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Aufruf an die Gießener Bevölkerung anläßlich des Gedenktages am 9. November.

Am Freitag, 9.7!ov., findet um 19 llhr auf dem Landgraf-Philipp-Plah eine Gedenkfeier für unsere gefallenen Kameraden statt. Es wird der Kreisleiter, pg. Kl oster mann, die Gedenkrede hatten. Oie Gießener Bevölkerung wird zu dieser Feier eingeladen. Oie Gliederungen der Bewegung nehmen geschlossen daran teil und treten bis spätestens 18.55 llhr auf dem Landgras-Philipp-Plah an. Wir fordern auch den ASBIB. (Stahl- Helm) sowie die Vereinigung der Krieger-Vereine aus, an der Gedenkfeier ge­schlossen teilzunehmen. Oie Kundgebung ist gegen 20 llhr beendet.

Weiterhin wird die Gießener Bevölkerung aufgefordert, am Freitag auf Halb­mast zu flaggen.

Heil Hitler!

Kreisleitung Gießen der NSDAP.

gez. Klostermann

ders auf dem Lande, wo Bauerntum, könne dies festgestellt werden.

wir sehen auch alle die auf die Aechtungsliste des deutschen Volkes, die statt guter Taten und wirklicher Opfer nichts als fromme Worte und billige Almosen haben. Wer sich dieser in Stadt und Land bewiesenen Opferfreudigkeit entzieht, den werden wir auch der Oeffentlichkeit prels- geben!"

kündigte der Gauleiter an und erinnerte an die unvergleichlich höheren Opfer jener, an die wir alljährlich, ganz besonders am 9. November den­ken. Nur wenn jeder Deutsche im Gei st e der bedingungslosen Hilfsbereit­schaft spende, so wie ihn jene Blutzeugen als Apostel der nationalsozialistischen Bewegung be­wiesen hätten, nur dann verbleibe jedem Volksge­nossen berechtigter Anteil am Aufstieg des Volkes, wie der Führer ja erklärt habe,

dah wir alles, was wir für andere tun. letzten Endes für uns tun.

So müsse das Volk zum Fundament eines auf lange Zukunft fest untermauerten Deutschen Reiches werden.

Aus der Provinzialhauptstadt.

In den Winter.

Der Farbenrausch des Herbstes ist verblaßt, eine andere, stillere Weise schwingt jetzt durch die Natur. Hat es einen Sinn, ihr zu lauschen? Was mag da draußen jetzt vorgehen, wo doch schon die letzten Kartoffeln eingebracht sind, vor Tagen und Wochen die Feuer auf allen Feldern flammten und die Luft weithin erfüllt war von dem säuerlichen Gerüche des verbrannten Krautes? Wo der Bauer schon Pflug und Egge in den Schuppen gestellt hat, daß sie von der Herbstarbeit ausruhen sollen? Jetzt, so meinen manche, fangen die langweiligen, reg­nerischen Wochen an, in denen man ein Recht dar­auf hat, daheim zu sitzen und Trübsal zu blasen und die dumme, häßliche Uebergangszeit zu schelten.

Uebergangszeit das ist kein tatenloses Dahm- bämmern, fein müßiges Warten auf das, was kommen soll. Uebergangszeit das ist em stilles, emsiges Schaffen, ein Vorbereiten, ein Klären. Da scheidet sich das Allzuvergängliche von dem, was des Lebens wahrer Träger ist. Herbst bedeutet ja nicht den Tod, und wenn wir auch mit unseren menschlichen Augen nur wenig hinter die Gescheh­nisse der Natur sehen können, so wissen wir doch, daß das Leben fortbauert Über den Winter hinweg. Es kapselt sich gleichsam nur ein, es zieht sich nur zusammen auf kleinsten Raum. Was einst in Stiel und Blatt und Blütenkelch pulsierte, ist jetzt ein- gedrängt in ein winziges Samenkorn, und was prächtige, stolze Pflanzen zum hohen Wachstum trieb, schlummert jetzt unsichtbar im Wurzelstock unter dem Boden. Es ist, als habe sich im Frühjahr eine große Hand aufgetan, die sich jetzt wieder schließt.

Ich meine, wir sollten den November nicht nur als den traurigsten Monat, als den Regenbringer und stürmischen Gesellen ansehen. Er hat so viele stille und nachdenkliche Stunden und verborgene Schönheiten. Gehen wir doch in diesen Wochen ein­mal hinaus, gegen Abend, in der Schummerstunde. Groß und weit sind die Linien der Felder gezeichnet. In sanftem Wellenschwung steigen und fallen sie bis zum Horizont, und mit ihnen hebt und senkt sich blasses Wintergrün, von der Dämmerung bläu­lich eingeschattet die erste Saat. Kleine, unendlich zarte Hälmchen sind aufgegangen, und tief neigt sich der grauverhangene Novemberhimmel herab, als fei er schon schwer von Schnee und wolle die schwachen Pflänzchen einhüllen in eine warme Decke. Dieses Sichneigen und Umschließen, dieses Zudecken und Einschlafen, stimmt das wirklich so trübsinnig?

Wir dürfen uns nicht bange machen, nicht nieder­drücken lassen, denn wir brauchen alle geistigen und ßNMAU

Vornan von Klothilde v. Stegmann.

11 Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Der hatte eine Art, mit den Arbeitern und Hand­werkern umzugehen, wie eine Frau sie niemals auf­brachte. Schon beim ersten Rundgang durch das Kavalierhäuschen wußte er Bescheid. Edelgard hatte ihm die Möbel bezeichnet, die mit übernommen wer­den sollten. Schon waren die Wände ausgemessen. Schon hatte man berechnet, wie alles am vorteil­haftesten und behaglichsten Platz fände. Gleich darauf waren schon die Ziehleute gekommen und trugen die Sachen herüber.

Am besten, es geht alles sehr rasch, gnädiges Fräulein", sagte Studczynski.Das Scheiden tut am wenigsten weh, je weniger man darüber nach­denkt. Je schneller Sie drüben eingerichtet sind, um so schneller finden Sie sich in dem neuen Dasein zurecht."

Und wirklich, zum Nachdenken blieb Edelgard keine Zeit. Ueberall um sie herum klopfte und häm­merte es schon, rückte man die Möbel, polterten die Arbeiter. Die alte Marie lief weinend umher. Aber der alte Wilhelm faßte resolut zu. wo er nur konnte. Und Studczynski war immer mitten drin. Ueberall hörte man seine etwas scharfe, dunkle Stimme, an­treiben und befehlen. Edelgard selbst hatte alle Hände voll zu tun: Schränke aufzuräumen, Sachen in Koffer zu packen, drüben im Kavalierhäuschen den Ziehleuten Bescheid zu geben.

Sie staunte über sich selbst. Nun es soweit war, wurde ihr der Abschied gar nicht so furchtbar schwer. Das große schloßähnliche Haus es war doch sehr ungemütlich und einsam für sie und die Mutter gewesen.

Das Kavalierhäuschen war hell und heiter. Es hatte sechs Zimmer, nicht übermäßig groß, aber sehr behaglich. Man konnte hier leben, besser als drüben, wo aus allen Ecken die Sorge sah. Es machte ihr beinahe Freude, alles recht schön und zierlich einzurichten. Das Zimmer der Mutter mit den alten schönen Mahagonimöbeln, dem kleinen runden Nähtischchen mit den geschweiften Füßen auf dem Erker.

Als alles fertig war, die Blumen auf der Fen­sterbank des Erkers standen, die lichten Gardinen angesteckt waren, sah es wirklich traulich aus. Ihr Zimmer hatte sie sich neben dem Wohnzimmer der Mutter eingerichtet. Die. hellen Kirschbaummöbel leuchteten vor der lichtblauen Tapete. Beide Zimmer lagen im Hochparterre des kleinen Hauses. An sie schlossen sich noch ein Eßzimmer und ein kleiner Salon.

In der gut ausgebauten Mansarde lagen zwei behagliche Schlafzimmer, mit dem Blick auf Part

seelischen Kräfte, um auch über diesen schweren Winter hinwegzukommen.

Karl Mayer f.

Im 92. Lebensjahre ist am vorigen Sonntag der Postsekretär i. R. Karl Mayer zu Gießen ver­storben. Der Heimgegangene, ein alter Soldat und Krieger, ein von glühender Liebe und Begeisterung für sein deutsches Volk und Vaterland erfüllter Mann, hat feine Kräfte, solange sein Gesundheits­zustand es ihm ermöglichte, stets gerne in den Dienst des Vaterlandes, insbesondere in der Sache der Kriegervereine gestellt.

Karl Mayer war am 25. Oktober 1843 in Traben an der Mosel geboren und widmete sich nach dem Besuch des Gymnasiums xu Trarbach der Post­beamtenlaufbahn. Am 1. Oktober 1866 trat er als Einjährig-Freiwilliger in das Rheinische Feldartille- rie-Regiment Nr. 8 in Koblenz ein, mit dem er an der Schlacht bei Königgrätz teilnahm. Im Jahre 1868 kam er als Postbeamter nach Gießen, wo er sich für den Rest seines Lebens seßhaft machte. Der hiesige Kriegerverein wurde von ihm lange Jahre als Vorsitzender geführt, ferner war er viele Jahre lang Vorstandsmitglied der Kriegerkameradfchaft Hafsia. Seit 1899 war er Ehrenvorsitzender des Kriegervereins Gießen und des Hafsia - Bezirks. Ferner widmete er sich eifrig den Bestrebungen des Evangelischen Bundes.

Der allezeit liebenswürdige und gefällige Mann genoß in unserer Stadt und darüber hinaus in weiten Kreisen größte Wertschätzung, die ihm bis an sein Lebensende erhalten blieb und oft auch bekundet wurde. Das Andenken an den Verewigten wird hier in Ehren fortleben.

Oieprominenten".

Unter dieser Überschrift schreibt A. P e tz o l d in den Mitteilungen des Deutschen Sprachvereins fol­gendes:

Berliner Zeitungen berichteten überdie Promi­nenten im Zoo" und über eine Ausstellung unter der ÜberschriftDie Prominenten vom Geflügel­hof". Da zum Geflügel auch die Enten gehören, mußte ich mir die Prominenten einmal ansehen. Bisher kannte ich außer den Wild- und den dazu gehörigen Zeitungsenten nur unsere zahmen Haus­enten und einige ausländische. Dagegen war mir von den Prominenten noch keine begegnet. Das mußte doch eine Neuheit allerersten Ranges fein.

und See; durch einen kleinen Zwischenkörridor ge­trennt kamen dann zwei Zimmerchen für Marie und Wilhelm. Wilhelm sollte zunächst mit herüber­ziehen, bis der neue Besitzer der Villa Dönitz weiter bestimmte.

Kaum waren die letzten Möbel in das Kavalier­häuschen hinübergetragen, da rückten in der Villa Dönitz schon Kolonnen von Handwerkern an, um alles für den neuen Eigentümer zu richten.

Wie wird alles dort drüben werden?" dachte Edelgard.Wer mochte der neue Herr sein?"

Aber sie mochte Studczynski nicht danach fragen, denn ein wenig weh war ihr doch zumute, daß ein Fremder mit Geld hatte kaufen können, was durch Generationen hindurch alter Familienbesitz gewesen war.

Eine schwere Stunde gab es noch, als Edelgard die Mutter aus dem Stift abholte und in ihr neues Heim führte. Als sie an dem Hausportal der Villa vorbei und auf einem Seitenwege über die kleine Brücke der Insel und dem Kavalierhäuschen zu­schritten, bracht die Mutter auf einmal in Tränen aus.

Weine nicht, Mütterchen!" bat Edelgard.Man soll nicht mit Tränen in ein neues Haus ziehen. Sieh, wir haben es doch noch besser als taufend andere. Wir können zunächst auf dem heimatlichen Grund und Boden bleiben, und vielleicht für immer. Denke daran, wie es anderen Menschen geht, die alles verlieren und nicht wissen, wohin sie sollen. Schau dir unser Heim nur er ft an. Ich bin sicher, es wird dir gefallen. Mir zuliebe, versuche dich in das Neue zu finden."

Da hatte Frau von Dönitz sich bezwungen: Edel­gard zuliebe wollte sie den Schmerz bekämpfen, ob- roohl es bitter schwer war.

Mit welcher Liebe hatte Joachim dies Haus einst aufgebaut! Wieviel Tränen von Glück und Selig­keit waren mit diesem Hause verbunden? Und sie selbst, wie hatten sie sich auf die Schwiegertochter gefreut! Das Eheglück des Sohnes aus nächster Nähe mitzuerleben, vielleicht bald ein junges Kin­derlachen durch den Park zu hören. Ach, wie hatte auch sie sich die Zukunft so sonnig geträumt!

Nun wurde dieses Haus ihre Zuflucht im Alter.

Mann und Sohn waren ihr genommen. Sie war allein mit Edelgard. Und niemand wußte, was das Schicksal noch in Bereitschaft hatte. Aber um Edel­gards willen mußte sie sich bezwingen. Das Kind war so tapfer. Es konnte von ihr wenigstens Fas­sung verlangen.

Wirklich, schön habt ihr das gemacht, mein Lieb­ling", sagte sie, als sie in das Haus trat.

Es war Abend. Alle Zimmer waren behaglich durchwärmt. Marie hatte sämtliche elektrischen Lampen eingeschaltet.

Ach, mein Wohnzimmer", sagte Frau von Dönitz erfreut.Genau wie drüben."

Ja, Mütterchen, wir haben alles so gestellt, wie es gewesen ist."

Also ging ich zunächst in die Geflügelausstellung und dann in den Zoo. Prominenten sah ich aber nirgends. An einem großen Teiche im Zoo fragte ich schließlich etwas schüchtern einen Mann, der an­scheinend ein hervorragendes Verständnis für die Sache hatte. Von ihm wurde ich in den Großen Saal verwiesen, wo sie sich auf der höchsten Höhe befänden. Kopfschüttelnd dachte ich: Enten steigen doch nie auf die Höhe; vielleicht hat er Hühner ge­meint. Bald wurde ich aber belehrt, daß es sich weder um Hühner noch um Enten handele, sondern um hervorragende Leute wie Künstler und der­gleichen.

Ich beschloß, abends in den Großen Saal zu gehen, um die Prominenten aus eigener Anschau­ung kennenzulernen. Ich hatte einmal von einer Prominenten-Nacht" gelesen, undNacht muß es sein, wo Friedlands Sterne strahlen", so hatte Wal­lenstein gesagt. Bescheiden setzte ich mich auf einen der hintersten Plätze. Der Saal war voll von Pro­minenten aller Arten. Die vordersten Plätze waren den Prominenten eingeräumt, im Saale wogten die Prominenten promenierend durcheinander und gingen umher wie brüllende Löwen oder prominier- ten auf der höchsten Warte. Nach einem von pro­minentesten Sängern umrahmten Dortrage eines prominenten Redners unter dem Vorsitze Seiner Prominenz entstand eine längere Aussprache. Die In den b e ft e n Köpfen hausenden Geister platzten aufeinander, denn nichts halb zu tun ist edler Geister Art; Geistesfunken blitzten, große Kanonen donnerten. Wenn solche Köpfe feiern, wieviel Verlust für meinen Staat!, so heißt es schon im Don Carlos. Don dem, was die Prominenten sagten und taten, evrstand ich zwar nicht alles, namentlich berührte mich die Leitung des musika­lischen Teils etwas eigentümlich. Da kam wie ge­rufen mein Gewährsmann, der sich gleichfalls unter den Spitzen befand, auf mich zu und sagte lä­chelnd: Ja, von einem gewissen Grade der Promi­nenz an haben unsere großen Dirigenten das Abece anscheinend wieder vergessen. Ich befand mich ge- wijsermaßen in einer gedrückten oderdeprimierten" Lage im Gegensatz zum Hotel de l'Europe in Ba­den-Baden, das sich in einem Empfehlungsschreiben feiner primlnenten (so!) Lage rühmte. Da dachte ich: Warum nennt man die Prominenten nicht auf gut deutsch die Hervorragenden, Spitzen, Sterne, Besten, besten Köpfe, Geister? Freilich, prominent ist viel prominenter; es ist, wie Ludwig Finckh sagt, evident eminent prominent.

Semester-Eröffnung.

Auf Anordnung der Reichsführung des National« sozialistischen Deutschen Studentenbundes wurde ge­stern morgen zwischen 9 und 10 Uhr ein Gemein­schaftsempfang der Übertragung der feierlichen Semestereröffnung durch die Reichsführung des Na­tionalsozialistischen Deutschen Studentenbundes für alle Studierenden durchgeführt. Die Uebertragung fand in sämtlichen Räumen des Gießener (Stuben- tenhauses statt. Anläßlich der feierlichen Eröffnung des Wintersemesters 1934/35 sprach im großen $ör- saal der Technischen Hochschule in München ber Amtsleiter des AmtesNationalsozialistischer Deut­scher Studentenbund" in der obersten Leitung der PO. Pg. Derichsweiler, lieber dieFreiheit der Wissenschaft" sprach dann Reichsleiter Pg. Rosenberg.

Nach Beendigung der Uebertragung richtete der Kameradschaftsführer der Universität Gießen, Pg. Gerhard Pallmann, noch einen kurzen Appell an die versammelten Dozenten und Studenten. Die Morgenkundgebung fand ihren Abschluß mit einem dreifachenSieg-Heil" auf den Führer und Kanzler und dem Horst-Wefsel-Lied.

Beichsbunb Volkstum und Heimat.

Der Goethe-Bund gewährt unseren Mit­gliedern dieselben Eintrittsvergünstigungen wie den Verbandsmitgliedern. Karten zu 1,50 Mark für den Wüllner-Abend am Sonntag, 11. d. M., 20 Uhr, in der Neuen Aula, sind gegen Vorzeigen der Beitragsquittung des RVH., die als Ausweis gilt, bei Challier zu haben.

Der Abschluß der Buch-Werbewoche.

Aus Anlaß des Abschlusses berWoche des deut­schen Buches" findet wie man uns schreibt am Sonntag, 11. November, um 11 Uhr Platzmusik des Musikkorps unserer Garnison unter Leitung von Obermustkmeister Krauß e am Stadttheater mit folgendem Programm statt:

1. Deutsch in Ewigkeit die Saar! Marsch Otter 2. Ouvertüre zur OperetteDas Modell" Supp6 3. Großer Kriegsmarsch und Schlachen-

hymne aus der OperRienzi^ Wagner 4. Immer oder Nimmer! Walzer Waldteufel 5. Jagd-Fantasie! Prager

Am Sonntag ist zum letzten Male Gelegenheit geboten, die Buchausstellung im Wandelgang des Stadttheaters zu besichtigen, da die Ausstellung am Montag wieder abgebrochen wird.

Erfolge oberhessischer Geflügelzüchter aufderGüddeutschenIunggeflügelschau

Auf ber 20. Süddeutschen Junggeflügelschau, die in der Zeit vom 1. bis 4. November in der Lud- wigshalle zu Würzburg abgehalten worden war, hatten auch einige Züchter aus unserer Provinz ihre Tiere zur Schau gestellt und dabei trotz außer­ordentlich starker Konkurrenz von vielen tausend Tieren, namhafte Preise erzielt. Es erhielten: Wil­helm Heß-Echzell für einen Hellen Wyandot- tenhahn die Note sehr gut mit einem Zuschlags- preis, derselbe für zwei Helle Wyandottenhennen die Note sehr gut mit einem Ehrenpreis und gut; Wilhelm Nern-Pohlgöns für rebhuhnfar­bigen Wyandottenhahn sehr gut I; August Gut­mann-Vilbel für schwarzen Zwergwyandotten- Hahn sehr gut I und sehr gut I mit Zuschlagspreis, für Hennen sehr gut II und sehr gut I mit einem Ehrenpreis; August Lenz-Klein-Linden für Zwergrhodeländerhähne sehr gut mit Ehrenpreis, sehr gut II mit Zuschlagspreis und für Henne sehr gut; August Seibert-Wieseck für Zwergrhode- länderhahn gut, für Hennen sehr gut und gut; Heinrich Ruhl-Garbenteich für rotscheckige Neuenglische Zwergkämpferhähne sehr gut I, sehr gut II und für Henne sehr gut mit Ehrenpreis; Jo­hann Volk-Alten st adt für goldfarbige beut» sche Zwerg-Hennen sehr gut mit Ehrenpreis, zwei- mal gut; Georg Hofmann-Eckartshausen für weiße Deutsche Zwerghennen sehr gut I und gut; Heinrich Rödiger-Eckartshausen für

Edelgard umfaßte die Mutter zärtlich und führte sie durch den Raum.Und siehst du, hier nebenan bin ich. Nachts lassen wir die Türen auf. Das wird gemütlich sein. Und nun komm weiter! Siehst du hier das Eßzimmer. Marie hat schon den Tee ge- oracht. Komm, Mütterchen! Mit Gottes Hilfe wer­den wir hier sorgloser und Die^eidjt ein wenig glücklich fein."

Innig umfaßte sie die Mutter. In ihren jungen Augen stand so viel Liebe und Glauben, daß Frau von Dönitz sich ihres Kleinmuts schämte.

Wer ein solches Kind besah, der war in allem Kummer doch noch reich zu nennen.

*

Der erste Besucher, den Frau von Dönitz in ihrem Hause empfing, war Studczynski. Mit einem herrlichen Strauß kostbarer Chrysanthemen ließ er sich gleich am nächsten Vormittag melden.

Wie aufmerksam! Ich lasse bitten!"

Frau von Dönitz war ganz große, liebenswürdige Weltdame, als sie jetzt Studczynski bewillkommnete.

Ich wollte mich doch nach dem Befinden der Damen erkundigen, und ob alles einigermaßen nach Wunsch hier ist aber Sie haben es wirklich ent­zückend, gnädigste Frau!"

Er ließ seine Blicke durch den Salon schweifen. Ueberall standen Blumen und grüne Pflanzen.

Wilhelm hat sie uns noch aus dem Gewächs­haus mitgenommen er sagte, er hätte Sie, als den Bevollmächttgten des neuen Besitzers, um Er­laubnis gefragt", warf Edelgard schnell ein,sonst hätten wir es natürlich nicht gewagt; denn nun gehört uns doch auch das Gewächshaus nicht mehr."

Jawohl, gnädiges Fräulein, der alte Wilhelm hat ordnungsgemäß bei mir angefragt, und ich habe ihm die Erlaubnis nur zu gern erteilt. Ich bin ja nicht so wie"

Er brach ab, sprach schnell von etwas anderem, Aber Edelgard hatte verstanden. Der neue Besitzer, er war sicher ein sehr eigentümlicher, um nicht zu sagen kleinlicher Mensch. Nun, es hätte des leisen Hin- weises Studczynskis neulich nicht bedurft, sie würde ihm schon aus dem Wege gehen.

Es war der letzte Morgen des verlängerten Ur­laubs. Edelgard schlenderte von ihrem neuen Heim her über die Brücke und war schon im Begriff, den Weg durch die Allee zum Bahnhof zu nehmen. Sie wollte ein paar kleine Besorgungen in der (Staut machen.

Sie kam an dem weit geöfneten Portal der Villa vorüber. Gerade rollte ein großes Lastauto aus dem Vorhof, ein paar Handwerker und Arbeiter gingen dem Eingang zu, Hämmern und Klopfen tönte, und dazwischen klang die scheltende Stimme des Poliers.

Wie es babrinnen jetzt wohl ausschauen mag", dachte Edelgard. Am Ende würde sie ihr Eltern­haus gar nicht mehr erkennen. Ob sie einmal hin- einschaute? Ein wenig neugierig nJar sie ja doch

wie ber neue Herr es sich eingerichtet hatte. 3nx/1

Studczynski hatte erzählt, daß man sich jetzt auf das Allernötigste an Veränderungen beschränkt hätte die großen baulichen Veränderungen sollten erst im kommenden Sommer beginnen, wenn der neue Besitzer wieder für ein paar Monate ins Ausland ginge.

Edelgard zögerte einen Augenblick; aber dann ging sie entschlossen durch die Halle. Hier war nicht viel verändert. Die alten Geweihe, die alten Kron­leuchter aus Hirschgestüngen hatte man hängen lassen nur die Fenster waren vergrößert und mit kostbaren Glasmalereien geschmückt.

Ueberall standen noch Möbel herum, Handwerks­gerät lag auf ber Erde, Bretter lehnten in den Ecken kurzum, es war ein greuliches Durcheinander.

Edelgard ging neugierig und doch etwas befangen durch das Getümmel. Hier und da mußte sie ein paar Arbeitern ausweichen, die mit Lasten aus einem der oberen Zimmer herunterkamen. Man grüßte sie freundlich; die meisten kannten sie.

Na, Fräulein, da jehn Sie man in den ersten Stock; da werden Sie Ihr blaues Wunder erleben da sieht's heute ganz anders aus", sagte ber Polier.

Wirklich, er hatte recht hier oben sah es ganz anders aus. Da, wo bas Schlafzimmer der Mutter gewesen, war ein großer Raum entstanden, mit Linoleum belegt, und merkwürdige Haken waren oben in die Ecke gestemmt.

Det soll een Gymnastikraum werden", rief einer der Handwerker im Vorübergehen,was so die feinen Herren for Sorgen haben. Wir haben unsere Gymnastik auch so!" Lachend jonglierte er einen schweren Holzbalken.

Daneben war Edelgards Schlafzimmer gewesen; es schien auch weiter als Schlajraum dienen zu sollen. Eine Tür war an der einen Wand durch- I gebrochen. Man sah in ein Zimmer, dessen Wände schon von einem Riesenwaschtisch, von Ankleidespie- I geln, von Schränken besetzt waren. Hier, neben ihrem Schlafzimmer, war einstmals ihr kleines Pup­penreich gewesen ein richtiges Zimmer nur für Puppen, ihr Bettchen, ihre Schränke und all den kleinen Liliputkrimskrams.

Dies Zimmerchen hatte Edelgard immer unver­ändert bewahrt erhalten, auch jetzt noch, da sie er­wachsen. Ihr eigentliches Spiel- und Arbeitszimmer war nach ihrem Erwachsenfein natürlich ein Jung­mädchenzimmer geworden. Das kleine Puppenreich aber war geblieben und jetzt erst, vor dem Um­zug, hatte Edelgard die Puppen, sorglich verpackt, auf den Boden geschafft.

Nun stand sie hier, sah bas kleine Kinderparadies zerstört. Unb was ihr in biesen Tagen vor lauter Arbeit unb Aufregung nicht zum Bewußtsein ge­kommen, nun würbe es ihr ganz klar unb schmerz­voll nahegebracht: Die Jugenb war zerstört, sie war dahingefchwunben mit bem Augenblick, ba bas Vater- ' haus in fremde, gleichgültige Hände gegangen.

(Fortsetzung folgtI)