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bester Ordnung sei und der Wille wirke, der das Saarland wieder deutsch wissen wolle.

Unentwegt werde das Ziel verfolgt, allen deut­schen Volksgenossen Arbeit und Brot zu geben. Erst wenn jeder Deutsche Arbeit und Brot habe, könne man sich auch für den Menschheits­gedanken einsehen.

Immer müßten wir uns das Wort vor Augen hal­ten:Erst kommt mein Volk und dann die an­dern vielen, erst meine Heimat, dann die Welt!" Mit einem dreifachenSieg-Heil!" auf unser ge­liebtes Vaterland und den Führer Adolf Hitler beschloß der Redner seine mit starkem Beifall auf­genommene Ansprache. Anschließend wurden ge­meinsam das Horst-Wessel- und das Saarlied ge­sungen.

Der Vertreter der Saardeutschen

Schillen (Saarbrücken)

wies in einer Ansprache darauf hin, daß das ver­gangene Regime keine Zeit gefunden habe, sich um das Ausla'ndsdeutschtum zu kümmern. Die Saar­deutschen und insbesondere die Ruderer hätten es in den vergangenen Jahren oft empfinden müssen, daß im Zentrum Deutschlands und auch in Süd­deutschland ein erschreckendes Unverständnis über die wahre Lage im Saargebiet geherrscht habe. Die Bevölkerung im ehemals besetzten Rheinland habe unzweifelhaft ungeheuer unter der fremden Willkür zu leiden gehabt, aber auch im Saarge-

giet habe der Saardeutsche noch immer unter dem Druck der Unfreiheit gestanden.

Der Saarländer habe es tagtäglich erfahren müssen, wie schwer es sei, unter französischer Herrschaft leben zu müssen.

Am schwersten aber habe es immer der S a a r - bergmann gehabt. Er sei ausgenutzt bis zum äußersten. Bei verringerter Belegschaft sei in den Bergwerken eine ungeheure Leistungssteigerung er­zwungen worden, die den Bergmann in allen Fa­sern belaste. Wer die wenigen Monate, die das Saarland noch von dem Heimatlande trenne, wür­den auch vorübergehen.

Die deutsche Bevölkerung an der Saar sei in der Deutschen Front zusammengeschlossen und Halle, trotz aller Provokation und Bedrückung, äußerste Disziplin.

Ausschlaggebend sei, daß alles Zusammenhalte, denn nur dann würden auch die kommenden schweren Monate überwunden werden. Mit einem drei­fachenHipp-Hipp-Hurra!" auf das deutsche Vater­land und auf die Stadt Gießen beschloß der Red­ner seine mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen. , ,

Die restlichen Stunden des Abends verbrachte man in bester kameradschaftlicher Unterhaltung. Ge­meinsam wurden noch verschiedene Lieder gesungen, bis die Uhr die Ruderer, die am Sonntag wieder zum Wettkampf antreten mußten, zum Aufbruch

I mahnte.

Jubiläums-Hauptversammlung der Baugenossenschaft 1894.

Unter der Leitung des Aufsichtsratsvorsitzenden H. Schneider hielt die Baugenossenschaft 1894 e. G. m. b.H. Gießen anläßlich ihres vier­zigjährigen Bestehens am Samstagabend eine Ju­biläums-Hauptversammlung ab. Reben vielen Mit­gliedern nahmen auch Vertreter anderer Gießener Si-edlungsgenossenschaften an der Jubiläumstagung teil.

Der Aufsichtsratsvorsitzende H. Schneider leitete die Versammlung mit einer F e st a n - spräche ein, in der er einen umfassenden Rück­blick auf die Entwicklung der Baugenossenschaft während der verflossenen vier Jahrzehnte gab. Wir werden über diese Schilderung eines bedeutsamen Stückes der Gießener Lokalgeschichte noch näher be­richten. Heute sei nur schon vermerkt, daß dem jetzigen Vorsitzenden des Vorstandes, Justizinspektor Allendörfer, für 15jährige Mitarbeit im Vor­stand, und dem Architekten der Genossenschaft und Vorstandsmitglied Gustav Hamann für 40jahrlge Mitarbeit, also seit Bestehen der Genossenschaft, herzlicher Dank ausgesprochen wurde. Herrn Hamann wurde als äußeres Zeichen des Dankes für seine vierzigjährige Tätigkeit für die Baugenos­senschaft eine Ehrengabe in Gestalt einer Porzellan­figur überreicht.

hervorgehoben sei heule auch schon, daß die Baugenossenschaft 1894 von 1894 bis 1934 insgesamt 141 Einfamilienhäuser und 31 Mehr­familienhäuser mit 155 Wohnungen, zusam­men also 296 Wohnungen erstellt hat. An Ge­nossenschaftler wurden 44 Einfamilienhäuser verkauft, weiterhin ein Mehrfamilienhaus mit fünf Wohnungen, sa daß am Jubiläumstage noch 127 Häuser mit zusammen 247 Wohnun­gen den Besitzstand der Genossenschaft darstellen.

Der Festansprache folgte, nach einer kurzen Pause, die Erledigung der geschäftlichen Tagesordnung. Em Antrag mehrerer Mitglieder, die in der Bilanz von 1933 verzeichnete Aufwertung s - R u ck l a g e in Höhe von 32 719,67 RM. aufzulosen und die Summe anteilmäßig auf die hierbei in Betracht kommenden Genossenschaftsmitglieder zu verteilen bzw. gutzuschreiben, wurde zur Beratung nicht zu- gelassen, da er nicht den Vorschriften der Satzun­gen entsprechend eingereicht war.

Der Vorsitzende des Vorstandes, Justlzmspektor

Allendörfer, berichtete hierauf über das Ge­schäftsjahr 193 3. Er teilte u. a. mit, daß

die aus der Zeit der früheren Verwaltung feh­lenden Geschäftsbücher bis jetzt immer noch nicht beigebracht sind und wohl auch nicht mehr aufgefunden werden.

Die Angelegenheit Wolfer, um die es sich hier» bei handelt, sei aber im Lauf. Eine Reihe von finanziellen D i f f e r e n z p u n k t e n aus der Zeit der ftüheren Verwaltung werde auch noch auf­geklärt werden müssen, ob und inwieweit noch Rück­griffe auf frühere Vorstandsmitglieder nötig sein würden, sei abzuwarten, lieber die Mitglieder­bewegung im Jahre 1933 wurde berichtet: Am Anfang des Geschäftsjahres zählte die Genossen­schaft 789 Mitglieder mit 1140 Anteilen, 30 Mit­glieder mit 30 Anteilen kamen hinzu, 22 Mit­glieder mit 22 Anteilen schieden aus, so daß am Ende des Geschäftsjahres ein Bestand von 7 9 7 Mitgliedern mit 1148 Anteilen vorhanden war. Eine ganze Reihe von Mitgliedern, die nur verschwindend geringe Einzahlungen geleistet haben und dadurch ihre Jnteressenlosigkeit an der Ge­nossenschaft bekundeten, solle aus der Mitgliederliste ausgemerzt werden.

Der wirtschaftliche Stand der Baugenossenschaft fei gesund, die Abschreibungen am Grundbesitz seien noch über die gesetzlichen Vorschriften hin­aus vorgenommen worden.

Der Redner berichtete dann über Mietpreis- fenkungen und gab die dafür maßgebenden Gesichtspunkte des Vorstandes und Aufsichtsrates bekannt. Weiter teilte er mit, daß die Baugenossen­schaft im Jahre 1933 ungefähr 30000 Mark für Jnstandsetzungs - und Ergänzungsar- beiten ausgegeben und dadurch die Arbeits­beschaffungspläne der Reichsregierung kräftig unter­stützt habe.

Wenn die Lage am Geldmarkt im nächsten Jahre besser und der Zinsfuß gesenkt werde, dann werde die Baugenossenschaft selbstver­ständlich weiter bauen; sie habe noch eigenes Gelände und könne noch bauen, sobald das Geld dafür zu annehmbaren Bedingungen zu beschaffen sei.

Zum Schluß wandte sich der Redner gegen die Untervermietungen in den Genossenschafts- Häusern, wobei er betonte, die Wohnungen seien für die Genossenschaftsmitglieder erbaut, aber nicht ür Untervermietungen in dem jetzt vielfach fest­gestellten Ausmaß, wo ganze Familien in Unter­miete in den Genossenschaftshäusern wohnen und dadurch die Wohnungen viel schneller abgenutzt wer­den, als beim üblichen Gebrauch. An den Be­richt schloß sich eine kurze Aussprache an.

Sodann nahm die Versammlung den Bericht des Rechners Hahn über dieRechnungvonl933 entgegen. Der Reingewinn im Jahre 1933 be­läuft sich nach reichlichen Abschreibungen auf 17 642,40 Mark.

Die aus der Zeit der früheren Verwaltung übernommene erhebliche Schuldenlast konnte noch nicht ganz abgedeckt werden, der Vorstand hoffe aber, diese Schulden bis zur nächsten Rechnungsablage abgetragen zu haben. Ins­besondere handele es sich dabei um Zinsrück­stände bei der Stadt Gießen. Die laufenden Verbindlichkeiten seien alle rechtzeitig bezahlt worden, insbesondere würden die Verbindlich­keiten bei Lieferanten und Handwerkern immer schnellstens bezahlt, damit diese auch ihren Ver­pflichtungen nachkommen könnten.

Zur Förderung der Arbeitsbeschaffungs­maßnahmen habe die Genossenschaft große Reparaturarbeiten und Anschaffungen vorgenom­men. Hinsichtlich der Aufwertungsrücklage hätten der Vorstand und der Aufsichtsrat beschlossen, dieses Konto aufzuheben und den Betrag auf die Hilfsrücklage zu übertragen. Ein großer Teil der Genossenschaftsmitglieder sei leider noch stark mit der Einzahlung der Anteilsbeiträge im Rückstand; diesen Verpflichtungen müsse schneller als bisher nachgekommen werden. 10 Einzelhäuser in der Danziger Straße und am Alten Steinbacher Weg seien an die Bewohner überschrieben worden.

Die Belastung der Genossenschaftshäuser belief sich im Iahre 1933 auf 1 933 364,31 Mark, im Jahre 1934 auf 1 918 755,81 Mark. Der Wert der Genossenschaftsgrundstücke beziffert sich auf 2 861 216,58 Mark, das Reinvermögen der Ge-

,in die gesetzliche Rücklage, 5985,03 Mark an die j 5)ilfsrücklage, 4657,37 Mark als 4-v.H.-Divi- dende zur Verteilung.

Den Bericht des A u f s i ch t s r a t s erstattete dessen Vorsitzender H. S ch n e i d e r. Er sprach dem Vorstand Dank und Anerkennung für seine orgfältige Geschäftsführung im verflossenen Jahr aus. Zu der bekannten Angelegenheit des früheren Geschäftsführers Wölfer teilte er u. a. mit, bie Sache sei der Staatsanwaltschaft zur weiteren Um tersuchung übergeben worden. Die Genossenschaft ei bis heute noch nicht im Besitz der früheren Ge- chäftsbücher, die von Wölfer geführt wurden. Nach der Ueberzeugung des Aufsichtsrates und Vorstandes sei der frühere Vorsitzende des Vor- tandes Fourier an dem Fehlen der Bucher | chuldlos. Fourier habe nur den Fahler began­gen, daß er vor der Uebergabe der Geschäfte an I die neue Verwaltung keine Inventur gemacht habe. Moralisch sei aber Herr Fourier rehabilitiert. l f e r habe dagegen in seiner Geschäftsführung außerordentlich leichtsinnig gehandelt. Hinsichtlich der von zwei früheren Vorstandsmitgliedern ohne Vorstandsbeschluß an einen Gießener Einwohner gewährten Hypothek von 12 000 Mark werde, ob­wohl inzwischen eine weitere Sicherung für die Forderung der Genossenschaft erreicht sei, an der Regreßpflicht des früheren Vorstands und Aufsichts- rats festgehalten, bis die Genossenschaft ihr Geld habe. Da die Angelegenheit jetzt in den Händen der Staatsanwaltschaft liege, wolle er nicht mehr mit­teilen, um nicht in ein schwebendes Verfahren ein­zugreifen.

Herr Fourier betonte anschließend zu der Frage des Verschwindens der früheren Geschäftsbücher erneut, er habe von Wölfer, dem er in vollstem Maße vertraute, kein einziges Buch empfangen und die Bücher auch durch per­sönliches Vorsprechen am jetzigen Wohnorte Wöl- fers in Kassel nicht auffinden können. Er (Redner) habe die Bücher, die von Wölfer geführt wurden, nie gesehen, zumal die Revisoren immer die Vorzüglichkeit der Buchführung betont hätten.

Der Bericht des Aufsichtsrates wurde von der Versammlung genehmigt. Dem neuen Vorstand und Aufsichtsrat wurde einstimmig Entlastung er­teilt.

Sommerfest der Gießener SiudeMenschast

nossenschaft beläuft sich auf 313 940,77 Mark.

Die Bilanz für 1933 schließt in Aktiva und Passiva mit je 2 365 803,03 Mark, die Gewinn- und Verlustrechnung in Soll und Haben mit je 179 574,73 Mark ab. Jrn Anschluß an den Bericht fand eine kurze Aussprache über die Frage der Ver­wendung der Aufwertungs-Rücklage statt, wobei die Verwaltung auf ihrem Standpunkt be­harrte, während von der Opposition weitere Schritte angefünbigt wurden.

Nach der Bekanntgabe der Revisions- berichte, die über die Verwaltungsarbeit der neuen Genossenschaftsleitung ohne jeden Einwand urteilen, wurden die Bilanz und der Ge­schäftsbericht einstimmig genehmigt.

Die Verteilung des Reingewinns von 17 642,40

Mark würbe wie folgt beschlossen: 7000 Mark

Dem alten Vorstand und Aufsichtsrat, der die Geschäfte vom 1. Januar bis 30. Juni 1933 noch führte, wurde durch Mehrheitsbeschluß die

Entlastung verweigert.

Bei den turnusmäßigen Wahlen zum Auftichts- rat wurde dessen Vorsitzender Heinrich Schnei­der einstimmig wiedergewählt, ebenso einstimmig neugewählt wurde das Genossenschaftsmitglied Deibel.

Schließlich wurden noch einige formelle Satzungs­änderungen einstimmig genehmigt. Nachdem die Protokollniederschrift gutgeheißen war, fand dis Versammlung mit dreimaligen Sieg-Heil-Rufen auf den Führer Adolf Hitler und mit dem Gesang des ersten Verses des Horst-Wessel-Liedes ihren Abschluß.

Am Sonntagabend fand in sämtlichen Räumen des Gießener Studentenhauses das beliebte und be­kannte alljährliche Sommerfest der Gieße­ner Studentenschaft zu Gunsten der stu­dentischen Fürsorge statt. Schon einige Tage vorher wurde das Haus für diesen Abend in zweckent­sprechender Art eingerichtet. Leider ließ der Besuch am Anfang des Festes etwas zu wünschen übrig, doch als alles im rechten Gange war, war das Studentenhaus zur Befriedigung besetzt. Dozenten und Studentenschaft hatten sich in großer Anzahl versammelt, um einige frohe Stunden gemeinsam zu verleben.

Ein richtiges Volksfest konnte man dort ver­bringen, denn für Unterhaltung, Essen und Trinken war bestens gesorgt. Wie auf einem Jahrmarkt waren die verschiedenen Buden und Stände zu sehen. Die Studenten verstanden es meisterhaft, sich in dieses Milieu zu stellen. So beobachtete man

u. a. einen Schießstand, Ballwurf-Stand und Bier- Zelte. Ein Schuldturm und dieHölle" sorgten dafür, daß manchem Teilnehmer das Portemonnaie leichter wurde. In dem Weindorf sah man die rheinischen Gäste in bester Stimmung. Sorgen und Alltagsgedanken wurden in der Sektbar total ver­nichtet. Fast in jedem Raum spielte eine Kapelle zum Tanze auf, so kam auch die tanzfreudige Jugend zu ihrem Recht. Dazwischen war reichlich Gelegenheit geboten, aus der Küche Meister Kiesels manchen Leckerbissen zu vertilgen. Für die Freunde des Apfelweins und des Kaffees war ebenso Vor­sorge getroffen, denn an dem Apfelweinstand und an dem Stand Kaffee und Kuchen waren unauf­hörlich Gäste zu sehen.

Das Programm des Abends war, wie immer, sehr reichhaltig und abwechslungsreich. Ein fabel­hafter Ansager gab dem frohen Publikum das Programm bekannt. Zuerst führte Frl. Haase

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Urhebe

Der Nasenhändler.

Von Jakob Haringer

In einem Gasthofe saßen bei der Mahlzeit mehrere Reisende und unter ihnen auch ein alter Krämer aus einer wenige Meilen entfernten Stadt, der als ein Geizhals bekannt war. Der Kramer hatte eine große Nase, die feuerrot war und die drei kleine Auswüchse zierten, so daß ihr Besitz^, der wegen seines bekannten Geizes ohnedies nicht beliebt war, oft ihretwegen verspottet wurde. Dem Krämer gegenüber hatte sich ein Fremder nieder­gelassen, den man für einen Handelsreisenden hal­ten konnte: der betrachtete mit Aufmerksamkeit den Krämer und besonders dessen Nase.

Der Krämer fühlte sich veranlaßt, mit dem Frem­den mehrere Worte zu sprechen und gab zu ver­stehen, daß ihn die ungebührlich lange Betrachtung seines reichlich ausgestatteten Riechorganes sattsam verdrieße. .

Aber wie erstaunte der karge Mann, als ihm der Fremde mit größter Höflichkeit zur Antwort gab: 'Sie werden über meine Ihnen etwas beleidigend vorkommende Betrachtung Ihrer stattlichen Nase nicht mehr zürnen, wenn Sie meine Rechtfertigung gehört haben. Ich bin der Agent einer großen Nasenhandlung und reise im Auftrage eines Han­delshauses, um die stattlichsten Nasen zu kaufen. Ihre Nase ist nun ohne Schmeichelei die schönste und erhabenste, welche mir bisher vorge­kommen ist. Auch habe ich bereits einen schonen Vorrat von Nasen aus allen Ständen; aber Ihre Nase wäre mein Triumpf und die Zierde des gan­zen Warenlagers!" r m .

Voll Zweifel, was er sich von dieser Rede denken solle, schwieg der Krämer ein Weilchen, und der Nasenkäufer fuhr deshalb fort:Sie scheinen an meinen Worten zu zweifeln? O, sprechen Sie nur die Summe aus, welche Ihnen genügend wäre für diesen Schmuck - für diese Königin aller Nasen, fordern Sie dafür, was Sie wollen!

Aber mein Herr", rief der Krämer unwillig, wie kann man eine Nase verkaufen, wenn man "o^vom Leben ist keine Rede" sprach der Nasen- händler.Solange Sie leben, behalten Sie 31)re Nase in Frieden, erst nach Ihrem Tode tritt die Handlung in deren Alleinbesitz. Ich biete Ihnen hundert Taler in klingender Münze für die Nase und bin nur der Besitzer, wenn Sie gestorben ftnö; so behalten Sie ja die Nase durchs ganze Leben!

Dem geizigen Krämer schien es jetzt ein^uleuch- len, daß er ja auf diese Weise einen unerhört vor­

teilhaften Handel schließen könnte; er fragte vor­sichtig den Nasenhändler:Wenn ich nun Ihren Wunsch erfülle und den Handel abschließe, erhalte ich sodann von Ihnen die genannte Summe?"

Sobald Sie vor der Gesellschaft hier, die als Zeuge für mich und Sie gültig ist, den Handel red­lich abmachen, erhalten Sie die hundert Taler!"

Fröhlich rief der Krämer:Ja, ich bin mit Ihrem Angebot vollkommen zufrieden. Sie sollen nach meinem Tode die gekaufte Nase haben!"

Schön, der Handel ist abgeschlossen, aber ich habe noch eine Bedingung zu machen, nämlich wegen des Reugeldes, dennn es könnte Sie oder mich der Handel gereuen; daher wird festgesetzt, daß derjenige, welcher von uns beiden sein Wort zurück­nimmt, vom ganzen Handel nur ablassen kann, wenn er dem anderen zehn Taler Reugeld bezahlt!"

Vergnügt rief der Krämer:Damit bin ich gern einverstanden!"

Nun gut, die ganze Gesellschaft ist Zeuge, und ich fordere die Herren auf, über Erfüllung der festgesetzten Bedingung immer zu wachen."

Mit schwer unterdrücktem Lachen gelobten das die Anwesenden, die dem seltsamen Handel gelauscht hatten. Der Nasenhändler war froher Laune und flüsterte dem Kellner zu, er solle das Bestellte bringen. Der Kellner entfernte sich und kehrte bald mit einem Brenneisen, das glühte, in der Hand zu­rück, das ihm der Reisende abnahm. Damit fuhr er schnell nach der Nase des Krämers, der er- schrocken zurückwich. Als er wütend nach der Ur­sache der Mißhandlung, die seiner Nase zugedacht war, fragen wollte, stand der Nasenkäufer mit d^m glühenden Eisen schon wieder neben ihm und bat ihn freundlich, er solle seine Nase ein Weilchen her­halten, weil er sie, die er doch gekauft fjabe, mit dem Stempel seiner Firma bezeichnen müsse, um sie wiederzuerkennen. Der Krämer geriet in Zorn und verbat sich ein solches Ansinnen, allein der Nasenhändler bestand auf seinem erkauften Rechte und rief die zu Zeugen gebetene Gesellschaft um Beistand an. Alle traten auf feine Seite und be­haupteten, daß er im Rechte sei.

Was sollte der geizige Krämer tun? Nach lan­gem, vergeblichen Sträuben mußte er sich doch ent­schließen da er seine Nase unbezeichnet behalten wollte von dem geschlossenen Handel zurückzu­treten und dem Nasenkäufer zehn Taler Reugeld zu bezahlen. Mit lauten Verwünschungen über fei­nen Verlust verließ der geizige Krämer den Gast- baf, in dem man seine Habsucht so derb gestraft ljatte.

Der Nasenagent aber war ein luftiger Vogel, der sich mit der Gesellschaft verschworen halle, den gei­

zigen Krämer zu prellen. Kaum war der Geizhals fort, begann die ganze Gesellschaft erst recht lustig zu werden. Es wurde so lange getrunken, bis des Krämers zehn Taler im Besitze des Gastwirtes waren. Aber der Krämer mied von nun an ängst­lich bas ihm so gefährlich gewordene Gasthaus, was sich der Wirt nicht sehr zu Herzen nahm, da der geizige Kunde beinahe nichts zu verdienen gegeben hatte, während die lustige Gesellschaft sehr oft bei ihm einkehrte.

Das Tier im Bild."

Der Kampfbund für deutsche Kultur veranstaltet gegenwärtig im Ausstellungsraum des Oberhessischen Kunstvereins im Turmhaus am Brandplatz eine Ausstellung unter dem TitelDas Tier im Bild". Die Ausstellung bringt in übersicht­licher Anordnung eine stattliche Reihe von Zeich­nungen, Aquarellen, Oelgemälden, Radierungen, Plastiken in Bronce, Terrakotta usw., für die das Tier in seiner Vielfalt der Art und der Lebensäuße­rungen zum Gegenstand künstlerischen Nachschaffens wurde. Die Schau umfaßt Arbeiten von etwa 20, meist Frankfurter Künstlerinnen und Künstlern, deren jede und jeder auf seine Art das Tier wieder- gab.

Zunächst wird sicherlich jedem der Besucher die starke und bestimmte Eigenart des Künstlers Fah­renbruch auffallen, der ja den Lesern unserer Zeitung schon in einer sehr charakteristischen Arbeit im Wandkalender des GA. vom Jahre 1931 be­kanntgeworden ist. Unter feinen Arbeiten tritt be­sonders derToskanische Eselreiter" hervor, ein Oel- gemälde, das die ganze urwüchsige Kraft des Künst­lers beweist. Feine Tierstudien und Kunstblätter (Wort und Bild glücklich verbunden) in weiser Aus­wahl, verdienen liebevolle Aufmerksamkeit.

Mit sehr vielen Arbeiten, Oelgemälden in großem Format, vielen Zeichnungen und Aquarellen ist G r ö g e r ch e n vertreten, der sich als sehr vielseiti- ger Künstler erweist. Die Plastiken aus seiner Hand sind sehr lebendig. Biringer zeigt einige künst­lerisch recht gute Plaketten. Dischler faßt in sei­nen Blättern mit klarem Strich das Wesentliche der Formen des Tierkörpers zusammen. Inge D i n a n t verrät in einer sehr zarten zeichnerischen Manier eine sichere künstlerische Auffassung. Die Radierun­gen von Fritsche gefallen sehr gut. Broncen von Kippe stellen das Tier lebendig bewegt dar. Gönner hat eine Reihe von Aquarellen ausge­stellt, die in ihrer minutiös sorgfältigen Art nahezu als naturwissenschaftliches Material betrachtet wer­

den können. P. Kratz, der ebenfalls viele Arbeiten zur Ausstellung beigesteuert hat, gefällt besonders mit seinen Plastiken. Eine starke Eigenart spricht aus dem OelgemäldeFlamingo-Wiese" von Müller v. Albrecht. Seine Technik besticht dabei beson­ders. Moufang und Quin haben einige feine Plastiken beigesteuert. ' Von Eisel-Ruhland allen vor allem die kräftig angelegten Tuschezeich­nungen auf. Ferner sind zu nennen die Arbeiten von Lefebre, Trinkewitz, Wallstätter, Bischof (Hitler- büfte), Luckhardt, Marie Rumpf und Justin.

Die Künstler, die in der Hauptsache Tiere aus dem Zoo Wiedergaben, hatten dankbare Objekte. Ele­fanten, Löwen, Tiger, Panther und Bären, Pferde, Esel und Kamele, Krokodile, Affen, Paviane und Hunde, Antilopen, Zebras und Gnus, Nashörner und Büffel, Wölfe und Schafe, Reiher und Fla­mingos usw. hatten die Künstler zu ihrem Schäften angeregt. Das Ergebnis, das in der Ausstellung vorliegt, ist recht erfreulich. N.

Kunst und Wissenschaft.

Die Vorbereitungen für den Angriff auf den Nanga Parbat.

Dem Drahtlosen Dienst ist ein weiterer Bericht von der deutschen Himalajaexpedition zugegangen. Hieronimus hat das Hauptlager auf den schneefreien Moränenhügel verlegt. Dort blühen, in einer Höhe von 3600 Meter, jetzt Alpenblu- men, darunter auch Edelweiß. Hieronimus ver­anlaßte auch, daß 14 Baltikulis wenigstens bis zum Lager 4, also bis 5800 Meter Höhe, dienen. Da­durch werden die überstark beanspruchten Darjee­ling - Träger entlastet. Aschenbrenner und Welzenbach erreichten mit acht Trägern das Lager 5 in 6200 Meter Höhe Das Lager konnte aber wegen dichten Nebels noch nicht end­gültig errichtet werden. Sämtliche notwendigen Lasten werden inzwischen nach Lager 4 geschafft, dem eigentlichen Standlager für den letzten Angriff auf den Naga Parbat. Merkel, Schneider, Bechthold, Müllritter und Captain Frier haben den west­lichen Chongra-Peak erstiegen, der 6600 Meter hoch ist. Sie haben dort bei schönem Wetter den Weg zum Ziel e i n s e h e n können. Auch Wieland und Captain Sangsten haben den Chongra-Peak bereits bezwungen. Die Spitzen­gruppe ist an der Arbeit, über das Lager 5, also über 6200 Meter hinaus zu spuren. Alle Tellneh- mer sind guten Mutes.

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