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Schafft Arbeit für das Vuchdruckgewerbe.

Unterstützt die Notgemeinschast der deutschen Duchdruckereien!

Das Volk hat den Kampf gegen das schwerste Nebel der Zeit ausgenommen, gegen die Arbeits­losigkeit. Es hat unter Führung Adolf Hitlers seine ganze Kraft für diesen Kamps eingesetzt mit dem Erfolg, daß die Arbeitslosigkeit bis jetzt schon auf ein Drittel vermindert wurde. Der Kampf geht wei­ter. Er muß vor allem auch in den Wirtschafts­gruppen weitergeführl werden, in denen noch keine fühlbare Verringerung der Arbeitslosigkeit einge­treten ist.

hierzu gehört auch das Buchdruckge­werbe, auf dessen Notlage der Reichsarbeits- minisier vor kurzem die obersten Reichsbehör­den, die Regierungen der Länder, die Reichs- leltung der NSDAP., das Sozialamt der Deut­schen Arbeitsfront, die Reichskulturkammer und den Deutschen Gemeindetag in einem Rund­schreiben hinwies. Dieser Appell des Reichsar­beitsministers hat zur Folge gehabt, daß für die Notlage des Buchdruckgewerbes bei behörd­lichen Stellen und auch bei Auftraggebern aus der Wirtschaft das Verständnis geweckt worden ist.

Das Buchdruckgewerbe versucht aus eigener Kraft seiner Schwierigkeiten Herr zu werden. Zu diesem Zweck haben sich die deutschen Buchdruckereien zu

einer Notgemeinschaft zusammengeschlossen, die heute bereits 11 000 Betriebe umfaßt. Aufgabe der Notge­meinschaft ist es, dem veryeerenden wirtschaftlichen Verfall im Buchdruckgewerbe entgegenzuwirken. Die Notaemeinschaft der deutschen Buchdruckereien hat die Anerkennung vieler behördlicher Stellen, die Un­terstützung der Industrie- und Handelskammern, so­wie der Handwerkskammern gefunden. Auch Auf­tragsgeber aus allen Teilen der Wirtschaft unter­stützen die Bestrebungen der Notgemeinschaft.

Um eine fühlbare Milderung der Noklage des Buchdruckgewerbes und Verringerung seiner Erwerbslosigkeit zu erreichen, ist es jedoch not­wendig, daß bei allen Behörden und in allen Berufs- und Wirtschaftskreisen, bei denen Be­darf an Drucksachen besteht, dieser durch be­schleunigte Auftragserteilung gedeckt wird.

Eine solche planmäßige Arbeitsbeschaffung für das Buchdruckgewerbe und gleichzeitige Unterstützung der Notgemeinschaft der deutschen Buchdruckereien trägt dazu bei, das große Ziel unseres deutschen Volkes, die Beseitigung der Arbeitslosigkeit, auch in demjenigen Berufsstand zu erreichen, dessen Leistun­gen in früheren Jahren die stärkste Werbung für den deutschen Qualitätsgedanken darstellten.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Umwertung der Werte.

Als Studenten wanderten wir vor langen Jahren zu Pfingsten durch den Schwarzwald. Wir konnten uns an der Schönheit jener Berge nicht sattsehen. Wir priesen uns glücklich, daß unsere Augen all' diese Herrlichkeit schauen durften. Da sprach in un­sere Fröhlichkeit hinein ein Mitwanderer das bittere Wort:Wie bald ist diese Frühlingsherrlichkeit wie­der im Eis erstarrt. Und wie bald ist auch unser Leben vorüber. Drum kann ich mich nicht so richtig an der Schönheit dieser Welt freuen." Viel später bin ich einmal auf See gefahren. Ein herrlicher Sonnenuntergang nach einem besonders leuchtenden Tage erregte unser Entzücken. Welch köstlicher Tag! jubelten wir. Da sprach ein Mitreisender:Und wie bald kann es der letzte sein! Darum muß man jeden schönen Tag auskosten bis auf die letzte Freude!"

In jenen beiden Worten ist die Stellung des Weltmenschen zur Schönheit dieser Erde klar ge­zeigt. Weil sie nur diese Welt kennen, diese ganz irdisch gesinnten Menschen, verfallen sie entweder dem Pessimismus, der sich nicht mehr freuen kann an der Herrlichkeit dieser Erde, oder der krassen Genußseligkeit, die da spricht:Morgen können wir nicht mehr, darum laßt uns heute leben!" Aehnlich ist ihre Stellung zu Geld und Gut. Sie hängen daran. Und weil sie es nicht über ihr Leben hinaus festhalten können, entsagen sie entweder blutenden Herzens dem Götzen Geld, oder klammern sich bis zum letzten Atemzug mit allen Kräften an dies Phantom. Aehnlich ist auch die Stellung solcher Menschen zu Ehre und Macht. Für sie ist Ruhm und Ehre das höchste der menschlichen Güter. Und darum ist das Scheiden von ihnen ihre bitterste Qual.

Im Evangelium vom reichen Mann und armen Lazarus wird uns solch ein ganz auf das Irdische eingestellter Mensch in dem reichen Mann gezeich­net. Er hält sich an die Güter dieses Lebens bis zuletzt. Sie sind sein Ein und Alles. Er kennt nichts Höheres als sie. Und der Tod trennt ihn unerbitt­lich von all diesen irdischen Werten und führt ihn dorthin, wohin der gottentfremdete Mensch gehört in die Gottesferne, die wir mit dem Wort der BibelHölle" nennen. Der arme Lazarus aber hat in all seinem Elend die Nichtigkeit der irdischen Güter beizeiten erkennen gelernt. Er hat seine Seele auf ewige Werte einstellen können. Er hat in seinem Elend dort vor der Tür des reichen Man­nes den Wert über alle Werte den Herrn der Ewigkeit gefunden. Darum führt ihn der Tod hin zu diesem Herrn der Ewigkeit. Seine Seele, die sich schon in diesem irdischen Leben auf Gott ge­rüstet hat, schaut in der Ewigkeit den lebendigen Gott.

So mahnt uns dieses Evangelium vom reichen Mann und armen Lazarus, eine Umwertung der Werte schon hier auf Erden zu vollziehen. Wir sollen Nichtiges nicht über alle Maßen wichtig neh­men, aber das Eine, was not tut, die Ewigkeit, sollen wir überaus ernst nehmen. Mit den Worten des Apostels:Trachtet nach dem, was droben ist!", mit den Worten der frommen Liederdichterin: Schickt das Herze da hinein, wo ihr ewig wünscht zu sein!" Nehmen wir diese Umwertung der Werte nicht selber vor, dann nimmt Gott sie in der Ewig­keit vor, und dann wehe dem, der nur auf irdische Werte baute und von irdischen Werten lebte! Darum laßt doch in die Dinge der Zeit leuchten hinein die Ewigkeit! O wie würden dann so ge­rinne uns die kleinen alltäglichen Dinge, wenn die grafte Ewigkeit uns durchleuchtet die kleine Zeit."

Mit solcher Umwertung der Werte tun wir uns schon für dies Leben den besten Dienst. Da ist die Schönbeit der Natur. Wir aenießen sie jetzt doppelt, d»nn sie wird uns zum Sinnbild der tausendmal schöneren Ewigkeit unseres Gottes. So hat es der Dichter Trojan verstanden, wenn er im Hinblick auf den Rosengarten im Tale und den Rosengarten auf Bergeshöbn und einen dritten in der Luft, aus Margenücht und Duft gewoben, ausruft:Drei Rosengärten übereinander, wie das glüht! Mir ahnt es, daß darüber noch einer, der schönste, blüht!" Da ist Geld und Gut. Nun gebrauchen wir es als die Haushalter Gottes zum Besten unserer Mitmenschen. Da ist Ehre und Macht. Wenn sie

Aibrechi Nürer.

Ein deutsches Äildnis von Wilhelm Schäfer.

Als Wohlgemut Meister der Nürnberger Schil­derzunft war, brachte ein Goldschmied seinen Knaben zu ihm in die Werkstatt, weil der mit Eifer und Tränen zur Malerei wollte.

Albrecht Dürer war er genannt, hielt fleißig die Lehre, obwohl die wilden Gesellen des Meisters den zärtlichen Lehrling mit Hochmut und Schabernack plagten.

Nach seiner Lehre zog Albrecht Dürer gen Colmar, wo Martin Schongauer Meister der Stichelkunst war; er fand den Meister nicht mehr am Leben, aber er blieb als Geselle in Colmar, Straßburg und Basel und lernte so trefflich zeichnen, daß Men­schen, Tiere und Bäume auf seinen Blättern leib­haftig dastanden.

Daß er selber in Nürnberg Meister der Schilder­zunft würde, rief ihn der Vater endlich zurück und hatte ihm auch schon die Hausfrau gesucht aus gutem Geschlecht.

Aber der Sohn hob an zu ringen um reicheren Ruhm; er ließ die Frau und die Werkstatt und fuhr nach Venedig, begierig, die welschen Meister zu sehen und was sie mehr als die Deutschen ver­möchten.

Da sah er mit Staunen, wie gut sie den Bau des menschlichen Körpers und die Gesetze der Räumlich­keit kannten: rechte Körper recht in den Raum zu stellen nach ihrer Bedeutung, das schien ihm danach die Richtschnur, ein Meister zu werden wie sie.

Aber er war kein Welscher, er mußte zurück in die Nürnberger Werkstatt und mußte durch Mühsal die Wegspur suchen, wo jene mit lächelnder Leichtig­keit gingen.

Als er daheim war, fing er mit Holzschnitten an Heiligenbilder machten sie so für die Messen, Bilder geschnitten in hölzerne Platten und abgedruckt auf geschöpftes Papier er aber schnitt die vier­zehn Blätter der Offenbarung Johannis.

Da thronte inmitten der sieben Leuchter Christus hoch in den Wolken, seine Hand blitzte Sterne, aus dem Mund ging das zweischneidige Schwert; da kämpften die Geister im Himmel, und Michael traf den teuflischen Drachen; da ritten die grausigen Reiter zu viert durch die brausende Luft, den vierten Teil der Menschheit vernichtend.

Wirr wie der Troß dieser Träume waren die Striche: zerknitterte Wolken mit schäumenden Rän­dern, geringelte Locken, zackige Faltengewänder, flatternde Engel und wehende Bäume füllten den schwarzwoißen Raum seiner Blätter,

uns zuteil wird, nehmen wir sie aus Gottes Hand und gebrauchen sie zu Gottes Ehre. Und durch sol­chen Gebrauch der irdischen Gaben unseres Gottes wird unser Leben mehr und mehr umgewertet und umgewandelt für die Ewigkeit.

Und die Oickmilch?

Wir können dem Lobpreiser der Buttermilch nur dankbar sein, wenn er auf ein gutes und billi­ges Volksnahrungsmittel hinweist. Wie ist es aber mit derdicken Milch"? Verdient sie nicht auch unser Lob? Ich glaube sogar, daß sie die Butter­milch noch übertrifft an Aussehen und Geschmack. Aber darüber brauchen wir nicht zu streiten. Je­denfalls ist die Buttermilch, wenn wir genau nach­prüfen, nichts weiter als geschlagene oderge­leierte" Dickmilch. Sie ist so dünn wie Milch, wie dünne Suppe und ißt sich auch so.

Aber unsere liebe Dickmilch! Wenn da die Mut­ter einen Topf aus dem kühlen Keller holt, den Rahm abschöpft (man kann ihn natürlich auch darauf lassen und mitessen!) und dann die köstliche Milch in unsere Teller schüttet (gießt" kann man nicht sagen, denn die Masse ist gar zu dick!), daß die Brocken nur so fliegen! Das ist doch etwas für Kenner. Wie ein weißes Gebirge liegt sie im Teller, wie ein wogendes Meer. Man kann sie beinahe schneiden.

Als Kind habe ich mir nie viel aus Dickmilch gemacht, weil wir im Sommer gar zu viel von ihr bekamen, freilich auch Buttermilch. Diese letztere so­gar zum Mittagessen, dazu Kartoffeln und Eier­pfannkuchen, aber auch in Form von Suppe. (Ja, man kann sogar sehr gute Buttermilchpfannkuchen backen.) Dickmilch gab es aber ausschließlich abends, oder wenn wir gerade am späten Nachmittag vom Felde kamen. Da stieg einer der Erwachsenen in den Keller und holte den richtigen Topf herauf. Das erquickte uns mehr als Kaffee, Wasser oder gar Bier.

Nun herrschte einmal in unserem Dorfe eine böse Kinderkrankheit. Eins meiner Geschwister lag sterbenskrank darnieder. Der Arzt wußte keine Hilfe mehr. Da bestand mein Vater darauf, daß ein Professor" aus der Stadt geholt wurde. Er kam und verordnete allerlei. Mein Bruder genas auch später wieder.

Als der Professor aus der Krankenstube in unser Wohnzimmer trat, deckte meine Großmutter gerade den Tisch. Sie stellte zinnerne Teller auf, dazu einige Töpfe mit abgerahmter Dickmilch und einen Lalb Schwarzbrot. Ehe der Herr aus der Stadt

Da war noch einmal die gotische Welt, der Altar von Jsenheim glühte hinter den Strichen; aber die Sehnsucht des Nürnbergers war auf die Klarheit gerichtet: wie der Mond aus dem Gewölk wollte das Werk seiner Hand in den Sternhimmel steigen.

Der Sternhimmel stand, und der Mond stieg tapfer hinauf in die ewigen Räume, aber das krause Gewölk hing ihm an; bis der Tod seine Hand still legte, rang Albrecht Dürer um Klarheit und blieb in den Wolken der nebligen Wälder gehindert.

Rechte Körper recht in den Raum zu stellen nach ihrer Bedeutung, das blieb seine Satzung: aber die Körper sperrten sich sehr, und der Raum schwand im Gedränge der Vielheit, bis seinem Alter das Bild der Apostel gelang.

Dem evangelischen Wort gleich im Aufruhr der Tage standen sie da und füllten den Rahmen mit einfacher Größe: alles war recht, Körper und Raum und Bedeutung, nur das Gewand der Empfindung war auf welsche Weise gefärbt.

Zwischen den Zeiten war seiner Seele die Weite verschüttet, Herkunft und Hingang rangen in all seiner Kunst um die Stärke, weil ihm kein Füllhorn der Gegenwart Ueberfluß schenkte.

Niemals gelang ihm der Guß aus der glühenden Schmelze, wie er dem Altar Grünewalds Inbrunst, Grauen und Seligkeit gab.

Aber wie Jakob zwang er den Segen, als er den Stichel ansetzte, die deutschesten Blätter in Kupfer zu graben.

Den Ritter zuerst, wie er hinausritt von seiner Burg, Tod und Teufel zum Trotz den Kampfritt zu wagen: da saß er selber zu Roß und war ein Sinn­bild der Zeit, die mit gepanzerten Fäusten dem Geist wider die falschen Gewalten das Wegrecht zu zwingen gedachte.

Aber der Geist war in die Fesseln der Frage ver­strickt; mit lahmen Flügeln der Melancholie saß die Mutter der Dinge und konnte der Faust des Ritters nicht folgen, weil ihre forschenden Augen den Irrweg erkannten: so war das zweite Blatt seiner Stiche.

Aber das dritte war dies: im engen Gehäus faß der Greis und schrieb seine Blätter; da war der Tod nur noch ein Schädel, der im Abendlicht zwi­schen den Büchern und Kissen der Arbeit und Ruhe dem Dasein gehörte; Reineke Fuchs und der Löwe, Klugheit und Herrschergewalt lagen im Schlummer zu seinen Füßen, indessen die gläubige Einfalt ihr Tagewerk machte.

Drei Blätter in Kupfer gestochen: aber die alte und neue Zeit, Herkunft und Eingang des Geistes, waren darin mit deutscher Seele geschrieben.

zu seinem Hut griff, blieb er einen Augenblick stehen und sah nach dem Tisch. Dann sagte er: Was essen Sie denn da?"Dickmilch", antwortete meine Großmutter,das gibt es eben immer abends."Darf ich mitessen?" fragte der Stadt­herr. Wir waren alle sprachlos. Ein so vornehmer Mann mit hellem Sommerrock und weißem Stroh­hut wollte die einfache Kost mit uns einnehmen. Aber wir haben doch noch Wurst und Schinken. Das will ich gern holen, wenn Sie Hunger haben", sagte mein Vater.Aber warum denn?" lachte der Professor.Als Kind habe ich ja auch immer Dick­milch gegessen, und gar manchmal denke ich an diese Zeit zurück, wenn mir in der Stadt alles Mögliche zum Abendessen hingestellt wird. Gerade deshalb möchte ich heute einmal wieder dicke Milch, bei uns zu Hause sagt man «saure Milch', essen."

Da wurde er natürlich mit Freuden eingeladen, und ich weiß es noch ganz gut, daß er sich den Teller mehrmals füllen ließ. Er die Dickmilch ohne Zucker und Zimt, wie wir alle und dankte nachher so von Herzen, wischte sich den Bart ab und lachte immer, während er sagte:War das fein!" Ich war damals ein kleiner Knirps von etwa sechs Jahren. Aber ich habe mir alles genau ge­merkt. So etwas vergißt man nicht so schnell. Und von da ab bekam ich beinahe Ehrfurcht vor der Dickmilch, weil der vornehme Mann, der doch mei­nen Bruder gesund gemacht hatte, sie auch so gern . Und so ist es geblieben bis auf den heutigen Tag.

Dickmilch in der heißen Sommerzeit! Nichts Besseres gibt es! Und dabei braucht man keinen weiten Weg zu laufen. In Stadt und Land kann man sie bekommen. Die Hausfrau kann sie sich zu jeder Zeit Herstellen. Morgens werden einige ' "'r Milch mehr gekauft, in einen irdenen (nicht me> .le­nen!) Topf gegossen und in der warmen Küche stehen gelassen. Dann aber, wenn sie dick geworden ist, muß sie in den kühlen Keller.

Gaarkundgebungen.

Saarkundgebungen dürfen nur noch mit Geneh­migung der (Bauleitung durchgeführt werden. Alle derartige Veranstaltungen sind daher rechtzeitig der Kreispropagandaleitung zu melden, damit diese Ge­nehmigung eingeholt wenden kann. Wo diese Ge­nehmigung nicht vorliegt, ist jede öffentliche Kund­gebung von der zuständigen politischen Leitung zu unterbinden.

Kreisleitung Gießen der NSDAP.

I. A.: Schmelz, Kreispropagandaleiter.

Das Vermächtnis.

Von Frank I. Braun.

Herr von Bilsar hatte nicht mit der Absicht das Haus verlassen, die Kunstauktion Fabiani zu be­suchen, aber er war ein derart leidenschaftlicher Sammler alter Stücke, daß er an dem Haus in der Kleiststraße doch nicht vorbeikam. Als er wieder nach Hause ging, folgte ihm in geringem Abstand ein Träger mit einem kleinen r nben Tisch, der neuesten Erwerbung Herrn von jilfars.

Herr von Bilsar stellte den Tsich in die Mitte seines Zimmers und setzte sich bewundernd davor, als handle es sich um ein Oelgemälde. Der Kunst­händler hatte ihm versichert, er besaß es schriftlich, daß der Tisch aus dem Besitz des Grafen Solowsky aus dem Schloß bei Pernau stamme, das 1917 von Rotgardisten zum größten Teil zerstört worden war.

Herr von Bilsar war so entzückt von seinem Er­werb, daß er den Tisch näherrückte und die gedrech­selten Beine zu streicheln begann. Da geschah es. Zufälle lassen sich nicht erklären.

Herr von Bilsar merkte, wie das eine Tischbein sich lockerte. Als er sich mit dem vermeintlichen Schaden näher befaßte, konnte er zu seinem Er­staunen das Tischbein abdrehen. Es wog schwer und fi' m aus der Hand. Herr von Bilsar mußte sich ai :ien Stuhl setzen. Der Mund blieb ihm offen. Z-5 Tischbein war hohl und aus der Höh­lung waren etliche Goldstücke auf den Teppich gerqllt.

Nachdem er sich gefaßt hatte, sah er seinen Fund genauer an. Es handelte sich um Goldrubel, die seiner Schätzung nach einige tausend Mark aus­machen mußten. Nach einigem Ueberlegen faßte er den Entschluß, an den Bürgermeister von Pernau zu schreiben und zu erfragen, was aus dem Herrn des Schlosses und also aus dem ursprünglichen Be­sitzer des Tisches und seines Schatzes geworden sei.

Herr von Bilsar war ein wohlhabender und recht­lich denkender Mann. Es ging ihm nicht um das Geld, sondern viel eher darum, vielleicht Schicksal zu spielen oder wenigstens eine romantische Ge­schichte zu erleben.

Der Brief ging ab und Herr von Bilsar wartete drei Tage voll Spannung, dann kam die Antwort.

Der Bürgermeister von Pernau schrieb: Sehr geehrter Herr, auf Ihre Anfrage teile ich Ihnen ergebenst mit, daß das Schloß des Grafen Solowsky heute ein Jugenderziehungsheim beherbergt. Der letzte Besitzer des Schlosses war Graf Iwan Solowsky. Er wurde 1917 von Revolutionstruppen erschossen, da er sich weigerte« Schmuck und Geld heraus-

Kreisbetriebszellenabteilung Gießen.

Einzelmitglieder der DAF. Velr.: Kasse.

Um den Gießener Einzelmitgliedern der DAF., die von den Kassierern nicht angetroffen werden, die Möglichkeit zu geben, ihre Beiträge bis ein« schließlich Juni zu bezahlen, werden für die einzel« nen Ortsgruppenbereiche am Donnerstag, dem 5. und 12. Juli, nachmittags zwischen 6 und 7 U h r Kassenstunden eingerichtet, und zwar:

Ortsgruppe Gießen-Nord: bei Kasten« walter Fritz Geißler, Bahnhofstraße 621.

Ortsgruppe Gießen-Mitte: bei Kassen« walter Max Hardt, Gießen, Haus der DAF., Schanzenstraße 18.

Ortsgruppe Gießen-Süd: bei Kasten- walter Ernst Parr, Gießen, Haus der DAF., Schanzenstraße 18.

Ortsgruppe Gießen - Ost: bei Kasten« walter Johann L i x f e l d , Gießen, Kaiserallee 57.

Da ab 1. Juli 1934 neue Beitragssätze eingeführt werden, ist dies die letzte Möglichkeit, die benötig­ten Marken bis einschließlich Juni 19 3 4 zu erhalten.

gez. Wagner, Kreisbetriebszellenobmann.

F. d. R.: S ch w a b (Kaste).

NS-Lehrerbund Gießen-Stadt.

Abteilung Höhere Schule, Fachschaft für neuere Sprachen.

Die nächste Sitzung der Arheitsgemeinschaft fin­det am Montag, 9. Juli, 16 Uhr, in der Ober-Real­schule statt.

Krauß, Fachschaftsleiter.

Reichsbund Volkstum und Heimat.

Mittwoch, 11. Juli, nimmt der RVH. an der Fahrt des NSLB. nach dem G l a u b e r g teil. Ab­fahrt von Gießen 13.39 Uhr. Fahrpreis 2,80 Mark. Anmeldung und Fahrgeld bis 10. Juli an Herrn Bender, Walltorstraße 14, erbeten.

Frühkartoffeln in zwei Sortierungen.

Der Zeitungsdienst des Reichsnährstandes teilt zur besonderen Beachtung durch die Hausfrauen folgendes mit:

Der Witterungsoerlauf der Monate Mai und Juni hat es mit sich gebracht, daß die Frühkartoffeln in diesem Jahre vielfach kleiner ausfallen als in anderen Jahren. Nach der bisher gültigen Vor­schrift mußten Frühkartoffeln einen Querdurch­messer von mindestens 3,4 Zentimeter aufweisen. Um jedoch dem Verbraucher auch die kleiner aus­fallenden Kartoffeln restlos zur Verfügung zu stel­len, hat der Reichsbeauftragte für die Regelung des Absatzes von Frühkartoffeln angeordnet, daß vom 5. d. Mts. an im ganzen Reichsgebiet auch eine zweite Größenklasse in den Handel gebracht werden darf. Diese Größenklasse hat einen Quer­durchmesser von 2,8 bis 3,4 Zentimeter und ist im übrigen den gleichen Qualitätsvorschriften wie die erste Größenklasse unterworfen.

Auch für diese zweite Größenklasse wird jeweils ein Preis vom Reichsbeauftragten festgesetzt. Durch diese Regelung ist die Gewähr gegeben, daß alle anfallenden Frühkartoffelmengen restlos dem Ver­braucher zur Dersügung gestellt werden. Dadurch, daß der Preis für die zweiten Größenklasse erheb­lich niedriger festgesetzt wird als der der ersten Klasse, ist allen Volksgenossen die Möglichkeit ge­geben, sich in ausreichendem Maße mit Frühkar­toffeln zu versorgen. Ein Unterschied gegenüber der ersten Größenklasse besteht also nur in der Größe der Kartoffeln, während die zweite Klasse in der Güte der ersten Größenklasse durchaus gleichwer­tig ist. In einigen Gebieten des Reiches erfreuen sich diese kleinen Frühkartoffeln ganz besonderer Beliebtheit. Insbesondere die rheinische Hausfrau zieht vielfach diese kleinen Kartoffeln den größer anfallenden vor.

Um den Verbraucher auf jeden Fall vor Ueber- vorteilung zu schützen, hat der Reichsbeauftragte weiterhin angeordnet, daß , diese zweite Größen­klasse nur aus vorschriftsmäßigen, gekennzeichneten Säcken verkauft werden darf. Eine Vermischung von Größenklasse I und Größenklasse II ist unzu­lässig und wird bestraft. Die Hausfrau muß also beim Einkauf der Kartoffeln darauf achten, welche

zugeben. Angehörige existieren unseres Wissens nicht außer einem Sohn, der als zehnjähriges Kind von Bediensteten nach Frankreich gerettet wurde und heute in Paris leben soll.

Damit endete der Bericht.

Herr von Bilsar schrieb an das Pariser Melde­büro und erbat die Adresse. Auch auf diesen Brief erhielt er nach kurzer Zeit Antwort. Den jungen Grafen gebe es nicht mehr; es war da nur der Kellner Alex Solowsky aus dem russischen Caf6 Uspensky", dem das Geld wie eine Gabe des Himmels in den Schoß fiel, denn feine Frau sollte gerade ein Kind zur Welt bringen. Er schrieb einen so dankbaren Brief, daß Herr von Bilsar, wäre er ein anderer Mensch gewesen, sich hätte einbilden können, Almosen verteilt zu haben. So aber blieb ihm immerhin die Genugtuung, als Treuhänder des Zufalls ein Vermächtnis in die rechten Hände geleitet zu haben.

Kunss und Wissenschaft.

So schauten sie den ersten Tttai.

Die gewaltigen Eindrücke des 1. Mai haben nun ihren künstlerischen Niederschlag in einer Aus- stellung im Frankfurter Städel gefun­den, die am kommenden Sonntag, 8. Juli,' vom Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger persönlich eröffnet wird. Die Fülle der Einsendungen ist dank der tatkräftigen Unterstützung der Ausstellung durch den Landespropagandaleiter Müller-Scheld so groß gewesen, daß die Jury, um die Säle des Städel nicht zu überlasten, ungefähr die Hälfte der Einsendungen hat zurückstellen müssen. Unter den Ausstellern ist Josef Correggio mit zwei Werken vertreten, von denen besonders seinAuf­marsch der Fahnen" einen ungewöhnlichen starken Eindruck hinterläßt. Ferner finden wir Bilder des Frankfurter Altmeisters G u d d e und seiner Schü­lerin Rausch. Während viele Künstler einfach die Vorgänge des 1. Mai im Bild festhalten, hat der Hanauer Ewald ein ungewöhnlich fesselndes Ge­mälde von stark symbolischer Bedeutung geschaffen, das er mitEhrung der Arbeit durch den Führer" bezeichnet. Ausgezeichnete Graphiken haben Bar­to l m e s - Bad Homburg, M u l o t - Wiesbaden und Professor Ebers- Offenbach geliefert. Gegen­über dem Eingang zur Ausstellung grüßt uns der durch den bekannten Frankfurter Bildhauer Emil Hub charakteristisch wiedergegebene Kopf des Füh­rers. Bei der Fülle der ausgestellten Werke, unter denen auch Altstadtbilder von intimem Reiz und ausgezeichnete Landschaftsbilder festzustellen sind, wird der Ausstellung sicherlich ein starkes Interesse entgegengebracht werden.