Samstag, 10. Februar 1934
184. Jahrgang
Nr. 35 Erstes Blatt
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stützung nach links. Um den Preis der Entlassung des bei der Linken besonders unbeliebten Pariser Polizeipräfekten Chiappe, dem man nachsagte, daß er durch die Duldung der Straßendemonstra» Honen den Sturz des Kabinetts Chautemps beschleunigt habe, erkaufte Daladier nun die Stimmen der Sozialisten. Die Männer des Zentrums verlassen das Kabinett, das nun ein ganz nach links orientiertes Gesicht erhält. Die Antwort der öffentlichen Meinung auf diesen allzu parlamentarischen Coup ist der Zug der Frontkämpfer zum Palais Bourbon und die Blutnacht des 6. Februar. Während das Kabinett Daladier in der Kammer mit Hilfe der Sozialisten eine Mehrheit erhält, entscheidet sich auf der Straße bereits sein Schicksal. Dala- dier, der eine Zusammenfassung der politischen Kräfte gewollt hatte, hatte sich in einen eindeutig gegen Rechts gerichteten Kurs hineinmanövriert. Er zieht aus diesem Mißerfolg die Folgerungen und tritt, „um weiteres Blutvergießen zu vermeiden", mit seinem Kabinett zurück.
Nun muß der siebzigjährige Doumergue, ehemaliger Präsident der Republik und mehrfacher Minister, dessen Popularität unbestritten ist, den Retter aus der Not spielen. Sem Ziel ist die Stabilisierung eines politischen Burgfriedens, der ihm und einem von den Führern der großen politischen Gruppen von Rechts bis Links gebildeten Kabinett die Möglichkeit zu durchgreifenden Reformen gibt. Von der eingefchüchterten Kammer wird er alles verlangen können. Denn vor ihr steht zum ersten Mal seit bald sechzig Jahren die Drohung mit dem Auflösungsdekret, mit dem Doumergue winken wird, sobald die Kammer ihm Schwierigkeiten machen sollte. Das beleuchtet das Außergewöhnliche der politischen Lage. Denn seitdem der sich als Platzhalter der Monarchie fühlende Marschall-Präsident Mac Mahon 1877 die Kammer auflöste, um die Konservative Partei gegen die Republikaner wieder zur Macht zu bringen, worüber er allerdings selber zu Fall gekommen rst, haftet der Kammerauflösung, die verfassungsmäßig der Präsident mit Zustimmung des Senats vornehmen kann, der Geruch des Staatsstreiches an und man hat von diesem letzten Hilfsmittel seitdem nie mehr Gebrauch gemacht. Doumergue wird vermutlich nicht davor zurückschrecken, aber er wird Neuwahlen wohl erst ausschreiben, wenn : die Erregung über die blutigen Ereignisse dieser ; Tage verebbt sind. Dam Ergebnis dieser Wahlen > wird es dann abhängen, ob Frankreich imstande sein t wird, verfassungsmäßig eine Reform seines Regie- f rungssystems durchzuführen, die die Auswüchse und i Verfallserscheinungen beseitigt, ohne die Grundsätze > zu verletzen.
Zwei Polizisten wurden mit schweren Bauchverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert.
Um 23 Uhr verlegten die Manifestanten ihr Tätigkeitsfeld mehr auf die Boulevards. Das Rathaus des 11. pariser Bezirks wurde von ihnen umzingelt und die Fensterscheiben eingeschtagen. Doch konnte das Gebäude durch heranrückende Polizei schnell entsetzt werden. An die St. - A mbroise - kirche wurde von den Kommunisten Feuer gelegt; der
Brand konnte jedoch bald gelöscht werden. Polizeistreifen durchziehen die verschiedensten Stadtviertel, um Gruppenbildungen zu verhindern. Alle irgendwie verdächtige Personen werden angehalten und auf Waffen untersucht. Der autonome B e» amtenoerbanb hatte seine Anhänger ausge» fordert, sich an den kommunistischen Kundgebungen zu beteiligen. In geschlossenem Zuge zogen 800 Mitglieder dem Platz der Republik zu; sie wurden unterwegs von einem starken polizeilichen Absperrungsgürtel aufgehalten undvertrie- b e n. Hierbei sind viele Teilnehmer verletzt worden.
Der Polizeiordnungsdienst ist nach Mitternacht wieder aufgehoben worden. Die kommunistische Revolte, als die die Unruhen am Freitag anzu- sprechen sind, ist niedergeschlagen roor-
verössentlicht eine Erklärung, in der mit Bedauern festgestellt wird, daß die Regierung Doumergue nur ein Behelssmi11el ohne Bestand und eine Einigung der Parteien ohne geheiligten Charakter sei. V,n ihr säßen hochachtbare Persönlichkeiten zusammen mit politischen Geschäftemachern und Neusozi- a l i ft e n , die der roten Fahne dienten. Es handele sich also nur um einen Notverband für d i e schwärenden Wunde. „Wir wollen diesen Notverband nicht abreißen", heißt es in der Erklärung weiter, „aber wir bleiben auf der Hut und machen uns bereit, das fressende Geschwür, das bald aufbrechen wird, vollends zu säubern." Die Erklärung schließt mit einem Aufruf an die Feuer- kreuzler, sich bereit zu halten „für den Rus des Vaterlandes an die ehemaligen Frontkämpfer'.
Oie Kabinettsliste.
p a r i s, 9. Febr. (havas.) Der mit der Kabinettsbildung beauftragte ehemalige Präsident der Republik Gaston Doumergue hat folgende Minister- liste bekanntgegeben:
Ministerpräsident: Gaston Doumergue.
Staatsminister: Andre Tardieu, Abgeordneter der republikanischen Mitte.
Staatsminister: h e r r i o t, radikalsozialistischer Abgeordneter.
Auswärtige Angelegenheiten: Barthou, Senator der demokratischen und radikalen Bereinigung.
Justiz: C h e r o n, Senator (parteilos).
Inneres: Satt auf, Senator (Radikalsozialist).
Krieg: Marschall p 6 t a i n.
Kriegsmarine: p i e t r i, Abgeordneter der demokratischen Linken.
Luftfahrt: General De na in.
Finanzen: Germain Martin, radikalsozialistischer Abgeordneter.
Unterricht: Berthod, radikalsozialifilscher Abgeordneter.
handel: Lamoureux, radikalsoziaNstischer Abgeordneter.
Landwirtschaft: Queuille, radikalsozialiftischer Abgeordneter.
Oeffentliche Arbeiten: Flandin, Abgeordneter der demokratischen Linken.
Arbeit: Marquet, neusozialistischer Abgeord- neter.
Handelsmarine: B e r t r a n d.
Kolonien: Laval, Senator (parteilos).
Volkswohlfahrt: Marin: Abgeordneter der demokratischen Vereinigung.
Pensionen: RivoNet, ehemaliger Frontkämpfer (Richtparlamentarier).
Post: Mal lärm 6.
Ooumergues Kabinett der öffentlichen Wohlfahrt Oie Regierung vereinigt Männer aller Gruppen von der Rechten Marins bis zu den Reufoziallsten.-Herriot und Tardieu Minister ohne Portefeuille.-Barthou Außenminister,
Ministerpräsident Doumergue stellte dem Prast- benten ber Republik Freitagabend seine Minister- kolleqen vor. Beim Verlassen bes Elysäes erklärte ber Ministerpräsibent, bie neuen Minister würben ihre Aernter noch heut e ü b e r n e h m e n. Er werbe sich als Ministerpräsibent im Gebaube bes Außenministeriums nieberlassen. Am Samstagnach- mittag finbet im Quai b'Orsay ber erste Äabinetts» rat statt. Die Regierung wirb sich am na d) |t e n
Paris, 10. Febr. (DNB.) An verschiebenen Punkten ber Stabt ereigneten sich am Freitagabenb heftige Zwischenfälle. Kommunistische Kunbgeber setzten ber Auslösung ihrer Züge durch die Polizei Widerstand entgegen. Zn den östlichen Dororts- straßen, namentlich am Boulevard Bellevllle, behaupteten die Kommunisten sich auf ber Straße. Aus den Fenstern wurde bie Polizei mit Blumentöpfen heftig beworfen. Auch in den Q st b a h n h o f brangen Demonstranten ein unb begannen dort zu plündern. Polizei und Feuerwehr eilten herbei, unb es kam zu heftigen Zusammenstößen. Manifestanten haben bie in ber bärtigen Gegenb gelegene S t. Iosefskirche in Brand ge st eckt.
Um Mitternacht ist es der Polizei überall gelungen, der Ansammlungen und der Aufstands- versuche Herr zu werden. Rur an der Porte S t. M a r t i n, wo die Kommunisten ihr Hauptquartier ausgeschlagen zu haben scheinen, war es unmöglich, ein Lokal auszuheben, aus dem sie fortwährend mit Waffen und Lebensrnitteln versorgt wurden.
Die Polizei mußte dreimal gegen sich immer wieder bildende Gruppen von 50 bis 100 Mann anrücken, bie von ber Schußwaffe Gebrauch machten. Auf beiden Seiten werden zahlreiche Verletzte gemeldet.
publik geleitet. Die Väter ber „action fran<;aise hatten nach einem klugen Wort Walter F r a n k s, bem wir ein grunblegenbes Werk über Nationalismus unb Demokratie im Frankreich ber Srithm Republik oerbanten, ihren Jungem nicht Dolche, fonbern Febern in bie Hanb gegeben. Weber Karres noch Maurras ober Daubet haben es vermocht, bie Massen zu erreichen Niemanb von ihnen hat bis heute bie Fähigkeit aktiver politischer Ge- Haltung bewiesen, bie in Italien einen lNussouni, in Deutschlanb einen Abvif Hitler zur politischen Macht geführt hat. .. ,
Der „action frangaise“ unb bem 1925 von ihr ab- gefpaltenen französischen Faschismus einerseits, wie bem nicht minber bebeutungslosen Kommunismus gegenüber hat sich die große Mehret des französischen Volkes noch immer für das Festhalten an der staatlichen Willensbildung mittels des demokratischen Majoritätsprinzips entschieden. Der Staat soll nichts anderes sein ^s die Bürgerschaft und der von ihr beauftragte Unterhändler ist der Abgeordnete, der mit aller Macht ausgestattet sein soll, um die Interessen seiner Wähler wahrnehmen zu können. Das persönliche Verhältnis des Abgeordneten zu seinen Wählern, das in Frankreich nicht durch straffe Parteiorganisationen und Fraktionszwang durchbrochen wird, macht den Abgeordneten selber, nicht die Partei, zum Angelpunkt des politischen Systems. Daher resultiert denn auch die Emp indlichkeit des Bürgers für politische Korrup- tionsaffären wie den Staviskyskanbal, der ja nicht nur hohe Beamte, sondern auch eine Reche von Abgeordneten schwer belastete. Der der Verwaltung gegenüber stets mißtrauische Citoyen sieht sich schmählich getäuscht, wenn er erfahren muß, daß der Abgeordnete, den er mit der Kontrolle der Verwaltung beauftragt hat, mit denen unter einer Decke steckt, die aus der Politik em Geschäft machten. Wenn nun bie Empörung des Burgers über den Korruptionssumpf, den der Staviskyskandal auf- gedeckt hat, sich in einer Weise Luft macht, bie an bie ©runbfeften des Staatssystems zu rütteln scheint, so Dürften die Ursachen für diesen ungewöhnlichen Ausbruch ber po »tischen Leidenschaften wohl in der Nervosität zu suchen fein. Die anae- sichts Der außen» wie innenpolitischen Lage Die • Franzosen erfaßt hat unD Den Rus «ach einer „Regierung Det starken HanD oerftanD ■ lieft erscheinen läßt. ... m
! Das Werk Clemenceaus unD Pomcar^sDie mVer- . sailles errichtete unb Durch Die rücksichtslose Politik , Der Nachkriegsjahre gesicherte Hegemonie , Frank» • reichs im kontinentalen Europa, steht heute n ch . mehr unerjchüttert Da. Die Solidarität Der Sieger
mächte von 1918 ist längst Dahin. Die BunDesgenos- | jen von einst haben ihre eigenen Sorgen unD be- i greifen immer weniger Das BeDürsnis Des bis an ' Die Zähne bewaffneten, von einem uneinnehm- i baren Festungsgürtel umgebenen Frankreich nach : weiteren Sicherheiten unb Garantien für bie Erhaltung bes Status quo. Die Vasallen im Osten unb Sübosten, einst als Klammer zur ewigen Nieber- haltung ber Besiegten gebucht, gehen ihre eigenen Wege unb schließlich schafft Die nationalsozialistische Revolution in DeutschlanD aus einem Demoralisierten, an seiner Zukunft verzweifelnDen Volk eine selbstbewußte Nation, Die ihr Lebensrecht forDert. Dieser oeränDerten außenpolitischen Lage sieht sich Frankreich in einer inneren Verfassung gegenüber, Die keineswegs Der robusten Kraft entspricht, mit Der man nach außen hin graDe in Diesem Augenblick gern auftreten möchte. Obwohl Frankreich Dank seiner günstigen wirtschaftlichen Struktur von allen Großmächten am wenigsten von Der Weltwirtschafts- krisis zu spüren bekommen hat, sieht es heute Doch in vielen Zweigen Der französischen Wirtschaft keineswegs rosig aus. Schlimmer noch ist Die Lage Der Staatsfinanzen. SeitDem Der Strom Der Deutschen Tributzahlungen versiegt ist unD Der französische Steuerzahler in höchsteigener Person für Die ungeheuren Rüstungsausgaben aufkommen muß, Die Die gänzlich unbegrünDete, aber von einer profitgierigen : RüstungsinDustrie unD Der ihr hörigen Presse im- . rner roieDer genährte Furcht vor einer Deutschen : Revanche ihm auferlegt hat, feitDem laborierte jebe . Regierung an bem Loch im Staatssäckel, ohne ben I Mut zu finben, burch brakonische Steuer- unb Spar- ) mahnahmen ben Haushalt auszugleichen.
j Dabei würbe infolge Der Zusammensetzung Der - Kammer, in Der sich rechts unD links ziemlich Die Waage halten, eine Kabinettsbildung immer schwieriger, je schneller Die Regierungen sich verbrauchten. Da Die Sozialisten Läon Blums eine VerbinDung mit bürgerlichen Parteien stets abgelehnt hatten, waren Die RaDikalsozialisten Herriots immer auf eine Unterstützung von Gruppen Der Mitte angewiesen. Nicht anDers lag es auf Der Rechten. Nachdem Das Kabinett Chautemps über Den Sta- viskyskanDal zu Fall gekommen war, hatte Dala - Dier eine Regierung zu bilDen versucht, Die von Den eigenen RaDikalsozialisten bis zur Gruppe Tar- bieu hinübergriff. Aber sein Kriegsminister Oberst Fabry, ber ber Tarbieu-Gruppe angehörte, würbe von seiner Partei ausgeschlossen, auf bie 66 Stimmen ber Linksrepublikaner Tarbieus war also nicht zu zählen. Da machte Dalabier mitten im Kampf bie kühne Schwenkung, Die seinem Kabinett bas Leben kosten sollte. Er wanbte sich um Unter-
Oie starke Hand.
Die ungemein brastischen Vorgänge in Paris, Die mit Dem Stavisky-SkanDal begannen unD in Der Blutnacht vom 6. Februar ihren Höhepunkt erreichten, könnten Die Meinung aufkommen lassen, als ob sich Frankreich am VorabenD Der Revolution befänDe, aber nichts Deutet in Wahrheit Darauf hin. Daß Die Franzosen von einem tiefgreifenDen geistigen Umbruch ergriffen seien, ähnlich Dem, wie ihn etwa DeutschlanD in Den Dem DenfmürDigen 30. Januar 1933 vorausgegangenen beiDen Jahren Durchgekämpft hat. Die berechtigte Empörung Des , in wirtschaftlich mageren Jahren in puncto GelD besonDers empfinDlichen Steuerzahlers über gewisse Korruptionserscheinungen Des Demokratisch - parla- 1 mentarischen Systems hatte eine Atmosphäre geschaffen, Die Die verschieDensten extremen politischen Gruppen, einzeln beDeutungslos unD ohne jeDe Gemeinsamkeit in Programm unD Ziel, für ihre rein propaganDistischen Zwecke auszuschlachten versucht haben. Man ist also, wie Das Der geheiligten TraDition Des Pariser Pflasters unD Dem Temperament Der Pariser entsprach, auf Die Straße gegangen als ehrbarer Bürger, Der feinem Deputierten einmal vor Augen führen wollte, Daß er nicht länger Lust habe, seine sauer erworbenen Spargroschen Dem Moloch Korruption in Den Rachen zu werfen. Erst als Die Kammer Die Warnung nicht zu begreifen schien unD nun politische Agitatoren raDikalster, wenn auch ganz entgegengesetzter Färbung Den Demonstrationen Stoßkraft unD Richtung gaben, wurDe Die Sache ernst unD sie enDete in Der Katastrophe Der Schreckensnacht Des 6. Februar, als Die zur Unterstützung Der Polizei aufgebotene republikanische GarDe keinen Spaß oerftanD unD sich gegen bie rücksichtslos vorgehenben Demonstranten mit ber Waffe wehrte. So arteten bie Demonstrationen für Sauberkeit unb Drbnung im Staatsleben in erbitterte Straßenkämpfe politischer Extremisten unb schließlich in wüste Plünberungen Des Janhagels unD lichtscheuen DerbrechergesmDels Der WeltstaDt aus. Diese Orgien eines zügellos ge- worDenen Pöbels haben Den um seinen Besitz bangenDen, Ruhe unD DrDnung liebenDen Bürger von Paris gewiß schneller zur Besinnung gebracht, als Das scharfe Auftreten Der Polizei, Die auch unbewaffnet DemonftrierenDe Frontkämpfer nicht geschont hatte unD Damit zur Verschärfung Der Lage erheblich beigetragen hatte.
Ein scharfer Beobachter Der politischen Psyche seines Volkes behauptet. Daß neben Der Bejahung der Volkssouveränität in Den meisten Franzosen Der Dritten Republik als zäher Rest aus Der Vergangenheit eine unverbesserliche Neigung zum Absolutismus unD Die immerwährenDe Sehnsucht nach einer Regierung Der starken HanD lebe. Dieser latente Antiparlamentarismus wirkt natürlich paraDox in einem LanDe, Das ja geraDe Den Parlamentarismus über alles setzen wollte. Im Gegensatz zur parlamentarischen Auffassung Der Republik, welche bie Autorität als Gefahr betrachtet, halt ber Bonapar- Hsmus qerabe bie autoritative Regierungsform innerhalb des republikanischen Systems für Das Richtige unb biefer Geist lebt frei von Orgarufatio- nen im sranzosischim Volk fort, um 3«‘ 3“ 2»it in eruptiven Manifestationen an die Ober, «ach- zu kommen. Das sind keine G-dank-ngang-, di- aus der augenblicklichen Lag- Frankreichs ge- kolaert sind, fonbern Betrachtungen, die Jahre zurückliegen und nur in den Vorgängen der letzten Tage ihre Bestätigung gefunden haben. Sie sind also die beste Warnung, di-fe Ereignisse etwa als einmalige revolutionäre Erscheinungen auszufassen, die einen grundlegenden Wandel der politischen An- schauungen in Frankreich und einen Wechsel politischen Systems ankundig-n konnten Was hier -tmas summarisch als „Bonapartismus bezeichnet wurde, ist im Lause der wechselvollen Geschichte der dritten Republik stets bann in Erscheinung getreten wenn es durch Skandalasfären offenbar wurde^ daß die Kammer ihr Amt als Vollzugsorgan der Volks- fouveränität allzu kratz zu privaten Geschäften mißbraucht hatte. Aber nicht einmal der Panama- standal, noch die Dreyfusaffare haben vermocht, den antiparlamentarifchen Kräften zu einer polih- fthen Macht von Dauer zu verhelfen.
Die R o y a I i ft e n ber äußersten Rechten fmb in Der Literatur steckengeblleben. Maurice Bar r ö s Charles Maurras unD Läon DauDet, Der Sohn Des berühmteren Alphonse, haben m Den Kreisen Der französischen Intelligenz einen nige» rinnen Einfluß gehabt, aber wenn man sie auch als gefftreiche Schriftsteller schätzte als Poll ikerstan- Den sie niemals ernsthaft zur Debatte. Als sie be- Ä? ä'ÄÄ °°rli°h b« “^'3^
ML-LWH men nennt Maurras di- Aufgabe der geistigen Esite des französischen Volkes deren E ob S täF&Etä der
nationalistischen unb ant,Parlamentär,,chen Up Position, Erst langsam wieder vermach e st- sch wieder Gehör zu schaffen durch, die En-ndung der Leitung „L’Action Fran?aise“ 1908 und die gi-i-y zeitige Aufstellung einer ungemein rührigen Propagandatruppe aus Stuöcnten jungen und Angestellten, der „camelots du ro! . rer krieg hob bie Männer ber „action 'runkse zu-iN-r volitilchen Macht, Poincarö debiente sich ihrer, um seine Gegner Coillaux und Malvy SU stürzen. Aber wie schon in den vorausgegangenen Jahren WU die günstige Stunde der Machtergreifung versaumü Aus der von der „action fran{a,se“ -ntf-ff-lt-n ftrifis stieg Elemenceau als Diktator empor, der nationalistische Strom wurde in das Bett der Re>
Schwere kommuMche Revolie Mag nach! von der Polizei niedergeschlagen.
Zwei Kirchen in Brand gesteckt. — 800 Verhaftungen. — 32 Polizisten vei^eht.
Donnerstag bem Parlament oorstel - 1 e n. ,.f.
Das neue Kabinett umfaß vier Senatoren, zwölf Abgeorbnete unb vier Nichtparlamentarier. Hinter ben vier Senatoren sinb zwei Mitglieber ber Demokratischen Linken, ein Mitglieb ber Demokratischen unb Rabikalen Vereinigung unb ein parteiloser Senator. Von ben zwölf Abgeorbneten, bie bem Kabinett angehören, sinb fünf Rabikalsozialisten, ein Neusozialist, zwei Mitglieber ber Rabikalen Linken, zwei Linksrepublikaner, ein Mitglieb ber Repu- blikaniscken Mitte unb ein Mitglieb ber Republikanischen Verenigung.
Oie Fronckämpser warten ab
Paris, 10. Febr. (DNB.-Funksproch.) Der Vor- sitzenbe ber Frontkämpfervereinigung „Feuerkreuz'


