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Ur. 23b Zweites Blatt

Gletzeirer Anzeiger (General-Anzelgel für Gberhesieiy

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thronte Willen, in der drollige halten.

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den Hinterfüßchen darin und knabbern die Futter­körnchen, sie mit beiden Vorderfüßchen haltend, mit einem ruhigen Behagen auf, völlig unbekümmert um das Dasein meines Dompfaffen, ganz als müßte das so sein. Doch sicher nicht nur Furcht meines, seiner Art nach schon ziemlich ruhigen und großen Vögelchens, das die beiden kleinen Eindringlinge

Der Film läuft nur noch heute. Das Beipro­gramm, das vom Lichtspielhaus dazu aus­gewählt wurde, ist diesmal besonders reichhaltig: man sieht je einen Vorspann zu'dem amerikanischen FilmDie große Zarin" mit Marlene Dietrich und zu dem SchmugglerfilmSchüsse an der Grenze", ferner ein Lustspiel, dann einen Land-'

wie er da, den Hals weit vorgestreckt, mit erschreck­ten Augen, sonst aber ruhig, weil er mich in der

der Nacht. Endlich drehe ich das Licht im Zimmer an und trete vorsichtig an sein Bauer. Sofort ist mein Tierchen ruhig, nur sein kleines Herz klopft noch ungestüm. Nach einigen beruhigenden Worten schließt er aber wieder seine Aeuglein.

In der nächsten, ebenso wolkenlosen Mondnacht, um dieselbe Zeit, wiederholt sich seine sonderbare Unruhe, der ich, wie auch in den nächstfolgenden Nächten, nicht auf der Grund zu kommen vermag. An einem hellen, freundlichen Nachmittag jedoch, der sich solcher Nacht anschloß, sitze ich in meinem Zimmer am Schreibtisch und arbeite. Tiefe Stille ringsum. Nur eine einsame Fliege summt

Unwillkürlich blicke ich einmal von meinem Schreiben auf und zu meinem Vogel hin. Ich sehe.

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Gyuk im Vogelbauer.

23on Margarete Aaenselt

Es ist ein Uhr nachts. Wie allabendlich trete ich noch einmal an das eine offene Fenster meines Wohnzimmers. Im Licht des Vollmonds ruhen mein Heimatstädtchen, mein Elternhaus, sein Garten und daneben das Stück alter, hoher Stadtmauer, die während vieler Jahrzehnte zahlreichen Stürmen und Bränden getrotzt hat. In vollen Zügen trinke ich die Reinheit und Wärme der Nacht in mich hinein. Stark duften Gaisblatt und Jasmin, der hauchfeine Geruch, der sich jetzt erschließenden kleinen Blüten der echten Weinreben an meinem Vater­hause. Nachtluft und Blütenduft ziehen auch herein

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Lang spricht zu den Arbeitsmännern.

daraus zu erklären, sie für ihre Ideale, die sie in dem Farbenstudententum gepflegt hätten, augenblick­lich etwas schwarz sehen.

Trotzdem würden sie durchaus nicht ablehnend der Neugestaltung der Deutschen Studentenschaft gegenüberstehen. denn einen Teil der Ideale, die heute im Arbeitsdienst der Studenten ge­pflegt würden, hätten früher die Studenten auch erstrebt. Das Volksverbundensein aber, das heute im Vordergrund stände, sei ihnen erst später, vor zwanzig Jahren, zum Bewußtsein gekommen. Jetzt merke jeder, daß wir am An­fang von etwas Neuem seien.

Riesengroße Verantwortung bedeute dies für alle, die das Neue mitbauen helfen wollten, ganz beson­ders auch für den Akademiker. Vor allem müsse wie­der la u ter st e Wahrheitsliebe und Pflichtbewußtsein geübt werden, denn die Geschichte beweise, daß nichts von Bestand war, das nicht von diesen Tugenden getragen worden sei. Jede Staatsform zerfiel und zerfalle, wenn sie nicht das sei, was sie zu sein vorgebe. Eine Monarchie müsse untergehen, wenn sie sich mit Demokratie in­fiziere; eine Demokratie sei dem Untergang geweiht, wenn anstelle der Volksherrschaft Jnteressencliquen träten. Dabei zeige jede Staatsform, die wir aus.

poiarstürme."

Dieser Film, dem Aufnahmen der Trenkerschen Arktis-ExpeditionRus des Nordens" zugrunde­liegen, beginnt wie die meisten der zahlreichen Berg- und Schneefilme Trenkers mit einem Ski­rennen im Alpenland, geht aber dann schnell in die eigentliche Handlung über, wechselt den Schauplatz und wandelt etwa auf den Spuren des Fanck-Fil- mesSOS Eisberg". Eine Expedition ist in der Arktis verschollen, eine Hilfsexpedition wird ausge­rüstet, das Schiff stößt nach Norden vor, friert im Packeis ein, zwei Männer mit Schlitten und Hun­den machen sich auf, die Verschollenen im ewigen Eis zu suchen. Die Schicksale dieser beiden bilden das eigentliche Kernstück der Handlung, die gegen Ende sogar noch einen Einschlag ins Kriminelle er­hält; die Lösung erfolgt zuletzt in einer Doppeldar­stellung von Bild und Wort. Der Film Aufnahme­leitung Dr. Holsboer ist eine starke Leistung, die sich durch ihre saubere, ganz realistische Auf­nahmetechnik und sehr schöne, klare Bilder sympa­thisch kennzeichnet. Die Handlung ist spannend, dra- matiich und heroisch in Thema und Haltung; auch wo dem Zuschauer der Zusammenhang vielleicht nicht sofort in allen Einzelheiten klar wird, setzt sich die eindringliche Photographie und die einfache, un­posierte Gebärde aller Darsteller, die außer T r e n - k e r selbst und Holsboer (aus dem Fanck-Film SOS Eisberg" bekannt), im Programm übrigens nicht namentlich aufgeführt werden, immer wieder durch. Trenkers Eignung für dergleichen Stoffe ist ja oft genug erprobt, und seine Leistung ist auch hier wieder überzeugend, sympathisch und schlicht. Die Gerichtsverhandlung zuletzt schwächt allerdings für unser Empfinden den Gesamteindruck ein wenig ab. Die Aufklärung des Dramas in der Einsamkeit des großen weißen Schweigens hätte auch ander­weitig ohne Einbuße an Spannung erfolgen können. Daß Fälle dieser und ähnlicher Art in der Wirklichkeit oft genug vorgekommen sind, weiß jeder, der sich in die Geschichte der Polarforschung ein wenig vertieft hat. (Wir erinnern in diesem Zusammenhang an die ausgezeichnete Darstellung Der Ruf des Nordens" von H. H. Houben, auf die früher bereits hier aufmerksam gemacht wurde.)

Zweites Arbeitsdienst-Gtudenientreffen in Angersbach bei Lauterbach.

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Kreisdirektor und Kreisleiter pg. Or.

Am Samstag und Sonntag fand in Angers- bach bei Lauterbach das zweite Treffen der zur Zeit im Arbeitsdienst befindlichen Abiturien­ten und Studenten der Abteilungen 223/1, 2, 3, 5, 6, 7, 224/2 und 6 statt.

Im Ortsgruppenheim der Ortsgruppe der NSDAP. Angersbach trafen im Laufe des Samstag nachmittag ungefähr 90 Arbeitsmänner ein, um bei dieser Zusammenkunft sich Aufklärung und Rat für ihr nun bald beginnendes Studium zu holen. Unterfeldmeister Erdmann vom Arbeits­gau XXII, der auch das erste Treffen in Gießen am letzten Wochenende leitete, hatte auch dieses Tref­fen organisiert.

Nach kurzer Begrüßung durch Unterfeldmeister Erdmann hielt

Kreisleiter Dr. Lang

einen Vortrag überDer Akademiker im Dritten R e i ch". Der Redner begrüßte zunächst als Kreisdirektor, Kreisleiter und als geborener Angersbacher die Arbeitsmänner in den Mauern von Angersbach. Dann kam er auf den Unterschied zwischen den früheren und den heutigen Studenten zu sprechen und führte weiter ungefähr folgendes aus: Wenn die alten Akademiker bei der jetzigen Neugestaltung der Studentenschaft fremd und ab­wartend gegenüberständen, so sei das hauptsächlich

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Tischlein decköich - Knüppel aus dem Gack!

Unpolitischer Brief aus der Reichshauptstadt

Von Or. Theodor Biegler.

____ aber verschwand es ebenso wie das erste durch eine ungewollte Bewegung von mir. Der nächtliche Spuk war dahin. Er kehrte nicht wieder.

beinahe unter seine bunten Flügel nehmen könnte, ist der Grund seines ungewöhnlichen Gebarens. Nein! Er faßt es offenbar nicht und sie finden es so selbstverständlich daß sie das Futter nehmen da, wo es sich ihnen bietet. Noch dazu, wenn es so graziös und zierlich geschieht wie durch sie. Aber da geschah noch etwas viel Unglaublicheres. Eine unbeabsichtigte Handbewegung meinerseits ver­scheuchte die beiden ebenso kecken wie kleinen Räuber, und zum zunächst offensichtlichen Entsetzen meines Vögelchens saßen sie in der nächsten Sekunde dicht neben ihm auf seinem Stäbchen. Einer zu seiner linken, der andere zu seiner rechten Seite, wie schutzsuchend bei ihm. Nicht einer von den Dreien wagte sich zu rühren. Jeder fürchtete sichtlich die unmittelbare Nähe des anderen. Mein Dompfaff förmlich erstarrt, wie ein Pascha wider in ihrer Mitte. Leider war meine Kamera Dunkelkammer, und so konnte ich dieses und eigenartige Bild nicht dauernd fest­

stoben, und wo der tolle Otto einenkippte", darauf konnte man bauen.

Viele kleinere und kleinste Lokale gibt es noch in Berlin, die durch Künstlerstammtische berühmt wur­den. Unmöglich, sie alle aufzuzählen. Im zaubrigen Dunst der vorgerückten Stunde erzitterten die Wände von den Lachsalven ungestümer Tempera­mente, vom Wortgepolter erhitzter Köpfe, von den elementaren Ausbrüchen einer ungezügelten Lebens­und Schaffensfreude. In all diesen Lokalen bei Aenne M a e n z, bei Frau Schwanebeck gegen­über der Skala, bei Henry Bender, überall wo Dichter und Schauspieler, Tänzerinnen, Akrobaten und Jongleure, Seiltänzer und Dompteure verkehr­ten oder verkehren, sind die Wände mit den ulkig­sten und originellsten Photos weltberühmter Künst­ler gespickt. Seht, wie diegute, alte Zeit" noch lebendig ist! Man muß nur, will man sie finden, den richtigenRiecher" haben ...

Neues Leben blüht...

Die City, vor dem Krieg berühmt durch ein prunk­voll rauschendes, farbenfreudiges Geschäfts- und Vergnügungsleben, erholt sich nach und nach von dem Starrkrampf der letzten Jahre. Der Westen hatte die City totgeschlagen. Sie knipste ihre Lichter aus, verdunkelte ihre Fassaden und stellte sich leblos.

Eines Tages aber kamen die Maurer und Zim­merleute, die Maler und Anstreicher mit Spitzhacke Spaten, mit frischen Farben und neuen Tapeten, um die alte, vergessene City zurestaurieren".

Und der Erfolg? Vor kurzem sind eine Reihe alter, berühmter Gaststätten im neuen Glanz er­standen, darunter das Admiralcafs in der Nähe des Bahnhofs Friedrichstraße und das weit über die Grenzen Berlins bekannte Wein- und Speiselokal F. W. B o r ch a r d t, wo neben manchen Prominen­ten der Bank- und Finanzwelt auch Bismarck öfter zu sehen war. Ein riesiges, volkstümliches Ver­gnügungshaus, dasAtlantis", eröffnet Gustav Steinmeier in den ehemaligen Räumen des Palais de danse" und desPavillon Mascotte".

Die City erwacht. Aus den klassischen Räumen blüht das berühmte neue Leben, es geht wieder auf­wärts, Herrschaften, ein Lokal nach dem anderen öffnet die Pforten, hereinspaziert, nur hereinspaziert, die City lebt, es lebe die City!

schaftsberichtDer Fluß", welcher den Main von der Quelle bis zur Mündung begleitet, endlich die vielseitig interessierende, neue Wochenschau der Ufa.

Die Apotheke im Theater.

Die starken Erschütterungen, welche unser Stück auf das Nervensystem hervorbringt, haben die Di­rektion veranlaßt, im Foyer des Theaters eine Apotheke unterzubringen, wo die Damen Salze, Essig und andere niederschlagende Mittel bereitfin­den werden." Dieser eigenartige Vermerk ist auf dem Theaterzettel eines Pariser Theaters vom Jahre 1790 zu lesen. Die Ursache zu dieser Ein­richtung einer Apotheke in einem Theaterfoyer hat Kotzebue gegeben, dessen StückMenschenhaß und Reue" auf seinem Siegeszug auch nach Paris ge­langte und in einer Uebersetzung von Madame Mole gespielt wurde. Der Regisseur derComedie Fran^aise, Florence, setzte das Stück in Szene, aber da er sich nicht verhehlen konnte, daß das französische Publikum dem Stück ziemlich skeptisch gegenüberstehen würde, griff er zu ebenso originel­len wie wirksamen Mitteln, um die Menge in das Theater zu locken Zunächst ließ er bald nach Er­scheinen der ersten Ankündigung des Stückes die Mitteilung verbreiten, daß für die ersten zehn Abende sämtliche Billets bereits vergriffen wären. Während dieser ganzen Zeit wurde der Theatersaal mit Freibilletlern gefüllt, und als die zehn Tage herum waren, sprach man in ganz Paris nur noch und dem kolossalen Beifall, denMenschenhaß" und Reue" errungen hatte, und in kurzer Zeit waren, jetzt aber in Wirklichkeit, die Billets für die nächsten 60 Vorstellungen total vergriffen. Allein der ehr­geizige Regisseur begnügte sich mit diesem Erfolge noch lange nicht. Um die Wirkung des rührseligen Stückes auf das Publikum zu erhöhen, plazierte er an jedem Abend drei bis vier gut instruierte Freun­dinnen unter die Zuschauer, mit der Verpflichtung, an besonders effektvollen Stellen ohnmächtig zu werden. Und da die Damen der damaligen Gesell­schaft in ihrer Empfindsamkeit nicht Zurückbleiben wollten und bald massenweise gleichfalls Ohnmacht bekamen, konnte sich die Direktion bald die drei Probierdamen" sparen, denn es zeigte sich, daß eine Dame, die das Zeichen zur Ohnmacht gab, vollkommen genügte. Bald war auch dieses über­flüssig, denn es wurde Mode und gehörte sozusagen zum guten Ton, daß man beiMenschenhaß und Reue" in Ohnmacht siel.Menschenhaß und Reue" erlebte in kurzer Zeit über hundert Aufführungen, und die Apotheke war ebenso besucht wie das Theater und erbrachte zu den Kasseneinnahmen noch einen beträchtlichen Nebengewinn.

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Bei einem Wirte wundermild.."

A propos Knüppel:Knüppel" ist in Berlin die Bezeichnung für eine gewisse Sorte von Brötchen. Dies nebenbei.

Also: das große Wort haben in diesen Tagen die G a st w i r t e, die Hoteliers, die Bäcker und Kon­ditoren. 700 Hoteliers, lauter Künstler ihres Faches hervorragende Taktiker der Kochkunst, Klassiker der Bratpfanne und des Wohlbehagens sind in Berlin zusammengekommen im Zeichen des Fremdenver­kehrs, der Völkerversöhnung, der Verständigung. Wenn der alte L u c u l l u s das erlebt hätte, wie würde diesem klassischen Feinschmecker das Wasser im Munde zusammenlaufen!

Die Gastronomen beherrschen Berlin. In der Krolloper hat ein festlicher Empfang stattgefunden. Am Kaiserdamm zeigen die Gastwirte den Fortschritt und die Entwicklung ihrer wohlschmeckenden Kunst. Das Schlaraffenland soll, wie mir kürzlich ein pro­minenter Feinschmecker versichert hat, im Vergleich dazu so dürr und reizlos sein wie die Wüste Sahara.

Wenn wir die Größe des Anlasses bedenken, ist es mir schicklich, in diesem Berliner Brief von nichts anderem zu reden als von den Dingen, die Magen und Bauch betreffen. Es soll eine Huldigung sein für die, die sich einem so humanen Beruf verschrie­ben haben, um uns das Dasein durch bezaubernde Küchendüfte und lockende Federbetten zu verschö­nern. Leute, die dafür sorgen, wie wir am besten essen und schlafen können, sollen uns herzlich will­kommen sein. Was mich betrifft, ich würde, ohne mit der Wimper zu zucken, dem Erfinder des Wie­ner Schnitzels ein Denkmal fetzen.

Hoteliers, Wirte, Konditoren find Künstler. Es ist manchmal schwieriger, eine gute Torte zu backen als ein schlechtes Drama zu schreiben. Es gibt Kochkünst­ler, die aus schöpferischem Drang neue Gerichte kom­ponieren, Symphonien des Gaumens. Diese Män­ner haben Phantasie und Fingerspitzengefühl, eine sensible, empfindsame Zunge und eine unvergleich­liche Spürnase. Willkommen, ihr Dirigenten des Kochlöffels, ihr Meister der vollen, dampfenden Schüsseln, ihr Mixer der edelsten Gewürze! Die Musi? unseres knurrenden Magens begleitet euren Einzua!

Schwelger und Miheffer.

Manche sagen, der Berliner habe wenig Sinn für die kleinen Wonnen des langsamen, behaglichen Essens. Der kleine Moritz bildet sich ein, jeder Ber­liner sei eine Art rasender Reporter, der auf ras­selnder Rolltreppe zwischen zwei richtigen Telephon­gesprächen seine Bc-ckwurst verschlingt. Zweifellos, solche rasenden Blitzesser gibt es. In der einen Hand halten sie die Aktentasche, mit der anderen führen sie die Bockwurst zum Mund. Das macht, weil die Mittagspause zu kurz ist. Für diese Bedauernswer­ten sind die zahllosen Aschingerbetriebe ein wahres Dorado, dort drängen sie sich um die hohen, runden Stehtische, schlürfen hastig die so volkstüm­lichenLöffelerbsen mit Spe ck", das Na­tionalgericht der kleinen Angestellten, und essen ein Brötchen nach dem andern, denn die Brötchen, mein Herr, sind bei Alchinger gratis! Aschinaer ist darum b°r beliebte Treffpunkt der rasenden Blitzesser, das Wurstparadies der Leute, die keine Zeit haben.

Das soll beileibe nicht heißen, daß die Gemütlich­keit ausqestorben wäre. Oh, es gibt in Berlin eine ganze Reihe ausgesprochener Stammtischlokale, in denen schon unsere Großväter einen kräftigen Korn hinter die Binde gossen. Es gibt eine Menge solcher S i tz l o k a l e", viele versteckte, verschwiegene, ur­gemütliche und urfidele Weinstuben und Bierhallen, die eine alte, vollbärtiqe Tradition haben. Gast­stätten mit dem Edelrost einer berühmten Vergan­genheit, Lokale, in denen sich echte Klassiker die un-

der Geschichte kennen, Zeiten und Männer auf, die stets leuchtend und groß dagestanden hätten. Die Ursache dafür fänden wir darin, daß da alles ge­führt und getragen worden sei von Wahrheitsliebe und Pflichtbewußtsein in höchstem Ausmaße. Der Nationalsozialismus habe das marxistisch-liberali- stische Zeitalter abgelöst, der Wurm der Unwahr­haftigkeit habe dieses System reif zum Zerfall ge­macht. Denn der Liberalismus mit feiner Parole: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit!" stelle im Gegen­satz hierzu die Befriedigung des eigenen Jchs in den Mittelpunkt des Geschehens. Wo bleibe da Freiheit, wo sei Gleichheit, wo Brüderlichkeit? Ferner habe der Marxismus, der doch sozialistisch sein wollte, sich in der Führung mit dem Kapitalismus, der als internationaler Kapitalismus der Todfeind des So­zialismus fei, verbunden. Wir sähen also, daß alles, was in sich die Lüge trage, dem Untergang ver­fallen fei.

Wir wollten den nationalsozialistischen Staat nun aufbauen. Da müsse man sich erst klar dar-' über fein, was eigentlich Sozialismus sei. Der Sozialismus werde dann erst im deutschen Volke eine Selbstverständlichkeit, wenn der Gleichklang im Blute des deutschen Volkes her- gestellt sei. An Stelle der früheren Regierungs­systeme trete das Führerprinzip voller Verant­wortung und voller schwerster Aufgaben. Wir hätten nun den nationalsozialistischen Staat und hätten klar erkannt, daß der Natinonalsozialis- mus nichts Vorhandenes, sondern etwas Ge­wolltes, Werdendes sei. Jetzt begönnen wir den Bau, jetzt gingen wir ans Werk. Deshalb müsse die Tat dem Wort entsprechen. Das Wort müsse der Wille zur Tat gewesen fein. Nur dann werde der Führung die Gefolgschaft bleiben. Streng müsse die Führung darauf achten, daß in der Sache selbst sich kein Wider­spruch einschleiche, sonst werde der von diesem Wurm der Bnwahrhaftigkeit infizierte Bau, trotz besten Willens, morsch werden. Schärfste Sachkritik und strengste Selbstprüfung, unbe­dingte Treue und Wahrheit müßten oberstes Gesetz für alles und in allem sein. Nur so könne Deutschland wieder aufgebaut werden.

Der junge deutsche Akademiker lerne im Ar­beitsdienst das Wesen der Volksverbun­denheit nicht nur lieben, sondern er erkenne hierin auch die Voraussetzung für seine ganze Tä­tigkeit im Leben, wo er auch stehe. Er werde dann nicht nur instinktmäßig geführt von seinem deut­schen Blute, das Richtige zu tun, sondern als ge­festigter Charakter auch klar das Richtige zu er­kennen. Er werde dann zum Führer werden und in Kameradentreue zu seiner Gefolgschaft stehen, die sein vorbildliches Leben und Arbei- t en dann auch mit Treue belohne. Nur so werde das neue Deutschland geschaffen, aufgebaut in un­bedingter Wahrheit, gepaart mit höchstem Pflicht­gefühl. Wir müßten wahr bleiben bis zuletzt. Wenn wir nicht standhielten, wenn Unrecht siege, dann seien wir verloren. Jeder einzelne müsse sich so betragen, daß er vor sich selb st Respekt haben müsse. So werde Deutschland stark und dauernd werden, dann könne es ihm auch nicht an dem Segen Gottes fehlen. Es gebe einen Gott, einen gerechten Gott. Möge der Segen dieses Herrgottes immer über Deutschland stehen!"

Starker Beifall belohnte den Redner. Nach die­sem Vortrag schloß sich eine Aussprache an, bei der die Abiturienten aus ihren Erfahrungen im Ar­beitsdienst berichteten.

Am Abend fand dann im Ortsgruppenheim ein ' Kameradschaftsabend statt, bei dem u. a. Gästen Kreisdirektor Dr. Lang und der Bürger­meister von Angersbach Pg. Fehl zugegen waren. Im Verlaufe dieses von echtem Kameradschaftsgeist getragenen Abends dankte der Gaureferent, Unter­feldmeister Erdmann, im Namen seiner Kame­raden der Gemeinde Angersbach für die gastfreund­liche Aufnahme der Abiturienten und Studenten.

ins Zimmer. t ---- ---- - .....|

An feinem zweiten, geschloffenen Fenster steht Nähe weiß, wie hypnotisiert auf eine Stelle seines das Bauer meines kleinen Lieblings, eines Dom- Bauers, und zwar auf den Futternapf, starrt, pfaffen. Völlig verwahrlost war das Tierchen, dessen Neugierig geworden, erhebe ich mich, trete unhörbar Weibchen bereits wegen ungenügender Pflege ein- zu ihm hin, und erblicke zwei ganz junge, winzige gegangen war, als ich ihn mir einst von feiner, Mäuse in dem Napf. Völlig ungeniert sitzen sie auf Herrin, die nie für das Tierchen Zeit hatte, erbat. s;-*

Nach kurzer Zeit verständnisvoller Betreuung er­kannte man ihn kaum wieder. Sein Gefieder glänzte, er war vergnügt und von rührend dankbarer Zu­traulichkeit. Auch meinen Vater, der ihm oft Früchte aus dem Garten brachte, liebte er. Trat ich aber nach längerem Wegbleiben in die Tür, reckte er sich, so weit es nur ging. Seine runden, schwarzen Aeuglein hatten bald erspäht, ob ich ihm Wald­erdbeeren Blau- oder Preißelbeeren mitbrachte und sie ihm in sein Futternäpfchen legte. Doch nicht zu bändigen war er, wenn ich ihm die Beeren an ihren Stengeln und Kraut, dazu noch frisches Tannengrün mit jungen Zapfen aus dem Walde mitgebracht hatte. Schmückte ich fein Bauer damit, kannte feine Seligkeit keine Grenzen.

Heut, in der herrlichen Nacht, fitzt der kleine Kerl dicht am Gitter feines Bauers, mit dem Köpf­chen in den Federn, und schläft. Nu» manchmal zwitschert er fast unhörbar vor sich him als träume er vom verlorenen Weibchen oder vom Wald.

Ich gehe nun durch das von meinem Arbeits­zimmer nur durch einen Vorhang getrennte Schlaf­zimmer, und begebe mich auch zur Ruhe.

Plötzlich erwache ich aber durch ein fortgesetztes ängstliches Piepen, durch eindringliche Ruse meines Dompfaffen, durch sein unruhiges, scheues Hin- und Herflattern im Bauer. Ich stehe auf, gehe leise in das Nebenzimmer und lausche, ob sich ein her auf­ziehendes Gewitter ankündigt, das ihn seltsamer Weise stets ängstlich macht. Doch wolkenlos ist der Vollmondhimmel Nichts stört den stillen Zauber

sterbliche Gurgel spülten. Im Gegensatz zu den mo­dernen Stehlokalen der hastenden Blitzesser sind diese traulichen Stätten Oasen der Ruhe und Behaglichkeit mitten im verwirrenden Trubel der Großstadt.

Hotelgast Lessing.

Warensie zum Beispiel schon mal imNuß­baum"? DerNußbaum" ist die älteste Gaststätte Berlins. Oder imKönig von Portugal"? Dort ist vor langer Zeit, als man noch Perücken trug und der Westen Berlins aus Roggen- und Welzenfeldern bestand, ein Mann abgestiegen, der Lessing hieß, mit Vornamen Gotthold Ephraim, von Beruf Schriftsteller. Er verlangte die Zimmer­schlüssel, sperrte sich ein und schrieb und schrieb, denn damals gab es, wenn ich mich nicht irre noch keine Schreibmaschine.

Als Herr Lessing das Hotel wieder verließ, ent­fernte er sich als Klassiker. Er hatte nämlich seine Minna" geschrieben, dieM inna von Barn- h e l m".

Berühmt sind auch die alten Weinstuben Lutter und Wegener. Dort hatte E. T. A. Hoffmann seine genialen Schwipse, Visionen und Einfälle, er zechte mit seinen Freunden und seine erhitzte Phan­tasie verdunstete in allerhand krausen, unsterblichen Wahngebilden.

Der berühmte Schauspieler M a t k o w s k y, der Mann mit dem schönsten Pathos von Berlin und Umgebung, betrank sich, wenn der Weltschmerz gleich einer wilden Brandung an seine Seele donnerte, mit Vorliebe bei Siechen in der Behrenstraße. Er war ein wackerer, unverwüstlicher Zecher, und aus dem Alkohol holte er Kraft und Antrieb für den Schwung seiner großen, klassischen Monologe.

Otto Erich H a r t l e b e n wieder hatte eine ver­hängnisvolle Vorliebe für dasSchwarze Ferkel". ImSchwarzen Ferkel" knisterten und knatterten seine Geistesblitze, daß die Kellner entsetzt zur Seite