Bor dem Frankfurter großen Mhimier.
Das Programm.
Die Frankfurter Reitturniere haben einen guten Ruf. Diesmal ist ein Turnier im Werden, das alles bisherige in den Schatten stellen wird, denn nicht mehr im Hippodrom, sondern in der weit größeren Festhalle, dem mächtigen Kuppelbau der Ausstellungen, Messen und Feste wird das Turnier stattfin- iden. Ein Massenaufgebot von Pferden und Reitern
SS.-Reiter in ihrem großen Schaubild.
ist zum Wettbewerb gemeldet. lieber 500 Pferde sollen erscheinen. Der Züchter, der Reiter, jeder der am Pferd seine Freude hat, wird Stunden der Erbauung erleben, die unvergessen bleiben werden.
Sportlich ist das Turnier in Frankfurt a. M. auf großer Höhe. Die allerbesten Dressurreiter wie A. Staeck, O. Lörke, R. Wätjen, Sattelm. Eckhardt und von den Offizieren Rittm. Gerhard, Oblt. Stubbendorf, Lt. Riemack, Rittm. o. Görne, die Amazonen Frau Franke, Frau v. Opel, Frau Gömöri, Frau Glahn usw. erscheinen mit Pferden wie Draufgänger (Olympiasieger 1928), Fels (Doppelsieger in Berlin und Dortmund), Germane, Pardubitz, Alp, Elch, Kronos, Absinth. Kavalier, Burgsdorfs, Maharbal, Packard, Tantris, Bacharach, Artus, Lausbub, Moselländer um nur e-ini^- n\\ov-_ beste zu nennen. Natürlich fehlt der Sieger von 1933 und 1934 Frau Franke nicht.
Bon den Springpferden ist Egli beste deutsche Pferd des Jahres, das mehrmals den Franzvsen das Nachsehen
Landsknecht, Kronvrinz, Erhard, Ursus, Hartherz, Ahnherr, Nanuk, Arnim, die Siegerin im großen Preis der Nationalen Erhebung Sabina zuerst zu erwähnen. Axel Holst, Gust. Lange, L. Seiferth, Lt. Niemack, H. Wienand sind Springreiter von Format. Die Amazonen Frau Franke, Frau v. Opel usw. werden es chnen aleichtun. Diele Reiter der SA. und SS. treten zu Wettbewerben an.
Die großen Schau-Nummern.
Dem gewaltigen Ausmaß des Reitturniers in der Frankfurter Festhalle entsprechen auch die vorgesehenen Schaunummern. Diese bilden heute mit einen Hauptanziehungspunkt für alle bedeutenden reiterlichen Veranstaltungen. Das Frankfurter Turnier beschreitet dabei ganz neue Wege. Massenaufgebot ist die Grundidee und trotzdem ist alles auf die Wucht des Eindrucks abgestimmt und peinlich genau geordnet.
Fesseln wird besonders der große Aufmarsch der SA.-Reiter. Vier Schulreiter auf bewährten Dressurpferden erscheinen unter dem Tiefstrahler und zeigen die schwierigsten Gänge der hohen Schule. Das ganze Bild klingt in den großen Zapfenstreich aus. Die straffe und genau abgestimmte Quadrille der SS.-Reiter wird wieder ein ganz anders geartetes Bild bieten.
Wieder voll eigener Wirkung und auf ganz anderer Linie bewegt sich die große Schaunummer der berittenen Landespolizei. Die Polizisten werden ein „Bahn-Manöver" in der Uniform der Kavalleristen des früheren 18. Armeekorps und anderer hier in guter Erinnerung lebender Regimenter zeigen. Schließlich folgt noch die Schau edler Ostpreußen.
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0,75 v. H., dagegen verloren Ilse Genuß und Har- pener je 0,50 o. H. Elektroaktien lagen gut gehalten, Licht & Kraft 0,50 höher. Schiffahrtswerte waren leicht erhöht, auch Zellstoffaktien befestigten sich bis zu 0,75 v. H. Bon Einzelwerten waren Deutsche Linoleum ohne besonderen Grund stärker angeboten und 3 v. H. niedriger, auch Gebr. Junghans gaben nach der gestrigen Aufwärtsbewegung 2 v. H. nach, ferner verloren Reichsbankanteile 1 v. H. und am Kvnftseidenmarkt Aku 1,25 v. H. Im übrigen waren Cement Heidelberg und Holzmann um je 0,50 v. H., im Freiverkehr Wayß & Freytag mit 71 um 1 v. H. freundlicher. Autowerte lagen ruhig, aber gehalten.
Im Verlaufe konzentrierte sich das Hauptinteresse weiter am Rentenmarkt auf Neubesitzanleihe, die bei lebhaften Umsätzen um ca. 0,50 v. H. auf 20,25 v. H. anziehen tonnte. Altbesitz blieb unverändert 96,75 v. H., späte Reichsschuldbuchforderungen waren um 0,13 o. H. auf 94,25 v. H. erholt. Bon Industrie-Obligationen waren Stahloerein- Bonds lebhafter und mit 74,75 um insgesamt 1,65 v. H. fester. Stadtanlechen lagen meist gut behauptet, teilweise auch etwa 0,50 v. H. fester, während Staats- und Länderanleihen kaum verändert waren. Goldpfandbriefe und Kommunal-Obligationen konnten überwiegend um 0,25 bis 0,50 anziehen, Liquidationspfandbriefe blieben etwa behauptet. Fremde Werte lagen ruhig und zeigten kaum Veränderungen.
Am Aktienmarkt war die Haltung im Verlaufe überwiegend etwas fester, und bei einzelnen Spezialpapieren wurde auch das Geschäft etwas lebhafter. Im Vordergrund standen Elektroaktien, besonders Schuckert 104,50 bis 106,75, Siemens 149 bis 153,50, ferner Gesfürel 102 bis 103,25 und AEG. 31,40 bis 32, andererseits aber Bekula 132,50 bis 133 (—1 v. H.). Außerdem waren Deutsche Linoleum um 1,50 v. H. auf 53 v. H. erholt, auch Daimler wären lebhafter 54,13 bis 55. Reichsbankanteile konnten sich um 0,75 v. H. auf 167 v. H. erholen, ferner waren Reichsbahn-Vorzugsaktien mit 113 um 0,75 v. H. höher, während Montanaktien meist nur knapp gehalten blieben. Eh ade- aftien lagen 2 Mark, Lahmeyer, Kaliaktien und Scheideanstalt je 1 v. H. schwächer. Am Kassamarkt standen sich Kursbesserungen von etwa 1 bis 1,50 v. H. auch Verluste im selben Ausmaße gegenüber.
Am Aktienmarkt war die Stimmung ebenfalls freundlich. Farbenindustrie, Aku, Licht 6-Kraft und andere Papiere lagen bis 0,50 v. H. höher, Rheinstahl gewannen 0,75 v. H. Die Mehrzahl der Aktienwerte blieb gegen den Berliner Schluß gut behauptet. Die Börse schloß in freundlicher Tendenz. U. a. notierten: Neubesitzanleihe 20,30 bis 20,40, Alt- besitzanleihe 96,75, 6proz. Stahlverein-Bonds 74,50 bis 74,75, Schutzgebietsanleihe 9,50, Reichsbank 167, Harpener 96,75, Mannnesmann 70, Rheinstahl 91,75, Laurahütte 34,75 bis 34,50, Aku 59 bis 59,50, AEG. 31,90, Bekula 132,75, Daimler 54,75, Scheideanstalt 183,50, Daimler 54,75, Deutsche Linoleum 53,50, Licht 6- Kraft 108, IG. Farben 134,75, Gesfürel 104, Holzmann 77,25, Schuckert 106,50, Siemens 152,50, Zellstoff Waldhof 54,50, Reichsbahn-Vorzugsaktien 113, Hapag 30,40, Nordd. Lloyd 34,75.
frankfurter Getreidebörse.
Frankfurt a. M., 7. März. Das hervorstechendste Moment am Frankfurter Getreidegroßmarkt war die erneute Befestigung am Hafermarkt, wo die Notiz erneut 2,50 Mark per Tonne anzog. Das Angebot darin ist sehr klein geworden, während der Konsum lebhaftere Kauflust bekundete und darüber hinaus gute Nachfrage des Exports nach Holland bestand. Die übrigen Futtermittel lagen ruhig, Kraftfuttermittel z. T. etwas abbröckelnd, so Sojaschrot, Palmkuchen und Treber. Von Brotgetreide blieb Weizen stetig, Roggen war aus Norddeutschland und Ostpreußen stark angeboten. Das Mehlgeschäft nahm auch heute bei unveränderten Preisen einen schleppenden Verlauf. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in Mark: Weizen 197; Roggen 172,50 bis 173; Sommergerste für Brauzwecke 175 bis 177,50; Hafer (int.) 155 bis 157,50; Weizenmehl (Spez. 0, mit Austauschweizen) 29,40 bis 29,95, do. (ohne Austauschweizen) 27,90 bis 28,45; Roggenmehl (0—60 v. H.) 23,50 bis 24, do. (südd., Spez. 0) 24; Weizenkleie 10; Weizenfuttermehl 11 bis 11,25; Roggenkleie 10,60 bis 10,70; Sojaschrot 15,25 bis 15,40; Palmkuchen 15,05; Erdnußkuchen 16,30 bis 17,20; Treber 15,50; Trockenschnitzel 9,70 bis 9,80; Heu (südo.) 6 bis 6,40; Weizen- und Roggenstroh (drahtgepreßt oder gebündelt) 1,90 bis 2.
SdüWßinßmurf* in StlLrelb
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Günstige Lage am foufmän Arbeitsmarkt.
Nach den Beobachtungen der Kaufma Stellenvermittlung der Deutschen Angc konnte sich die relativ günstige ©teilem auch im Februar voll behaupten. Ein j bedingter Rückgang ist also nicht erfolgt, von der Beschäftigungslage für Ar bei diesem Winter hierzu allerdings aurf) gegeben. Dafür ließ sich aber jetzt eine Zi in der Einrichtung neuer Posten er herrschte in gewissem Umfange das Be erst die Betriebskapazität, ausgehend Frühjahrsaufträgen und Arbeitereinstei zuwarten. Analog den Arbeitereinstellv dann notwendige Angestellten-Personalc durchgeführt werden. Trotz solcher Zu die im wesentlichen Neuplanungen r Stellen betrifft, übersteigt die Meldung ften auch im Februar wieder ganz e Zahl der Anmeldungen von Bewerber k ü n d i g t e r Stellung. Sie bleibt, entfi verschwindend kleinen Zahl von Stille. Betriebseinschränkungen, sowie Konkurs rig, daß die durch sie begründete Bei gung als absolut normal angesprochen r Im großen und ganzen erledigten sich d lenoermittlung aufgetragenen Besetzun- flott. Früher oft beobachtete mehrfache lung von Entscheidungen gehört wieder tenheiten. Gesteigerte Vorsicht in den Entscheidungen kam allerdings wiede mehr, und zwar im Abschluß von Aus > trägen mit Klauseln,' in denen die U des Aushilfsverhältnisses in einen Fes» vertrag in Aussicht gestellt wird, zun Ausgesprochene Zurückhaltung übten wied die auf Exportgüterherstellung und -H- wiesenen Firmen. Alle Stellengesuche ko die Kaufmannsgehilfen - Stellenoermi, Deutschen Angestelltenschaft restlos befriei
*
* Verstärkte Jnlandaufträg mens-Konzern. In der gestriger Siemens & Halske AG. führte Dr. C.
Die hinter 0
Sranffun a. M
■Datum 6-d 7.,
<N' L«. börse
6% Deutsche Retchöanlethe v. 1927 6% eljem.7% Di. RetchSanI. v. 1929 6Vi% Boung-Anleihe von 1930 .
Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mli
ÄuSlos.-Rechten
DeSgl. ohne AuSIos.-Rechte .....
6% efjem.8% Hess. BoHSslaat 1929 (rückzahlb. 102%) ..........
6% Hess. Landesbank Darmstadt (Sold R. 12 ........
6&% Hess. LandeS^chpotheken» baut Darmstadt Ctqul. .
Oberhessen Provinz-Anleihe mit
Ausloj.-Rechten . .
Deutsche Komm. Eammelabl. Anleihe Serie 1 mit AuSlos.-Rechten
6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Bank Äoldpse. 15 unkündbar bis 1935
•% ehern. 7% Franks. Hyp.-Bank
Goldpse. 16 unkündbar bis 1936
»%% «hem. <y4% Franks Hyp.-
Bank-Ltqu.-Psandbriese
6Vi% ehem. 4%% Rheinische
Hyp.-Bank-Ltqu.-Goldpse.....
6% ehem. 8% Pr. Landespfand.
briefanflalt, Pfandbriefe R. 19
6% ehem. 7% Pr. Landespfand- briefanstalt, Pfandbriefe R. 10
Lteuergulkch BerrechnunaSkurS
87,13 100
93,75
96,5 19,705
93,75
92,5
91,5
92,5
94,75
92,5
92,5
91,65
92,25 I
94
94
97,13
97,25
100
93,9
96,75
20,4
93,9
92,5
91
93
95,5
92,75
92,5
91,5
92,25
94
94
97,13
4% Oeltecrelchtiche Golbrenre...
4,20% Oesterreichische SUberrente 4% Ungarische Goldrente .......
4% Ungarische StaatSrente v. 1910 4V,% deSgl. von 1913 .........
6% abgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Zollanlethe von 1911 4% Türkische Bagdadbahll-Anleihe
Serie!.....................
rö,5
1,35
6,75 |6,5
6,65
8,75
6,65
6,75
18,3
1,35
6,85
6,5
6.6
6,65
6,7
So Bcflmnt der Kirrnessonntag. Die Hoffnung auf Regen hatte sich nämlich als trügerisch erwiesen. Kein Wölkchen am Himmel ließ die Vermutung zu, daß die Seidewi^er Kirmes zum siebenten Male verregnen würde.
Und obwohl die Bäuerin ein über das andere Mal die Hände zusammenschlug und über sein lästerliches Beginnen jammerte, holte der Bauer nachher die beiden Pferde aus dem Stall und spannte sie vor den Kastenwagen. Zu einer Zeit, als die anderen Bauern ihre Pferde höchstens vor den Kutschwagen spannten, um in das nächste Kirchdorf zum Gottesdienst zu fahren. Aber Bemmich ließ die krumme Furche keine Ruhe. Mit verbissenem Gesicht lenkte er den polternden Kastenwagen durch das Dorf. Vor ihm fuhr der Schulze mit Frau und Tochter in der funkelnagelneuen Kalesche zur Kirche. Sie drehten sich nach ihm um. Er grüßte mürrisch. Dann bog er in den Weg links ab. Jetzt ließ er die Gäule laufen. Knallte mit der Peitsche.
Plötzlich freute er sich über den schönen Morgen. Und als er mit den Pferden auf den Acker trat, schimpfte er nicht mehr über die krumme Furche, die er da erblickte, er lachte. Das war ja ein schöner Gottesdienst, dem er heute oblag! Ob der Herrgott ihm grollen würde? Nein, dann hätte er nicht diesen wolkenlosen Himmel über ihn gespannt. Die krumme Furche mußte den Herrgott doch selber stören, wenn er durch das .Himmelsfenster auf die Erde blickte, akkurat auf Bemmichs Acker. Vom Kirchdorf klangen die Glocken herüber, und Bemmich pflügte. Da hielt er einen Augenblick an, nahm die Mütze ab und faltete die Hände über dem Pflug. Dann pflügte er weiter, bis die Furche gerade war wie eine straff gespannte Schnnr. Jetzt erst zündete er sich seine Sonntagspfeife an. Jetzt mochte Kirmes sein. Zufrieden kehrte er in den Hof zurück, schüttete den Pferden doppelt Futter, drehte seine Frau lachend ein paarmal im Kreise herum, bis sie schwindlig in seinem Arm lag, und dem Willi gab er fünf Groschen zur Kirmes.
Ein paar Handschuhe.
Von Vera C r a e n e r.
Natürlich kommt Stephan erst wieder im letzten Augenblick aus dem Labor fort und zwei Minuten vor Abgang des Zuges auf die Bahn.
„Elende Hetzerei!" schimpft er und stürzt suchend die Wagenreihe entlang. Er springt zur Seite, weil ein Gepäckkarren ihn zu überfahren droht, gerät in Versuchung, schnell noch sämtliche Ueberschriften der ausgebotenen Zeitungen zu studieren, und entdeckt schließlich Irene, deren bunter Schal signalisirend zu einem Abteilfenster hinausweht. Sie hat ihm den kleinen braunen Koffer an die Bahn gebracht, den er heute morgen mit schöner Selbstverständlichkeit zu Hause vergessen hatte und einen angenehmen Eckplatz in einem scheinbar leeren Kupee belegt.
„Sicher kannst du es dir hier bequem machen und vielleicht sogar ein bißchen schlafen", sagt sie und verstaut eine Kakes- schachtel oben im Gepäcknetz.
„Möglich", nickt Stephan und sieht auf die große Bahnhofsuhr. Es sind nur noch wenige Sekunden bis zur Abfahrt, und es ist höchste Zeit, daß Irene aussteigt.
„Also Freitag bin ich spätestens wieder zurück", sagt er und versucht vergeblich, sich zu besinnen, was er ihr noch hatte sagen wollen. Da war doch irgend etwas gewesen — langsam rollt der Zug an, und mit kleinen, hüpfenden Schritten läuft Irene nebenher.
„Wieder Savoy?" fragt sie zum Fenster hinaus, und Stephan nickt zerstreut. Natürlich Savoy, er hat noch nie wo anders gewohnt, wenn er in Frankfurt gewesen ist, und es ist eine gänzlich überflüssige Frage. Dagegen ist es wichtig zu wissen, daß Petersen von seiner Abreise verständigt werden muß — aber als er ihr das sagen will, ist bereits der letzte Wagen aus der Halle hinaus, und die kleine Frau Irene keineswegs wahrnehmbar in der Menge der Abschiedwinkenden.
Mit einem ärgerlichen Ruck zieht er das Fenster in die Höhe und gewahrt, sich umdrehend, daß inzwischen noch ein Platz in „seinem" Abteil belegt worden ist. Ein gelber Damenulster und eine bunte Neisedeckc sind scheinbar eilig niedergelegt worden, und draußen im Gang wartet ein schwarzer Lackkoffer darauf, bineingenommen zu werden. Die Besitzerin der Sachen ist allerdings nirgends zu entdecken.
„Sie wird schon kommen", denkt Stephan und widmet sich der Lektüre seiner Zeitschriften.
Als er mit spöttischem Behagen dem Irrtum eines Fachkollegen auf die Spur gekommen ist und heftig Notizen an den Rand deS Artikels kritzelt, erscheint die Dame. Mit geschicktem Griff, und ehe noch Stephan Zeit gehabt hätte, seine Hilfe anzubieten, hebt sie den Koffer ins Netz, ordnet die Decke und ein kleines buntes Kiffen und macht es sich lesend in ihrer Ecke bequem. Nur selten einmal blickt sie hoch von ihrem Buch, und Stephan wird keineswegs gestört in seiner Arbeit.
Allerdings geschieht es, daß er zwischen den höchst anfechtbaren Ausführungen des Kollegen hin und wieder zu ihr hinübersieht und nicht umhin kann, ein junges, anmutiges Gesicht zu bemerken und rotblonde Locken unter einer kleinen, verwegenen Kappe. Stephan weiß nicht recht, ob eine Kappe vorne gesteckt oder seitlich gerafft sein muß, aber diese hier dünkt ihm ein kleines Meisterwerk der Zunft und wert, wieder und wieder betrachtet zu werden.
Hinter Halle wirb mit Rücksicht auf die Dame das Licht ausgemacht und dann spielt in Stephans Träumen die kleine, verwegene Kappe eine nicht ganz unbedeutende Nolle.
Es ist der Schaffner, der ihn weckt.
„In zehn Minuten sind wir in Frankfurt", sagt er, und erschreckt fährt Stephan in die Höhe. Der Platz gegenüber ist leer und von einer gewissen Kappe keine Spur. Nur die Decke liegt, sorgfältig zusammengefaltet, aus dem Polster, und der heruntergeholte Koffer läßt darauf schließen, daß die Dame ebenfalls in Frankfurt uuszusteigen beabsichtigt. Stephan beeilt sich nach Kräften und ist auch glücklich mit allem fertig, als der Zug in die Halle des großen Hauptbahnhofs einfährt. Ein Gepäckträger erscheint, der sich der Sachen der Dame bemächtigt, und Stephan greift zu seinem kleinen, braunen Köfferchen. Er hatte doch wohl nur dieses eine Gepäckstück, wie? Sorgfältig sieht er sich jetzt noch einmal in dem jetzt leeren Abteil um. — „Ich wollte, du würdest nicht auf jeder Reise etwas verlieren", sagt Irene immer — und entdeckt auf dem gegenüberliegenden Sitz ein Paar Handschuhe. Ein Paar dunkelbraune, lederne Damenhandschuhe, die augenscheinlich da vergessen worden sind.
Einen Augenblick lang betrachtet er sie erstaunt — nie hätte er geglaubt, daß es eine so kleine Nummer überhaupt gibt — und nimmt sie dann schnell an sich. Er wird sie der Dame wieder zustellen, jawohl, er wird sie schon zu finden wiffen.
Mit großen Sätzen stürzt er den Bahnsteig entlang, rennt ein kleines Gebirge von Handtaschen und ihm höchst überflüssig erscheinenden Hutkoffern über'den Haufen und erreicht den Ausgang grade noch rechtzeitig, um zu sehen, wie die Dame in einer Taxe davonfährt. Nasch entschlossen fährt er hinterdrein und landet wenig später vor einem großen Hotel. Es ist nicht das Savoy, nein, es ist eleganter und vermutlich auch teurer, aber Stephan sicht nicht ein, warum er es nicht auch einmal hier versuchen soll. Schließlich bleibt er ja höchstens zwei Tage, und das kann doch nicht alle Welt kosten.
Er bekommt ein wunderschönes Zimmer im zweiten Stock und mit der Aussicht auf den Hotelgarten. Da sind jetzt zwar nur strohbedeckte Beete und vermummte Bäume zu sehen, aber es ist schon beruhigend, nicht dem Lärm klingelnder Straßenbahnen ausgesetzt zu sein. Das ist ein Zimmer, in dem man eventuell sogar arbeiten kann — Stephan versucht es, wird aber sehr bald ab- gelenkt. Auf dem Tisch liegen nämlich die Handschuhe und warten darauf, ihrer Besitzerin zugestcllt zu werden. Behutsam streicht er über das weiche Leder und spürt beglückt den schwachen Duft der ihnen anhaftet. Dann steckt er sie in die Tasche seines Ueberziehers und marschiert hinunter in die Halle, um sich nach der Dgme zu erkundigen.
„Sic ist soeben fortgegangen", berichtet der Portier und fügt hinzu, daß sie vermutlich erst gegen Abend zurückkommen wird.
„So, so", nickt Stephan und schickt sich an, ebenfalls fortzugehen. Er muß nach Höchst hinausfahren, dort eine Menge erledigen und hat überhaupt sehr viel mehr zu tun, als nachlässigen jungen Damen ihr Eigentum hinterherzutragen. Bohr heißt sie übrigens, Susanne Bohr, und wohnt auf Zimmer Nr. 83. Gleichfalls im zweiten Stock.
„Danke", sagt Stephan und entfernt sich leise pfeifend. Er erledigt feine Angelegenheiten zur Zufriedenheit, spricht alle Leute, die er hatte sprechen wollen, und könnte sehr gut schon am gleichen Abend wieder abreisen. Schiebt es aber auf und findet sich gegen 19 Uhr im Hotel ein.
„Fräulein Bohr schon da?" fragt er mit der Miene angestrengtester Gleichgültigkeit und scheint nur mäßig enttäuscht, als er hört, daß sie fett heute morgen noch nicht wieder zurückgekommen sei. „Dann werde ich eben warten", denkte er, „der Abend ist ja noch lang." Er wartet drei Stunden. In seinem hübschen Zimmer, in dem er so gut arbeiten könnte, wenn er nur die nötige Ruhe dazu aufbrächte. Leider aber kann er sich absolut nicht konzentrieren und memoriert immer wieder die wenigen Worte, mit denen er sich bei der jungen Dame einführen will und ihr die Handschuhe zurückgeben. Die liegen, schmal und zierlich, jetzt wieder auf dem Schreibtisch, und es ist unmöglich, in ihrer Gegenwart auch nur eine vernünftige Zeile in die Feder zu bekommen. Ein wichtiges Referat wartet darauf, vollendet zu werden, aber fein Autor ist mit ganz andern Dingen beschäftigt. Mit Dingen nämlich, die mit wiffenschaftlicher Arbeit nicht das mindeste zu tun haben und eines ernsten, jungen Gelehrten vom Range Stephans eigentlich unwürdig sind.
Als es 22 Ubr ist und das Fräulein Bohr immer noch nicht zurück, entschließt er sich endlich, zum Effen zu gehen. Es ist ein ziemlich trübseliges Mahl, das er einnimmt, und auch der Rest des Abends nicht eben erheiternd.
Am nächsten Morgen steht er früher auf als gewöhnlich und etabliert sich mit ein paar Morgenzeitnngen in der Hotelhalle. Hier wenigstens kann ihm die Dame nickt entgehen, und es ist gar keine Frage, daß er hier am ehesten Gelegenheit haben wird, ihr die Ausreißer wieder zuzustellen. Sie ruhen, sorgfältig zu- fammengefaltet in feiner Tasche und verströmen noch immer einen garten Duft. Stephan widmet sich den Zeitungen nicht mit gewohnter Hinaabe und wartet ungeduldig auf eine gewisse kleine Kappe auf rotbraunen Locken. Die kommt aber nicht, und in einiger Verlegenheit winkt er sich schließlich einen Pagen heran.
„Ist die Dame von Zimmer Nr. 83 schon auf?" fragt er und versucht, möglichst unbefangen auszusehen.
„Die Dame ist ahaereift", gibt der Junge Auskunft.
„Abgereist? Wann?"
„Heute morgen. Mit dem Frühzug nach Basel", fügt er hinzu, „ich habe selbst ihr Gepäck besorgt."
„Basel?" denkt Stephan und starrt blicklos auf feine Uhr. Heute morgen?" Es dauert eine ganze Zeit, bis er sich gesammelt hat. Da hat er ja völlig nutzlos hier berumgeseffen und umsonst einen kostbaren Arbeitstag geopfert. Aergerlich greift er in die


