beruflich-fachliche Ausbildung gehört nicht in das Aufgabengebiet des Amtes für Ausbildung.
Das Volksbildungswerk dient der Erziehung und Bildung aller Volksgenossen und sucht seine Auf- [>abe zu erfüllen durch Ein ührung in die weltan- chaulichen Grundlagen un erer Zeit und in die ebenswichtigen Fragen un eres Volkstums, durch Besinnung auf unsere kulturellen Leistungen, durch Vertiefung in die reiche Welt unserer Kunst und durch Betrachtung der Natur. Jeder Volksgenosse soll sich in unserem Kulturleben heimisch fühlen und das Deutsche Volksbildungswerk soll ihm den Weg au der Erfassung unserer Kulturgüter ebnen. Es soll durch die Beschäftigung mit denselben Freude ausgelöst werden, die neue Kraft für das Tagewerk gibt.
So werden keine trockenen Lehrstunden geboten, sondern allen denen, die nach Feierabend ihre Kenntnisse zu bereichern und zu vertiefen wünschen, soll durch Anschaulichkeit und Lebendigkeit der Vorträge Kraft durch Freude vermittelt werden.
Allen Interessenten ist die Möglichkeit gegeben, sich an den Lehrgängen des Deutschen Dolksbil- oungswerkes der NS.-G. „Kraft durch Freude" zu beteiligen.. Die Anmeldungen find in den örtlichen Stellen des Deutschen Volksbildungswerkes der NS.-G. „Kraft durch Freude" vorzunehmen.
Deutsche Arbeitsfront.
71 Z.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude."
Urlaubsfahrt vom 25. Dezember bis 2. Januar nach dem Erzgebirge (Schwartenberg), ein vorzügliches Gebiet für Wintersport und durch seinen Waldreichtum für schöne Spaziergänge in den Winterwäldern geeignet. Sowohl der Wintersportler, wie auch der Urlauber wird reichlich auf seine Kosten kommen.
Die Abfahrt ab Frankfurt erfolgt am 25. Dezember abends. Die Rückfahrt beginnt am 1. Januar nachmittags. Am Spätnachmittag ist ein mehrstündiger Aufenthalt in Chemnitz vorgesehen. Die Weiterfahrt erfolgt nach dem gemeinsamen Abendbrot. Ankunft in Frankfurt am 2. Januar früh. Kosten 33 RM. Anmeldefrist bis 6. Dezember.
Oie deutschen Propagandisten in der Deutschen Arbeitsfront.
Die deutschen arischen Warenhaus-, Laden-, chaus- und Ausstellungspropagandisten sind nach Anordnung des Organisationsamtes der Deutschen Arbeitsfront in die Reichsbetriebsgemeinschaft Handel, Fachgruppe Handelsvertreter und Geschäftsreisende, Fachschaft Propagandisten, eingegliedert worden. Dem großen Aufbauwerk der Deutschen Arbeitsfront ist es in kurzer Zeit gelungen, auch diese Volksgenossen einzugliedern und ihnen den gebührenden Platz im Berufe zu verschaffen, der eigentlich eine Selbstverständlichkeit für jeden schaffenden Deutschen ist.
Langsam zieht die Erkenntnis ein, daß Unternehmer und Mitarbeiter eine Arbeitsgemeinschaft sind, die nur durch eine wahre Betriebsgemeinschaft zur Förderung des Betriebes und zum Gemeinnutz von Volk und Staat helfen können. Viele Betriebsführer und Gefolgschaftsmitglieder stehen im Aufbau der Fachschaft der Deutschen Arbeitsfront als treue Mithelfer zur Seite. Durch Verhandlungen mit den betreffenden Unternehmen ist es gelungen, eine große Anzahl zusätzlicher Arbeitsstellen zu verschaffen; aber immer noch stehen deutsche Männer und Frauen draußen, denen es noch nicht klar geworden ist, an welchem Werk jeder einzelne mithelfen kann.
Um zu diesem Ziele zu gelangen und die Betreuung aller in diesem Berufe tätigen Volksgenos- sen vorzunehmen, besonders den erwerbslosen Pro- pagandisten(innen) soweit es möglich ist, Brot und Lohn zu geben, bitten wir alle Firmen und Handelsvertreter, die Propagandisten (auch Werber und Werbedamen genannt), beschäftigen, sowie alle Pro- pagandisten(innen), besonders die erwerbslosen, ihre Anschrift mit genauer Adresse an:
Iachschlllungskursus der Standesbeamten.
Am Sonntag versammelten sich 230 Standes-' beamte des Kreises Gießen und der angrenzenden Kreise im Kath. Vereinshaus zu Gießen, um an einem Fachschulungskursus teilzunehmen. Zweck der amtlich eingeführten Kurse ist, die den L-tandes- beamtendienst angehenden Fragen gemeinsam zu behandeln und auf die Zukunftsarbeiten vorzubereiten. Diesmal handelte es sich in der Hauptsache um die Behandlung der Bestimmungen über die Vereinheitlichung der Zuständigkeit in Familien- fachen vom 31. Mai und 27. Juli d.J., die für den Standesbeamten eine Reihe neuer Zuständigkeiten gebracht haben.
Oer Schulungsleiter für Oberheffen, Standesbeamter Wiedmeyer, Gießen leitete den Kursus mit der Mitteilung ein, daß der seitherige Vorsitzende des Reichsbundes der Standesbeamten, Kollege Po r zig (Berlin) den Vorsitz in die Hände des Sachverständigen für Rasse- forschung im Reichsinnenministerium Dr. G e r ck e gelegt habe, daß dieser Vorgang nicht vermooster Denkweise entspräche, sondern allein den Zweck habe, durch ersprießliches Zusammenarbeiten die Schäden der Vergangenheit auszumerzen und dem Neuaufbau von Volk und Staat zu dienen. Hierdurch sei der Reichsbund in ein enges, lebendiges Verhältnis zum Reichsinnenministerium getreten, das in vieler Hinsicht verpflichte. Anderseits wolle das Reichsinnenministerium die von dem Reichsbund vor 10 Jahren geschaffenen Einrichtungen des Reichsbundes, die die volle Anerkennung des In- nenministeriums gefunden haben, in den Dienst des Staatsaufbaus stellen.
mene und durchgeführte Fülle von Mehrarbeit gedankt. .
Weiter habe der Herr Reichsmnenmmister ausgeführt, daß er, anstatt Erleichterung und Ruhepause versprechen zu können, in Zukunft noch mehr Aufgaben und größere Pflichten den Standesbeamten übertragen müsse, in der Erwartung, daß dieses Mehr nicht als Last erscheine, sondern als me einzige Anerkennung, die es im nationalsozialistischen Deutschland gebe. ,
Mitarbeiten können und mehr Pflichten übernehmen dürfen, müsse als Zeichen des großen Vertrauens gelten, das der Arbeit der Standesbeamten geschenkt werde.
Dieser Dank und die damit verbundene Aufforderung zur weiteren Mitarbeit müsse uns mit Stolz erfüllen, aus dem wir die Kraft schöpfen, auch fernerhin alles zu tun, was im Interesse von Volk und Staat getan werden muß.
Der Schulungsleiter sagte dann weiter: Sie wissen, meine Herren Berufskollegen, daß die Regierung beabsichtigt, das Standesamt zu einem Sippenamt zu erheben und daß uns dieses Amt vor ganz neue Aufgaben stellt, denen wir uns gewachsen zeigen müssen. Die Schulungskurse dienen dazu, Vorarbeiten zu leisten, uns in den Bestimmungen des Personenstandrechtes und deren Handhabung so zu festigen, daß wir frei werden, gleichzeitig aber auch lernen, was die Familie und deren Bestand für Volk und Staat bedeutet,
„denn der Mensch, der in der Familie herangewachsen ist, der die Eindrücke des Zusammenlebens und das Gefühl des Verbundenseins mit Valer und Mutter in sich trägt, ist für
Die Standesbeamtenfchaft habe die Aufgabe, den Sinn für die Familie als Keimzelle des Staates hochzuhalten und daran mitzuarbeiten, daß die Ehe das werde, was sie fein solle: „ein unzertrennlicher Bund in Treue, aus dem ein gesundes und starkes Geschlecht erwachse".
Ferner sei es angebracht, hier in unserem Kreise festzustellen, daß zum ersten Male ein Reichsminister der standesamtlichen Tätigkeit gedacht habe. Anläßlich der Eröffnung der fachwissenschaftlichen Woche an der Akademie in Berlin habe der Herr Reichsinnenminister in seiner Eröffnungsansprache den Standesbeamten für die seit Erlaß des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums und — wie er dankbar anerkennen wolle — im nationalsozialistischen Sinne ohne weiteres übernom-
den nationalsozialistischen Staat außerordentlich wertvoll.
Diese Werte müssen wir erkennen, um den von uns vorzunehmenden gehobenen Handlungen die erforderliche Weihe geben zu können. Und nun an die Arbeit für Volk und Staat!
Anschließend sprach Reg.-Jnspektor Müller, Wiesbaden, über „Ehemündigkeit, Ehebruch, Wartezeit, Ehefähigkeitszeugnisse für In- und Ausländer, Befreiung vom Aufgebot" und Standesbeamter Wiedmeyer über „Name der geschiedenen Frau, Untersagung des Familiennamens, Namenserteilung, Ehelichkeitserklärung und Befreiung vom Alterserfordernis bei Ahoption."
Der nächste Kursus wird voraussichtlich zu Anfang kommenden Jahres stattfinden und Vorträge über Erbbiologie bringen.
Kreisbetriebsgemeinschaft Handel für die Kreise Gießen, Friedberg, Wetzlar, Dillenburg und
Biedenkopf,
Geschäftsstelle: Gießen, Schanzenstrahe 18 abzugeben. Achtung! Die Deutsche Arbeitsfront ist vorübergehend geöffnet. Jeder kann den Eintritt bei der zuständigen Ortsgruppe der Deutschen Arbeitsfront vornehmen.
Betriebsführer und Gefolgschaftsmitglieder müssen restlos in der Fachschaft Propagandisten in der Deutschen Arbeitsfront unserer Berufsgruppe ersaßt sein. Keiner darf fehlen!
Deutsche Arbeitsfront, Kreisbetriebsgemeinschaft Handel.
Die Abgabe von Milch aus offenen Verkaufsstellen.
Die hessische Polizeidirektion Gießen teilt folgendes mit: Die Abgabe von Milch an die Verbraucher und das Austragen von Milch zur Belieferung der Verbraucher wird auf Grund des § 24, Absatz 3, der Arbeitszeitordnung vom 26. Juli 1934 für die offenen Verkaufsstellen von 6.30 Uhr morgens an zugelassen. Die Belieferung der offe
nen Verkaufsstellen ist von 6.15 Uhr an zulässig. Die Regelung des Milchverkaufs an Sonntagen wird durch diese Anordnung nicht berührt.
Daten für Mittwoch 7. November.
1750: der Dichter Friedrich Leopold Graf zu Stolberg in Branstadt in Holstein geboren (gestorben 1819); — 1810: der Dichter Fritz Reuter in Staven- hagen geboren (gestorben 1874); — 1867: die Physikerin Marie Curie in Warschau geboren; 1924: der Maler Hans Thoma in Karlsruhe gestorben (geboren 1839).
Vornotizen.
— Tageskalender für Mittwoch: Stadttheater, 19.30 bis 22 Uhr, „Krach um Jolanthe". — Kreisabteilung Gießen des Deutschen Gemeindetags, Landesdienststelle Hessen-Hessen-Nassau, „Hindenburg", 15 Uhr, Bürgermeisterversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, 14.30 Uhr, Jugend- Vorstellung; ab 16 Uhr „Musik im Blut". — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz, 16 bis 17 Uhr, Gemäldeausstellung. — Evangelische Stadtmission, 9, 10 und 14 Uhr, Frauen-Missionstag.
— Eine Jugendveranstaltung z u - gunsten der Winterhilfe findet am morgigen Donnerstag, 8. November, im Cafö Leib statt.
Zur Ausführung gelangt in einem einmaligen Gastspiel der Till-Eulenspiegel-Bühne Berlin das Bühnenbild „Till Eulenspiegel" in vier Akten. Auf die heutige Anzeige fei besonders hingewiesen.
*
** Schwerer Unglücksfall bei der Arbeit. Bei Bauarbeiten in einem hiesigen Hause ereignete sich am Montag gegen Abend ein schwerer Unglücksfall. Der etwa 52 Jahre alte Glaser Jakob Heller von hier, Schiffenberger Weg 41, wurde von seinen Arbeltskameraden schwerverletzt aufaesunden. Der bedauernswerte Mann hatte anscheinend durch einen Sturz einen Schädelbruch erlitten, war außerdem an den Heizkörper der in Betrieb befindlichen Dampfheizung gefallen und hatte dabei schwere Verbrennungen davongetragen. Wann sich der Unfall ereignete und wie lange der Verunglückte an der Heizung lag, konnte bisher nicht festgestellt werden. Der Verunglückte mußte in bedenklichem Zustand von der Freiwilligen Sam- tätskolonne vom Roten Kreuz in die Chirurgische Klinik gebracht werden und ist dort heute gegen 8.30 Uhr, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, seinen schweren Verletzungen erlegen.
*♦ „23 o m schöpferischen Handwerk. Um einer mehrfach unterlaufenen Personenverwechs- hing zu begegnen, stellen wir fest, daß der Verfasser unserer Aufsatzreihe „Dom schöpferischen Handwerk" (Nr. 252/255 unseres Blattes) der Volkswiirt Dipl.- Jng. Dr. Wilhelm Völker in Husum (Nordfmes- land) ist. Dr. Völker ist gebürtiger Gießener.
** Hessische Landschaften von Ferdinand Steiniger. In Nr. 20 der „Heimat im Bild" vom 17. Mai dieses Jahres erschien ein Auf- satz von Georg Bingel (Gießen) zu einer An- zahl graphischer Blätter von Ferdinand Steiniger, die Motive der hessischen Landschaft behandeln. Es wird die Freunde der „Heimat im Bild" interessieren, daß die Originale hierzu samt einer Reihe anderer Arbeiten von Steiniger zur-. Zeit in einer kleinen Sonderschau der Rickerschen Buchhandlung ausgestellt sind.
Große Strafkammer Gießen.
Die Kammer hatte sich gestern mit vier Anklagen roegen Sittlichkeitsoerbrechens zu befassen. Wegen Gefährdung der Sittlichkeit wurde für sämtliche Fälle die Öffentlichkeit ausgeschlossen.
Zunächst stand der M. B. aus München-Gladbach, zur Zeit in Untersuchungshaft, vor den Schranken des Gerichts. Dem Angeklagten wurde zur Last gelegt, durch unsittliches Verhalten im September in Ortenberg öffentliches Aergernis erregt und ferner sich an einem fünfjährigen Jungen vergangen zu haben. Das Gericht erkannte unter Anrechnung von sechs Wochen erlittener Untersuchungshaft auf ein Jahr Gefängnis.
Wegen wiederholter Sittlichkeitsoerbrechen wurde der Wilhelm Körner aus Reinheim zu einem Jahr Zuchthaus, unter Abzug von acht Wochen Untersuchungshaft, verurteilt. Außerdem wurde die Entmannung ausgesprochen. Der Angeklagte gestand, sich in unsittlicher Weise einem neunjährigen Mädchen in Friedberg genähert zu haben. Die schwere Strafe der Entmannung wurde ausgesprochen, weil nach dem Vorleben Des Angeklagten die Möglichkeit naheliegt, daß er weitere derartige Verbrechen begeht.
Zu zwei Jahren und einem Monat Zuchthaus wurde der Theodor Wagner aus Bingenheim verurteilt. Der Angeklagte mißhandelte seine Schwiegermutter in schwerster Weise und verging sich danach an ihr. Außerdem verkuppelte er seine Frau. Außer der vorerwähnten Strafe wurden ihm die bürgerlichen. Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt.
Wegen Verbrechens im Sinne des § 176 Abs. 1 Ziff. 3 wurde der H. Sch. aus Grebenau zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr verurteilt.
Sodann hatte sich die Kammer mit den Brudern K. und W. I. aus Gießen zu beschäftigen, die vom hiesigen Schöffengericht wegen Einbruchsdiebstahls bzw. Widerstandes zu einem Jahr und einem
WM», M MM
Roman von Klothilde v. Stegmann.
9. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Studczynski schien die Gedanken von Edelgards Gesicht abzulesen:
„Ich meine, mein gnädiges Fräulein, daß damit vielleicht allen Beteiligten geholfen wäre. Ich glaube nicht,-daß mein Auftraggeber besonderen 2vert auf das Kavalierhäuschen legt. Wenn es Ihnen also lieb wäre?"
„Nichts Lieberes könnte uns geschehen", gab Edelgard lebhaft zur Antwort. Und leiser fügte sie hinzu:
„Wir würden doch dann wenigstens vorläufig noch das Gefühl der Heimat behalten."
Studczynski stand auf:
„Also wären die Vorbesprechungen geregelt, mein gnädiges Fräulein! Ich bitte, berichten Sie Ihrer Frau Mutter! Auch ich werde meinem Auftraggeber Mitteilung machen. Morgen werde ich mir erlauben, Ihnen nähere Mitteilung zu geben."
Er verabschiedete sich mit tiefer Verbeugung. Edelgard hatte das Gefühl, als ob er ihre Hand beim Abschied etwas zulange in der feinen hielte. Aber sie mußte ihm ja so dankbar, so unendlich dankbar fein.
Gern hätte sie ihn nach dem Namen seines Auftraggebers gefragt. Aber da er ihn nicht genannt hatte, wollte sie nicht indiskret sein. Lange stand sie dann noch am Fenster. Der hellgraue Sportwagen war längst durch die goldene Herbstallee verschwunden.
Würde er wiederkommen? Oder würde das Bild von Ruhe und Sicherheit, das der Fremde ihr vor Augen geführt, wieder eine Fata Morgana fein? Aber nein, dieser Herr Studczynski hatte sich ja so auf Einzelheiten festgelegt. Unmöglich, daß er noch im letzten Augenblick absagte.
„Na, wie ist es denn, Fräulein Edelgardchen?" fragte die alte Marie. Sie hatte es vor Neugierde in ihrer Küche nicht mehr ausgehalten und stand nun bescheiden in der Tür.
„Ich glaube, gute Marie, diesmal wird es etwas werden! Der Herr, der eben da war, wird wohl kaufen."
„Der mit dem verflixten Namen?" Marie, die unten im Keller natürlich mit dem alten Wilhelm das aufsehenerregende Ereignis lang und breit durchgesprochen hatte, schüttelte unzufrieden den Kopf. „Da zerbricht man sich ja die Zunge, ehe man's aussprechen kann. Nee. nee, da wär' mir jemand mit ’nem ehrlichne deutschen Vatersnamen schon lieber"
Edelgard mußte lachen. Sie wußte von der Mutter, Marie hatte in ihrer Jugend einmal eine Liebesgeschichte mit einem polnischen Gutsaufseher auf dem großelterlichen Gute Edelgards gehabt. Ehe es zur Heirat gekommen, war der Bräutigam mitsamt dem
Sparkassenbuch Maries auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Seitdem hatte Marie ein unüberwindliches Mißtrauen gegen alles „Fremdländsche", wie sie es nannte.
„Na, beruhige dich, Marie, der Herr Studczynski will nicht für sich kaufen, sondern für einen andern!" „Und wie heißt der andere?" Maries Mißtrauen war noch nicht beschwichtigt. „Vielleicht auch wieder einer mit so einem zungenbrecherischen Namen?"
Edelgard mußte ihr sagen, daß sie den wirklichen Käufer ja noch gar nicht kenne. Marie schüttelte den Kopf. Wer mochte wissen, ob das alles mit richtigen Dingen zuginge? Aber sie wollte Fräulein Edelgardchen nicht bange machen.
„Abwarten und Tee trinken", sagte sie und wollte wieder verschwinden. Aber etwas hatte sie doch noch auf dem Herzen.
„Und wie wird denn das nun mit Wilhelm, Fräulein Edelgardchen? Muß er nun weg oder —" „Vielleicht kann er bleiben, Marie! Aber wir wollen ihm noch nichts sagen, ehe wir's nicht ganz gewiß haben."
Da erhellte sich das Gesicht der alten Marie. Seit vierundvierzig Jahren arbeitete sie nu nmit dem alten Wilhelm zusammen. Zanken taten sie sich Zwar von früh bis abends, wenn auch nur leise, wie es sich in einem guten Hause gehörte. Aber dennoch konnten sie nicht ohne einander auskommen.
„Na, wenn der Wilhelm nur bleiben kann, da könnte der Herr noch viel verrückter heißen", schloß sie. Und in ihrem sorgenvollen guten Gesicht leuchtete es auf.
*
In einem der elegantesten Hotels Brüssels saß, hinter einer amerikanischen Zeitung verschanzt, ein feiner, hochgewachsener junger Mann. Er hatte ein energisches, bartloses Gesicht und ein Paar blaue fluge Augen. Sein Anzug war von unauffälliger Eleganz. Die ganze Erscheinung hatte etwas von jener sicheren Gelassenheit, wie sie Menschen eigen ift, die in der ganzen Welt zu Hause sind.
Ein gallonierter Boy mit schief sitzendem Käppi kam auf den Herrn zu.
„Wir haben soeben telephonische Nachricht vom Flugplatz bekommen, Mister Hermans — das Flugzeug von Berlin ist mit einer halben Stunde Verzögerung gelandet."
Der mit Mister Hermans angeredete junge Mann sah auf seine Armbanduhr:
„All right! Dann kann also Mister Studczynski in dreißig Minuten hier sein? Gut, sagen Sitz ihm Bescheid. Ich bin oben in meinen Zimmern."
Er faltete seine Zeitung zusammen und ging durch die Halle. Jetzt erst sah man, wie groß und ebenmäßig er gewachsen war.
Er war schlank und durchtrainiert. Der ganze Körper federte förmlich von Elastizität. Mancher Blick folgte ihm.
Jetzt um die Mittagsstunde war die Halle des Hotels von Hotelgästen ebenso besetzt wie von Besuchern, die zum Tee hierher kamen
Elegante Frauen in weichen Pelzen, seidigschim- rnernde Kleider darunter, gingen auf hochhackigen Schuhen durch die Halle ooer sahen in lebhaftem Geplauder mit gutgekleideten Herren in den tiefen Ledersesseln.
Mancher Blick aus schönen Frauenaugen folgte dem jungen Mann und glitt enttäuscht ab, wenn keine einzige Regung in seinem festgefügten Gesicht einen Widerhall gab. Im Gegenteil.
Seine Züge verschlossen sich wie in Abwehr. Verächtlich bogen sich seine Mundwinkel nach unten. Als aus dem Fahrstuhl eine sehr schöne, etwas zu geschminkte Frau im Pelz und mit kleinem, schwarzen Hut ihm zulächelte, trat er mit einer kurzen Verbeugung zurück und schritt auf die breite Freitreppe zu.
„Schauderhaft", dachte er. „Ich habe es ihr doch deutlich genug gezeigt, daß ich für einen Flirt nicht ZU haben bin. Daß man diesen Weibern auch nirgends entgehen kann!"
In seinem Zimmer angekommen, öffnete er das Fenster. Endlich einmal eine unparfümierte Luft! dachte er. Das Hotel lag etwas abseits des lärmenden Stadtzentrums inmitten eines schön ge- psieyten Parks. Eine matte Herbstsonne hing am Horizont.
Schön, dachte der Mann, daß man einmal für ein paar Tage hatte aufatmen können, ehe die neue Arbeit wieder anfing. Da lagen auf seinem Schreibtische Akten, Geschäftsbriefe und Telegramme gehäuft. Aber durcharbeiten wollte er sie in diesen Tagen nicht. Schließlich war er auch nur ein Mensch und hatte ein Recht auf ein paar Tage Ausspannung.
Auch ein Mensch! dachte er noch einmal. Bitter genug hatte es sich gerächt, daß er in den letzten Fahren nur eine Arbeitsmaschine gewesen war. Sein Lebensglück war dabei in Trümmer gegangen. Aber vielleicht war es gar nicht sein Lebensglück gewesen, und er hatte nur in der Verblendung einer leidenschaftlichen Liebe es dafür gehalten?
Unwillkürlich fiel fein Blick auf seine Hand. Der rechte Rmgftnaer war leer. Aber eine schmale Kerbe, der weiß gebliebene Kreis inmitten der gebräunten Hand zeigten, wo der Ring gesessen hatte Das äußere Zeichen hatte er abgelegt; aber dennoch, das Mal war geblieben. Und geblieben waren in seiner Seele Schmerz und Verachtung
Es klopfte. Er wandte sich lebhaft um:
»Herein! Ach, Studczynski, da sind Sie ja!", und er ging dem Emtretenden mit ausgestreckter Hand entgegen. „Ich erwarte Sie schon ungeduldig."
„Ja, wir hatten in der Mitte des Weges einen dicken Nebel. Beinah hätten wir bei Hannover notlanden müssen. Aber nun bin ich da."
»Und mit welchen Resultaten? Nehmen Sie Platz! Wir bekommen gleich Tee. Ich denke, wir besprechen unsere Angelegenheit erst, bis wir zum Essen hinuntergehen. Haben Sie was Passendes für mich gefunden?"
„Jawohl!" Studczynski entnahm seiner Aktenmappe einen Grundstücksplan, mehrere Aufzeichnungen und Photos. Der junge Amerikaner beugte sich über die ausgebreiteten Pläne und Schriftstücke.
„Ach, das ist ja die Besitzung, die mir schon von Anbeginn nach dem Photo so gut gefallen hat. Die Besitzung Dönitz — nicht mar?"
„Jawohl, Hermans! Sie sehen, ich bin ganz nach Ihren Intentionen gegangen. Ich weiß gar nicht, warum Sie sich gerade auf diese Besitzung versteift haben. Wir hatten bessere und auch günstigere Angebote."
Der junge Amerikaner sah sinnend vor sich hin; vor seinen Augen stand etwas. Ein Himmel, schwer von Wolken, unter ihm zusammengeballt dicke Schwaden von Geschützdampf. Wie wilde Raubvögel am Himmel eine Kriegsstaffel amerikanischer Flugzeuge. Sie alle jagen einen Flieger. Eine Maschine. Groß leuchtet das weiße Kreuz auf schwarzem Grunde. Allein ist dieser Deutsche gegen zwanzig der ihren. Und dennoch, immer wieder heran.
Er selbst als einziger verfolgt den tollkühnen Deutschen. Ohne Rücksicht auf eigene Sicherheit jagt er ihm nach durch das Wolkenmeer. Da — eine Wolkenbank schiebt sich zwischen ihn und die Kameraden seiner eigenen Staffel — gerade über sich sieht er den Deutschen. Nun ist er es, der gejagt wird. Plötzlich sind die Tragflächen seines Apparates durchlöchert. Mit letzter Kraft schraubt er sich zur Erde herunter, muß über den deutschen Limen niedergehen.
Kurz nach ihm landet auch der tollkühne deutsche Flieger. Nun erfährt er, wer ihn zur Strecke gebracht hat.
Es ist ein Herr von Dönitz. 'llnb er ist nun, er den Amerikaner gefangen hat, der ritterW6 und liebenswürdigste Gegner, den man sich denken kann.
Ihm und feinem Vater, dem General von Dönih- hat Robby Herman es wohl zu verdanken, daß er behandelt wird nicht wie ein Gefangener, sondern wie ein Gast. Und daß man ihn sehr bald gegen sein Ehrenwort, nicht mehr in diesem Kriege zu kämpfen, freiläßt.
Alles das geht wieder durch den Sinn des jun« gen Mannes. Er hat es eigentlich Studczynski erzählen wollen. Aber er tut es doch nicht. Was geht es schließlich die anderen an, warum er sich gerade darauf versteift hat, das Schloß Dönitz zu ermerben-
Durch Zufall hatte die Vermittlerfirma die Dönitzsche Besitzung als zum Verkauf stehend m» angeführt. Robby Herman hatte sofort durch einen Beauftragten festgestellt, daß es sich hier wirklich um den elterlichen Besitz jenes Kampffliegers handelte, der ihm in der Gefangenschaft mehr ein Kamerad denn ein Gegner gewesen war.
Hermann wußte, wie groß die Not in Deutsch« land geworden war, daß sie gerade die ältesten und besten Familien getroffen hatte.
(Fortsetzung folgt 1)


