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Vornan von Anny von panhuys.
Urheberrechtsschutz: Funf-Türme-Derlag, -alle (S.)
12. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Vierzehntes Kapitel. __
Am nächsten Nachmittag lernte Frau Westkamp die junge Donata Olden kennen. In dem großen, niedrigen Wohnzimmer des alten Hauses, in dem schon so viele Gärtner Westkamp gelebt, und in dem so liebe, altväterliche Möbel standen, reichten sich die beiden zum ersten Male die Hände, fühlten auf den ersten Blick warme Zuneigung füreinander.
Donata wanderte dann später an Detlefs Seite durch den großen Garten. Sie schritten über schmale Fußpfade, und Donata lächelte:
„Das ist doch alles so endlos weit — ich ahnte ja nicht, daß ihr so viel Land besitzt. Ich begreife nur nicht, weshalb du so bescheiden tust, so als wenn du zu den kleinen Leuten gehörtest. In meinen Augen bist du eher ein Großgrundbesitzer."
Er nickte vergnügt.
„Bitte, behalte nur den schmeichelhaften Eindruck von Westkamps Gärtnerei."
Er legte seine Hand auf ihren Arm.
„Mädel, du verstehst ja nichts von der Sache, aber glaube mir, wir sind nichts Besonderes. Natürlich, unser Grund und Boden hat ganz anständige Ausdehnung, aber das Haus ist hypothekenüberlastet, und der Grund und Boden hängt mit dran. Wenn da einmal etwas mit den Zinsen nicht klappt, frißt das Haus das Land ringsum mit auf. Wir müssen uns tüchtig abrackern, um uns die Gefahr immer möglichst fernzuhalten, und sie ist uns schon ein paarmal ganz bedrohlich nahegekommen."
Er sah sie zärtlich an.
„Bist so ein liebes, goldechtes Mädel! Es ist ein großes Glück, daß du mir gehören willst, und dafür will ich alle Kraft aufbieten, damit das alles hier frei wird von dem Druck. Arbeiten will ich unermüdlich, damit dir, Liebstes, keine so schweren Sorgen nahekommen sollen, wie sie Mutter hat durchmachen müssen."
Er atmete tief den feuchten, starken Geruch ein, der dem Acker entquoll.
„Ich glaube, die Arbeit wird mir zum Spiel, wenn du erst für immer da drüben in dem alten Haus bei uns wohnst — eine Freude wird sie und ein großer Segen."
Unfern waren zwei Frauen damit beschäftigt, Kartoffeln zu buddeln. Sie warfen neugierige Blicke auf Donata Olden, die so schlank und fein und vor- nehm aussah in dem grünen Tuchkostüm mit der winzigen Maulwurfkrawatte.
Eine sagte zur anderen: ______________________
da lag alles einfach. Sobald sie sich aber in die Tochter eines berühmten Komponisten verwandeln würde, sähe alles anders aus. Dann rückte die Person von Donatas Bater ganz unvermittelt in eine andere Gesellschaftssphäre ein und seine Familie mit ihm. Dann käme Donata mit anderen Herren zusammen, und ihre Schönheit war von eigener Art, daß sie auffallen mußte. .
Er fühlte die eifersüchtigen Gedanken rote Dolch- spitzen, die alle nach seinem Herzen zielten.
Er schämte sich seines Wunsches und empfand ihn doch tief und inbrünstig. Er wünschte Werner Olden einen Mißerfolg, wünschte, daß seine Symphonie am Aufführungstage unbeachtet verklänge für immer, damit Donata die Tochter des schlichten Bornheimer Musiklehrers bliebe, die Tochter eines unbekannten Mannes.
Fünfzehntes Kapitel.
„Freut mich, Sie kennenzulernen, Herr Westkamp."
Werner Olden schüttelte die Hand des Besuchers, der ihn an Gröhe noch etwas überragte. Er sah ihn sich genau an, musterte ihn vom Kopf bis zu den Fußen. Fast etwas zu scharf war die Muste- rung. Detlef Westkamp jedenfalls spürte den Blick peinlich, die blauen Augen waren wie stahlfunkelnde Lichter und hatten etwas Unbequemes, gingen durch einen hindurch wie Röntgenstrahlen, fand Detlef Westkamp. Donatas Mutter in ihrer mädchenhaften Zierlichkeit und den blassen, leicht versältelten Zugen gefiel ihm besser. Ihr mütterliches Lächeln wärmte.
„Scheinen ja ein ganz netter Kerl, Westkamp!" Damit drückte ihn der Herr des Hauses auf einen Stuhl nieder. „Meinem Mädel gefallen Sie, und da müssen wir uns eben auch anfreunden — nicht wahr?"
Es klang alles so gönnerhaft, schien es dem Jüngeren, aber er lächelte verbindlich. Man kann sich die Menschen nicht so kneten, wie man sie gern haben möchte!, dachte er.
Man plauderte über dies und jenes, und habet kam man auch auf die Taler zu sprechen. Werner Olden erzählte ihre Geschichte, die Detlef Westkamp ja schon von Donata gehört hatte. Frau Olden meinte:
„Meines Mannes Großvater, der Juwelenhändler, soll noch kurz vor seinem Tode aus dem Ausland eine Menge Juwelen mitgebracht haben, Brillanten, Rubinen, Perlen und was weiß ich. Man möchte fast glauben, er hätte die Steine in den Main geworfen, damit sie nicht in die Hände seiner armen jungen Frau und seines Sohnes kommen sollten."
Sie seufzte. „Man hätte manchmal was davon haben mögen." Sie erhob sich. „Ich will in die Küche gehen, entschuldigen Sie mich ein halbes Stündchen, Herr Westkamp! Nachher trinken wir ein Täßchen Tee zusammen, und du, Donata, decke bitte den Tisch."
„Ob d-» dem Detlef sei Mädch- Is? DI- paßt aber net hier enei, dees is aane, wo tns UöeftenD paßt, aroer net zwischen Kartoffele un Kohl!
Und sie, „die wo ins Westend paßt", lächelte eben:
„Ich freue mich schon darauf, dir später, wenn wir erst verheiratet sein werden, helfen zu dürfen. Ich möchte eine echte Gärtnersfrau werden, rote deine Mutter eine geworden ist."
Er nahm ihre Hände ganz fest in seine beiden ^0,Mädel, ich danke dir für das liebe Wort. Du vaßt zu mir, als ob ich dich beim lieben Herrgott Droben eigens bestellt hätte."
Sie gingen zurück, und er zeigte ihr die Dahlien, seine Lieblinge, die hoch und stolz unb bunt aus dichten Blätterbüschen grüßten. So em bchchen unnahbar, so wie Königinnen, die sich huldvoll ihren treuen Untertanen zuneigen.
,Ich habe eine besondere Vorliebe für Dahlien , lächelte sie und umfaßte eine große lachsfarbene Blute sanft mit zwei behutsamen Fingern.
„Dahlien mag ich so überaus gern, und ich finde, sie passen zu dir, Donata. Wenn ich cm Maler wäre, würde ich dich so malen, so wie du jetzt dastehst..."
Sie lachte.
„Du bist ein Schwärmer und Phantast, Detlef!"
Sie wurde ernst.
„Höre lieber, was ich dir noch erzählen muß. Ich habe es mir noch als gute Neuigkeit bis zuletzt aufgehoben. Also das Neueste: Vater möchte dich kennenlernen. Kannst morgen schon kommen, Detlef, wenn du willst. Je eher, desto besser. Ich bin froh, wenn die Heimlichkeit zwischen uns beiden zu Ende ist."
Er pflichtete ihr bei. . N
„Ich auch, Donata, ich auch — glaube es mir.
Und als sie sich dann wieder in dem großen, niedrigen Wohnzimmer befanden und Frau Charlotte bei ihnen sah, berichtete Donata von dem Erfolg des Vaters. Von feinen vielen zerronnenen Künstlerträumen, die sich nun vielleicht erfüllen würden.
Sie sagte stolz:
„Ich glaube an Vaters Genie; [eine Symphonie ist wundervoll. Ich bin überzeugt, daß ihn die Auf- führung über Nacht berühmt macht."
War es nicht, als glitte ein Schatten über Detlef Wesikamps Stirn? War es nicht, als erlösche der frohe Schein in feinen Augen?
Donata blickte ihn forschend an.
„Fehlt dir etwas, Detlef? Du siehst mit einem Male so ganz anders aus."
„Bewahre, mir fehlt nichts", gab er zurück und kämpfte mit aller Gewalt gegen das seltsame Gefühl an, das ihn ganz plötzlich hinterrücks wie ein Wegelagerer überfallen.
Solange Donata die Tochter des unbekannten Bornheimer Musiklehrers war, paßte sie zu ihm —
Sie verließ das Zimmer, und Donata ging mtt ihr. Ä ,
Der Hausherr bot dem Gast Zigarren an, auch Zigaretten. Beide bedienten sich. Der Meliere zündete sich eine Zigarre an, der Jüngere hatte eine Zigarette vorgezogen. Sie saßen sich beide am Tisch gegenüber, und Werner Olden zeigte auf einen Kasten seines Schreibtisches.
„Da sind die Taler drin — ich werde sie Ihnen jetzt zeigen. Vielleicht können Sie ihr Rätsel lösen. Wenn's auch weiter keinen tieferen Sinn haben wird, ist man doch neugierig, was das Gerourschtel der unübersetzbaren Worte darauf bedeutet. Es sind griechische Buchstaben, aber Worte, die es im Griechischen nicht gibt."
Er erhob sich, doch auf halbem Wege fiel ihm etwas ein.
„Entschuldigen Sie auch mich auf kurze 3eit!*3d) muh meine Frau daran erinnern, daß kein Rum mehr im Haufe ist — und ich kriege keinen Tee ohne 'nen ordentlichen Schuh Rum hinunter. Donata soll schnell mal hinüber in die Wirtschaft flitzen.
Er verließ das Zimmer, und Detlef Westkamp blieb wohl fünf Minuten lang allein. Er blickte sich um. Die Ausstattung des Zimmers hatte manches gemeinsam mit Mutters Wohnzimmer. Das etwas Altmodische und doch Behagliche. Dennoch wirkte der Raum hier anders. Das machte das Klavier und die große Beethovenbüste, das breite Notenregal und das Bild Richard Wagners. Auch die Luft hier war anders. Drüben im Gärtnerhause roch es immer nach Kräutern, und auf Mutters Schreibtisch lagen ständig Samenproben, die einen etwas stumpfen Duft verbreiteten.
Jetzt kehrte der Hausherr zurück, lächelte.
„Bis wir Tee trinken, werde ich Ihnen etwas Vorspielen."
Sein Kops ruckte steif in den Nacken.
„Aus meiner Symphonie. Donata hat Ihnen vielleicht schon erzählt, daß meine Symphonie ,Die wilde Jagd< noch vor Weihnachten zur Aufführung kommt."
Daß er ihm die Taler zeigen wollte, schien Werner Olden vergessen zu haben!, dachte der Jüngere, als er höflich erwiderte, er hätte allerdings von Donata gehört, daß die Symphonie zur Aufführung käme, und er freue sich, etwas daraus zu lernen.
Werner Olden nahm am Instrument Platz und griff in die Tasten. Detlef Westkamp lauschte, anfangs von dem Vorurteil befangen, daß er doch nicht allzuviel von solcher Musik verstände. Aber bald mußte er aufhorchen, ob er wollte ober nicht.
Man brauchte nicht musikalisch geschult zu sein, um zu verstehen, was die Musik ausdrückte. Dazu war sie zu klar und deutlich. Sie malte ja in Tönen, wie ein Maler in Farben malt.
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