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m. 129 Drittes Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhellen)Mittwoch, (r.Zuni 1934

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Der Rattenfänger von Hameln.

Entstehung und Deutung einer berühmten (Soge.

Die 650-Jahr-Feier der Rattenfänger- Sage, die in Hameln an der Weser in diesen Sommermonaten begangen wird, lockt viele Gäste noch dieser geschichtlich denkwürdigen, von Kunst und Natur so reich bedachten Stadt und läßt uns auch dem Ursprung der Sage nachsinnen, der Hameln seine Weltberühmtheit verdankt. Wilhelm Raabe, der in seiner Erzählung von denHämel- schen Kindern" eine historische Deutung versuchte, sagt einmal, es sei dieser Geschichte kaum eine andere gleichzusetzen,welche wie sie geheimnis­vollen Schauder und dumpfes Grauen erregt" und so hat sie die Phantasie der Dichter besonders an­geregt. In der meisterhaften Fassung durch die Brüder Grimm hat sie ihre endgültige Prägung erhalten. Im Laufe ihrer Entwicklung hat die Sage mancherlei Umwandlungen erfahren; die Dämonie, die noch der englische Dichter Robert Browning in seiner hinreißenden Dichtung gestaltete, ist ebenso in Goethes lustiger Ballade wie in Julius Wolffs einst so viel gelesenem Epos verschwunden. Die Sagenforschung hat sich immer wieder mit dem Problem der Entstehung des Stoffes beschäftigt und die mannigfachsten Deutungen oorgetragen, die zwar zu keiner völligen Klärung führten, die uns aber einen tiefen Einblick in das Walten und Weben des Geistes der deutschen Sage gewähren.

Erst seit dem Ende des 16. Jahrhunderts tritt uns die Geschichte von dem buntgekleideten Pfeifer entgegen, der mit dem gellenden Pfiff seines Zauber-Instrumentes die Hameler von der Ratten- und Mäuseplage befreit und um seinen Lohn be­trogen wird. Während alle Erwachsenen in der Kirche sind, kehrt er am Tage Johannes und Paulus, dem 26. Ium, heimlich zurück und lockt die Kinder Hamelns, 130 an der Zahl, mit seiner Pfeife heraus und führt sie durchs Ostertor, worauf er mit ihnen in einer Höhle des Kuppen- oder Kalvarienberges verschwindet Dafür, daß der Sage ein tatsächliches Ereignis zugrunde liegt, ist oder war eine ganze Anzahl von Zeugnissen vorhanden.

Das wichtigste Denkmal ist ein aus zwei Teilen bestehender Stein, der oben die Zahl 1531, unten die Zahl 1556 trägt und in lateinischen Versen ver­kündet, daß272 Jahre, nachdem ein Zauberer hpndertdreißig Kinder aus der Stadt geführt, dieses Tor gebaut wurde". Der Stein, der früher am Reuen Tor stand, befindet sich jetzt in der Krypta der Münsterkirche. Aehnliche Inschriften sind an zwei Häusern angebracht, die aber erst im Anfang des 17 Jahrhunderts erbaut wurden. Aus den Daten, die sich aus der lateinifchen Inschrift er­schließen lassen, kommt man auf die Jahreszahl 1259 und 1284. Das Jahr 1259 spielt in der Ge­schichte Hamelns eine wichtige Rolle, denn am 28. Juli fiel im Kampf für die Freiheit die Blüte der Hameler Jugend in der unglücklichen Schlacht bei Sedemünde gegen den Bischof von Minden, der die Stadt gekauft hatte. Wichtiger erscheint das Jahr 1284, das in allen Quellen übereinstimmend als Zeitpunkt des Auszuges der Kinder angegeben wird. Daher wird auch jetzt am 26. Juni, dem immer wieder genannten Jahrestag, die eigentliche Feier in Hameln abgehalten.

Dr. Otto M e i n a'r d u s , der sich besonders um die Erforschung der Sage verdient gemacht hat, fand in einem jetzt nicht mehr vorhandenen Passio- nal im Archiv des Bonifazius-Stiftes die hand­schriftliche Aufzeichnung, daß die Einwohner Hamelns am 26. Juni hundertdreißig Kinder im Kalvarienberg verloren hätten. Eine andere uralte Ueberlieferung erklärt den Namen der Straße, durch die die Kinder zum Ostertor geführt worden sein sollen, derBungelose", damit, daß keine Bunge, d. h. Trommel, hier gerührt werden durfte. Auch andere Zeichen der allgemeinen Volkstrauer wer­den erwähnt, so, daß die Hameler in Briefen und Urkunden die Zeitnach unser Kinder Ausgang im soundsovielten Jahr" rechneten.

In allen diesen Zeugnissen ist aber nur von dem tragischen Untergang der Kinder die Rede, aber nicht das Geringste von dem unheimlichen Spiel-

mann und den Ratten. Man wird daher in diesem dürren und schmucklosen Bericht die ursprüngliche Fassung der Sage sehen müssen, die erst später durch die Volksphantasie ausgeschmückt und mit anderen Sagenelementen verschmolzen wurde. Zum erstenmal findet sich die Rattenfänger-Geschichte mit allen Einzelheiten, die ihr eine großartig-unheim­liche Stimmung verleihen, in der vierten Auslage des lateinischen Werkeslieber die Blendwerke der bösen Geister" von dem bekannten Bekämpfer des Hexenwahnes Johann Weier, die 1577 erschien. Aus seinen Mitteilungen geht hervor, daß er selbst in Hameln war und dort alle erreichbaren Angaben über die Sage sammelte. Er hat das von Meinar- dus erwähnte Passionale sowie die damals noch vorhandenen Urkunden und Stadtbücher eingesehen und sogar die heute nicht mehr nachweisbare Berghöhle" besichtigt, in der die Kinder ver­schwanden. Den Hamelern war diese Geschichte, die ihre Stadt in aller Munde brachte, gar nicht an= aenehm. Man machte ihnen in dickleibigen Büchern schwere Vorwürfe, daß sie durch ihr betrügerisches Verhalten gegen den Rattenfänger so furchtbare Folgen heraufbeschworen hätten, und im Auftrage des Rates verfaßte 1654 der Hameler Senator Dr. jur. Sebastian Spilcker eine Gegenschrift, in der er die ganze Sage in das Bereich der Fabel verwies. Damit war die Sache aber nicht aus der Welt geschafft: die Sage wurde immer mehr zur eigentlichen Stadtsage Hamelns und ist es ge­blieben bis auf den heutigen Tag.

Bei ihrer Deutung ist davon auszugehen, daß zwei ganz verschiedene Teile miteinander verknüpft wurden, wie dies gerade bei der deutschen Sagen­bildung häufig ist, und daß der einfache geschicht­liche Kern eine grandiose Ausgestaltung erfuhr/ die sich zu einer kunstvollen Dichtung von Schuld und Sühne entwickelte. Vielleicht ist der Keim ein gro­ßes Kindersterben gewesen, wie es in jenen Tagen, da derschwarze Tod" wütete, nicht selten war. Vielleicht klingt auch eine Erinnerung an jenen Kinderkreuzzug mit, der von Deutschland seinen Ausgang nahm und bei dem Tausende von Kin­dern, die im religiösen Wahn den Zug ins Heilige Land wagten, an den Küsten des Mittelländischen Meeres untergingen ober in die Sklaverei verkauft wurden. Es ist die unheimliche Stimmung jener Kinderlahrten" undTanzkrankheiten", die dabei mitspricht. Das alte Glasgemälde der Marienkirche

war wahrscheinlich eine Totentanz-Darstellung, in der ja auch das Kind nie fehlt, das von dem Älles- bezwinger fortgeführt wird. Damit fällt ein erklä­rendes Licht auf die Gestalt des Pfeifers. Der Tod ist gern als Spielmann bargestellt worben, der zum letzten Lebenstanz auffpielt und zwar erscheint er im Volkslied alsbunter Mann", was zur farbigen Kleidung des Rattenfängers stimmen würde.

Diese in vielen Sagen auftretende Vorstellung hängt zusammen mit der bereits der Antike gelöu- figen Anschauung vom Totengott als dem Ent­führer der Seelen, der alsder Älte" die Abgeschie­denen z. B. im Hörselberg bei Eisenach um sich ver­sammelt. Mit dem Tob sinb aber im Volksglauben Maus unb Ratte verknüpft: sie sinb Sinnbilber des Sterbens, unb als ein solches Symbol ist u. a. in der Lübecker Marienkirche an der Hinterwand des Altars eine Maus in Stein gehauen, die an einer Baumwurzel sitzt. Sehr merkwürdig ist der Zu­sammenhang zwischen den Nagetieren und der Pest, denn wir wissen heute, daß die Ratte die Ueberträ- gerin der Bubonen-Pest ist, was den Menschen des Mittelalters unbekannt war, wovon sie nur vielleicht eine dunkle Ahnung hatten.

Die Seelen der Toten werben in ber Sage bis­weilen als Mäuse dargestellt, die dem voranschrei- tenden Totengott folgen. Jedenfalls haben wir also wohl in der Hameler Rattenfänger-Sage einen Toten-Mythos zu erblicken, der burch ein großes Kinbersterben hervorgerufen wurde wie es ums Jahr 1284 infolge der furchtbaren Pestseuchen sozu­sagen an der Tagesordnung war. Der Tod als Spiel­mann, die Kinderseelen als sein Gefolge, die Ratten als Sinnbild der Seuche erklären sich so zwanglos. Der Auszug der Kinder hält das Bild eines Massen­begräbnisses fest, bei dem die Hameler ihr Liebstes dem Schoß der Erde übergeben. Um diesen Kern hat sich bann später bie reiche Phantastik ber Sage mit den verschiedenen Einzelzügen gebildet.

Daten für Mittwoch, 6. Juni.

1779: der Dichter Alexander Serg. Puschkin in Moskau geboren (gestorben 1837): 1816: Chri­stine von Goethe geb. Dulpius in Weimar gestorben (geboren 1765); 1869: der Komponist Siegfried Wagner in Triebschen bei Luzern geboren (gestor­ben 1930).

Adalbert Güsters Geburtshaus niedergebrannt.

Das Geburtshaus des Dichters Adalbert Stifter in Oberplan (Böhmer Wald), das, wie bereits gemeldet, durch Brandstiftung eingeäschert wurde.

England feierte den Geburtstag des Königs.

Der Vorbeimarsch ber ßonboner Garberegimenter von König Georg (X) bei ber Parade anläßlich bes 69. Geburtstages des Königs am 3. Juni.

Nachdruck verboten!

24 Fortsetzung

Herr Doktor! Ein Lichtblicks Kennen Sie einen Mann, ber wie folgt aussieht?" ...

Rakenius horchte auf. Sein Hirn arbeitete fieber­haft. Qualvoll war biefes hoffnungslose Warten für ben arbeitgewohnten Mann. Nur feine völlige Schuldlosigkeit gab ihm Ruhe unb inneren Halt.

Plötzlich zuckte er sichtlich zusammen.

Der Beschreibung nach könnte es sich um einen Mann namens Doktor Olas Olsen hanbeln, einen dänischen Industriellen. Ich wunderte mich, daß meine Frau ihn kannte. Er hat keinen guten Leu­mund. Ich verhandelte mit ihm wegen ber Lizenz­vergebung meines Entgiftungsverfahrens besLeucht- gafes. Mehr kann ich leider nicht aussagen."

Und Sie sind zu keinem Abschluß gelangt?"

Nein' Ich zögerte noch. Auch mein Vater riet aus verschiebenen Grünben zur Zurückhaltung. Die Aufzeichnungen liegen noch wohlverwahrt im Tresor meines Arbeitszimmers."

Evuchulbigen Sie mich jetzt, Herr Doktor! Ich hoffe ben Dingen einen Schritt näherzukommen. Haben Sie getrost ein wenig Hoffnung, es konnte |ein, baß ich Ihnen halb Ihre Freiheit rotebergeben f°T)er Untersuchungsrichter verbeugte sich leicht gegen ben bekannten Wissenschaftler.

Rainer von Rakenius atmete hörbar auf. Aber er mißtraute biefer schnellen Wenbung.

Olaf Olsen? Nein, ausgeschlossen! Alles in ihm sträubte sich dagegen, einen Menschen °hn<- -ne geringsten Beweise einer so grauenhaften -tat zu

Ellen Ehlers unb Bernb Caßler würben entlassen.

Ich banke Ihnen herzlich für Ihre Aussage. Ich hoffe, sie wirb bem Gericht von Nutzen sein.

Währenb Ellen unb Bernb Caßler mit bem billigen Mietwagen nach ber Norbstraße Zstruck- fuhren, raste ber Untersuchungsrichter mit einem Wachtmeister in seinem Dienstwagen in bie Rake-

3m$Arbeitszimmer bes Chemikers burchsuchte er den Tresor sorgfältig nach ben w^/vollen Aus­zeichnungen, aber ber Tresor barg nichts begleichen mehr.

Lind nun, Ellen?

Vornan von Käthe Mehner

Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Derlag, Halle (S.)

Neunzehntes Kapitel.

Einige Stunben später würbe Rainer von Rake­nius aus ber Haft entlassen.

Aufrecht unb stolz ftanb er neben bem Beamten.

Entschulbigen Sie vielmals, Herr Doktor; aber wenn biefe junge Dame nicht gekommen wäre weiß Gott, es sah döse aus."

Dame? Welche Dame? Schon roieber eine Dame?" Das Gesicht Rainers zeigte maßloses Erstaunen.

Ja! Fräulein Ehlers! Sie wußte viel unb schleppte sich trotz Krankheit hierher. Gott gäbe, es wären mehr Menschen unter rücksichtsloser Ein­setzung ihrer Gesunbheit bereit, einanber zu helfen. Sie ist fristlos entlassen worben biefes arme Menschenkind Mit einem Herrn Caßler war sie hier. Nur bitte, setzen Sie sich noch nicht mit ihr in Verbinbung. Am besten warten Sie noch: ich rate nur gut. Es macht keinen guten Einbruck auf bie Untersuchung."

Der Blick Rainer von Rakenius' suchte irgenbroo Halt unb fanb ihn boch nicht.

Seine Seele war tief aufgewühlt.

Ich bin nun schon roieber in ber Schulb biefes reizenben Menschenkinbes unb noch immer barf ich ihm nicht banken?"

Wie war es nur möglich, baß Ellen ihm in biefer furchtbaren Situation burch ihre Aussage hatte helfen können? Was wußte sie? Doch so sehr er sein Hirn auch zergrübelte, er kam zu keiner Lösung.

Frau Zimmermann lief ängstlich unb erregt zur Tür. Die Klingel hatte sie mächtig erschreckt. Wer kam nur jetzt zu ihr?

Ein kleiner, untersetzter Herr stand vor ber Tur, suchte sie mit seinen Brillengläsern bis ins Innerste zu burchbringen. Der Blick bes Mebiziners. Hinter ihm ein junges Mäbchen in kleibsamer Schwestern­tracht. .

Gestatten Sie Professor Glockmann. Hier meine Schwester Linbe. Ich hätte gern Fräulein Ehlers untersucht."

Frau Zimmermann war keines Wortes fähig. Sie wies nur nach bem Innern ber kleinen Woh­nung unb schritt voran in ihr gutes Zimmer mit ben schlichten, sauberen Möbeln.

Der Professor zog ben Hut, blieb aber stehen.

Fräulein Ehlers hat boch aber einen Arzt", raffte sich Frau Zimmermann enblich auf.Wir können boch nicht einen zweiten bezahlen, unb vor allem keinen wie ben Herrn Professor."

Verehrte Frau Zimmermann, ist ja alles nicht nötig. Kostet ja nichts. Nur helfen will ich bem armen, kranken Menfchenkinbe. Kommen Sie!

schlechten, schlechten Menschen... Sie haben bas arme Kinbchen zu schwer getroffen. Unb bann sie hörte ja nicht. Sie fuhr weg bei biefem Wetter. Nun liegt sie ba." Die rotgeweinten Augen ber alten Frau feuchteten sich schon roieber bei ben letzten Worten.

Führen Sie mich nur zu ihr. Kommen Sie! Sie ist ja noch jung. Wirb schon alles roieber werben."

Die Ruhe bes Arztes teilte sich auch Frau Zimmermann mit. Eine leise Hoffnung trat in ihre guten Augen, unb unwillkürlich griff sie bittenb nach ber Hanb bes bekannten Nervenarztes.

Wenn Sie so sprechen, Herr Professor..." Zu­versicht belebte ihr Gesicht.Der Herr Professor werben bas schon besser wissen als ich alte Frau."

Wie ohne Leben lag bie Kranke, ben Kops leicht zur Seite geneigt. Aus ber Wange glitzerten Tränen. Nur ber Ärzt erkannte, baß in biefem Körper un­heimliches Fieber raste.

Fräulein Ehlers?"

Feuchtglänzenbe, ergreifenb schöne Augen sahen ihn voll an, boch schon roieber verzerrte Angst bas liebliche Gesicht.

Was wollen Sie? Laßt mich boch allein! Ich tue ja nichts gar nichts .. Bin ja schon ent­lassen ... Alles gut... Er kommt boch frei ja?"

Frau Zimmermann brückte ben Zipfel ihrer blauen Küchenschürze an bie Augen. Die Schwester biß auf bie Zähne Nur ber Arzt behielt seine gleichmäßige Ruhe.

Er wußte zu gut: Hier hals nur gütiges Beruhi­gen unb viel, viel sorgliche Liebe, wenn alles roieber ein wenig gut werben sollte. Die Nerven würben halb erholt sein, ba half bie Zeit. Doch bie Seele? Die arme, kleine, tobrounbe Seele brauchte Trost unb Halt, unb roieber Glauben an bie Menschen.

Ich bin boch aber Ihr Freunb, Fräulein Ehlers. Sehen Sie mich nur einmal an... So ist's gut. Sehen Sie nun: ich bin Facharzt. Ich will Ihnen nur helfen, Kinbchen. Die kleinen, bummen Nerven haben uns einen bösen Streich gespielt, aber bas roirb schon roieber!" Er saß auf einem Stuhl neben, bem Krankenbett unb griff nach ber heißen, un­ruhigen Hanb.

Die Kranke ließ ihn gewähren.

Ich habe aber kein Gelb weiter Nur noch ein paar Monate Gehalt. Das brauche ich für bie Zukunft. Ach, es war ja so schön, arbeiten zu bürfen. Nun ist roieber alles aus ..."

Nichts ist anbers, liebes Fräulein Ehlers. Sie haben immer Gelb. Ihr Gehalt läuft boch bis ans

Sie können nicht zu -ihr. Sie ist ja so schwer krank. Weinkrampf. Nerven kaputt. Nein, bie Enbe Ihres Lebens. Ich kann es Ihnen schriftlich geben."

Jetzt kam Leben in bas Gesicht ber Kranken. Mit tränenverschleiertem Blick sah sie in bas feine, gütige Gesicht bes Arztes:

Sie kommen von Geheimrat von Rakenius?"

Ja, mein Kinb. Sehen Sie nicht wahr? Sie sinb boch nur wegen Ihrer schlechten Gesund­heit entlassen. Er schickt mich. Ich soll Ihnen helfen. Sind Sie ihm nun noch böse?"

Böse?" Ein sterbensmattes Lächeln zuckte um ben schönen Munb.Böse ach, nein. Ich war nie böse. Er hatte wohl seinen Grunb. Nur, ich hätte so gern, so gern bort gearbeitet..."

Der Arzt setzte bas Gespräch nach biefer Richtung nicht fort. Es erregte bie Kranke boch noch zu sehr.

Kinbchen, sehen Sie mal hier ist Schwester Linbe. Sie wirb nun immer bei Ihnen bleiben. Immer. Sie sollen nicht mehr allein sein gelt? Unb jeben Morgen unb Abenb komme ich. Unb in einigen Tagen besuchen Sie mich mal mit ber Schwester. Ich habe ein großes, schönes Haus und eine liebe Frau unb zwei nette, kleine Kinber, bie sinb so luftig... Nicht wahr. Sie kommen schon einmal. Meine Frau weiß schon unb freut sich auf Sie .. .*

Ja wenn ich nur kann, Schwester?"

Unb benfen Sie, Doktor von Rakenius ist frei, Fräulein Ehlers. Sie sinb boch stark Sie haben ihm geholfen."

Ich? O Gott!, bann ist ja alles gut alles, alles gut. Aber ihm nichts sagen nein?"

Er weiß ja noch nichts. Nein, nein. Wirb auch nichts wissen."

Ein seliges Lächeln huschte über bas Gesicht unb sah auf ben bleichen Züge ergreifend aus. Müde sank Ellen in bie Kissen zurück; schon roieber schien sie mit ihrer Kraft am Enbe.

Leise streichelte ber Arzt bie feinen Finger. Ellen fielen bie Augen zu, unb schon war sie ein­geschlafen.

Auf leisen Sohlen schlichen sich Frau Zimmer­mann unb Bernb Caßler aus bem Zimmer.

Drüben in Frau Zimmermanns guter Stube gab Professor Glockmann seine Anweisungen:

Also, Frau Zimmermann boch bas ist ja wohl ber Herr Caßler! Kenne Sie schon vom Hörensagen! Grüß Gott, tapferer Kerl... Also nun: Für Schwester Linbe muß ein Bett in bas Zimmer gestellt werben. Die Kranke braucht Auf­sicht. Sonst ist es nicht schlimm. Nur Ruhe und Frieden... Lassen Sie niemand zu ihr. Schwester Linde versteht ihre Sache ausgezeichnet. Sie wird auch für bie Ernährung unb alles sorgen. Geld haben Sie genug, Schwester?"

Ja, Herr Professor."

(Fortsetzung folgt)