschaft ersucht wurde. Die Polizei hat mehrere hundert Verhöre durch­geführt und 21 Personen in Gewahrsam genommen. Im Laufe der Untersuchung wurde fest- gestellt, daß keine einzige Person, auch nicht unter den Verhörten und in Gewahrsam Ge­nommenen, gefunden wurde, die mit dem An­schlag in Zusammenhang gebracht werden könnte. Auch ergab sich keinerlei Anhaltspunkt da­für, daß der Königsmörder Wlada G e o r g i e f f jemals in Ungarn war oder sich hier aufgehalten hat. Die Aufrechterhaltung der Polizei- a u f s i ch t über die in Ungarn weilenden südsla­wischen Staatsbürger, die als kroatische politische Emigranten angesehen werden können, wurde an- geordnet."

Mangelhaste Brennstoff- Versorgung in Rußland.

Moskau, 12. Nov. (DNB.) Die Sowjetre^ie- rung hat eine Verordnung erlassen, die der forojef- russischen Industrie größte Sparsamkeit im Brenn st offverbrauch zur Pflicht macht. Nicht nur die Privathaushaltungen sollen mit Brenn- material sparsam umgehen, sondern auch die Jndu- ftrie soll jeden unnötigen Verbrauch vermeiden, da die sowjetrussischen Eisenbahnlinien zur Zeit so v e r st o p s t sind, daß es unmöglich ist, genügend Brennstoffe heranzuschaffen. In verschie­denen Teilen der Sowjetunion herrscht schon sehr starke Kälte. Der Brennstoffverbrauch wird durch die zuständigen Behörden kontrolliert und jede Ver­schwendung schwer bestraft. In verschiedenen Städ­ten der Sowjetunion wurden die ersten Brennstoffe auf Bezugscheine an die Bevölkerung ausge­geben.

Kunst und Wissenschaft.

Volksgefundheil bedeutet politische Wacht. Errichtung eines neuen Lehrstuhls in München. An der Universität München wurde die erste Professur für Volksgesundheitslehre nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt errichtet. Als der mit dem Lehrauftrag be­traute Staatskommissar für das Gesundheitswesen in Bayern Professor Dr. Schultze feine Antritts­vorlesung hielt, war der Andrang der Studenten­schaft so groß, daß der Riesensaal vorzeitig geschlos­sen werden mußte. Auch die Spitzen der Partei und der staatlichen Stellen wohnten dem Vortrage bet. Der Leiter der deutschen Aerzteschast, Dr. Bernhard