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Holen, Brasilien, Chile, Paraguay und Uruguay mit. Postschluß in Friedrichshafen am Samstag um 18 Uhr. Die Briefsendungen müssen die Auf­schrift tragen:Mit deutscher Luftpost", die Pakete: Mit Luftschiff Graf Zeppelin". Es ist ausge­fallen, daß zahlreiche Sendungen für die deutsche Luftpost nach Südamerika entweder ungenügend oder zum Schaden der Versender mit den höheren Gebühren des französischen Dienstes freigemacht sind. Wer sich vor solchen Nachteilen schützen will, fordere am Postschalter die UebersichtLuftpostge­bühren" ab, die unentgeltlich abgegeben wird.

** Nehmt keine Kornähren in den Mund. Auf den Getreideähren steht im Sommer ein kleiner Pilz. Er ist der Erreger der lebensge­fährlichen Strahlenpilzkrankheit im Gaumen oder im Verdauungskanal. Es bildet sich eine harte Ge­schwulst bei der Krankheit, der dann ein Gewebe­zerfall folgt, wenn nicht der Arzt beizeiten ein­greifen kann. Es mußten schon viele die kleine Un­vorsichtigkeit mit dem Leben büßen. Also nochmals: Nehmt keine Kornähren in den Mund!

Oie Umsätze des deutschen Handwerks.

Eine besonders erfreuliche Wirkung der Arbeits- K der Reichsregierung offenbart sich jetzt für utsche Handwerk. Es ist, wie das Ndz.-Büro meldet, festgestellt worden, daß infolge der Maß­nahmen der Regierung zur Arbeitsbeschaffung die Umsätze des deutschen Handwerks teilweise bis etwa 20 Prozent gegenüber vergleich­baren früheren Zeiten gestiegen sind. Einen Maß­stab für den Grad der Belebung bieten z. B. die Umsätze der Einkaufsgenossenschaften des Hand­werkes. Der Einkaufsumsatz der Maler stellte sich im zweiten Vierteljahr 1933 auf 111 Prozent der entsprechenden Zeit des Vorjahres, im vierten Vier­teljahr bereits auf 140 und im Januar 1934 sogar auf 250 Prozent.

Da die Jnstandsetzungsarbeiten usw. natürlich auch andere Gewerbe beschäftigen, sind auch dort Umsatzsteigerungen festzustellen. So erhöhten sich die Umsätze des Metall verarbeitenden Gewerbes von 114,3 Prozent im zweiten Vierteljahr 1933 auf 182,2 Prozent im Januar 1934. Die Holz verarbei­tenden Handwerksberufe konnten .ihre Umsätze in der entsprechenden Zeit von 120,2 auf 130,8 Pro­zent verbessern. Der Gesamtumsatz im Jahre 1933 hob sich gegenüber dem Vorjahre bei den Malern uml6,7, für die Metallhandwerker um 19,7, für die Holz verarbeitenden Berufe um 17,3 Prozent.

Die Sattler und Polsterer profitierten erfreulicher­weise besonders in den Ehestandsdarlehen des Rei­ches. Die Umsätze dieser Zweige des Handwerks wa­ren von 103,6 im zweiten Vierteljahr 1933 auf 156 Prozent im Januar 1934 gestiegen.

Aber auch die Bäcker, Schneider und Schuhmacher melden erhöhte Umsätze. Das ist umso bedeutsamer, als bei diesen Zweigen des Handwerkes die Verbesserung der Beschäftigten erst durch die Steigerung der Verbrauchskraft infolge der Arbeitsbeschaffung sichtbar werden konnte. Die Umsatzziffer der Schuhmacher stand im Januar 1934 bereits auf 123,7 Prozent der vergleichbaren Vorjahreszeit, die der Bäcker auf 103,6 Prozent. Die Hebung der Umsätze z. B. in den Bäckereien ist als nicht zu schlagender Beweis für die Bes­serung der Lebenshaltung unseres Volkes anzusehen.

Oie Wirtschaftslage des Diehhandels im Monat Mai.

Vom Reichsoerband des nationalen Viehhandels Deutschlands e. V. wird uns geschrieben:

Die Entwicklung auf den Viehmärkten im abgelau­fenen Monat wurde von verschiedenen Momenten beeinflußt. Auf der einen Seite führten die außer­ordentlichen Witterungsverhältnisse und die große Trockenheit zu teilweise recht erheblichen Zufuhren, während andererseits durch den stärkeren Bedarf zum Himmelfahrtsfest und zu den Pfingstfeier- tagen auch ein gewisser Ausgleich geschaffen wurde.

Die Rinder Märkte nahmen zu Beginn des Be­richtsmonats einen im allgemeinen glatten Verlauf. Sie blieben auch weiterhin fest und konnten teilweise Preisbesserungen erzielen, die aber an einzelnen Märkten durch zu starke Auftriebe beeinflußt wurden.

Die Kälber Märkte zeigten zu Beginn des Be­richtsmonats ebenfalls sehr feste Tendenz, bei zeit­weise starkem Angebot. Trotz des erheblichen Bedarfs vor den Feiertagen war der Auftrieb jedoch zu groß, um. ohne Verlust untergebracht zu werden. Auch nach dem Fest war das Kälbergeschäft nicht ein­heitlich.

Die Schafmärkte, die Anfang des Monats Mai au wünschen übrig ließen, wiesen vor den Pfingst- feiertagen eine gewisse Preisbesserung auf, obwohl auch hier das Angebot reichlich war. Durch die früh­zeitig einsetzende starke Zufuhr an Frühgemüse er­fuhr auch die Nachfrage nach Schaffleisch eine nicht unwesentliche Verstärkung.

Eine durchweg starke Beschickung wiesen die Sch weine Märkte auf, wo einzelne Märkte Re- kordauftriebe zu verzeichnen hatten. Die Auftriebs- Ziffern schwankten sehr erheblich, die Preisentwick­lung zeigte daher ebenfalls kein einheitliches Bild.

Im Nutz- und Zuchtviehhandel war Nachfrage nach guten Milchkühen festzustellen, wäh­rend man im Berichtsmonat etwas geringere Um­sätze feststellte.

Oer Lauterbacher Prämienmarkt.

D Lauterbach, 7. Juni. Zum 63. Male wurde dieser Tage der weit über die Grenzen des Kreises Lauterbach hinaus bekannte Lauter­bacher Prämiierungsmarkt abgehalten. Der traditionelle Markt, der eine Jahresschau unserer heimischen Viehzucht ist, war aber auch diesmal wieder ein Volksfest im wahrsten Sinne des Wortes. Ein besonderes Gepräae erhielt der Markt durch die Anwesenheit des Landesbauern­führers Dr. Wagner und des Staatspressechefs Dr. Mahr, der im vorigen Jahr noch als Bürger­meister der Stadt unseren Prämlenmarkt leitete. Zur Ehre der hohen Gäste wehten von allen Häusern die Hakenkreuzflaggen. Der Verlauf des Marktes hat gezeigt, daß man sich wieder in einer wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung befindet.

Auf dem Marktplatz, auf dem sich in der Haupt­sache der Krämermarkt abwickelte, hämmert und rumort es schon von morgens 6 Uhr ab und bald reiht sich Verkaufsstand an Derkaufsstand. Diesmal reicht der Marktplatz gar nicht aus. Bahnhofstraße, Adolf-Hitler-Platz und Lindenstraße standen auch voll von Verkaufsbuden. Um 7 Uhr begann der Viehauftrieb.

Von 140 Stück Großvieh waren zur Prämiierung 114 aufgetrieben, an Schweinen 45, Ziegen waren 121 vertreten. Der Ferkelmarkt war mit 424

Stück befahren. Der Handel war recht lebhaft. 5 bis 6 Wochen alte Tiere kosteten 16 bis 19 Mark, 6 bis 8 Wochen alte 18 bis 24 Mark, ältere wur­den mit 26 bis 30 Mark gehandelt, je nach Größe und Qualität.

Bald walteten dann auch die gestrengen Preis­richterkommissionen ihres Amtes und ihre Aufgabe, das beste Vieh zu prämiieren, war nicht leicht. Für die Prämiierung haben die Stadtverwaltung, die Hessische Bauernkammer, die Zuchtvereine, der Kreis Lauterbach und selbst größere Lauterbacher Geschäfte namhafte Beträge zur Verfügung gestellt und vielen Viehhaltern, die darauf bedacht sind, gutes Zucht- und Leistungsvieh zu züchten, konnten für ihre Mühewaltung belohnt werden. Daß sich in den Vormittagsstunden der Hauptmenschenver­kehr nach dem Viehmarkt zu konzentrierte, war ver­ständlich. Die Nachmittagsstunden und der Abend galten dem Krämermarkt und der Volksbelustigung. Besonders in den Nachmittagsstunden herrschte auf dem Marktplatz und in den angrenzenden Straßen großes Gedränge. Gegen Abend belebte sich der Juxplatz in der Lindenstraße immer mehr. Die Jugend tanzte.

Kleine Strafkammer Gießen.

Ein Mann aus Philippstein wurde vom Amts- aericht in Alsfeld wegen Betrugs zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Gegen dieses Urteil ver­folgte der Angeklagte das Rechtsmittel der Be­rufung. In der gestrigen Hauptverhandlung wurde festgestellt, daß der Angeklagte als Vertreter einer Krankenversicherung Interessenten vorspiegelte, sie könnten sich auf Grund einer ausgestellten Versiche­rungspolice sofort in ärztliche Behandlung begaben. Nach Schluß der Beweisaufnahme nahm der Ange­klagte das Rechtsmittel zurück. Die Kosten des Ver­fahrens trägt der Angeklagte.

* Wetzlar, 7. Juni. In der Dienststraf- fache gegen den Rentmeister Tölle, Stadtbau­meister Schneider, Betriebsinspektor Lotz, Oberstadtsekretär G ü ß, Stadtsekretär Hilde­brand, sämtlich aus Wetzlar, hat die Dienststraf­kammer bei der Regierung zu Wiesbaden in ihrer Sitzung vom 31. Mai 1934 beschlossen, das Der­sah r en einzu stellen. Die Einstellung erfolgt entsprechend dem Anträge der Einleitungsbehörde mit Rücksicht auf den Ausfall der Voruntersuchung.

Rotkreuztag 1934 in Gießen

Samstag, den S.Zuni, 18 Uhr: Flaggenhiffung am SanMsdepoi, Sonnenstraße. Anschließend: Gedenkfeier für die Gefallenen am 116er-Denkmal. (Bei beiden Kundgebungen wirkt der Musikzug des N. 1/116 mit.) Nach den Kundgebungen: Propagandamarsch der Sanitatskolonne vom Noten Kreuz durch verschiedene Straßen der Stadt vom Brandplatz aus.

Sonntag, den lv.Zuni, 1112 Uhr: Platzkonzert des Musikzuges N. 1/116 im Hindenburgwall gegenüber der Bismarckstraße.

gez.: Srnst H ö rr, Leiter der Arbeitsgemeinschast zur Durchführung des Notkreuztages

Der Hessische Soldatentag in Darmstadl.

. Am morgigen Samstag, 9. Juni, beginnen die Festtage in Darmstadt. Der Deutsche Reichskrieger­bundKyffhäuser" Landesverband Hessen-Darm­stadt KriegerkameradschaftHassia" begeht in den Tagen vom 9. bis 11. Juni die Feier des 60jährigen Verbandsbestehens ver­bunden mit dem Hessischen Soldaten- t a g. Siebzig- bis achtzigtausend alte Kameraden und ehemalige Soldaten, Frontsoldaten des Welt­krieges werden sich zum großen kameradschaftlichen Appell zusammenfinden, um zum ersten Male im neuen geeinten Deutschland sich die Hände zu rei­chen im Gefühl unverbrüchlicher Zusammengehörig­keit und Verbundenheit mit dem deutschen Volk und seiner Regierung. Einem jeden alten Soldaten ist die Möglichkeit gegeben, seine Kameraden aus Kriegs- und Friedenszeiten auf dem Festplatz wiederzusehen.

Nicht nur aus Hessen-Darmstadt, Hessen-Nassau, nein, aus allen Gegenden des deutschen Vaterlandes haben sich die Kameraden angemeldet. Mehr wie 40 Sonderzüge werden in Darmstadt ein­treffen. Die Reichsbahnverwaltung ist der Festleitung durch weitgehende Fahrpreisermäßigungen entgegen­gekommen. Abfahrzeiten der Sonderzuge und der Fahrpreisermäßigungen sind auf den Bahnhöfen und von den Führern der Kriegervereine zu er­fahren. Darmstadt, die alte Garnisonstadt, hat sich aufs festlichste gerüstet. Sie ist stolz und erfreut, die Angehörigen der alten ruhmreichen hessischen Regi­menter und die heldenhaften Söhne unseres Volkes im Weltkriege auf das herzlichste und kameradschaft­lichste in ihren Mauern aufnehmen zu können. Ein jeder, der die Feier miterlebt, wird die Empfindung unverbrüchlicher Verbundenheit zwischen alten Sol­daten und dem jungen Deutschland unter der Füh­rung unseres ehrwürdigen Reichspräsidenten und unseres Volkskanzlers mit nach Hause nehmen.

Ein großer hi st arischer Festzug am Sonn­tag wird die Geschlossenheit der Kriegervereine, Regimentsvereine und von Volk und Heimat zum Ausdruck bringen. Nicht weniger wie 45 Festwagen und Festgruppen, 45 Musikkapellen und 30 Tromm­ler- und Pfeiferkorps werden den Zug begleiten. Der Hessische Soldatentag in Darmstadt soll der

Ehrentag des alten Soldaten im neuen Deutschland sein.

Derwattungssonderzüge.

Zürn Hessischen Soldatentag und 60jährigen Be­stehen der Kriegerkameradschaft Hassia in Darm­stadt am 9. und 10. Juni 1934 werden folgende Verwaltungs-Sonderzü ge mit einer Fahrpreis­ermäßigung von 60 v. H. gefahren:

Am 9.Juni: Hinfahrt: Gießen ab 14.32 Uhr, Friedberg ab 15.32 Uhr, Darmstadt an 17.03 Uhr. (Hält bis Vilbel-Nord auf allen Bahnhöfen.) Am 11.Juni: Rückfahrt: Darmstadt ab 1 Uhr, Gießen an 3.09 Uhr. (Hält ab Vilbel auf allen Bahn­höfen.)

Am 9. Juni: Hinfahrt: Lauterbach ab 12.15 Uhr über StockheimVilbel nach Darmstadt. Ankunft in Darmstadt 17.08 Uhr. (Hält auf allen Stationen bis Vilbel-Nord.) Am 11. Juni: Rück­fahrt: Darmstadt ab 0.30 Uhr, Stockheim an 2.23 Uhr, Lauterbach an 4.53 Uhr. (Hält ab Vilbel-Nord auf allen Stationen. Teilnehmer von Büdingen haben Stockheim sofort Anschluß.)

Am 10.Juni: Hinfahrt: Renzendorf ab 5.45 Uhr, Gießen an 7.17 Uhr, Gießen ab 7.22 Uhr, Darmstadt an 9 Uhr. (Hält bis Gießen auf allen Bahnhöfen.) Am 10. Juni: Rückfahrt: Darm­stadt ab 20.10 Uhr, Gießen an 21.48 Uhr, Renzen­dorf an 23.57 Uhr. (Hält in Vilbel-Nordund ab Gie­ßen auf allen Bahnhöfen. In Friedberg ist Halt zur Erreichung der Anschlußzüge nach Hungen und Nidda vorgesehen.)

Am 10.Juni: Hinfahrt: Gießen ab 7.59 Uhr, Darmstadt an 10.21 Uhr. (Hält bis Vilbel auf allen Bahnhöfen.) Am 11. Juni Rückfahrt: Darmstadt ab 1 Uhr, Gießen an 3.09 Uhr. (Hält ab Vilbel auf allen Bahnhöfen.)

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Wie uns vom Reichsbahnverkehrsamt noch mitgeteilt wird, wird zu dem Sonderzug nach Darmstadt, der am morgigen Samstag, 14.32 Uhr, Gießen verläßt, wegen der starken Nachfrage ein Vorzug gefahren. Dieser Vorzug fährt etwa um 14 Uhr ab und hält nur in Butzbach und Friedberg.

Sin Wort znm Schutze unserer Fledermäuse.

Von Or. Karl Nudols Fischer.

Seit den letzten fünfzig Jahren darf es als er­wiesen gelten, daß wir trotz des Fortschrittes von Wissenschaft und Technik auf allen Gebieten macht­los jenen Naturereignissen ausgeliefert sind, die man als Schädlingskatastrophen bezeichnet. Solches Massenauftreten einer plötzlich vermehrungsstark gewordenen Art von Schadinsekten ist in letzter Zeit der Gegenstand eingehender wissenschaftlicher Untersuchungen nach der Ursache der Entstehung gewesen. Soweit hier heutzutage auch noch die Mei­nungen im einzelnen auseinandergehen mögen, im großen und ganzen hat man sich doch darauf ge­einigt, die Dinge folgendermaßen zu sehen.

Man weih, dah daseinsbereitende Umwelt, Tier- und Pflanzenwelt eine durch tausend Verkettungspunkte miteinander verbundene, in­tim ineinander übergreifende Lebensgemein­schaft sind.

Diese Vorstellung vom Lebensraum umfaßt in ihrem Ausdrucksbereich die offensichtlich zutage tretende Erscheinung, daß Tier- und Florenbefied- (ung eines jeden naturgegebenen Standortes sich in einem Zustande gegenseitigen Angepaßtseins be- finden, daß jedes Wesen seine ganz charakteristisch sich äußernde Umweltbindung besitzt und offenbart uns weiter, daß dieser daseinsgewährende Aufent­haltsraum nur so lange die ihm herkunftseigene und in ihm vorgesehene Anzahl von Arten und In­dividuen beherbergen, ernähren und erhalten kann, wie er selbst in seiner inneren Beschaffenheit und äußeren Zusammensetzung unverändert bleibt.

Jede Veränderung und Störung in diesem ab­gewogenen, von der schöpferischen Vorsehung im Sinne der Gleichgewichtslage und der natürlichen Zweckmäßigkeitsschulung bestimmten Verhältnis hat tiefgreifende, mitunter katastrophale Veränderun­

gen innerhalb der Lebensgemeinschaft zur Folge. Derartige Gleichgewichtsstörungen erfolgen in unse­ren Breiten meist durch klimatische Einflüsse, also durch stetige Aneinanderreihung von Temperatur­begünstigungen, vor allem aber durch die kultur- intensive Wirtschaftsweise des heutigen Menschen. Durch sein Eingreifen in die mannigfaltige, von Ursprung an gegebene Pflanzenbesiedlung aller Ur- und Naturlandschaften und durch sein Be­streben, nur nützliche und ernährungsproduktive Pflanzen anzubauen, hat er im Verlaufe der Land­baugeschichte eine große Einseitigkeit in die früher so abwcheslungsreichen Verhältnisse gebracht, und nur einige Kulturpflanzen sind es doch, die heute die Kleinflächen, die Großräume, die Länder, Europa beherrschen. Mit Kartoffeln, Rüben und Getreide füllt man schon die Feldgemarkungen sämtlicher Länder aus und mit Fichte, Kiefer, Buche und Eiche haben wir schon den Großteil dessen benannt, was an Baumpflanzen auf den Höhen und an den Hängen unserer großen Hoch- und Mittelgebirge wächst. Wundert man sich also, daß es heutzutage Schädlingskalamitäten gibt, die man früher gar nicht kannte, daß all die Tiere, die von Haus aus den jetzt vom Menschen gegen die Vorsehung der ursprünglichen Natur g e - schaffenen Degetationstyp bevorzu­ge n, nun zur Massenvermehrung nei­gen, und daß andere abroanbem, die mehr Um­welt, mehr Daseinserweiterung verlangen, als nur" Fichte,nur" Kiefer,nur" Kartoffeln?

Wissen Sie übrigens, worüber man sich wun­dern muß?

Daß die Uebervermehrungen und Massenaus­breitungen uns Menschen nicht schon längst aufge­fressen haben, vor allen Dingen, daß sie'so schnell wieder verschwinden, daß sie nicht ft e t i g bleiben,

wo doch die neuen Verhältnisse so stetig sind. Aber die Stetigkeit der neuen Agrikulturverhältnisse ist eben der Grund dafür, daß die Kalamitäten immer wieder kommen. Und daß sie so schnell wieder ver­schwinden, nicht Dauerzustand bleiben, liegt an dem schnellen, erdgebundenen Wechsel der Umweltein­flüsse, liegt am Klima, Witterung, Niederschlägen, Seuchen.

Vor allem sind es aber auch tierische Feinde der Schädlinge, die, so gut es unter dem Ulan- gel an Wohnbedingungen geht, die INassenver- mehrung gewisser Schädlinge ebenfalls mit einem gewissen Arsbreitungsbestreben beant­worten, mitunter auch den Vorsprung der Schädlinge einholen und durch Vernichtung des Vebergewichtes auf ein erträgliches Jlor- malmah zurückschrauben.

Gewöhnlich ist es so, daß sich eine genau im Ver­hältnis Angreifer Beutetier gegeneinander abge­wogene tierische Derbreitunaszahl gerade dort er- hält, wo der vorhandene Lebensraum den ihnen arteigenen Lebensbedingungen und Siedlungswün­schen am besten entsprechenden Teil besitzt. Das ist das Prinzip von der Urlebensgerechtigkeit des eisernen Bestandes" im Naturhaushalt und ist der Wächter über die Bevölkerungsdichte jeden natür­lichen Kleinraumes.

Es ist selbstverständlich, daß sich der Mensch die Erkenntnis von der möglichen Selbstausgleichung im Naturgeschehen in einem Augenblicke nutzbar zu machen versucht, wo er die Fehler seiner wirt­schaftlichen Vereinseitigungspolitik am eigenen Leibe zu spüren bekommt. Das hat dadurch zu geschehen, daß die Verbreitungszahl eines Tieres mit der 23er» mehrungsmöglichkeit seiner tierischen Nahrung in Einklang gebracht wird.

Angesichts dieser Tatsache hat die Wissenschaft die Aufgabe, sich mehr wie bislang darum zu kümmern, wie stark die Beteiligung der bio­logischen Kräfte an der Erhaltung des eisernen Bestandes ist und was zu ihrer Förderung ge­tan werden kann.

Wenn man heute auch in Ansehung des Schwer­gewichtes der Mitbeteiligung von klimatischen Fak­toren an Jnsektenkalamitäten, die tatsächlich Groß- werte ersten Ranges darstellen, davon abgekommen ist, in dem Walten der Pilze, Bakterien, Parasiten, Vögel und Fledermäuse die alleinige Hüterschaft des Gleichgewichtshaushaltes der Natur zu sehen, so sind sie im Kräftespiel der Gesamtauswirkung unbedingt das Zünglein an der Waage, das im Gleitgang der fortschreitenden Gleichgewichtsverschie- schiebung den Ausschlag gibt: sie geben die Grund­stellung im Naturgeschehen an.

Deshalb darf in diesem Zusammenhang nicht an dem Wert und der Schutzbedürftigkeit einer Neihe von Tieren vorübergegangen werden, die durch menschliche Maßnahmen gefördert werden können. Leider nämlich hat sich in die­sem Sinne die ganze Liebe des Kulturmenschenge­schlechtes nur den Vögeln 'ugewandt und hat dort zu großzügiaen Hilfsaktionen geführt. Gott sei Dank, denn sie sind äußerst wichtig und von größ­tem Werte. Andererseits aber auchleider", Denn damit hat sich die menschliche Hilfstellung zum Un­recht erschöpft, obwohl auch noch andere Tiere aus menschlichen Selbstschutzgründen in gleich hervor­ragendem Maße eine künstliche Förderung ver­dienten.

3n erster Linie gehört dazu das Kontingent der Fledermäuse,

und ich habe in jahrelangen Spezialstudien mich nach einer wirksamen Förderungsmethode, ähnlich der des praktischen Vogelschutzes umgesehen und will kurz im Folgenden darüber berichten.

In Deutschland kommen nach den neuesten Fest­stellung rund zwanzig Fledermausarten vor, davon in Hessen bestimmt zwölf. Leider nehmen die Fleder­mäuse bei uns immer mehr ab, und es gibt bei uns Orte, wo sie früher häufig waren und heute als ausgestorben bezeichnet werden müssen. Dabei ist es offensichtlich, daß nicht in allen Fällen Kultur­einflüsse ihre Abwanderung veranlaßt haben, son­dern daß auch noch andere, bislang nicht geklärte Gründe dabei im Spiele sind. Das ist nun traurig aber wahr, und eine ganze Menge Menschen, selbst junge Forst- und Landwirte, die sie eigentlich kennen müßten, wissen kaum etwas von der Fledermaus. Und dabei ist sie einer der tüchtigsten Forst- und Landwirtschaftsgehilfen, der draußen wacker seinen Dienst tut, und auf dem Gebiete der Schädlings­bekämpfung leisten die kleinen klugen, emsigen Viel­fraße in der Massenvertilgung unserer Kulturbaum-, Garten- und Waldschädlinge ganz Hervorragendes. Fliegen doch viele Insekten erst in der Dämmerung, wie z. B. gefürchtete Forstschädlinge vom Range einer Kieferneule, Nonne, eines Eichenwicklers, Prozessionsspinners, Goldafters, Ringelspinners, Schwammspinners und der Gespinstmotten, alles Tiere, die zuvörderst zum Speisezettel des Kollegen Vespertilio geboren.

Da nun nicht nur Vogel-, sondern auch Fieder- mausschutz nottut, empfiehlt es sich, folgende Dor- schläge zu beherzigen: man achte in Wald und Park genauestens auf dieFledermausbäume". Für die Waldarbeiter und Gärtner 'ist es eine Kleinigkeit, sie über kurz oder fang ausfindig zu machen. Alle Bäume, welche man als Aufenthaltsort für Fleder­mäuse erkannt hat, müssen geschützt, sie dürfen nicht abgeholzt werden, auch dann nicht, wenn sie alt und morsch sind und keinen forstlichen oder gärtne- rischen Nutzen mehr bringen. Im Hauungsplan ist der Befehl zu vermerken:

Fledermausbäume bleiben unter allen Um­ständen stehen."

Weiter sind an allen geeigneten Orten Nisthöhlen aufzuhängen. Die Fledermäuse gehen mit Vorliebe in die Meisenkästen, wie sie im Vogelschutzdienst gebräuchlich sind. Nur muß man sie, sind sie der Fledermaus zugedacht, an anderen Orten aufhän- gen. Bringt man sie zu Dogelschutzzwecken am Rande von Wäldern und an einzeln stehenden Obst­bäumen an, so nimmt sie die Fledermaus nur, wenn sie sich im Dunkel des dichten Waldesinneren befinden, recht hoch aufgehängt find und jede Stö­rungsmöglichkeit absolut ausscheidet.

Hängt man die Kästen in der Nähe der Gebäude auf, so sind sie nur dort der Fledermaus willkom­men, wo die Firste mehrerer Gebäude einen engen Winkel bilden, wo des Tags über kein Mensch, höchstens die Spinne hinkommt, wo auch kein Vogel brüten mag, und die Katze nicht herumstrolchen und die Tiere beunruhigen kann. Jedenfalls kann durch planvolle und richtige Schutzgelegenheit und An- siedlungsversuche in der geschilderten Weise erreicht werden, daß sich die Fledermaus auch an den Stadt­rändern und in den Anlagen wieder ansiedelte, wo sie seither aus Mangel an Brutgelegen-Heit ausschei­den mußte, da die neuen Häuser kein Eckchen und kein Fleckchen mehr für unseren Freund und Helfers- Helfer im Kampf gegen die Plagegeister der Kultur- fandschaft übrig gelassen haben.