wäre
hätte schneller sein können. Die öffentliche Meinung, die sich am 6. Februar ganz unverhohlen gegen das Parlament gestellt hatte, ihm eine starke Stütze bei seiner Absicht gewesen, die Regierung aus den parlamentarischen Wechsel- fällen herauszunehmen und dadurch eine stabile Staatsgewalt zu schaffen, daß man der Kammer
die Möglichkeit nahm, ein Kabinett zu stürzen ohne damit rechnen zu müssen, selber aufgelöst zu wer- den. Unter dem noch lebendigen Eindruck der gegen sie gerichteten Volksempörung am 6. Februar wären die eingeschüchterten Parteien vermutlich auch den Resormplänen Doumergues zugänglicher gewesen. Aber inzwischen lind neun Monate'ins Land gegangen und obwohl der Innenminister seine radikalsozialistischen Parteigenossen immer wieder vor dem nur scheinbar schlummernden Volkszorn gewarnt hat, ist man in Parlamentskreisen wieder sorglos und streitlustig geworden. Nur so ist es ver- stündlich, daß die Rad i ka l s o zi a li ste n , der linke Flügel in der Front des Burgfriodenskabi- netts, obwohl sie auf ihrem Parteitag in Nantes den wesentlichen Punkten des Doumergueschen Re- sormplans zugestimmt und ihrem Parteiführer Her- riot vollkommene Handlungsfreiheit eingeräumt hatten, sthließlich doch ausbrachen und damit den Sturz des Kabinetts Doumergue herbeiführten. Die Partei war eben in Wahrheit keineswegs in sich so einig gewesen, wie sie sich in Nantes den Anschein gegeben hatte.
Die Radikalsozialisten, die seit einem Menschen- :• alter Frankreichs politische Geschicke maßgebend beeinflussen, setzen sich, wie es bei einer so großen Partei nur natürlich ist, aus den verschiedensten Elementen zusammen. Bei ihnen auch nur nach einer Spur von Sozialismus zu suchen, wäre vergebliche Mühe, der Parteiname führt durchaus irre, hinter ihm verbirgt sich eine ganz bürgerlich eingestellte republikanische Linke, die die große Masse des gewerblichen Mittelstands, der Bauern und Arbeiter Frankreichs umfaßt. Wer diese Masse hat ün politischen Einzelfragen keineswegs eine einheitliche Meinung. Im Nordwesten, in der Normandie und Bretagne, und in den mittleren Provinzen huldigt man vorwiegend einem abgeklärten, auf Erbauung der Ruhe und Ordnung und daher auch auf Stärkung der Staatsautorität gegenüber den unkontrollierbaren unterirdischen Gewallen bedachten Liberalismus. Im Südosten und Süden dagegen herrscht die schärfere Tonart vor, die sich antiklerikal gebärdet und unter steter Berufung auf die großen Ueberlieferungen von 1789 die wahre Demokratie in einer unumschränkten Parlaments- Herrschaft erblickt. Als man nun auf dem Parteitag in Nantes die Entscheidung über die Haltung der Partei dem Vorsitzenden Herriot zuschob, war diese Taktik ein Kompromiß, das die innere Uneinigkeit der Partei verschleiern sollte. Das Spiel um die Verschiebung der Verantwortlichkeiten begann. Dou- mergue suchte Zeit zu gewinnen und seine Regierung über die Dauer der Kammerauflösung und der Nationalversammlung in Versailles finanziell unabhängig zu machen. Er verlangte deshalb die Bewilligung von drei Haushaltszwölfteln. Diese Forderung des Ministerpräsidenten bot den Radikalsozialisten den Weg ins Freie, sie lehnten ab und lösten damit die ihnen unbequeme Verbindung mit dem reformeifrigen Greis. Sein Nachfolger Fl an-di n, der mit bemerkenswerter Schnelligkeit sein Kabinett beisammen hatte, wird vielleicht ge- ischickter operieren, in der Sache selbst wird er ähnliche Wege wie Doumergue gehen müssen, wenn Frankreich aus der latenten inneren Krise heraus- kommen soll.
Es liegt das auch durchaus im deutschen Interesse, denn eine Politik, die von inneren Schwierigkeiten durch außenpolitische Betriebsamkeit abzulenken sucht, kann unmöglich einer aufrichtigen Verständigung unter den Völkern und einer wahrhaften Befriedung Europas dienen, wie sie Deutschland ehrlich will. Frankreichs neuer Außenminister L a - v a l mag der von Deutschland bevorzugten Methode der direkten Aussprache geneigter sein, als .sein Vorgänger Darthou. Vielleicht deutet darauf hin die Unterredung, die er mit dem deutschen Botschafter in Paris über die Saarabstimmung hatte. Laval hat Wert darauf gelegt, die ausländischen Presseberichte über angebliche Truppenverschiebungen an der französischen Grenze zum Saargebiet zu dementieren. Man wird ihm das ohne weiteres glauben dürfen, denn Truppenverschiebungen bedarf es bei der Stärke der Garnisonen in der französischen Festungszone freilich nicht, um jederzeit einen militärischen Spaziergang in das völlig un- geschützte und von den nächsten deutschen Garnisonen mehrere hundert Kilometer entfernte Saargebiet zu unternehmen. Don französischen Vorkehrungen „als reine Vorsichtsmaßnahmen" hat indessen Frankreichs Botschafter in London dem britischen Außenminister gegenüber nach dessen eigener Mitteilung im Unterhaus tatsächlich gesprochen. Laval hat in der Unterredung mit Köster auf die Möglichkeit einer Intervention angespielt, wenn er feststellte, daß „Frankreich auf keine der Pflichten verzichten wolle noch könne, die ihm in Ausführung feiner internationalen Verpflichtungen dem Völkerbund gegenüber obliegen". Wir haben in der Der» gangenen Woche an dieser Stelle bereits nachgewiesen, was es mit diesen angeblichen „Verpflichtungen" Frankreichs auf sich hat. Der deutsche Botschafter hat ja auch in der Aussprache mit Laval keinen Zweifel darüber gelassen, daß Deutschland die Begebung des Saargebiets durch Truppen eines an der Abstimmung direkt interessierten Landes für völlig unvereinbar hält mit den Bestimmungen des Versailler Vertrages.
Mit den unverhüllten militärischen Drohungen parallel gehen Frankreichs diplomatische Bemühun- aen, das Völkerbundsregime an der Saar auch über den 13. Januar 1935 hinaus zu erhalten. Die französische Propaganda sucht diesen selbstsüchtigen Wunsch den Stimmberechtigten mit dem Schlagwort „Status qUo“ schmackhaft zu machen. Man darf gewiß sein, daß die Saarbeoölkerung in den vergangenen 15 Jahren die Segnungen des Völker- vundsregimes zur Genüge kennengelernt hat, um nicht die geringste Neigung nach einer Verlängerung dieses Zustandes zu verspüren. Die Handelskammer Saarbrücken hat gerade eben in einer Eingabe an den Völkerbund die Oeffnuna der Zollgrenzen nach Deutschland gefordert, weil Frankreich bereits planmäßig damit beginnt, das Saargebiet aus seinem Wirtschaftsgebiet auszuscheiden. Es weigert sich sowohl saarländische Waren zu kaufen, wie der saarländischen Wirtschaft Kredite zu gewähren. Frankreich hat also das Saargebiet in Wahrheit längst abgeschrieben, aber es glaubt, daß ein Pufferstaat unter Völkerbundsregime ihm dienlich sein könnte, wobei es gänzlich verkennt, daß ein solcher zwangsläufig als ewiger Zankapfel zwischen Deutschland und Frankreich Die Verständigung beider Nationen für immer verhindern würde. Wenn der vom Dölkerbundsrat eingesetzte Dreierausschuß, der soeben in Rom tagt, sich auch mit diesen Gedanken befaßt, aus
denen Barthous berüchtigte Denkschrift entsprungen ist, so sei ihm. vom deutschen Standpunkt aus schon heute gesagt' daß für Deutschland nur die vorbehaltlose Rückkehr des Saargebiets zum Reich gemäß dem Ergebnis der Volksabstimmung vom 13. Januar 1935 in Betracht kommt. Versuche, schon jetzt, also vor der Abstimmung, zu Fragen Stellung zu nehmen, die nach den klaren Bestimmungen des Versailler Vertrags erst nach vollzogener Abstimmung zur Debatte stehen, lehnt Deutschland als widerrechtliche Beeinflussungsversuche strikt ab, ebenso wie durchsichtige Bemühungen, durch irgendwelche „Schutzbestimmungen Deutschlands Souveränität über das Saargebiet einzuengen. Der Dreierausschuß muß, wenn man aus seinen bisherigen Handlungen schließen darf, auch ferner sich als wahrer Treuhänder der Saarbevölkerung erweisen und jedes Ansinnen ablehnen, das ihn vom Boden des Rechts entfernen müßte. Darf man hoffen, daß das neue französische Kabinett unter der Führung des Frontkämpfers^ F l a n d l n mehr Verständnis aufbringen wird für eine wahrhaft völkerverbindende Lösung der Saarfrage als die Regierung Doumergue und ihr in den Gedankengängen der Vorkriegsära befangener Außenminister Barthou?
Framois-poncef bei Flanom und Laval.
Paris, 9. Nov. (DNB.) Ministerpräsident F l a n d i n hat am Freitagabend den französischen Botschafter in Berlin, Francois-Poncet, empfangen. Auch Außenminister Laval empfing Francois-Poncet, und besprach mit ihm sämtliche zwischen Deutschland und Frankreich schwebende Fragen. Poncet hatte bisher noch keine Gelegenheit gehabt, mit Laval nach dessen Ernennung zum Außenminister persönlich Fühlung zu nehmen.
„Petit Parisien" meldet: Der französische Botschafter hat den Ministerpräsidenten und den Außenminister über seine letzten Unterredungen mit b en führenden Persönlich-
keitenDeutschlanbsunterrichtet. Francois-Poncet wird demnächst auf seinen Po st en zurückkehren. Das „Journal" behauptet, es wäre ein Irrtum, zwischen diesen Besprechungen und der Aussprache über die Saarfrage, die zwischen Laval und dem deutschen Botschafter fortgesetzt wurden, eine Verbindung Herstellen zu wollen. Der „Excelsior" sagt, es sei der gegenwärtige Stand der deutsch-französischen Beziehungen erörtert worden. Es wäre zwecklos, sich zu verheimlichen, daß diese Beziehungen nicht so befriedigend seien, wie man wünschen könnte. Es bestehe kein Zweifel, daß das Festhalten Frankreichs an den für Frankreichs internationale Politik maßgebenden Grundsätzen Hand in Hand mit dem aufrichtigen Wunsch nach Ausgleich und Aussöhnung gehe. Jedoch müsse dieser Wunsch von Deutschland aufrichtig geteilt werden. Eine deutsch-französische Annäherung, so verwickelt sie auch sein möge, bleibe’ weiter möglich und wünschenswert. Aber sie könnte nicht um denPreisvonZugeständnissenerzielt werden, die mit der Sicherheit Frankreichs und der Achtung seiner internationalen Verpflichtung en unvereinbar wären.
Oie Saarbesprechungen in Rom.
Rom, 9.Nov. (DNB.) Der Dreierausschuß für die Saar hat Freitagvormittag seine vierte Sitzung abgehalten. Der Präsident der Regierungskommission, Knox, nahm heute nicht teil. Behandelt wurden in erster Linie die bestehenden Schwierigkeiten auf wirtschaftlich - finanziellem Gebiet. Hierüber fanden Besprechungen mit den deutschen und den französischen Vertretern statt. Am Samstagvormittag soll die Tagung des Dreierkomitees beendet werden. Einstweilen ist noch nicht klargestellt, ob sofort ein Bericht zur Vorlage an den Völkerbundsrat verfaßt werden wird, oder ob statt dessen für den Augenblick nur einige wichtige Feststellungen schriftlich niedergelegt werden.
Rolhermere an die englische Regierung.
London, 10. Nov. (DNB. Funkspruch.) Lord Rothermere sagt in der „Daily Mail" u. a., der jetzigen britischen Regierung sei der vollständige Wechsel in der internationalen Lage nicht völlig zum Bewußtsein gekommen: „Die lieber- nähme der Herrschaft über Deutschland durch Hitler ist nicht bloßer Regierunaswechsel oder eine Aende» rung des Regimes gewesen. Sie hat die Umwandlung dieses kraftvollen und hochintelligenten Volkes von beinahe 70 Millionen in die gewaltigste nationale Macht der ganzen Welt mit sich gebracht. Niemals in der Geschichte sind Begeisterung und die systematische Organlsation ungeheuerer, menschlicher und materieller Hilfskräfte zu einem solchen Grade der Vollkommenheit gebracht worden, wie im heutigen Deutschland.
Das britische Volk hat weder Neigung noch das Recht, diese Entwicklung der Energien einer großen stammverwandten Rasse zu verübeln. Aber es wäre reiner Wahnsinn, zu behaupten, daß diese Entwicklung nicht zu einer gründlichen A e n d e« rung der ganzen internationalen Lage geführt habe.
Großbritanniens Politik ist friedlich. Wir haben keinen Grund zum Streit mit dem neuen und kraftvollen Deutschland, das eine so eindrucksvolle Hingabe an seine vaterländische Ziele hat. Wir hoffen und glauben vielmehr, daß unsere künftigen Beziehungen zum deutschen Volk Beziehungen der gegenseitigen Achtung und Freundschaft sein werden. Aber wesentliche Grundlage einer dauernden Freundschaft sind Gleichheit und Selbstvertrauen. Wir würden unser Selbstachtung und die Achtung der Deutschen verlieren, wenn wir im Geist nationaler Opferbereitschaft hinter ihnen zurückständen. Die britische Regierung und das britische Volk müssen erkennen, daß der Schutz der Nation, für den wir einen so schmerzlichen Preis bezahlt haben, nur durch stete Wachsamkeit und unermüdliche Kraftanspannung aufrechterhalten werden kann.
Ehrung der Toten —Verpflichtung der Jugend.
Oie Gedenkfeier an der Münchener Feldherrnhalle.
München, 9. Nov. (DNB.) Ein frostig-klarer Vorwinter-Tag hat Regen und Schneetreiben des Vorabends abgelöst. Hell lugt die Sonne über dem festlich-würdigen Gewände, in das sich die Ge- burtsstadt der Bewegung zum Gedächtnis der gefallenen Kämpfer gekleidet hat. Auf allen öffentlichen Gebäuden sind die Flaggen auf halbmast gesetzt. Trauerfahnen und die Fahnen des neuen Reiches, zum Gedächtnis der. Toten mit Flor umwallt, schmücken die Häuser bis in die entferntesten Außenbezirke hinaus. Die Straßenbahnen tragen Wimpel mit Trauerflor. Schon Stunden vor dem Beginn des Traueraktes an der Städte des Blutopfers von 1923 steht das Straßenbild im Zeichen der alten Kämpfer, die in einfachem Braunhemd mit dem Blutorden des 9. November oder bescheidenen Herbstblumen am Gürtel als einzigen Schmuck zu ihrem Sammelplatz eilen.
Die Feldherrnhalle im Trauerschmuck
Im Umkreis der Feldherrnhalle ist der in seiner Einfachheit doppelt eindringliche Schmuck ganz auf die Trauer um die Toten abgestimmt. Von der Residenz, den Hofgarten-Arkadon und den angrenzenden Gebäuden wallt Trauerflor bis zur Erde herab. In 20 schwarz verkleideten hochragenden Pylonen sind die Feuer entzündet, die den Toten zum Gedächtnis in den klaren Himmel lodern. Vor den beiden Fahnenmasten vor der monumentalen Feldherrnhalle leuchten trauerumflort die riesigen Banner der Bewegung.
In der Halle selbst hebt sich im Mittelteil von schwarzem Grund in silbernem Kranze ein gigantisches Hakenkreuz, gleickfalls in Silber, plastisch ab. Auf einer Opferschale auf hohem, schwarzverkleideten Sockel, dessen Stirnseite Silber- und Lorbeerkränze schmücken, lodern die Flammen den Toten zum Gedächtnis empor. An den Stufen, ebenfalls schwarz verkleidet, ist die Rednertribüne errichtet. Das Mahnmal, zum Gedächtnis der Gefallenen am 9. November im Vorjahre feierlich enthüllt, ist mit Lorbeerkränzen geschmückt, lieber der Stätte aber, die das Blut der 16 Gefallenen trank, leuchten weithin die Runen des Sieges zum Zeichen, daß ihr Opfer nicht vergebens war.
Um die Mittagsstunde beginnt der Anmarsch der alten Kämpfer, die das Feldzeichen, das den tragischen Marsch von 1923 begleiteten, die Blutfahne der Bewegung, geleitet von zwei SS.-Füh- ren, an der Spitze mitführen. Ihnen folgen die Verbände der SS. und der HI., deren Fahnen in der Halle selbst Aufstellung nehmen. Mit klingendem Spiel rücken die Verbände der SA. von der Ludwigstraße kommend ein, an der Spitze die Standarten, die die Stirnseite der Halle einnehmen und die siegreichen Feldzeichen, die sich um die Stufen der Halle gruppieren. Vor der Feldherrnhalle nehmen die 200 Angehörigen der Hitler- Jugend und des BdM. Aufstellung, die heute, am Jahrestag des Blutopfers von 1923, feierlich In d i e Partei, SA. und SS aufgenommen werden sollen.
Dem Gedächtnis der Toten
Dor dem Mahnmal stehen ehern und unbeweglich die Ehrenposten der SS. Vor ihnen sammeln sich die führenden Männer der Bewegung und ihre Gliederungen, die als Ehrengäste an dem feierlichen Akt teilnehmen. Man sieht den Reichsführer der SS., Himmler, den Chef des Stabes der SA., Lutze, und den Stabsleiter der PO., Dr. Ley, die aus den Händen des Reichsjugendführers Baldur von Schirach die in die Gemeinschaft der Kämpfer überzutretende Jugend zu übernehmen haben. Um 12.45 Uhr erscheint der Führer, geleitet von seinem Stellvertreter Rudolf Heß.
Dumpfer Trommelwirbel setzt ein, und während der erste der 16 Salutschüsse gelöst wird, die die 16 Gefallenen von 1923 ehren, legt der Führer am Mahnmal einen riesigen Lorbeerkranz mit Schleife in den Farben der Bewegung zum Zeichen des Gedenkens an die Toten nieder. Unter dem Donner des Trauersaluts widmen der Chef des Stabes und der Reichsführer der SS. den toten Kämpfern ihre Kränze, während, von einem plötzlichen Windstoß angefacht, die Flammen in den Pylonen hoch zum Himmel emporlodern. Dann erklingt das Horst-
Wessel-Lied. Der Führer begibt sich mit seinen Begleitern zum Rednerpodium vor der Halle.
Der RejchsjugendMrer Baldur von Schlrach nimmt das Wort, um die bisher von ihm geführte Jugend dem Führer und feinem Treuhänder Nu- dolf Heß in die Hände zu legen. Dabei führte er u. a. aus: Seit Bestehen der Hitler-Jugend ist der 9. November der Tag des Eintritts der Jugend in die NSDAP. Die Wahl gerade des 9. November bekundet den Willen des jungen Deutschland, ein heldisches Leben zu führen, ein Leben der Entschlossenheit und Todesbereitschaft. Daß wir unsere Achtzehnjährigen gerade an dieser ebenso stolzen wie traurigen Stätte in die Partei überführen, bedeutet die Ausrichtung der ganzen jungen Generation auf dieses erhebende Symbol, das ihr die Kraft geben soll, mit der Haltung, die den Märtyrern des Nationalsozialismus eigen war, die harten Aufgaben ihrer Zeit zu meistern. Haltet euch in der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei an die Alte Garde. Sie steht euch innerlich so nahe, wie eure jungen Kameraden selbst, denn die Alte Garde ist die ewige Jugend der deutschen Nation. Rudolf Heß, ich übergebe Ihnen hiermit die in ganz Deutschland angetretenen achtzehnjährigen Hitler-Jungen und einundzwanzig- jährigen BdM.-Mädel und bitte in ihrem Nammen um Aufnahme in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei.
Der Stellvertreter des Führers führt dann u. a. aus: Hitlerjunqen, deutsche Mädchen, die Ihr hier am Denkmal der Gefallenen des 9. November und allerorts in 6täbf«'n und Dörfern des großen Deutschland angetreten seid! Im Namen des Führers nehme ich Euch in weihevoller Stunde und an geweihter Stätte in die Reihen der
NSDAP, auf. Ihr dürft eintreten in die Partei, die Deutschland ist. Die besten Gefolgsmänner dieses nationalsozialistischen Ordens sind berufen, Deutschlands politische Geschicke zu leiten. Ihr sollt als die jüngsten dieses Ordens öle tap- fe r ft e n und aufrichtigsten, die ehrlichsten und leidenschaftlichsten Kämpfer für das deutsche politische Glaubensbekenntnis fein; für den Nationalsozialismus, dessen Künder und Jünger im Orden der NSDAP, geeint sind. Seid Euch stets bewußt, die NSDAP, hat Deutschland aus tiefster Not, aus tiefster Erniedrigung, aus furchtbarster innerer Zersplitterung, aus dem Zustand des Verfalls auf der ganzen Linie hochge- riffen. Künftig wird deutsche Geschichte nicht mehr getrieben werden können, ohne daß dieses deutschen Wunders gedacht wird, ohne daß gedacht damit der Nationalsozialistischen Partei und damit gedacht wird des Mannes, der diese Partei schuf und zum Siege führte: Adolf Hitler! Hitler-Jungen! Deutsche Mädchen! Es mahnen Euch unsere Toten, furchtlos und opferbereit der neuen deutschen Idee zu dienen und Treue zu halten dem Führer. Die Treue zu Adolf Hitler, die Treue zu seinem Geiste ist das Fundament für alle Zeiten, auf dem die nationalsozialistische Bewegung, auf dem damit Deutschlands Zukunft steht. Diese Treue soll Euer Lebensinhalt sein.
Mein Führer! Wir, Ihre alten Gefolgsmänner, die Jugend der NSDAP., zu der Sie jetzt sprechen wollen, wir alle grüßen Sie, wir grüßen Sie an diesem Tag des ernsten Erinnerns dankbar und treu mit dem Kampfruf der Bewegung: Adolf Hitler Sieg-Heil!
Das dreifache Sieg-Heil auf den Führer nehmen Tausende und aber Tausende begeistert auf. Al- Gelöbnis unerschütterlicher Treue pflanzt es sich fort In die Reihen der Tausende, die außerhalb der Sperrlinie dem feierlichen Akt folgen. Dann spricht der Führer.
Der Führer an die jungen parieigenoffen.
Nationalfoziallsten! Nationalsozialistinnen!
In tiefer Ergriffenheit stehen wir heute wieder an diesem Platze. Er ist die Mahnung an die ersten Toten unserer Bewegung, und es ist ein Symbol, daß auf diesem Platze die Vereidigung der Rekruten der Partei stattfindet. Der Platz des Todes wird damit zur Schwur st ätte des ßebenss Und wir können keine schönere Erinnerungsfeier an dieser Stelle abhalten, an der unsere Kameraden einst gefallen sind, als die Vereidigung derjenigen, die sich zu ihrem Werke als deutsche Jugend wieder bekennen.
Ihr werdet, ich weiß es, g e n a u so treu sein, genau so tapfer sein, wie unsere alten Kameraden. Und ihr werdet Kämpfer sein müssen. Denn noch sind viele, viele Gegner unserer Bewegung in Deutschland vorhanden. Sie wollen nicht, daß Deutschland stark sei. Sie wollen nicht, daß unser Volk einig sei. Sie wollen nicht, daß unser Volk seine Ehre vertritt. Sie wollen nicht, daß unser Volk frei sein soll.
Sic wollen es nicht, aber wir wollen es, und unser Dillewicd f i e n i e d erzwingen.
Und euer Wille wird mit uns fein, und ihr werdet mithelfen, den Willen von damals zu erhalten und zu verewigen. Wir werden auch diese Letzten beugen unter diesen Willen.
Wir werden dafür sorgen, daß die Zeit, die diese Opfer einst forderte, in Deutschland nach menschlichen Ermessen niemals wiederkehrt!
Die Partei ist heute nicht etwa am Ende ihrer Mission, sondern erst am Anfang! Sie ist erst in ihre Jugend ein getreten. Und so kommt ihr, meine deutsche Jugend, in nicht Fremdes hinein, sondern die Jugend stößt zur Bewegung der Jugend, und diese Bewegung der Jugend begrüßt euch daher als ihresgleichen. Ihr habt die Aufgabe, mitzuhelfen an der Erfüllung dessen, was die Alten einst erhofften! Ich habe die Ueberzeu- gung von euch, daß ihr, die ihr schon im Geiste dieses neuen Deutschland gewachsen und geworden seid, diese Aufgabe erfüllen werdet, daß ihr ein
gedenk sein werdet unseres alten Bekenntnisses: daß es nicht wichtig ist, daß auch nur einer von uns lebt, aber notwendig, daß Deutschland lebt!
Als der Führer geendet hat, löst sich das Schweigen. Geleitet von den Heilrufen der Taufende verläßt der Führer die Stätte der Feier. Unter klingendem Spiel sammeln sich die Verbände zum Vorbeimarsch andem Mahnmal. Mit dieser Ehrung der toten Kämpfer durch die Kämpfer von heute klingt die Feier aus.
Der Ches des Stabes spricht in Berlin.
Berlin, 9. Nov. In einer Weihestunde, die die Berliner SA. im Sportpalast veranstaltete, führte der Chef des Stabes der SA. Lutze u. a. aus: Ich t)abe in meinem Leben aus eigener Anschauung zwei Kategorien Helden tennengelernt, als ersten den alten Reservemann und Landwehrmann, der Frau und Kind zu Hause lieh und jahrein, jahraus seine Pflicht an der Front erfüllte, jeden Tag kämpfte, um die Grenzen freizuhalten. Dieser Mann, der ohne Aussicht, etwas zu werden oder etwas zu verdienen, feine Pflicht tat, ist für mich der Held des Weltkrieges. Eine Parallele zu ihm sehe ich in einem anderen, dem SA.-Mann, wie er in den ersten Jahren des Kampfes lebte, marschierte, ward, die Straße frei machte und alles tat, ohne etwas zu verdienen, vielleicht auch seine Arbeitsstätte verlor und keine Aussicht sah, etwas zu werden. Das ist für mich der Held des F r e i h e 11 s k a m p f e s um Deutsch* land. Sein Handeln wirkte am besten im Sinne unserer Toten, die uns zurufen: „Klagt nicht, kämpft!" Wir Kameraden wollen kämpfen wie früher in der Zeit der Opposition und des Kampfes, so auch heute in der Zeit des Aufbaues, auf daß es nicht wieder heißen kann, daß Blut umsonst geflossen ist. Wir wollen den Ruf unserer Toten heute erneut zum Schwur machen, und dieser Schwur ist die Parole, die der Führer uns selbst gegeben hat, immer entschlossen zu handeln, immer bereit-


