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Jonnes Geheimnis

Roman von Klothilde von Stegmann

Llrheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Derlag Halle (Saale)

29 Fortsetzung Nachdruck verboten!

Regen Sie sich nicht auf, Seeburg. Hier ist das Schriftstück. Was mich wundert, ist nur, daß es aus der Mappe herausgerissen ist. Ich kann mir nicht vorstellen, daß Sie das gemacht haben?"

Heftig kam Seeburgs Antwort:

Nein, hab' ich auch nicht! Sie wissen doch, wie wichtig die Sache ist. Aber wer hat es denn heraus­gerissen?"

Werbet trat wieder dicht an Seeburg heran:

Um das festzustellen, bin ich hier, Herr Lega­tionsrat. Und um festzustellen, wer Ihnen den Schlaftrunk in den Kaffee getan hat... Haben Sie einen Verdacht?"

In Seeburgs Gesicht spiegelten sich widerstrebende Empfindungen. Seme Augen wurden matt und glanzlos Die Lippen preßten sich aufeinander. Und langsam stieg eine Röte in seine Stirn. Ohne Wer­be! zu beachten, fragte er:

Matzow, sind Sie sicher, daß nichts Wesentliches fehlt?"

Aber, lieber Seeburg, ich habe doch die Akten noch gestern in der Hand gehabt. Sie können sich darauf verlassen, daß nichts fortgekommen ist. Ich habe genau nachgeprüft. Das einzig Rätselhafte ist für mich, daß dieses Schriftstück herausgerissen ist..."

Herr Kommissar", jetzt erst wandte sich See­burg an Werbel,Sie haben mich gefragt, ob ich einen Verdacht habe? Nein, ich habe keinen Ver­dacht!"

Man sah es Werbel an, daß diese Antwort ihm unerwartet kam.

Der Arzt mischte sich jetzt ein:

Der Patient muß jetzt etwas Ruhe haben. Wir wollen uns zurückziehen. Vielleicht kann Fräulein von Merten bei ihm bleiben. Ich komme in einer halben Stunde wieder heran. Herr von Seeburg braucht jetzt nichts als etwas Ruhe."

Werbel überlegte einen Moment.Natürlich kann Fräulein von Merten bei ihm bleiben. Fräulein von Merten", rief er laut. Irene kam blaß und zitternd.Fräulein von Merten, der Herr Sanitäts­rat muß fort. Würden Sie eine Weile hier bei unserem Patienten bleiben?"

Gern, wenn Sie es gestatten?"

Irene warf einen scheuen Blick auf den Kom­missar, dann auf Seeburg, der erschöpft, mit ge­schlossenen Augen, dalag.

Ich gestatte es. Nur muß ich Sie bitten, dies Zimmer hier nicht zu verlassen, und zu klingeln, falls Sie Unterstützung brauchen, damit ein Beam­ter kommt." ,

Matzow versprach, sofort nach Dienstschluß See­burg wieder aufzusuchen, und die drei Herren ver­ließen das Zimmer.

Irene setzte sich leise neben Seeburg. Sie hörte an seinem ruhigen und leisen Atmen, daß er schlief. Aber er schlief wie ein Genesender, nicht wie ein Kranker. Mit einem schmerzvollen und befreiten Lächeln bewachte Irene den Schlaf des geliebten Mannes.

Im Zimmer nebenan hörte sie das Telephon läuten. Gemurmel einer Männerstimme gab die Antwort. Die Vorsaaltür schlug zu, jetzt gingen wohl Matzow und Doktor Fritsche. Zum ersten Male seit ihrer nächtlichen Fahrt konnte Irene die Ereignisse der letzten Nacht in Ruhe überdenken.

Zwei Minuten mochte Seeburg fest geschlafen haben. Dann fuhr er in die Höhe. Irene trat zu ihm.

Sie hier, Fräulein Irene? Ich bin noch immer etwas wirr. Liebes Fräulein Irene, wollen Sie mir einen großen Gefallen tun?"

Aber natürlich, Herr von Seeburg! Sagen Sie mir nur, was ich tun soll!"

Seebura flüsterte:

Nicht darüber sprechen, Fräulein von Merten! Gehen Sie ganz leise bis zur Tür neben meinem Schreibtisch. Werbel darf nichts merken. Sehen Sie, ob die Tür zu Aoonnes Zimmer verschlossen ist."

Irene zuckte unter einem jähen Schreck zusam­men. Mit einem Ausdruck tiefen Leides ging sie leise zur Derbindungstür. Sie drückte auf die Klinke. Die Tür gab nach. Gespannt war Seeburg ihren Bewegungen gefolgt. Als er das Oeffnen der Tür sah, kam ein weher Laut von seinen Lippen.

Wissen Sie, Fräulein von Merten, wo Fräulein Dumont ist?"

Leise erwiderte Irene:

Berta sagte mir, daß sie heute überraschend zeitig fortgegangen ist."

Unhörbar hatte Irene die Tür wieder geschlossen und flüsterte, blutrot übergossen:

Der Zimmerschlüssel steckt bei Fräulein Dumont. Soll ich ihn herausziehen und von hier aus ab­schließen?"

Ja, tun Sie das, Fräulein von Merten, und haben Sie vielen Dank. Aber ich bitte Sie, schwei­gen Sie darüber. Ich erkläre Ihnen alles später, wenn ich es erst selbst verstehe."

Es klopfte an die Tür. Hastig steckte Irene den Schlüssel in die Tasche ihres Morgenkleides. Kom­missar Werbel sah ins Zimmer.

Ah, Sie sind munter, Herr von Seeburg? Der Arzt hat eine Krankenschwester geschickt, die Sie betreuen soll. Sie wird Fräulein von Merten ab­lösen."

Dk Hille gegen Gicltf und Rheumalisnins

Sie wissen kein sicheres Mittel gegen diese Plage­geister? Einreibungen, Packungen, Bäder, Salben usw. lindern meistens nur für einige Zeit die Schmerzen, aber sie packen nicht immer das Uebel an der Wurzel.

Ich empfehle Ihnen ein wirklich erprobtes Mit­tel, und Sie sollen es selbst versuchen, ohne daß es Sie etwas kostet; aber ehe ich Ihnen mehr sage, lesen Sie die folgenden Briefe:

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so weit, daß ich ohne Stock kaum noch gehen konnte. Da las ich etwas von Gichtosint. Als ich eine Woche diese Kur durchgemacht hatte, konnte ich schon den Stock in die Ecke stellen. Nach vier Wochen war ich vollständig geheilt und konnte die schwerste Arbeit in der Landwirtschaft mitmachen. Auch bei Wetter­umschlag spüre ich nichts mehr. Ich gehe in land­wirtschaftliche Stellung, welches mir früher meine Gesundheit nicht erlaubte. Ich danke Ihnen für die erfolgreiche Kur usw. A. Z. in B.

Ich kann nicht umhin, Ihnen meinen herzlichsten Dank für die ausgezeichnete Wirkung der Gichtosint- Tabletten bei Rheumaleiden auszusprechen. Ich bin

19. JlüptieL

Kriminalkommissar Werbel hatte mit seinen Ge­hilfen inzwischen eine eingehende Tätigkeit entfaltet. Zunächst hatte er die beiden Vorderzimmer ein­gehend inspiziert, aber nichts Verdächtiges finden können.

Im Zimmer Wafsiliews waren ihm die vielen photographischen Abzüge ausgefallen. An den Land­schaftsaufnahmen aus der Umgegend Berlins hatte Werbel kein Interesse. In Bertas Zimmer sah man nur flüchtig hinein. Die Nebenräume und die Küche dagegen wurden einer genaueren Untersuchung ge­würdigt, natürlich ergebnislos.

Gründlicher sah sich Werbel in Irenes Zimmer um. Dem geübten Blick des Kriminalisten fiel es auf, daß die weiße Decke, die auf dem Toilettentisch lag, eine leichte Erhöhung zeigte. Werbel fühlte, als er die Stelle abtastete, daß Papiere unter die Decke geschoben waren.

Wachtmeister Schulz, räumen Sie mal behut­sam diese Flasche und diese Schälchen beiseite. So, nun schlagen Sie die Decke zurück! Halt. Nicht an­fassen."

Ein dünner Briefumschlag war frei geworden. Werbel zog ein Blatt Papier aus der Tasche, mit dem er sorgsam das Kuvert aufnahm, ohne es mit den Fingern zu berühren. Unter den neugierigen Blicken des Wachtmeisters Schulz öffnete er, immer unter Beobachtung der gleichen Vorsichtsmaßregeln, den nicht verschlossenen Umschlag. Hauchdünne Pa­piere kamen zum Vorschein, die, in Größe eines Visitbildformats, photographische Kopien zeigten. Das war auf den ersten Blick ersichtlich, denn die Ränder waren heller. Eins der Blätter war leicht beschädigt.

Im Zimmer von Wassiljew hatte Werbel ein starkes Vergrößerungsglas gesehen. Schnell holte er es herbei und stellte dann sofort eine telephonische Verbindung mit dem Auswärtigen Amt her. Dort verlangte er Herrn von Matzow, der sich auch so­fort meldete. Werbel sprach sichtlich aufgeregt.

Herr Legationsrat, hier ist Kriminalkommissar Werbel in der Mert^nschen Wohnung!"

Matzow unterbrach sofort mit der Frage:

Geht es Seeburg etwa schlechter?"

Nein, nein, keineswegs! Es ist etwas anderes. Sie sprachen vorhin von einem wichtigen Akten­stück, das auffallenderweise aus der Mappe heraus­gerissen war. Sie bezeichneten es als so wichtig, daß Sie es auch mir nicht zeigen wollten!"

Ja! Was ist damit?"

Verhaltener Triumph klang aus Werbels Stimme: Eine photographische Verkleinerung eben dieses Aktenstücks habe ich gerade gefunden. Die beiden Heftlöcher sind auch auf der Photographie als ein­gerissen erkenntlich. Das photographierte Schrift­stück beginnt mit den Worten:

In Anwesenheit der nachstehenden Vertreter des Auswärtigen Amts und des Reichswehrministeriums fand heute am 12. November..."

alle Schmerzen los, ja selbst die Schwellungen im Hüft- und Kniegelenk sind verschwunden, und kann bei meinem Alter von 64 Jahren jetzt bei jedem Wetter täglich Fußmärsche von drei bis vier Stun­den ohne Unterbrechung unternehmen und ohne hernach Schmerzen oder Anstrengungen zu ver­spüren. F. L. in G.

Gichtosint hat mir sehr gute? Dienste getan. Der letzte Rheumaanfall im Januar tf. I. war nach kurzem Gebrauch der Trinkkur behoben. Ich habe nach zehnjährigem Leiden einen angenehmen Winter ver­leben dürfen, wofür ich Ihnen von Herzen dank­bar bin. O. I. in F.

Lesen Sie nicht weiter, Herr Kommissar! Deran« lassen Sie sofort die Sicherstellung der Photogra­phien. Ich werde augenblicklich dem Herrn Minister oder seinem Stellvertreter dienstlich Meldung er­statten, und entweder ich oder ein anderer Vertreter des Auswärtigen Amts wird sofort zur Tatstelle kommen. Mir ist zwar die ganze Geschichte uner­findlich oder wo haben Sie denn den Fund ge­macht?"

Im Zimmer Fräulein von Mertens, von der ja auch offensichtlich die ganze Sache ausgeht. Sie hat dem Freiherrn von Seeburg im Kaffee ein Be­täubungsmittel gegeben und dann die Papiere ent­wendet. Ich werde mir sofort die Genehmigung zur Festnahme telephonisch erbitten."

Ich glaube, Sie sind auf dem Holzwege Herr Kommissar! Erklären kann ich mir die Sache zwar nicht, aber ich holte Fräulein von Merten keines- falls für die Täterin. Unternehmen Sie nur nichts Voreiliges, ehe ich dort bin."

Werbel hängte an, rief sofort bei dem Polizei­präsidium an und erstattete dort kurzen telephoni­schen Bericht. Er erhielt die Ermächtigung, alles Geeignete zu unternehmen. Man würde sobald als möglich auch vom Präsidium aus einen höheren Be­amten entsenden.

Sorgfältig brachten Werbel und Wachtmeister Schulz den Briefumschlag wieder an seinen Platz, legten die Decke gerade und stellten die kleinen Toi­lettengegenstände so darauf, daß der Tisch völlig unberührt schien. Dann wurde Wachtmeister Schulz zum Protokollführen an den Tisch gesetzt und Irene hereingerufen.

Nachdem sie Platz genommen hatte, sagte Werbel in - harmlosem Ton:

Fräulein von Merten, ich habe Sie vorhin ge­beten, ein offenes Geständnis abzulegen. Haben Sie sich inzwischen meine Frage überlegt? Wollen Sie nicht durch eine 'offene Aussage Ihre Lage ver­bessern?"

Ruhig und mit fester Stimme kam die Antwort Irenes:

Haben Sie Ihren unsinnigen Verdacht gegen mich immer noch nicht aufgegeben? Ich bin keine Giftmischerin, und ich könnte mir auch nicht vor­stellen, aus welchem Grunde ich Herrn von Seeburg ein Betäubungsmittel geben sollte?"

Vielleicht gab es im Zimmer des Herrn Lega­tionsrats Schriftstücke, die Sie oder andere inter­essierten?"

Mich bestimmt nicht!" Und ungeduldig setzte Irene hinzu:Es fehlen ja auch gar keine Schrift­stücke!"

Fein ausgedacht! Fräulein von Merten, es fehlt tatsächlich nichts. Beschäftigen Sie sich eigentlich auch mit Photographie?" Erstaunt sah Irene Werbel an.

Vor vielen Jahren habe ich mal einen kleinen billigen Apparat gehabt, mit dem ich Aufnahmen machte. Aber ich weiß gar nicht mehr, wo er hin- ' gekommen ist." (Fortsetzung folgt.)

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