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Kampf und Ringen und uns groß werden ließ. Daher können das alle die nicht verstehen, die nicht die gleiche Not in ihrem Volke gelitten haben. (Be­geisterte Zustimmungskundgebungen der Massen.) Ihnen erscheint es rätselhaft und geheimnisvoll, was diese Hunderttausende immer zusammenführt, das sie Not, Leid und Entbehrung ertragen läßt. Sie können sich das nicht anders denken als durch einen staatlichen Befehl. Sie irren sich!

Richt der Staat befiehlt uns, sondern wir be­fehlen den Staat! (Die Massen jubeln dem Führer in unbeschreiblicher Begeisterung zu.) Richt der Staat hat uns geschaffen, sondern wir schaffen uns den Staat. (Erneute langanhal­tende Beifallskundgebungen.) Denn wir mögen dem einen Partei fei, dem anderen Organisa- . tion, dem dritten etwas anderes, in Wahrheit sind wir das deutsche Volk! (Stürmische Heil­rufe.) Cs kann keine bessere Repräsentanz fin­den als in seinen opferbereitesten und kämpf- entschlossensten Wannern.

Wir wissen, daß dieser Kampf auch in der Zukunft nie ein Ende nehmen wird. Auch für ein Volk

gilt das Gebot: Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es stets aufs neue! Und was wir errungen haben im Kampf, werden wir stets im neuen Kampf bewahren! (Stürmischer Beifall.) Denn wir wissen, daß das Werden einer Völker­schaft nicht von ungefähr kommt. Wenn ein Volk zerrissen ist, in Klassen zerspalten, sich gegenseitig nicht mehr versteht und nicht mehr begreift, dann genügt es nicht, daß einzelne die Einsicht der Schädlichkeit dieses Umstandes haben. Notwendig ist es dann, daß diese aus der Erkenntnis des Möglichen die richtigen Konsequenzen ziehen, d. h. zusammenstehen aus allen Ständen, allen Berufen, allen Klassen, allen Schichten und eine Marsch­kolonne bilden. (Stürmischer Beifall.) Dann wird Trommel zu Trommel, Fahne zu Fahne, dann wird zur Gruppe die Gruppe, zum Gau der Gau und dänn wird endlich dieser gewaltigen Kolonne die geeinte Nation nachfolgen. Das früher zerrissene Volk, es wird dann in diesen Kolonnen seine Führung suchen, es wird dieser Führung dann gehorchen. Und die Führung hat die Pflicht, nie zu vergessen, daß sie Führung ist, weil sich in ihr alles das verkörpert, was sie selbst im Volke sehen wird. (Beifall.)

Alles für Deutschland!" sei unser Gelöbnis.

v So wollen wir denn in dieser Abendstunde ouf diesem weiten Feld uns und dem deutschen Volk wieder das Gelöbnis ablegen, daß wir in den kommenden 12 Monaten an uns ar­beiten wollen, um uns immer noch bester zu machen, damit das deutsche Volk mit Recht in uns feine Regierung steht. (Stürmische

- Heilrufe.) wir wollen die großen Grundsätze unseres Kampfes, die uns in den Jahren des Ringens um die Macht begleitet haben, uns erneut ins Gedächtnis zurückrufen und uns ihnen verschwören. Treue, Gehorsam, Disziplin, Opferwilligkeit, Kameradschaft, Bescheidenheit, das sollen die Prinzipien fein, die immer mehr unser Lebensgebot zu werden haben. Dann braucht uns nicht bange zu fein um die Zu­kunft der Bewegung, die Zukunft der Partei, die Zukunft des Deutschen Reiches. (Stürmischer Beifall.)

Ein Volk, daß durch solche Klammern gehalten wird, kann auch nicht der böse Wille einer anderen Welt zunichte machen. Es wird seine Fahnen wie der Ritter ohne Furcht und Tadel vor sich her­tragen, niemandem zu Leide, aber auch nicht dem eigenen Volke zum Schaden. (Begeisterte Beifalls­stürme.) Es wird jedem die Hand bereitwillig geben, zum Frieden und zur friedlichen Arbeit. Es wird sich aber auch gegen jene wehren, die glau­ben, Freiheit und gleiches Recht einem solchen Volk obsprechen zu können. (Stürmische Zustimmung und Heilrufe.) Tüese Bewegung wird dann als die wahrhaftige Führerin des Deutschen Volkes in Er­scheinung treten unter dem herrlichen Begriff: Alle für einen und feder für alle!" (Minutenlange Heilrufe.) Sie wird dann, wie schon

öfter in der deutschen Geschichte erwiesen, unser Volk wieder zu seiner Größe, seiner Freiheit und seinem natürlichen Wohlergehen zurückführen können.

wir alle sind nur Diener an diesem großen werk der deutschen Ration (stürmischer Bei­fall), wollen unser eigenes Ich gebührlich zu- rücksehen gegenüber dem, was Deutschland er­fordert, wollen selbst nicht vor Deutschland stehen, sondern dieses Deutschland führen, so­lange nicht Bessere an unsere Stelle treten, wir wollen aber auch wissen, daß heute und morgen in Deutschland nichts Besseres ist und sein wird. (Tosender, minutenlanger Beifall.) Denn mehr als sich aufopfern für fein Volk wird niemand können, das aber soll stets un­ser eigenes Gelöbnis fein. (Die Fahnenträger heben die Fahnen, die Masten jubeln dem Führer minutenlang zu.) Auch wenn wir ver­gehen müssen, muß Deutschland bestehen. (Brausender Beifall.) Auch wenn uns im ein­zelnen das Schicksal plagen sollte, muß Deutsch­land leben. (Anhaltende Heilrufe.) Auch wenn wir Rot und Sorge auf uns zu nehmen haben, Deutschland muß sein trotz Sorgen und Rot. So sei unser Gelöbnis an diesem Abend: In feder Stunde, an jedem Tag nur zu denken an Deutschland, an Volk und Reich, an unsere große Ration.

Unfer deutsches Volk Siegheil! (Das Feld der Hunderttausende ist minutenlang erfüllt von einem brausenden Orkan des Beifalls und des Jubels.)

Die Amlswalier huldigen dem Führer.

Oer Zackeizug durch die nächtlichen Straßen Nürnbergs.

Als Adolf Hitler aeendet hat, bringt der Stabs­leiter der PO., Dr. Ley, ein mit unbeschreiblichem Jubel aufgenommenes Siegheil auf den Führer aus, das im Deutschland- und Horst-Wessel-Lied ausklingt. Dann formierten sich auf dem breiten Mittelweg zunächst die Fackel abordnungen und die für den Fackelzug bestimmten Teilnehmer. Scheinwerfer huschten über das Feld. In ihrem Scheine blitzten die Musikinstrumente der Spiel­mannszüge und Kapellen auf, sah man unabsehbar, unendlich sich ausdehnend ein einziges braunes Feld, abgeqrenzt nach allen Seiten durch die dunkle Welle der Baumalleen. Dom Kommandoturm erhiel­ten die einzelnen Gaue noch Anweisungen für den Abmarschweg. Dann ertönte das Kommando: Weitermachen!", das von hunderttausenden von Keblen jubelnd begrüßt wurde. Auf dem weiten Feld setzte flotte Marschmusik und fröhlicher Gesang ein. Immer mehr Gaue rückten ab, immer mehr entfernten sich die Feuerketten der marschierenden Kolonnen.

Der ganze Graben vom Hauptbahnhof an der Wohnung des Führers vorbei bis zum Plärrer in einer Ausdehnung von fast IVi Kilometern ist am Abend ein einziges Meer von Menschen. Auf beiden Seiten der Straße ist kein Durchkom- men. Auf den Balkons und Fenstern und auf Häuserdächern und der Mauer des Grabens stehen, sitzen, hängen und kauern sie. Aus dem Dunkel der Grabenseite hebt sich das angestrahlte Germa­nische Museum, das seine vielfarbigen Fahnen­tücher in reizvollen Bündeln drapiert hat, auf der einen, das Frauentor auf der anderen Seite wunderhübsch heraus. Scheinwerfer spielen von den Dächern. An Fenstern und Simsen reihen sich die Jlluminationslämpchen. Die Lichtträger des Bah n- hofsvorplatzes tauchen die Tribüne, von der

aus der Führer die Huldigung seiner PO. entgegen­nimmt, in Tageshelle. In dieser Lichterslut wirkt der Fahnen- und Girlandenschmuck doppelt ein­dringlich.

Einer Feuerflamme gleich naht der Zug der Fackelträger, der die ganze Straßenbreite ein- nimmt. An der Spitze marschiert der Stabsleiter der PO., Dr. Ley, vor der Reichsleitung und dem ersten Spielmanns- und Musikzug. Der Führer, der auf einem hohen Podium gegenüber der Tribüne im Lichtkegel der Scheinwerfer steht, nimmt die Meldung des Stabsleiters entgegen und dankt dann ohne Unterlaß seinen treuen Helfern, die, die alten Kampflieder singend, nahen, stolzen und freudig er­füllten Herzens die Feuerbrände hinter den Fah­nen tragend, für die sie gekämpft und gelitten, ge­darbt und gestritten und die sie auch zum end­lichen Siege getragen haben. Die ganze Straße glüht und strahlt, die Fackeln leuchten, die Stadt Durchzittert der Wirbel Der Trommeln, das Gellen der Querpfeifen, die mitreißende Marschmusik, der frohe Gesang der Freiheitslieder, die die Menge freudigen Herzens mitsingt. Eine volle Stunde zog Die Feuersäule am Führer vorüber, der jetzt ganz langsam nach allen Seiten grüßend und winkend zurück in seine Wohnung fährt. Langsam verliert sich der Feuerschein in der Ferne. Die Menschen­massen überfluten die Straßen, überwältigt von die­sen unauslöschlichen Eindrücken. Don weither aber klingt es wie Triumphgesang in den nächtlichen Himmel und wird von allen Lippen mitgesungen:

Wenn wir schreiten Seit' an Seite Und die alten Lieder singen Fühlen wir, es muß gelingen Mit uns zieht die neue Zeit Mit uns zieht ein neuer Geist.

Auslandsstimmen zum Äeichsparieitag.

Paris, 8. Sept. (DNB.-Funkspruch.) Die Be- richte über den weiteren Verlauf des Parteitages stimmen darin überein, daß man der Welt kein eindrucksvolleres Schauspiel bieten könne. Der Aufmarsch vom Freitag mit anschlie­ßendem Fackelzug veranlaßt den Sonderberlcht- erstatteter desI o u r n a I" zu folgender Betrach­tung:Ein Tag wie dieser muh bei den Zu­schauern einen dauerhaften Eindruck erwecken. Welche Inszenierung! Wenn, wie man hier ver­sichert, Dr. Goebbels dahinter steckt, kann man ihm Das Lob, genial zu sein, nicht verweigern."

Es ist wahr", schreibt andererseits der Sonder­berichterstatter desFigaro",das, was wir hier sehen, ist niemals, solange die Welt steht, ge­boten worden: eine ganze Nation in Uni­form, eine Nation von Milizsoldaten mit einer Kraftentfaltung, Die bei weitem jede Ausdruck­möglichkeit übersteigt. Ich bin mit vielen SA.- Männern ins Gespräch gekommen. Daß sie von jedem K r i e g s g e d a n k e n weit entfernt sind, erscheint mir wahrscheinlich. Aber welchen Wert können solche privaten Meinungsäußerungen haben. Was für uns in Frankreich gilt und was wir kühl ins Auge fasten müssen, ist die A u s - bilduna des Menschenmaterials, über die Deutschland verfügt, und nicht, was dieses Menschenmaterial denken mag."

Die englische Presse berichtet über den Aufmarsch der Politischen Leiter in Nürnberg und die Rede des Führers sehr ausführlich. Besonders hervorgehoben wird der tiefe Eindruck, den der großartige Fackelzug am Freitagabend überall hinterließ. Die gesamte Presse veröffentlicht Bilder von den Kundgebungen des Parteitages. Aus der Führerrede werden die Stellen hervorgehoben, in denen Hitler erklärt, daß Deutschland allen denen, die Frieden wünschen, die Hand der Freund- reiche, daß es aber denjenigen, die die Unabhängigkeit Deutschlands nicht anerkennen woll­ten und Deutschland die Gleichberechtigung verwei- derten, starken Widerstand bieten werde.Times" Überschreibt ihre Meldung:Der Ruf Hitlers. Deutschland und bte Welt."

»Daily Telegraph" berichtet, daß der große Fackelzug am Freitagabend d i e eindrucks­vollste der gesamten Riesenkundgebungen gerne- sen sei, die bisher in Nürnberg stattfanden.Die Wucht von unerhörter Größe, die durch diesen Strom von Fackeln tragender Männer erzeugt wurde, ist noch niemals Überboten wor­den." Der Berichterstatter derMorning Post" schreibt: Noch niemals zuvor in der Geschichte der Welt haben so viele Leute einem einzel- nen Menschen Ergebenheit geschworen, wie Im Deutschland der Gegenwart»

DieRaistagung des Völkerbundes eröffnet.

Barthou sucht den Nüssen die Tür zu öffnen.

Genf, 7. Sept. (DNB.) Die 8. Tagung des Völkerbundsrats wurde heute vormittag unter Vor­sitz des tschechoslowakischen Außenministers Bene sch zunächst mit einer geheimen Sitzung er­öffnet, in der eine erste Fühlungnahme der Rats­vertreter stattfand und gleichzeitig einige interne und geschäftsordnungsmäßige Fragen erledigt wurden. Darauf fand eine öffentliche Sitzung statt. Auf der Tagesordnung fehlten aber noch alle wichtigen Fragen, da erst umfangreiche Vorbespre­chungen nötig sind, ehe an die wesentlichen Fragen herangegangen werden kann.

Barthou verhandelte mit dem polnischen Außenminister Beck und mit dem argentini­schen Dölkerbundsvertreter. Es liegt auf der Hand, daß es sich dabei um die Stellungnahme dieser beiden Mächte zum Eintritt Sowjet­rußlands in den Völkerbund und vor allem zur Frage der Zuerteilung eines ständigen Ratssitzes an die Sowjetunion gehandelt hat. Ohne jeden Zweifel hat der franzö­sische Außenminister versucht, diese beiden Staaten für den französischen Standpunkt zu gewinnen. Es ist bezeichnend, daß sich der französische Außen­minister schon jetzt an die beiden Staaten gewendet hat, die dem Vernehmen nach im Dölkerbundsrat noch Widerstand gegen die französischen Pläne leisten und Deren Ablehnung auch verhindert, daß der Völkerbundsrat Die Vollversammlung hinsichtlich Rußlands schon vor vollendete Tatsachen stellt. Wel­ches Ergebnis diese Unterredungen gehabt haben, steht noch nicht fest.

Paris ist optimistisch.

Angeblich leistet nur Polen noch schwachen Widerstand.

Paris, 8. Sept. (DNB.-Funkspruch.) Die Pari- fer Presse vertritt die Anschauung, daß die Bemüh- Hungen Barthous in Genf, um Den Eintritt Sowjet- rußlands in den Völkerbund und die Erteilung eines ständigen Ratssitzes zu sichern, von Erfolg ae- frönt fein werden. Ein Berichterstatter glaubt, daß Barthou bte Bedenken Portugals und Argentiniens bereits zerstreut habe und daß auch der polnische Außenminister B e cf in feiner zweistündigen Aussprache mit Barthou am Freitag

sich wenigerwiderspenstig" gezeigt habe als man ur» ich wenigerwiderspenstig gezeigt habe als man ur- prünglich hätte annehmen fönnen.Petit Parisien chreibt, Polen werde sich nicht direkt Der Aufnahme Rußlands in den Völkerbund und in den Völker­bundsrat widersetzen, aber anscheinend wolle es bte Gelegenheit benutzen, um f i ch von ben Min ° derheitenverträgen z u befreien, bie u. a. auch auf Sowjetrußlanb Anwendung finden würden. Ein derartiger Schritt Polens wäre freilich besonders unangebracht in dem Augenblick, in dem man über den Eintritt Sowjetrußlands in den Völ­kerbund verhandle. Beck scheine erst mit Marschall Pilsudski Fühlung nehmen zu wollen.

Im übrigen halten es die Blätter für wahrschein­lich, daß Die in Genf versammelten Mächte an Sowjetrußland eine Einladung zum Bei­tritt ergehen lassen werden.Oeuvre" behauptet, daß schon bie notwenbigen Unterschriften für eine Erklärung gesammelt werben würben, bie bei Eröffnung ber Völkerbunbsversammlung am kom­menden Montag zur Verlesung kommen werde. Unter diesen Umständen werde Litwinow am 18. September in ben Völkerbund ein- ziehen. Auch der ständige R a t s s i tz für Sowjetrußland fei gesichert. In Dölkerbundskreisen erwarte man von Der Teilnahme Sowjetrußlands eine vollständige Aenderung auf Dem europäischen Schachbrett. Erst dann würden die Verhandlungen über den Ostpakt wirklich beginnen.

Oie Türkei wünscht einen nichtständigen Ratssitz.

Genf, 6. Sept. (DNB.) Die Türkei hat ihre Kandidatur für einen der freiwerdenden nichtstän­digen Sitze tm Rat angemeldet. Die Türkei erhebt Anspruch auf den bisher von China innegehabten Sitz. Die Türkei ist an sich ein europäischer Staat, obgleich ein großer Teil ihres Gebietes in Asien liegt. Die Dertellung der Sitze nach Kontinenten hat aber keine juristische Grundlage. Persien will seinen eigenen Anspruch auf einen Ratssitz zugunsten ber Türkei zurückziehen. Jedoch scheint China eine Wiederwahl anzuskleben mit dem Hinweis darauf, daß die zweitgrößte ost­asiatische Macht dem Völkerbund sernblsibt.

Der Versuch einer Annäherung zwischen Paris und Rom.

Bisher noch keine greifbaren Ergebnisse.Oas Rüstungsproblem der schwierigste Punkt.

Paris, 8. Sept. (DNB. Funkspruch.) Havas berichtet aus Genf, daß die französisch-italienischen Verhandlungen, wie Außenminister Barthou selbst erklärt habe, noch zu keinem Abschluß ge­führt hätten; trotz des lebhaften Wunsches, den Frankreich nach Verwirklichung einer solchen En­tente hege, müsse man feststellen, daß die hierüber verbreiteten Gerüchte verfrüht seien. Gegen­wärtig würden in Rom zwischen Staatssekretär S u v i ch und dem französischen Botschaf- t e r Verhandlungen geführt. Beide Regierungen seien der Ansicht, daß ber Besuch Barthous bei Mussolini, der grundsätzlich auf die zweite Oktoberhälfte festgesetzt sei, das Ergebnis dieser Verhandlungen besiegeln solle.

Der gegenwärtige Stand Der französisch-italieni­schen Beziehungen lasse sich folgendermaßen um« reißen: Als Aktivposten einer Verständigung zwi- schen beiden Völkern sei eine fühlbare Besse­rung der Atmosphäre zu verzeichnen. Ferner sei das gemeinsame Vorgehen in Der Frage des Eintritts Sowjetrußlands in den Völkerbund und Die Zustimmung Itali­ens zum Ost Pakt hervorzuheben. Desgleichen sei eine fühlbare Annäherung der Auffassungen bei­der Länder über die internationale Garantie zum Schutze der Unabhängigkeit Oester­reichs und über die mit der wirtschaftli­chen Organisation des Donauraumes zusammenhängenden Fragen festzustellen.

Was jedoch die Frage derAufrüstung" Deutschlands anlange, Jo sei bisher fein ausreichender Anhaltspunkt für eine wirkliche Annäherung ber französischen und der italienischen Auffassung zu erkennen. Die franzö­sische Regierung halte an Dem Standpunkt fest. Den sie in ihrer Note vom 17. April vertreten habe. Sie weigere sich also, dieunter Mißachtung der Verträge vollzogene deutsche Aufrüstung" (!!) x\i legalisieren. Jedoch scheine die Frage angebracht, ob die italienische Regierung ihrerseits ihrem Memorandum vom 4. Januar treubleibe, in Dem eine Heraufsetzung der Deutschen Streitkräfte be­fürwortet werde, wogegen das gegenwärtige- stungsnioeau der vertraglich nicht abgerüsteten Mächte erhalten bleiben solle.

Abgesehen von diesen allgemeinen Problemen würden gegenwärtig zwei besondere Fragen ge­prüft, und zwar Die Grenzziehung im Westen von Libyen und das Statut der Italiener in Tunis. Diese Verhandlungen machten bereits gute Fortschritte, seien aber noch nicht zum Abschluß gekommen.

Wie denkt man in England?

London, 8. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die englische Presse ist ber Ansicht, bah sich bie italie­nisch-französischen Beziehungen rasch besserten. Die Times" schreibt, Frankreich unb Italien seien sehr besorgt wegen ber Wiederaufrüstung Deutschlanbs unb kritisiert in schulmeisterlichem Ton ben Aus­tritt Deutschlanbs aus bem Völkerbund, muß aber schließlich boch auf bie großen Schwierig­keiten Hinweisen, die einer wirklichen fran­zösisch-italienischen Einigung noch im Wege stehen. Besonders werben babei bie Beziehungen zwischen Frankreich und Südslawien yervorgehoben, die durch eine rasche Annäherung Frankreichs an Italien starke Einbuße erleiden würden.Times" schreibt auch, es sei unwahr­scheinlich, daß eine Einigung über bie Flotten- stär k e Italiens unb Frankreichs erzielt werbe.

Daily Telegraph" melbet aus Rom, bah Mus­solini ben Franzosen keineswegs feine Politik, die auf bie Revision bes Versailler Vertrages hin- drangt aufgebeu werde. De« Ducs werde feine

Stellungnahme nicht änbern und sich bas Recht ber Beweisführung Vorbehalten, baß Deutschland ein gewisses Maß der Wiederauf- r ü ft u n g zugeftanden werden müsse. Die libe­raleNews C h r o n i c l e" warnt energisch vor irgendeiner Kombination, die sich gegen Deutschland richten würde. Durch ein Militärbündnis mit Ita­lien würde Frankreich u. a. mit einem Schlage die englischen Verpflichtungen aus dem Locarnover- trage zerstören und der englischen Freund­schaft oerluftig gehen. Die öffentliche Mei­nung Englands werde niemals einer britischen Re­gierung gestatten, das englische Volk in eine Verschwörung für Die Einkreisung Deutschlands in einen Ring von Stahl zu ver­wickeln.

Römische Lleberheblichkeiien.

Eine Mussolini-Rede.

Bari, 7. Sept. (DNB.) Mussolini hielt bei der Eröffnung Der Messe vor etwa 300 000 Personen eine Ansprache, in Der er u. a. erklärte:Das italienische Volk hat in seiner 3000jährigen Ge­schichte genügenD Beweise für eine rechtliche, poli­tische unb soziale Organisation gegeben. An den Ufern des Mittelländischen Meeres sind bedeutende Philosophien, Religionen unb Werke ber Dichtkunst sowie ein Reich entstanden, das in ber Geschichte aller zivilisierten Volker unvergängliche Spuren hinterlassen hat. 3000 Jahre Geschichte erlauben es uns, mit souveränem Mitleid auf gewisse Lehren zu schauen, die jenseits ber Alpen von ber Nachkommen­schaft von Menschen vertreten werden. Die noch keine Schrift kannten, um bie Geschichte ihres Lebens zu Papier zu bringen zu einer Zeit, in ber Rom einen Cäsar, einen Birgil unb einen Augustus hatte."

Hierzu bemerkt das DNB.: Gegen den Grund­gedanken dieser Worte läßt sich vieles sinwenden. Beschränken wir uns darauf, zu sagen, daß es nicht daraus ankommt, ob ber Beginn ber Gejchichte eines Volkes früher ober später liegt. Das Alleinentschei- benbe ist, was ein Volk während ber Gesamt­heit seiner Geschichte leistet. Auch die brei» tausendjährige Geschichte Italiens weist nicht nur Höhepunkte, sonbern auch Tiefen auf. Hierüber zu polemisieren, ist fruchtlos. Jede große Nation wird nicht nur stolz sein auf ihre eigene Vergangen' heit, sondern auch gerecht in der Anerken­nung der Lei st ungen einer anderen Nation, wie unser Führer noch soeben in seiner Proklamation in Nürnberg zum Ausdruck ge­bracht hat.

Oie Geschäfte

der Rüstungsindustrie.

Englisch-amerikanischer Weitlauf in Polen und der Türkei.

W a f h i n g t o n, 7. Sept. (DNB.) Die Verneh­mung vor Dem Unterausschuß Des Bundessenats über Die Rüstungsindustrie zeitigte am Freitag wie­der interessante Ergebnisse. So wurde u. a. festgestellt, daß ein amerikanischer Marineof fi' zi er im November 1932 der columbiani schen Regierung durch den columbianischen General­konsul in Neuyork Derteidigungspläne für die kolumbianische Pazifikküste gegen einen Ueberfall der peruanischen Flotte ge­liefert hat und ihr dabei Waffenbestellun- gen bei dem amerikanischen Rüstungskonzern Drigge Drbnance and Engineering Co. anomtzfohleu

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