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Kolonialkundgebung in Gießen

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f.e am 14. Juli auch von diesem

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eiien Solotanz vor, der allgemein Beifall fand. $19 Kameradschaftshaus der Gießener Studenten- staft brachte eine lustige Jnstruktionsstunde, darauf tcnzte Frl. Haase wieder einen formvollendeten Eolotanz. Nach einigen Tänzen produzierte sich der Ansager mit dem GedichtEskimo und Eskimo", chofür er reichen Beifall erntete. Auch bei diesem Sommerfest fehlte Herr Hub vom Gießener Stadt­theater nicht und erheiterte die Besucher mit einem Qouplet:Komm, Liebchen, wir trinken Brüder­schaft". Eine Gießener Korporation führte dann ehe Biermimik auf. Am Schlüsse des eigentlichen Programms zeigte Frl. Haase noch eine Groteske, Wofür sie wiederum reichen Beifall erntete. Die Pausen wurden durch Tanzmusik der Kapelle Nu sch sehr dezent ausgefüllt. EinigePolizisten" skrgten dafür, daß alles in den richtigen Grenzen

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'nen konnte. Noch im gleichen Jahre wurde in Tsingtau die deutsche Flagge gehißt, und am August auch in Südwest-Afrika in der späteren Züderitzbucht. Damit war ein Gebiet, dreimal so . roß wie das frühere Deutschland, von rund 1,5 Millionen Quadratkilometer in deutschen Besitz ge­kommen worden. Bismarck gab durch ein Tele- vramm dem Botschafter in England den Auftrag, i er englischen Regierung mitzuteilen, daß die Be­dungen des Kaufmanns Lüderitz (Südwest) als in ter deutschem Schutz anzusehen seien. In Togo unb Kamerun bestanden schon früher Faktoreien des Kaufmanns und Reeders Woermann, während in Südwest der Bremer Kaufmann Lüderitz das Zand durch Kaufverträge mit den eingeborenen Häuptlingen erworben hatte. Unter den Pionieren, >ie alles für die Gewinnung der Kolonien ein­gesetzt haben, ist neben dem Kaufmann Lüderitz

verlief und brachtenZuwiderhandelnde" entweder in denSchuldturm" oder in dieHölle" ganz unten bei der Heizung, wo sie ihre Vergehen schwer büßen mußten.

Wenn früher das Fest in der Gießener Volkshalle bei größerer Beteiligung verlief, so stand doch dieses Sommerfest unter dem Zeichen echter, national­sozialistischer Volksgemeinschaft. Es ging zu Ende in echter Harmonie und herzlicher Kameradschaft. Hoffentlich brachte es auch dem Gießener Studenten­werk den erwünschten Erfolg.

Die Beteiligung aus den Kreisen unserer Büraer- schaft an dieser Veranstaltung hätte noch besser fein dürfen. Das diesjährige Sommerfest schloß sich würdig an die vergangenen Veranstaltungen der Studentenhilfe an.

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auch Dr. Nachtigall zu nennen, der sich als Arzt in Algier niedergelassen hatte und von der Regierung mit Sonderaufträgen betraut worden war. Als Konsul in Tunis erschien er dann mit dem Kanonenboot in Togo, Kamerun und Südwest- Afrika, auf dem der Leutnant zur See, Graf Spee, Dienst tat, der spätere Befehlshaber des deutschen Geschwaders bei den Falklandsinseln, der Dr. Nach­tigal bei den Unternehmungen ins Innere des Lan­des begleitete. Hierbei zogen sich beide schwere Er­krankungen zu. Während Graf Spee noch gerettet werden konnte, erlag Dr. Nachtigal 1885 dieser Krankheit. Lüderitz war mit einem einzigen Mann auf einer Expedition in See gegangen, wovon er nicht wieder zurückkam.

Ohne daß der teilende Staatsmann einen Auf­trag gegeben hatte, waren große Teile eines fremden Landes in unseren Besitz gelangt. Das war nur möglich geworden durch den Hanse­aten- und Wikinger-Geist, der diese Menschen beseelte und den wir brauchen, wenn wir nicht untergehen wollen. Lüderitz und Bachtigal waren besessen von der Idee. Kolonien in Afrika zu schaffen, und sie haben es unter schwersten Umständen erreicht. Glauben und Einsatz dafür, diesen Besitz wieder zu erringen, das sind wir ihnen schuldig.

Wenn wir von Kolonien sprechen, sind wir nicht nur von romantischen, sondern von dem sehr realen Gedanken erfüllt, daß die 15 000 deut­schen Volksgenossen in unseren früheren Kolonien ärztliche und Schulfürsorge verlangen und ver- langen müssen, um sich als Angehörige eines Kul­turvolkes halten zu können. Wir haben aber auch den bestimmten Gedanken der Einheit des deutschen Volkstums im Auge, der aus dem Erlebnis des Weltkriegs gewonnen ober uns ge­waltsam eingeprägt worben ist. Daburch wirb uns bewußt, baß diese Menschen in Afrika uns nahestehen, als wären sie ständig unter uns. Drüben ist es in sehr vielen Fällen anders als bei uns. Heute ist der größte Teil unserer frühe­ren Kolonien als Mandat oder Eigentum in frem­den Händen.

Wenn diese Lande jemanden gehören, so gehören sie uns und keinem anderen. Sie wurden uns unter falschen Vorwänden ab- genommen.

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Demgegenüber führte der Vortragende Aussprüche englischer, aber auch neutraler Männer die bewundernd und anerkennend von der b e

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Fähigkeit der Kolonisation s daß nur solche Tüchtigkeit diese Länder zu Auf­blühen bringen konnte, lieber das Ansehen, das der Deutsche' unter den Schwarzen genießt, spricht

ch Kamerun, wo Land Besitz neh-

heiraten? Wie konntest du das Mädchen heiraten, da wir beide doch noch nicht geschieden sind?"

Siemen lachte höhnisch auf.

Aber ich wollte dich ja gerade um die Scheidung bitten, damit die Heirat mit dieser kleinen Nor­wegerin ermöglicht wurde. Du siehst, ich bin ehrsam und bürgerlich geworden. Aber nun hat es ja keinen Sinn mehr. Nun, gut! So mußt du noch eine Weile mitmachen!"

Er sah sie lauernd an.

Ich mache nicht mehr mit!" sagte Lou sehr ruhig.Ich habe das Leben der Lüge und Unsauber­keit satt! Auf mich rechne nicht mehr!"

Nun", sagte er leichthin,du wirst es dir noch überlegen. Wir wollen erst einmal trinken. Sei doch so gut und gib mir einmal aus meinem Mantel die Zigaretten heraus."

Sie ging gehorsam an den Kleiderhaken. Was war denn mit Liewen, daß er ihre Aufsässigkeit so ruhig hinnahm?

Irgend etwas stimmte da nicht. Unwillkürlich sah sie in den Spiegel, der über der Kommode neben dem Kleiderhaken hing. Da sah sie, wie Liewen die Gläser voll schenkte unb nun hastig in bas eine Glas etwas aus einem kleinen Büchschen schüttete.

Ein eisiger Schauer fuhr ihr ins Blut. Nun wußte sie, was Liewen so ruhig, beinah sreundlich sprechen ließ. Nun wußte sie es. Aber sie floh nicht. Mit ruhigen Hänben nahm sie bie golbene Zigarettentasche; es war noch bie gleiche, bie sie ihm einst geschenkt, bamals, als sie ihm gefolgt war blind, wie in einer Verzauberung.Dem fürs Leben!" stand auf der Innenseite...

Ja!, dachte sie erschauernd. Dein fürs Leben. Aber auch dein für den Tod!

Sie ergriff den schlanken Kelch nut dem goldigen Wein, den er ihr reichte:

Auf dein Wohl, Lou!" sagte Liewen, und sah sie" mit Raubtieraugen an. Da hob sie den Kelch und blickte ihm in die Augen, als sähe sie ihn sum ersten Male und die ganze Verruchtheit seines Gesichtes. Die trübe Leidenschaft, die sie zu seiner Sklavin gemacht, fiel ab, wie em lästiges Gewand. Frei stand sie da und sah ihn an, ohne Liebe, ohne Haß, mit einer tödlichen Gleichgültig­keit

Ich trinke", sagte sie,ich trinke denn ich habe genug unb will nicht mehr leben! Du glaubst mich w überlisten, aber biesen letzten Triumph gönne ich dir nicht. Dich wirb bie Strafe auch einmal ereilen. Ich brauche nicht mehr barauf zu warten unb bies Leben weiterzuschleppen, dies Leben, das ich allzulange deiner Gnade überantwortet habe. Aber Gott wird mir in Wahrheit gnädig fein, wenn ich diesen Wein trinke obwohl er vergiftet ist"

Ehe Liewen eine Bewegung machen konnte, hatte sie den Wein getrunken und sank tot zu Boden.

Mit einem Blick sah Liewen auf die Tote, ging leise zur Tür, öffnete sie da er prallte zurück. Schritte klangen auf dem Gang, kamen naher. Er wollte die Tür zuschlagen, aber ein Fuß stellte sich dazwischen ein Pistolenlauf war dicht vor ihm:

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Der Frauenverein vom Roten Kreuz für Deutsche über See und der Frauenbund der Deutschen Kolo- 5 algesellschaft veranstalteten am Samstag gemein- fern im schön geschmückten Saal derLiebigshöhe" einen Kolonial-Abend, der leider viel zu venig besucht war. Von der Bühne grüßte die neue, bie sogenanntePetersflagge", bie Ritter ton Epp, ber Reichsführer der Deutschen Kolo- üialbewegung, eingeführt hat unb bie auf weißem 5rund bas schwarze Kreuz bes ©übens mit bem Sternenhimmel Afrikas im rechten oberen Feld hrfteüt. Die Namensbänber unserer früheren Be- fäungen erinnerten daran, daß nicht verloren fein larf, was uns einmal gehörte.

Die Kapelle ber SA.-R. unter Musikzugführer -ermann schuf mit ihren ausgezeichneten Dar- Hetungen ben forschen Rhythmus unserer schönen Nilitärmärsche. Der von Frl. Kellner formschön mrgetragene Vorspruch ließ bie Erinnerung an pnes blühenbe unb große Kolonialreich, verteilt cuf brei Erbteile, wachwerben, bas deutsche Tat­hast in Treue erschloß unb in dem sich deutsche Volksgenossen eine neue Heimat schufen.

Das stolze Flaggenlied schuf die Ueberleitung zu km packenden und aufrüttelnden Vortrag des zweiten Vorsitzenden des Marine-Offiziersverbandes,

Kontteadmiral a. D. Lühow

iberDie deutsche Kolonialbewegung", jur (Erinnerung an den Tag, an dem vor 50 Iah- len die schwarzweißrote Flagge zum ersten Male lin Afrika gehißt worden war. Es war am 5. Juli .884, als der bekannte Afrikaforscher Dr. Nachti- |! a l mit dem KanonenbootMöve" unter Kor­vettenkapitän Hoffmann in Bagida erschien und IIne deutsche Flagge hißte. Derselbe feierliche Akt ourbe am barauffolgenben Tage in Lome, ber I bäteren Hauptstadt Togos, wiederholt. Von hier

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Was mein einst war...

Vornan von Klothilde von Gtegmann.

Vrheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag Halle (S.)

Schluß.

Zwanzig st es Kapitel.

Stunbenlang hatte Liewen ben Wagen kreuz unb euer burch das Land jagen lassen, bis er seine Fährte genügend verwischt glaubte. Schweigend hatte er im Wagen gesessen und nur ab und zu mit einem einzigen Blick Lou gestreift, die, gelähmt von Angst, neben ihm saß.

Vor einem einsamen Berg-Gasthaus am Wege ließ Liewen endlich halten.

Fahre den Wagen in die Garage!" befahl er dem Kreolen.Wir rasten ein paar Stunden!" Er winkte Lou herrisch, auszusteigen.

Meine Frau und ich haben einen kleinen Wagen- Anfall gehabt!" sagte Liewen zu dem Wirt.Bitte, geben Sie uns für heute nacht ein Zimmer. Wir wollen uns waschen und ein wenig ausruhen. Und bringen Sie uns zu essen und zu trinken. Du gehst wohl vor, meine Liebe!" wandte er sich mit aus­gesuchter Höflichkeit an Lou.Ich komme gleich, möchte nur etwas zum Speisen auswählen."

Lou nickte stumm unb folgte einem Mädchen, tbas ihr ein großes, einfaches, aber sauberes Zimmer öffnete.

Werben bie Herrschaften damit zufrieden fein?" fragte sie diensteifrig.

Lou nickte mit müdem Lächeln, und das Mädchen -verschwand. Kaum hatte Lou sich notdürftig von (Schmutz und Staub des Falls gereinigt, als Liewen lhereinkam, gefolgt von einem Kellner, der einen kleinen kalten Imbiß hereinbrachte.

Liewen trat inzwischen auf den Balkon, als «wollte er die Aussicht genießen. Er sprach kein !Wort. Als aber bie Schritte des Kellners draußen 'verklungen waren, schloß Liewen die Tür ab und 'wandte sich mit funkelnden Augen zu Lou.

Das war eine Komödie, meine Beste!" sagte er mit zischender Stimme.

lieber Lou war eine seltsame Ruhe gekommen. !Alle Furcht war fort. Wovor hatte sie eigentlich Furcht? Vor Liewen? Aber was konnte er ihr noch antun, nachdem er ihr Herz zertreten, ihren Stolz gebeugt, ihr Leben vernichtet? Es gab keine Marter, die er ihr nicht schon angetan hatte. Nein! Sie brauchte keine Furcht mehr zu haben.

Ja! Es war eine Komödie!" wiederholte sie. Ich wollte nicht, daß noch ein unschuldiger Mensch dein Opfer wurde. Es ist genug an Celia und mir und denen, die ich nicht kenne."

Woher weißt du, daß dies kleine Mädchen ein Opfer geworden wäre? Vielleicht liebte ich sie... Ich wollte sie heiraten!"

Lou sah Liewen mit einem großen Blick an:

Lieben du? Du kannst ja niemanden anders lieben als dich unb deine Gier nach Geld. Und

um Aufsicht» ich Schnei so einftimmi schastsmitglii!

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die Heldentat ber Askari unter Lettow - Vorbeck deutlich für sich, dafür zeugen auch die sich jetzt stän­dig häufenden Anfragen der Schwarzen, wann wohl die Deutschen wieder zurückkämen, und man­ches Erlebnis ehemaliger Offiziere, wie das des Admirals B e t h g e in Tsingtau, der als Zivilist gebeten wird, die Front der aus eigenem Antrieb gestellten Ehrenkompanie abzuschreiten, ober bie Tatsache, daß die Schwarzen zu Tausenden meilen­weit laufen und tagelang lieber warten, als die Flagge der anlaufenden deutschen Schisse zu ver­fehlen. Die Schreiben der Schwarzen, u. a. von 200 Häuptlingen, an den König von Spanien, aus Samoa an den Prinzen von Wales und an den Reichstag, Kamerun, bzw. Samoa müßten unbe­dingt wieder deutsch werden, beweisen nur zu gut, daß der Schwarze den Deutschen nicht ver­gessen hat.

Mit allerlei Schikane versucht man, den Deut­schen das Leben schwer zu machen. So ist in Süd­west, obwohl von drei immer zwei deutsch spre­chen können, die deutsche Sprache nicht als Amts­sprache zugelassen. Jeder Europäer braucht nur zwei Jahre im Lande zu sein, um das Bürger- und damit das Wahlrecht zu erhalten. Der Deutsche muß fünf Jahre warten. Dort herrscht auch das buri- sche Recht, anstatt ein solches, das dem Deutschen angemessen ist. Die Schulverhältnisse sind sehr im Argen, da nur Privatschulen vorhanden sind, die 1930 keinen Pfennig Unterstützung durch die Verwaltung erhielten. Darum mangelt es an einem geordneten Schulunterricht, während den Häupt­lingssöhnen Unterstützung für eine Halbbildung ge­währt wird. In Ostafrika sind diese Verhältnisse etwas besser geworden. Auch die ärztliche Für­sorge läßt sehr zu wünschen übrig. Die Deutschen müssen weite Wege bis zum nächsten Arzt, oder zur nächsten Krankenstativn zurücklegen, so daß sie oft­mals allein für die Reise unerschwingliche Unkosten aufbringen müssen. Dazu kommen Naturkata­strophen, der Schaden infolge ausbleibenden Re­gens, die Folgen ber Wirtschaftskrise und schließlich eine Ueberbesetzung der Verwaltungsstellen, so daß die Verwaltung außerordentlich hohe Abgaben er­fordert. Daß unter solchen Umständen die Existenz der Farmer bedroht ist, ist erklärlich. Sie halten aber für uns wichtige Posten, und sie haben als

Angehörige einer Kulturnation das Recht auf ein anständiges Leben.

Vom Ausland wurde bestätigt daß Deutsch­land Kolonien braucht. Die Tore Deutschlands zur Wett müssen ausgehalten werden. Adolf Hitlers Aussprüche lassen keinen Zweifel dar­über, daß er den kolonialen Gedanken gutheißt.

Die Tatsachen, daß wir 1929 gegenüber 1913 = 100 000 Tonnen Baumwolle weniger, aber 150 Millionen Mark mehr, an Kaffee 20 000 Tonnen weniger eingeführt, aber 150 Millionen Mark mehr bezahlen mußten, beweisen, wie dringend wir Kolonien brauchen. Wir brauchen diese Lande aber auch für die Ausdehnung unserer Be­völkerung, denn entgegen anderen Ansichten ist eine Besiedelung durchaus möglich. Lord Rother­me r e hat kürzlich die Rückgabe der deutschen Ko­lonien aus Gründen der Klugheit und Einsicht, des Rechtes und der Wahrheit in Vorschlag gebracht.

Es liegt nun an den Deutschen selbst, zusam­menzustehen und den Deutschen in den Kolo­nien zu helfen, damit sie in ihrer Vorposten­stellung ausharren können, damit ihnen ärztliche Fürsorge, ihren Kindern er« .zieherische Betreuung zuteil wird, damit sie unb ihre Kinder Gelegenheit bekommen, einmal im Mutterland neue Kraft zu schöpfen. Es ist unbe­dingt erforderlich, daß wir uns mit dem kolonialen Gedanken vertraut machen und den Willen erfül­len, der, im geeigneten Augenblick vom richtigen Mann erfaßt, dazu führen wird und muß, daß wir unsere Kolonien wie derbe- kommen.

Der Vortragende schloß seine fesselnden Ausfüh­rungen mit dem Hinweis auf die Forderung des Vaterlandes an jeden Einzelnen zur Mitarbeit im Sinne des Führers. Sein Sieg-Heil auf ben Führer fand freudige Bejahung. Der erste Vers des Deutschland- und bes Horst-Wessel-Liedes beschlossen den ersten Teil des Abends.

Frl. Maja von Rabenau führte dann mit einigen ihrer Schülerinnen vier Tänze auf. Eine Verlosung überraschte mit schonen und praktischen Geschenken. Der Abend hinterließ einen starken Eindruck.

Oberheffen.

Schwere Bluttat bei Butzbach.

* Butzbach, 9. Juli. (Eigene Meldung des Gießener Anzeigers.) Gestern abend ereignete sich zwischen dem Forsthaus bei ßämmersborf und dem Dorfe Espa ein tragischer Vorfall, dem leider ein junges Menschenleben zum Opfer fiel. Drei junge Leute aus Espa, die vorher den Abend in dem Forsthaus beim Glase Mer verbracht hatten, machten sich gemeinschaftlich auf ben Heim­weg. Dabei kam es, anscheinenb infolge von Hänse­leien, zwischen zwei jungen Leuten zu einem Wort­wechsel, in besten Verlauf ber eine junge Mann seinen Gefährten, ben etwa 21 Jahre alten Arbeiter unb Kleinlandwirt Karl Schäfer aus Espa erstach. Der Täter wurde noch in ber Nacht verhaftet unb hierher in Gewahrsam gebracht, während die Leiche bes Erstochenen bem Friedhof in Butzbach zugeführt wurde.

Landkreis Gietzen.

Lollar, 7. Juli. Der 22 Jahre alte Schlosser Heinrich Schmidt von hier zog sich heute eine schwere Verletzung bes rechten Fußes

zu, bie seine Ueberführung in die Chirurgische Kli­nik zu Gießen notwendig machte.

* Beuern, 7.Juli. Bei der Arbeit verun­glückte der 47 Jahre alte Maurer Philipp Kumpf von hier. Der Mann erlitt einen Bruch der linken Hand unb mußte sich in bie Chirur­gische Klinik zu Gießen in Behandlung begeben.

Bellersheim, 9. Juli. Am Samstag würbe ein E i n b r u ch in der hiesigen P o st h i l f s ft e 11 e verübt. Dem Täter, bem bie Genbarmerie bereits auf ber Spur ist, finb babei etwa 32 Mark Bargelb in die Hänbe gefallen.

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a.M., 9.Juli. Um 10 Uhr mar folgende Marktlage: Doraustrieb: 1335 Rinder (450 Ochsen, 124 Bullen, 396 Kühe, 365 Färsen), 633 Käl- ber, 65 Schafe, 3439 Schweine. Es kosteten: Rinder: Ochsen 24 bis 35 Mark, Bullen 21 bis 30, Kühe 12 bis 30, Färsen (Kalbinnen) 24 bis 35, Kälber 24 bis 35, Hämmel 30 bis 35, Schweine al) fette Speckschweine über 350 Pfund Lebendgewicht 50, a2) Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 45, sonstige 35 bis 47 Mark. Marktverlauf: Rinder, Kälber, Hämmel und Schafe mittelmäßig, Schweine lebhaft/

Hände hoch!" sagten die Gendarmen. Mit einem wilden Satz überrannte er den einen, wollte fliehen da peitschte es kurz hinter ihm auf. Er warf die Arme in die Luft und fiel schwer aufs Gesicht. Die Kugel hatte ihn gut getroffen.

Wochen waren vergangen. (Ebele, von Sofia unb einer Schwester treu gepflegt, war körperlich roieber gefunbet. Sieber seelisch war sie nicht bie, bie sie gewesen. Es war, als schliefe ihr Geist, als wäre er burch bie Schrecken, benen er ausgesetzt gewesen, in eine tiefe Apathie verfallen. (Ebele erkannte bie Menschen nicht, die um sie waren; sie erkannte sogar Malte nicht. Alle ihre Sinne schienen betäubt. Sie ging umher, geführt von der Krankenschwester. Sie nahm willig die Nahrung, die man ihr reichte aber sie sprach kein Wort und sah nur immer mit angstvoll grübelnden Augen vor sich hin.

So oft auch Malte in feiner Verzweiflung ver­suchte, sie aus diesem lethargischen Zustand durch liebevolle Worte herauszureißen es gelang ihm nicht. (Ebele sah ihn wie verwunbert an, unb roieber kam bies angstvoll Grübelnbe in ihre Augen.

Auf Sofias Wunsch war ein berühmter Professor ber Nervenheilkunbe aus Wien herübergekommen, um bie Kranke zu untersuchen.

Es gibt zwei Möglichkeiten", sagte er hinterher zu Malte unb Sofia,bie eine ist die einer Ver­letzung des Gehirns, und sie würde eine sehr un­günstige Prognose ergeben, die andere Möglich­keit, von der ich noch hoffen möchte, daß sie die richtige Diagnose ist, wäre die: die Seele der Kranken hat die letzten furchtbaren Erinnerungen von sich abgedrängt, um nicht immer an das Schreckliche erinnert zu werden, das hinter ihr liegt. Um dies zu können, hat die Seele der Kranken über eine Art Vergeßlichkeit auch für die Menschen mit­erzeugt, die in der letzten Zeit mit der Kranken zusammengekommen sind. Ich möchte das alles als eine Art Schutzwehr der Seele bezeichnen. Aber diese Schutzwehr muß einmal durchbrochen werden.

Die Kranke muß sich einmal mit den Ereignissen innerlich auseinandersetzen, um mit ihnen fertig zu werden. Oft erzielt man ein Wiedererwachen des Bewußtseins, wenn man an eine weit zurückliegende (Erinnerung, an eine tiefgreifende Kindheitserinne­rung anknüpft. Wenn Ihnen da etwas einfiele", wandte sich der berühmte Arzt an Malte.Das wäre ein Versuch, der mir noch aussichtsreich er­scheinen würde."

Da hatte Maltes Gesicht sich plötzlich erhellt.

Vielleicht gibt es einen Weg, Herr Professor!" Malte war nach dem Gespräch mit dem berühmten Arzt für ein paar Tage verreist, ohne daß (Ebele seine Abwesenheit mit Bewußtsein ausgenommen hätte. Zwischen Furcht unb Hoffnung wartete Sofia auf seine Wieberkehr. Sie hatte (Ebele von Herzen lieogewonnen, unb sie hoffte innig, baß ihre schla­fende Seele wieder erwachen würde. Denn sie wußte von Lou de Lormes Opfertod unb bem (Enbe Siemens. Unb sie hatte ehrliche Tränen um biefe unglückliche Frau gemeint.

Es mar ein strahlenber Sommermorgen. Ebele ruhte auf ber Loggia. Ihre Hänbe lagen untätig, schmal unb blaß im Schoß. Sie sah mit grübelnden Augen vor sich hin. Neben ihr saß Sofia und blickte unruhig auf die Tür. Jetzt öffnete sich diese Tür leise. Schwester Gerttuds Gesicht erschien unb neben ihr Maltes Kopf.

Ebele hatte nichts gesehen noch gehört. Da tönte es leise unb silbern, rnie mit einer fernen Geister­stimme, aus bem Nebenraum.

Durch Ebeles Körper ging ein heftiger Ruck. Sie richtete sich auf, meit offen blickten bie Augen. Die Hänbe hielt sie in höchster (Erregung an bie Schläfen gepreßt. Sie erhob sich, roie von einer unsichtbaren Hanb geführt:

Das Lieb, bas Lieb!" stammelte sie.Meine Spieluhr! Meine Kinbheit!" Wie von den sanften Tönen gezogen, schritt sie roeiter.

Aus ber Jugenbzeit, aus ber Jugenbzeit, klingt ein Lieb mir immerbar...", fang es silbern unb zart mit meit geöffneten Armen schritt (Ebele vormärts burch die Tür.

Malte!" schrie sie auf und fiel kraftlos in feine Arme, die sich ihr in unendlicher Liebe und unend­lichem Glück entgegenstreckten.

O mie liegt someit, o roie liegt so weit!" fang es zart mit holder Geisterstimme, fang es zwei Liebenden, die sich in den Armen hielten, um sich nie wieder zu trennen.

Das kleine Spielwerk tönte weiter. Der Mond ging am Himmel auf, das Schiffchen schwankte über die Welle, die kleine Dame breitete sehnsüchtig die Arme aus... Nun war Stille.

Aber die beiden Liebenden hörten nichts mehr Zeit und Raum waren für sie vergessen.

Es war ein heller, lichter Sommertag, an dem (Ebele und Malte als Jungvermählte auf Swanebloe ankamen. Der alte Kersten öffnete ihnen als erster die Tür.

Möge Gottes Segen aus ben jungen Herr­schaften ruhen!" sagte er feierlich, unb geleitete sie in bas Wohnzimmer, das, von Blumenduft durch­zogen, in der warmen Abendsonne lag. Sonne glänzte auf den alten Möbeln, den alten Bildern. Sonne lag auf der kleinen Spieluhr, die mitten auf dem Kaminsims stand.

Soll ich sie anstellen, Edele?" fragte Malte lächelnd.

Ja!" flüsterte Edele, unb ein feuchter Schimmer kam in ihre Augen.Immer, wenn ich sie höre, will ich banken dafür, wie glücklich ich wurde, unb an bie denken, die mein Glück mit ihrem Tode bezahlte."

Leise legte Malte Ebeles Kopf an seine Brust, rührte mit ber Hanb an bas Spielwerk ber kleinen Spieluhr:

Aus ber Jugendzeit", fang die kleine Spieluhr ihr träumerisches Lied von Glück und Vergehen. Aber für die beiden Menschen hier, die sich ge« fanden, war das Glück Gegenwart, blühende, leuch­tende Gegenwart.

Ende!