Nr. 209 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vderheffen) Hreitag, 7. September 1934
PO. fahrt nach Nürnberg.
Die Nürnbergfahrer aus den Reihen der PO.! fanden sich gestern gegen 18 Uhr auf Oswalds, garten ein. Sie sammelten sich zum Abmarsch nach dem Bahnhof unter dem Kommando von Amtsleiter Pg. Dr. K o p p. Einige Kommandos klangen über den Platz, in drei Reihen standen die Parteigenossen angetreten, rasch wurden die Namen der Teilnehmer verlesen und dann ging es in gleichem Schritt und Tritt über den Horst-Wessel-Wall und durch die Bahnhofstraße zum Bahnhof. Biele Zuschauer hatten sich auf Oswaldsgarten eingefunden und begleiteten die PO. zum Bahnhof.
Etwa 80 Mann der PO. im Kreise Gießen nehmen an dem großen Marsch in Nürnberg teil. Alle trugen vollgepackte Tornister mit Zeltbahnen. Außerdem fuhren einige Hundert sog. „Schlachtenbummler" mit. Neun Fahnen wurden miweführt, in erster Linie die neue Fahne der NSDAP, des Kreises Gießen. Diese neue Fahne trägt an Stelle der bekannten blauen Gösch eine solche in brauner Farbe. In das Feld ist lediglich der Name unserer Stadt eingestickt. Diese Fahne soll in Nürnberg geweiht werden. Ferner wurden die Fahnen der vier Gießener Ortsgruppen (Nord, Mitte, Süd und Ost), sowie die Ortsgruppenfahnen von Heuchelheim, Bersrod, Großen-Buseck und Hungen mitgeführt.
Auf dem Bahnhofsvorplatz nahmen noch einmal olle Fahrtteilnehmer Aufstellung, die Namen der Hinzugekommenen wurden noch verlesen, dann marschierter) alle auf den oberhefsischen Bahnsteig zum Zuge.
Mit dein Sonderzug, der um 19.59 Uhr den Gießener Bahnhof verließ, fuhr auch Georg Heß von Leihgestern mit einem großen Teil seiner Trachtengruppe, die in Nürnberg durch ihre Aufführungen unser Hessenland würdig vertreten soll. Die Mädchen waren alle luftig und guter Dinge und vertrieben sich die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges, indem sie, ganz wie zu Haufe, singend auf und ab gingen. Die schönen Trachten wurden hiel bewundert.
Der Sonderzug hatte fahrplanmäßig heute morgen um 4 Uhr in Nürnberg einzutreffen. Die Teilnehmer des Reichsparteitages aus der Stadt und dem Kreise Gießen werden, wie auch ein großer Teil der Parteigenossen aus dem Gau Hessen- Nassau, in der ehemaligen Faberschen Bleistiftfabrik
in der Schanzäckerstraße für die Dauer ihres Nürnberger Aufenthaltes untergebracht fein. Am Mittwoch nächster Woche kehrt die PO. voraussichtlich wieder nach Gießen zurück.
2Reid)«iparfeifag — 66 Züge passieren den Gießener Bahnhof.
Aus Anlaß des Reichsparteitages passieren den Gießener Bahnhof in der Zeit vom 4. bis 12. September 66 Züge. Der gesteigerte Verkehr ist bereits feit einigen Tagen im Gange. Drei Züge fahren von Gießen als Sonderzüge direkt ab. Die übrigen Züge passieren unseren Bahnhof und nehmen zum großen Teil auch kurze Verpflegungsaufenhalte.
Am Dienstag fuhr der erste dieser außerplanmäßigen Züge nach Nürnberg ab. Er brachte die Angehörigen'des Marburger und des oberhessischen Arbeitsdienstes in die Stadt des Reichsparteitages. Der Zug kam von Marburg und nahm hier die Arbeitsdienstwilligen von Alsfeld, Nieder-Gemünden, Büdingen ufw. auf. Dieser Zug, der 1200 Arbeitsmänner beförderte, kehrt bereits heute abend wieder zurück.
Der zweite Zug fuhr gestern abend. Er brachte 1100 Personen nach Nürnberg. 600 Personen stiegen in Gießen ein, die übrigen auf den Stationen Nidda, Stockheim, Büdingen und Gelnhausen. Der nächste Sonderzug fährt heute nachmittag um 17.40 Uhr von Gießen ab. Er bringt die SS. aus unserem Abschnitt nach Nürnberg.
Der letzte Sonderzug wird am morgigen Samstag früh um 5 Uhr den Gießener Bahnhof verlassen. Er bringt die SA. aus Gießen und Umgebung zum Reichsparteitag und wird sehr stark besetzt sein.
Heute, Freitag abend, kommt von Arolsen ein Zug, der mit einem Zug von Dillenburg vereinigt wird.
EG fährt nach Nürnberg
Der Abschnitt 30 der SS. wird heute nachmittag vom Bahnhof Gießen aus die Fahrt nach Nürnberg zum Reichsparteitag antreten. Die SS.-Formationen werden von Heuchelheim her, wo sie sich versammelt haben, durch die Rodheimer Straße, Horst-Wessel- Wall und Bahnhofstraße zum Bahnhof marschieren.
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Das Vorkommando der Gießener PO. in Nürnberg.
In der Mitte (im Mantel) Kreisleiter z. b. V. B u l l rn a n n, anschließend nach links Kreispropagandaleiter Schmelz, Kreispressewart Michel, Kreisamtswalter der NSV. Klöß, HJ.-Gefolgschaftsführer K ä p p e l e, Adjutant des Kreisleiters. — (Aufnahme: Photo-Pfaff.)
Die PO. auf Oswaldsgarten vor dem Abmarsch zum Bahnhof. — (Aufnahme: Photo-Pfaff.)
Die Marschmusik wird die SS.-Standartenkapelle 83 ausführen. Die Abfahrt erfolgt um 17.40 Uhr vom Personenbahnhof Gießen aus über Hanau. Der Zug wird in Hanau von dem aus Königstein kommenden Abschnitt 11 der SS. bestiegen. Der Marsch der SS.-Formationen durch unsere Stadt zum Bahnhof wird für unsere Volksgenossen ein sehenswertes Ereignis sein.
Aus der proviuzialhauptstavl.
Deutsches Obst im deutschen Haus.
Die Monate August und September sind es, die uns den reichsten Segen an Früchten bringen. Da man zum Teil nicht wußte, was man mit dem Ueberfluß anfangen sollte, ging man dazu über, die Früchte auch für die Dauer verwertbar zu machen. Man erkannte jedoch mit der Zeit, daß der Wert der Früchte durch die üblichen Konservierungsmethoden so bedeutend herabgesetzt wird, daß Man danach strebte, möglichst immer frisches Obst und Gemüse zu verwerten. Und so kamen denn ungezählte Mengen ausländischen Obstes, ausländischer Früchte und Gemüse zu uns herein, in einer Jahreszeit, in der wir in Deutschland entsprechend unserem Klima natürlich derartige Dinge nicht haben konnten. Man glaubte, damit der Volksgesundheit zu dienen und übersah dabei, daß diese Gemüse, Obste und Früchte durchaus nicht dem gleichzusetzen sind, was wir in unserer Heimat bauen, reifen lassen und ernten können.
Wenn wir die Tomaten, die im Frühjahre immer wieder angeboten werden, mit den in unserem Heimatboden gewachsenen und gereiften Früchten vergleichen, so müssen wir uns davon überzeugen, daß den aus dem Auslande bezogenen Früchten alle die wesentlichen Nährstoffe fehlen, die unsere voll ausgereiften Früchte unter der Einwirkung der Sonne, des Lichtes und aller anderen klimatischen Einflüsse enthalten, so daß wir uns letzten Endes nur von der schönen Farbe und von der Seltenheit der Erscheinung haben blenden lassen.
Wir müssen uns doch überlegen, daß selbstverständlich Früchte, in unserer Heimat gewachsen und ausgereift, einen ganz anderen Nährwert haben, als die unreif abgenommenen und dann nur künstlich hergeputzten Früchte. Wir müssen ferner bedenken, daß wir es unseren Gärtnern und Landwirten damit nicht leichter machen, wenn wir ihre Waren nur zum geringeren Teil verwenden. Vor allen Dingen können wir unseren Obst- und Gemüsebau nur dadurch fördern, daß wir ihn weitest-
gehend in Anspruch nehmen und ihm so die Mög- lichkeit geben, sich immer weiter und höher zu entwickeln.
Im Augenblick spielen für uns hier die Tomaten, die Birnen, die Aepfel, die Zwetschen u. ä. die wichtigste Rolle. Sie können in allen Formen und für alle Lebensalter verwandt, von dem Kleinkind sowohl wie von den Erwachsenen genossen werden.
Auch das Einmachen der Früchte lohnt sich unter allen Umständen, und sofern die Haltbarmachung der Früchte einigermaßen sachgemäß durchgeführt worden ist, können wir bestimmt damit rechnen, daß wir ein ebenso wertvolles Nahrungsmittel vor uns haben, als wenn wir das unreife, nicht bei uns gewachsene Obst genießen.
An sich sollte im heutigen Staate eine Bekanntmachung im Sinne der Werbung für den Verbrauch deutschen Obstes und Gemüses gar nicht mehr notwendig sein; allein die vernünftige Ueberlegung müßte den Verbrauch fremder Waren ausschließen. Wenn dennoch geworben wird, so geschieht es, um auch den letzten Volksgenossen, der von diesen Dingen noch nichts weiß, zu gewinnen und zu überzeugen. Gelingt dies der Werbung, dann hat sie ihren Zweck erreicht. Jeder Volksgenosse aber hat die Pflicht, hierzu fein Möglichstes beizutragen.
Holunderbeeren.
Wir haben in diesem Jahre eine so reiche Holunderbeerernte wie selten und sollten sie in dieser Zeit nicht verkommen lassen, zumal wir sie an den überall wild wachsenden Holunderbüschen ganz leicht umsonst haben können. Da gut ausgereifte Holunderbeeren neben wenigen eiweiß- und stickstofffreien Stoffen auch 5 bis 6 v. H. Zucker enthalten und alle aus diesen Beeren hergestellten Speisen und Marmeladen sehr bekömmlich sind und gut schmecken — es wird ihnen sogar eine gewisse Heilwirkung zugeschrieben —, damit die Hausfrau die süßen Beeren auf irgendeine Weise konserviert ober für den Tisch zubereitet. Es gibt ja eine ganze Menge einfache Derwertungsverfahren und Rezepte, nach denen diese Beerenfrucht zu verwenden ist.
Aehnlich wie Kirschen werden sie zu Mus bereitet, indem man die von den Kämmen gepflückten und gewaschenen Beeren ohne Wasserbeigabe in der Pfanne über Feuer bringt, wo man sie etwas durchschüttelt, damit sie den Saft besser und rascher hergeben. Wenn nach der Ausscheidung des Saftes die Beeren zusammenfallen kann man nach Belieben etwas Gewürz (Zimt, Nelken, Vanille) zusetzen, auch den Beerenbrei, wie bei der Zubereitung
Gepiember-Siimmung.
Don Will Scbeller.
Seltsam, beklemmend seltsam, wie so ein abgeleierter Singsang im Bewußtsein sich festhakt — einem winzigen Dorn vergleichbar, der, unversehens in die Haut eingedrungen, zuerst kaum wahrzunehmen ist, bei einer gewissen Bewegung oder Berührung aber aufbegehrt und so zu brennen anfängt, daß es im nächsten Augenblick in wirklichen Schmerz umzuschlagen zu wollen scheint. Und du reibst und reibst, ohne mit dem Auge zu erkennen, wo der Eindringling sitzt, die Stelle, wo es juckt und sticht, aber die peinliche Empfindung wird nur ärger davon; bis etwas anderes die Aufmerksamkeit ablenkt — und auf einmal, wenn nur erst eine Spanne Zeit vorüber ist, erinnert nichts mehr daran, daß da irgendwo in der Haut ein winziger Dorn gesessen und dich noch unlängst buchstäblich bis aufs Blut gepeinigt hat. Unsichtbar und unmerkbar, wie er kam, ist er verschwunden.
„Noch sind die Tage der Rosen ..."
Wann tauchte doch diese Zeile aus dem Dunkel unbewußter Erinnerung? Vielleicht in dem Blumenladen neulich, beim Anblick der hohen Kristallvase, um deren Fuß, wie kleine Boote — Boote für Elfen — gewölbte Blätter sich sammelten, und die Verkäuferin, etwas blaß unter üppigem Blond, erwiderte gereizt:
..... aber sie sind ganz frisch hereingekommen!" Vielleicht war es das. Vielleicht aber war es auch der Blick über einen Gartenzaun, wo, noch am schlanken Stamm, die roten Blumen aussahen, als kehrten sie ihr geheimnisreiches Innere, den Bronnen ihres Dufts, gewaltsam nach außen, unter einem hitzigen Zwang, der die Ränder jedes Blumenblattes schwärzlich vertrocknen und sich spalten läßt, ein Bild der Betrübnis — und dennoch mußtest du verweilen?
Mag sein, daß es damit anfing.
„Noch sind die Tage der ..."
Und wirklich, noch winkt ja von einem blauen Himmel, über den erst einzelne feidenweiße Wolken segeln, langsam, wie zum Spiel (zu einem ersten Spiele freilich!), die Sonne wie zuvor, und es hat gar den Anschein, als wäre es durchaus ihr sommerliches Uedermaß gewesen, was den Rosen diese traurige Schlaffheit frühen Verblühens aufgenötigt, ein stilles Opfer dem Gestirn, das eben noch zu sinken zögert.
„Noch sind die Tage...
Aber geh nur durch die Alleen alter Linden, Ulmen oder Kastanien! Schau dir den leise rauschen-
weiß. Noch sind die Tage ...
ahn,
„Noch sind die Tage ..."
Andre sind es, nicht mehr die der Rosen, die längst entblättert sind, aber Tage, Lebenstage,
Leier, um einen holden Trug zu fristen, als daß es freiwillig und stolz der Wahrheit eine Stätte bereitet. Aber das Gift der Herbstzeitlose ist nicht umsonst aufgestiegen aus dem schwärzlichen Bereich fetter Erde; schon fühlst du ja, wie die alte Zeile verblaßt in deinem Innern, wie ihre Magie als eitel Täuschung enthüllt und abgetrieben wird wie Sommerfäden im Abendhauch. Was frommt es, ihnen nachzuschauen, gar mit umflortem Blick? Die Herbstzeitlose!? beleuchten, kühle Fackeln, was vergeht, beleuchten, was entsteht — im fruchtbaren Boden der Vergängnis.
sind gegen den Anblick sich wandelnden Lebens, des scheinbar schmerzlichen. Wer aber Gift verträgt, dem zeigen sie sich, die heimlichen Fußtapfen des Werdens im Vergehen, glitzernd wie eine eilige Schlange im Gras. Wohl ihm, der ihrem Gleiten zu folgen
Die Herbstzeitlose? . , .. ,E1 ,
Giftig ist sie, heißt es, und w-rkl.ch sie vergiftet das Bild dieses Tages einer herbstlichen Selbst. fnnf*..nrt. nhor wie alles Gift, wirkt sie auch kla-
täuschung; aber wie alles Gift wirkt sie auch rend läuternd, befreiend nämlich von diesem Wi . der sich an den Nachhall eines verlorenen, eines verkommenen Liedes hing.
„Noch sind die Tage der Rosen ..
Nein die sind vorüber, die Tage, die jener Smg- fam preist, und wenn er weiterdudelt, leise und aufdringlich, wie ein winziger Dorn in der Haut zuweilen brennt, so mag es davon fein, daß das Herz des Menschen noch immer nicht gelernt hat, fid) dem Unentrinnbaren ohne Widerstand und ohne Widerspruch zu fügen. Lieber singt es eine alte
Zeitschriften
lieber das Thema Staat und Wissenschaft spricht Paul Hövel im Augustheft der „Z e i t w e n d e" (C. H. Beck, München). Seine Ausführungen machen uns deutlich, wie sehr die Ueberwindung des übe« ralistischen Staatsgedankens auch das Verhältnis zwischen Staat und Wirtschaft beeinflußt. Daß der Staat sich nicht von den Wirtschaftsmächten beherrschen läßt, sondern die Wirtschaft durch ziel- bewußte Aufsicht, Planung und Führung leitet, dient nicht nur der Sicherung seiner eigenen Hoheit, sondern ebenso auch dem Nutzen der Wirtschaft selbst. — Gestaltung des Wirtschafts- und Soziallebens nach geistigen Grundsätzen, ohne Bindung an angeblich unabänderliche Gesetze der Wirtschaft — für diesen Gedanken haben in den angelsächsischen Ländern die Quäker schon seit rund 3 Jahrhunderten Pionierarbeit geleistet. Wenn uns Magda Keiber im gleichen Heft der „Zeitwende" anschau- üch und fesselnd über ihre Sozialarbeit berichtet, so erinnert trotz dem Gegensatz der Staatsauffassung im einzelnen doch vieles an unsere heutigen deutschen Bestrebungen — Das Heft enthält noch einen Vortrag von German Bestelmeyer über „Baukunst und Gegenwart", der klar die Stellung der Kunst im nationallsozialistischen Staat umreifet, eine feinsinnige Betrachtung über den Lyriker Rudolf Alexander Schröder und die Fortsetzung des be«
blick, als wäre das Getön des Rasens lauter geworden:
„Noch sind die Tage..."
Der Pfad wendet sich zum Hügel. Durch Buschwerk, an Bänken vorüber quert er eine Brücke; der Gebirgsbach darunter schäumt über flachen Kieselgrund. Dem weiteren Anstieg begegnet der Wald, seinerseits durch Wiesenstücke gelichtet. Die Sonne steht, eine goldene Scheibe, im Mittagsdunst. Em schöner Tag--schöne, goldene Zeit--Tage
der Rosen---
Von den Wiesen jedoch, die hügelaufwärts den Fichtenstand verdrängen, züngelts auf, em blasses, nach dem Lila hinüberbleichendes Biolett schlanker Flammen aus kränklich weißem Gestiel. Einsam jede dieser kelchförmigen Flammen, abgesondert, schier gemieden von allem übrigen Wachstum wie — nun, wie Verrufene, die Unwiderrufliches zu künden haben.
den Regen gelber Blätter an, die, von letzter Schwüle getragen, in weiten Kreisen zur Erde schweben, wo sie hier und dort schon dem Boden jene beängstigende Färbung geben, die das untrügliche Anzeichen nicht nur eines nahen Abschieds ist, sondern auch einer nahen Ankunft.
Auf dem weißen Weg zwischen den zum zweitenmal gemähten Wiesen, in denen es vielstimmig zirpt, sitzt eine Zikade, wie ein Menschenfmger lang, grün wie ein Laubfrosch, und rührt sich nicht. Sie ist so träge, daß sie nicht einmal dem Schritt des Spaziergängers ausweicht. Der beugt sich nieder, redet ihr gut zu, aber es ist, als wäre sie in der Mittagswärme mit ihren feinen Beinen an den Sand geschmolzen, und es braucht Zeit, das,.....~
Tier allmählich von dem Weg, der dem träumenden ; steigende Spur im sinkenden Jahr. Möglich, daß Wesen Gefahren bringt, weg zur Wiese zu lenken. Sonntagskinder das nicht sehen, weil sie glücklichere Endlich ist es gelungen, und das grüne Geschöpf,! Augen haben sollen als andre Menschen, und gefeit spukhafter Rest entwichener Vorwelt, verschwindet ri-K-----a-u—
krabbelnd im Gras. Und es ist für einen Augen-
deutenden nordisch-protestantischen Romans „Die Sünderin" von Hildur Direlius.
Das Augustheft von „Volk und Reich" gedenkt in einem das Wesentliche erfassenden lehrreichen Kartenüberblick der politischen Entwicklung von 1890 bis zu den Friedensdiktaten und der unübertrefflichen Kriegsleistungen der deutschen Heere und Flotten. Die wichtigsten Kampfhandlungen werden in 22 Schwarz-Weiß-Skizzen mit knappem erläuternden Text bargefteUt. In einem an die Welt» friegsbarfteUung anknüpfenben Aufsatz wirb ber Wanbel ber politischen Grundanschauungen bes beutschen Volkes seit 1914 untersucht unb ber Rückblick auf bas Geschehen vor 20 Jahren als notroen- big für unser geschichtliches Bewußtsein erwiesen, bas an wirkliche Sinnlosigkeit vergangener Entwicklungen nicht zu glauben vermag. Das Heft wird somit zugleich von einem erzieherischen Gedanken getragen. Auch in weiteren Beiträgen des Dielfeiti» gen Heftes klingt die Erinnerung an den Weltkrieg an. Werner Wirths würdigt unter dem Titel „Dichtung der Volkswende" bas Schaffen Hans Friebrich Bluncks. Marc. R. Breyne gebeult bes flämischen Dichters Cyriel Verschaeve. Berichte über ben Wanbel ber Auffassung vom Völkerbunb unb bie neueste Entwicklung in Eupen-Malmeby unb kleinere Beiträge schließen bas Heft ab, besten Hauptteil ein Bilbbericht über wichtige Phasen unb Ereignisse bes Weltkrieges eingefügt ist.
Öocbfdbiilnacbricbten.
Die Naturwissenschaftliche Fakultät ber Universität Frankfurt a. M. hat bem Geheimen Mebi- zinalrat Professor Dr. med. Wilhelm Ko11e in Frankfurt, dem hochverdienten Erforscher von Tropenkrankheiten, in dankbarer Anerkennung seiner besonderen Verdienste um bas Zustandekommen von Gemeinschaftsarbeiten auf bem mebizinisch- naturwissenschaftlichen Grenzgebiet in Frankfurt ehrenhalber Titel und Würde eines Doktors der Naturwissenschaften verliehen.
Professor Dr. Kurt Gutzeit, Ordinarius für innere Medizin an der Universität Berlin, wurde auf den Lehrstuhl für innere Medizin an der Universität Breslau berufen.
Der Würzburger Extraordinarius Professor Dr. Max Meyer wurde als Direktor an die Staatliche Hals-, Nasen- und Odrenklinik in Ankara (Türkei) berufen: der ao. Professor Dr. Siegfried Skraup in Würzburg wurde auf den orben»* lichen Lehrstuhl für Chemie an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Ankara berufen.


