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Der Aufbau einer wahren Volkskultur.

Helft mit bei der Verbreitung des deutschen Auchs!

Reichsminister Dr. Goebbels hat zur Mache des deutschen Buches", die vom 4. bis It.Nooem ber im ganzen Reich stattfindet, einen Aufrus ver- öslentlicht, der mit der aufrüttelnden Mahnung schliehtiHaltet fest am d-utlch-n Buch! Das ist kein Notruf, denn, zahlenmäßig ^!-h-n, hat die Produktion und der Absatz von Buchern in Deu ch- land seit der nationalsozialistischen Revolution keinen Rückschlag erlitten. Im Segenieu, auch der Büchermarkt hat - wenn auchi m be­scheidenem Maße - aus der allgemeinen Verbesse­rung der Lebensbedingungen Nutzen ziehen können. Ja, dieser Aultrieb trug leider allzu häufig den Stempel derK o n j u n k t u r" an der Stirn Diese bedenkliche Nebenerscheinung braucht Nicht so sehr ZU beunruhigen, sie begleitet iede politische Um­wälzung im Leben eines Volkes unb wirb nur dann gefährlich, wenn ihr nicht rechtzeitig Emhalt geboten wird. Die nationalsozialistische Regierung hat schon kurze Zeit nach der Machtübernahme energische Maßnahmen ergriffen, um nicht nur die zerfetzenden Erzeugnisse der stberaststischen Zett, sondern auch die y u r r a - n a t l o n al s o zi a li­st i s ch e n Schriften eifriger Konsunk. turritter aus den deutschen Buchläden zu ent­fernen. Wenn so der neue Staat bisher alles getan hat, um die Scheinkonjunktur der Uebergangszeit in die echte Konjunktur einer neuen Kulturepoche überleiten zu helfen, so ist jetzt den von üblen Kon­kurrenten befreiten Dichtern und Schriftstellern die

Möglichkeit gegeben, an dem Aufbau einer wahren Volkskultur hervorragenden Anteil zu nehmen. Es ist oft genug betont worden, daß der Staat Kulturgüter nicht hervorbrmgen und -zwingen kann, sondern daß er .nur den Boden bereiten darf, auf dem das geistige Schassen sich ungehindert zu entwickeln vermag.

DieWoche des deutschen Buches aber wendet sich vor allem an die Organisationen, die auf Die Verbreitung des Buches einen Cinflup haben, und an die Leser selbst, damit sie auch die Schätze des deutschen Geisteslebens, soweit fu in der Form des Buches zu erwerben sind, in sich oufnehmen und so das eigene Leben und die eigene Persönlichkeit bereichern. Das Lesen guter Bucher ist nicht ein Zeitvertreib dergebildeten" Schich­ten, sondern ein Recht des ganzen Volkes Denn was ist das Buch? Eine schöpferische Leistung des deutschen Geistes, die mit dem Augenblick ihrer Ent­stehung aus dem Eigentum des einzelnen in den Besitz der Nation übergeht. Wir Deutschen aber brauchen in dieser Zeit, da sich aus den Wehen des dunklen Nachkriegschaos ein neues Zeitalter zum Licht emporringt, da wir im harten Wirtschafts­kampf gegen eine Verständnis- und ideenlose Um­welt stehen, da die Pflicht zur Arbeit uns so stark annaeft wie nie zuvor, den Kampf- und Wegge­nossen, der uns Freude, inneren Halt und Besin­nung gibt im aufwühlenden Geschehen dieser Tage. Darum: Haltet fest am deutschen Buch!

Handwerker werben!

Vorbereitungen zum Tag des Handwerk« am 28. Oktober.

Diele Jahrhunderte lang war der deutsche Handwerksmeister der einzige Repräsen­tant fabrikatorischer Tätigkeit. In straffer Selbst­zucht und in engster Geschlossenheit innerhalb der einzelnen Handwerkszweige begründete er den her­vorragenden Ruf deutscher Wertarbeit.

Im Zuge der Entwicklung ist neben ihm auf der einen Seite der Industrielle, auf der andern Seite der Arbeiter getreten, aber zwischen beiden besteht er als unentbehrliches Glied der Volkswirtschaft weiter und ge­winnt gerade in der heutigen Zeit an Wert und Bedeutung. Immerhin aber hat das Handwerk die Verpflichtung vor sich selbst und vor dem Staate, für seine Leistungen zu werben und seine Fähigkeiten öffentlich zur Schau zu stellen. Denn es genügt nicht, mit Richard Wagner ge- wissermaßen einen moralischen Appell an die Volks­gemeinschaft zu richten und sie aufzufordern:Ver­achtet mir die Meister nicht!" Die heutige Seit ver­langt den positiven Nachweis auch für fest­stehende moralische Grundsätze.

Soeben wurde in der Pressekonferenz der Reichs­regierung der äußere Nahmen bekanntgegeben, in dem der Tag des deutschen Handwerks am 2 8. Oktober sich abwickeln wird. Man hat für die Führertagung des Reichsstandes des deut­schen Handwerks die Burg Dankwarderode erwählt, die inmitten der Welsenstadt Braunschweig liegt und aufs engste mit jahrhundertealter Handwerkertultur in Verbindung ist. Die große Bedeutung, die man dieser Veranstaltung beimiht, geht Daraus hervor, daß sie als Reichssendung auf alle deutschen Sender übertragen wird, und daß sowohl der stellvertretende Reichswirtschaftsminister und Reichsbankpräsident Dr. Schacht als auch der Führer der Deutschen Arbeitsfront Dr. Robert Ley aus diesem Anlaß zum deutschen Volk sprechen werden.

Der Tag des Handwerks wird sich in mancherlei Einzelheiten von der vorjährigen großen Hand­werkswoche unterscheiden. Beide jedoch verfolgen dasselbe Ziel: die Verbundenheit zwischen Volk und Handwerk zum Ausdruck zu brin­gen. Aber auch das Handwerk selbst besitzt das größte Interesse an einer geschlossenen Kundgebung, denn nichts vermag den Willen und die Schaffens­kraft stärker und günstiger zu beeinflußen als die

Gewißheit, daß Millionen g l e i ch gestimmter Volksgenossen dasselbe Ziel ver­folgen. Besonders eindrucksvoll ist die Tatsache, daß die Innungen im ganzen Reiche in geschlosse­nen Versammlungen die Rundfunksendungen ab- hören werden. Dabei werden sie auch eine An­sprache des Reichshandwerksführers, Klempner­meister W. G. Schmidt, hören, der sämtliche Kreishandwerksführer, Obermeister und Jnnungs- warte im ganzen Reich feierlich auf ihre Aemter verpflichten will. Das find diejenigen Hand­werksführer, die im Rahmen des vorläufigen Auf­baues des deutschen Handwerks als Träger des Gemeinschaftsgedantens ernannt worden sind. Gleichzeitig wird das deutsche Handwerk feierlich seine erste Führerschule eröffnen, für die die Stadt Braunschweig dem Reichsstand des deutschen Handwerks entsprechende Baulichkeiten zur Ver­fügung gestellt hat.

So also tritt das Handwerk erneut in den Kreis derjenigen großen Körperschaften ein, die man a l s Säulen der nationalen deutschen Wirtschaft bezeichnen muß. Der Handwerks­meister ist vor vielen anderen deutschen Dolksge» nassen nicht nur ein aktives Mitglied des Wirt­schaftslebens, sondern er gehört vor allem auch zu den Trägern und Erhaltern der deut­schen Kultur. Er ist wie keiner sonst dazu be­rufen, der Mittler zu sein zwischen dem Hand­arbeiter, Dem er selbst in seinem eigenen Be­rufsleben nahe verbunden ist, und dem Geistes- ar beiter, als der er ebenfalls selbst sich be­tätigen muß, wenn er den guten Ruf Der Deutschen handwerklichen Wertarbeit hochhalten will. Von altersher war Der HanDwerksmeister Hüter und Wahrer kultureller Tradition unD FörDerer des nationalen Gedankens. Diese Aufgabe steht ihm auch in fernster Zukunft zu. Diese Gewißheit im Volke und innerhalb des Reichsstandes des deut­schen Handwerks zu stärken und zu festigen, möge dem kommenden Tage Des HanDwerks vor allem anderen aufs Beste gelingen!

Seh' ich die Werke Der Meister an So seh' ich Das, was sie getan!

Betracht' ich meine sieben Sachen, Seh' ich, was ich hätt' sollen machen.

unerwartet grausiges Schicksal zweifellos einen feiner fähigsten Staatsmänner verloren. Dieser Mann, Der mit unermüDlicher Zähigkeit unD stau- nensroerter Energie, mit ungeheurem Tempera­ment, ja mit Der UngeDulD Des Greises, Der fürchtet, 'eine Pläne nicht mehr verwirklicht zu sehen, Frankreich roieDer zum Angelpunkt Der großen euro­päischen Politik zu machen suchten, dieser Mann wur- zelte ganz in Den politischen GeDankengängen Der Vorkriegsära. Er war Der geistige Erbe Delcassös. Noch wenige Tage vor seinem ToDe hat er sich bei Der Weihe einer Gedenktafel für diesen Schritt­macher der für den Weltfrieden lebensbedrohenden Bündnispolitik Frankreichs mit Nachdruck zu Del- casiö als seinem Lehrmeister und Vorbild bekannt. Er reichte ja noch selber mit seinen politischen An­fängen in diese Zeit zurück, war er doch schon 1894 zum ersten Mal Minister geworden. Im Jahre vor Dem Weltkriege, als ihn Poincarö mit Der Bil­dung Des Kabinetts betraut hatte, fiel ihm Die wichtige Aufgabe Der Wiedereinführung Der Drei­jährigen Dienstzeit zu. Die Frankreichs Kriegs- rüftung vollendete. Im Weltkrieg ist er hinter Poin- carä und Elernenceau zurückgetreten, aber als es Dann galt, jeDe WieDererstarkung DeutschlanDs Durch ein tückisch ausgetifteltes System Der Repa­rationen zu verhindern, fand man in Barthou Den rechten Mann, Der hartnäckig unD unbelehrbar auf Den Buchstaben DerVerträge" pochte, auch wenn ihre Durchführung unbillig und wirtschaftlich un­möglich geworben war.

So hat Barthou, als Das Kabinett Der alten Staatsmänner unter Doumergues Führung nach Der Februarrevolte Dieses Jahres auf ihn als Außenminister zurückgriff, Die alten xrabitioncn einer französischen Politik roieDer ausgenommen. Die Die Lebensinteressen Frankreichs nur Durch mill- tärische Ueberlegenheit unD Diplomatische Einkr e i- sungDeutschlanDs wahren zu können glaubt. Diesem Ziel galten Barthous Reisen nach Brüssel, Warschau unD SelgraD, fein Plan eines Norbost- pakts unb ber unter feiner Aegibe vollzogene Eim tritt Sowjetrußlanbs in ben Völkerbunb. 2)ie awi) ihm so verhängnisvoll geworbene Reife König Alexanders von Sudflawien nach Paris und sein für Den November in Aussicht genommener eigener Besuch in Rom sollten auch Italien in Das fr an» zösische BünDnis- unD Paktsystem einbeziehen. Es waren Die letzten Etappen einer Politik, Die Den Namen Barthous in Die Linie Der großen Gegner DeutschlanDs einreiht.

Barthou hat wie manche feiner französischen Kol­legen Wert Darauf gelegt, Diese Feindschaft auf Das Politische zu beschranken, im übrigen sich aber als Verehrer Deutscher Dichtung unD Musik zu gerieren. Noch vor wenigen Wochen hat er einem Schwei­zer Journalisten, Der ihn in feinem Sommerretiro am Vierwaldstätter See besucht hatte, seine kleine Neisebibliothek, in her sich auch Goethes »Faust neben fünf oder sechs französischen Buchern vorfand, gezeigt. Seinem Gast erzählte er fast überschwänglich von seiner Bewunderung für die Musik Richard Wagners, den er den größten dramatischen Musiker aller Zeiten nennt, dessen Manen er im Wagner- museum in Triebschen am Vierwaldstätter See hul­digt und dessen Kunst er bei mehrfachen Besuchen in Bayreuth bewundert hat. Aber Barthou war auch darin ganz der Franzose seiner Generation, Der zwar Deutschland gerne den Ruhm gönnte, das Land der Dichter und Denker zu sein, im übrigen aber nur in einem politisch ohnmächtigen unb zer- splitterten Deutschland die Voraussetzung für die Gröhe und Unangreifbarkeit Frankreichs sah. Der Wahn, daß eines ohne das andere undenkbar fei, hatte sich in dem Hirn dieses fönst so beweglichen und elastischen Staatsmannes zu fest eingeprägt, als daß mit ihm als Partner ber Versuch einer beutsch-französischen Generalbereinigung möglich ge­meßen wäre. Man wird ihm an seiner Bahre zugute halten Dürfen, Daß er glaubte, ein guter Franzose nur sein zu können, wenn er ein unerbittlicher Feind Deutschlands war. Seinem Nachfolger hat er Die große verantwortungsvolle Aufgabe überlassen, un­voreingenommen die Möglichkeiten einer direkten Fühlungnahme mit dem großen Nachbarvolke im Osten zu prüfen. Deutschlands Führer hat so oft schon seinem aufrichtigen Wunsch nach einer Ver­ständigung mit Frankreich unverhohlen Ausdruck gegeben, daß es sich für den neuen Leiter der fran­zösischen Außenpolitik lohnen müßte, mit den deut­schen Staatsmännern wenigstens ins Gespräch zu kommen. Ob freilich H e r r i o t ober Fl an bin, bie als Nachfolger Barthous genannt werben, ausrei­chend) Unvoreingenommenheit unb guten Willen mit- bringen würben, bie heute bazu gehören, um ihren ßanbsleuten bie Scheuklappen von ben Augen zu reißen unb bie erste Bresche in bie von Presse unb Rüstungsinbustrie aufgerichtete Mauer bes Miß­trauens und Argwohns zu legen, muß leider de- zweifelt werden.

So sehr Deutschland, wie wir sahen, daran in­teressiert ist, als Nachfolger des dem verbrecherischen Anschlag von Marseille zum Opfer gefallenen fran­zösischen Außenministers dm Quai d'Orsay einen Mann einziehen zu sehen, der den großen neuen Ideen, Die Europa bewegen, ausgeschlossen genug gegenübersteht, um daraus nützliche Folgerungen für die praktische Politik zu ziehen, so wenig wer- den wir von den politischen Auswirkungen der ent­setzlichen Bluttat betroffen, die sich aus der E r - mordung König Alexanders für Süd- slawien und den Balkan ergeben. Deutschland hat dort lediglich wtttschastliche Interessen, bie durch bie Stabilisierungspolitik des ermordeten Herrschers eine stete Förderung erfahren hatten. Das deutsche Volk hat König Alexander als einen ritterlichen Gegner, einen im Kriege auch in schwierigster Lage erprobten Soldaten und Heerführer von persönlicher Einsatzbereitschaft bis zum Letzten, Entschlußkraft und Umsicht kennen gelernt. Mit den Völkern Süd- slawiens trauern wir um einen Staatsmann von Weitblick unb Verständnis auch für die gesamt­europäischen Nöte. Das Leben hatte Alexander schon früh in eine strenge politische Schule genommen, in der er zu der gefestigten Persönlichkeit wurde, die in den Wirren ber Kriegs- und Nachkriegsjahre oft der einzige Halt für den von außen unb innen debrohten Staat gewesen ist.

Die ungeheuren Schwierigkeiten, bie ber junge Herrscher oorfanb, als bie Pariser Vorortverträge den Traum des großserbischen Reiches in unge­ahntem Ausmaß verwirklichten, wurden hier schon in einem geschichtlichen Rückblick aus sachkundiger Feder kurz angebeutet. Das Zusammenschweihen ber altserbischen Gebiete mit ben neuen, aus ber österreich-ungarischen unb türkischen Erbschaft sich einoerleibten Provinzen zu einem sübslawischen Einheitsstaat stieß immer roieber auf bie alten ge­schichtlich unb religiös begrünbeten Gegensätze zwi­schen Slowenen, Kroaten unb Serben. Slowenen unb Kroaten kämpften für bas söberalistische Prin­zip gegen bie unitarischen Tenbenzen bes Groß- serbentums. Mit der Ermordung des kroatischen Bauernführers Stefan Rabitfch im Belgrader

Parlament erreichte dieser Kampf um Die staats­rechtliche Gestaltung im Jahre 1928 feinen Höhe­punkt. Nur Das Eingreifen Des Königs rettete Den Staat. Eine von Den Parteien unabhängige Regie­rung steuerte 1929 einen straff zentralistischen Kurs an. Der Die Dreiteilung betonende Name des StaatesKönigreich der Serben, Kroaten und Slowenen" wurde inSüdflawien" umgeändert. Aber auch der Militärdiktatur gelang die innere Aussöhnung ber drei Gebietsteile nicht vollkommen. Der König selber scheint die Gefahren bes Zentra­lismus, ber nur eine verschleierte Vorherrschaft des Großserbentums war, am ersten erkannt zu haben. Das autoritäre Regiment wurde 1931 durch Wieder­einführung einer Verfassung gemildert und auch Kroaten in die neue Regierung berufen. Die Auf­lösung Alt-Serbiens in drei Banate sollte die Be­fürchtungen ber Kroaten zerstreuen, als ob ber Einheitsstaat mit einer serbischen Vorherrschaft identisch sei. Daß aber bie alten Autonomiebestre­bungen zumindest in kroatischen Emigrantenkreisen noch immer spuken, beweist das Attentat von Mar­seille, das nach allem, was bislang bie polizeilichen Nachforschungen ergeben haben, wohl von kroati­schen Verschwörern verübt worden ist.

Wie vordringlich ber König selbst bas Problem ber inneren Einigung Sübslawiens empfand, läßt seine Anordnung für bie Zusammensetzung des Regentschaftsrats im Falle feines früh­zeitigen Hinscheidens deutlich erkennen. Er be­stimmte neben seinem Detter, Dem Prinzen Paul, als Vertreter des Königshauses zu Mit­gliedern Des Regentschaftsrats Den früheren Unter­richtsminister Stankowitsch, einen Serben aus Der ehemals ungarischen WoiwoDina, von Haus aus Arzt, jetzt Unioersitätsprofessor, und Den Banus Perowitsch, einen katholischen Serben albani­schen Bluts aus Dem ehemals österreichischen Dal­matien. Auch von den Drei Stellvertretern stammen zwei, bie Senatoren Banjanin unb Sec, nicht aus Altserbien. Der König hat mit biefer Aus­wahl den Erben seines politischen Vermächtnisses eine Brücke bauen wollen für Die Verwirklichung des großen GeDankens der südslawischen Einheit unter möglichster Schonung ber Eigenart der süd­slawischen Stämme. Es wird für die Regentschaft viel Umsicht und Klugheit erfordern, dies Vermächt­nis wahr zu machen, für das König Alexander, der Einiger" der füdslawischen Nation im Dienst seines Voltes unter ben Kugeln eines Fanatikers gefallen ist.

Schafft Marseille eine neue politische Sage?

Paris, 13. Oft. (DNB. Funkspruch.) Die außen- politischen Folgen des Anschlages auf den König von Südslawien in Marseille beschäftigen bie Blätter in immer stärkerem Maße. DasJournal" sucht Ita­lien gewisse Aussichten zu eröffnen, indem es schreibt, der französisch - südslawische Vertrag vom 11. November 1927, der am 28. Oktober 1932 erneuert wurde, sei nicht ein Bündnisvertrag alten Stils, sondern ein Abkommen für bie Zusammen- arbeit zur Aufrechterhaltung Der im Rahmen des Völkerbundes geschaffenen Ordnung. Dieser Ver­trag stehe Italien zum Beitritt offen. Wissen müsse man jetzt nur, ob die Italiener, nach, dem sie zehn Jahre lang Den falschen W e g gegangen seien, sich nun entschließen würden, durch Die Tür einzutreten. Schon die Ereignisse in Oesterreich hätten Die Italiener zu Der Feststellung gezwungen, Daß sie für Die Aufrechterhaltung des heutigen Europas einstehen müßten.

DerMatin" läßt sich von seinem nach Belgrad gesandten Sonderberichterstatter melden, daß die Er- eignisse von Marseille ziemlich lange Die Politik Dar- thous in Frage stellen würden. Es wäre gerade- zu ein Wunder, wenn es seinem Nachfolger gelingen würde, s i e f o r t z u s e tz e n. Der Barthou- sche Plan einer franzofrsch-italienisch-südslawischen Verständigung werde lange ausgesetzt werden mitt- sen. Italien sei das Opfer des Marsei l- lerDerbrechensin gleichem Maße wie Frank- reich; denn auch Italien habe seine Politik den Aus- sichten angepaht, die die Reise des Königs Alexan- der nach Paris eröffnet habe. Dieser Mord Hobe plötzlich Wege verschlossen, die endlich geöffnet schie- nen. Dieser Mord habe Italien und Südslawien, die sich nun nirgends mehr treffen könnten, in eine Sackgasse gebracht. Jetzt würden sich die beiden Volker einem dritten Lande nähern.

DasEcho de Paris" hält es für richtig, einen scharfen Vorstoß gegen Ungarn zu machen und behauptet ungeheuerlicherwerse, es scheine, daß Die ungarische Regierung in starkem Ausmaße wenigstens die moralische Verantwortung für den Mord in Marseille trage. Diese Deranttvor- tung fei um so großer, als das Belgrader Kabinett seit zehn Monaten vergeblich in Budapest um Auf. klärung über den Schutz kroatischer Emi- grauten auf ungarischem Gebiet nachgesucht habe.

Erbitterter Kampf um Oviedo

Der letzte Widerstand der spanischen Aufständischen in Asturien.

Madrid, 12. Okt. (DNB.) In Asturien ge- lang es Den Regierungstruppen nach tagelangen Kämpfen und nachdem Artillerie unb Flieger bie Stellungen ber Aufrührer sturmreif gemacht hatten, die staatliche Waffenfabrik Trubia einzunehmen. Hierbei sollen zahlreiche Aufständische gefangen genommen worden sein. Die Kampfe scheinen mit außerordentlicher Heftigkeit getobt zu haben. Ueber die Rebellen wird von ben Regie- rungstruppen, insbesondere von. den Fremden« legionären, ein hartes Gericht abgehalten. Flieger, die das Aufstandsgebiet überwachen, haben interessante Aufnahmen von den feindlichen Stel­lungen gemacht, aus denen deutlich die Mutlosigkeit und Verzweiflung unter den Aufrührern hervor- geht, Die sich zum großen Teil ergeben. Bei Den Bombenabwürfen mürbe e,in Eisenbahnzug auf der Linie OviedoUjo, ber von Rebellen besetzt war, zerstört. Dasselbe geschah mit einer Kraftwagenkolonne, Die sich aus 14 Lastwagen zusammensetzte. Die Flieger erklären. Daß im Zentrum von Oviedo mehrere Ge- bäuDe, Darunter Die aus dem 14. Jahrhundert stammende, kostbare Kunstwerke bergende Kathe­drale, bie ein Wunderwerk gotischer Baukunst ist, in Flammen stehen.

Von Dem an Bord des spanischen Transport­dampfersUruguay" tagenden Kriegsgericht wurden 17 Zivilpersonen z u lebenslängli­chem Zuchthaus verurteilt, weil sie gelegent­lich Der Aufstände in Barcelona Die Bürgergarde angegriffen hatten.

In ber Festung Montjuich bei Barcelona ver- banbelte ber Kriegsrat gegen ben Artillerieoberst Perez Farras, Kavalteriehauptmann Esco- f e t, Hauptmann Lopez-Gatell unb gegen den Befehlshaber der Sicherheitspolizei Richard Salas, sowie gegen General Sebastian P o z a s. Oberst Perez-Farras hat bie gesamte Verantwor­tung ber Ereignisse in Barcelona auf sich genom­men. Hauptmann Escofet erklärte, er habe ledig­lich die spanische Republik und sein geliebtes Kata­lonien verteidigen wollen. Der Staatsanwalt be­antragte für Oberst Perez-Farras, Hauptmann Escofet und Lopez-Gatell die Todesstrafe, gegen ben Oberbefehlshaber Der Sicherheitspolizei Salas lebenslängliches Zuchthaus. Das Urteil wird erst in einigen Tagen verkündet werden.

Ein lettischer Erzbischof ermordet.

Privater Racheakt oder Raubmord?

Riga, 12. Okt. (DNB.) Arn Spätabend des Donnerstag wurde das Haupt der grie­chisch-katholischen Kirche Lettlands Erzbischof Johann Pommer, ermordet. So­dann versuchten die Mörder, das Haus durch Brand zu vernichten. Kurz nach Mitternacht wurde die Feuerwehr in den Villenvorort Rigas, Waldpark (Kaiserwald), gerufen, wo in dem Hause, das vom Erzbischof allein bewohnt wird, ein Feuer aus- gebrochen war. Nach dem Ablöschen des Bran­des machte bie Feuerwehr eine entsetzliche Ent­deckung. In einem abseits gelegenen Zimmer lag gräßlich verstümmelt, mit Stroh unb brei ausge- yobenen Zimmertüren bebeckt, ber Leichnam des Erzbischofs. Man stellte fest, baß die Woh­nung bes Erzbischofs durchwühlt worden war.

Es wird vermutet, daß ber Mord mit einem Prozeß wegen ^Unterschlagung von Kirchengeldern zusammenhängt. Dieser Tage sollte bie Gerichtsverhanblung in Riga beginnen. Der Erzbischof sollte babei als Hauptbelastungszeuge auftreten. Es liegt also bie Vermutung nahe, daß es sich um einen privaten Racheakt handelt, doch ist auch Raubmord nicht ausgeschlossen. Die Untersuchung wird von dem Untersuchungsrichter für besonders wichtige Angelegenheiten geführt. Die Leiche ist stark angekohlt. Sie lag auf einer Hobel­bank. Sie zeigt eine tiefe Kopfwunde. Anscheinend ist eine Reihe von Urkunden verschwunden, die in dem Prozeß wegen Unterschlagung von Kirchengel­bern eine Rolle spielen sollten.

Erzbischof Johann Pommer wurde 1876 ge­boren. Er ist seinerzeit in Rußland vom Patriar­chen Tychon als Bischof von Kasan geweiht worden. Der Erzbischof ist Dreimal Mitglied bes lettländischen Parlaments gewesen und hat sich in dieser Eigenschaft durch seine schar­fen Angriffe auf Sozialdemokraten unb Kommuni­sten ausgezeichnet. Pommer besaß bie lettische Staatangehörigkeit.

Englands Rüsiungsprogramm.

Chamberlain kündigt Verstärkung der Luftflotte an.

London, 13. Okt. (DNB. Funkfpruch.) Schatz­kanzler Neville Chamberlain kam auf einer konservativen Versammlung auf außenpolitische Fragen zu sprechen. Auf der konservativen Konfe­renz in Bristol hätten bie Abgeordneten ber Regie­rung versichert, daß sie bie für bie Sicherheit Des Landes notroenDigen Ausgaben unterstützen würben. Der Schutz des Laubes gegen einen feindlichen An­griff Dürfe nicht vernachlässigt werden. Die Regie­rung habe diese Frage sorgfältig geprüft. Sie sei zu dem Schluß gekommen, daß England in einer Welt, in Der niemand abgerüftet habe, und in ber anbere Staaten ihre Rüstungen ständig er­höhten, jetzt ein Programm durch süh» r e n müsse, das eine sehr beträchtliche 93 ef' ftär tun g der für den Schutz Der H e i mal verfügbaren Luftgeschwader unb bett Ausgleich einiger in anberen W a sf e n gat» tungen entftanbenen Lücken vorsehe. Er hoffe, biese Mehrausgaben würben in keinem Finanz» fahr eine unerträgliche Hohe erreichen. Die Regie» rung werbe in ihren Bemühungen nicht nach» lassen, eine allgemeine Aufrüstung in England und in den anderen Ländern zu v e r» hindern.

Verhaftung japanischer Seeleute in Australien.

e o n b 0 n, 12. Okt. (DNB.) Aus Grund eines B-- fehles ber australischen Bundesregierung soll ein japanisches Fahrzeug ander Küste von Neu Guinea innerhalb ber britischen Zone an- gehalten unb bie Besatzung von 25 Mann oer- hastet worden sein. Die Maßnahme hangt mit einem Ueberfall auf bie Insel Hagger- [tone in ber Torres-Straße zusammen, bei dem japanische Seeleute ben Landungssteg zerstört. Hau» fer geplündert unb Kokosplantagen in Brand fit* steckt haben sollen. Das Schiff ,,£) o c i 11 n e Maru