ist und in der Frankreich mit seiner Kohlenwirt- schast die gesamte Saarindustrie beherrscht. Der Saarwinkel ist für Frankreich die Bresche, in der es sich im deutschen Reichsgebiet auf rheinischem Boden wirtschaftlich und politisch eingenistet hat. Es ist entschlossen, sich aus dieser Stellung nicht durch eine bloße Volksabstimmung herausdrängen zu lassen.
Seit Jahren erwägen die französischen Saarpolitiker Pläne über Pläne, wie der französische Einfluß an der Saar gesichert werden könne. Die früher ostentativ ausgesprochene, aber selbst von ihren Trägern nie ernst geglaubte Hoffnung, die Saarbevölkerung könne sich für den Uebergang in den französischen Staat aussprechen, ist heute gänzlich aufgegeben. Die Vorgänge bei der Niederwald- Kundgebung, die Verschmelzung aller Saarparteien in der Deutschen Front, deren Zuwachs selbst aus sozialdemokratischem und kommunistischem Lager kommt, redet eine zu vernehmbare Sprache. D i e Saar gehört Deutschland. Das ist auch die Erkenntnis der zahlreichen Grüppchen, die unter stets neuem Namen in Paris und an der Saar für die Erhaltung der französischen Herrschaft werben. Zeitweilig hat man in Frankreich wohl noch von einer Teilung des Saarbeckens gesprochen, wobei es für selbstverständlich erklärt wird, daß der kohlenwirtschaftlich —, aber auch militärpolitisch wichtigste Teil, der Warndt, an den lothringischen Nachbarn fallen müsse. Aber auch dieser Teilungsprozeß auf Grund der Volksabstimmung ist heute nicht mehr zu erwarten, da gerade im Warndt der Uebertritt in die Deutsche Front selbst aus den marxistischen Parteien bemerkenswerte Fortschritte macht.
So muß denn die Saarpolitik in Frankreich ihre Karte auf die andere Möglichkeit setzen: die Saar unter V ö l k e r b u n d s r e g i m e n t zu erhalten. Daß auch dafür bei der Saaranwohnerschaft keine Neigung besteht, diese Tatsache wird einfach beiseite geschoben. Um so mehr klammert sich die französische Hoffnung an den Umstand, daß leider nicht die Abstimmung der Bevölkerung schon über die künftige Saarzugehörigkeit bestimmt, sondern erst die vom Völkerbund zu treffende Entscheidung, da er das Abstimmungsergebnis nur als Wunsch der Saarbevölkerung zu werten genötigt ist.
Die französischen Pläne gehen in folgender Richtung: entweder soll der völkerrechtliche Zustand s o bleiben wie er ist; d. h. also Verwaltung des Saargebietes durch eine Regierungskommission des Völkerhundes mit vorherrschender Mitbestimmung Frankreichs. Oder: es soll an der Saar e i n „neutraler" Völkerbunds st aat errichtet werden, der sogar durch die Verlegung von Genf nach Saarbrücken zum Sitz des Völkerbundes (nckch dem Muster des römischen Kirchenstaates) erhoben würde. Oder: Herstellung- eines Saarfrei st aa- t e s unter Völkerbundsprotektorat nach Danziger Vorbild.
In allen Fällen arbeitet die deutschgegnerische Saarpropaganda mit der für die Ideologie des Völkerbundes berechneten Behauptung, zwischen Deutschland und Frankreich müsse eine „neutrale" Zone zu gegenseitiger Sicherheit (als ob die entmilitarisierte Rheinzone nicht schon leider Gottes da wäre) und als Schauplatz geistigen Ringens zwischen den großen Nachbarn, als Brücke wirtschaftlichen und kulturellen Güteraustausches eingeschaltet werden. Wir brauchen eine solche Völker- und staatsrechtliche Mißgeburt wirklich nicht. Wenn Frankreich sie für nötig hält, mag es eine neutrale Zone auf elsaß-lothringischem Boden einrichten, wo die Bevölkerung sowieso die Autonomie begehrt. Wie in Wirklichkeit ein neutraler Sammelplatz für die ringenden Geister aussehen würde, das läßt die Tatsache deutlich werden, daß Frankreich heute schon in Sorge ist, wohin mit den Lügenhetzern, die als Emigranten aus Deutschland geflohen sind. Für sie soll eine Schutzzone an der Saar erhalten bleiben, wo die auch im Innern Frankreichs unwillkommenen Emigranten gewissermaßen territorial kaserniert werden. Uns ist das schöne Saarland und seine tapfere Bevölkerung zu gut dafür. Glücklicherweise zeigt die französische Sorge, daß selbst die französischen Propagandisten nicht davon überzeugt sind, daß das Saargebiet ein neutraler Völkerbund — oder ein Freistaat werden wird.
Deutsche Erziehergemeiuschaff.
DNB. B e r l in , 9. Jan. Am 9. Januar 1934 hat im Reichsministerium des Innern unter Vorsitz des Reichsführers, Senator Dr. von Hoff, eine Beratung des Führerrings der DEG. stattgefunden, die sich mit der Entwicklung der organisatorischen Lage in den letzten Wochen und mit der am gleichen Taae veröffentlichten Verfügung des Reichsleiters des NSLB. beschäftigte. Im Anschluß daran fand ein Empfang beim Herrn Reichsminister des Innern, Dr. F r i ck, statt, in dessen Verlauf dieser in Uebereinstimmung mit dem Führer und Reichskanzler an seiner bisherigen Stellungnahme in der Frage der Organisation der deutschen Erziehergemeinschaft festbielt. Danach ist die DEG. nach wie vor die vom Reichsminister des Innern anerkannte Organisation der Reichsfachverbände auf dem Gebiete der Erziehung und des Unterrichts. Zur Klärung der noch offenen Fragen stellte der Minister für die nächste Zeit eine. B e - sprechung mit den maßgebenden Parte i st e l l e n in Aussicht und ersucht die DEG., ihm baldigst Vorschläge füreine weitere Aus- g e st a l t u n g der Organisation der deutschen Erzieher im Sinne seiner oben wiedergegebenen Auffassung zu unterbreiten.
Ständischer Aufbau und Reichsreform
Berlin, 9. Jan. (DNB.) Der Stabsleiter der PO., Dr. Robert Ley, hat folgende Verordnung erlassen: „Ich mache hiermit entsprechend dem Willen des Führers erneut allen Gauleitern zur Plicht, die Neubildung von angeblich ständi- schen Organisationen sowie Verlautbarungen schriftlicher oder mündlicher Art ü b e r ständischen Aufbau zu verhindern. Die Vorbereitung des ständischen Aufbaues ist ausschließlich Sache des Amtes für st ä n d i s ch e n Aufbau der NSDAP., dessen Verlautbarungen allein von Bedeutung sind. Gesetzlich verankert und parteiamtlich anerkannt sind nur Reichsnährstand und Reichskulturkamme r."
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Dr. Ley gibt weiter folgendes bekannt: In der letzten Zeit laufen Meldungen ein, daß Parteigenossen, auch in führender Stellung, sich öffentlich in Wort und Schrift mit der zukünftigen Reichs- r e f o r m beschäftigen. Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, hat Mich gebeten, mitzuteilen, daß jedem Parteigenossen in Zukunft bei strengster Strafe untersagt ist, sich in Wort und Schrift öffentlich mit Fragen der Reichsreform zu befassen.
Verhinderter Anschlag gegen den japanischen Ministerpräsidenten.
Tokio, 9. Jan. (DNB.) Am Dienstag versuchte ein Japaner, offenbar in der Absicht, den M i n i - sterpräsidenten Saito zu ermorden, in die Wohnung Saitos einzudringen. Die Wache nahm jedoch noch rechtzeitig den Eindringling fest. Man fand bei ihm eine Waffe und einen Brief. Der Schreiber des Briefes führt aus, er wolle den japanischen Ministerpräsidenten töten, da so ein alter Mann wie Saito in den heutigen Zeiten nicht die japanische Politik erfolgreich leiten könne. Außerdem habe Saito den nationalen Willen des japanischen Volkes geschwächt. Der Festgenommene, der ins Polizeipräsidium ein- geiiefert wurde, verweigerte bisher jede Aussage.
Es ist nicht der erste Vorgang dieser Art. Viele bekannte Persönlichkeiten des politischen Lebens sind in Japan in letzter Zeit das Opfer nationalistischer Verschwörer geworden. Wir erinnern nur an die Ermordung des Ministerpräsidenten Jnukai, dessen Mörder eben erst im Mittelpunkt eines Riesenprozesses standen, der die Sympathien weitester Kreise des japanischen Volkes auf der Seite der Verschwörer sah. Nicht daß sie den Mord billigten, wohl aber die Argumente würdigten. Immer wieder kann man in Japan hören, daß die Unfähiakeit und Untätigkeit der Regierung und der politischen Führer das japanische Volk in ein nationales Unglück hineinmanövriert. Die Kreise, denen auch die Mörder Jnukais entstammen, wünschen ober durchaus keine Politik des bewaffneten Friedens, der jeden Augenblick zu Explosionen führen kann, aber den Gegnern Japans nur Zeit gibt, sich gegen Japan zusammenzuschließen; sie treten für ein sofortiges Losbrechen ein, um
Prag, 9. Jan. (DNB.) Auf der Prager Burg wurde am Dienstag die erste Vollsitzung des Wirtschaftsrates der Kleinen Entente von Außenminister Dr. B e n e s ch eröffnet. In seiner Ansprache betonte Benesch, der Sinn der Kleinen Entente bestehe darin, daß die ihr angeschlossenen Staaten künftig Herren ihres Schicksals seien und nicht zulassen wollen, daß die übrigen Staaten, die größer und mächtiger sind als sie, um sie feilschen. Da es nicht möglich gewesen sei, der Kleinen Entente auf politischem Gebiet beizukommen, seien Versuche unternommen worden, sie auf wirtschaftlichem Gebiet zu treffen. Wenn es uns morgen gelingt, erklärte Dr. Benesch, aus der Kleinen Entente einen wirtschaftlichen Organismus zu machen, dann werden sie über uns herfallen, um uns die Verwirklichung dessen vorzuwerfen, was sie selbst als unmöglich, wenn nicht gar als lächerlich erklärten. Die Sitzung des Ständigen Rats der Kleinen Entente vom l.Juni 1933 hat einen konkreten Plan der Zusammenarbeit aufgestellt, und unsere heutige Versammlung hat den Zweck, der internationalen öffentlichen Meinung zu zeigen, daß unsere Bemühungen nicht vergeblich waren und daß schließlich ein Weg zur definitiven Bildung eines neuen internationalen Wirtschaftsorganismus in Mitteleuropa gefunden wurde, der natürlich auch segensreiche Wirkungen auf die Nachbarn unserer Staaten haben wird.
Der Zweck der Wirtschaftskonferenz der Kleinen Entente, die in Prag dieser Tage Zusammentritt, wird im Pariser „Journal" mit hinreichender Offenheit besprochen. Die Zukunft Mitteleuropas,! so heißt es da, beherrscht diese Konferenz, deren1 Ausgabe darin besteht, endlich die wirtschaftliche Zu-! sammenarbeit Rumäniens, Südslawiens und der Tschechoslowakei zu verwirklichen. Das Hauptargument der Gegner ist, daß die Kleine Entente im Laufe von zehn Jahren es nicht zustande- brachte, sich wirtschaftlich zu organisieren, woraus zu folgern sei, daß die Liquidation des Habsburger Reiches ein unhaltbare Lage geschaffen habe, und daß zur Wiederherstellung der. wirtschaftlichen Einheit im Donaubecken eine Re vision geboten sei. Gegenwärtig stehen sich zwei, Auffassungen scharf gegenüber. Nach der französischen Auffassung sollen Italien und die Kleine!
Saarbrücken, 9. Jan. (DNB.) Auf die Beschwerde der Deutschen Front über die Politik der Regierungskommission des Saargebiets hat diese jetzt in eingehenden Ausführungen geantwortet.
In dieser Antwort versucht die Saarregierung ihr Verhalten durch den Hinweis zu rechtfertigen, daß die Zahl der von Nationalsozialisten begangenen „Terrorakte" im letzten Vierteljahr zugenommen habe, und daß der Saarregierung täglich Klagen aus den verschiedensten Teilen der Bevölkerung unterbreitet würden. Es gehe nicht an, die Verantwortung für diese Ausschreitungen sogenannten unverantwortlichen Elementen zuzuschieben. Die Antwort drückt dann das außerordentliche Bedauern der Regierungskommission aus, daß die Herren Röchling und Levacher, die seit 14 Jahren eng mit dem politischen Leben des Saargebietes verbunden seien, die Eingabe der Deutschen Front mitunterzeichnet und ihre Parteien kürzlich nach langem Zögern der NSDAP, unterstellt hatten. *
Die Regierungskommission befaßt sich dann mit oer Frage der Versammlungsverbote und r!£°nt' geschlossene Versammlungen grundsätz- uH erlaubt seien. Wegen zahlreicher Zwischenfälle !^ooch seien nicht nur die geschlossenen national» WZlaustlschen, sondern auch die kommunistischen -uerlammlungen, also für beide „extremen Parteien", verboten worden. Die NSDAP, 'aber, heißt es in öer Antwort weiter, versuche die Verbote zu um- u C1s Jn^em f*e unter der Bezeichnung „Eltern- abende „Heimatabende" usw. Versammlunaen üeran|talte, in deren Verlauf einflußreiche Mit-
die Widerfacher zu Boden zu werfen und überall Japans siegreiche Feldzeichen aufzupflanzen. Auch der Mann, den die Wache des Ministerpräsidenten Saito verhaftet hat, hat bei seiner Vernehmung gegen Saito ähnliche Vorwürfe erhoben wie die Mörder Jnukais gegen ihr Opfer. Dabei ist der starke Mann der Tokioter Regierung weder der Ministerpräsident noch der Außenminister sondern der Kriegsmini st er Araki, der äußerst zielbewußt vorgeht und dem man nachsagt, daß er keinen Augenblick zögern würde, die Gunst der Stunde zu nutzen, um den nationalen Willen der Japaner zu erfüllen. Gegen ihn richten sich auch alle Angriffe der Russen, die ihn richtig einschätzen. Trotzdem areifen übereifrige Nationalisten immer wieder zur Waffe, um das japanische Volk von politischen Persönlichkeiten zu befreien, die nach ihrer Ansicht zu wenig Rückgrat zeigen.
China protestiert
gegen eine mandschurische Monarchie.
Schanghai, 9. Jan. (DNB.) Ministerpräsident Wangtschingwei erklärte in einer Sitzung des chinesischen Kabinetts, daß die bevorstehende Ausrufung der mandschurischen Monarchie durch Puji die japanisch-chinesischen Verhandlungen sehr erschweren würde. Die chinesische Regierung lehne es nach wie vor ab, eine mandschurische Monarchie anzuerkennen. Sie stehe noch immer auf dem Standpunkt, daß die Mandschurei wie im Süden so auch im Norden ein untrennbarer Teil der chinesischen Republik sei.
Entente für eine Mächtegruppierung mit Oesterreich und Ungarn als Abwehr gegen den Anschluß gewonnen werben. Nach italienischer Auffassung soll die Kleine Entente zerschlagen und Deutschland geschont werden. Ist es möglich, Italien für den französischen Standpunkt zu gewinnen? Diese Hoffnung wurde bei dem letzten Aufenthalt Dr. Beneschs in Paris zum Ausdruck gebracht. Die einzige Aussicht, sie zu verwirklichen, liegt darin, den wirtschaftlichen Block der Kleinen Entente derart aufzubauen, daß man zwangsläufig mit ihm rechnen muß. Das ist eine sehr schöne Aufgabe für die unter Beneschs Vorsitz in Prag zusammentretende Konferenz.
Der Barkanpakt.
Wie wird sich Bulgarien stellen?
Rom, 8. Jan. (DNB.) Bei einem Empfang von Vertretern der internationalen Presse erklärte der griechische Außenminister M a x i m o s, das Ziel des geplanten Balkanpakts sei nicht etwa die Bildung eines Balkanstaatenbundes, sondern die F e - stigung des gegenwärtigen Status quo auf dem Balkan. Ein Ausgang Bulgariens zum Aegäischen Meer, so fügte Maximos auf Befragen hinzu, würde den bestehenden Verträgen widersprechen. Griechenland sei aber bereit, Bulgarien weitgehende Erleichterungen für feinen Güterumschlag in einem ägäischen Hofen zu gewähren und hoffe, daß Bulgarien, mit dem vor kurzem in Athen über die bestehenden finanziellen und wirtschaftlichen Streitpunkte freundschaftliche Verhandlungen stattgefunden hätten, sich von den gleichen Grundsätzen friedlicher Zusammenarbeit werde leiten lassen. Nach der Auffassung des griechischen Außenministers, der heute von Rom noch London reist, hat der Balkanpakt nichts mit der Kleinen Entente zu tun. Albanien stehe vorerst den Verhandlungen um den Abschluß eines Balkanpaktes fern. Zunächst sollten ihm nur Griechenland, Südslawien, Rumänien und die Türkei anqehören. Er stelle mit Genugtuung fest, daß Mussolini der Auffassung zustimme. Sein» Politik stimme mit den Bemühungen um eine bessere Garantierung des allgemeinen Friedens überein.
glieder der Partei das Wort ergriffen hätten, um über politische Ereignisse zu sprechen.
In der Antwort der Regierungskommission wird zum Schluß betont, daß die Regierung keine Bestimmungen der Notverordnungen zu bereuen ober abzuschwächen brauche, zu deren Erlaß sie vor einigen Wochen gezwungen worden sei. Sie habe dos feste Vertrauen, daß sie die Lage meistern werde; sie vertraue auch auf die tatkräftige Unterstützung des Völkerbundes, die der Regierung noch niemals gefehlt habe. Schließlich wird in der Denkschrift noch festgestellt, daß sie die Zustimmung sämtlicher Mitglieder der Saarkommission gefunden habe. Nur das saarländische Mitglied habe seinen abweichenden Standpunkt beibehalten.
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Dieser Bericht der Regierungskommission an die Adresse des Völkerbunds iffgefragenoonau5- gesprochenem Haß gegen die nationalsozialistische Bewegung, was nicht zu verwundern ist, wenn man weiß, daß der in der Regierungskommission beschäftigte, in Deutschland seit einiger Zeit strafrechtlich verfolgte frühere Oberregierungsrat R i h e l an der Abfassung des Berichts maßgeblich beteiligt ist. Das allein kennzeichnet die Tendenz und auch die Dokumente, auf die sich die Denkschrift stützt. Die Unterlagen, einseitig zusammengesiellt, sind kürzlich von einem anderen, ebenfalls von der Regierungskommission an- gestellten Emigranten namens Lehnert in seiner Eigenschaft als Polizeikommissar in Neunkirchen sichergestellt worden. Obwohl diese Dokumente erst
jetzt bekannt geworden sind, versucht die Regierungskommission mit ihnen nachträglich ihre seinerzeitigen Verordnungen zu rechtfertigen. Unverhohlen geht aus jedem Wort der Denkschrift die Verärgerung darüber hervor, daß das bewußteDeutsch- tum an der Saar sich gemäß der Neuordnung der Dinge in Deutschland ohne Unterschied der Partei mit dem Nationalsozialismus in der Deutschen $ront zusammengefunden hat. Der Versuch der Denkschrift, trotz dieser Einigung die Führer der früheren Parteien gegen den Nationalsozialismus auszuspielen, zeigt am besten, wie wenig Sinn die Regierungskommission für die geistige und vaterländische Einigung im Reich und an der Saar ausbringt. Allein der Umstand, daß die Regierungskommission bei ihren Maßregeln Nationalsozialismus und Kommunismus als „extreme Parteien" aneinander gleich stellt, genügt als Zeugnis für die subjektive Einstellung der Regierungskommission. Sie glaubt, die Förderung der Beziehungen des Saardeutschtums mit dem Reich als gesetzwidrige Machenschaften einer politischen Partei brandmarken zu können, die sich auf ihre „auswärtigen Beziehungen" berufen. Auch das ist ein Zeichen für die mangelnde Objektivität der Saarregierung; denn laut Saarstatut ist die Saarregierung als Treuhänder einer Bevölkerung eingesetzt, die auch heute nicht ihre deutsche Staatsangehörigkeit verloren hat.
Das deutsche Volk an der Saar wird trotz dieser Provozierung durch eine ihm aufgedrungene, landfremde Regierungskommission sich in seiner vorbildlichen Ruhe und feinem Ordnungssinn nicht wankend machen lassen. Alle wenig verschleierten Versuche, die Saarbevölkerung in ihrer Einigkeit zu erschüttern, werden sie nur noch fester zusammenschließen im Kampf um die Wiedervereinigung mit dem deutschen Vaterlande, lande.
Der steckbrieflich gesuchte Ober- regreruugsrat Ritzel als Handlanger der Gaarkommüfion.
Berlin, 9. Jan. (DNB.) Das Deutsche Kriminalpolizeiblatt bringt auf der Seite 1649 noch einmal ein Bild des steckbrieflich gesuchten Oberregierungsrates a. D. Heinrich Ritzel mit dem Ersuchen um sofortige Verhaftung. Es handelt sich dabei um den ehemaligen sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten, Oberregierungsrat an der Provinzialdirektion Oberhessen und am Kreisamt Gießen, Heinrich Ritzel, der sich nach der Machtergreifung durch die Regierung der nationalen Revolution der Verfolgung wegen krimineller Delikte durch die Flucht in das Saargebiet entzogen bat und dort mit anderen Emigranten, darunter M a ch t s (früher in Darmstadt) und L a u r i o 11 e (früher in Butzbach) eine eifrige Hetztätigkeit gegen das Deutschtum entfaltet.
Ritzel ist in diesen Tagen mit den anderen genannten ehemaligen Polizeibeamten von der Saarkommission in die Kriminalpolizei des Saargebietes eingestellt worden und wird nun also auch in amtlicher Eigenschaft auf die deutsche Beamtenschaft losgelassen. Ritzel, der wegen ein^s schweren Vergehens steckbrieflich gesucht wird, ist der besondere Vertrauensmann des Franzosen Heimburger in der Rsgierungs- kommission. Ritzel hat auch die Denkschrift der Regierungskommission für den Völkerbund als Entlastungsschrift gegen die Beschwerde der Deutschen Front verfaßt. Schon aus diesen Tatsachen allein kann man den Wert des Materials und die Art der Verwendung erkennen. Der Vorgang wirft ein bezeichnendes Licht auf die „unparteiische" Tätigkeit der Regierungskommission des Saargebietes.
Die Wahrheit dringt durch.
Stimmen der Vernunft unter den französischen Frontkämpfern. Berlin, 9. Jan. (DNB.) Während die „große" französische Presse sich von Emigranten zu einer Kampagne gegen die Rückgabe des Saargebiets bestimmen läßt, mehren sich die Stimmen vernünftiger Franzosen, die sich der G e f a h r d i e - ses Treibens wohl bewußt sind. Es handelt sich dabei keineswegs um Pazifisten oder um elsässische Autonomisten, sondern um Franzosen und Front- kämpfer. Vor uns liegt ein Leitartikel der Wochenzeitschrift „Le C r i de Lyon" vom 15. Dezember, in dem der Herausgeber R. Meunier unter der bezeichnenden Ueberschrift „Le point noir“ (Der dunkle Punkt) mit bemerkenswerter Offenheit d i e wirkliche Lage an der Saar behandelt. Wir müssen es diesem ehrlichen Franzosen hoch anrechnen, ro°nn er z. B. wörtlich sagt: „Das Saargebiet ist u n b e ft r eitbar deutsches Land; seine Bewohner sind immer noch Deutsche. Nachdem unsere Literatur uns seit Jahrzehnten die Treue der Elsässer für Frankreich gerühmt hat, müssen wir vor der Vaterlandsliebe der Saarländer die gleiche Achtung haben. 15Jahre Fremdherrschaft haben diese Liebe nur immer stärker gemacht. Vielleicht wird man uns darum für schlechte Franzosen halten, aber wir können nicht eine Sache fördern, die ein großer Fehler zu werden droht. Wir alten Frontkämpfer dürfen wohl noch den Mund aufmachen, damit hier nicht ein unüber ft eigbares Hindernis für die deutsch-französische Verständiaung aufgerichtet wird, das nur dem englischen Geschäftspatriotismus dient.
Die Arbeitslosenstatistik hieb- und stichfest.
Präsident Sprup weist Verdächtigungen des Auslands zurück.
Berlin, 9 Jan. (DNB.) In einem Aufsatz im „Wirtschaftsring" weist der Präsident der Reichs- anstatt für Arbeitslosen-vennittlung und Arbeitslosenversicherung, Dr. S y r u p , die immer wieder im Ausland auftauchenden Verdächtigungen gegen die Arbeitslosenstatistik entschieden zurück. Syrup sagt: Die Reichsanstatt kann die volle Gewähr für die gemeldeten Zahlen übernehmen. Sie kann dies um so mehr, als die gemeldeten Zahlen nach verschiedenen Methoden auf fahrlässige Unstimmigkeiten kontrolliert werden. Unter den 21/4 Millionen im Laufe des Sommers ausaeschie- denen Arbeitslosen befanden sich mehr als 2 Millionen unterstützts Arbeitslose und nur V< Million Arbeitsloser, die nicht unterstützt wurden. Dr. Syrup weist ferner darauf hin, daß die von der
Die Kleine Entente als Stnrnihock Frankreichs gegen den Anschluß.
Benesch will die wirtschaftliche Zusammenarbeit im Oonauraum organisieren
Der Haßseldzng gegen die deulsche Einheitsfront an der Saar. Oie Regierungskommission verfälscht die Tatsachen. - Emigranten als Hellershelfer der Landfremden.


