Einzelbild herunterladen

suchungsgefängnis übergeführt worden. Goldstücker hat nach eigenem Geständnis von einem ihm zur Verwaltung anoertrauten Nachlaß mindestes 30 000 Mark widerrechtlich für persönliche Zwecke ver­wandt. Ferner ist auch gegen den früheren Rechts­anwalt und Notar Dr. Fr. Bieber ein Ermitt­lungsverfahren wegen Veruntreuung von Mandantengeldern in Höhe von 35 000 Mk. einge­leitet worden. Dr. Bieber wurde ebenfalls festge­nommen.

Vermehrung der Rlittelgewinne bei der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie. Die Generaldirektion der Preußisch-Süd­deutschen Staatslotterie gibt den Ge­winnplan zur 43. Preußisch-Süddeutschen Klassen­lotterie bekannt, der eine erhebliche Vermeh­rung der Mittelgewinne bringt. Während die Zahl der Gewinne in den ersten vier Klassen die gleiche bleibt, enthält die fünfte Klasse 50 Ge­winne zu 10 000 Mark (bisher 40), 1000 Gewinne zu 2000 Mark (bisher 600), 2000 Gewinne zu 1000 Mark (bisher 1000) und 5000 Gewinne zu 500 Mark (bisher 3000). Diese Gewinne sind zu­sätzlich in den Gewinnplan eingestellt worden, ohne daß anderseits etwa eine Verringerung der hohen Gewinne erfolgt ist. Das Spielkapital ist infolge der Vermehrung der Mittelgewinne um über drei Millionen Mark auf rund 66,4 Millionen Mark erhöht worden.

Mordversuch an einem vierjährigen Kinde. Racheakt einer Hausangestellten.

In Essen versuchte die Hausangestellte Anna Stein den vierjährigen Knaben einer Essener Familie, bei der sie beschäftigt war, zu erdros­seln. Die Täterin wurde in Düsseldorf festgenom­men und nach Essen überführt. Sie ist völlig ge- ständig und gab an, den Vorsatz gefaßt zu haben, das Kind zu töten, da sie sich an ihrer Herrschaft für eine Rüge habe rächen wollen. Schon in den letzten Tagen habe sie sich mit dem Gedanken ge­tragen, die siebenjährige Tochter ihrer Herrschaft zu vergiften oder zu erwürgen. Nur aus Mangel an Gelegenheit habe sie diese Tat nicht ausführen können. Am Montagmorgen sei sie mit dem Jungen allein in der Wohnung gewesen. Die Siebenjährige habe auf der Straße gespielt. Da habe sie ihr Vor­haben ausgeführt und den Vierjährigen mit der Schürze zu erdrosseln versucht. Beim Verlassen der Wohnung sei sie der Auffassung gewesen, daß das Kind tot fei, da es keinerlei Lebenszeichen mehr vor sich gegeben habe. Schon vor der Tat habe sie ihren Koffer gepackt und sich mit Hut und Mantel bekleidet gehabt. Sie sei darauf mit Lastkraftwagen, ; die sie unterwegs angehalten habe, nach Düsseldorf gefahren, wo sie schließlich festgenommen wurde.

Die Sühne der Reichstagsbrandstistung

Oie Hinrichtung van der Lübbes.

gezeigt, daß das Experimentieren mit Revolu­tionen sehr leicht lebensgefährlich enden kann. Mit­leid hat er also gewiß nicht verdient; aber etwas Unbefriedigendes bleibt an diesem Ausgang doch. Denn sein Geheimnis hat er mit sich ins Grab ge­nommen. Der preußische Ministerpräsident Göring hat während des Prozesses ausgesagt, daß er in Versuchung gewesen wäre, in der Brandnacht Lubbe hinrichten zu lassen, daß er aber davon abgekommen wäre, weil er dann keine Hoffnung mehr ge­habt hätte, die Hintermänner zu fassen, also die eigentlichen Schuldigen. Das ist, obwohl das Reichsgericht in dreimonatelangen Verhandlungen den Tatbestand zu klären suchte, auch jetzt nicht ge­lungen.

Van der Lubbe selbst hat immer behauptet, daß er den Brand ganz allein ohne jede fremde Hilfe gelegt habe. Der klare Tatbestand aber und die Aus­sagen aller Sachverständigen standen dem entgegen. Es kann gar kein Zweifel darüber sein, daß Lubbe bei der Brandtat nicht allein gewesen ist; wobei die Frage offen bleibt, ob er als Kulisse benutzt wurde oder ob er die wahren Zusammenhänge kannte und nur in verbohrtem Fanatismus sich selbst opferte, um durch seinen Tod die anderen zu schützen. Möglich ist beides, es ist ebenso gut denkbar, daß ihm dieser ganze Plan eingeblasen ist, daß er von vornherein als das Opfer in Aus­sicht genommen war, das der Polizei in die Hände fallen sollte, während die wahren Täter sich in Sicherheit brachten. Es ist aber ebenso gut denkbar, daß er mit den anderen Hand in Hand gearbeitet hat, daß er also alle Zusammenhänge kannte. Man darf sich auch durch die Rolle, die er während der Verhandlungen spielte, nicht irre führen lassen. Zu­zutrauen war ihm schon, daß der Herostraten-Ehr- geiz ihn gepackt hatte oder daß er wirklich glaubte, dem Kommunismus, dem er sich verschrieben hatte, einen Dienst zu erweisen. rf ±

Im Ergebnis freilich hat er ihm nur geschadet. Die Hetzpropaganda, die seit Jahr und Tag in aller Welt gegen Deutschland betrieben wurde, hat ja die Zusammenhänge einigermaßen getrübt. All­mählich aber begreift man doch auch jenseits unserer Grenze, wie riesengroß die kommuni st i- sche Gefahr für Europa ist, begreift man, daß mit dem scharfen Zugriff gegen den Kommu­nismus in Deutschland nicht nur Deutschland, son­dern auch die anderen Staaten gerettet sind. Denn von diesem schweren Schlag wird sich der Kom­munismus so rasch nicht wieder erholen. Nur auf dem Nährboden dieser anarchistischen Ueberzeugun- qen konnte der Wahnsinnsgedanke einer solchen sinnlosen Brandstiftung erwachsen. Nur eine Welt­anschauung, die sich im Negativen erschöpft, konnte glauben, daß ihr aus einem solchen verbrecherischen Unternehmen Segen erwachsen würde. Deshalb ist der Kommunismus an Lubbe zum Mörder gewor­den, und deshalb, weil wir an eine ausgleichende Gerechtigkeit glauben, hoffen wir, daß früher oder später das Rätsel sich doch noch klären und auch Lübbes Hintermänner zur Rechenschaft gezogen werden können.

Kunst und Wissenschaft.

Die UraNnda-Chronik.

Am Montag, 8. d. M., brachten wir einen kleinen Bildbeitrag zu dem gegenwärtig erhebliches Auf- ehen erregenden Streit um die sog. Uralinda-Chro- nii'. Dazu wird uns von Herrn Geheimerat Prof. Dr. O. B e h a q h e l, Gießen, folgendes geschrie­ben: In ihrer Mitteilung über die Uralinda-Chro- nik hat die Schriftleitung bereits bemerkt, daß zahlreiche Germanisten sie für eine Fälschung hal­ten. Nun ist wichtig eine Erklärung der Germa­nisten der Breslauer Universität, unter ihnen die besten Kenner des Friesischen, die nicht nur mit Nachdruck die Chronik gleichfalls für eine Fälschung erklären, sondern feststellen, daß Hermann Wirth überhaupt nicht ordentlich Friesisch versteht, sondern seine Kenntnis der Chronik aus einer holländischen Uebersetzung bezieht.

Philipp Reis in Gießen.

Im Anschluß an den in Nr. 6 des Gießener An­zeigers erschienenen Gedenkaufsatz zum 100. Ge­burtstage von Philipp Reis wird aus dem Leser­kreise daran erinnert, daß der berühmte Erfinder seinen Fernsprecher auch am 21. September 1864 der Deutschen Naturforscher-Versammlung in Gie­ßen vorgeführt hat.

kostenlose Besichtigung von Schlössern, Museen und Galerien durch Jugendliche.

Die Länder Bayern, Württemberg, Baden, H e s - s e n, Hamburg, Mecklenburg, Lippe-Detmold, Ol­denburg und Anhalt haben auf Veranlassung des Reichsministers des Innern den Besuch ihrer Schlös­ser, Museen und Galerien für Jugendliche in geschlossenen Gruppen unter einem mit Aus­weis der Jugendführers des Deutschen Reiches ver­sehenen Führer kostenfrei gestattet.

Freude" Stellung nehmen wird. Am 20. Januar wird dann eine Gemeinschaftstagung sämtlicher Amtsleiter vonKraft durch Freude" in Berlin stattfinden, an der auch sämt­liche Gauwarte für »Kraft durch Freude" tell- nehmen werden. Zu Gauwarten der neuen Orga­nisation sind mittlerweile u. a. ernannt worden: für Hessen-Nassau Süd: Heinrich von Wantoch- Rekowsky, Ffm., Bornheimer Landstraße 12; Hessen-Nassau Nord: Wilhelm S ch n e i d e r, Mel­sungen, Bergstraße 610; Koblenz - Trier: Hans Meier, Koblenz, Löhrstrahe 100.

Die Begrenzung der Hochschuistudierenden. Berlin. 10. Jan. (DNB.) D-r Staatssekretär im Reichsministerium des Innern, Dr. P f u n D t - ner, sprach im Deutschlandsender über die von der Reichsregierung zur Begrenzung des Zuganges l zu den Hochschulen ergriffenen Maßnahmen Der Staatssekretär betonte, daß wohl gemiffe Harten mit dem Gesetz verbunden seien, doch diese Harte fei eine unbedingte Notwendigkeit, ße werde aber zu der Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit der Deutschen Hochschulen führen. Der Redner schätzte die Zahl der voraussichtlichen Abiturienten des lau- jenben Jahrganges auf 27 600 männlichejjjj 10 400 weibliche, von denen insgesamt 15 000 zum Hochschulstudium zugelassen werden sollen. Der Er­folg der ganzen Maßnahmen hange entscheidend dovon ab, daß die Eingliederung der N i ch t b e r e ch t i g t e n l n d l e p r a k t l s ch e n ' sS c r u f e gelinge. Wenn alle Stellen unter ber t Führung der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung unö Arbeitslosenversicherung an dieser Aufgabe 1° Mitwirken, wie es schon bei der Arb-,tsschlacht des »ergangenen Jahres geschehen ist, dann wird die Maßnahme bald niemand mehr hart, sondern allen ols die Wende einer Not und als der Beginn einer glücklicheren Zukunst für di- deutsche Jugend er. ; scheinen.

Eine Anordnung des Minister­präsidenten Göring.

Berlin, 10. Jan. (DNB.) Amtlich. Minister­präsident G ö r i n g hat folgendes angeordnet: Meh­rere Sonderfälle zwingen mich, darauf hinzuweisen, » die Polizei nicht nur berechtigt, sondern iud) verpflichtet ist, nach den bekannten poli- teilidien Vorschriften jede Person, gleichgültig ob m Zivil oder Uniform, mithin auch Angeho - rf qe der SA., SS., St. oder dergleichen, kiner Polizeiwache zuzuführen, um die Personalien festzustellen, soweit bie Feststellung an Drt und Stelle nicht möglich ist. Der polizeilichen llufforderung, zu diesem Zwecke zur Polizeiwache nitzugehen, ist unbedingt Folgezu le ijen- Zede Widersetzlichkeit hiergegen wird unnachsicht- ich als Widerstand gegen die Staats­gewalt verfolgt. Diese polizeiliche Maßnahme stellt keine Verhaftung, Festnahme oder Vorführung im Sinne der Sondervorschriften bezüglich der SA., SS. usw. (vgl. Erlaß des Obersten SA.-Fuh- lers vom 7. Oktober 1933) dar.

Forderung der Hebammen.

Berlin, 9. Jan. (DNB.) Der preußische Mini- Iter des Innern hat an die Regierungspräsidenten Lnd Kreisärzte einen Runderlaß zur Förderung der Hebammen gerichtet. Der Minister ersucht, den Hebammen im Hinblick auf die bevölkerungspolitisch Lußerordentlich große Bedeutung ihres Berufes jede mögliche Förderung zuteil werden iiu lassen, bis die von ihm, dem Minister, erstrebte gesetzliche Neuregelung die sichere Grund- log- schaffe.

Geopolitik,

die Blickrichtung nach außen/'

Die erste Phase der nationalen Revolution ist abgeschlossen. Zum erstenmale in der deutschen Ee- .chichte stehen die großen Mächte einem geschlossenen Rutschen Volksblock gegenüber. Die politischen Fron­en beginnen der neuartigen Erscheinung im Herz- -aum Europas Rechnung zu tragen. Wir selbst, ,as deutsche Volk, werden nunmehr nach lieber« -ennung der innerpolitischen Zwingburgen mit na- urnotroenbiger Gesetzmäßigkeit ausgerichtet auf Die Blickrichtung nach außen. Die zweite Phase de- linnt: Das Erkennen der Umwelt. Und hier wirkt ils stärkster Hebel die Wissenschaft der Geopolitik. Sie erforscht den Lebensgang eines Staates und xie Gestaltung der Lebensvorgänge zwischen den Staaten. Sie spürt den Gesetzmäßigkeiten im Staats- *ben nach. In der Geschichte sieht sie den Nieder- rfjlag des Lebensweges, den ein Volk durch feine Bindungen an Rasse und Raum gehen mußte. Geopolitik ist also die nach Raumkunde und Volks­kunde gegliederte Staatswissenschaft. Für die Ver­breitung des Gedankengutes der Geopolitik fetzt sich dieArbeitsgemeinschaft für Geopolitik" ein. (Ab- jrfjnitt West, Wuppertal-Elberfeld, Worringerstr. 28.)

OaS LucknerschiffMopelia" heimgekehrt.

Bremerhaven, 10.Jan. (DNB.) Die Bark Mopelia", die frühereVaterland" des Grafen Luckner, hat in 26 Tagen die Reise NeuyorkBre- nerhaven gemacht. In Rekordzeit jagte es der Sturm durch den Kanal, so daß es in Bremerhaven jimb l'/r Tage früher als erwartet eintreffen tonnte. Das ganze Hafengelände wies reichen Flag- genftfjmud auf. Abteilungen der NSBO., die Ma- lineftürme der SA., SS. und HI. hatten an der Einfahrt zum neuen Hafen Aufstellung genommen, »ährend dieMopelia", die über die Toppen ge- f.aagt hatte, noch mitten im Strom lag. Nachdem ?wei Schlepper den Segler langsam an den Pier fuqfiert hatten, traten Graf Luckner, Kapitän und Besatzung an die Reeling und Oberbürgermeister Lorenzen begrüßte die Besatzung mit herzlichen Sorten GrafLuckner dankte für den herzlichen Empfang und richtete wieder Worte des Dankes an Kapitän Sauterbad; und fein- Besatzung, tue iiemopelia" fo sicher durch die Mlantiksturme --führt hätten. Kapitän Lauterbach erklärte es fei folglich das Verdienst ferner Mannfchaft daß er ias Schiff heil zurückgebracht habe. Sie Besatzung stelle sich nach langer Abwefenhe.t IN das neue, Dieber gefunbete Deutfchland zuruckkehren zu tonnen. t. e, .

Die Gräfin Luckner, die vom Ium 1929 tis November 1933 in Amerika geweilt und in tiefer Zeit teils mit ihrem Gatten, teils allein 411 cmerikanifche Städte besucht W gab cm Vorabend eine Schilderung von der Werve- c r b e i t, die sie drüben für Deutschland geleistet Hutten.

©er Faschismus in Japan.

Dokio, 10. Jan. (DNB.) Der frühere Vertreter ' apans beim Völkerbund, Matsuoko , der sich hr faschistischen Bewegung Japans angeschlossen

Leipzig, 10. Jan. (DNB.) Der Reichsgerichts- bienft des DNB. erfährt zu der bereits gemeldeten Hinrichtung van der Lübbes noch nachstehende Einzelheiten:

Dem Delinquenten wurde die Mitteilung von der bevorstehenden Enthauptung am Dienstagnachmit­tag durch den Obersten Anklagevertreter Oberreichs- anwalt Dr. Werner in der Gefängniszelle ge­macht. Van der Lubbe nahm die Mitteilung un­bewegt entgegen und lehnte auf Befragen geist­lichen Zuspruch ab. Auch machte er keinen Gebrauch von dem Anerbieten, Grüße an feine Angehörigen zu schreiben und äußerte keinen weiteren Wunsch. Die Vollstreckung des Urteils wurde Mitt­wochmorgen 7.30 Uhr im umschlossenen Lichthof des Landgerichts in der Harkoctstraße in Leipzig in Anwesenheit des Oberreichsanwaltes Dr. Werner und des Sachbearbeiters Landgerichtsdirektors P a - rifius vollzogen. Vom Reichsgericht waren Se­natspräsident Dr. jünger sowie drei weitere Mitglieder des erkennenden IV. Strafsenats anwe­send. Ferner wohnten 12 vom Rat der Stadt Leip­zig abgeordnete Gemeindemitglieder der Hinrichtung bei, sowie der Verteidiger des Angeklagten Rechts­anwalt Seuffert, der holländische Dolmetscher Meyer - Collings, Kreishauptmann Dön- nicke, der Gefängnisdirektor, der Gefängnisgeist­liche und zwei Gerichtsärzte. Pressevertreter waren nicht anwesend. Oberreichsanwalt Dr. Werner ver­las den Urteiltenor und gab dann die Entschließung des Herrn Reichspräsidenten bekannt, von seinem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch zu machen. Darauf übergab der Anklagevertreter van der Lubbe dem Nachrichter. Der Reichstags­brandstifter gab keine Erklärung vor seinem Ende ab. Die Hinrichtung wurde von dem Scharfrichter Engelhardt- Schmölln durch Fallbeil vollzogen und verlief ohne jeden Zwischenfall. Nach voll­zogener Hinrichtung stellte der Gerichtsarzt den ^°Zu^der Hinrichtung des Reichstagsbrandstifters durch das Feilbeil erfahren mir von maß­gebender Stelle der NSDAP., daß an sich ber we­gen Hochverrats in Tateinheit mit vorsätzlicher Brandstiftung verurteilte van der Lubbe den T.od durch den Strang verwirkt hatte. Bei den maß­gebenden Stellen der Partei steht man jedoch aus dem Standpunkt, daß diese besonders schimpfliche Todesart gemeinen Verbrechern, insbesondere L a n- des - und Volksverrätern, vorbehalten ist. Bei van der Lubbe handelt es sich trotz feiner ge­meinen Tat immerhin um Ueberzeug u in g s täterfchaft. Selbstverständlich ist, daß es sich bet ber Auswahl der Todesart um keinerlei Strafmil­derung gehandelt hat. *

Mit der Hinrichtung des Maurers Marinus van der Lubbe find die Gerichtsakten über den Reichs­tagsbrand vom 27. Februar vorläufig geschlossen. Dem Mann selbst ist fein Recht geschehen er hat mit dem Feuer gespielt und ist darin umgekommen. Er hat den Versuch gemacht, durch eine Brandfackel den Bürgerkrieg zu entfesseln. Der Staat hat sich zur Wehr gesetzt und hat ihm wie auch anderen!

ftattfinben soll, ist von Paris nach Lille verlegt worden.

*

In Anwesenheit des Kriegsministers sind die wegen desMordanschlagesgegenNadirSchah, den König von Afghanistan, zum Tode verurteilten 14 Personen hingerichtet worden. Unter den Hingerichteten befinden sich der Vater, der Enkel und einige Freunde des Mörders Abdul Khalik.

Aus aller Well.

Starke Zunahme der Rundfunkteilnehmer.

Die Gesamtzahl der R u n d f u n k t e i l n e h m e r in Deutschland betrug am 1. Januar 1934 5 052 607 gegenüber 4 837 549 am 1. Dezember unb 4 307 722 am 1. Januar 1933. Hiernach ist im Laufe bes De­zember 1933 eine Zunahme von 215 058 Teilnehmer (gleich 4,4 v.H.) unb im Laufe bes Kalenberjahres 1933 eine Zunahme von 744 885 (gleich 17,3 v. H.) eingetreten. Die Zahl der Gebührenbefrei­ungen ist im Laufe des Dezember um 9350 ge­stiegen, jeboch gegenüber dem gleichen Zeitpunkt des Vorjahres um 3712 zurückgegangen.

Die Reichsgründungsfeier des kyffhäuferbundes.

Zu berDeutschen Weihe st u n d e" des Kyffhäuserbundes anläßlich der 63. Wiederkehr des Reichsgründungstages am kommenden Sonntag im Berliner Sportpalast haben der Herr Reichspräsi­dent und eine große Zahl führender Persönlichkeiten von Reichs- und Staatsbehörden, sowie der SA. und SS. ihr Erscheinen zugesagt. Ansprachen wer­den halten Reichsminister Stabschef R.ö h m und ber Bunbesführer des Kyffhäuferbundes, General ber Artillerie a. D. von Horn.

Lin Sumpfbiber bei Dausenau erlegt

Ein Jagdpächter aus Dausenau erlegte einen Sumpfbiber (Nutria), der sich in der Nähe der Lahn aufhielt. Das Tier war 1 Meter lang und wog 15 Pfund. Es ist möglich, daß es aus einer entfernteren Gegend, wo es in einer Pelztierfarm gehalten wurde, daraus entkam und bis hierher streifte, wo es von feinem Schicksal ereilt wurde.

Der Sohn des Dichters Münchhausen tödlich verunglückt.

Der Sohn des Dichters Börries von Münch­hausen, der 29jährige Diplomlandwirt Börries von Münchhausen, ist auf einer Autofahrt zwischen Halle und Leipzig tödlich verunglückt. In­folge einer Reifenpanne überschlug sich der Kraft­wagen, wobei Börries von Münchhausen so schwer verletzt wunde, daß er während der lieber« sührung ins Krankenhaus in Halle ft a r b.

Seemannslos.

Der NordfeefifchdampferPräsident Rose" kehrte von seiner Jslandfangreise mit Flagge auf Halb- mast nach Wesermünde zurück. Der Dampfer war auf bem Atlantik in einen schweren Orkan ge­raten. Eine befanbers schwere See spülte den Deck­macher Lüders aus Nordenham über Bord. In­folge des schweren Seegangs brach die Ruderkette, durch einen gewaltigen Brecher wurde der Erste Steuermann Reetz aus Nordenham schwer ver­letzt. Das Schiff hat erheblichen Schaden erlitten.

Zwei ungetreue Rechtsanwälte.

Nach einer Mitteilung der Justizpressestelle Berlin ist der frühere Berliner Rechtsanwalt und Notar Max G o l d st ü ck e r auf Grund eines richterlichen Haftbefehls j e ftg e n o in m e n unb in das Unter­

hat, hielt in verschiedenen japanischen Städten Vorträge und betonte habet, daß die Überall- tischen unb bürgerlichen Versuche, den Vormarsch )es Faschismus aufzuhalten, mißlungen feien. Es iebe keinen Staatsmann in Japan, der in der Lage ei, dem japanischen Faschismus eine Ideologie gegenüderzustellen.

Kleine politische Nachrichten.

Der Bundesführer des Stahlhelm, Reichsarbeits­minister Franz Seldte, bittet uns mitzuteilen: Zum Jahreswechsel sind mir aus allen Tellen des Reiches zahlreiche und herzliche Glück­wünsche zugegangen. Da ich infolge dienstlicher Beanspruchung nicht in der Lage bin, allen per­sönlich zu antworten, bitte ich, auf diesem Weg meinen aufrichtigen und kameradschaftlichen Dank entgegenzunehmen.

Der preußische Ministerpräsident und Innenmini­ster Göring suchte am Dienstag gegen 13 Uhr )en Staatssekretär des preußischen Ministeriums des Inneren, Grauert, im Dienstgebaude des Ministeriums Unter den Linden auf, um ihm zum 4 3. Geburtstag feine Glückwünsche persönlich auszusprechen.

DerVölkische Beobachter" veröffentlicht folgende Anordnung des Reichsgeschäftsführers: Gegen das Tragen einfacher Hakenkreuze durch Nichtmitglieder der NSDAP, werden keinerlei Ein­wendungen erhoben. Dagegen ist die Herstellung, der Vertrieb und das Tragen sogenannter Sym­pathieabzeichen verboten.

*

Wie wir aus dem Büro des Stabsleiters der PO. Dr. Robert L e y erfahren, richtet sich der Er­laß über den ständischen Aufbau vom 9. Ja­nuar 1934 selbstverständlich nur an alle Par­te i d i e n st sie l l e n und an alle Partei­genossen. *

Der Thüringische Landeskirchentag wählte mit 51 gegen 3 Stimmen Kirchenrat Sasse zum: Lan- desbischof. Der bisherige Landesbischof D. Reichardt tritt aus Gesundheitsrücksichten am 1. Marz in Den Ruhestand.

Als Festftadt für den diesjährigen Kath o liken- tag ist endgültig Gleiwitz bestimmt worden. Der genaue Zeitpunkt der Tagung wird im Februar aus einer in Berlin stattfindenden Besprechung festge­legt werden. Mt dem Katholikentag wird eine Aus­stellung christlicher Kunst verbunden werden.

Oberbürgermeister Rauscher (Potsdam) hat nach Rücksprache mit dem Regierungspräsidenten einen längeren Urlaub angetreten, nach dessen Ver­lauf er in den Ruhe st and treten wird.

Das deutsche Kriegsopferabzeichen ist von der Regierungskommission im Saargebiet verboten wor­den mit der Begründung, daß die -deutsche Kriegs­opferversorgung politischen Charakter habe.

Der Verwaltungsausschuß der französischen So­zialistischen Partei hat beschlossen, mit der Leitung der Kommunistischen Partei und mit den unabhängigen Kommunisten wegen Schas- > fung einer Einheitsfront zu verhandeln Der , nächste Parteitag, der am 10. und 11. Februar

Wettervoraussage.

Der hohe Druck über dem Festlande beherrscht zunächst noch die Wetterlage, so daß in der kommen­den Nacht weiterhin Frost auftritt. Eine kräftige Störung über dem Nordatlantik hat über den briti­schen Inseln raschen Barometerfall hervorgerufen und dort auch regnerisches Wetter veranlaßt. Da das Barometer auch bei uns fallende Tendenz zeigt, wird sich die Störung östlich ausbreiten und ihre Warmluft nach dem Festland vorschieben, wie be­reits an der Temperaturzunahme in höheren Luft­schichten zu erkennen ist. Der Nachtfrost geht daher allmählich zurück, der Himmel wird vielfach bedeckt sein und späterhin dürfte es auch zu Niederschlägen kommen.

Vorhersage für Freitag: Nacht noch Frost, doch auf kommende Milderung, neblig-wolkig, noch meiffc trocken.

Vorhersage für Samstag: Im allgemei­nen mildes und meist bewölktes Wetter, Neigung zu leichten Niederschlägen.

Lufttemperaturen am 10. Januar: mittags3 Grad Celsius, abends2,6 Grad; am 11. Januar: morgens 4,3 Grad. Maximum 2,3 Grad, Mini­mum 4,8 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 10. Januar: abends0,4 Grad; am 11. Januar: morgens0,7 Grad Celsius.

Amtliche Winterfporlnachrichten.

Vogelsberg: Hoherodskopf: Klar, 9 Grad, 30 cm Pulverschnee, Sportmöglichkeit sehr gut. Herchenhainer Höhe: Starker Rauh- reif,9 Grad, 24 an Schnee, leicht verharscht, Sportmöglichkeit sehr gut.

Sauerland: Winterberg: Klar, 5 Grad, 34 cm Schnee, gekörnt, Sportmöglichkeit gut.

Rhön: Wasserkuppe: Klar, 1 Grad, 35 cm Pulverschnee, Sportmöglichkeit sehr gut.

Alpen:Garmisch-Partenkirchen : Klar, 12 Grad, 28 cm Schnee, gekörnt, Sportmöglich­keit sehr gut._________________________________________________,

Hauptschriftleiter: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Friedr. Will). Lange; für Feuilleton Dr. H. Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil i. V.

Th. Kümmel, sämtlich in Gießen. DA.: 11700,