Fördert das Opfer des Zwillingspfemngs!
Aus der provinzialljcmvistadi.
„(Se bleibt unter uns
Wir Menschen sind ein komisches Völklein. Wir sollten uns das Leben gegenseitig erleichtern, sollten uns Erfreuliches sagen und „alles zum Besten kehren". Aber, aber . .
Kennen wir sie nicht, unsere lieben Nächsten, die uns mit größter Wichtigkeit irgend eine Schauergeschichte erzählen, die sie aus „allerbester Quelle" haben? Zum Schluß folgt dann immer der schöne Satz: „Aber, es bleibt unter uns!"
Während des Krieges war es besonders schlimm. Wir hörten alle möglichen Gerüchte, die irgendwer von irgendwem, der natürlich seine Beziehungen zu hohen Stellen hatte, erzählte. Und viele, viele glaubten. Sie wurden natürlich „ganz im Vertrauen" weitergegeben, so daß es bald alle wußten, selbstverständlich mit den nötigen Zusätzen ...
Und wenn nun solche unbestimmten Gerüchte über dich die Luft durchschwirren, ^nn sie sich wie ein ätzendes Gift langsam in die Herzen deiner Mitmenschen einnisten, dann bist du einfach machtlos. Willst du dich wehren, dann schlägst du in die leere Luft, denn du hast ja keinen sichtbaren Gegner vor dir.
Die Klatschbasen werden nicht aussterben. Sie müssen unter allen Umständen etwas Neues mitteilen können. Fangen sie irgend ein falsches Wort auf, dann hilft ihnen ihre Fantasie, daraus eine Schauergeschichte zu machen. Und es ist ja bekannt, je schlimmer die Sache dargestellt wird, desto begieriger wird sie ausgenommen und weitererzählt. Das Gerücht wächst wie eine Lawine, die ins Rollen gekommen ist. Viele glauben, noch etwas hinzufügen zu müssen, und schließlich kommt es den Betroffenen zu Ohren, vielleicht nur teilweise, nur andeutungsweise. Die Gerüchte hängen in der Luft rote dunkle Wolken, nirgends sieht man ins Helle. Wieviel Unglück und Unfrieden sind schon dadurch in die Welt gekommen!
Doch schlagen wir an unsere eigene Brust! Wie oft entschlüpft uns irgend eine Mitteilung, über die wir eigentlich nicht reden sollten. Man ahnt unangenehme Folgen, vielleicht den Bruch einer Freundschaft. Aber das Geheimnis brennt uns auf der Zunge. Und dann kommt zum Schluß der schöne Satz: „Aber, es bleibt ganz unter uns!" Und unser Bekannter verspricht natürlich alles. Aber er bat doch auch gute Freunde, die verschwiegen sind. Also erzählt er weiter, natürlich „ganz im Vertrauen".
Steht nicht ein großer Teil Feigheit hinter dem Satz: Es bleibt unter uns!?" Man will etwas erzählen, dafür aber keine Verantwortung übernehmen. Wird es dann doch weitergetragen, dann sind die Klatscher empört darüber, denn sie hatten doch eine vertrauliche Mitteilung gegeben, ihr Vertrauen ist mißbraucht worden!
Und wie oft genügt eine kleine Verdächtigung, um einem neidischen Menschen Anlaß zu geben, nun eine große Geschichte aufzurollen. Selbstverständlich spricht er kein Wort von seinem Neid, von seinem Zorn, den er auf den anderen hat, sondern er handelt natürlich ganz „im Interesse der Allgemeinheit", wenn er irgend jemand etwas anhängen kann. Für solche Menschen haben wir eigentlich kein rechtes deutsches Wort. Wir nennen sie Denunzia- ten. Aber viel Unheil haben sie schon angerichtet, Ehen zerstört, Freundschaften vernichtet, ganze Familien in das Unglück gestürzt.
Wenn wir etwas Wichtiges mitzuteilen haben, und es fdll wirklich vertraulich sein, dann müssen wir uns die Menschen genau ansehen, denen wir es sagen. Das müssen Freunde sein, die auch schweigen können. Am besten ist es freilich, wenn wir Geheimnisse ganz für uns behalten.
Wollen wir im Gespräch mit unseren Nächsten etwas über andere Menschen sagen, dann kann es doch auch einmal etwas Gutes sein. Muß denn immer nur Nachteiliges verhandelt werden? Mag es die Klatschmäuler auch nicht reizen, mögen sie gelangweilt gähnen, wir wollen uns fest vornehmen, mir das Beste von unseren Mitmenschen weiterzuerzählen. Wir tun nicht nur ihnen einen Dienst, sondern auch uns selber. Versuchen wir es nur einmal.
G.
Eine deutsche Mahnung
Friedrich Nietzsche sagt in schlichter Feierlichkeit: "Don großen Dingen soll man schweigen oder groß reden!' Zu den großen Dingen des Menschentums gehört die A r b e i t. Das deutsche Volk versteht es, zu arbeiten. Aber es versteht manchmal nicht zu schweigen, wenn es „groß zu reden" nicht wünscht, oder nicht vermag. Zu den landläufigsten sogenann- ten „Witzen" gehören die über die Arbeit. Zu den häufigsten Klagen gehören ebenfalls die über die Arbeit. „Wer Arbeit kennt und sich nach drängt, der ist beschränkt!" Gewiß, es ist zumeist Gedankenlosigkeit wenn man solche Schnoddrigkeiten vom Stapel läßt. „Ach, morgen fängt wieder die Arbeit an'" Oder „Wer doch nur die Arbeit erfunden hat!" usw. Sicher ist solches Gestöhne meist nur Ausfluß einer Mißstimmung, ist unüberlegt und „nicht so schlimm gemeint!" Aber undankbar ist es doch! Und verrät einen sehr erheblichen Mangel an Feingefühl solchen gegenüber, die gern arbeiten würden'
Der nationale Staat setzt seine beste Kraft an die Arbeitsbeschaffung. Viel ist geleistet worden, noch mehr wird geleistet werden. Da sollte jeder natio- nalbemwußte Staatsbürger von solchen törichten Scherzen Abstand nehmen und sie wie jene Zoten und Frechheiten einer — gottlob! — überwundenen deutschen Literatur und Bühnenkunst ablehnen' Wer über eine Arbeit, die ihn nährt und die er leisten kann, jammert, verdient auch nicht ihrer Segnung teilhaftig zu werden! Also schweige jeder über solche großen, heiligen Dinge, der nicht feierlich über sie reden will. Der aber, der nach großen und schönen Worten über die deutsche Arbeit sucht, findet sie in seiner eigenen Seele und bei den volk- haften Dichtern unseres Vaterlandes! Außer Goethes und Schillers bekannten Versstellen im „Schatzgräber" und in der „Glocke" geben uns unendlich viele unserer Denker frohe Bekenntnisse zur Arbeit und zur Freude an der Arbeit. „N u r die Arbeit machtuns fre i", sagt Heinrich Seidel, der nicht nur ein völkischer Dichter, sondern auch ein sehr tüchtiger Ingenieur war. Theodor Fontane, Apotheker und Poet dazu, tagt:
„Nur in der Arbeit wohnt der Frieden, nur in der Mühe wohnt die Ruh'!"
Gottlob Wilhelm Burrmann singt:
„Arbeit macht das Leben süß, macht es nie zur Last.
Der nur hat Bekümmernis, der die Arbeit haßt!"
Die bekannte törichte Umdichtung dieser Strophe des Jahres 1777 gehört zu den albernen „Witzen über Arbeit", die endlich entfallen müssen!
Kant, der Lehrer der Deutschen, war selbst ein pünktlicher Arbeiter und pries den Segen der Arbeit: „Der größte Sinnengenuß, der gar keine Einmischung von Ekel mit sich führt, ist — im gesunden Zustande — Ruhe nach der Arbeit." Bismarck
Handelskammerpräsident Dr. L ü e r - Frankfurt am Main veröffentlicht folgenden Aufruf:
In meiner Eigenschaft als Präsident des Rhein- Mainischen Industrie- und Handelstages, Sitz Frankfurt a. M., fordere ich hiermit alle Einzelhan- delsfirmen des R h e i n - M a i n g e b i e t e s auf, sich in den Dienst der vom Winterhilfswerk des deutschen Volkes 1933/34 geschaffenen Einrichtung des Zwillingspfennigs zu stellen.
An der kaffe jedes Ladengeschäfts stehen die Opferbüchsen des Winterhilfswerks und sind bereit, die Spenden von Käufer und Verkäufer aufzunehmen. Ein Erfolg der Zwillingspfennigsammlung ist nur dann zu erwarten, wenn der Einzelhändler sich selbst und in gleicher Weise sein Personal für die Spende einseht.
Wie mir berichtet wird, sind einzelne Firmen in der Lage gewesen, volle Büchsen nach wenigen Tagen schon abzuliefern. Die Käufer haben sich
Es ist kein Zufall, daß die NS.-Volkswohlfahrt, eine Organisation der NSDAP., zur Trägerin des größten Hilfs- und Bruderwerkes gemacht wurde, das jemals zur Ueberroinbung eines Winters durchgeführt worden ist. Das Winterhilfswerk des deutschen Volkes stellt einen Ausschnitt aus dem umfassenden Arbeitsprogramm der N S. - Volkswohlfahrt dar. Es ist selbstverständlich, daß sowohl die junge Organisation der NS.-Volkswohl- fahrt, wie das Winterhilfswerk im nationalsozialistischen Geiste geführt werden und daß auch die künftige Arbeit der NS.-Volkswohlfahrt den Stempel dieses Geistes tragen wird.
Der Begriff „Wohlfahrt" hatte durch die Vorbelastung des marxistischen Systems keinen guten Klang im deutschen Volke. Man hatte sich damals vor allem der Kranken und Verelendeten angenommen und trat ihnen mit einem Gefühl des Mitleids gegenüber.
Die Volkswohlfahrt im nationalsozialistischen Staate ist dagegen vor allem darauf gerichtet, den gesunden Menschen gesund zu erhalten und ihn vor dem Absinken in Not und Elend zu bewahren. Sie kuriert nicht an Symptomen, sondern sie ist fest entschlossen, an die Wurzel des Hebels zu gehen. Der kranke und Unglück- liche soll zwar nicht seinem Schicksal überlassen werden, aber im Mittelpunkte des Strebens der NS.-Volkswohlfahrt steht die weitumfassendere Arbeit an der Erhaltung und Hebung der gesamten Volksgesundheit.
Aus diesem Grunde hat es sich die NS.-Dolks- wohlfahrt in erster Linie zur Aufgabe gemacht, die deutsche Familie zu schützen und zu fördern, denn die Fimilie ist, richtig geleitet, die sozialste Einrichtung des Staates. Die Familie ist die klein st e und wichtigste Zelle der Volksgemeinschaft. Aus tausenden von Familien bauen sich erst die größeren Gemeinwesen auf. Ist die Familie gesund, so ist auch das Denken und Handeln des einzelnen Staatsbürgers gesund, zerfällt die Familie, so hat der Staat seine wichtigste Grundlage verloren. Darum ist die Volksgemeinschaft verpflichtet, die Familie zu pflegen und zu erhalten, damit die große Familie des deutschen Volkes erhalten bleibe.
Darum ist auch der Kampf gegen hunger und Kälte, in dem wir uns jetzt befinden, keine Hilfsaktion von untergeordneter Bedeutung, sondern eine ungeheuer wichtige Maßnahme, die dazu beitragen soll, die bedrohten Familien zu schützen und zu festigen. Der Nationalsozialismus hat erkannt, daß ein Volk nicht aus unverbunden nebeneinanderstehenden Individuen besieht, sondern daß ein Volk nur dann leben und arbeiten kann, wenn sich die einzelnen auf ihre gemeinsamen Aufgaben besinnnen, wenn sie in Freude und Leid tret* zueinander- stehen. Die engste und wichtigste dieser Gemeinschaften ist die Familie, aber die Familie ist allein nicht immer stark genug, sich gegen alle Stürme des Lebens zu erhalten, wenn die übrigen Volksgenossen, wenn der Staat und die
Stände des Volkes sich nicht ihrer annehmen.
Unser Führer hat vor kurzem seine Befriedigung darüber geäußert, daß das deutsche Volk sich in einer solchen unerhörten Einmütigkeit zu ihm und seinen Aufgaben bekannt hat, denn es habe damit seinen Glauben bestätigt, daß es im Kern gesund und nur irregeleitet worden sei. Wenn wir auch heute noch im ersten Anfang eines volks-
i im allgemeinen nicht auf 1 Prozent des Kaufpreises beschränkt, sondern den Spendenbetrag durch 5 und 10 Pfennigstücke nach oben aufgerundet. In einer großen Zahl von Geschäften sind aber die Büchsen noch ungefüllt. Den Inhabern dieser Geschäfte muß gesagt werden, daß jeder, der sich für die Zwillingspfennigsammlung zur Verfügung stellt, auch die Pflicht hat, sich persönlich dafür einzusetzen! Für jeden Kaufmann ist es eine Ehre, für den Zwillingspfennig sammeln zu dürfen.
Es bedarf hoffentlich nur dieses Hinweises, um die säumigen Geschäftsinhaber und ihre Angestellten zu höchsten Leistungen anzuspornen.
Die Bitte um den Zwillingspfennig wird keinen Kunden aus dem Laden treiben, sondern vielmehr ein Band der Gemeinschaft um Käufer und Verkäufer schlingen.
Ich hoffe, daß namentlich in der vor der Tür stehenden Zeit der Inventur-Verkäufe von allen Geschäften wohlgefüllte Spendenbüchsen dem Winter- hilfwerk abgeliefert werden. gez. Dr. Lüer.
gemeinschaftlichen Denkens stehen, so sehen wir doch ganz deutlich die Zukunft sich abzeichnen, die in vollständigem Gegensatz steht zu dem Staatsgedanken des Liberalismus, als man nur Einzelne kannte und darüber einen schwachen, ohnmächtigen Staat. Nur weil sich diese innere Wandlung bereits angebahnt hatte, konnte der Führer dem deutschen Volke als heilige Verpflichtung auferlegen, das für viele zwar eine erhebliche Einschränkung bedeutet, dafür aber auf der anderen Seite ein Zutrauen schasst, das volksverbindend wirken und die Wunden schließen muß, die der unselige Klassenkampfgedanke geschlagen hat.
Wenn z. B. an jene Ehepaare appelliert wird, die Patenschaft für ein Kind zu übernehmen, so liegt darin kein Eingriff in die Rechte einer Ehe. Es ist doch vielmehr so, daß die Nation diesen Ehepaaren ein Geschenk darbietet, das die Natur ihnen versagt hat.
Das helfen ist eine sittliche Aufgabe, der sich niemand entziehen wird, und die NS.-Volkswohlfahrt stellt sich in den Dienst dieser Aufgabe, indem sie Paten und Patenkinder zusammenführt.
Dabei wird in erster Linie daran gedacht, daß das Patenkind seinen eigenen Eltern erhalten bleibt, daß es in seinem Elternhause bleiben kann: die Paten haben lediglich die Aufgabe, die bedürftigen Eltern des Kindes zu entlasten. Wenn das auch für die Paten eine gewisse Verpflichtung bedeutet, so liegt diese Ausgabe doch noch immer im Bereiche des Möglichen, denn es ist gewiß leichter, für die Dauer einiger Wintermonate ein Kind zusätzlich zu betreuen, als die gesamte Verantwortung für mehrere eigenen Kinder viele Jahre hindurch zu tragen.
Der Grundgedanke des Nationalsozialismus liegt in der Idee der Volksgemeinschaft, und diese Idee kommt in allen Maßnahmen und Verordnungen der Staatsführung zum Ausdruck.
Darum muß die Gesamtpolitik des Nationalsozialismus ebenso wie die Maßnahmen der NS.-Volkswohlfahrt nicht als ein Eingriff in die vermeintlichen Freiheitsrechte der einzelnen Volksgenossen aufgefaßt werden, sondern jeder einzelne muß diese Inanspruchnahme als eine s i t t l i ch e P f l i ch t anerkennen und ihr dienend Gefolgschaft leisten. Diese Gefolgschaft muß um so treuer und enger sein, je mehr die Not auf uns lastet, sie braucht in geringerem Maße beansprucht zu werden, je mehr wir uns durch eigene Arbeit aus der schlimmsten Not herausgearbeitet haben. Auch dann darf jedoch der Gedanke der Volksgemeinschaft nie wieder in Vergessenheit geraten.
Hinter uns liegen drei Monate der Pflichterfül- hing, vor uns stehen drei weitere Monate, darunter die beiden schwersten Wintermonate Januar und Februar.
Wenn das Wort des Führers wahr werden soll, daß in diesem Winter kein Deutscher hungern oder frieren darf, so bedarf es noch weiterer erheblicher Anstrengungen. Jede Unterstützung des Dinterhilfswerks ist ein Zeugnis für die Gefolgschaftstreue, die wir dem Führer schulden.
Wer bisher schon geholfen hat, der helfe weiter, wer sich zunächst noch abwartend verhielt, der besinne sich auf seine Pflicht, und wer bisher die Mahnung zum Opfer noch nicht mit der Eindringlichkeit empfunden hat, die notwendig ist, der denke an die Not von 6 Millionen Bedürftigen, die nur überwunden werden kann, wenn alle Kräfte eingesetzt werden zur Erhaltung der deutschen Familie.
Konzert der SA.-Kapette des Sturm« vanns I/2R 116.
Im sehr gut besetzten Saale des Cas6 Leib gab die SA. - Kapelle des Sturmbanns I/R. 116 unter Leitung des Musikzugführers Herrmann gestern abend ein Konzert, dem eine mit gutem Geschmack ausgewählte Musikfolge zugrunde lag. Das erlesene Programm legte eindrucksvoll Zeugnis ab für das ernste künstlerische Streben dieser Kapelle, und seine glanzvolle künstlerische Durchführung berechtigt die Musikerschar und ihren Leiter zu dem Anspruch, als bedeutungsvoller Faktor im Musikleben unserer Stadt angesehen zu werden. Die hervorragenden musikalischen Qualitäten dieses Klangkörpers kamen sowohl auf dem Gebiete der klassischen Musik, wie auch in den teils in der Musikfolge vorgesehenen, teils als Einlage dargebotenen Märschen in bester Weise zur Geltung.
Im ersten Teile der Vortragsfolge hörte man den Marsch von Lehnhardt „Die Ehrenwache", die Ouvertüre „Das goldene Kreuz" von Brüll, die große Fantasie aus „Tannhäuser" von Richard Wagner, den Kaiser-Walzer von Johann Strauß und den Prolog aus „Bajazzo" von Leoncavallo. Schon bei diesem Teile des Abends verstand es der Konzertleiter mit seinen Musikern, durch anhaltende Steigerung des Niveaus der Darbietungen den besten Eindruck bei den Zuhörern zu machen, die ihre dankbare Anerkennung durch immer lebhafteren Beifall zum Ausdruck brachten. Die Kapelle mußte sich denn auch zu mehreren Einlagen verstehen, um sich für die warme Anerkennung erkenntlich zu zeigen. Der zweite Teil des Abends brachte die Ouvertüre zur Oper „Stradella" von Flotow, die Fantasie aus der Oper „Traviata" von Verdi, „Der Liebestraum" von Hoch mit Pistonsolo von K. Schwarzlose, den Fehrbelliner Reitermarsch und Kreuzritter-Fanfare von Henrion für Heroldtrompeten und Kesselpauken und das Nationalsozialistische Liederpotpourri von C. Hager. Bei der Abwickluna dieses Teiles der Vortragsfolge übertraf die Musikerfchar ihre hochstehenden Leistungen des ersten Teils noch erheblich, wobei auch hier wieder, wie schon im ersten Teile, die fein« gestaltete Tonmalerei durch geschmackvolle und sickere Nuancierung in angenehmer Weise überraschte, und das umso mehr, als man es bei dieser Kapelle ja nicht mit Musikern im Hauptberuf zu tun hat. Dem Klangkörper kommt allerdings zugute, daß er zum weitaus größten Teile aus musikalisch vortrefflich geschulten ehemaligen Militärmusikern besteht, die sich unter der ausgezeichneten, von feinem künstlerischem Empfinden geleiteten Führung des Musikzugführers Herrmann zu einer prächtigen musikalischen Einheit zusammengesunden haben. Die Art der Durchführung des zweiten Teiles der Vortragsfolge begeisterte die Zuhörer in noch viel stärkerem Maße als beim ersten Teil und rief so gewaltige Beifallssalven hervor, daß die Kapelle nicht umhin konnte, auch hier wieder durch mehrere Zugaben noch zu erfreuen. Besondere Glanzpunkte waren in diesem Teile das Pistonsolo von Herrn Schwarzlose, das in bekannter und bewundernswerter Virtuosität von dem aus feiner Dienstzeit bei der Gießener Reichswehrkapelle her bereits bestens bekannten Künstler geboten wurde und natürlich infolge des starken Beifalls eine Zugabe unumgänglich erforderlich machte; ferner die Märsche mit Heroldtrompeten und Kesselpauken, mit deren schneidiger und eindrucksvoller Wiedergabe die Kapelle eine neue Seite ihres gereiften Könnens offenbarte. Die wohlbegründete Begeisterung der Zuhörer zwang denn auch die Kapelle, ich nach der Abwicklung der Vortragsfolae noch mit einem weiteren schneidigen Militärmarsch für die herzliche Aufnahme ihrer Darbietungen erkenntlich zu zeigen.
Der Konzertabend war für die Kapelle und ihren Leiter Herrmann ein unbestrittener voller Er- olg. Mit dieser hervorragenden musikalischen Leistung hat sich die Sturmbannkapelle I/R. 116 weit über ihren engeren Aufgabenkreis in der SA. hinaus gutbegründeten Anspruch auf volle künstlerische Geltung gesichert und sich damit zugleich eine be- onders markante Position im Musikleben unserer Stadt erworben, die ihr bei weiteren Veranstaltungen von vornherein die beste Empfehlung sichert. Auf diesen starken Erfolg des Abends kann mit der Kapelle auch ihr Gründer und sorgsamer, unermüdlicher Förderer, der Sturmbannführer I/R. 116 Franz Soldan, mit berechtigten Stolz blicken, denn der Erfolg der Kapelle ist zugleich eine starke Unterstreichung des großen Verdienstes, das sich Sturmbannführer S o l d a n mit der Schaffung und Förderung dieser hervorragenden Kapelle um seinen Sturmbann und die SA. im engeren Kreise, darüber hinaus aber auch um die Allgemeinheit der musikliebenden Mitbürger erworben hat.
„Sompf galt und ihre Abwehr.
Vortrag im Deutschen Techniker-Verband Ortsgruppe Gießen.
Im Großen Hörsaal des Chemischen Instituts der Landesunioersität sprach dieser Tage in der Mit- alieberDerfammlung des Deutschen Techniker-Ver- bandes Professor Dr. K r o l l p f e i f f e r über „Kampfgase und ihre Abwehr". Auf Grund mehrjähriger praktischer Erfahrungen in der Kriegsindu- trie berichtete der Redner über die Entwicklung der Methodik des Gasangriffs vom Blasverfahren bis zum Gaswerfen und gab ein anschauliches Bild von dem ständigen Ringen zwischen Angriff und Abwehr bei der Verwendung der Gaswaffe. Alle Ausführungen wurden durch sehr instruktive Modellversuche erläutert. Während die anfangs ausschließlich benutzten Mittel zur chemischen Bindung der Kampfgase im Filtereinsatz der Gasmaske immer nur für einzelne Kampfgase wirksam waren, besitzt der moderne Gasschutz in der sogenannten X-Kohle ein Mittel von großer Wirkungsbreite. Für die Abwehr vernebelter Kampfstoffe wurde der Filtereinsatz mit einem Nebelfilter versehen. Die Folge der Ausbildung des Gasschutzes und der Gasdisziplin war ein Absinken der Verluste an Gasverletzten bei unseren Gegnern von etwa 35 v. H. zu Beginn des Krieges auf nur etwa 2 v. H. gegen Ende, wobei noch zu berücksichtigen bleibt, daß immer wirksamere Kampfgase eingesetzt wurden. Wenn auch bei künftigen Luftangriffen die Bedrohung der Zivilbevölkerung durch Spreng- und Brandbomben viel größer sein wird, als die durch Gasbomben, so ist doch die Erziehung der Zivilbevölkerung zur Gasdisziplin das einzige Mittel, um unbegründete, übertriebene Angst und hierdurch bedingte Panikstimmung bei eintretender Gasgefahr zu vermeiden.
Zum Schluß seiner Ausführungen zeigte der Redner am Beispiel des amerikanischen „Tau des Todes", daß alle immer wieder von Zeit zu Zeit auftretenden Gerüchte über neue Kampfgase von unausdenkbarer verheerender Wirksamkeit in das Reich der Fabel gehören. Man kann jeden Gegner bekämpfen und abwehren, den man kennt. Die ^"nntnis der der Zivilbevölkerung in einem fünf-
forderte im Reichstage 1884: „Geben Sie dem Arbeiter das Recht auf Arbeit, solange er gesund ist; sichern Sie ihm Pflege, wenn er krank ist; sichern Sie ihm Versorgung, wenn er alt ist!" Und zum Schluß noch ein Wort Fichtes aus seinen „Reden an die deutsche Nation" im Jahre 1808: „Man erkundige sich nur näher nach den Personen, die durch ehrloses Betragen sich auszeichnen; immer wird man finden, daß sie nicht arbeiten gelernt haben oder die Arbeit scheuen!" Die Arbeit ist unsere Erzieherin, unsere nährende Mutter? Und wer würde seiner Mutter spotten?? Walt Hari.
Die Unterbringung Oer Abiturienten
21m Dienstag fand beim ßanbesarbettsamt Hessen in Frankfurt a. M. mit den Vertretern der höheren Schulen, der Hochschulen, der Wirtschaft und der Behörden eine Sitzung zur Besprechung über bie Berufs^uführung der Abiturienten statt. Dabei ergab sich, daß im Gesamtbezirk des Landesarbeits- amts (Land Hessen und Provinz Hessen-Nassau) voraussichtlich etwas über 3000 Abiturienten(innen) unterzubringen sein werden. Im Lande Hessen dürfen von rund 1250 Abiturienten(innen) 340 studieren. Für die Provinz Hessen-Nassau ist die Anteilzahl aus der dem ganzen Land Preußen zuerkannten Zahl von Studierenden noch nicht bekannt; es wird mit etwa einem Drittel der schätzungsweise 1800 Mbituriententinnen) zu rechnen sein. Bei den Behörden sind die Einstellungsmöglichkeiten zum Dftertermin 1934 sehr eng begrenzt. Die Zahl der Bewerbungen übersteigt schon jetzt um ein Vielfaches die mutmaßlich äußerst geringe Zahl von Eingangsreden in den mittleren Beamtenlaufbahnen, die für die Aufnahme von Abiturienten in Frage kommen. Die Mehrzahl der jungen Leute wird sich daher rein praktischen Berufen in Handel,
Handwerk, Industrie und Landwirtschaft zuwenden müssen. Die Vertreter der Berufsstände betonten, es könnte allgemein mit einer wesentlich größeren Zahl von Lehrstellen gegenüber dem Vorjahr gerechnet werden. Es sei daher mit Sicherheit anzunehmen, daß auch die Abiturientenanwärter in derartige Stellen untergebracht werden können. Allerdings muß bei den jungen Leuten die unbedingte Bereitschaft vorhanden fein, sich ohne übermäßige
Schützt die deutsche Familie gegen Hunger und Kälte?
Ansprüche in die Tätigkeit eines Lehrlings hineinzufinden. Es müssen in jedem Beruf erst die Grundkenntnisse erworben werden, ehe für eine fernere Zukunft mit einer Aufstiegsmöglichkeit gerechnet werden kann. Dem Tüchtigen stehen auch auf dem Wege über die Praxis durchaus leitende Posten offen. Alle Anwesenden waren sich darüber einig, daß auch für diejenigen Abiturienten, denen auf Grund der neuen Bestimmungen die Hochschulreife nicht zuerkannt werden kann, entsprechend ihrer persönlichen Leistung angemessene Arbeitsplätze verfügbar sein werden, oaß der Einzelne nur den festen Willen haben muß, mit Mut und Kraft fein Schicksal zu meistern. Ausschlaggebend dabei wird es allerdings sein, daß auch die Eltern den jungen Leuten bei ihrem Plan, in praktische Berufe einzutreten, keine Hemmnisse in den Weg legen, sondern ebenfalls der gegebenen Lage Rechnung tragen und sie in vollem Umfange bejahen
AationalsoziaWsche Bolkswohlsahrl.


