SerMerschild desReiches siirGeheimraiSeebers
Berlin, 5. April. (DNB.) Prof. D. Dr. Reinhold Seeberg, dem Ehrenpräsidenten des Zenttal- ausschusses für Innere Mission, wurden an seinem 75. Geburtstag zahlreiche Ehrungen von Staat, Kirche und Innerer Mission zuteil. Dem Jubilar überbrachte Ministerialdirektor Donnewerth vom Reichsinnenministerium den Adlerschild des Deutschen Reiches und ein Handschreiben des Reichspräsidenten, in dem der Jubilar als Gelehrter von großem Ausmaß, als Doktor aller Fakultäten, als einflußreicher Lehrer zweier Theologengenerationen gewürdigt wird. „Als deutscher Gelehrter", so heißt es weiter in dem Schreiben, „haben Sie in guten und schweren Tagen die Ihnen anvertraute Studentenschaft m i t Weisheit, Würde und Entschiedenheit durch schwere Jahre geführt und sich um ihre nationale Erziehung erhebliche Verdienste erworben. Es ist mir daher ein aufrichtiges Bedürfnis, Ihnen im Namen des deutschen Volkes und für mich persönlich zu Ihrem Feiertage herzlichen Dank und aufrichtige Glückwünsche auszusprechen."
Für die Berliner Theologische Fakul- t ä t sprach Geheimrat Prof. Adolf D e i ß m a n n. Geheimrat Seeberg sei unter den lebenden Theologen der wichtigste Deuter der 2000jährigen Geschichte des Christentums, er sei aber auch zugleich der Former des alten Evangeliums für die neue Zeit. Als ein Prophet deutscher Gesinnung habe er
das Wesen der deutschen christlichen Frömmigkeit gestaltet und sei der akademischen Jugend Führer und Vorbild gewesen.
Die Grüße der Deutschen Evangelischen Kirche überbrachte der Reichsbischof persönlich. Dadurch, daß der Jubilar den Studenten, deren besonderes Vertrauen er allzeit besessen habe, Liebe zur Heimat und zum Heiland tief ins Herz gesenkt habe, habe er mitgeholfen, den Unterbau für die heutige kirchliche Erneuerung zu schaffen. Denn viele Tausende seiner Schüler stünden jetzt im ganzen Reich in der kirchlichen Arbeit und trügen in einer Sprache, die das Volk verstehen könnte, das weiter, was ihr großer Lehrer sie gelehrt habe.
Dann sprach für den Zentralausschuß für Innere Mission Präsident T h e m e l, für den Internationalen Verband für Innere Mission und Diakonie D. Full trug, im Namen der deutschen Frauen Frau Förster-Nietzsche und für den Kirchlich-Sozialen Bund Dr. I a g o w, der für die zum 70. Geburtstag Geheimrat Seebergs geschaffene Seeberg-Stiftung zur sozialethischen Erziehung der Studenten eine Spende überreichte. Den Reigen der Gratulanten beschloß ein Vertreter der Berliner Studentenschaft. Von Kultusminister Rust, von Oberbürgermeister Sahm und anderen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens waren Glückwunschtelegramme eingegangen.
Neue Treuhänder der Arbeit.
Berlin. 5. April. (DJtB.) Mit der vorläufigen Wahrnehmung der Geschäfte eines Treuhänders der Arbeit find in den nachstehenden Wirtschaftsbezirken folgende Herren beauftragt worden: Wirtschaftsbezirk Bayern: Kurt Frey. 21L d. R.; Wirtschaftsbezirk B r a n d e n b u r g: Dr. D a e s ch n e r; Wirtschaftsbezirk Riedersachsen: Dr. Jos. Klein; Wirtschaftsbezirk Pommern: Konteradmiral a. D. Claaßen; Wirtschaftsbezirk Lachsen: Ernst Ltiehler. TU. d. R.; Wirtschaftsbezirk Westfalen: Syndikus Karl Hahn.
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Der zum Treuhänder der Arbeit für Bayern ernannte Reichstagsabgeordnete der NSDAP. Kurt Frey ist 1902 in Ludwigshafen a. Rh. geboren. Er war am Aufbau der NSBO. in Bayern beteiligt und ist heute Landesobmann Bayerns der NSBO. und Bezirksleiter der Deutschen Arbeitsfront.
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Der neue Treuhänder der Arbeit für Brandenburg, Dr. Daefchner war bisher stellv. Leiter des Sozialamtes der Deutschen Arbeitsfront. Er wurde 1894 in Antwerpen geboren und studierte in Frankfurt a. M. Rechtswissenschaft. Nach dem Kriege, den er an der Front mitmachte, promovierte er zum Dr. jur. und legte das erste juristische Staatsexamen ab. Er war dann als Gießereiarbeiter und Drehen und als kaufmännischer Lehrling praktisch tätig. Anschließend war er lange Jahre Leiter einer Eisen- und Metallgießerei im Rheinland. Hier sammelte er auf sozialpolitischem und arbeitsrechtlichem Gebiete besondere Erfahrungen in seiner Eigenschaft als Mitglied des Schlichtungsausschusses Köln. Im Januar 1933 wurde er in die Reichsleitung der NSDAP, als Mitarbeiter im sozialpolitischen Hauptausschuß der NSBO. berufen.
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Der zum Treuhänder Niedersachsens ernannte Dr. Josef Klein ist 1890 in Köln geboren und studierte in Freiburg und Marburg Philosophie, Geschichte und Volkswirtschaft. Am Kriege nahm er vom ersten Tage an teil. Nach dem Kriege war er Sozialsekretär im Werk Uerdingen der IG. Farbenindustrie. Gleichzeitig war er führend in der deutschen Jugend- und Sportbeweaunq. So erhielt er 1926 die Preußische Adlerplakette für Verdienste in der Jugendwohlfahrt. Der NSDAP, trat er vor
einer Reihe von Jahren bei. Er ist heute Sturmhauptführer der SS. 1933 wurde er Treuhänder der Arbeit für Rheinland-Westfalen, das er jetzt mit Niedersachsen vertauscht hat.
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Der als Treuhänder der Arbeit für Pommern bestellte Konteradmiral Claassen wurde in Gold- beck in Hinterpommern geboren und trat 1898 in die Reichsmarine ein. Er nahm an der Bekämpfung des Herero-Aufftandes in Deutsch-Südwestafrika teil und war während des Krieges Kommandant des Hilfskreuzers „Rügen" sowie von mehreren anderen Kreuzern. An der Schlacht am Skagerrak nahm er an Bord des Kreuzers „Lützow" teil. 1919 führte er ein Freikorps-Bataillon, mit dem er im Ruhrgebiet und Mitteldeutschland gegen Spartakismus und Kommunismus kämpfte. Er war dann Kommandeur einer Marine-Artillerie-Abteilung sowie Kommandant der Festung Swinemünde. Nach seinem Ausscheiden aus der Reichsmarine trat er in die NSDAP, ein und wurde 1932 Fachberater für den Freiwilligen Arbeitsdienst Gau Pommern und Führer des Arbeitsdienstgaues V (Pommern-West).
Der zum Treuhänder der Arbeit für Sachsen ernannte nationalsozialistische Reichstagsabgeördnete Ernst Paul S t i e h l e r ist 1887 geboren. Er besuchte die Volksschule, erlernte das Maurerhandwerk und wurde 1907 Schaffner bei der Chemnitzer Straßenbahn. 1914 ging er als Kriegsfreiwilliger ins Feld und wurde 1918 als Sergeant gefangen genommen. Nach feiner Rückkehr in die Heimat wurde er Kassenassistent bei der Hauptkasse der Chemitzer Straßenbahn. Stiehler hat im Chemnitzer Gebiet die ersten Betriebszellen aufgezogen und ist heute Landesobmann der NSBO. im Gau Sachsen. Gleichzeitig Bezirksleiter der Deutschen Arbeitsfront.
Der zum Treuhänder für Westfalen in Essen ernannte Syndikus und Hauptmann a. D. Karl Hahn ist 1883 geboren. Er war in den Jahren 1919 bis 1933 Syndikus des Landesausschusses für die sächsischen Arbeitgeberverbände und Geschäftsführer des Verbandes der Holzindustrie und Stuhlfabrikation in Sachsen. Seit Auflösung der Arbeitgeberverbände leitete er die Rechtsstelle bei der Deutschen Arbeitsfront, Bezirksleitung Sachsen.
Der Mord auf Schloß Wallershausen.
Oie Meinung 6er Sachverständigen. — Zeugenaussagen über die Persönlichkeit des Angeklagten.
Schweinfurt, 5. April (DNB.) Der zweite Verhandlungstag begann mit der Vernehmung der Sachverständigen. Ooermedizinalrat Dr. H a r t i g, der am 3. Dezember 1932 zusammen mit dem Bezirksarzt Dr. Hetterich die Leiche des Schloßbesitzers seziert hatte, erklärte, die Knochenzertrümmerungen sprächen für einen Nahschuß. Es sei anzunehmen, daß der Tod bald nach der Tat eingetreten sei, da die Blutung langsam verlief. Ein Selbstmord erschein, unwahrscheinlich. Der Hauptmann müsse höchstens Linkshänder gewesen sein, wogegen aber die Tatsache spreche, daß die linke Muskulatur schwächer entwickelt war. Frau Werther habe im Gefängnis einen außerordentlich ruhigen Eindruck gemacht. Weiter gab der Sachverständige an, keine Anzeichen dafür gefunden zu haben, daß Frau Werther Morphinistin war. Auch für eine hysterische Veranlagung konnte er Anzeichen nicht feststellen.
Dann folgte das äußer bemerkenswerte Gutachten des Sachverständigen Prof. Hermann Fischer von der Universität Würzburg. Seine erste Feststellung war, daß der ganze Monteuranzug des Liebig absolut frei von Blutflecken war. Nach seinem Ermessen habe die Baronin fünf Schüsse erhalten. Von den fünf Kugeln erwiesen sich drei als Bleigeschosse und zwei als Stahlmantelgeschosse, die zu einem Teil aus der amerikanischen Pistole des Hauptmanns Werther und zum anderen aus einem Revolver geringeren Kalibers gekommen fein mußten.
Als dritter Sachverständiger wurde Prof. R e i - chart gehört. Eine geistige Krankheit der Frau Werther halte er für ausgeschlossen, ebenso seien keine Anzeichen von Hysterie bemerkbar gewesen. Ihren Charakter bezeichnet der Sachverständige als einen ruhigen und abgeklärten
Zu diesen Ausführungen warf der Verteidiger Liebigs ein, daß sie sich nicht mit den Tatsachen vereinbaren ließen, daß Frau Werther ihre 65 Jahre alte Köchin, die ihr ihre ganzen Ersparnisse von 200 RM. geliehen habe und für ihre letzten Pfennige der Schloßherrschaft Essen gekauft habe, eine verlogene und hysterische alte Person nannte, und daß sie ferner einem jungen Mann, der einmal in der Gegend umherstreifte, 20 RM. gegeben und ihm ihre Hand und das Schloß Waltershausen versprochen habe, wenn er ihren Mann ermorden würde.
Als nächster Sachverständiger wurde Hauptmann Karl Fischer von der Landespolizei Nürnberg vernommen, der seinerzeit mit der Prüfung der i m Mordzimmer vorgefundenen G e - schosse beauftragt war. Der Kernpunkt feiner Ausführungen gipfelte darin, daß eine hochgradige 1 Möglichkeit bestehe für die Verwendung der L i e b i g s ch e n Pistole in der Mordnacht. Es sei sehr auffallend, daß von den aus einer Entfernung von etwa 20 Meter abgegebenen Schüssen nicht einer gefehlt, aber auch nicht einer lebensgefährlich getroffen habe.
Zeuge Hermann Jäger, ein 20jähriger Schneidergehilfe in Waltershausen, der lange Zeit mit dem Angeklagten befreundet war, äußerte sich dahin, daß ihm Liebig schon immer so vorgekommen sei, als ob er gerne aufschneide. Der Angeklagte habe ihm einmal erzählt, daß, wenn die Kommunisten wüßten, daß er sich in Waltershausen aufhielte, sie ihm nach dem Leben trachten würden. Er habe den Worten Liebigs nicht immer Glauben geschenkt. Es sei ihm aufgefallen, daß Liebig große Geldausgaben machen konnte. Liebig fei immer aut gekleidet gewesen, so daß sich der Zeuge dachte, der Angeklagte müßte über mehr Geld verfügen, als er verdiene. Streitigkeiten, die er mit Liebig hatte, führte er auf Eifersucht des letzteren zurück. Es kam dabei zu einer lebhaften Szene, als sich der Angeklagte erhob und dem Zeugen vorwarf, selbst nicht so fleckenlos dazustehen, denn er habe ja schon aus der Scheune eines armen Bauern Weizen gestohlen. Der Zeuge wußte weiter davon zu berichten, daß Liebig öfters abends, wenn er ausging, das Licht in feinem Zimmer brennen ließ, um seiner Herrschaft vorzutäuschen, daß er zuhause sei. lieber den Einbruch in der Nacht zum 16. Oktober 1932 berichtet er, daß er seinerzeit zwei Hopfenstangen am Schloßturm lehnen sah. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob mit Hilfe dieser Stangen in eines der oberen Stockwerke zu gelangen war, bekundete der Zeuge, daß dies nicht möglich sei, denn die Stangen seien viel zu schwach gewesen.
Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er glaube, daß Liebig fähig gewesen sei, diese grauenhafte Tat zu vollbringen, antwortete der Zeuge, manchmal sei Liebig sehr gut, manchmal aber auch das Gegenteil gewesen. Er sei lügenhaft, grob und gehässig. Liebig habe ihn öfter beim Schloßherrn verdäch
tigt, die Schuld zu tragen, daß der Wagen des Jägers auf Kosten des Hauptmanns zu Schwarzfahrten benutzt worden fei. Bezüglich des ersten Einbruches auf Schloß Waltershausen habe er, der Zeuge, einmal gesagt, man solle den Dieb auf dem Schloß suchen. Dabei habe er auf Liebig hingezielt, da dieser einen Freund der Tat bezichtigt habe. Auf Vorhalt des Verteidigers kann Jäger nicht aufrechterhalten, daß der Wagen feines Vaters mehrmals zu Schwarzfahrten gebraucht worden fei. Auch über das übermäßige Geldausgeben konnte er keine genauen Angaben machen.
Der nächste Zeuge, der Schuhhändler Steinruck von Königshofen, der dort einen SA.-Sturm führt, äußert sich zu der Tatsache, wie er seinerzeit dazu gekommen war, der Staatsanwaltschaft mitzu- teilen, daß Liebig unzuverlässig sei. Liebig habe sich
als Verräter erwiesen. Die Mitteilung an die Staatsanwaltschaft habe er aus eigener Initiative gegeben. Daß er am Tage der Absendung dieses Schreibens mit Frau Werther über diese Angelegenheit gesprochen habe, sei ein Zufall.
Liebig erklärt, daß er es als Nationalsozialist für seine Aufgabe gehalten habe, einen Mann, der der SA. den Rücken kehren wollte, anzuzeigen, er lasse'sich nicht als Verräter hinstellen, er habe deutsches Blut in seine nAdern, eine deutsche Mutter und einen deutschen Vater, der im Weltkriege gefallen sei.
Die Fortsetzung der Verhandlung findet am Freitag in Waltershausen statt, wo ein Lokal- termin ftattfinbet, zu der mehrere Zeugen von Waltershausen und ein Sachverständiger aus der Chemischen Untersuchungsanstalt in Stuttgart geladen sind.
Frankreichs Finanzkrisis.
Oer Appell an die Beamten, aber keine Senkung der Heeresausoaben.
Paris, 5. April. (DNB.) Im Anschluß an die ersten 14 Sparverordnungen richtet die Regierung einen Aufruf an d i e Beamten, in dem es heißt: ।
Die Regierung lenkt die Aufmerksamkeit aller Beamten auf die außergewöhnlich ernsten Beweggründe, die sie zwingen, Maßnahmen zu ergreifen, die die Beamten treffen. Trotz der bereits vorgenommenen Einschränkungen der Staatsausgaben in Höhe von acht Milliarden muß der noch be= tehende Fehlbetrag von vier Milliarden Franken abgedeckt werden, denn ein Land kann ebensowenig wie ein Privatmann ständig über seine Mittel hinaus leben. Die Auflegung von Anleihen zur Sicherung der zum Monatsende fälligen Zahlungen ruft ein ft ä ritz i g e s Anziehen des Diskontsatzes hervor, was für die Wirtschaft und die Finanz die bedenklichsten Nachteile hat. Alle anderen Mittel sind erschöpft. Die Regierung ist gezwungen, von den Beamten eine Herabsetzung ihrer Gehälter und Pensionen zu verlangen. Es gibt keine andere Wahl, als die Annahme dieses Programmes, oder die Schließung der Staatskassen oder Inflation.
Die Diener des Staates haben die schlimmen Jahre noch zu frisch in der Erinnerung, als nach dem Kriege die Gehälter nur jeweils durch Verfügung an den steigenden Preisstand angeglichen werden konnten, als daß sie der Regierung nicht bei ihrer Bemühung Helsen wollen, leichtfertige Lösungen zu vermeiden, deren erste und hauptsächlichste Opfer die Beamten selbst wären. Die von den Beamten geforderten Herabsetzungen in Höhe von 5 bis 10 v. H. sind weniger als die Senkung der Lebenshaltungskosten. Durch Annahme der Regierungsmaßnahmen werden die Beamten nicht nur zur Wiederherstellung der Staatsinanzen beitragen, sondern auch an der Aufrechterhaltung einer gefunden Währung mitgearbeitet haben, die für alle Franzosen das Unterpfand der Zukunftssicherheit ist.
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Das ist ein Ton, wie er in Frankreich selten vernommen wurde, dazu noch in dem Frankreich, das im Golde geradezu erstickt und als das reichste Land des Kontinents gilt. Es spricht nicht gerade für die Regierung, daß sie sich nicht anders zu helfen weiß, als die Beamtenschaft bluten zu lassen, obwohl mit einigen Strichen ein paar Ausgaben des Staates beseitigt werden könnten, die Milliarden verschlingen, aber tatsächlich überflüssig
find. Wir meinen die Aufwendungen für Heer und Marine. Frankreichs Landesverteidigung ist heute soweit ausgebaut, daß man sich auf Jahre hinaus weitere Ausgaben im bisheri- gen Umfange sparen könnte. Jedoch niemand, auch die halbautoritäre Regierung Doumergue nicht, wagt sich an den Heeresetat heran. Nun sollen die Beamten auf einen Teil ihres Einkommens verzichten, sehr wahrscheinlich auch noch die Pensionäre und die Frontkämpfer. Daß diese Finanzpolitik denkbar höchste Unzufriedenheit erregen muß, liegt auf der Hand. In der Beamtenschaft gärt es, das Wort Generalstreik wird bereits herumgereicht. Aber eins darf man doch nicht vergessen: die Drohung mit der Schließung der Kassen und die Inflation wird ihren Eindruck nicht verfehlen. Gerade in diesem Punkt wird auch die Beamtenschaft schließlich mit sich reden lassen und sich dem Gehaltsabbaudiktat, wenn auch widerwillig, beugen.
Hoffnungen und Zweifel der pariser preffe.
Paris, 6. April. (DNB. Funkspruch.) Die Morgenpresse beschäftigt sich ausführlich mit den bereits verabschiedeten Spargesetzen der Regierung und mit dem zweiten Abschnitt des Sparprogramms, der voraussichtlich anfangs nächster Woche in Kraft gefetzt werden soll. Die Blätter sind fast ausnahmslos mit üen Vorschlägen der Regierung einverstanden. Man fragt sich aber, ob es gelingen werde, auch b i e Oeffentllchkeit von der Notwendigkeit dieser Maßnahmen zu überzeugen und ob dadurch eine wirtschaftliche und finanzielle Besserung eintreten werde.
„Jour" schreibt, die erste Bedingung einer sozialen Wiedergesundung sei die finanzielle Festigkeit. Die Frage sei aber, ob sie aus den am Donnerstag in Kraft getretenen Gesetzeserlassen hervorgehen werde. Auf alle Fälle hätten diese Erlasse aber dem Lande bas Vertrauen wiedergegeben und würden wahrscheinlich die bisher im Sparstrumpf aufgespeicherten 30 bis 4 0 Mi11iarden Franken wieder in Umlauf setzen. — Das „Journal" schreibt, daß man auch von den ehemaligen Kriegsteilneh. mein Opfer fordern werde. Der Finanzminister und der Pensionsminister, der als Nichtparlamentarier in der Regierung fitzt und Vertrauensmann der Frontkämpferverbände sei, hätten sich in dieser Frage bereits geeinigt.
Aus aller Wett.
3m Fiebersumpf des Urwaldes von Indianern aufaefunden.
Goldsuchende Guaquero-Jndianer fanden im Departement Volivarvalle (Columbien) die Trümmer des fei dem 10. März verschollenen Flugzeuges einer amerikanischen Platingruben- Gesellschaft. Von der fünfköpfigen Besatzung war nur noch der Direktor der Grubengesellschaft namens Rewtons Marshall am Leben. Dieser war drei Wochen i m Fieber sumpf des Urwaldes umhergeirrt. Als die Indianer ihn fanden, war er völlig erschöpft. Er konnte nicht mehr sprechen. Die vier Begleiter des geretteten Direktors waren bereits lot. Auf die Kunde von der Auffindung des Flugzeuges entsandte die Grubengesellschaft sofort ein Sonderflugzeug mit einem Arzt an den Fundort. Die Platin- und Goldsendung des zerstörten Flugzeuges wurde unversehrt geborgen. Die Grubengesellschaft ist im nord- amerikanischen Besitz. Das Flugzeug der verunglückten Goldsucher wurde vermutlich im Urwald des Quellgebiets der Riesenströme Orinoco und Amazonas bzw. seines Rebenflusses RioRegro gefunden, der die ganze Osthälfte des südamerikanischen Staates Columbien ausfüllt.
Schwerer Raub 6:rfoU in der Pfalz.
3n Maudach wurde ein schwerer Raubüberfall in der Wohnung des Landwirts Eduard Amberger entdeckt. Amberger war in der Frühe zur gewohnten Arbeit ins Feld gegangen. Als er zum Frühstück nach Hanfe kam, fand er die Wohnung verschlossen vor. Da niemand öffnete, schlug er das Fenster ein. Run bot sich ihm ein schrecklicher Anblick: Seine Frau und seine 21jährige Tochter Alma lagen mit eingeschlageuen Schädeldecken bewußtlos am Boden. Die hiebe wurden allem Anschein nach mit einer Axt oder einem sonstigen ähnlichen Gegenstand ausgeführt. Außerdem wiesen beide Frauen am ganzen Körper Verletzungen auf. Die Wohnung war vollständig in Unordnung, Schubläden und Kasten waren herausgerissen und durchwühlt. Die 54jährige Ehefrau Amberger ist im Krankenhaus ihren schwerenVerlehungen erlegen. Der Zustand der ebenfalls lebensgefährlich verletzten Tochter ist ernst.
Die Ermittlungen Über den verbleib des Täters sind bis jetzt erfolglos gewesen. Auch über den Hergang der Tat lassen sich nur Vermutungen anstellen. Offenbar ist der Täter durch ein offenstehendes Fenster der Stallung in das Anwesen eingedrungen und nach der Tat auf dem gleichen Weg durch den anliegenden, auf das freie Feld mündenden Garten geflüchtet, vermutlich hat der Täter die Ehefrau zunächst allein in der Wohnung angetroffen. Die todbringenden
hiebe wurden mit einem Bell ausgeführt, das in der Küche hinter dem Schrank stand und wahrscheinlich von der Ueberfallenen zur Abwehr hervorgeholt wurde. Auf die gleiche Weise hat dann der Täter auch das 21jährige Mädchen, das wohl aus dem Schlafzimmer kommend, der Mutter zur Hilfe eilen wollte, niedergeschlagen. Der Täter hat dann die ganze Wohnung durchwühlt. Soweit bis jetzt feftfteht, hat der Täter aus einer Schublade eineDamenhandtasche mit 15 0 bis 200 Mark entwendet, wertvolle Schmucksachen lieh er unberührt. Der Tater wurde auf der Flucht in Richtung Rheingönheim gesehen.
Keine Altersgrenze für Radfahrer.
Berlin, 5. April. (DNB.) lieber die neue preußische Straßenverkehrsordnung sind vor einigen Tagen von einem Vertreter des preußischen Innenministeriums Ausführungen ge- macht worden, die zu Mißverständnissen geführt haben. Die Altersgrenze für Fahrzeugführer ist bekanntlich von 14 auf 16 Jahre heraufgesetzt worden. Diese Altersgrenze gilt aber, wie wir auf Anfrage an zuständiger Stelle erfahren, nicht für Radfahrer. Die weitere Mitteilung, daß die Benutzung von Fahrraddynamolampen ab 1. April nicht mehr statthaft ist, wird dahin berichtigt, daß nur Dynamobeleuchtung, die beim Langsamfahren bunte l brennt und bei stehendem Fahrzeug überhaupt nicht aufleuchtet, verboten ist. Eine Dynamobeleuchtung mit Zusatzbatterie kann weiter benutzt werden.
Die deutsche Reitermannschaft in Paris.
Die deutsche Reitermannschaft, die am Reitturnier in Nizza teilnehmen wird, ist unter Führung des Majors Freiherrn von Waldens eis in Paris eingetroffen und von Oberst Koeltz, dem Chef des 2. Büros des französischen Generalstabes, begrüßt worden. Die deutsche Mannschaft ist im Hotel „Palais d'Orsay" abgestiegen. Am Donnerstagmittag veranstaltete der deutsche Botschafter ein Frühstück, zu dem die deutsche und die französische Mannschaft geladen waren. Die deutsche Reitermannschaft wurde von Kriegsminister Marschall Pstain im Kriegsministerium empfangen. Der Kriegsminister ließ sich alle Herren vorstellen und unterhielt sich längere Zeit mit dem deutschen Militärattache Generalleutnant Kühlenthal, mit Generalmajor Freiherr von Dal- rn i g k und Major Freiherr von Walden- f e 15. Am Nachmittag statteten die deutschen Offiziere dem Pariser Reitturnier einen Besuch ab.
Ein Vertreter des „Jour" hatte Gelegenheit, mit Major von Waldenfels zu sprechen. Der Major erklärte, daß seine Kameraden sich gefreut hätten, vor einigen Wochen die französischen Offiziere in Berlin begrüßen zu dürfen, die am Berliner Reitturnier teilnahmen und dort vorzügliche Erfolge erzielten. Sie freuten sich jetzt, daß ihnen die Möglichkeit gegeben sei, ein schönes Land zu sehen und


