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Republik ihren Beschluß bis zum Donners­tag b e f r i st e t hätten. Herriot habe erklärt, die Loyalität gebietet es mir und meinen Kol­legen, Sie, Herr Ministerpräsident, davon in Kennt­nis au setzen, daß wir unmöglich das Haushalts­zwölftelverfahren annehmen können."Unter diesen Umständen", habe die Antwort des Ministerpräsidenten gelautet,kann ich Ihnen ebenso klar erwidern, daß es Ihre Pflicht i st, zu gehen", worauf H er r i ot ausgerufen:Sie jagen uns also davon!" Die Er­regung sei ungeheuer gewesen. Der Präsi­dent der Republik habe vermittelnd eingegriffen.

Das Verhalten der radikalsozialistischen Kammer­gruppe findet in allen Linkszeitungen vorbehaltlose Zu st immun g. Die Regie- rungspresfe verurteilt die Einstellung der Radikal- fozialisten."Le Jour" sagt u. a., Chautemps und die Fraumaurerloge könnten mit ihrer Arbeit zu­frieden fein. Man will den Eindruck gewonnen haben, daß aus innen- und außenpolitischen Grün­den der Wunsch nach Fortsetzung des Burgfriedensexperiments bestehe. Der Petit Parisien" behauptet, daß im Falle einer Krise der Präsident der Republik wieder Dou- mergue berufen werde und nur, wenn er sich weigern sollte, an Kammerpräsident Bouisson oder an Laval und evtl. Fl and in denken werde. Auch der Name des Marschalls P £ t a i n fei genannt worden. In parlamentarischen Kreisen wird die Regierungskrisis als unvermeidlich angesehen,wenn nicht ein Wunder geschieht".

Auch die Neusozialisten gegen die Haushaltszwölftel.

Gleichzeitig mit der Fraktion der Radikalsozia- lisien haben auch die Nachbargruppen m der Kammer getagt. Die Entschließung der Neu­sozialisten wendet sich ziemlich eindeutig gegen Die drei provisorischen Haushaltszwölftel und erklärt sich gegen jede persönliche Machtvoll­kommenheiten.

Die rechts von den Radikalsozialisten sitzenden Polksdemokraten, Linksrepublikaner und die Radi­kale Linke haben der Regierung das Ver­trauen ausgesprochen und die Notwendig­keit der Aufrechterhaltung der nationalen Einigung zwischen den Parteien betont, die seit neun Mo­naten die Regierung unterstützen. Die Volksdemo­kraten insbesondere fordern alle verantwortungs­bewußten Republikaner auf, sich für ben Burg­frieden einzusetzen.

Oie Ironttämpfervereinigung Ieuerkreuz" eingriffsbereit?

Paris, 7. Nov. (DNB.-Funkspruch.) Der Füh­rer der FrontkämpferoereinigungFeuerkreuz", Oberst de la Roque, hat im Hinblick auf eine mögliche Regierungskrise und die daraus entstehen­den Folgen der Presse erklärt, daß sich die Parla­mentarier endlich der Gefahren d er Stunde bewußt sein müßten. Die Regierung müsse un- verzüglich folgende Maßnahmen treffen: 1. Auf­hebung der marxistischen Front, 2. energisches Vor­gehen gegen die Lebensteuerung und unerbittliche Strafen gegen die Spekulanten, 3. Säuberung und Neuorganisierung des ganzen Verwaltungsappa­rates. Erft dann könnten die Verfassung und die Wahlgesetze geändert werden. Die Presse will den Eindruck gewonnen haben, daß die Feuerkreuzler bereits alarmbereit ständen, um im ge­eigneten Augenblick einzugreifen.

Em Freispruch.

Skrupellose marxistische Verleumdungen zusammengebrochen.

Saarbrücken, 6. Nov. (DNB.) Vor dem Obersten Abstimmungsgericht fand unter dem Vor­sitz des Vizepräsidenten Meredith (Irland) die Verhandlung gegen den Leiter des Verban­des deutscher Rundfunkteilnehmer an der Saar, August Herb, statt, der beschuldigt war, in einer Versammlung d i e Regierungskom­mission beschimpft, verleumdet und bedroht zu haben. Die Anklage ging von dem Kommuni st enführer L'Hoste aus, der eine traurige Berühmtheit durch feine massenhaften Einsprüche gegen die Abstimmungslisten erhalten hat. Der Beschuldigte soll in einer Rede gesagt haben:Die fremden Herren, die wir nicht gerufen haben, kassieren das ganze Jahr hin­durch die Rundfunkgebühren, die sie nichts angehen. Das Geld, das ja doch in einen Sack fließt, können sie ruhig mitnehmen. Wir werden ihnen gern auf die vollgefressenen Rücken sehen. Sie sollen machen, daß sie am 13. Januar um 12 Uhr ihre Koffer gepackt haben und den letzten Zug krie­gen. Wenn wir sie um 12.01 Uhr noch antreffen, werden wir ihnen nachhelfen."

Der Angeklagte führte die Anklage auf einen Racheakt politischer Gegner zurück. Er habe von den uns innerlich fremden Herren gesprochen, die früher den deutschen Rundfunk be­herrschten, die mit einem Sack voll Geld, zum Teil auch nach dem Saargebiet, entkommen konn­ten, und diese Beherrscher des deutschen Rundfunks von damals habe er mit dem jetzigen deutschen Nundfunksystem in Gegensatz gestellt.

Zeugen schilderten den Sinn der Ausführungen Herds wie der Angeklagte. Angriffe gegen die Re­gierungskommission seien in keiner Meise ge­fallen. Auch der Landjäger, der die Versammlung überwachte, machte die gleichen Aussagen. Trotz die­ses einwandfreien Sachverhaltes beantragte der Generalstaatsadvokat, der Italiener Martina, eine Geldstrafe von 3000 Franken. Das Gericht kam zu einem Freifpruch.

Vor neuen Unruhen in Spanien.

Parlamentarisches Vertrauensvotum für Lerroux.

Madrid, 6. Nov. (DNB.) Die syndikalistischen Gewerkschaften (ENT.) haben in verschiedene Städ­ten Spaniens den Genera! st reik a u 5 ge­rufen. In Saragossa hat der größte Teil der Bauarbeiter und Kellner dem Streikaufruf Folge g e I e i ft e t. Auch aus Alicante kommen Ge­rüchte über die Arbeitsniederlegung verschiedener Berufsgruppen. Demnach scheint die Drohung der Syndikalisten und Anarchisten (die an den letzten Unruhen nicht beteiligt waren), im Falle der Vollstreckung von Todesurteilen den Ausstand zu erklären, nunmehr durchgeführt zu werden.

Im Parlament forderte Ministerpräsident Ler­roux ein Vertrauensvotum, da ein neuer Versuch, die Ordnung im Lande zu stören, im Gange

Japans Kündigung des Flottenvertrags wird zum 20. Dezember erwartet.

London, 7. Nov. (DNB. Funkspruch). Der Times"-Vertreter in Tokio meldet: Die Polizei hat das Verbot von Berichten über die am 31. Oktober unter dem Vorsitz des Kaisers ab­gehaltene Konferenz des Marschalls­und Admiralsrats aufgehoben. Es heißt, die Chefs der Admiralität und des Generalstabes sowie Fürst Nashimoto, die seit dem Tode des Admirals Togo die einzigen Mitglieder des Rates sind, hätten dem Kaiser erklärt, die Kün­digung des Washingtoner Vertrages würde keine Gefahr für d i e nationale Verteidigung bedeuten. Ministerpräsident Admiral O k a d o soll dem Kaiser mitgeteilt haben, das Kabinett pflichte dieser Auffas- suna bei. Infolgedessen fei für die Kündigung des Vertrages nur noch die Zustimmung des Geheimen Staatsrates und ein förm­licher Kabinettsbefchluß notwendig. Die Kündigung wird am 20. D e z e m d e r erwartet.

In einem anscheinend von maßgebender Seite angeregten Leitartikel über die Londoner Flotten­besprechungen vertrittTimes" die Auffassung, daß eine Kündigung des Washingtoner Vertrages kaum noch zu vermeiden sei. Das Blatt erklärt jedoch, daß dies nur dann ein U n - glück fein würde, wenn dadurch die vertrag­liche Begrenzung der Seerüstungen entgültig beseitigt würde. Mit Entschieden­heit wird in Abrede gestellt, daß England und die Vereinigten Staaten eine gemeinsame Front gegen Japan au bilden wünschten. England habe volles Verständnis für Japan und wünsche nicht, daß es in eine niedrigere Klasse der Flottenmächte eingereiht werde. Was aber auch geschehe, an der qualitativen Begrenzung im Kriegs- schifsbau sollte festgehalten werden. Zu einem Wettbewerb hinsichtlich der Tonnage und der Geschützkaliber dürfe es nicht kommen. Zum Schluß erinnertTimes" daran, daß die Washingtoner Verträge auch Bestimmungen über 'ben Fernen Osten enthielten, in denen Grundsätze aufgestellt seien, an denen nicht gerüttelt werden dürfte.

Oie Waffen bereit.-Sin Armeebefehl General Blüchers.

Moskau, 7. Nov. (DNB.) Der Chef der be­sonderen Roten Armee im Fernen Osten General Blücher unterstreicht in einem Armeebefehl an­läßlich des 17jährigen Bestehens der Sowjetmacht die großen politischen Aufgaben, die die Armee im Fernen Osten zu erfüllen habe. Die besondere fern­östliche Armee stehe auf Vorposten und habe die Aufgabe, den Frieden zu bewahren. Wenn wir angegriffen werden, so weißt es weiter in dem Armeebefehl, werden wir mit der Waffe in der Hand bereit sein. Jeder An­griff auf russischen Boden werde mit allerschärfsten

Maßnahmen bekämpft werden, kein Meter russischen Bodens werde ohne Kampf preisgegeben werden.

Japan sichert feine Erdölversorgung. Für ben Fall besonderer Ereignisse." Tokio, 6. Nov. (DNB.) Der Vorsitzende der Manschukuo Oil Company Chasimoto erklärte, baß bi e japanische E r b ö l v e r s o r g u n g im­mer eine schwache Stelle in der japanischen Wirtschaft gewesen sei. Japan habe nur 275 000 To. Erböl jährlich erzeugen können, währenb ber Erdöl- bebarf Japans im Jahre 1933 runb 2 375 000 To. betragen habe. Deshalb fei es notwendig, M a ß - nahmen zur Sicherung der Erdölver- sorgungJapans zu treffen. Die japanische Rs- gierung werde dabei nach bem englischen Verfahren des Admirals Fisher ver­fahren unb für ben Fall befonberer Er­eignisse Erbölvorräte in riesigen Behältern ansammeln. Die japanische Regierung habe eine Benzolindustrie in Mandschukuo zu schaffen unb größte Sparsamkeit im Verbrauch von Erbölprobukten für inbustrielle Zwecke anzuorbnen.

Ein britischer Inselflughasen im Kanal geplant.

Zur Sicherung des Kriegshafens Portsmouth.

London, 7.71ov. (D71V. Funkspruch.)Daily herald" will wissen, daß das britische Luftfahrt- Ministerium beschlossen habe, aus einer nur spärlich bewohnten Insel bei Ports­mouth für einen Kostenaufwand von annähernd einer Viertelmillion Pfund Sterling einen Flughafen zu errichten, der die Schlüssel- stellung der V erleidi g un g s we geGroß­britanniens bilden soll. Ls handele sich um die Insel Torney bei Chichester. Vom strategischen Standpunkt sei die Insel ungeheuer wichtig. Sie decke den gewaltigen Marinestützpunkt Ports­mouth und beherrsche den Eingang des Solent, der Meerenge zwischen der englischen Küste und der Insel Wight. Vei der Durchführung des Planes werde die Insel zunächst einen Stütz­punkt für Landslugzeuge bilden. Wahr­scheinlich werde es sich um zwei bis drei Geschwader Kampfflugzeuge und ein Geschwader Bombenflug­zeuge handeln. Diese Maschinen könnten ohne wei­teres mit den großen Flugbooten Zu­sammenarbeiten, die in dem 16 Kilometer entfernten Lalshot stationiert sind.

Wer waren die Drahtzieher des Attentats von Marseille?

Vie südslawische presse seht ihre Beschuldigungen Ungarns fort.

Belgrad, 6. Nov. (DNB.) Das in Bulgarien verhaftete Mitglied ber mazedonischen Organisation Kyrill D r a n g o f s" soll ausgesagt haben, bah seit bem Frühjahr 1933 bie südslawischen Emigranten als eine eigene Abteilung i n bas ungarische Heer eingeglieoert seien. Dieser Beschluß sei auf einer gemeinsamen Sitzung ber ungarischen VerbänbeTäß" unb Möwe" gefaßt worben, ber auch ber Hüter ber heiligen Stephanskrone, Baron P e r e n y i, beige­wohnt habe. Ferner seien ein Vertreter bes un­garischen Honveb-Ministeriums unb Mi- nifterialbirettor Apor vom ungarischen Außen­ministerium a n w e s e n b gewesen. Die Emigran­ten seien burch bie VerbänbeTäß" unbMöwe", beren Ehrenpräsibent ber ungarische Minister- präfibent Gömbös ist, mit (Belbmitteln unterstützt worben. Der in Wien befinbliche, ber Mittäterschaft an ben Vorbereitungen zum Attentat von Marseille beschulbigte Oberstleutnant Pertschewitsch soll vor seiner Abreise nach Ungarn, wo er im Lager Janka-Puszta bie Atten­täter auswählte, mit bem Wiener ungarischen Gesanbten eine Unterrebung gehabt haben. P. soll erklärt haben, baß er mit bem ungarischen Ge- fanbten genau bie Art unb Weise besprochen habe, wie bie Attentäter nach Frankreich zu bringen seien. Der Wiener ungarische Gesanbte A p o r war

früher Direktor der politischen Abteilung des Buda­pester Außenamtes unb soll nach ben Gestänbnissen Drangofss in Sofia an ber militärischen Organi­sierung ber sübslawischen Emigranten m i t ge­rn i r f t haben. Der französische Gesanbte hat im Namen feiner Regierung ein Auslieferungsbegeh­ren gegen Pertschewitsch gestellt. Die österreichi­schen Gerichte haben über bieses Begehren noch nicht entschieben.

Abwehr der ungarischen presse.

B u b a p e ft, 6. Nov. (DNB.)Magyarsag" schreibt, bie ungarische Presse habe bisher gegenüber ben unverantwortlichen Belgraber Anschulbigungen Zurückhaltung an ben Tag gelegt. Der Ton unb bie Verleumbung ber sübslawischen Presse, bie ben euro­päischen Frieben gefährben könnten, würben aber nicht weiter gebulbet werben.Fuegget- lenseg" sagt, bie ungarische öffentliche Meinung werbe Mittel unb Wege finben, um sich Genug­tuung für bie Verleumbungen zu verschaffen. Der P e ft e r L l o y b" führt aus, bieses unverantwort­liche Treiben könne nur benen frommen, bie es barauf abgesehen hätten, bie Gegensätze zu­zuspitzen unb internationale Verwicklungen her­aufzubeschwören, bie bem europäischen Frieben un­möglich zuträglich sein könnten.

sei. Die Kammer sprach mit 233 gegen 0 Stimmen ber Regierung Lerroux bas Vertrauen aus. Die Katalanische Liga (rechtsstehenb) unb bie bas­kischen Nationalisten haben angesichts bes Ernstes ber Lage entgegen ihrer ursprünglichen Absicht ebenfalls für bie Regierung gestimmt. Der Stimmabgabe enthalten Haden sich lebiglich bie Monarchisten (etwa 50 Abgeorbnete), bie aber ber Regierung ihre Unterstützung gegen Ruhestörungen ber Anarchisten unb Synbikalisten zusagt. Der Führer ber spanischen Faschisten Primo b e R i - oera erklärte, er halte bie Zeit für bie na­tionale Revolution gekommen, ba bie bisherigen Methoben bes Parlamentarismus völlig abgewirtschaftet hätten. Es fei möglich, baß ber Marsch aufRom in naher Zukunft eine s p a- nische Parallele finben werbe. Der Führer ber Katholischen Volksaktion G i l Robkes hat jeboch keinen Zweifel barüber gelassen, baß seine Partei mit bem Faschismus nichts z u tun haben wolle.

Demokratischer Wahlsieg in den Vereinigten Staaten.

Roosevelthoch erfreut".

Washington, 7. Nov. (DNB.-Funkspruch.) Am Dienstag fanben in 47 Staaten ber Union bie Wahlen für bas Bundesparlament statt. 432 Abgeordnete des Repräsentantenhauses, 33 Senatoren (ein Drittel ber Mitglieber bes Se­nates) unb 33 Gouverneure würben neu gewählt. Cs hanbelt sich bei diesen Wahlen, bie verfassungs­mäßig alle zwei Jahre, am Dienstag nach bem ersten Montag im November ftattfinben müssen, um ein großes innerpolitisches Ereignis, insbesondere für ben Präsibenten, ber für feine

Regierungstatiakeit weitgehenb auf einen ihm gegenüber günstig eingestellten Bunbeskongreß an­gewiesen ist. Trotz Negenwetters war bie Wahl­beteiligung außerorbentlich ftarf. Außer vier Toten unb 14 Verletzten bei einer Schießerei würben in Hollanb (Missouri) ein Wei­ßer unb ein Neger erschossen, zahlreiche Neger ver­prügelt unb an ber Ausübung ihrer Wahlpflicht verhinbert.

Nach den bis 6 Uhr MEZ. oorliegenben Berich­ten haben bie Demokraten einen großen erfolg zu verzeichnen. Von 150 Sitzen bes Repräsentantenhauses erhielten bie De­mokraten 130 unb bie Republikaner 20 Sitze. Die Entscheibung über bie übrigen 285 Sitze im Reprä­sentantenhaus steht noch aus. Bei ben Wah- l e n zum Senat Haden bie Demokraten bisher sechs unb bie Republikaner zwei Sitze erhalten Noch ?7 Sitze finb frei. Um 6 Uhr lagen bie berno- kratifchen Anwärter für ben Senat in 16 Bunbes- ftaaten an ber Spitze, in fünf Bunbesftaaten stau­ben bie Republikaner an erster Stelle

Der Postminister Farley äußerte nach einem Ferngespräch mit Roosevelt, der sich m seinem Hause in Hybe Park aufhält, Roosevelt sei hoch erfreut über bas bisherige Wahler­gebnis. Nach ben ersten Berichten aus Kalif or- nien siegte im Kampf um ben Posten bes Gou­verneurs ber Republikaner Mergi am mit etwa 1000 Stimmen vor feinem ©egenfanbibaten, bem bekannten Schriftsteller Upton Sinclair. Daily News" meldete bie Wieberwahl bes bemo- kratifchen Gouverneurs Lehman in Neuyork, der über 500 000 Stimmen mehr erhielt als fein Gegenkanbibat.

Abgesehen von einigen Wahlunruhen in etwa sechs Bunbesftaaten find bie Wahlen im allgemei­nen ruhig verlaufen.

Tsingtau.

Bon Oberstleutnant a. D. B. Blehhoeffer.

Am 7. November, 6 Uhr in ber Frühe, jährt sich zum zwanzigsten Male bie Stunbe, in ber uns bie Perle ber ostasiatischen Küste, Tsingtau, mit Gewalt entrissen würbe. Als bie Sonne an die­sem Tage aus ben gelben Fluten ber chinesischen See emportauchte, flatterte am Maste ber Signal- ftation an Stelle der deutschen Kriegsflagge ber weiße Lappen, ber anzeigte, baß es em Ding ber Unmöglichkeit für 4000 brave Männer war, sich bem Ansturm von 60 000 Feinben erfolgreich ent­gegenzustemmen, namentlich wenn bie letzteren mit bem besten, mobernsten Kriegsgerät, bie ersteren mit altem Gefchützmaterial ausgerüstet waren.

Tsingtau (Grüne Insel) hat seinen Namen von einem ber inneren Bucht vorgelagerten kleinen Ei, lanbe mit bem Blick auf ben Straub, an bem man noch im Jahre 1897 ein chiesisches Fischerborf mit elenben Lehmhütten, bewohnt von einer armseligen Bevölkerung, mit schmutzigen Straßen, baumlosen Höhen unb keinem brauchbaren Hafen sah. Als ich zum zweiten Male 1907 auf einem beutfdjen Küstenbampfer. in ben Hafen einfuhr, bot sich bem erstaunten Auge ein ganz anberes Bi 1 b bar: vorbei ging es an berViktoria-Bucht" mit bem schönsten Babestranb ber ostasiatischen Küste, ihr Hintergrund abgeschlossen burch bie bewalbetenIl­tis- unb Bismarck-Berge", von denen 1914 Tag unb Nacht unsere Geschütze bonnerten, vorbei an ber Grünen Insel" hinein in bie Jnnenbucht, wo wir imGroßen Hafen" anlangten: trotzbem viele tau- fenb Kilometer uns von ber Heimat trennten, waren wir zu Hause in Deutschland Per Rickschah ging es burch bas rounberbar sauber gehaltene Chinesenviertel mit seinen ebenso reinlichen und zufrieben bliefenben Bewohnern hinein in ein ibyllisches mittelbeutsches Villenstäbtchen, mit beut- scheu Straßennamen, überall spieleube, blond ge­lockte Kinder, glänzend in Reinlichkeit unb Orb- nung. Heber bem Ganzen wehten stolz im Winbe auf der Sigualstatiou die deutschen Farben: schwarz­weißrot. Nur zehn Jahre liegen zwischen die­sen beiden Bildern! Unb in bieser lächerlich kleinen Zeitspanne hatte unsere Marine bieses Wunberwerk aus bem Felsen gemeißelt. Ein berebtes Beispiel für Deutschland koloniale Fähigkeiten! Hongkong hatte 50 Jahre gebraucht, ehe es so weit wie Tsing­tau war.

Unb bann sah ich Tsingtau zum drittenmal wieder, als ich am er st en Mobilmachungs­tage von Peking aus, wo ich im chinesischen Kriegsministerium tätig war, das Schutzgebiet mit ber Bahn erreichte: im allgemeinen dasselbe, nur noch verschönte unb vervollstäubigte Bilb, wie 1907. Mit bem einen Unterschiebe, baß bas ganze sonst so sriebliche Getriebe einen militärischen An­strich erhalten hatte: viele Uniformen, mit Musil eingeholte Reservisten unb fieberhafte Arbeit an 6er Ausgestaltung ber Verteidigungsanlagen auf der Laub- unb Seeseite. Eine Festung kann man Tsing­tau nicht nennen, ba es nur so weit befestigt wor­ben war, daß es etwaigen Angriffen von chinesischer Seite, wie sie im Boxeraufstanb bie Gesaubtschasten in Peking auszuhalteu hatten, wibersteheu konnte.' gegen bas Laub umgab bie Stabt ein Kranz vonJnsanteriewerken", bavor ein sestungsmWg ausgebautes Drahthinbernis unb bahinter eine An­zahl von Batterien mit meist veralteten Geschützen, zum Teil alte Bekannte aus meiner Kanonierzeit. DieSeefrou t" mies einige Batterien auf, aud) sie war armiert mit Geschützen, bie in keiner Weise geeignet waren, mit mobernen Kriegsschiffen den Kampf aufzunehmen. Die Besatzung bestaub aus bem III. Seebataillou unb 5 Kompanien Matrosen- erlittene, verstärkt burch bas Ostasiatische Marine- Detachement aus Peking-Tientsin zu brei Kompa­nien mit brei alten 15-cm-Felbhcmbitzen: alles in allem, einschließlich Reserven 4000 Manu, gegen welche die vorsichtigen Japaner 60 000 Mann auf die Beine brachten.

Die Japaner landeten mit einem Teile ihrer Streitkräfte in ßungfou, an der Nordküste von Sch an tun g, also runb 200 Kilometer außerhalb unseres Schutzgebietes, mit bem Reste in Wangkoutschuang, ebenfalls auf neutralem chinesi­schem Bobeu. Darüber aber hat sich niemand weiter aufgeregt! Den ganzen ungeheuren Belagerungs- avparat, mit bem sie unser kleines Tsingtau be­ehrten, luden sie dann schließlich in Schatzekou aus. Weit ins chinesische Land hinein ritten ihnen unsere Patrouillen entgegen. Die ersten Zusammenstöße und Verluste hatten wir bereits an der Grenze, wo einer unserer Grenzposten von zwei Offizieren und zwölf Mann gegen eine abgesessene, kriegsstarke Schwadron vorging unb sie zum Rückgang zwang. Von da ab ging es für unsere kleinen vorgeschobe­nen Abteilungen immer rückwärts, bis wir schließlich den ersten nachhaltigen Widerstand in einer runb 12 Kilometer langen felbmäßig be- festigten Linie, etwa fünf Kilometer außerhalb der Jnfanteriewerke" leisteten, deren Rückgrat ganze sechs alte und 12-Zentimeter-Kanonen, vier alte 9-Zentimeter-, drei ake 15-Zenttmeter-Haubitzen und Zwei Felbbatterien bilbeten. Auf der zwölf Kilo­meter langen Stellung hatten wir achtzig Ge­wehre. Musterhaft arbeiteten auf beiben Seiten Armee unb Marine zusammen: von ber Bucht aus flankierten ben feindlichen Angriff mit ihrem Feuer Der österreichische KreuzerKaiserin Elisabeth" und unserJaguar" und TorpedobootS 90" und ge­währten dadurch den Landtruppen tatkräftige Un­terstützung. Auf bem anderen Flügel, von See aus, griff bereits in dieser Kampsperiobe bie ja pa* nisch-englische Flotte mit schwerstem Feuer ein. Zwei Tage bauerte ber Wiberstand, Dann muß, ten wir vor ber erbrüdenben Uedermacht ins Dra^' hinbernis zurück.

Nunmehr begann ber belagerungs m äfjifl6 Angriff mit Annäherungsgräben unb $nfan* teriestellungen, genau unb pebantisch nach unserer VorschriftKampf um Festungen" ausgeführt. Wir wußten immer im voraus genau, welche Nummer dieser Vorschrift bernnächst zur Durchführung fle* langen würbe. Die japanische Kriegsführung gegen Tsingtau war zögernb unb ängstlich: sie trauten ihren ehemaligen Lehrmeistern allerhanb Schiech' tes zu! Als einziges wirksames Erkunbungsmiitel hatten wir Plüschows kleine Taube, die, obwohl sie Vorzügliches leistete, naturgemäß nicht ausreichte. Jnfanteriepatrouillen kamen nicht durch; der Fesselballon ist in einer kleinen Festung un­brauchbar, ba er im Hanbumbrehen herunterge­holt werben kann, wie es auch tatsächlich geschah- Wir wehrten uns so gut, wie es ging. Tag und Nacht bonnerten unsere Geschütze, Tag und Nacht überschüttete uns bie an Zahl und Qualität weit überlegene japanische Landartillerie, bei Tage von ben Schiffen unterstützt, mit ihrem Feuer. Aufzu­halten war bie sich herwälzenbe Flut nicht; alles, was wir hatten, ftanb in vorberster Linie am Abend bes 6. November ben Japanern so nahe gegenüber, baß man das Weiße im Auge des Gegners et*