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hat. Der rSmische Feldherr Lukullus besiegt ums Jahr 70 v. Chr. feine Gegner Mithridates und Tigranes und eroberte ungeheures Beutematerial. Darunter befand sich auch ein Kirschenbäumchen, das er mit der ganzen Beute aus Kleinasien mit nach Rom brachte und in seinem eigenen Garten zu Casarus on Italien anpflanzte. Seine Gärtner entwickelten in der Pflege der Pflanze großes Ge­schick und dadurch, sowie durch Veredelung fand die Kirsche bald ihren Weg nach den übrigen Län­dern in Europa. Als ihr Ursprung ist jedenfalls Klein- und Südasien anzusehen. Auch die Kirsche, die ebenso wie die Kartoffel aus einem fremden Erdteil nach Europa eingewandert ist, wurde an­fänglich nicht sonderlich geschätzt, errang sich aber bald sehr große Beliebtheit und Heimatrecht.

Mit dem Reifen der Kirschen muß auch wieder an einige Vorsichtsmaßregeln gedacht wer­den, -**n sich und andere vor Schaden zu bewahren. Zunächst sind es einmal die Unfälle und Verletzun­gen, die alljährlich beim Pflücken der Frucht Vor­kommen, die zur Warnung Anlaß geben. Bei der Abnahme der Früchte prüfe man das Leiternmate­rial vor feinem Gebrauch, gebe der Leiter einen sicheren Stand und versteife sich nicht darauf, auch die schier unerreichbaren Früchte an den äußersten Enden der Zweige noch zu pflücken. Denn erstens kann das sehr gefährlich werden und zweitens wollen die Spatzen und andere Vögel auch noch ein paar Kirschen haben.

Sicherer läßt sich auf schwanker Leiter hantieren, wenn diese an mehreren Stellen angebunden ist. Diese Vorsichtsmaßregel verursacht nicht viel Ar­beit und ist namentlich bei hohen Bäumen zu emp­fehlen. Weitere Gefahren drohen durch das unbe­dachte Ausspucken und Wegwerfen von Kirschen­kernen an den Gehwegen, was nicht nur für alte und sonst gebrechliche Leute, sondern unter Um­ständen auch für ganz Gesunde zum Verhängnis werden kann. Die Kinder sollen auch dahin belehrt werden, die Kirschkerne nicht zu verschlucken. Sehr gefährlich ist es für klein und groß, unmittelbar nach dem Genuß von Kirschen Wasser ober andere Flüssigkeiten zu trinken.

Betriebszählung her Lanh- unh Forstwirtschaft in Deutschlanh. Aus der großen Berufs- und Betriebszählung vom 16. Juni 1933 wird, wie das Rdz.-Büro mel­det, nunmehr das endgültige Ergebnis der Zählung der in Deutschland vorhandenen land- und forst­wirtschaftlichen Betriebe bekanntgegeben. Gegen­über den vorläufigen Zahlen sind bei der endgül­tigen Ueberarbeitung des Materials im Deutschen Reich noch 7000 land- und forstwirtschaftliche Be­triebe mehr ermittelt worden. Es hat also am 16. Juni 1933 im Deutschen Reich insgesamt 3 046 638 land- und forstwirtschaftliche Betriebe mit mehr als 0,5 ha Betriebsfläche gegeben.

Die gesamte Fläche dieser Betriebe, also die land­wirtschaftlich, forstwirtschaftlich und gärtnerisch be­nutzten Flächen, Haus- und Hofflächen und die übrigen zum Betriebe gehörigen Flächen umfaßten im ganzen 41387 720 ha. Da die durch 93er» Messung ermittelte Gesamtfläche des Deutschen Reiches ohne Saargebiet 46,88 Millionen ha be­trägt, wird von den land- und forstwirtschaftlichen Betrieben mit mehr als 0,5 ha ein Anteil von etwa 88 v. H. dieser Gesamtfläche eingenommen. Die Übrigen 12 v. H. entfallen zum kleineren Teil auf Gärten und sonstige Kleinbetriebe bis zu einem halben Hektar bewirtschafteter Bodenfläche, ferner auf alle sonstigen Benutzungsarten, bebaute Grund­stücke, Wege, Eisenbahngelände, auf Gewässer so­wie unbenutzte Flächen.

Jrn einzelnen sei noch hervorgehoben, daß von der Gesamtzahl der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe mehr als ein Viertel eine Betriebsfläche zwischen 0,5 und 2 ha hat. Die mittelbäuerlichen Betriebe mit 5 bis 20 ha, die überwiegend als Ackernahrung" zu betrachten find und hauptsäch­lich von der Familie bewirtschaftet werden, stellen mit 1070 Millionen Betrieben mehr als ein Drittel aller Betriebe dar, während ihre Fläche mit rund 10,63 Millionen ha etwa ein Viertel der gesamten Betriebsfläche ausmacht. Etwa ebensoviel Fläche besitzen die großbäuerlichen Betriebe, obwohl ihre Zahl nur 322 000 beträgt.

Gickcncr Wochcnrnarktpreise

* Gießen, 7. Juni. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Süßrahmbutter, das Pfund 1,45 bis 1,50 Mark, Landbutter 1,30 bis 1,35 Mark, Matte 20 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Wirsing (grün) 15 bis 20, Gelbe Rüben 10 bis 15, Spinat 10 bis 15, Römischkohl 10 bis 15, Bohnen (grün) 25 bis 35, (gelb) 40 bis 45, Erbsen 25 bis 30, Tomaten 40 bis 50, Schwarzwurzeln 8 bis 10, Kartoffeln (alte), das Pfund 3% Pf., der Zentner 3,20 bis 3,30 Mark, (neue) das Pfund 12 Pf., Aepfel 20 bis 30 Kirschen 25 bis 30, Stachelbeeren 20 bis 25, Erdbeeren 40 bis 55, junge Hähne 60 bis 80, Tauben, das Stück 50 bis 60, Blumenkohl 20 bis 45, Salat 8 bis 10, Salatgurken 30 bis 45, Oberkohlrabi 8 bis 10, Lauch 5 bis 10, Sellerie 20 bis 25, Radieschen, das Bund 8 bis 10 Pf.

Bornotizcn.

Tageskalender für Donnerstag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Zu Straßburg auf der Schanz".

** Sterbe fälle in Gießen. In der Zeit vom 16. bis 31. Mai 1934 verstorben in unserer Stadt: 17. Ernst Fenner, Grenadier, 19 Jahre alt, Landgraf-Philipp-Platz 4; 20. Heinrich Schäfer, Rentner, 72 Jahre, Dammstraße 39; 21. Minna Emilie Benner, geb. Casper, 60 Jahre, Steinstr. 51; 26. Karoline Christiane Höpfner, geb. Pfeil, 75 Jahre, Bückingstr. 2; 26. Anna Elisadetha Schmoll, geb. Adami, Wwe., 70 Jahre, Stephanstraße 49; 27. Elisabetha Helferich, geb. Jung, Wwe., 68 Jahre, Kaplansgasse 15; 29. Christian Kaiser, Friseur­meister, 42 Jahre, Bruchstraße 3; 29. Luise Horn, geb. Laudon, Wwe., 68 Jahre, Horst-Wessel-Wall 25; 29. Siegfried Schäler, Kaufmann, 48 Jahre, Marktstraße 20.

** Industrie und Handel helfen der Landwirtschaft. Die Industrie- und Handels­kammer Gießen sieht sich veranlaßt, alle ihr ange­schlossenen industriellen und Handelsbetriebe noch­mals dringlich darauf hinzuweisen, daß männliche und weibliche Arbeitskräfte aus der Landwirtschaft nur mit vorheriger Zustimmung des Arbeitsamts eingestellt werden dürfen. Diese Bestimmung gilt auch für solche Personen, die innerhalb der letzten drei Jahre in lanowirtschaftlichen Berufen tätig waren. Zweck dieser Anoxdnung ist,dem Bauern diejenigen Arbeitskräfte wieder zuzuführen, die er zur Einbringung der Ernte und zur Sicherung der Volksernährung dringend benötigt.

** Schwerre Motorradunfall. In der Nacht zum Mittwoch ereignete sich in der Marbur­ger Straße ein schwerer Motorradunfall. Der etwa 20jährige Flugschüler Tllius, der mit feinem Motorrad von Marburg kam, stürzte aus bisher

nicht geklarte Weise mit seinem Motorrad so schwer, daß er mit einer schweren Gehirnerschütterung in die Chirurgische Klinik eingeliefert werden mußte. Der Soziusfahrer erlitt keinerlei Schaden.

** 23 o m Frauenverein vom Roten Kreuz für Deutsche über See, Ortsgruppe Gießen, erhalten wir folgende Zuschrift: Am 9. und 10. Juni tritt das deutsche Rote Kreuz vor die Oeffentlichkeit mit einer groß aufgezogenen Sam­mel- und Werbeaktion für alle Gebiete der Hilfe und Fürsorge an deutschen Volksgenossen. Unter den Sammelnden wird auch der zum deutschen Roten Kreuz gehörige Frauenverein vom Roten Kreuz für Deutsche über See nicht fehlen. Tau­sende wertvollster deutscher Menschen haben sich, meist durch bittere Not gezwungen, fern der Hei­mat, zum größten Teil in unfern alten Kolonien, ein neues Leben gegründet. Dem Schutz des Vater­landes weit entrückt, der Willkür fremder Macht­

haber preisgegeben, oft in ungünstigen gesundheit­lichen und klimatischen Verhältnissen leben diese Deutschen in kleinen Siedlungen oder in völliger Einsamkeit und kämpfen treu und unerschütterlich für ihre Familie und ihr Deutschtum. Wenn noch so ernste Sorgen den einzelnen im engsten Vater­land bedrücken, wir dürfen nicht aufhören, diese starken Zellen bester deutscher Art in fernen Län­dern zu schützen. Der Frauenverein vom Roten Kreuz für Deutsche über See hat die Aufgabe übernommen, durch Aussendung von erstklassig ausgebildeten, mit ärztlichem Material ausgerüste­ten Schwestern unfern Deutschen über See, vor­nehmlich den Frauen und Kindern, wenigstens die dringlichste gesundheitliche Fürsorge zukommen zu lassen. Am 9. und 10. Juni muß das deutsche Volk den starken Willen zeigen, jede gesunde lebens­kräftige deutsche Familie, auch in fernsten Ländern, zu stützen und zu fördern.

Reichsschwimmwoche vom ll.bis 24.3imil934.

Die Durchführung in Hessen.

Das Staatspresseamt teilt mit:

Unter der ParoleSchwimmen muß All­gemeingut des deutschen Volkes wer- d e n" wird in ganz Deutschland in der Zeit vom 17. bis 24. Juni eine Reichsschwimmwoche durchgeführt. Mit der Unterstützung des Reichsmini­steriums des Innern und des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda wird der Deutsche Schwimmoerband in Gemeinschaft mit der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft und der Deutschen Tur­nerschaft auf Anordnung des Herrn Reichssportfüh­rers die Reichsschwimmwoche zu einer gewaltigen Kundgebung und Werbeaktion für das Schwimmen gestalten.

Außer den Schwimmern und Turnern werden alle Parteiorganisationen an den Veranstaltun­gen mitwirken, um die Bedeutung des Schwim­mens für den Menschen dem letzten deutschen Volksgenossen klarzumachen, denn Schwimmen ist die schönste und gesündeste Leibesübung für den Menschen.

Allein die bedauerliche Tatsache, daß in Deutsch­land jährlich Tausende den Tod durch Ertrinken er­leiden, genügt, die Wichtigkeit des Schwimmens für den Menschen darzutun. Aus diesem Grunde geht der Generalangriff der Reichsschwimmwoche auf das Riesenheer der Nichtschwimmer. Die Zahl der Volks­genossen, die des Schwimmens unkundig sind, ist immer noch erschreckend groß. Sie zu erfassen ist die oberste Ausgabe der Reichsschwimmwoche.

Unter der tatkräftigen Führung von Verwal­tungsdirektor Löwer, dem Leiter des Personal-, Turn- und Sportamtes beim Hessischen Staats- minifterium, wird die Reichsschwimmwoche nicht nur in Darmstadt, sondern in ganz Hessen zu einer gewaltigen Kundgebung für das Schwimmen wer­

den. Wenn auch erfreulicherweise in kleineren Städ­ten und in vielen Orten in den letzten Jahren mehr und mehr Bäder gebaut wurden, so bleibt aber gerade auf dem Lande eine große und dankbare Aufgabe bestehen.

Baut Bäbet!

ist eine der Parolen der Reichsschwimmwoche, die in dieser Beziehung ihre Aufgabe nicht verfehlen wird. Von allen hessischen Orten wie in Starken­burg beispielsweise Neu-Isenburg, Sprendlingen, Langen, Ober-Ramstadt, Jugenheim, Heppenheim, Lichtenberg, Lindenfels, Michelstadt, Groß-Umstadt, in Oberhessen Grünberg, Nidda u. a. m. mit ihren schönen Bädern muß der Ruf der Reichs­schwimmwoche weiter in das Land bringen:

Jeder Deutsche ein Schwimmer, jeder Schwim­mer ein Retter!"

Hier müssen alle mithelfen, denn Leibesübungen sind im nationalsozialistischen Deutschland keine Privatsache mehr, sondern Sache des Staates, lieber alle kleinlichen Vereinsinteressen hinweg müssen Turner und Sportler mithelfen im Sinne unseres Führers am Neubau unseres Vaterlandes. Welch große Bedeutung der Führer selbst den Leibesübungen beimißt, das hat er mehr als ein­mal gesagt, am deutlichsten wohl anläßlich des großen deutschen Turnfestes voriges Jahr in Stutt­gart. Ein starkes und gesundes Geschlecht heranzu­bilden, ist die höchste Pflicht des Dritten Reiches. Kann es eine bessere und gesündere Leibesübung als Schwimmen geben? Deshalb unterstützt alle die Ziele der Reichsschwimmwoche, helft mit, daß ihr Ziel erreicht wird:

Schwimmen muh Allgemeingut des deutschen Volkes werden!"

Wunder der Elektrotechnik.

Vortragsabend im KDAI. Elektrizitäts-Erzeugung, -Verteilung und Verwertung.

Die Bezirksleitung Gießen des K a m p f b u n - des der deutschen Architekten und In­genieure hatte für gestern abend zu einem Vor­tragsabend in das Lichtspielhaus Seltersweg ein­geladen. Der Einladung war zahlreich Folge ge­leistet worden. Das Lichtspielhaus war fast bis auf den letzten Platz besetzt. Der Abend in feiner Ge­samtheit brachte den Zuhörern eine große Fülle des Interessanten und ließ erkennen, welche un­geheure Fortschritte die Elektrotechnik in den letzten 50 Jahren gemacht hat. Wort und Bild vermittel­ten Großtaten deutschen Erfindergeistes und ließen wissen, daß der deutsche Geist, der in den Werken lebt, mit zäher Verbissenheit an Problemen ar­beitete, von denen der Laie im allgemeinen kaum eine Ahnung hat.

Diplom-Ingenieur Kurz eröffnete den Abend mit herzlichen Worten der Begrüßung an die Ver­treter der NSDAP., der städtischen und staatlichen Behörden und schließlich an die Reichswehr, die ein starkes Interesse durch zahlreichen Besuch erkennen ließ. '

Als erster Redner sprach

Dr.-Zng. A. Schliephake

über dieElektrizitäts-Erzeugun g".

Es habe eine Zeit gegeben, so führte er u. a. aus, da Elektrizität als ein Luxus angesehen wor­den sei. Heute bedeute die Elektrizität ständigen Bedarf an Licht, Kraft und Wärme. B-deutungs- voll fei die Elektrizität ganz besonders seit dem Zeitpunkt geworden, da man auch das Land mit Strom versorgen konnte. Die Elektrizitätsversor­gung sei dadurch aus einem privaten Jnteressen- kreis in ein öffentliches Interesse gerückt worden.

Die nationale Erhebung lasse die Elektrizitäts­wirtschaft in neuem Lichte erscheinen, in freund­licherem Lichte für den Abnehmer.

Die Entwicklung der Elektrizitätsversorgung habe am stärksten eingesetzt, als es gelang, den Strom bei hoher Spannung über weite Strecken zu leiten. Der erste Versuch in dieser Hinsicht sei im Jahre 1893 gemacht worden und zwar seien 200 PS von Lauffen am Neckar nach Frankfurt geleitet worden. Der Erfolg fei heftig angezweifelt gewesen, der Versuch habe aber ein glänzendes Ergebnis ge­zeitigt. Der geistige Vater des Versuches sei der unvergeßliche Oskar von Miller gewesen. Sein weitschauender Geist habe die Bedeutung der Kraftübertragung früh erkannt. In der Folge seien weitere große Leistungen entstanden, von denen nur ZschornewitzBerlin (während des Krieges) und KölnBludenz genannt seien. Diese letztere große Leitung sei 1926 unter Spannung gesetzt worden.

Das Sozialisierungsgesetz von 1919 habe der Entwicklung der Elektrizitätswerke Schranken ge­setzt. Im Verlaufe der Jahre seien aber doch, zum Teil unter Heranziehung von Auslandskapital, große Werke entstanden, die Deutschland mit ihren Kraftnetzen überzogen. Es fand schließlich eine Konzentrierung auf sieben große Werke statt, die 75 v. H. der Erzeugung in Deutschland an sich rissen.

Die Rheinisch-Westfalischen Elektrowerke und das Reichselektrowerk, die mit einer jährlichen Produktion von 2,8 bzw. 2,3 Milliarden Kilo­wattstunden arbeiteten, seien die größten in Europa.

Die Preag erzeuge nur 0,5 Milliarden Kilowatt­stunden, das Werk mühte aber trotzdem schon den großen Werken zugehörig gerechnet werden. Das

Gießener E-Werk gebe 0,01 Milliarden Kilo­wattstunden jährlich ab. Die Gräßenoerhältnisse der genannten Werke ließen sich an Hand dieser Zahlen klar erkennen.

In seinen weiteren Ausführungen beschäftigte sich der Redner mit den Rohstoffvorräten, auf denen die Produktion der E-Werke basiert. Feste Brennstoffe bildeten den Hauptanteil der Energiebasis. Nur 14 v. H. der Elektrizität würden durch Wasserkraft und 10 o. H. durch Gas erzeugt. 1913 habe noch die Steinkohle die Hauptenergiebasis dargestellt. Heute dominiere die Braunkohle. Es fei allerdings damit zu rechnen, daß die Braunkohlenvorkommen in etwa 100 Jahren erschöpft seien.

Der Bau von Talsperren werde in den letzten Jahren für und wider diskutiert. Ausschlaggebend für die Errichtung eines Werkes sei immer die Wirtschaftlichkeit, ferner die Lage; schließlich spiele die Frage der Arbeitsbeschaffung eine Rolle. In Bayern bestünde gegenwärtig Wassermangel, der das Walchenseekraftwerk in Schwierigkeiten ge­bracht habe. Heftig fühlbarer Energiemangel sei aufgetreten.

Neuartige Wasserturbinen ermöglichten es jetzt übrigens, große Talsperrenbauten zu vermei­den, da es mit diesen neuen Turbinen möglich sei, selbst geringe Gefälle wirtschaftlich auszu- nühen.

Die Wirtschaftlichkeit eines Werkes errechne sich in der Hauptsache aus wenigen großen Faktoren: Jn- stallationskosten, Transportkosten für den Brenn­stoff, und die Fernleitungskosten. Größere Betriebs­sicherheit würden möglichst viele Werke garantieren. Nicht zuletzt deshalb sei man auch schon nach einem Millerschen Plan zurVerbundwirtschaft" überge­gangen.

In seinen weiteren Ausführungen beschäftigte sich der Redner eingehend mit der großen Frage der Spitzendeckung", die für die Einrichtung der Werke maßgebend sei. Diese Spitzendeckung bedeute für die Werke eine große wirtschaftliche Belastung. Die Spitzendeckung werde im Laufe des Tages oft nur für ein bis zwei Stunden gefordert, die Maschinen­sätze müßten aber doch für diese Spitzendeckung be­schafft sein, seien aber nicht voll ausgenützt. Der Redner erwähnte kurz die Möglichkeiten der Spitzen­deckung auf rationellere Weise (Pumpspeicherwerk, Heranziehung von alten abgeschriebenen Werken usw.)

In seinen abschließenden Ausführungen beschäf­tigte sich der Vortragende noch mit der Strompreis­frage. Eine wesentliche Strompreissenkung werde kaum in Frage kommen können. Die Tarife seien in Deutschland grundverschieden, so daß eine Einheit­lichkeit sehr erwünscht erscheine. In Hessen seien in dieser Hinsicht bereits Anfänge zu verzeichnen. Kampfpreise zur Verdrängung des Gases seien un­angebracht. Vielmehr fei ein Zusammengehen mit der Gasproduktion nötig. Die Kohle sei zu wertvoll, um von den E-Werken direkt verbraucht zu werden. Es müsse dahin kommen, daß in den E-Werken nur noch Koks herangezogen werde. Das Werk in Wol­fersheim, do.'' auf dieser Basis arbeite, erscheine volkswirtschaftlich und energiewirtschaftlich glücklich. Die Elektrizitätswirtschaft sei mit der deutschen Energiewirtschaft in ihrer Gesamtheit auf das engste verknüpft. Aufgabe des Reiches werde es sein, diese Energiewirtschaft in ein organisches Ver- hältnis zueinander zu bringen. An Hand zahlreicher graphischer Darstellungen konnte der Redner seinen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag nach den verschiedensten Seiten hin vertiefen.

Als zweiter Redner sprach

Diplom-Ingenieur Kur;

der an Hand vieler ausgezeichneter Lichtbilder ein Elektrotechnisches Bilderbuch" vor Augen führte. Er schilderte die Entwicklung der Kraftstromtechnik vom Jahre 1880 an bis zum heutigen Tag und erläuterte in Wort und Bild die ältesten und die neuesten Maschinen. Er zeigte die ersten Strom­erzeugungsgeräte, mit denen die Bogenlampen ge­speist wurden und schilderte die Vervollkommnung so, wie sie sich in stetig fortschreitendem Maße vollzog.

Der Redner nahm bei verschiedenen Bildern Be­zug äuf die Ausführungen des ersten Vortragenden uno zeigte zu einigen von jenem erwähnten ge­schichtlichen Ereignissen Bilder, die von besonderer historischer Bedeutung waren. In vielen Bildern lernte man schließlich auch die riesigen Generatoren kennen, wie sie in den Großkraftwerken (Walchen­see-Kraftwerk, Goldenberg-Werk, Golpa-Zschornewitz usw.) zur Aufstellung gelangten. Nicht weniger

Haussammlung für den Lustsport!

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Jeder Spender fördert den Aufbau!

interessant waren die Bilder von dem Pump­speicherwerk Herdecke, das insbesondere zur Spitzen­deckung in Anspruch genommen wird und so ar­beitet, daß zu Zeiten überschüssiger und nicht ab- genommener Kraft Wasser aus einem See in einen hoher gelegenen See gepumpt wird, um bann, wenn die Spitzendeckungsleistung gefordert wird, innerhalb einer verhältnismäßig kurzen Zeit wieder über die Turbinen zu stürzen. An Hand weiterer Bilder erklärte dann der Redner auch die Heran­ziehung von Dieselmotoren zur Spitzendeckung, da ja gerade der wirtschaftliche Dieselmotor durch seine stetige Einsatzbereitschaft ein wertvolles Hilfsmittel darstelle. Er sprach ferner von Gasmotoren, in denen das billige Hochofengas Verwendung finden und in elektrische Kraft umgewandelt werden kann.

In weiteren speziellen Ausführungen beschäftigte sich Diplomingenieur Kurz noch mit den ver­schiedenen Arten von Umformungsgeräten und er­läuterte die Arbeitsweise von Gleichrichtern, von Transformatoren, ferner die Handhabung von Schaltern für große Energien und hier insbesondere wieder von den Druckgasschaltern und Wasserschal­tern in der Form, in der sie von der AEG. her- gestellt werden.

Den großartigen Abschluß des Vortragsabends bildete ein Film der AEG., der unter dem Titel Stromrichter" zunächst besonders die Her­stellung und die Wirkungsweise der Quecksilber­dampf-Gleichrichter schilderte und dann in seinem zweiten Teile auch noch die Wirkungsweise der Stromschalter für größte Energien, für Hundert­tausende von Pferdestärken, erläuterte. Der Film, der eine Fülle ernstester wissenschaftlicher Arbeit in sich schloß, der zweifellos unter großen wirtschaft­lichen Opfern und ebenso großen technischen Schwierigkeiten hergestellt worden sein dürfte, ließ erkennen, welche gigantischen Leistungen deutscher Jngenieurkunst aufgeboten werden mußten, um die Elektrotechnik zu jener Höhe zu führen, auf der sie sich heute nach einer nur verhältnismäßig kurzen, nur wenige Jahrzehnte langen Entwicklung be­findet.

Den außerordentlichen Vortragsabend schloß Diplom-Ingenieur Kurz mit herzlichen Worten des Dankes an die Zuhörer, für die große Auf­merksamkeit, die der immerhin schwierigen Materie entgegengebracht worden war.

Vom Finden und vom Finderlohn.

Vor kurzem ging durch die Tagespresse ein Be­richt über eine Verhandlung vor dem Berliner Schöffengericht, in der ein Droschkenchauffeur wegen Fundunterschlagung unter Anklage stand. Die Witz- biattfigur des zersteuten Pofessors, der überall etwas vergißt und liegen läßt, wird weit in den Schatten gestellt von der reichen Fabrikantengattin, die im Jahre 1931 einen Juwelenschatz von un­geheurem Werte in der Autodroschke des Ange­klagten hatte liegen lassen. Diamanten und Saphire, Brillanten und Rubine, Perlenkolliers und Arm­reife, Gold und Platin glitzerten vor den Augen des Chauffeurs, als er den von der Dame ver­gessenen Handkoffer öffnete. Der Lockung dieses gleißenden Schmuckes hatte er nicht widerstehen rönnen: er unterschlug den kostbaren Fund. Als sich nach der Verkündung des Urteils, das auf sechs Monate Gefängnis lautete, der Zuhörerraum leerte, konnte man immer wieder die Bemerkung hören: Hätte doch der Dummkopf lieber den Fund zurück­gegeben und seine 10 Prozent Finderlohn ein­gesteckt!"

Diese Meinung, der Finder habe einen Anspruch auf den Finderlohn von 10 Prozent, ist zwar sehr verbreitet aber falsch!

Diese Belehrung erteilte auch der Beamte des Fundbüros dem ftud. phil. Helmut Krüger, der soeben eine gefundene Handtasche abgeliefert hatte. Der gesetzliche Finderlohn", so erklärte er dem Finder, beträgt 5 Prozent bei Gegenständen im Werte bis zu 300 RM., von dem Mehrwert sogar nur 1 Prozent. Diese Handtasche durfte mit dem darin befindlichen Geld etwa 400 NM. wert fein. Sie hätten also einen Anspruch von 5 Prozent auf 300 RM. also 15 RM. und 1 Prozent von 100 RM. Mehrwert, im ganzen also einen Finderlohn von 16 RM. Stud. phil. Krüger, der während der letzten 30 Tage des Monats vollständigabge­brannt" zu sein pflegte, war tief enttäuscht, wurde aber von dem Beamten damit getröstet, daß er nach Ablauf eines Jahres das Eigentum an der Tasche erwerben würde, falls sich die Eigentüme­rin nicht melden sollte.

Außerdem habe er doch das Bewußtsein, als ehr­licher und anständiger Mensch gehandelt und sich nicht der Fundunterschlagung schuldig gemacht zu haben. Derglückliche Finder" wurde verlegen.

w M C 2 *500 / vL» 1«20