Amtsverkündigungsblatt
für die Provinzialdirektion Oberheffen und für das Kreisamt Gießen
Nr. 10 Erscheint Dienstag und Freitag. 9. März Hur durch die Post zu beziehen.1^34
Fnbaltsübersickt' Ueber den Stand der Maul- und Klauenseuche in Hessen. — Außergewöhnliche eichamtliche Prüfungen. Einfuhr von Vieh aus stark verseuchten Gebietsteilen. — Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben. — Dienstnachrrchten.
Nachweisung
über den Stand der Maul- und Klauenseuche in Hessen am 15. Februar 1934.
Kreis
Gemeinden (Gutsbezirke)
Gehöfte
insgesamt
davon (SP. 1) neu
insgesamt
davon (SP. 3) neu
1
2
_____-_____
4
1
1
en Kreise
waren seu
1
2
chenfrei.
1
Alzey ..........
Alle übrig
Bekanntmachung
über außergewöhnliche eichamtliche Prüfungen.
Vom 19. Februar 1934.
Gebr.-Norm. Kontr.-Norm. RM. RBt.
c) Bandmaße:
von 2 Meter und wertiger 5,— — —
von meyr als 2 bis 20 Nieter 10,— ,
für jede weiteren angefangenen
20 Meter _ „ 10,— ——
d) Die Gebühren gelten für Maßstäbe und Bandmaße mit nur einer Gesamtlänge und Einteilung. Für jede weitere Gesamtlänge und Einteilung, auch wenn sie sich auf verschiedenen Setten der Matze befinden, ist autzer- dem die halbe Gebühr zu erheben.
IB Flächen für die Prüfung von Flächenmeßmaschinen.
Gebr.-Norm. Kontr.-Norm RM RM.
von 55 Quadratdezimeter und weniger 0,50 von mehr als 55 bis 105 Quadratdezi
meter 1'—
von mehr als 105 bis 155 Quadratdezi
meter 2,—
von mehr als 155 Quadratdezimeter 3,—
II. Flüssigkeitsmaße und Eichkolben.
Gebr.-Norm. Kontr.-Norm M RM.
Gießener ZamilieMatter
Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
Jahrgang 1934 Freitag, den 9. März Rummnsö
Balder Frühling.
Von Johann Georg Fischer.
Springt der Bube das Dorf hinauf: „Vater, es ist schon Frühling draus, Zum Schmetterlingssang die beste Zeit."
Ist zwar kein Frühling noch weit und breit, Fing kaum der Staub des Märzen an: Doch die Jugend will ihren Willen Han. —
Wie, wenn ich nach dem Jungen ging, Zu schauen, was er im Garne fing? Freute mich ja so ein Falter selber, So ein roter oder zitronengelber! Richtig! da flattert's schon: — doch wie! — Sah ich doch all mein Leben nie Einen so artlichen Schmetterling: Ein milchjung, geschlacht und huschrg Ding, So scheu halb und so flüchtig noch, So dreist halb und fürwitzig doch, Minder im Fluge, mehr im LaM, Ein herziger Kindskopf obenauf, Schwarzaugen, so funkelnd und feuernd schon, Zöpfe, so lang als die ganze Person, Eine rote Masche als Halsgeschmew, Statt der Flügel ein fliegend Kleid, Und ein lustiges Kreuzband zum Beschluß Kurzweilig zeichnet den muntern Fuß.
Ein Extra-Märzenvogel der!
Mein luftiger Aergster hinterher
Das Schmetterlingsgarn verächtlich weggeschmrssen. Ja, nun, nun freilich muß Frühling fern, Er blüht mir ja selber zum Haus herein: — Was doch die Jungen alles besser wissen!
und daß es schiefgehen würde. Als Willi mit Ach und Krach dreimal herumgekommen war und die Furche hinuntersah, bekam er es selber mit der Angst zu tun. Das war nicht mehr Vater Bem- michs gerade Pflugschnur, sondern es sah aus, als hätte man den Weg, den ein Betrunkener im Zickzack zurückgelegt, nachgezeichnet. Da der Bauer aber immer noch nicht zu sehen war, pflügte Willi weiter. Er hoffte nämlich, die Furche wieder gerade zu bekommen. Sie bekam aber nur mehr Buckel. Am liebsten wäre er jetzt einfach davongelaufen, aber er mußte doch auf die Pferde achten. Sie rührten sich nun nicht vom Fleck, und Willi unternahm nichts, sie anzutreiben. Die Peitsche knallte nur noch ganz schwach und höchst unlustig, so daß die Pferde nur die Köpfe schüttelten. Das Nandpferd fing plötzlich zu wiehern an: es hatte den Bauern bemerkt. Ein triumphierendes Wiehern war das, als wollte das Pferd zum Ausdruck bringen: „Nun wirst du was erleben! Der Bauer kommt!" ,
Nichtsahnend stieg der Bauer vom Rad, sprang über den Graben und sah ... Sah ... Da weinte Willi plötzlich los, als hätte er die Prügel schon bekommen.
„Na warte!" sagte der Bauer. „Na warte!" Mehr konnte er nicht über die Lippen bringen, so erstarrt war er im ersten Augenblick. Aber dann stürzte er auf Willi los. Doch Willi wartete nicht, bis der Vater bei ihm war, er lief davon, wie ein Jagdhund nach einem Hasen, war im Nu auf der Chaussee, schwang sich auf das Rad und raste in das Dorf zurück... K
Vemmich kam noch dreimal herum, dann schmiß er den Pflug hin und spannte die Pferde aus. Heute war jede weitere Muhe vergebens. Es war zu spät. Dumm, daß morgen Sonntag war. Und dann noch Kirmes. Aus dem Dorf und von drüben aus Kunnersbach würden sie hier vorbeispazieren und die krumme ^"^Wem gehört' denn das Stück hier?" hörte er sie im Geist schon fragen. Und ein leises Gekicher klang in seinem Ohr: „Dem Bemmich Mar! Der ist wohl hinter dem Pflug eingeschlafen.
Da nahm sich der Bauer vor, seinem Sprößling zum Abendbrot eine anständige Tracht Prügel zu verabreichen. Als er daun die Pferde im Stall besorgt hatte und in die Stube trat, wo auf dem Tisch schon die Suppe dampfte, sah er sich immer wieder ungeduldig nach Willi um, doch der war nicht zu erblicken.
Wo steckt denn der Bengel?" fragte er stirnrunzelnd, wahrend er mit dem Löffel in der Suppe rührte.
4sch er kam ganz blaß nach Hause und sagte, ihm wäre nicht aut" Und wie ich nach dem Melken aus dem Kuhstall komme, liegt er schon im Bett. Da muß ihm wirklich nicht gut sein '.erwiderte die Bäuerin. „Ich werde ihm einen Tee kochen, vielleicht hat ex sich erkaltet.^ ^ee!" meinte der Mann, „der Junge hat nur Angst. Er hat mir heute die Pflugfurche versaut. Eine Schande 111 Heftigkmrte^er^das Brot. Ein Lächeln huschte über das Gesicht'der Frau. Sie kannte ihren Mann. Die krumme Furche ging ihm nicht aus dem Sinn. Davon würde er heute noch träumen. Vielleicht ging im Traum der liebe Gott über seinen Ack^ und siigte mit erhobenem Zeigefinger zu Bemnnch: „Bauer, Bauer, die krumme Furche hättest du mir zum Sonntag nicht laßen 'OlIE§ hätte der Bauer wirklich ähnliche Gedanken, sagte er plötzlich: „Nun kann ich morgen die Gäule anspannen und den Schand- ^b^Ab^r'Ä?ann!" fuhr die Bäuerin erschreckt auf. Morgen, zur Kirmes Das gibt es nicht! Was sollen die Leute denken? Wir sind doch nicht in der Ernte. Nein, nein, der Sonntag ttt ein Ferer- tnfli Meinst du, nun läuft das ganze Dorf hinaus und hat seinen Spaß an der krummen Furche? Die haben morgen einen besseren Spaß. Und außerdem — die Seidewrher Kirmes nt leit sechs fahren noch jedesmal verregnet. Da sitzen sie im ^>aale.
Meinst du?" schöpfte der Bauer plötzlich Hoffnung. Sie meinte es sehr überzeugt. Als er nachher an Willis Bett trat, war diese Hoffnung noch in ihm lebendig. Er beugte sich über den Zungen, der auffallend laut schnarchte. Dem Vater schien es, als hatte Willi einmal mit den Augen gezwinkert. Lausbub! dachte der Bauer, eine Weile stand er noch unschlüssig neben dem Bett, dann aina er leiser, wie er gekommen, in seine Kammer hinüber. Als die Tür ins Schloß fiel — es gab nur ein kleines schnappendes Geräusch —, streckte Willi plötzlich seine Beine wie zwei Fahnen aus dem Bett heraus.
Doch er hatte sich zu früh gefreut. Als er am Sonntagmorgen, schüchtern zwar, doch voll Vertrauen, sich dem Vater näherte, ergriff ihn der ganz unerwartet und legte ihn über das Knie ...
Krumme furchen.
Eine Geschichte von K. R. Neubert.
Um 4 Ubr rief die Sirene der Ziegelei, die zwanzig Minuten vom Dorf entfernt lag. Jetzt machten die Arbeiter ^erabend schwangen sich auf ihre Räder und fuhren nach Han,e. Der Bauer Bcmmisch aber, der drüben seinen Acker xflngte dachte noch mch an Feierabend. Als die Sirene über das Land blies, lnawre beim Wenden an der Anwand nur «ne Pause, um -rn-n Schluck aus seiner Kassecslasche zu nehmen und Nch em Stuck Wt den Mund zu schieben. Dann hatte er schon wieoer ore Psluqgrisse in den Händen und ries den Pferden ein ®
Schnuraeradc ging die Furche oon öet UAe Krümmung. Feldes zur anderen. Da gab es nicht die leu^ 6ie
Daraus achtete Bemmich, wie die Katze vordem r w Maus, Es hat halt jeder so -'nen Ehrgeiz. Auver-em « sein Acker an der belebten Chaussee ua» ^’^Xöenttid) ge- jeder, der vorbeikam, ob h^r ordentlich nichts.
arbeitet wurde. Und nachreden.ließ sich ^^^dpferdes etwas in
Er war gerade dabei, am Geschirr ö - Auf der Chaussee Ordnung zu bringen, als er Acker gelaufen. Es
La? Bauern Jüngster, „Was gibt's?" ries ihm Bem-
"^D7'Kst"glch«hH°mm?u!Mt der Kuh istP nicht richtig, ^^.Ärdinnnich!"^"sluchte "der^B^uer. Die beste Milchkuh war krank. , cv-xi mal rasch mit dem Rad rein.
Vin^glcich^wieder »um Jungen und.rannte schon
auf die Chaussee. *
Willi begann zunächst eine ^/.^ÄÄs^mehr ^zu^s^en wußte, dann als er »-m Wallach eigentlich ntcht^mehr schließlich
hob er klerne Sternchen auf und warf i cr langweilte
;,ÄS S «-
Hand und trieb dw Pferde.an. bie Gäule den Pflug,
al?wüß°t°n1ik"dab Willi'^no» kein Recht habe, hier zu i-slügen,
Aeitag.y.MSrzMH
Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer
A, A bis 8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für \ mm höhe
I ■ für Anzeigen von 22 mm ■ Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 60 Rpf.,Platzvorschrift oder schwieriger Satz 25°/0 mehr Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheilsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Vereins- u. Tageskalender
Zchulftratze 7 im Textteil 12 Rpf. je mm
Mentalität aber hatte um so üblere Aus- >n, als sich aus ihr heraus zwei Erschei- ergaben: Die deutsche Automobilindstrie st angesteckt von der Auffassung des l u x u -
Charakters dieses neuen Verkehrsmittels chte dies in ihren Produktionsprogrammen aktiv und preismäßig mehr oder unklug zum Ausdruck. Die deutschen Re- a aber bemühten sich ihrerseits, durch men der B e st e u e r u n g sowohl als der ) geleisteten Verkehrspolitik, den chen Grundsätzen jeden neuen Luxusartikel r eindringlich Geltung zu verschaffen.
vereinten Bemühungen mußte es gelingen, »reitung und Entwicklung des neuen Vereis — wenn auch langsam, so doch sicher vürgen. Und es gelang ihnen! Das Jahr leutete hier ohne Zweifel den Höhepunkt mirkung dieser Tendenzen und damit den t der deutschen Automobilwirtschaft.
aber irgendwo, dann mußte gerade hier zum neu Angriff des neuen Regiments angesetzt jn einer Zeit, da über sechs Millionen len» rwerbslos waren, konnte die Wirt- itik sich nicht mit Plänen und Projekten die normal, wenn überhaupt, nur schwer bar sind, in einer solchen Krise aber ge» s verbrecherische Illusionen gelten müssen, ste alles einem einzigen Befehl gehorchen: t Arbeit! Auf welchem Gebiet kann mnftigerweise mehr Arbeit geschaffen wer- ort, wo man am rückständigsten ist?, rüfe und ermesse doch einmal die Ve- j eines Bestands von 2,5 bis 3 Millionen □gen in Deutschland für unsere gesamte irtschaft. Abgesehen von der enormen ten Arbeitsbelebung durch den sn jährlich 200 000 bis 300 000 Kraftwürden auch die indirekten Folgen ganz (deutliche fein. Ein wirksamer E x-
B. wird überhaupt nur dann möglich, s uns gelingt, durch die höhe des itierten deutschen Vinnenab-
Fabrikationszisfern zu erreichen, die großen Werken die Möglichkeit geben, Preisgestaltung konkurrenz- auf dem Weltmarkt aufzutreten.
>ie Frage des Exports deutscher Kraft- ist für uns in erster Linie nicht ein n des technischen Könnens oder der Ge- rit unserer Arbeit, hier werden wir von S in der Welt geschlagen! Es ist aber ß die enormen Produktionsziffern aus- >r Automobilfabriken eine andere bildung ermöglichen als dies bei fo bescheidenen Serien der Fall sein kann.
nke weiter die ungeheure Befruchtung der . Nebenindustrien durch eine solche ig Angefangen von der Zubehörindustrie sauhandwerk, das die neuen Garagen her- nt fast lückenlos die ganze Wirt- rgenbroie an dieser Entwicklung einen Anteil. Es kann gar keinen Zweifel i in dieser Industrie heute eine ungeheure t für die Ueberwindung der Arbeitslosig- )amit der Not für viele, viele Hundert- on deutschen Menschen liegt.
lle her Freude und des Glucks.
nicht nur aus dieser rein wirtschaft- Erwägung will der nationalsozialistische ie Motorisierung unseres Verkehrs mit tteln fördern. Solange das Automobil nur kehrsmittel besonders begüterter Kreise ;rb es schwer sein, ihm seinen früher nun ngehängten klassenbetonenben unb tber aber auch klassenspaltenben : zu nehmen. Es ist aber ein bitteres Ge- l vornherein Millionen braver, fleißiger iger Mitmenschen von ber Benutzung eines nstrumentes ausgeschlossen zu wissen, bas für biete in ihren sonstigen Lebens- lten beschränkteren Schichten nicht nur ein könnte, sonbern ihnen vor allem n Sonn- unb Feiertagen zur eines uns bekannten freubi- i ck e s würbe.
daher der Wille ber nationalfozialisti- laatsführung, durch die Förderung des «bilwefens nicht nur die Wirtschaft an- ln und hunderttausenben von Menschen und Brot zu geben, sonbern damit auch größeren Massen unseres Volkes die Geil zu bieten, dieses modernste Verkehrs- u erwerben. Wenn die Regierung ihrer- er alles tut und tun wirb, um biefe Ent- g zu fördern, dann zweifelt sie nicht daß auch die deutsche Wirtschaft ihre erfüllt und die ernstesten Anstrengungen acht zur Erreichung dieses Zieles.
gierung wird bas im vergangenen Jahr -r Programm beharrlich unb konsequent 'en. Sie wirb bem gesamten Krast- fen ben großen Impuls geben, ist, um bie allgemeinen Vorurteile einer- bie Trägheit andrerseits zu überwinben. versuchen, bie birekte unb inbirekte A b - ntlastung bes Krastwagenbe- veiter fortzuführen. Das Reich wirb neben baubesgewaltigenAutobahn- Netzes nunmehr auch ber Verliesse- er bisherigen Hauptstraßen


