Ifvonnes ©efteiRinis
Vornan von Klothilde von Stegmann llrheberrechfsschutz: Fünf-Türme-Derlag Halle (Saale) 30 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Werbe! ging jetzt an Irenes Toilettentisch. Während sie ihm verwundert zusah, räumte er Schalen und Platten beiseite:
„5>aben Sie noch immer nichts auszusagen, Fräulein von Merten?"
„Ich weiß nicht, was Sie von mir wollen! Ich habe doch schon ein paarmal gesagt, daß ich nichts zu gestehen habe, weil ich nichts Unrechtes beging."
Jetzt schlug Werbel die Decke des Toilettentisches zurück. Weiß leuchtete das Kuvert.
„Und was ist das hier?" fragte Werbel scharf.
Ohne zu begreifen, sah Irene den Briefumschlag.
„Ich weiß nicht, was das ist. Wie kommt der Brief dahin? Gestern war er bestimmt noch nicht da, denn die Decke ist erst gestern frisch aufgelegt worden."
„2-ber heute liegt er da, und das ist das Wichtige! Fräulein von Merten, wir wissen beide, was das Kuvert enthält. Sie sehen, Ihr Spiel ist verloren!"
Irenes Geduld war zu Ende. Heftig fuhr sie auf:
„Wenn Sie wissen, was in dem Umschlag ist, um so besser. Ich weiß es nicht. Ich bitte, mir nun endlich deutlich zu sagen, was Sie eigentlich von mir wollen! Was enthält das Kuvert? Und was soll ich eigentlich getan haben?"
„Wenn Sie es nicht anders wollen, so werde ich es Ihnen sagen:
Ich beschuldige Sie des versuchten und vollendeten Landesverrats. Weiter des Betäubungsversuchs an Herrn von Seeburg. Sie haben den Kaffee mit dem Betäubungsmittel zubereitet und Herrn von Seeburg hereingebracht, haben dann ein Dokument aus der Aktenmappe herausgerissen und es photographiert. Dann haben Sie es in das Zimmer des Herrn von Seeburg zurückgebracht. Die photographische Kopie liegt in Ihrem Zimmer versteckt in diesem Umschlag. Ich habe den Auftrag, mich Ihrer Person zu versichern und erkläre Sie für vorläufig festgenommen. Wer Ihre Komplicen sind, werden wir auch bald heraus haben. Oder wollen Sie vielleicht jetzt gestehen? Nun?"
Irene war geisterbleich geworden. Entsetzt starrte sie Werbel an. Alles drehte sich um sie.
„Nicht schwach werden", dachte sie fieberhaft. Es ging jetzt um Seeburg. Sie kannte die Richtung, in der Seeburgs Verdacht ging und den er dem Kriminalbeamten verschwiegen hatte. Die offene
Tür Pvonnes Zimmer, diese Tatsache hatte er verheimlicht und sogar Irene um Schweigen gebeten. — Alles war für sie klar. Seeburg wollte Pvonne, die geliebte Frau, nicht der Polizei ausliefern, selbst wenn sie eine Verbrecherin war.
Pvonnes ungewohnt frühzeitiges Fortgehen vor allem paßte ganz genau in das Danze Bild. Vermutlich war sie schon fort, vielleicht geflohen. Je länger Seeburg schwieg, um so größer war für Vvonne die Möglichkeit, zu entkommen. Und See- vurgs Wünsche durfte sie nicht durchkreuzen.
Eine tiefe Entschlossenheit machte Irene ruhiger. Nur schweigen, dann war alles gewonnen für den heimlich geliebten Mann. Werbels falscher Verdacht würde sich ja schließlich von selbst entkräften. Nur schweigen und Seebura den Dienst leisten, den er von ihr erwartet. Auf sie kam es nicht an. War Seeburg ihr verloren — sie wollte nicht die Glückliche, die er noch immer liebte, ins Unglück stürzen.
Blitzschnell schossen diese Gedanken Irene durch den Kopf. Zu Werbel gewandt, sagte sie:
„Ich habe meinen früheren Aussagen nichts hinzuzusügen. Ich weiß nichts von einem Betäubungsversuch, nichts von Landesverrat und Photo- araphien. Tun Sie, Herr Kommissar, was Sie für Ihre Pflicht halten! Ich habe Ihnen nichts zu sagen."
„Dann bleibt nur die Festnahme. Packen Sie ein paar Sachen zusammen. Nur das Notwendigste, was Sie mitnehmen müssen. Wenn Sie sich umziehen wollen, werden wir das Zimmer einen Augenblick verlassen; aber nur, wenn Sie so lange die Gesellschaft der Krankenschwester dulden, die ich hereinrufen werde. Der Beamte des Polizeipräsidiums, den ich erwarte, bestimmt alles Weitere."
*
Auch in der Redaktion der „Großen Glocke" ging es an dem Tage ziemlich lebhaft her. Am Erscheinungstage waren die beiden jungen Angestellten stets mit dem Versand in der Druckerei beschäftigt, und die Stenotypistin hatte mit den Zeitungshändlern, die neue Exemplare holten und unverkaufte frühere Nummern zurückbrachten, abzurechnen.
Reschke war nach einer schlaflosen Nacht um halb zehn Uhr ins Büro gekommen. In einem kleinen Koffer hatte er die notwendigsten Sachen für eine Reise mitgebracht. Die noch druckfeuchte neueste Ausgabe der „Großen Glocke" lag vor ihm. Den anstelligen Hilfsarbeiter Werner hatte er tags zuvor fortschicken können. Holtay hatte noch einmal angerufen:
„Wir brauchen keine Schreibkraft. .Herr von Malesius wird das übernehmen; es ist besser, wenn niemand dabei ist!"
Reschke las von neuem den Artikel, den er in das Blatt geschmuggelt hatte. Er trug fettgedruckt die Ueberschrift:
„Und wieder das Auswärtige Amt!"
„Wenn sich auch die leitenden Herren des Auswärtigen Amts zu unserer Veröffentlichung in der
vorigen Nummer nicht geäußert haben — die Wirkung ist nicht ausgeblieben. Man hat dem Legationsrat von S. — wir haben keine Veranlassung mehr, mit Einzelheiten hinter dem Berge zu halten — die Bearbeitung der Ostfrontakten abgenommen. Eigenartigerweise ist aber Herr von S. im Dienst belassen worden. Man hat ihm sogar ein Dezernat übertragen, das beinah noch verantwortungsvoller ist als das bisherige. Die leitenden Herren im Auswärtigen Amt scheinen sehr sorglos zu sein. Vertraut man einem Beamten, gegen den solche Vorwürfe erhoben werden, wichtige Geheimdokumente an? Wenn nun eins davon entwendet wird? Oder kopiert? Bei einer innerdeutschen Gesandtschaft, die hier in Berlin ihren Sitz hat, ist auch vor einiger Zeit ein Aktenstück verschwunden. Das hat zu Entlassungen von mehreren weiblichen Angestellten geführt. Wenn die Herren vom Auswärtigen Amt etwas sorgfältiger gewesen wären, hätten sie leicht feststellen können, daß eine dieser entlassenen Beamtinnen nicht weit von Herrn von S. zu suchen ist. Wir haben wenigstens den Trost, daß unsere Mitteilungen der Behörde einen wertvollen Fingerzeig geben, wo man zu suchen hat, wenn bei Herrn von S. ein wichtiges Aktenstück verschwinden sollte. Würden unsere Behörden nicht immer glauben, daß sie sich etwas vergeben, wenn sie mit der Presse Fühlung nehmen, so hätte man ihnen vielleicht weitere Hinweise geben können. Im Interesse des Landes wollen wir nur hoffen, daß nicht neues Unheil entsteht. Was veranlaßt eigentlich die Behörde, nach unseren Aufklärungen Herrn von S. weiter blindes Vertrauen zu schenken?"
20. Kapitel.
Zweimal schon hatte Reschke den Artikel gelesen. Gut, daß mir der Alte gekündigt hat!, dachte er; nach dem Blödsinn, der hier verzapft wird, hätte er mich bestimmt rausgeschmissen. Na, mir kann's gleich sein. In zehn Minuten muß Holtay mit dem Geld und dem Paß da sein. Dann verdufte ich nach Paris. Wenn Holtay mich etwa sitzenlassen will, dann irrt er sich. Ich habe Fräulein Märzke nicht umsonst die Anweisung gegeben, kein Exemplar aus dem Hause gehen zu lassen, bis ich hinübertelephoniere. Und das werde ich erst tun, wenn ich Geld und Paß in Händen habe.
Von seinem Fenster aus sah Reschke jetzt Holtay gemächlich über den Hof kommen. Gott sei Dank! Holtay hielt Wort. Gleich darauf trat Holtay ein, elegant, sauber rasiert und vergnügt, wie immer.
„Guten Tag, Herr Reschke! Also da bin ich. Ist das die neue Nummer? Zeigen Sie mal her! Ausgezeichnet! Gute Arbeit, Reschke! Na, Ihnen brennt jetzt wohl der Boden unter den Füßen?"
„Daß ich mich nach einer Aussprache mit meinem Verleger sehne, kann ich nicht gerade behaupten. Gösser wird ja wie ein Verrückter toben! Haben Sie auch alles mitgebracht?"
Lächelnd zog Holtay seine Brieftasche hervor: „Sogar etwas mehr, denn Sie müssen mir noch
einen Gefallen tun. Eine ganz harmlose Sache. Cs handelt sich um ein kleines Geschäft. Dieser Brief hier muß übermorgen an Ort und Stelle sein. Stecken Sie ihn doch in Paris in den Kasten — ja? Mit der Post geht's zu langsam. Es macht Ihnen ja gar keine Mühe; aber trotzdem, ich will nichts umsonst. Hier ist Ihr Paß mit Ausreisevisum. Hier sind die dreitausend Mark. Hier ist der Brief, und hier sind fünfhundert Mark für Ihre besondere Gefälligkeit, diesen wichtigen Brief pünktlich zu besorgen. Stecken Sie ihn in Ihre Brieftasche. Nein, bitte nicht in den Paß, sondern getrennt. Was wollen Sie denn bloß mit dem Telephon?"
„Bloß nach der Druckerei läuten", fügte Reschke, der freudestrahlend Geld, Paß und Brief verstaut hatte. „Fräulein Märzke, sind Sie am Apparat? Die Nummer kann heraus."
Holtay lachte auf:
„Von Ihnen kann man doch noch etwas lernen Reschke! Sie haben die Nummer also so lange zurückgehalten, bis Sie Geld und Paß hatten! Sie sind ja ein Schlauberger! Hallo, was sind denn das für Leute, die da über den Hof kommen?" unterbrach sich Holtay. „Ist denn jetzt Schichtwechsel?"
Es klopfte an die Tür. Holtays Gesicht wurde bleich. Ehe Reschke antworten konnte, öffnete sich rasch die Tür, zwei Herren traten ein:
„Guten Tag, Herr Holtay! Guten Tag, Herr Reschke!" sagte der eine. „Es tut mir leid, Sie zu stören. Ich möchte mich aber einen Augenblick mit Ihnen unterhalten."
„Was fällt Ihnen denn ein?" fragte Reschke empört. „Werner, was führen Sie denn hier für eine Komödie auf? Was soll denn dieser Verhörston?"
Der Hilfsarbeiter Werner lächelte:
„Bisher war ich freilich für Sie der Hilfsarbeiter; aber jetzt bin ich wieder Kriminalbeamter, Herr Reschke! Ich habe leider Ihren famosen Angriff auf das Auswärtige Amt nicht schreiben dürfen. Herr von Holtay, machen Sie keine Geschichten!" unterbrach er sich. „Geben Sie das Schießeisen her. Wir sind friedfertige Leute."
Damit nahm er Holtay, der leichenblaß in den Stuhl gesunken war, den Revolver ab. „Unten vor dem Fenster steht auch jemand, Herr von Holtay! Und nun gestatten Sie ein paar Fragen? Hier, meine Legitimation! Kriminaldirektor Dr. Miller. — Zunächst Sie, Herr Reschke! Sie wollen verreisen? Wollen Sie mir nicht mal Ihren Paß zeigen?"
,Marum?" fragte Reschke angstvoll.
„Weil amtlich kein Visum auf Ihren Namen erteilt ist? Herr von Holtay muß also sehr gute Beziehungen haben. Herr Reschke, machen Sie es sich und uns leicht. Sie haben eine große Dummheit gemacht. Aber Sie sind wohl kein Verbrecher. Sie sind der Hereinqefallene bei der Sache. Wollen Sie mich mal Ihre Brieftasche sehen lassen?"
(Fortsetzung folgt.)
Gewerbe-Verein E.V.
Gießen
Hauptversammlung Dienstag, den 16. Januar 1934, 8 Uhr, im Saale des Restaurants „Hindenburg". Tagesordnung: 1. Bericht
2. Satzungsänderung betr. Auflösung 3. Verschiedenes.
£Im zahlreiches (^scheinen derMitglieder wird gebeten
________Wilhelm Loder, Vorsitzender.
Ausruf zur Anmeldung für die Meisterprüfung 1934.
Wer im Jahre 1934 die Meisterprüfung ablegen will, muß seine Anmeldung hierfür bis spätestens 20. Januar 1934 bei der Hessischen Handwerkskammer, Darmstadt, Hügelstraße 16 I, vollziehen.
Der Anmeldung ist die ermäßigte Prüfungsgebühr von RIN. 25,— beizufügen. (Postscheckkonto der Hess. Handwerkskammer: Frankfurt am Main. Konto-Nr. 15106.) 171D
Schließlich ist bei der Anmeldung noch mitzuteilen, ob Zuteilung zu einem der von der Hessischen Handwerkskammer in allen Kreisen veranstalteten IHei- sterprüfungS'Vorbereitungskurse gewünscht wird.
Auf Grund ihrer Anmeldung erhallen die Meisterprüfungskandidaten alsbald weiteren Bescheid.
Handwerkskammernebenstelle für die Provinz Oberhessen, Sih Gießen.
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betreffend: Errichtung von Zwangsinnungen.
Nachstehende Bekanntmachung des Heff. K.eisamls Gießen vom 20. Dezember 1933 bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntnis.
Gießen, den 2. Januar 1934
Heff. Bürgermeisterei Gießen
j. D.: Dr. Hamm
NekanntmaGung.
Betr.: Errichtung von Zwan^sin- nungen im Bezirk des Krs. Gießen.
Bei der Abstimmung über den Antrag auf Errichtung der nachstehend aufgeführten Innungen hat sich jeweils die Mehrheit der in die HandwerksrolleeingetragenenHand- werker der zu blldenden Innungen für die Einführung des Beitritts- Zwanges erklärt:
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