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184- Jahrgang

Gietzener Anzeiger

Ur- 240 Erster Blatt ih Jahrgang Samstag, 13. Oktober 1934

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MM General-Anzeiger für Oberhessen

Sronffudam Main 11688 vruckl und Verlag: vrühl'sche Univerfitäts-Vuch- und Steindruckerei «.Lange in Gießen. Schriftleitung und SeschSftrftelle: Schulftrahe r M-ng-n?bsch?Ms"aff^r8

DerMördervonMrseilleundsemeHelfershelferalSAngehönge einer südslawischen Verschwörerbande entlarvt.

Oer Führer der Terroristen ein ehemaliger Agramer Rechtsanwalt. Erst im September über Ungarn und Oie Schweiz nach Frankreich gelangt.-Von einer Krau in Aix-en-Provence mit den Mordwaffen für das Attentat in Marseille versehen.

Schneller Erfolg des Verhörs in Annemaffe.

P a r i s , 12. Oft. (DNB.) Die Vernehmung der beiden in Thonon verhafteten S ü d s l a w e n , die am Freitagmorgen in Annemasse im Beisein des ständigen südslawischen Vertreters beim Völker­bund, Fotitsch, fortgesetzt wurde, hat jetzt zu greif* baren Ergebnissen geführt. Die beiden der Mit­täterschaft verdächtigen Angeklagten haben zuge­geben, daß sie der südslawischen Terro- r ist enorganisation Pawlitsch ange­hörten. Von dieser Organisation hätten sie An­weisung erhalten, sich zu einer besonde­ren Mission nach Frankreich zu begeben, wo ihnen weitere Anweisungen mitgeteilt werden sollten. Sollten neue Anweisungen bis zum 9. Ok­tober in Paris nicht eingetroffen fein, sollten sie sich von E v i a n nach Lausanne begeben und dort nähere Einzelheiten abwarten.

Der eine der Verhafteten, der sich den fatschen Kamen 71 ovak zutegte, (den gleichen Kamen trägt übrigens der mit dem Schuhe der Person des tschechoslowakischen Außenministers Venesch betraute Kriminalpolizisi) ist der in S üd- slawien in Abwesenheit zum Tode verurteilte Znonomir postischil, der 1929 in Agram den Direktor der Zeitung Ttooofti, Schlegel, niedergeschossen hatte. Der falsche Venesch heißt in Wirklich­keit Rajtitsch. postischil und Vajlilsch be­gaben sich im letzten Wonat in die ungarische Ortschaft Kagy Kanina, wo sie von einem etwa 40 Jahre alten Unbekannten die Weisung erhalten haben wollen, sich nach Zürich zu begeben. In Zürich wurden ihnen zwei weitere Helfershelfer zugeteilt, nämlich der Mörder von 7Na r s e i l l e, Surf, und ein gewisser S i l n i.

Die vier Verschwörer wollen aus Ungarn direkt nach Zürich und von dort nach Lausanne gekommen sein. Dort seien sie von einem fünften aus Paris zugereisten Genossen, dem Führer der Bande, einem früheren Agramer Rechtsanwalt, Dr. pavi- l i t s ch, empfangen worden. Dieser habe jedem der vier Verschwörer, die bisher mit ungarischen Pässen und unter un­garischem Kamen gereift waren, fatsche tscheschische Pässe übergeben. Die Ein­reise nach Frankreich erfolgte mit dem Schiff über den Genfer See nach E v i a n. Surf alias Kalemeu, der Mörder von Marseille, und Silui erhielten Weisung, nach Marseille zu fahren, p o st i s ch i t und R a j t i t f ch sollten sich zu­nächst nach Versailles begeben, wo sie vermutlich wenn der Anschlag in Marseilles gescheitert wäre postlagernd weitere Wei­sungen erhalten hätten. Der Führer der Bande, p a v i t i t s ch , sollte postischil und Rajtitsch am Freitagfrüh in Lausanne bei der Rückkehr erwarten.

Kach den bisherigen Ermittlungen in Aix-en- Provence steht fest, daß Surf sich zwei Tage vor dem Anschlag in Aix-en -provence aufgehalten hat, und zwar in Gemeinschaft mit einem gewissen Kremer und mit dem in Fontainebleau den französischen Gendarmen entkommenen Malny. Die Verschwörer stan­den in Verbindung mit einer Frau, die am Sonntag in Aix-en-Provence eintraf und sich als die 24jährige tschechoslowakische Staatsangehörige Marie V j o u d r o ch in die Fremdenliste eintrug. Marie Vjoudroch war sehr elegant gekleidet und hatte vier Koffer chit sich. Man nimmt an, daß sich in dem einen die Waffen befunden haben, die der Mörder in Marseille benutzte. Marie Vjoudroch erhielt den Besuch von drei Herren, darunter auch Kremer. Sie verliehen das Hotel in Aix-en- Provence am Dienstagvormittag.

Weitere Nachforschungen der Polizei Haden er- (=ben, daß Novak bereits im November 1933 unter t»m Namen Tikmir wegen Diebstahls in Mar- sülle zu vier Monaten Gefängnis oer- urteilt worden ist. 'Nachdem er nach Absitzung tiür Strafe aus Frankreich ausgewiesen war, mürbe er im Juni dieses Jahres ein zweites 18 a l in Nizza unter dem Namen Daniel Latin os r h a f t e t und nochmals verurteilt. Der in Fon- tdmebleau entkommene Malny oder Chalny iirrt immer noch in den Wäldern der Umgegend umher. Die Presse ist sehr aufgebracht darüber, daß nixf) sein Entkommen nur der unglaublichen Teil­nahmslosigkeit und Unentschlossen-

heit der Polizei zu verdanken sei. So berich­tetParis Midi", daß am Bahnhof von Fontai­nebleau, als Chalny das Weite suchte, die Gendar­men es nicht für tunlich hielten, ihn zu verfolgen, sondern erst die Ankunft der Mobil g a r» öiften abwarteten.

Die llebersührimg König Alexanders.

Ehrung durch italienische und englische Flotteneinheiten.

Rom, 12. Oft. (DNB.) Der jugoslawische Kreuzer Dubrownik" mit der L-eiche König Alexanders an Bord und der französische

Kreuzer(Tolbert", auf dem sich der französische Marineminister P i 6 t r y befindet, haben am Frei­tag d i e Meerenge von Messina pas­siert. Eine italienische Flottenabtei­lung, bestehend aus einem Kreuzer und einer Torpedobootsflotille, fuhr den beiden Kriegsschiffen entgegen und begleitete sie durch die italienischen Gewässer. Bei Sonnenuntergang werden die italie­nischen Schiffe zurürfkehren. Beim Passieren des Leuchtturmes von San Ranieri in der Meerenge von Messina grüßte eine Salve von 21 Kanonenschüssen den toten König. Die eng­lische Mittelmeerflotte, die augenblicklich verschiedene südslawische Häfen besucht, wird a u f der Höhe von Spalato den südslawischen PanzerkreuzerDubrownik" erwarten, um dem toten König d i e letzte Ehre zu erweisen.

Südslawische Vorstellungen in Rom.

Protest gegen unfreundliche Aeußerungen eines italienischen Rundfunksenders. Erstaunen über italienische Militärverstärkungen in Dalmatien.

London, 13.Oft. (DNB. Funkspruch.) Wie das Reuterbüro aus Belgrad meldet, hat sich die ^südslawische Regierung zu Vorstellungen in Rom gezwungen gesehen, da angeblich über einen Rundfunksender o 6 n derun­haltbaren Lage" in Südslawien ge­sprochen worden ist. Auch sollen Bemerkungen über eine bevorstehende Auflösung des Staates gefallen sein. Angesichts der völligen Unrich­tigkeit dieser Behauptungen sei der südslawische Gesandte in Nom angewiesen worden, bei dem ita­lienischen Außenministerium Vorstellungen zu er­heben und um die Zusicherung zu ersuchen, daß die italienischen Sender künftig solche unfreund­lichen Aeußerungen über die südslawische Lage unterlassen. Eine italienische Antwort sei noch nicht eingetroffen, doch hoffe man zuversichtlich, auf eine befriedigende Beilegung des Zwischenfalles.

Außerdem seien, wie Reuter weiter meldet, in amtlichen Kreisen Berichte eingetroffen, daß d i e italienische Garnison Zara der italieni­schen Enklave in Dalmatien während der beiden letzten Tage beträchtlich verstärkt worden feie. Die amtlichen Kreise fänden keinen Grund für

ein solches Verhalten. Sie betrachteten es als über­flüssig und nicht geeignet für eine Besse­rung der italienisch - südslawischen Beziehungen. Man fei auch fest überzeugt, daß kroatische Revolutionäre italienische Unter­stützung erhalten hätten. Es werde versichert, daß es eine Geldwährung gebe, dieR u m a" heiße, den Wert einer Lira habe und unter den kroati­schen Flüchtlingen nicht nur in Ungarn, son­dern auch in Zara gültig sei. Die Geldscheine sollen von kroatischen revolutionären Orga­nisationen gedruckt worden sein.

Reuter fügt hinzu: Es ist zu beachten, daß nicht ein Wort von diesen Anschuldigungen in der südslawischen Presse veröffentlicht wird, die der Regierungszensur vollkommen untersteht und kein Wort druckt, das nicht vorher vom amtlichen Pressebüro gebilligt worden ist. Die Oeffentlichkeit hat auch nichts von den italienseindlichen Kundgebun­gen in mehreren Städten erfahren. Die Veröffent­lichung dieser Nachricht ist anscheinend auf An­regung des italienischen Gesandten unterdrückt worden.

Hätte Vachon gereitet werden können?

Hat der Außenminister rechtzeitig ausreichende ärztliche Hilfe erhalten?

Paris, 12. Ott. (DNB.) Die Frage, ob Außen­minister Barthou hätte gerettet werden können, wenn man ihm rechtzeitig hie notwen­dige ärztliche Hilfe hätte angedeihen lassen, wird in allen Kreisen lebhaft erörtert Es scheint jetzt festzustehen, daß der Außenminister nach dem Anschlag dem Wagen entstieg und von einem Polizisten nach einer Miet- droschke geleitet wurde, die ihn i n ein Krankenhaus führte. Mit einiger Verwun­derung fragen die Blätter, warum es dem Polizei­beamten nicht möglich gewesen sei, dem Wagen schneller einen Weg durch d i e Menge zu bahnen und warum man die erste ärztliche Hilfe nicht sofort vom Chefarzt, son­dern durch einen Assistenzart vornehmen ließ.

Barthou war von dem ihn begleitenden Poli­zisten nur ein ungenügender Notoerband angelegt worden. Bei seiner Ankunft im Kranken­haus soll Barthou trotz des starken Blutverlustes noch ziemlich frisch gewesen sein. Noch nach einer Serumspritze, die man ihm verabreichte, habe er sich besorgt erkundigt, ob seine Verletzung ernster Natur sei und ob ihm etwa der Arm abgenommen werden müsse. Er habe die beruhigende Versiche­rung erhalten, daß sein Zustand zu keinerlei Besorgnissen Anlaß gäbe. Bald darauf habe er jedoch einen Schwächeanfall erlitten und sei während der Operation trotz einer Blutübertragung gestorben, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben.

In ärztlichen Kreisen der Hauptstadt scheint man der Ansicht zu sein, daß unter den gegebenen Um­ständen alles getan wurde, um das Leben des Staatsmannes zu erhalten. Diese Ansicht wird jedoch von vielen Kreisen nicht geteilt, und es werden neue Vorwürfe gegen d i e Kopf­losigkeit und schlechte Organisation laut, die mehr als einmal Anlaß zu ernsten Be­sorgnissen geworden sei.

Die feierliche Aufbahrung

Paris, 12. Okt. (DNB.) Vor dem im Uhrensaal des Außenministerium aufgebahrten Sarge des Außenministers Barthou zieht feit Donnerstagmittag die Pariser Bevölkerung vorbei. Die Einfahrt zum Außenministerium, der Hauptein­

gang des Gebäudes und die Flügeltüren des Uhren­saales sind schwarz umkleidet. Der Uhrensaal selbst ist in den französischen National­farben ausgeschlagen. Der Sarg steht auf einer hohen Estrade. Er ist mit der Trikolore bedeckt. Unzählige Kerzen verbreiten mit zwei ver­hängten Wandleuchtern ein gedämpftes Licht. Am oberen Ende des Katafalks ist ein mit schwarzem Trauerflor versehener riesiger Eichenlaub- kränz niedergelegt. Die Totenwache wird von einem Vertreter der französischen Diplomatie und einem Mitglied des Außenministeriums gehalten.

Der deutscheBotschafterRolandKöster hat seinen Urlaub unterbrochen, um an den Bei­setzungsfeierlichkeiten teilzunehmen. Am Freitagnach­mittag begab sich der Botschafter ins Außen- m i n i ft e r i u m, um sich vor dem Sarg des Ver­storbenen zu verneigen und seiner persönlichen An­teilnahme an dem schweren Verlust Ausdruck zu geben, den Frankreich durch den Tod des Außen­ministers erleidet.

Die Umbildung des Kabinetts Doumergue.

Wird Laval Außenminister?

Paris, 13. Oft. (DNB. Funkspruch.) Minister­präsident Doumergue hatte am Freitagabend eine längere Unterredung mit dem Kolonial- m i n i ft e r Laval, die in der Presse dahin ge­deutet wird, daß die Aussichten Lavals, als Nach­folger Barthous die Leitung des Außen- m i n i ft e r i u m s zu übernehmen, gestiegen sind. Man rechnet noch für heute nachmittag, d. h. sobald die Beisetzungsfeierlichkeiten für Barthou beendigt fein werden, mit der Umbildung des Ka­binetts. Sie dürfte, wenn man den Voraussagen der Morgenpresse Glauben schenken darf, auf das notwendigste beschränkt bleiben. Es gilt als wahrscheinlich, daß H e r r i o t und Tardieu Staatsmini st er ohne Amtsbereich bleiben, damit durch Umbesetzung dieser Mini­sterposten nicht das politische Gleichgewicht des Ka­binetts gestört wird. Ob die Umbildung unter die­sen Umständen auch das Justizministerium betreffen wird, ist im Augenblick noch nicht zu übersehen. Als künftiger Innenminister kommt ein radikalsozialistischer Abgeordneter in Frage.

Hattet fest am deutschen Buch!

Ein Ausruf von Dr. Goebbels zurWoche des Deutschen Buches".

Der Reichsminisier für Volksaufklärung und Pro­paganda veröffenttichl zur kommendenWoch'e des Deutschen Buches" folgenden Aufruf:

Vom 4. bis 11. November findet die diesjährige Woche des Deutschen Buches" statt.

Veranstalterin ist die Reichsschrifttumskammer mit den ihr angegliederten Verbänden.

Der Kationalfozialismus hat stets als feine be­sondere Aufgabe angesehen, die Kulturgüter der Kation zum wirklichen Besitz des Volkes zu machen und in den Dienst dieser gro­ßen Aufgabe stellt sich dieWoche des Deutschen Buches".

Es ist Ehrenpflicht, Sorge dafür zu tragen, daß der Ruf, der an alle ergeht, nicht ungehört verhallt.

Ich bitte daher alle amtlichen Stellen und Jnsti* tutionen, alle politischen und wirtschaftlichen Orga­nisationen und insbesondere alle Kulturverbände, an der Vorarbeit und Durchführung derWoche des Deutschen Buches" keilzunehmen und deren Erfolg durch gemeinsames Zusammenwirken zu sichern.

Wir sind als Volk arm geworden an materiellen Gütern, aber wir sind reich an unerschöpflichen Schätzen deutschen Geistes. Wachen wir uns diesen Reichtum zu eigen. Bücher sind noch immer gute Kamps- und Weggenossen gewesen. Darum:

hattet fest am Deutschen Buch!

Dr. Goebbels.

Die Schöffe von Marseille.

Das erste Entsetzen über die furchtbare Mordtat von Marseille beginnt ruhigeren Uebetlegungen über die politischen Folgen dieses verbrecherischen Anschlags zu weichen, dessen Opfer König Alexan­der von Südslawien und der französische Außen­minister Barthou gerade in einem Augenblick geworden sind, der Frankreichs Außenpolitik die Möglichkeit bieten sollte, die Brücke zwischen allen und neuen Freundschaften zu schlagen. Barthous politisches System glaubte, ganz in den Gedanken­gängen der Vorkriegsära wurzelnd, mit der Ein­kreisung Deutschlands die stärksten Sicherheiten für eine Erhaltung des in Versailles geschaffenen Status quo, der mit der französischen Vorherrschaft in Europa identisch ist, zu schaffen. Aber ss war das zwangsläufige Verhängnis dieser Politik, daß sie mit der gleichen Hand Lücken riß, die neue Bin­dungen knüpfte. Die jüngste französisch-russische An­näherung hatte die ohnehin schon gelockerten Bezie­hungen Frankreichs zu seinem ältesten Verbündeten, Polen, bedenklich erschüttert. Die unter dem autoritären Regime des Marschalls Pilsudski inner­lich gefestigte polnische Nation empfand auch außen­politisch selbstbewußt genug, um die Rolle eines bloßen Trabanten der französischen Politik künftig­hin abzulehnen und sie fühlte sich geradezu in ihren Lebensinteressen bedroht durch den vielbesprochenen Plan eines Nordostpaktes, der Sowjetrußland dem französischen Bündnissystem einfügen sollte. In Paris wird man sich also wohl oder übel damit abfinden müssen, sich mit dem Anbändeln mit Mos­kau die polnische Freundschaft verscherzt zu haben. Und das gleiche drohte sich mit Südslawien zu wiederholen, wenn die von Barthou eifrig be­triebene französisch - italienische An­näherung Wirklichkeit werden sollte.

Das Bündnis zwischen Frankreich und der Kleinen Entente, den drei erst durch die Zerschlagung der österreich-ungarischen Monarchie neu entstandenen oder jedenfalls durch gewaltige Gebietsoergrößerungen ganz neu geformten Staats­gebilden im Donauraum, beruht doch auf dem gemeinsamen Interesse an der Erhaltung des Status quo, also der gemeinsamen Gegnerschaft gegen jede Revision, deren Fürsprecher Italien um sich zu sammeln gesucht hat. Suchten die Tschechoslowakei und Rumänien bei Frankreich vorwiegend Schutz gegen die Revisionsforderungen Ungarns, so tag Südslawiens Interesse an dem Bündnis mit Frankreich daneben noch und vor allen Dingen in der Garantie, die es darin gegen Italiens imperialistische Bestrebungen an der Adria gefunden 3u haben glaubte. Mit der italienisch-französischen Annäherung drohte dieser Schutz jedoch hinfällig zu werden. Die durch den Besuch König Alexanders in Sofia stark geförderte Aussöhnung mit Bulgarien deutete bereits daraufhin, daß Süd­slawien entschlossen war, die Folgerungen aus einer veränderten politischen Konstellation zu ziehen. Hier drohte also dem französischen Bündnis­system gleichzeitig mit der Heranziehung eines neuen Freundes der Verlust eines alten. Dies zu ver­hindern sollte der Zweck des Besuches König Alexanders in Paris sein. Frankreich wollte nicht vor die Wahl zwischen der Freundschaft Süd­slawiens und der Italiens gestellt werden. Daher sollten zwischen König Alexander und Barthou di» Voraussetzungen erörtert werden für eine Aus» sohnung zwischen Italien und Südslawien. Barthou wollte im November bei seinem Besuch in Rom der Vermittler für eine Annäherung der beiden feindlichen Adrianachbarn fein. Die Schüsse eines Verschwörers haben diese Politik vorerst jäh unter­brochen. Von wem und wann die Fäden wieder ausgenommen werden, ist noch gar nicht zu über­sehen.

In Louis Barthou hat Frankreich durch ein