ltt. 236 Drittes Blatt Gtetzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhefsen)Dienstag, 9. Oktober (934
MM MlW.
Roman von Gert Rothberq
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türrne-Verlag, Halle (S.).
9. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
„Ach, sieh mal an! Hübsch und toll! Wie niedlich! >as hat man schon von mir gesagt, wie ich ein ^hnjahriger Lümmel war. Und dabei scheint es nun jär immer bleiben zu sollen. Hübsch und toll! Natürlich, damit andere Leute was zum Lachen haben, f'ort liegt der Hase im Pfeffer, daß du es weißt. L der du? Ja, du! Du hast was an dir — Himmel- lnnnerwetter, wäre ich eine Frau, ich würde auch nicht wählen zwischen Arndt von Berken und dem ibernen Udo Bodenstein — kannst es mir glauben, rein Lieber."
„Du bist ja verrückt."
„Natürlich! Wenn einer schon mal zu einer klaren § elbsterkenntnis gekommen ist, dann ist er immer rrrüdt Er ist bloß ein hübscher, toller Kerl, wenn | r sich blödsinnig aufführt. Laß gut sein. Wozu mit t r streiten? Du hast recht mit allem, was du gesagt lost, und was du nicht gesagt hast, das stimmt auch, fcag lieber, was wir heute anfangen wollen! Fahren r ir ins Theater ober gehen wir in den Herderklub Oer ziehst du es vor, zu bummeln und uns dann ii^endwohin treiben zu lassen?"
„Ich habe Briefe zu schreiben und würde oor- z«ehen, später unten im Speisesaal zu essen, Dieb dicht anschließend noch ein bißchen zu raudjen und eine gute Flasche zu trinken und dann zeitig schlafen 311 gehen. Dreiundzwanzig Uhr wird es trotzdem tierben." v ,
„Allmächtiger, wie bie Wickelkinber! Ich kann richt schlafen. Ich gehe bann eben allein."
„Du bleibst mit hier unb schläfst bich aus. Morgen ooenb wirb es sicherlich sehr spät werben.
„Gut, bann bleibe ich eben hier. Aber — na, es i: ja alles gleich Ich gehe also einstweilen em bißchen in bie Halle. Briefe habe ich kein, zu schrei- t:m. Sie sinb alle daheim froh, wenn sie von mir Nichts hören und sehen."
Er machte sich an seinem Kleiberschrank zu schaffen, tmb Arnbt v^ 1 Berken ging zur Tür, buchte: ferner Kerl, bu! Du armer Kerl! Deine ganzen !nmmheiten unb Tollheiten entspringen ja nur enem einsamen Herzen. Als ob ich bas nicht schon Icmgft wüßte! —
Noch ein paar launige Worte, bann ging Arndt n m Berken hinaus. Und der luftige Udo von Boden- m(.,n dachte: Siehst du, Muttel, seid bu starbst, hab' ici kein Zuhause mehr. Unb nun ist es boch recht gut, kft sich ber Arnbt ein bissel um mich kümmert. Sehr h t ist bas Unb wenn mir eines Tages ein liebes, ItHnes Ding in ben Weg läuft, bann werde ich es
heiraten und ein braver, treuer Kerl werden. Was kommt denn schon bei dem ganzen Xrottelleben heraus? Nichts. Absolut nichts! Ueberhaupt dann nicht, wenn man so leichtsinnig ist wie ich. Der Arndt, ja der! Der weiß immer, was er will, der entgleist nicht. Der kann Abenteuer haben, so Diel er will. Aber er entgleist nicht, und das ist immer die Hauptsache. Aber ich? Na, es täf schon bitter not, wenn solch ein Mädel käme und mich ganz fest bei der Hand nähme. Und sagen würde: So, mein Bub, nun mal schön brav, sonst gibt’s was. Du wirst daheim bleiben, wir werden gemeinsam schaffen, und am Jahresende werden wir uns gemeinsam über das freuen, was wir geschafft haben. Und wenn dann noch zwei Kinderchen da wären, bann wäre bas Glück vollkommen! —
Wirklich, er sehnte sich mit aller Macht nach einem gemütlichen Heim — er, ber tolle Bobenstein!
Wenn bas seine Freunbe wüßten!
Die kannten ihn ja alle nicht. Ihn kannte nur ganz genau Arnbt von Berken. Unb ber war ihm ja auch von allen ber liebste.
Bobenstein zog sich an, ging bann in bie Halle hinunter, war zehn Minuten später schon wieber in seinem Fahrwasser unb liebäugelte mit einem hübschen Mäbel, bas sittsam neben Vater unb Mutter saß unb hinter einer Zeitung spitzbübisch hervorlugte.
Bobenstein klemmte unternehmungslustig bas Monokel ein, unb nun entspann sich ein Flirt, ber nicht von Pappe war. Aber auf einmal kam bie sorgsame Mama bahinter
Sie äugte scharf zu bem Missetäter herüber, gab ber Tochter einen Klaps, worauf bie hinter ber einen Seite ber Zeitung verschwanb unb hinter ber anbern wieber hervorlugte. Die Mama machte bem Missetäter Augen, in benen beutlich zu lesen war: Nicht mal in einem erstklassigen Hotel ist man vor solchen Lümmeln geschützt!
Das las also Ubo in ben Augen biefer aufgebrachten Mama Dann horte er aber auch noch zum Ueberfluß bie Dame sagen:
„Oskar, bu wirst bir ben Kerl bort brüben einmal oorbinben, aber orbentlich Ich gehe mit Else aufs Zimmer. Sie hat auch Augen gemacht; sie soll was erleben."
Oskar schien kurzsichtig zu sein. Er blinzelte hierhin unb borthin, unb meinte bann:
„Welchen meinst bu, liebes Annchen!"
Annchen bezeichnete ihm genau ben Missetäter unb ging bann mit ber Tochter bavon. Letztere wagte nicht mehr herüberzusehen, was Ubo sehr bebauerte. Das Mäbel gefiel ihm wirklich. Allerliebst war sie. Unb es waren solch folibe Leute Gutsbesitzer sicherlich auch. Natürlich, es war ja bie Grüne Woche! Da kamen sie ja von überall her, diese Leute. Wenn es schief ging, traf er noch seinen Dater. Denn der alte Herr war auch immer zur Grünen Woche nach Berlin gefahren. Aber die Frau Stiefmama war da auch mit Puh!
Ja, also er hatte einen direkten Heißhunger nach einem lieben Mädel, das der schönen Berani nicht im geringsten ähnelte!
Soweit war er!
Und er schaute noch immer bedauernd hinter ben beiben Damen her, als ein bicker, blonber Herr mit Brille sich an seinem Tische aufpflanzte, sich vor- stellte:
„Gutsbesitzer Keller. Mein Herr, ich möchte Ihnen gern etwas sagen."
„Ubo von Bobenstein. Stehe zu Diensten."
„Bobenstein? Doch nicht ber einzige Sohn von Artur Bobenstein, ber auf Giesmar sitzt unb seinen Kohl baut?"
„Derselbe, Herr Keller."
„Nee, wie mich bas freut! Nee, aber so was! Sie gestatten boch, lieber Bobenstein?"
„Bitte, lieber 5err Keller!"
Die Herren saßen nach einer Stunbe noch beisammen, hatten sich eine Flasche Wein kommen lassen, rauchten unb waren kreuzfibel.
I Der armen Else war inbessen broben eine saftige Ohrfeige verabreicht worben. Die junge Dame 1 meinte. Wo ihr boch ber Herr so sehr gefallen hatte, !unb sie hatte boch auch sonst noch nie nach einem Herrn gesehen. Die Mama stanb am Fenster unb sah verbrossen auf bie Straße hinunter. Unb um sie war j bie Ruhe bes vornehmen Hotels.
Es klopfte.
Ein Hotelboy. Er richtete aus:
Eine Empfehlung von Herrn Keller, unb bie Damen möchten boch noch ein bißchen herunter« kommen. Es wäre so nett unten."
„Danke! Wir können jetzt nicht kommen. Ich lasse jeboch Herrn Keller bitten, in einer halben Stunbe hier zu sein, ba wir Einkäufe besorgen müssen."
„Jawohl, gnädige Frau."
Die Tür schloß sich geräuschlos.
Nach genau einer halben Stunbe kam Herr Keller. Mit weinseligen Augen blickte er seine Frau an.
„Hast bu bem Frechen bie gebührenden Worte gesagt?" forschte sie streng.
Du hattest bich mächtig geirrt, liebes Annchen. Der ist gar nicht frech. Das ist nämlich ber einzige Sohn meines Freunbes Bobenstein. Hm! Da siehst bu, wie man sich irren kann. Unb ich habe ihn für morgen eingelaben, sich uns ein bißchen anzuschließen. Aber morgen kann er nicht, er hat etwas anberes vor, unb kann da nicht mehr zurück, so gern er es auch täte. Nun geht er heute mit uns in ben Abmiralspalast. Ich lasse eben Karten besorgen Unb — ber Junge ist schwerreich! Unb er interessiert sich mächtig für unsere Else."
Frau Anna Keller warf einen reuevollen Blick auf ihre Tochter. Aber bie Ohrfeige ließ sich leiber nicht mehr ungeschehen machen. Unb Else lachte ja auch schon wieder.
„Wer konnte denn bas wissen", sagte Frau Keller ein bißchen verlegen.
Weihe der ersten Marine-Eturmfabne
ben Einheiten auf einen Tag zu einer Feier zusa menzufassen. Für ben Marine-Sturmbann Gieß
Di
eßen
ben Dekanen unb
Nach ber Vereidigung beim gemeinsamen Gesang bes Horst-Wessel-Liebes. (Aufnahmen: Photo-Pfaff.)
Mittagspause an ber Lahn.
tät ober seinem Stellvertreter, ben Probekanen"
ber Standarte 116, Obersturmbannführer Lutter, ber Standartenabjutant, Sturmbannführer Mün - ker, ber Führer bes SS.-Sturmdannes, SS.» Sturmführer H a i n b a ch, der Abjutant ber Motor- staffel I M 147, sowie weitere Vertreter ber SS. unb SA. erschienen.
Mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den obersten SA.-Führer Adolf Hitler schloß die Kameradschaftsfeier und damit dieser für den Marine-Sturmbann Gießen bedeutungsvollen Tag.
Aus der proviuzialhaupisiadi.
Die Verfassung
der Hessischen Landesuniversiiät.
Die Ministerialabteilung für Bildungswesen, Kultus, Kunst und Volkstum veröffentlicht die nachstehende Bekanntmachung:
Die Verfassung der Hessischen Landesuniversität Gießen vom 13. Oktober 1933 — Hessisches Regierungsblatt Nr. 27, Seite 223 — wird wie folgt geändert:
In § 9, Satz 1, werden die Worte „dem Obmann der nationalsozialistischen Hochschullehrerschaft" gestrichen und durch die Worte „dem Führer der Dozentenschaft der Universität" ersetzt
§ 9, Satz 1, lautet nunmehr:
„Der Senat besteht aus dem Rektor, dem Kanzler, dem Führer der Dozentenschaft der Universi-
in der Turnhalle am Dsroalbsgarten zu einer eindrucksvollen
Kameradschastsfeier.
Sturmbannführer Mettenheimer begrüßte bie erschienenen SA.-Kameraben unb gab {einer Freube borüber Ausbruck, baß es zum ersten Male möglich sei, alle zum Gießener Marine-Sturmbann gehören«
§ 17, Satz 1, erhält vor bem Strichpunkt folgen» ben Zusatz: „unb ber Vertreter ber Dozentenschaft ber Universität,"
§ 17, Satz 1, lautet nunmehr:
„Mitglieber ber Fakultät sinb alle Professoren unb Privatbozenten biefer Fakultät unb ber Vertreter ber Dozentenschaft ber Universität; sie können insgesamt ober einzeln vom Dekan zur Beratung zugezogen werben."
ißoriwtificn.
— Tageskalenber f ü r Dienstag: Stadttheater, 20 Uhr bis 22.15 Uhr: „Krach um
Vereidigung der GA -Männer des Marine-Gtunnvannes Gießen
fahne einzustehen. Nach Verlesung ber Eibes- firmel burch ben Stanbortälteften Lutter sprachen bie Marine - SA. - Männer mit erhöbe«' ner Rechten ben Schwur: „I ch gelobe e s", ben sie anschließenb burch Berührung ber neugewechten i Fahne bekräftigten. In einer Ehrenpause, wäl)renb ber bie Kapelle bas Lieb vom guten Kameraben I spielte, gebuchte man der gefallenen Kameraden. Standartenführer Lutter ermahnte bann bie 23er» eibigten zur restlosen Erfüllung ber Pflichten bes SA'-Mannes unb ber befonberen Aufgaben, bie ber Marine-SA. als einer Sonberformation innerhalb ber SA. erwachsen. Die Marine-SA habe mit bie Aufgabe, im deutschen Volke die Liebe zur See, zum Meere wieder zu wecken und fördern. Die SA. wolle kein Waffenträger sein, sie sei Träger der nationalsozialistischen Idee. Wer sich in die SA. eingereiht, ber habe zum Ausbruck gebracht, baß er sich freiwillig für biefe Ibee einsetzen wolle, mit seinem ganzen Ich, wenn es fein müsse mit bem Leben. Wer sich empfinbungsgemäß zu unserer Ibee bekenne, ber brauche nur auf unseren Führer Abolf Hitler zu sehen und das Vorbilb nachzuleben, das er uns gibt. Mit einem breifachen Sieg-Heil auf ben obersten SA.-Führer unb Führer bes Deutschen Volkes, Abolf Hitler unb mit bem Horst-Wesfel- Linb fanb bie weihevolle Feier ihren Abschluß.
An bie feierliche Einbringung bes Felbzeichens ber Stanbarte 116 im ©tanbcirtengebäube schloß sich ein Marsch bes Sturmbannes burch bie Straßen ber Stadt an, ber mit einem Vorbeimarsch ber Einheiten vor bem Führer bes Marine-Sturmbannes enbigte.
Die Einheiten würben dann in den an der Lahn liegenden Standquartieren (Bootshaus des Vereins! Rudersport und Marine-Bootshaus) aus der Feld- i küche verpflegt und vereinigten sich am Nachmittag
Am Sonntag fand die V e r e t b i g u n g ber zum Marine-Sturmbann Gießen gehörenden Einheiten, sowie die Weihe der ersten Ma-
N e.St# rmfabne statt. Mit flottem Spiel bes Marine-Stürmbann-Musikzuges, zu bem ber Spielmannszug ber Stanbarte 116 getreten war, erfolgte kr Marsch nach bem Trieb.
Auf bem Platz vor ber Volkshalle ließ ber Fiih- • er bes Marine-Sturmbannes Gießen, Oberscharführer Mettenheimer, zur Melbung an ben Be- eichsführer ber Gruppe Hessen ber Marine-SA., Obersturmführer D 0 ebel antreten, ber in Begleitung bes Marinebereichs-Funkreferenten, Sturmfüh- :ier von R 0 t s m a n n, erschienen war.
Oer Führer der Standarte 116, Obersturmbannführer Lutter,
«er in Begleitung bes Stanbartenabjutanten Sturmbannführers fünfer erschienen war, begrüßte so- . ann bie SA -Männer bes Marine-Sturmbannes i nb nahm in seiner Eigenschaft als Stanborts- illtester bie Weihe ber Sturmfahne mb bie Vereib igung der SA. - Män- • e r vor Der Führer der Standarte wies in f-iner Ansprache daraus hin, daß die Fahnen von i her das Wahrzeichen wehrhafter Männer gewesen j. ien; aber während die Fahnen früher oft pomp- hft ausgestattet gewesen, eine die andere über» hietenö, seien die Fahnen des Dritten Reiches, ism Wunsche des Führers entsprechend, alle gleich itnb einheitlich, weil wir ja alle in dem gleichen j ampfe um das einheitliche Ziel stünden. Standar- i nführer Lutter weihte sodann die erste Marine- Goturmfabne durch Berührung mit der Standarte 'N6 und übergab darauf die Sturmfahne mit der (rmahnung, stets voll und ganz für die Sturm-
Habe die Feier eine besondere Bedeutung insofern, als die Weihe und die Verleihung der ersten Sturmfahne, die die erfte* Marine - Sturmfahne im Bereiche der Gruvpe Hessen überhaupt sei, wohl auch als eine Anerkennung ber in rund einem Jahre geleisteten Arbeit im Rahmen der gesamten SA. angesehen werden dürfe. Mit der Mahnung, die wahre SA.-Kameradschaft, wie sie die einzelnen Stürme schon immer pflegten, nun auch innerhalb bes Sturmbannes zu vertiefen, unb mit bem Wunsche, baß bie anwesenben SA.-Männer einige recht angenehme Stunben ber Kamerabschaft verleben möchten, schloß Sturmbannführer Mettenheimer seine Ansprache
Den Hauptteil ber anschließenben Unterhaltung bestritt programmäßig ber Musikzug bes Marine- Sturmbannes unter Leitung von Musikzugführer Deuber. Die Darbietungen an schneibigen Märschen unb Ouvertüren, wie auch als Einlagen bie Tenorsolis, bie Post im Walbe u. a., würben von ben SA.-Kameraben mit begeistertem Beifall bebau kt Eine Ueberraschung boten bie unerwarteten Darbietungen eines „Schifferklavier"-Quartetts bes Marburger Sturmes und der kombinierten „Bord- Kapelle" des Limburger Sturmes, ferner die humoristischen Dorträge eines Aneghörigen des Wetzlarer Sturmes unb bie unter Begleitung ber Kapelle gezeigten Grotesk- unb Walzertänze eines Angehörigen bes Sturmes II Gießen, sowie bie vom Lehrsturm Gießen gebrachte „BüHnen-Attraktion", bei ber bie mitwirkenben Kameraben in humoristischer Weise mit sportlichen unb gymnastischen Darbietungen aufwarteten. Alle Vorführungen fanben großen ' Beifall Zu biefer Nachmittagsfeier, ber auch ber Marinebereichs - Funkreferent Stürmführer von i o t s m a n n beiwohnte, waren ferner ber Führer
„Man sollte eben vorsichtiger sein. Unb es war gut von mir, baß ich nicht gleich wie ein Wüterich auf ben netten Kerl einbrang. Nett ist er nämlich wirklich."
So! Die Sache war in Drbnung.
Unb bie Kellers ließen bann ben Gatten unb Vater schlafen. Ihn in biefer fibelen Weinlaune mit in bie Geschäfte zu schleppen, war nicht angebracht. Er ulkte bann bie Leute an, unb manchmal hatte man ba noch ben schönsten Aerger. Also ließ man ihn hier gemütlich schlafen. Er war sowieso gewöhnt, am Nachmittag ein Nickerchen zu machen. Unb Mutter unb Tochter gingen allein.
Am Abenb trat Ubo von Bobenstein zu seinem Freunbe Arnbt ins Zimmer. Fertig angezogen, im eleganten Abenbanzug.
Arnbt lächelte.
„Du bleibst also nicht mit baheim! Wohin, wenn man fragen barf?"
„Mit meinen zukünftigen Schwiegereltern unb meiner zukünftigen Frau in ben Abmiralspalast."
„Kannst bu beine Witze nicht morgen machen?"
„Wieso Witze? Wenn ich bir sagen würbe: Bleib baheim, Freunberl, ich hab' was vor. Mich hat eine schöne Frau zum Tee geloben — bann würbest bu boch auch sofort Verstänbnis bafür haben. Warum jetzt nicht?" tat ber anbere beleibigt.
Arnbt lächelte.
„Dann erzähle kurz."
„Kann ich nicht. Dauert zu lange. Ich erzähle bir morgen."
„Soll ich mich anschließen? Das heißt, höflich unb freunbschaftlich bist bu gerabe nicht. Du hättest mich boch aufforbern können?"
Ubo Bobenstein machte erschrockene Augen.
„Um bes Himmels willen! Dich! Nein! Kann ich nicht! Die Mama würbe sofort feststellen, baß bis kleine Else boch eher bich zu nehmen hat als mich. Nichts zu machen! Dich kann ich nicht brauchen heute abenb. Du gefällst ber Mama bestimmt viel besser als ich, wenn sie uns nebeneinander sieht."
„Du bist tatsächlich verrückt!"
„Bloß verliebt."
„Kann zuweilen auf eins herauskommen", sagte Arndt trocken.
„Ich liebe ein kleines, blondes Mädel. Ganz unverdorben und süß ist sie. Einzige Tochter von Guts» besitzer Keller, ber mit seiner Familie hier mit im Hotel wohnt. Ich höbe solche Sehnsucht nach solibem Boben. Kann bu mich verstehen? Ich möchte 'raus aus allem, was mich bisher umgeben bat.*
Arnbt trat zu bem Freunbe, sah ihm einbringlich in bie Augen, sagte:
„Ubo, ist's auch keine bloße Laune? Mach bu nicht erst ein junges Menschenkinb unglücklich, wenn btt meinst, baß es nicht sestsitzt bei bir, bioses Solid« scin-Wollen!"
(Fortsetzung folgt!)


