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Nr. 208 Erstes Blatt

M. Zahrgang

Donnerstag, 6. September 1934

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Des Führers Proklamation an das deutsche Volk.

Die Eröffnung des Parteikongreffes.

Nürnberg, 5. Sept. (DNB.) Marschmusik weckte in den .frühen Morgenstunden die Stadt Nürnberg aus dem Schlummer. Die Absperrmann­schaften, die den ganzen Weg vom Quartier des Führers bis zur Kongreßhalle im Luitpoldhain umsäumen, ziehen auf ihre Plätze. Im Luitpold­hain herrscht seit Stunden Hochbetrieb. Die Kongreß­teilnehmer und Besucher sind schon frühzeitig er­schienen, um sich einen guten Platz zu sichern. Die Kongreßhalle hat sich gegen das Vorjahr wenig verändert. Wieder sind die vorherrschenden Farben das matte Graugelb der Wand- und Deckenbespan­nung, das Rot der hohen Säulen, von denen sich in Silber das Hoheitszeichen wirkungsvoll abhebt. Nur daß diesmal die dem Saal zugekehrten Schmal­seiten der Säulen vom Boden bis zur Decke über und über mit künstlichen Blumen bestickt sind. An der Stirnseite des Saales prangt in gewaltigen Abmessungen das Hakenkreuz. Von Lorbeer um­rankt über der Eingangspforte, durch die der Füh­rer den Kongreßsaal betreten wird, steht, in ge­waltigen Lettern:Alles für D e u t s ch la n d !" Zwischen zwei Säulen vor dem Podium, auf dem der Führer, die Spitzen des Staates und der Partei Platz nehmen werden, sind auf der Bühne Tonfilmapparate und gemaltige Scheinwerfer mon­tiert. Den rückwärtigen Teil des Podiums füllt das Reichs-Symphonie-Orchester in hunkler brauner Festkleidung, dahinter sind der Spielmanns- und Musikzug der Gruppe Franken aufmarschiert.

Kurz nach 11 Uhr schmettern Fanfaren: Der Führer kommt. Der Musikzug Franken into­niert den Badenweiler Marsch. 30 000 Menschen erheben sich von den Plätzen und recken die Arme zum Deutschen Gruß. Am Eingang der Halle ist der Führer von allen Reichs- und Gauleitern, den Ober- und Gruppenführern der SA. und SS. und den Obergebietsführern der HI. empfangen und durch die Saalmitte durch ein Spalier wie Bild­säulen stehender SS.-Männer zum Podium ge­leitet worden. Hinter ihm folgen der Stellvertreter Rudolf Heß, der Frankenführer Streicher und seine Adjutanten, dann die Blutfahne des 9. November 19 2 3, die vor dem Reichs- Symphonie-Orchester hinter den Reichs- und Gau­leitern Aufstellung nimmt. Dann ziehen die ruhm­bedeckten Standarten der Bewegung, an der Spitze die Adolf-Hitler-Standarte, durch die Mitte der Halle, teilen sich vor dem Podium und nehmen vor der Stirnseite Aufstellung.

Die unsterblichen Töne desMeistersingers-Vor­spiels, gespielt vom Reichssymphonieorchester, fluten durch den festlichen Raum und nehmen Herz und Seele gefangen. Als dann die ersten Takte des Niederländischen Dankgebetes erklingen, erheben sich die Zehntausende zum Gedächtnis der für die Größe Deutschlands gefallenen Freiheitskämpfer der Bewegung. In die Schlußbitte des altes Lie­des dröhnen in dumpfem Wirbel die Pauken, schmettern die Fanfaren:Herr, mach uns frei!" Und wieder erhebt sich der Kongreß, als der Stellvertreter des Führers

Rudolf Heß

den 6. Parteitag mit einem ehrfurchtsvollen Ge­denken an den Generalfeldmarschall und Reichsprä­sidenten v. Hindenburg eröffnet. Er führte u. a. aus: Nach einem vorbildlichen soldatischen Leben ging dieser große Deutsche von seinem Volke, nach­dem er die revolutionären Kräfte des jungen Deutschland, der Frontgeneration unter Hitler mit seinem Segen zur Führung Deutschlands eingesetzt

hatte, lieber das Grab hinaus danken wir Natio­nalsozialisten dem ehrwürdigenAlten Herrn", als der er in der deutschen Geschichte weiterleben wird, die große Tat des Aneinderfügens des neuen deut­schen Idealismus an die Traditionen der deutschen Vergangenheit. Sein Name erfüllte auch die übrige Welt mit Achtung. All denen, die uns Deutschen ihre Anteilnahme bei seinem Tode zum Ausdruck brachten, dankt die nationalsozialistische Bewegung. Wir gedenken des Generalfeldmarschalls als des ersten deutschen Soldaten des Krieges und geden­ken damit zugleich unserer gefallenen Kameraden.

Für den heiligen Glauben an das Vaterland dieser Millionen Toten sind auch die Kämpfer lm braunen Hemd des Nationalsozialismus gefallen. Un­ser handeln ist die Vollendung ihres Millens.

Unter gedämpftem Trommelwirbel verliest da­

nach der Chef des Stabes Lutze die Namen der 400 für die deutsche Freiheit gefallenen Kämpfer, während sich hinter ihm die Blutfahne neigt. Noch einmal werden bei der Nennung der Namen, deren viele heute in die Herzen aller Deutschen einge­drungen sind, bei dem Aufruf derer, mit deren Blut und Leben der Boden für den Sieg der na­tionalsozialistischen Bewegung Schritt für Schritt erstatten wurde, die Jahre des Kampfes und der Verfolgung, des Leides und der Unterdrückung lebendig, und vor dem geistigen Auge der hier ver­sammelten alten Kämpfer ziehen ihre Gestalten vor­über. Sie marschieren im Geist in ihren Reihen mit.

Dann hat der Stellvertreter des Führer, Rudolf Heß, wieder das Wort, der zunächst die Hinter­bliebenen der gefallenen Freiheitskämpfer, dann die Gäste des In- und Auslandes, die Mitglieder der Reichsregierung und der Parteiftellen sowie der Wehrmacht begrüßt, die zum erstenmal an dem Parteitag der Bewegung teilnehmen.

Der Wortlaut der Proklamation des Führers

Nach Begrüßungsworten des Gauleiters des Gaues Franken, Streicher, verlas der Sprecher der NSDAP., Gauleiter Wagner, die Pro­klamation des Führers.

Parteigenossen und Parteigenossinnen! National­sozialisten!

Seit sich aus den General-Mitgliederversamm­lungen der Nationalsozialistischen Partei der erste Parteitag in München entwickelte, sind nur etwas über elf Jahre vergangen. Welch eine kurze Spanne Zeit und welch gewaltige Wand­lung! Der sechste Parteitag der Bewegung, der vierte in Nürnberg, ist eine Heerschau, die selbst den uns nicht Nahestehenden einen Eindruck ver­mitteln wird von der Macht der Bewegung und der besonderen Art ihres Wesens sowohl als ihrer Orga­nisation, die beide in der deutschen Geschichte fein Vorbild besitzen, sondern einzig sind. Es gibt über­haupt kaum eine Demonstration politischer Art in der Welt, die so sehr wie diese charakteristisch und eigenartig die herrschende politische Idee und die in ihr fundierte Staatsgewalt zum Aus­druck bringt. Erfüllt von der Selbstsicherheit und Disziplin der nationalsozialistischen Lehre und ihrer Organisation ist sie eine ebenso klassische Demon­stration wie umgekehrt die Parteitagungen der bür­gerlich - parlamentarischen Demokratie symbolisch waren für deren geistig-unsicheres Jdeekonglomerat und ihre turbulenten Auswirkungen.

Der Entschluß, diese Manifestationen des national­sozialistischen Kampfes heuer schon wieder statt­finden zu lassen, entstand aus der Erkenntnis des Umfanges und der Bedeutung des Geschehens in dem hinter uns zurückliegenden Zeitraum von zwölf Monaten. Wir haben wahrlich ein Recht, auf fünfzig Wochen zurückzublicken, in denen mehr und Größe­res geschah, als manchmal in fünfzig Jahren frü­herer deutscher Geschichte. Zwei Erkenntnisse wollen wir als geschichtliche Tatsachen werten:

1. Das Jahr vom September 1933 bis zum Sep­tember 1934 brachte d i e endgültige Festi­gung der nationalsozialistischen Macht in Deutschland. Der Kongreß des Sieges war der Beginn eines Verfolgungskampfes, in dessen Verlauf von uns eine feindliche Stellung nach der anderen aufgebrochen und eingenommen wurde.

2. Dieser selbe Zeitraum war aber für die natio­nalsozialistische Staatsführung zugleich ein Jahr gewaltiger konstruktiver und produk- tiver Arbeit.

Daraus ergibt sich eine notwendige und unzwei­felhafte Feststellung:

Die nationalsozialistische Revolution ist als revolutionärer, machtmäßiger Vorgang abge­schlossen! Sie hat als Revolution restlos er­füllt, was von ihr erhofft werden konnte. Diese Feststellung ist wichtig, weil bei jeder Revo­lution nur zu leicht von Phantasten oder In­teressenten die Grenzen des Möglichen verkannt oder bewußt übersehen werden. Es gibt keine Revolution als Dauererscheinung, die nicht zur vollkommenen Anarchie führen müßte.

Der Sinn einer Revolution kann nur sein, Wider­stände, die von der allgemeinen Trägheit einer Zeit, von traditionsgebundenen Interessen oder vom bösen Willen gegen eine zweckmäßige und damit natürliche und notwendige Entwicklung aufgerichtet werden, durch einen Akt völkischer Selbsthilfe und damit Notwehr zu beseitigen.

Dort, wo sich solche Vorgänge aber im ewigen Wechsel wiederholen, erscheinen nicht be­herrschende Ideen oder zwingende Lebensnotwen-

Unter dem neuen Staatsgnmdgeseh.

Er fährt dann fort: Dieser Parteitag ist der erste unter der unumschränkten Herrschaft des National­sozialismus. Er steht im Zeichen Adolf Hitlers als oberstem und alleinigem Führer der Deutschen, i m Zeichen desFührers" als ftaatsrecht- lich verankerter Begriff. Die Vereidigung der gesamten Wehrmacht und Beamtenschaft Deutsch­lands auf den Führer gibt der völligen Machtergrei­fung des Nationalsozialismus geschichtlichen Aus­druck. Die Parteitage der NSDAP, sind in ihrer inneren Größe einzigartig, weil der Rückblick auf die geleistete Arbeit des Nationalsozialismus das Vertrauen eines Millionenvolkes begründet weil das Volk die geschichtlichen Richtlinien sei­nes künftigen politischen Lebens er­fährt.

Die Richtlinien gibt der Führer. Das oberste Prinzip seiner als einziges Kampf­mittel für Deutschlands Wiederaufstieg ein­gesetzten Bewegung ist das Gesetz der Totalität, welches alle Maßnahmen der nationalsozialistischen Führung des Reiches dik­tiert. Vom Zentralpunkt des Glaubens her wird der Strom zur Erweckung der nationalen Kräfte in alle Glieder des Volksorganismus geleitet; in gegenseitiger zweckvoller Ergänzung werden die Einzelhandlungen zur Wiederbele­bung des gesamten Volks- und Staatskörpers durchgeführt.

Was der Nationalsozialismus hierbei erreichte und einleitete das werden im Rahmen dieses großen Kongresses führende Parteigenossen Üar- stellen. Sie werden in ihrer Gesamtheit zeigen, wie die einzelnen Maßnahmen auf Teilgebieten zu der totalen Kraftanstrengung des deutschen Volkes ge­führt haben. Die totale Kraftentfaltung aber sie ist nur möglich gewesen nach der gewaltigen Umwälzung des Denkens und Han­delns unseres Volkes, die das Leben und die Lehre Adolf Hitlers herbeigeführt haben.

Mein Führer! Um Sie stehen die Fahnen und Standarten des Nationalsozialismus der sieg­reichen Freiheitsbewegung Deutschlands. Wenn ihr Tuch einst mansch sein wird wenn spätere Ge­nerationen in heiliger Verehrung die Siegeszeichen

grüßen erst dann werden die Menschen ganz fähig sein, rückblickend die Größe unserer Zeit zu verstehen und zu begreifen, was Sie, mein Führer, für Deutschland bedeuten.

Wein Führer! Sie gaben Millionen Menschen die Arbeit wieder. Sie gaben Deutschland den Ehrenfrieden wieder. Sie stellten die verlorene Ehre der Ration wieder her. Sie haben den Deutschen wieder den Glauben an sich selbst gegeben. Sie gaben den Deutschen neue Grund­lagen für ihre Zukunft. Sie haben den Opfer­tod der Millionen deutscher Soldaten des großen Krieges in eine lebendige Sinngebung für das deutsche Volk verwandelt. Sie errich­teten die Volksgemeinschaft aus jenen Idealen, für die unsere gefallenen Frontkameraden star­ben. Sie kennen den Krieg; Sie er­halten den Frieden. Sie haben ein ge­schlagenes Volk aufgerichtet. Ihre Stärke gab dem Volk neuen Glauben des Volkes Glaube macht Sie stark. Sie find Deutschland: Wenn Sie handeln, handelt die Ration. Wenn Sie richten, richtet das Volk!

Unser Dank ist das Gelöbnis, in guten Tagen und in bösen Tagen zu Ihnen zu stehen! Zu Ihnen zu stehen, komme, was da wolle! So wie die alten Kämpfer der Bewegung zu Ihnen standen im Ringen um die Macht, gleich, ob gute oder böse Tage kamen! Dank Ihrer Führung erreichte die Bewegung ihr Ziel: Deutschland zu werden. Dank Ihrer Führung wird Deutschland sein Ziel er­reichen: Heimat zu sein für ein treues Volk der nationalen Selbstbehauptung und der sozialen Ge­rechtigkeit. Heimat zu sein für alle Deutschen der Welt! Unter den alten und neuen Fahnen mar­schieren wir diesem Ziel entgegen nach Ihrem Willen Ihr Wille ist uns Befehl! Sie waren uns der Garant des Sieges, Sie find uns der Ga­rant des Friedens. Dem Führer Sieg-Heil!

Die Rede des Stellvertreters des Führers wurde immer wieder von begeisterten Beifallskundgebun­gen und stürmischen Heilrufen unterbrochen und steigerte sich am Schluß zu einem gewaltigen Be­kenntnis des Parteikongresses zum Führer. Mi­nutenlange Heilrufe folgten den Worten des Stell­vertreters des Führers:Wenn Sie handeln, han­delt die Nation, wenn Sie richten, richtet das Volk!"

Der Festakt im Saal des Nürnberger Rathauses. 'Neben dem Kanzler die Nachbildungen der Reichskrönungsinsigmen hinter chm die Truhe, in der die echten Insignien einst aufbewahrt wurde«.

Die Eröffnung des Parteikongreffes in der LuitpoldHalle, bei der Gauleiter Wagner als Sprecher der Partei dis Proklamation des Führers verliest.

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