Ser Vatikan
und das neue Deutschland.
Budapest, 12. Noo. (DNB.) Der Berichterstatter großer katholischer Blätter Msar. Enrico Pucci, der gute Beziehungen zum Vatikan unterhält, äußerte sich in einer Unterredung mit dem Vertreter des nationalen „Uj Magyarsag" eingehend über die gegenwärtige Stellung des Vatikans zum nationalsozialistischen Deutschland. Er erklärte u. a.: Der Vatikan macht niemals Politik im gewöhnlichen Sinne des Wortes. Seine Aufgabe ist nicht die Politik, sondern die Religion. Der Vatikan befaßt sich mit politischen Fragen nur, wenn diese die religiöse Berufung des Vatikans berühren. Der Vatikan ist weder für noch gegen den Nationalsozialismus in gleicher Weise, wie er niemals zu den politischen Bewegungen anderer Länder Stellung nimmt.
Der Vatikan billigt den entschlossenen Kampf des Nationalsozialismus gegen den Atheismus und die Unmoral,
während andere Punkte des nationalsozialistischen Programms, wie die Stellung zur Rassenfrage und zur Sterilisation, nach der Erklärung des Papstes nicht gebilligt werden können. Jedoch hat diese Stellungnahme des Vatikans keineswegs den Abschluß eines Konkordats mit dem heutigen Deutschland verhindert. In dem Konkordat sind in gleicher Weise der Standpunkt des Vatikans, wie auch die berechtigten Belange des deutschen Staates berücksichtigt worden. Leider sind jedoch in Deutschland nicht alle Vereinbarungen des Konkordats durchgeführt worden. Auf einigen Gebieten wurden sogar Bestimmungen erlassen, die im Gegensatz zum Konkordat stehen. Jetzt aber hat sich die Lage gebessert.
Es bestehl jetzt die Aussicht auf eine Einigung in vielen Fragen, in denen noch vor wenigen Monaten eine Einigung unmöglich erschien.
Zwischen dem Nationalsozialismus und dem Faschismus besteht in vielen Punkten weitgehende Uebereinstimmung. Sowohl in Deutschland, als auch in Italien mußten die früheren katholischen politischen Parteien verschwinden.
Man kann selbstverständlich nicht von Deutschland, in dem nur ein Viertel der Bevölkerung katholisch ist, eine katholisch orientierte Politik erwarten. Die Lage hat sich in der letzten Zeit wesentlich gebessert, und es besteht jetzt durchaus die Aussicht auf eine Einigung zwischen dem Vatikan und der nationalsozialistischen deutschen Regierung. Wenn die Kirche und die Rechte der Katholiken von den Regierungen anerkannt werden, so werden die Katholiken sich immer als treue Bürger des Staates erweisen und gewissenhaft aus ihrer christlichen Gesinnung heraus die Gesetze des Staates einhalten.
Mit aller Kraft vorwärts!
Deutschlands Rohstofflage in schwedischer Betrachtung.
Stockholm, 12. Nov. (DNB.) „Aftonbladet" beschäftigt sich in einem längeren Artikel mit der deutschen Rohstoff-Frage und kommt hierbei zu folgendem Ergebnis: Der Welthandel befinde sich in einem Schmelztiegel. Auch der deutsche Handel sei von dieser Umgruppierung erfaßt worden. Trotzdem müßte die Meinung, in Deutschland bestehe Mangel an Rohstoffen, als unrichtig bezeichnet werden.
Deutschland habe int Gegensatz zu der Zeit während des Weltkrieges eine teilweise und freiwillige Selbstversorgung unternommen. Indes bürge der bisherige ungeheure Fortschritt der Technik, gepaart mit der Energie des ganzett Landes, dafür, daß die wirtschaftliche Versorgung in Deutschland mit aller Kraft vorwärts gehen dürfte.
Darum sei die Befürchtung nicht berechtigt, Deutschland könne in dieselbe verzweifelte Lage geraten, wie im Jahre 1918.
Anwerbungen für die Gaarpolizei in England
London, 12. Noo. (DNB.) Im Unterhaus wurde an die Regierung die Anfrage gerichtet, ob zur Zeit ehemalige britische Offiziere mit Genehmigung der englischen Regierung für die Polizei im Saargebiet angeworben würden. Ministerpräsident Macdonald erklärte dazu: Von ehemaligen englischen Offizieren ist eine Anzahl von Gesuchen eingegangen. Sie wurden der Regierungskommission der Saar übermittelt, nachdem vorher gewisse Punkte nachgeprüft worden waren, so z. B. die Frage, ob der Betreffende bereits über Erfahrungen im Polizeidienst verfügt, und ob er in der Lage sei, die deutsche und französische Sprache zu gebrauchen. Der Sinn der Nachprüfung war, zwecklose Gesuche von vornherein auszuscheiden.
Von der Opposition wurden in dieser Sache noch weitere Anfragen an die Regierung gerichtet. In ihrer Beantwortung stellte Ministerpräsident Macdonald noch fest, daß von etwa 20 bisher rekrutierten vormaligen Offizieren nur zwei britischer Staatsangehörigkeit seien. Die Lage sei die, daß der Generalsekretär des Völkerbundes auf Grund einer Entschließung des Dölker- bundsrates vom 4. Juni den Mitgliedsstaaten empfohlen habe, die Aufgabe der Regierungskommission des Saargebietes „bei der Beschaffung von P o l i z e i h i l f s k r ä f t e n außerhalb des Saargebietes" zu erleichtern. In Erwiderung dieser Empfehlung habe die Regierung gehandelt. Auf eine Frage Länsburys, ob die britische Regierung irgend eine Verantwortung in der Angelegenheit übernommen habe, antwortete Macdonald: „Wir haben keinerlei Verantwortlichkeit. Wenn diesen Männern etwas zustöht, so ist es nicht unsere Verantwortung. Wir erleichtern lediglich als Mitglied des Völkerbundes die Fühlungnahme zwischen den Bewerbern um eine Einstellung und denen, die um Einstellungsanträge ersuchen.
Vesprechungen bei Gördeler.
Berlin, 12. Nov. (DNB.) Der Reichskommissar für Preisüberwachung, Dr. Gördeler, hatte am Montag mit Vertretern der Länderregierungen, der obersten Landesbehörden, der Ober- und Regierungspräsidenten in Preußen, der Kreisregierungen in Bayern und der Kreishauptmannschaften in Sachsen eine längere Besprechung über Fragen der Preisüberwachung, der sich am Nachmittag eine weitere Besprechung mit den Wirtschaftsreferenten der Gauleitungen anschloß.
Das Panzerschiff „Admiral Scheer" im Dienst.
Oer Führer erwartet: „Oes Skagerrak-Geistes alle Zeit würdig".
Wilhelmshaven, 12. Nov. (DNB.) Auf der Marinewerft wurde am Montagmittag das zweite neue deutsche Panzerschiff „Admiral S ch e e r" i n D i e n st g e st e l l t. Gleichzeitig nahm die Besatzung, die dieses Schiff übernimmt, Abschied von dem alten Linienschiff „Hessen", das nun außer Dienst gestellt wird. Die beiden Schiffe lagen im Ausrüstungshafen der Werft Heck an Heck. An Bord der „Hessen" befand sich noch die alte Besatzung, aber schon mit den neuen Mützenbändern des „Admiral Scheer".
Der Kommandant, Kapitän z. S. Marschall, hielt eine Ansprache an die Besatzung der alten „Hesse n", die ein Rückblick war auf die dreißigjährige Tätigkeit dieses Schiffes. Der Kommandant brachte drei Hurras auf das alte treue Schiff aus; dann wurden unter präsentiertem Gewehr die Flaggen und Wimpel niedergeholt und die Besatzung trat auf das Panzerschiff „Admiral Scheer" über.
Dann richtete der Kommandant eine Ansprache an seine Besatzung, in der er u. a. sagte: „Als der erste Kommandant gebe ich dem Schiff einen Wahlspruch, der dem Seemanns- und Soldatengeist seines Namensträgers Admiral Scheer entspricht; der ganze Charakter des Siegers vom Skagerrak, sein ganzes Mannes- und Soldatentum, lassen sich in vier harte Worte fassen: ,P a k t zu! Haltet f e st!‘ Wo immer wir stehen, wir wollen allzeit aus den Worten die Tat machen!
Flagge und Wimpel unseres neuen Schiffes sollen niemals ohne Ehre niedergeholt werden! Mit Stolz sehen wir auf das Hoheitsabzeichen am Heck unseres Schiffes. Wir danken es unserem Führer Adolf Hitler und der von ihm geschaffenen nationalsozialistischen Bewegung.
Unser aller Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, dem wir in Treue zugetan: Hurra, Hurra, Hurra!" Der Führer und Reichskanzler
an den Kommandanten.
Berlin, 12. Nov. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler richtete anläßlich der I n - dienststellung des Panzerschiffes „Admiral Scheer" folgendes Telegramm an den Kommandanten:
„Der Name Admiral Scheer ist mit der Seeschlacht vor dem Skagerrak, dem größten Ehrentag der Marine im Weltkrieg, unlösbar verbunden. Ich erwarte, daß die Besatzung des Panzerschiffes „Admiral Scheer" sich des Skagerrak-Gei st es alle Zeit würdigerweist, und wünsche dem Schiffe, sowie seiner Besatzung stets glückliche Fahrt zur Ehre Deutschlands.
gez. Adolf Hitler."
Rerchswehrminister und MarineLeitung an die Besatzung.
Der Reichswehrminister Generaloberst v. B l o m- b e r g richtete an das Kommando des Panzerschiffes „Admiral Scheer" folgendes Telegramm:
„In dem Namen „Admiral Scheer" ehrt die Rcichsmarine alle Männer, Führer und Geführte, die am Tage von Skagerrak ihr Höch ft es einsetzten für Deutschlands Bestand. Ich bin sicher, daß die Besatzung des Panzerschiffes „Admi
ral Scheer" sich allezeit der hieraus entspringenden Verpflichtung wert zeigen wird. Heil Hitler!
Reichswehrminister Generaloberst v. Blomberg."
Der Chef der Marineleitung, Admiral Dr. h. c. Raeder, sandte an Kommandant und Besatzung des neuen Schiffes folgendes Telegramm:
„Admiral Scheer, der Führer der deutschen Hochseeflotte vor dem Skagerrak, ist für die Reichsmarine, insbesondere für die Besatzung des Schiffes, das seinen Namen trägt, leuchtendes Vorbild kühner Entschlußfähigkeit, wagemutiger Tatkraft und hingebender Liebe zu Deutschland. Ihm nackzueifern, sei unser aller Streben. Ich wünsche dem Schiff und seiner Besatzung allezeit gute Fahrt und sende Ihnen kameradschaftliche Grüße. Heil Hitler!"
Abschied von der „Hessen". Briefwechsel zwischen Staatsminister Jung und dem Kommandanten der „Hessen".
LPD. D a r m st a d t, 12. Nov. Heute ist das Linienschiff „Hessen" nach dreißigjähriger Dienstzeit in der Kaiserlichen Marine und in der Reichsmarine außer Dien st gestellt worden. Aus diesem Anlaß wurden die folgenden Briefe zwischen dem hessischen Staatsminister Jung und dem Kommandanten des Linienschiffes „Hessen", Kapitän zur See Marschall, gewechselt:
„Aus Anlaß der bevorstehenden Außerdienst- stelluna des Linienschiffes „Hessen" spricht Ihnen, Herr Kommandant, den Herren Offizieren und der Mannschaft das gesamte hessische Volk und die hessische Landesregierung den herzlichsten Dank für die ehrenvolle Führung des Schiffes aus, mit der der Name des Landes Hessen in die Geschichte der deutschen Reichs- marifre eingeführt wurde und darin seine bleibende Erinnerung behalten wird. Wir sehen nicht wehmütig der Niederholung von Flagge und Wimpel entgegen, denn wir fühlen und wissen es, daß das Werk deutscher Seegestaltung, das auf der scheidenden „Hessen" mitbegonnen ward, nicht umsonst war und im Nachfolgeschiff seine ebenso ruhmvolle Fortsetzung erfahren wird.
Jung."
„Sehr geehrter Herr Staatsminister! Dem hessischen Volk und seiner Landesregierung, wie Ihnen selbst als dem hessischen Staatsminister, sage ich den h e r z l i ch st e n Dank für die aufrechten Worte des Gedenkens zur Außerdienststellung des Schiffes. Wenn am 12. November 1934 nach dreißigjähriger Dienstzeit Flagge und Wimpel niedergehen, scheidet ein Linienschiff aus der Front, das als i n Krieg und Frieden bewährte Einheit der deutschen Flotte stets mit Stolz seinen ehrenvollen Namen „Hessen" führte. Der alte Hessen-Gei st wird weiterleben auf dem neuen Panzerschiff „Admiral Scheer", des großen Admirals, der als Flottenchef auch das Linienschiff „Hessen" am Skagerrak in die Schlacht und zum Siege führte. Kommandant, Offiziere und Besatzung werden das Patenland nicht vergessen. Heil dem Hessenoolk und Hessenland! Heil unserem Führer Adolf Hitler!
Gez.: Marschall, Kapitän zur See
und Kommandant des Linienschiffes „Hessen".
Der Wettlauf der Seemächte.
Amerika hilft Rußland?
Bor einer russisch-amerikanischen Schuldenregelung?
London. 13. Nov. (DNV. Funkspruch). Der „Times"- Vertreter in Washington spricht in einer Meldung die Ansicht aus, daß Präsident Roosevelt angesichts seiner Machtstellung im Innern während der nächsten zwei Jahre einen größeren Einfluß auf die amerika- nifche Außenpolitik ausüben werde, als dies bei irgendeinem anderen amerikanischen Präsidenten der Fall gewesen sei. Ferner heißt es in der Meldung. Berichte aus Moskau besagten, daß eine Regelung der russisch-amerikanischen Schuldenfrage in Sicht fei. und daß die „größte Abordnung amerikanischer Großindustrieller. die jemals Rußland besucht hat", gegenwärtig in Moskau weite. Der Berichterstatter bemerkt, manche Leute glaubten, daß die Beschleunigung der industriellen Entwicklung Sowjelrußlands mit amerikanischer Hilfe eine beträchtliche Wirkung auf das Mächtegleichgewicht im Fernen O st e n haben werde. Ls würde keine große Ueber- raschung sein, wenn Erwägungen allgemeiner strategischer Art den Präsidenten Roosevelt und die Sowjetregierung davon überzeugen würden, daß eine baldige Schuldenvereinbarung wünschenswert sei.
Amerikanische Pläne zum Ausbau der Luftflotte.
Washington, 13.Nov. (DNB. Funkspruch.) Der demokratische Abgeordnete V i n s o n, der Verfasser der gleichnamigen Flottenvorlage und Vorsitzende des Flottenausschusses des Repräsentantenhauses, machte in einer Sitzung des Flottenausschusses Vorschläge für den weiteren Ausbau der amerikanischen Luftflotte. So befürwortete er unter anderen den Ersatz der Luftschiffe „21fron" und „Los Angeles" durch zwei neue Großluftschiffe, ferner den Neubau eines Flugzeugmutterschiffes von 15000 Tonnen, sowie den Neubau eines Versuchs- kreuzers - Flugdecks. Man nimmt an, daß Vinfon diese Vorschläge im Einverständnis mit dem Weihen Hause und der Flottenleitung unterbreitet hat.
Staatssekretär S w a n s o n nahm in derselben Sitzung zur Frage des L u f t s ch i f f b a u e s Stellung. Er vertrat die Meinung, daß die Luftfahrzeuge „leichter als Luft" noch in der Entwicklung begriffen und daß ihre Verwendbarkeit für Seever- teidiaungszwecke noch zweifelhaft sei. Trotzdem habe das Marineministerium verschiedenllich feine Bereit
willigkeit erklärt, gemeinsam mit dem Handelsministerium an der Erbauung von Handelsluftschiffen und der Ausbildung des erforderlichen Zivilperfo- nals mitzuarb eiten.
Englische Dementis.
Keine Geheimverhandlungen mit Japan.
London, 13. Nov. (DNB.) In Amerika war verbreitet worden, parallel mit den Londoner Flottenbesprechungen finde eine eifrige geheime Tätigkeit zwischen E n g l ä n d e r n und Ja- p a n e r n wegen wirtschaftlicher und politischer Fragen statt. Außerdem hätten die Japaner dem Vereinigten Königreich ein geheimes Angebot von Zugeständnissen m bezug auf die Lage in Mandschukuo, sowie in der Frage des japanischen Petroleums gemacht. Diese Gerüchte sind heute von Premierminister Macdonald nachdrücklich in Abrede gestellt worden. Macdonald unterstrich, daß die amerikanischen Vertreter darüber unterrichtet worden seien, was zwischen den japanischen Vertretern und den Engländern während dieser Vesprechungen vorgehe, ebenso wie den japanischen Vertretern mitgeteilt worden sei, was zwischen den Amerikanern und Engländern gesprochen worden sei.
In Kreisen der amerikanischen Flottendelegation ist das Dementi des britischen Premierministers b e g r ü ß t und als sehr förderlich bezeichnet wor- den. Ein amerikanischer Vertreter bemerkte, die Mitteilungen Macdonalds säuberten die Luft von zahlreichen Gerüchten.
Kein Luftabkommen mit Frankreich und Belgien.
London, 12. Nov. (DNB.) In britischen amtlichen Kreisen wird erklärt, daß den Meldungen der französischen Presse entgegen kein Abkommen zwischen Großbritannien, Frankreich und Belgien über eine gemeinsame Verteidigung in der Luft im Kriegsfall besteht oder besprochen worden ist.
Lloy-GeorgeglaubtnichlanKrieg
Paris, 12. Nov. (DNB.) Die „Information" veröffentlicht zum Waffenstillstandstag einen Copy- right-Artikel von Lloyd George über die Lage in Europa. Der ehemalige englische Ministerpräsident beschäftigt sich eingehend mit allen aktuellen Fragen, besonders mit dem Stand der Rüstungen. Er hält den überall festzustellenden R ü - stungswettlauf nicht für ungefährlich, kommt aber nichtsdestoweniger zu folgenden Schlußfolgerungen: „In keinem Teil der Erde ist eine gewaltige Gruppierung von Militärmächten festzustellen. Die gegenwärtig bestehenden Ententen zwischen den Völkern sind im wesentlichen beschränkter Art und dem Wechsel unterworfen. Wir haben noch Zeit, die erregten Nationen zu beschwichtigen und sie dahin zu bringen, ihre Meinungsver- jchiedenheiten in vernünftiger Weife zu regeln.
Oesterreichs Bundeskanzler besucht Mussolini.
Eine amtliche italienische Ankündigung.
Rom, 12. Nov. (DNB.) Amtlich wird be> kanntgegeben: Gegen Ende dieser Woche werden der österreichische Bundeskanzler Dr. Schuf ch. nigg und der österreichische Außenminister von Berger-Waldenegg nach Rom kommen. Der Besuch Dr. Schuschniggs, der schon ein, mal Gelegenheit hatte, sich mit dem Chef der Regierung in Florenz im August während der großen Manöver zu treffen, erhält diesmal wegen seines amtlichen Charakters besondere Bedeutung. Der Aufenthalt wird voraussichtlich zwei bis vier Tage dauern. Es werden in dieser Zeit Besprechungen im Rahmen des italienisch-österreichischen Abkommens vom 6. Februar 1930 und der italienisch, österreichisch-ungarischen Protokolle vom März statt- finden.
Der Ltnabhängigkeitstag in Polen.
Warschau, 12. Nov. (DNB.) Der gestrige Feiertag der nationalen Unabhängig, feit sah neben den großen amtlichen Feiern, den Gottesdiensten und der militärischen Parade vor dem Marschall P i l s u d s k i auch zahlreiche Einzelfeiern.
Eine Abordnung des Verbandes der pol- nischen Reservisten meldete dem Marschall Pilsudsfi, daß der Reservistenverband das ehe- malige Pilsudskische Familiengut Zulow angefauft habe und daß er es bis zum nächsten 11. November in der Form wieder aufbauen werde, in der es der Marschall aus seiner Jugend in Erinnerung habe.
Im Schloß des Staatspräsidenten fand am Nach, mittag eine besondere Feier für den Außenminister Oberst Beck statt, um ihm das Großfreuz des Ordens Polonia Restituta zu überreichen. Der Staatspräsident überreichte dem Minister Beck die Abzeichen des Ordens mit einer furzen Ansprache, in der er hervorhob, er schmücke den Außenminister be- sonders gern mit dem hohen Orden, da seine Arbeit außerordentlich zur Stärkung der Macht und des Ansehens Polens beigetragen habe.
Italienisches Kulturinstitut in Warschau.
Warschau, 13. Nov. (DNB. Funkspruch.) In Warschau wurde am Montag ein italienisches K u l t u r i n st i t u t in Anwesenheit des Unterstaatssekretärs des italienischen Kultusministeriums, Solmi, eröffnet. An der Festsitzung nahmen der polnische Ministerpräsident, der Minister des Auswärtigen und der Kultusminister teil, ferner bie italienische Kolonie mit dem Botschafter an der Spitze, Mitglieder des Diplomatischen Korps und Vertreter von Kunst und Wissenschaft. Der italienische Botschafter sagte in einer Ansprache, das neue Institut solle im Geiste der Verständigung und Freundschaft der Zusammenarbeit der Völker dienen. Der polnische Kultusminister antwortete in einer Ansprache, das Institut sei ein Zeugnis für die kulturelle Zusammenarbeit, die beide Nationen feit Jahrhunderten verbinde.
Ungarn unddasAttentatvonMarseille
Budapest, 12. Nov. (DNB.) Das Ungarische Telegraphen - Korrespondenz - Büro meldet amtlich: Die ungarischen Polizeibehörden haben die Untersuchung im Zusammenhang mit dem Marseiller Anschlag, falls nicht andere, bisher noch unbekannte Tatsachen auftauchen, geschlos- fen. Die Budapester Oberstadthauptmannschaft der Königlich-Ungarischen Staatspolizei veröffentlicht hierzu folgende Mitteilung: „An den Tagen, die unmittelbar auf den Marseiller Anschlag folgten, haben die ungarischen Polizeibehörden die wettest, gehende Untersuchung eingeleitet. Außerdem haben sie auf das dringendste alle Untersuchungen in Gang gebracht, um deren Durchführung, sei es von feiten der Pariser Polizei, sei es — über das Ministerium des Aeußeren — von feiten der Budapester südslawischen Gesandschaft ersucht wurde. Die Polizei hat mehrere hundert Verhöre durchgeführt und 21 Personen in Gewahrsam genommen. Im Laufe der Untersuchung wurde fest- gestellt, daß keine einzige Person, auch nicht unter den Verhörten und in Gewahrsam Genommenen, gefunden wurde, die mit dem Anschlag in Zusammenhang gebracht werden könnte. Auch ergab sich keinerlei Anhaltspunkt dafür, daß der Königsmörder Wlada G e o r g i e f f jemals in Ungarn war oder sich hier aufgehalten hat. Die Aufrechterhaltung der Polizei- a u f s i ch t über die in Ungarn weilenden südslawischen Staatsbürger, die als kroatische politische Emigranten angesehen werden können, wurde an- geordnet."
Mangelhaste Brennstoff- Versorgung in Rußland.
Moskau, 12. Nov. (DNB.) Die Sowjetre^ie- rung hat eine Verordnung erlassen, die der forojef- russischen Industrie größte Sparsamkeit im Brenn st offverbrauch zur Pflicht macht. Nicht nur die Privathaushaltungen sollen mit Brenn- material sparsam umgehen, sondern auch die Jndu- ftrie soll jeden unnötigen Verbrauch vermeiden, da die sowjetrussischen Eisenbahnlinien zur Zeit so v e r st o p s t sind, daß es unmöglich ist, genügend Brennstoffe heranzuschaffen. In verschiedenen Teilen der Sowjetunion herrscht schon sehr starke Kälte. Der Brennstoffverbrauch wird durch die zuständigen Behörden kontrolliert und jede Verschwendung schwer bestraft. In verschiedenen Städten der Sowjetunion wurden die ersten Brennstoffe auf Bezugscheine an die Bevölkerung ausgegeben.
Kunst und Wissenschaft.
Volksgefundheil bedeutet politische Wacht. — Errichtung eines neuen Lehrstuhls in München. An der Universität München wurde die erste Professur für Volksgesundheitslehre nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt errichtet. Als der mit dem Lehrauftrag betraute Staatskommissar für das Gesundheitswesen in Bayern Professor Dr. Schultze feine Antrittsvorlesung hielt, war der Andrang der Studentenschaft so groß, daß der Riesensaal vorzeitig geschlossen werden mußte. Auch die Spitzen der Partei und der staatlichen Stellen wohnten dem Vortrage bet. Der Leiter der deutschen Aerzteschast, Dr. Bernhard


